Jungle World abonnieren
Jungle World - shop
Kürzliche Beiträge
27. Mai 2008, 12.18 Uhr:

Der Müll, die Stadt und der Tod

von Ivo Bozic

Im Spiegel stand ein Artikel zu dem Pogrom gegen die Roma in Neapel-Ponticelli und den Ausschreitungen wegen der Müllkrise. Der Autor Alexander Smoltczyk hat beide Ereignisse in Zusammenhang gebracht: „Die Leute von Ponticelli machten das, was sie auch mit den Müllhaufen tun, um die sich niemand kümmert. Ein paar Jugendlichen wurde zu verstehen gegeben, dass niemand etwas gegen Brandflaschen einzuwenden hätte.“ Der Artikel endet mit dem beißenden Absatz:

„Der Müll und die Roma stehen auf der Tagesordnung. Es wird wieder Sonderdekrete geben und ein Sicherheitspaket. Und alle werden von den modernen Verbrennungsanlagen jenseits der Alpen reden und wie man dort mit Problemen fertig wird. Deutschland hat seine Hilfe angeboten. Die nächsten zehn Wochen werden jeden Tag Güterzüge nach Norden rollen. In das Land, wo die besten Öfen stehen.“

In der Online-Ausgabe lesen wir nun den Artikel ohne den letzten Satz, dafür mit folgender redaktioneller Anmerkung:
„In der aktuellen Printausgabe des SPIEGEL endet dieser Text mit dem Satz: ‚In das Land, wo die besten Öfen stehen.’ Der Autor wollte damit das Erschreckende einer ‚Weg mit…’-Haltung betonen, die gegenüber lästigem Müll und lästigen Menschen nur ans Werfen von Brandflaschen denkt. Zu seinem Bedauern kann dieser Satz als bloßes Wortspiel mit der Erinnerung an die Nazi-Zeit missverstanden werden und wurde deshalb in der Online-Version gestrichen.”

Wortspiel? Missverständnis? Nein, nein, das glaub ich kaum. Der Autor wollte mit dem Satz „In das Land, wo die besten Öfen stehen“ wohl kaum „das Erschreckende einer ‚Weg mit…’-Haltung betonen“, denn das hat er ja schon vorher ausgiebig getan. Mit diesem letzten Satz wollte er ziemlich sicher genau das tun, was die Redaktion nun als „Missverständnis“ deklariert, nämlich eine „Erinnerung an die Nazi-Zeit“ assoziieren - allerdings nicht als „Wortspiel“, sondern sehr klar und deutlich. Was der Autor nun angeblich „bedauert“ ist mir allerdings nicht klar, ich nehme eher an, der Spiegel bedauert. Aber zugegeben: Das ist nur eine Vermutung…

25. Mai 2008, 08.48 Uhr:

Sorry (6 und Schluss)

von Stefan Ripplinger

24. Mai 2008, 14.18 Uhr:

Mullahs trösten

von Ivo Bozic

Lafontaine durfte nicht hinreisen, aber Peter Ramsauer (CSU) war da - im Iran. Und er traf dort auf ganz verzweifelte Mullahs:

Doch er konnte sie trösten: “‘In der Wirtschaftsgeschichte ist es nur ganz selten gelungen, mit Sanktionen ein Land in die Knie zu zwingen – und das wird auch bei Ihrem Land so sein’, beruhigt er seine Gastgeber.”

23. Mai 2008, 14.03 Uhr:

entweder oder nicht

von Ivo Bozic

Bin mal gespannt. Auf dem Parteitag der „Linken“ am Wochenende liegen zwei Anträge zu internationaler Politik vor. Einer, der die Solidarität der Partei mit der „fortschrittlichen Bewegung“ in Venezuela erklärt. Und einer, der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran wegen der „gravierenden Menschenrechtsverletzungen“ dort fordert.
Wenn beide Anträge angenommen werden, muss die Diagnose wohl Schizophrenie lauten. Wenn nur einer der beiden Anträge angenommen wird, wäre das quasi eine Richtungsentscheidung.

Im Übrigen haben die beiden „Brüdervölker“ (Chavez) gerade auch noch eine gemeinsame Bank gegründet. Da fällt mir ein: Was macht eigentlich Dieter Dehms „Bündnis gegen die Bankenmacht“?

23. Mai 2008, 13.27 Uhr:

Bienenvolksstimme

von Ivo Bozic

Sind wir ein neues Bienenvolk, das aus einem größeren abgezweigt wurde? Oder ein Pflanzenteil, aus dem eine eigenständige Pflanze entsteht? Ist die Jungle World ein “Ableger“? Die Volksstimme aus Magdeburg meint, ja. Ich meine, naja, alle lebenden Zellen nutzen dieselben Nukleinsäuren als genetisches Material, das wär’s aber nach elf Jahren erfolgreicher Evolution auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Das sei dem Ableger des Bauerverlags hiermit gesagt.

