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Kürzliche Beiträge
3. Juli 2008, 14.32 Uhr:

Die Spirale ist wieder da

von Jörn Schulz

Vor drei Jahren habe ich sie für tot erklärt, nun erlebt sie eine Wiedergeburt: die Lohn-Preis-Spirale. Lohnerhöhungen, so die These, zwingen die Unternehmer zu Preiserhöhungen, auf die Gewerkschafter mit weiteren Lohnforderungen reagieren. Das – nicht die Preiserhöhung, sondern die Lohnerhöhung – erzeugt besagte Spirale, die die Wirtschaft schädigt.

In Deutschland ist es noch nicht soweit, stellt Alexander Hagelüken in der Süddeutschen Zeitung fest: „Es gibt bisher keine Anzeichen dafür, dass Gewerkschaften die Inflation missbrauchen würden, um wie in den siebziger Jahren eine Lohn-Preis-Spirale zu erzeugen.“ Anders in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dort allerdings „löst die Inflation eine Lohn-Preis-Spirale aus“, denn Gewerkschafter, denen man die Schuld geben könnte, gibt es nicht.

Den um den Standort besorgten deutschen Konsumenten stellt die Wiedergeburt der Lohn-Preis-Spirale vor ein Dilemma. „Die Konsumenten sind nicht mehr in Stimmung. Wie groß ist die Gefahr für die Konjunktur?“, fragte die Süddeutsche Zeitung, und noch Ende Juni wurde beklagt: „Hoher Ölpreis verdirbt Shoppinglaune.“ Auch einem geübten Wirtschaftsesoteriker dürfte es schwerfallen, eine durch böswilligen Inflationsmissbrauch und eine durch gute Shoppinglaune verursachte Preissteigerung voneinander zu unterscheiden. Kauft der Konsument nichts, schädigt er die Konjunktur und ist schuld an der globalen Rezession. Kauft er etwas, heizt er die Inflation an und ist schuld an der globalen Rezession.

2. Juli 2008, 18.37 Uhr:

Lachende Fanatiker

von Stefan Ripplinger

Die siebziger Jahre waren die Zeit der langweiligen Fanatiker, aber es gab auch, frei nach Scheerbart, ein paar „lachende Fanatiker“. Lange vor Punk entstand mitten im Herzland der Hippies eine Musik zwischen Drogendelir, Free Jazz, Krautrock und Neoavantgarde. Einiges davon war ziemlich stark, manches unvergesslich, z.B. Henry Cow. Etliche der Musiker von damals machen noch heute Musik, oft mit um Jahrzehnte Jüngeren. Wer die Crème der Szene auf einmal sehen will, fährt am Wochenende zum Avantgardefestival nach Schiphorst bei Lübeck. Eingeladen von Jean-Hervé Peron und Carina Varain, seiner Frau, spielen Tim Hodgkinson, Geoff Leigh und Chris Cutler von Henry Cow, außerdem Nurse With Wound, Faust, The Kosmische DJs, Rachael Tyrell, Mona Mur, das Sternschuss Trio und zwei Dutzend anderer Bands.

2. Juli 2008, 17.11 Uhr:

Endlich wieder Fußball!

von Ivo Bozic

Am Sonntag, den 6. Juli, ist es soweit, das Jungle-World-Team hat die ehrenvolle Aufgabe, beim Turnier der Autorennationalmannschaft (Autonama) den im vorigen Jahr souverän errungenen „Erich Mühsam Pokal“ (gestiftet von Luca, dem Wirt des Il Covo) zu verteidigen.

Und hier der Spielplan:

Platz 1, Gruppe 1

Autonama I.
Karkossa
Junge Welt
Das Magazin
Der Spiegel

9.30 Uhr Autonama I. - Spiegel
9.55 Uhr Junge Welt - SG Karkossa
10.20 Uhr Das Magazin - Autonama I.
10.45 Uhr Spiegel – Junge Welt
11.10 Uhr Das Magazin - SG Karkossa
11.35 Uhr Autonama I. – Junge Welt
12.00 Uhr SG Karkossa - Spiegel
12.25 Uhr Das Magazin – Junge Welt
12.50 Uhr Autonama I. – SG Karkossa
13.15 Uhr Spiegel – Das Magazin

Platz 2, Gruppe 2

Autonama II.
Schaubühne Berlin
11Freunde/Bolzen
Mischzone
Jungle World/Amnesty

9.30 Uhr Autonama II. - Jungle World
9.55 Uhr Bolzen - Schaubühne
10.20 Uhr Mischzone - Autonama II.
10.45 Uhr Jungle World – Bolzen
11.10 Uhr Mischzone - Schaubühne
11.35 Uhr Autonama II. – Bolzen
12.00 Uhr Schaubühne - Jungle World
12.25 Uhr Mischzone - Bolzen
12.50 Uhr Autonama II. – Schaubühne
13.15 Uhr Jungle World - Mischzone

Viertelfinale:

13.45 Uhr Zweiter Gruppe 1 - Dritter Gruppe 2
13.45 Uhr Erster Gruppe 1 - Vierter Gruppe 2
14.05 Uhr Dritter Gruppe 1 - Zweiter Gruppe 2
14.05 Uhr Erster Gruppe 2 -Vierter Gruppe 1

Halbfinale jeweils 14.30 Uhr

7-Meterschiessen um Platz 3 14.45 Uhr

Endspiel 15 Uhr, danach Siegerehrung

16 Uhr: Lesung mit Spielern der Autorennationalmannschaft

Ort: Fußballplatz an der Linienstraße in Berlin Mitte
Eingang: Linienstraße/ Kleine Hamburger Str. , 10115 Berlin
Eintritt frei

2. Juli 2008, 16.52 Uhr:

Abi 2008

von Ivo Bozic

Herzlichen Glückwunsch an Loddars Freundin zum bestandenen Abitur!

1. Juli 2008, 21.12 Uhr:

Was macht eigentlich...

von Ivo Bozic

…Thomas Radermacher? Das frage ich mich anlässlich des 15. Jahrestags der Asylrechtsänderung. Im Juni 1993 hatte ich für das „Neue Deutschland“ eine Reportage von der Oder-Grenze gemacht und dabei nachweisen können, wie das Recht auf Asyl schon vor der Grundrechtsänderung faktisch außer Kraft gesetzt wurde. Vor allem dadurch, dass der BGS den bei der illegalen Einreise erwischten Flüchtlingen undurchsichtige Formulare hinhielt, auf denen zum Beispiel als „Reisegrund“ nur folgende vier Optionen zum Ankreuzen angeboten wurden: „a) Besuch von Bekannten oder Verwandten, b) Urlaubsreise, c) Geschäftsreise, d) Arbeitsaufenthalt“. Kreuzte ein Flüchtling irgendetwas davon an, und das taten die meisten in ihrer Not, war es aus mit der Chance auf Asyl. Ein Asylantrag konnte dann nicht mehr gestellt werden. Die direkte Abschiebung war die Folge.

Außerdem hieß es auf dem Formular: „Der Beschuldigte ermächtigt …, die in diesem Verfahren an ihn zuzustellenden Schriftstücke zu empfangen und weiterzusenden.“ Wo die drei Punkte waren, setzten alle BGS-Beamten an der deutschen Ostgrenze einen auswendig gelernten Namen ein: „Thomas Radermacher, Logenstr. 8, Frankfurt/Oder“. Und einen Satz weiter ermächtigte der Unterzeichnende diesen Menschen außerdem, in seinem Namen „Widerspruch einzulegen bzw. zurückzunehmen“. Sprich: Das Schicksal jedes abgeschobenen Flüchtlings lag ganz in den Händen von Thomas Radermacher.

Da die Adresse ja bekannt war, ging ich hin zur Logenstraße 8 in Frankfurt/Oder und war überrascht, dass das die Adresse der Staatsanwaltschaft im Oderturm war. Ich fand auch Herrn Radermacher. Er saß in einem Büro an einem Schreibtisch. Auf der linken Seite lag ein Stapel Briefe ohne Briefmarken, auf der rechten Seite lagen Briefmarken und Thomas Radermacher saß dazwischen und klebte die Marken auf die Umschläge. Das war sein Job. Offizielle Bezeichnung: „Zustellungsbevollmächtigter“, in der Realität: „Leiter der Wachtmeisterei“, d.h. er saß in der Telefon- und Post-Zentrale der Staatsanwaltschaft und sortierte Briefe.

Ja, sagte er mir, irgendwann habe man ihn mal zum „Zustellungsbevollmächtigten“ befördert, was genau das bedeute, wisse er aber nicht. Gelegentlich habe er mal Unterschriften unter Briefe gesetzt, die er aber nie gelesen habe. Worum es da ging? Keine Ahnung. Ob er denn schon mal für einen abgeschobenen Flüchtling Widerspruch eingelegt habe, fragte ich ihn? Er war sehr verunsichert, aber nett und sehr offen. Nein, sagte er, er glaube auch nicht, dass er dazu befugt sei.

War er aber. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Bannenberg hieß der, ihn traf ich auch im Oderturm, erklärte mir: „Wenn ein Bürger im Ausland das Urteil zugeschickt bekommt, lässt er es übersetzen, und wenn er der Meinung ist, Einspruch einlegen zu wollen, ruft er Herrn Radermacher an und sagt dem: Ich möchte Widerspruch einlegen. Denn ein Brief würde nicht mehr rechtzeitig bei Gericht eingehen. Die Einspruchsfrist ist ja sehr kurz.“ Man kann es sich denken: Thomas Radermacher wurde nie angerufen. Nicht ein einziges Mal. Auf dem Formular hatte auch keine Telefonnummer gestanden.

Was macht Thomas Radermacher heute, 15 Jahre später? Ich bin ziemlich sicher, er sitzt noch immer im Oderturm und klebt Briefmarken…

1. Juli 2008, 11.15 Uhr:

Bloggen ist auch ein Sport

von Ivo Bozic

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28. Juni 2008, 07.01 Uhr:

Mach's gut, Nachbar

von Stefan Ripplinger

Nun beginne ich doch den Clochard zu vermissen, der hier auf der Straße lebte, mal im Waschsalon hockte, mal beim Imbiss gegenüber aushalf und dort eines unvergesslichen Nachmittags, ich saß gerade rauchend auf dem Balkon, sich in eine der deutschen Flaggen, die vor der Bude hingen, die Nase schneuzte.

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