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Kürzliche Beiträge
24. Mai 2008, 14.18 Uhr:

Mullahs trösten

von Ivo Bozic

Lafontaine durfte nicht hinreisen, aber Peter Ramsauer (CSU) war da - im Iran. Und er traf dort auf ganz verzweifelte Mullahs:

Doch er konnte sie trösten: “‘In der Wirtschaftsgeschichte ist es nur ganz selten gelungen, mit Sanktionen ein Land in die Knie zu zwingen – und das wird auch bei Ihrem Land so sein’, beruhigt er seine Gastgeber.”

23. Mai 2008, 14.03 Uhr:

entweder oder nicht

von Ivo Bozic

Bin mal gespannt. Auf dem Parteitag der „Linken“ am Wochenende liegen zwei Anträge zu internationaler Politik vor. Einer, der die Solidarität der Partei mit der „fortschrittlichen Bewegung“ in Venezuela erklärt. Und einer, der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran wegen der „gravierenden Menschenrechtsverletzungen“ dort fordert.
Wenn beide Anträge angenommen werden, muss die Diagnose wohl Schizophrenie lauten. Wenn nur einer der beiden Anträge angenommen wird, wäre das quasi eine Richtungsentscheidung.

Im Übrigen haben die beiden „Brüdervölker“ (Chavez) gerade auch noch eine gemeinsame Bank gegründet. Da fällt mir ein: Was macht eigentlich Dieter Dehms „Bündnis gegen die Bankenmacht“?

23. Mai 2008, 13.27 Uhr:

Bienenvolksstimme

von Ivo Bozic

Sind wir ein neues Bienenvolk, das aus einem größeren abgezweigt wurde? Oder ein Pflanzenteil, aus dem eine eigenständige Pflanze entsteht? Ist die Jungle World ein “Ableger“? Die Volksstimme aus Magdeburg meint, ja. Ich meine, naja, alle lebenden Zellen nutzen dieselben Nukleinsäuren als genetisches Material, das wär’s aber nach elf Jahren erfolgreicher Evolution auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Das sei dem Ableger des Bauerverlags hiermit gesagt.

23. Mai 2008, 11.47 Uhr:

Zweifel

von Stefan Ripplinger

Zu den von Küchenpsychologen mal mit Belegen, mal mit Geifer vorgebrachten Mutmaßungen über den Geisteszustand der Meinhof in den Wochen vor ihrem Tod, sie sei von ungestilltem Blutdurst oder von religiösem Wahn beherrscht gewesen, habe sich vor dem Muttertag gefürchtet oder sich von ihren Kumpanen trennen wollen, scheint mir ein seltsames Detail jeweils nicht zu passen, nämlich dass sie zuletzt Wittgensteins „Philosophische Grammatik“ gelesen hat, ein Buch, das eine kalte Dusche für alle Blutdurstigen, ein schrillender Wecker für alle Somnambulen ist und das von einem Zweifel spricht, der tiefer reicht als der, ob man sich mit Baader und Ensslin noch unterhalten sollte, denn es stellt ja die Frage, was sich zu unterhalten überhaupt heißen kann, eine politische Frage nebenbei, und in anderen Ländern, insbesondere Italien, hat man Wittgenstein denn auch für einen politischen Philosophen gehalten.

21. Mai 2008, 14.16 Uhr:

Lalala, Ustascha!

von Markus Ströhlein

Die gemeine, deutsche Rechtsrock-Kapelle hat es für gewöhnlich nicht leicht. Meist muss sie ihre rumpelige Propaganda in den engen Hinterzimmern miefiger Provinzkaschemmen absondern. Häufig kommt noch dazu die Polizei und beendet das armselige Treiben vorzeitig. Und das ist ja auch gut so.
Neidisch dürften die deutschen Nazi-Musikanten werden, wenn sie sehen, unter welchen Bedingungen ihr kroatischer Kollege Marko Perkovic in Deutschland gastiert.
Heute abend tritt er im Stadion Festwiese in Stuttgart auf. Vor 2000 Gästen wird der Mann, der sich für seine Darbietungen in Schale bzw. in das schwarze Hemd der kroatischen Faschisten wirft, zwei Stunden lang Lieder zum Besten geben.
Auf Smash-Hits wie “Jasenovac", in dem er das gleichnamige Konzentrationslager lobhudelnd besingt, in dem kroatische Faschisten zwischen 1941 und 1945 mehrere hunderttausend Serben, Juden, Roma und Antifaschisten bestialisch zu Tode quälten, oder „E, moj Narode“ („Oh, mein Volk“), in dem er die Kroaten zum Kampf gegen Freimaurer, Kommunisten und natürlich Serben anstachelt, müssen die Besucher wohl verzichten. Denn die Stadt Stuttgart hat etliche Auflagen erlassen: Perkovic darf nicht nur die besagten Songs nicht spielen. Kroatisch sprechende Polizeibeamte werden vor Ort sein, um zu prüfen, ob diese Auflage eingehalten wird. “Es sind sämtliche Handlungen, Symbole, Kennzeichen der Ustascha-Bewegung und sonstiger verfassungsfeindlicher Organisationen verboten", heißt es auf Nachfrage im Amt für öffentliche Ordnung. Und, sicher ist sicher: Das Bier darf nur in Plastikbechern ausgeschenkt werden.
Warum niemand in der verantwortlichen Behörde auf die Idee gekommen ist, dem bekennenden Faschisten ein städtisches Stadion ganz einfach nicht zur Verfügung zu stellen, wurde mir im Amt für öffentliche Ordnung Stuttgart in schnoddrigem Schwäbisch beantwortet:
“Er isch umstridde’, aber ned verbode’. Das isch d’r Punkt.”
("Er ist umstritten, aber nicht verboten. Das ist der Punkt.")

In Kanada hat man sich im vergangenen Jahr nicht mit der Frage aufgehalten, ob ein singender Faschist “umstritten” oder “verboten” sein muss, um Stadionverbot zu erhalten. Im vergangenen November haben zwei Veranstaltungsorte in Toronto geplante Konzerte des “rechten Arms Kroatiens", wie Marko Perkovic manchmal treffend bezeichnet wird, abgesagt, nachdem sie vom Simon-Wiesenthal-Center auf seine politische Haltung hingewiesen worden waren. Das ist der Punkt.

21. Mai 2008, 12.22 Uhr:

Hoffenheim Ultras

von Ivo Bozic

In der Ultra-Szene ist der TSG Hoffenheim ein echtes Feindbild. Zumindest in dieser Hinsicht wird Bayern München wohl bald nur noch Zweiter. Dennoch habe ich im Internet schon Ultra-Fan-Garderobe für den neuen Erstligisten gefunden. Die passenden Fans dazu werden sich schon auch noch finden.

Bereits jetzt hat der Verein aus dem 3300-Seelendorf eine ganze Menge Fan-Clubs. Vielleicht keine Ultras, aber dafür einen „Akademiker-Fanclub“. Ob das dem Ansehen des Vereins nutzt, weiß ich jetzt aber nicht.

20. Mai 2008, 09.54 Uhr:

Stewart

von Stefan Ripplinger

Was schauen wir uns denn zum hundertsten Geburtstag von James Stewart an? Einen Klassiker von Anthony Mann? Einen Klassiker von Hitchcock? Ich lege mir noch einmal „Two Rode Together“ von John Ford ein, einen Film, den alle Beteiligten gehasst haben, „it was a load of crap“ (Ford), der bei Kritik und Publikum durchfiel und über dessen Produktion die Anekdote kursiert, die beiden in die Jahre gekommenen Hauptdarsteller, Richard Widmark und Stewart, hätten nicht immer die Regieanweisungen von Ford hören können, der, entnervt, schließlich ausgerufen habe:

Fifty years in this goddam business, and what do I end up doing? Directing two deaf hairpieces!

Es ist ein Remake von „The Searchers“, aber diesmal steht nicht ein zynisches, rassistisches Arschloch gegen eine Familie von blauäugigen Siedlern, sondern die Siedler sind allesamt rassistische Arschlöcher und der zynische Koofmich ist überhaupt der einzige, der die Geschichte mit Würde besteht. Sehr bitter, sehr stark.

P.S. nach dem Wiederanschauen: Die beiden tauben Toupets sind auf der Höhe ihrer Kunst. Widmark als steifer Junggeselle, Stewart als mürrischer Widerling. Nie war es vergnüglicher, ihm beim Phrasieren zuzuhören, diesem beleidigten Herumkauen auf Wörtern. Böse, knappe lines von Frank Nugent, “Just how much do you think human lives are worth, McCabe? - Whatever the market will bear! No more, no less", und so steigert es sich von einem Geblödel und einem burlesken Hauen und Stechen über die Satire - der Einzug des korrupten Marshals wird gefeiert, als ritte er auf dem Maulesel in Jerusalem ein - bis zur vollendeten Tragödie. In vielen seiner Filme assoziiert Ford Volk mit Lynchmob, hier lässt er wirklich lynchen, und das ist der Schluss. Oder fast der Schluss. Wie immer muss der Held, wenn es einer ist, das schäbige Dorf verlassen, dem er hier ohnehin nur pekuniär verbunden war.

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