23. Mai 2008, 11.47 Uhr:

Zweifel

von Stefan Ripplinger

Zu den von Küchenpsychologen mal mit Belegen, mal mit Geifer vorgebrachten Mutmaßungen über den Geisteszustand der Meinhof in den Wochen vor ihrem Tod, sie sei von ungestilltem Blutdurst oder von religiösem Wahn beherrscht gewesen, habe sich vor dem Muttertag gefürchtet oder sich von ihren Kumpanen trennen wollen, scheint mir ein seltsames Detail jeweils nicht zu passen, nämlich dass sie zuletzt Wittgensteins „Philosophische Grammatik“ gelesen hat, ein Buch, das eine kalte Dusche für alle Blutdurstigen, ein schrillender Wecker für alle Somnambulen ist und das von einem Zweifel spricht, der tiefer reicht als der, ob man sich mit Baader und Ensslin noch unterhalten sollte, denn es stellt ja die Frage, was sich zu unterhalten überhaupt heißen kann, eine politische Frage nebenbei, und in anderen Ländern, insbesondere Italien, hat man Wittgenstein denn auch für einen politischen Philosophen gehalten.

21. Mai 2008, 14.16 Uhr:

Lalala, Ustascha!

von Markus Ströhlein

Die gemeine, deutsche Rechtsrock-Kapelle hat es für gewöhnlich nicht leicht. Meist muss sie ihre rumpelige Propaganda in den engen Hinterzimmern miefiger Provinzkaschemmen absondern. Häufig kommt noch dazu die Polizei und beendet das armselige Treiben vorzeitig. Und das ist ja auch gut so.
Neidisch dürften die deutschen Nazi-Musikanten werden, wenn sie sehen, unter welchen Bedingungen ihr kroatischer Kollege Marko Perkovic in Deutschland gastiert.
Heute abend tritt er im Stadion Festwiese in Stuttgart auf. Vor 2000 Gästen wird der Mann, der sich für seine Darbietungen in Schale bzw. in das schwarze Hemd der kroatischen Faschisten wirft, zwei Stunden lang Lieder zum Besten geben.
Auf Smash-Hits wie “Jasenovac", in dem er das gleichnamige Konzentrationslager lobhudelnd besingt, in dem kroatische Faschisten zwischen 1941 und 1945 mehrere hunderttausend Serben, Juden, Roma und Antifaschisten bestialisch zu Tode quälten, oder „E, moj Narode“ („Oh, mein Volk“), in dem er die Kroaten zum Kampf gegen Freimaurer, Kommunisten und natürlich Serben anstachelt, müssen die Besucher wohl verzichten. Denn die Stadt Stuttgart hat etliche Auflagen erlassen: Perkovic darf nicht nur die besagten Songs nicht spielen. Kroatisch sprechende Polizeibeamte werden vor Ort sein, um zu prüfen, ob diese Auflage eingehalten wird. “Es sind sämtliche Handlungen, Symbole, Kennzeichen der Ustascha-Bewegung und sonstiger verfassungsfeindlicher Organisationen verboten", heißt es auf Nachfrage im Amt für öffentliche Ordnung. Und, sicher ist sicher: Das Bier darf nur in Plastikbechern ausgeschenkt werden.
Warum niemand in der verantwortlichen Behörde auf die Idee gekommen ist, dem bekennenden Faschisten ein städtisches Stadion ganz einfach nicht zur Verfügung zu stellen, wurde mir im Amt für öffentliche Ordnung Stuttgart in schnoddrigem Schwäbisch beantwortet:
“Er isch umstridde’, aber ned verbode’. Das isch d’r Punkt.”
("Er ist umstritten, aber nicht verboten. Das ist der Punkt.")

In Kanada hat man sich im vergangenen Jahr nicht mit der Frage aufgehalten, ob ein singender Faschist “umstritten” oder “verboten” sein muss, um Stadionverbot zu erhalten. Im vergangenen November haben zwei Veranstaltungsorte in Toronto geplante Konzerte des “rechten Arms Kroatiens", wie Marko Perkovic manchmal treffend bezeichnet wird, abgesagt, nachdem sie vom Simon-Wiesenthal-Center auf seine politische Haltung hingewiesen worden waren. Das ist der Punkt.

Schmeicheln Sie uns!

Falls Sie Ihre Wertschätzung für unsere Website ausdrücken möchten, können Sie dies mithilfe des Mikro-Bezahlsystems Flattr tun. Benutzen Sie einfach den folgenden Button:

Mehr Informationen auf flattr.com

Anzeige Transformellae Ikeae

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …