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Kürzliche Beiträge
17. April 2013, 18.09 Uhr:

Emission accomplished

von Jörn Schulz

Sollten Sie zufällig ein talentierter Hacker auf der Suche nach einer Mission sein, hätte ich da eine Idee: Lassen Sie CO2-Emissionszertifikate verschwinden. Wie gesagt, das ist nur eine Idee, nicht dass jetzt jemand denkt, hier würde zu illegalen Handlungen aufgefordert. Würde uns nie in den Sinn kommen, Frau Schröder! Aber zurück zu den Zertifikaten: die existieren nur digital, und wenn sie weg sind, sind sie weg.

Wenn es Ihnen – nein, nicht Ihnen, Frau Schröder, sondern Ihnen, lieber talentierter Hacker – gelingen sollte, alle Zertifikate verschwinden zu lassen, darf niemand in der EU mehr CO2 ausstoßen. Theoretisch jedenfalls, denn man ahnt, dass Kraftwerke und Industriebetriebe trotzdem weiterlaufen würden. Sie könnten natürlich auch sagen wir mal 80 Prozent der Zertifikate verschwinden lassen, dann wären die übrigen auf einmal etwas wert und Investitionen in den Klimaschutz würden sich wieder lohnen. Dann käme die ökologische Marktwirtschaft endlich wieder ins Lot, und aus der Finanzbranche, wo jahrelang die Interbankenzinssätze manipuliert wurden, um Stabilität vorzutäuschen, weiß man, dass es ohne Schummelei im modernen Kapitalismus nicht mehr geht.

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16. April 2013, 17.30 Uhr:

Das Ich ist wieder da!

von Jörn Schulz

Vielleicht hat die SPD ja doch noch eine Chance bei den Wahlen, denn Guido Westerwelle äußert sich jetzt wieder zur Innenpolitik. Ihn erinnert der SPD-Slogan „Das Wir entscheidet“ an die DDR-Parole „Vom Ich zum Wir“, er mahnt: „Es besorgt mich dieses Maß an mangelndem Geschichtsbewusstsein, dass wir schon vergessen haben, was passiert, wenn das Kollektiv Vorrang hat vor der einzelnen Persönlichkeit.“ Tja, Herr Westerwelle, haben Sie da nicht eine Kleinigkeit vergessen? Schließlich handelt es sich um den Slogan einer Leiharbeitsfirma. Mit anderen Worten: Leiharbeit ist Zwangskollektivierung auf Kosten der Individualität! Da ist ja was dran, die Leute haben keinen Einfluss auf ihr Arbeitsfeld, werden ohne Rücksicht auf persönliche Bedürfnisse mal hierhin, mal dahin gescheucht und erhalten Löhne auf DDR-Niveau. Wer hätte gedacht, dass Sie sich zu einer wenn auch partiellen Kapitalismuskritik durchringen können? Aber auf die Parteispende des Verbands der Personaldienstleister werden Sie dieses Jahr wohl verzichten müssen.

12. April 2013, 17.06 Uhr:

Wir!

von Jörn Schulz

„Vor keinem Fettnapf weicht zurück / Unser Mann, der Peer Steinbrück“ – das wäre ein passender Slogan für den SPD-Wahlkampf. Oder: „Verlieren fällt uns gar nicht schwer / Denn wir haben unsern Peer“. Nach der Wahl wird man dann titeln können: „Peer zählt nun wieder Honorare / Angela ihre Kanzlerjahre“.

Es ist ja gar nicht so unpassend, dass die SPD mit dem Slogan einer Leiharbeitsfirma wirbt, schließlich hat die Branche der Partei der Agenda 2010 viel zu veranken. Und man kann den Leuten schließlich nicht mit dem alten Zeug kommen, „Überführung der Grundstoffindustrie in Gemeineigentum - nicht Herrschaft der Manager und Großaktionäre“, tja, das war 1953.

Tatsächlich hält die Zeitarbeitsbranche eine erstaunlich große Auswahl an passenden SPD-Wahlkampfslogans bereit, „Weil jeder Einzelne zählt“ (Tempton), „Die Zukunft beginnt heute!“ (zeitconcept), „Gute Arbeit vor Ort“ (Zag Personaldienste), „… weil Personal Vertrauenssache ist“ (Aventa Personalservice) – hmm, den vielleicht lieber nicht, aber der Slogan des Bundesverbands der Personaldienstleister, „Einstieg. Aufstieg. Wachstum.“, erfüllt alle Anforderungen. Dynamisch. Optimistisch. Nichtssagend.

Warum hat die SPD ausgerechnet das weder zukunftsfähige noch nachhaltige „Das Wir entscheidet“ ausgewählt? Who the fuck ist „Das Wir“? Unweigerlich denkt man an Freddy Quinns unvergesslichen Song „Wir“. Der richtete sich damals gegen die „Gammler“, aber ein paar kleine Änderungen im Text, und schon könnte ein prima SPD-Wahlkampfsong draus werden. Also, liebe Genossinnen und Genossen im Willy-Brandt-Haus, den Steinbrück könnt ihr nun nicht mehr feuern, um die Wahl trotzdem zu gewinnen könnt ihr ihn entweder im nächsten Fettnapf ertränken, was aber unappetitlich und zudem ein Straftat wäre, oder diesen Song, ich würde ihn „Hymne der Gerechtigkeit“ nennen, so laut singen, dass niemand mehr Steinbrück hören kann. Das Beraterhonorar bitte ich an die Stiftung Schulz Unlimited auf den Caymans zu überweisen.

„Wer will nicht mit Bankern verwechselt werden? WIR!
Wer sorgt sich um die Arbeit auf Erden? WIR!
Ihr seid ständig am Knete verprassen,
wer kann eure sinnlose Gier nicht mehr fassen? WIR! WIR! WIR!
Wer hat den Mut, für euch sich zu schämen? WIR!
Wer lässt sich unsere Zukunft nicht nehmen? WIR!
Wer sieht euch ständig Boni kassieren,
und muss vor euch jede Achtung verlieren? WIR! WIR! WIR!

Denn jemand muss da sein, der alles berichtigt,
der die Pleiten aufhält,
der erstmal so richtig die Banken bezichtigt,
denn die haben ja unser Geld.

Die Welt von Morgen sind bereits heute WIR!
Wer bleibt nicht ewig eure Beute? WIR!
Wer trägt sein Geld in Steueroasen,
lässt sich von Escort-Girls einen blasen? IHR! IHR! IHR!
Wer schnürt für euch die Rettungspakete? WIR!
Wer überschüttet euch ständig mit Knete? WIR!
Wer hat sogar so ähnliche Maschen,
nur nicht genug Geld, um es zu waschen? WIR! WIR! WIR!

Auch wir woll’n vom Geld mehr,
drum wählen wir den Peer,
der soll sie besteuern,
sonst werd’n wir ihn feuern“

Halt, so geht’s natürlich nicht. Viel zu radikal. Versuchen wir’s nochmal:

„der kann uns versichern
ohne zu kichern,
dass er für Gerechtigkeit sorgt
und uns im Notfall was borgt.“

Ja, schon besser.

„Wer hat noch nicht die Hoffnung verloren? WIR!
Und zieht den Bankern nun an den Ohren? WIR!
Doch wer will weiter nur kassieren,
bis nichts mehr da ist zum kassieren? IHR! IHR! IHR!“

Zum Schluss muss natürlich noch nachhaltig zukunftsfähiger Optimismus anklingen:

„Wer hat die Arbeiter niemals verraten? WIR!
Und ist bekannt für gute Taten? WIR!
Wer wird deshalb die Wahlen gewinnen? WIR!
Wer lässt dann Deutschlands Zukunft beginnen? WIR!

Wir lieben den Steinbrück
Da gibt es kein zurück
Es hält uns kein Fettnapf mehr auf
Wenn Wir dann entscheidet
Und niemand mehr leidet
Dann nimmt das Glück seinen Lauf.“

12. April 2013, 00.27 Uhr:

Dao, Kim, das Tierkreiszeichen und die identitäre Narzisse

von Thomas von der Osten-Sacken

Zum Glück gibt es die Genossen von der Jungen Welt, die ganz poststalinistisch es zwar noch immer mit allen möglichen Diktatoren halten, solange diese nur zertifiziert antiimperialistisch sind, sich aber auch der neuen Religiösität, die allüberall zu spüren ist, langsam öffnen und  deshalb neuerdings auch Verständnis für fernöstliche Spiritualität zeigen. Und so  materialistisch-daoistisch erklärt macht das Verhalten der nordkoreanischen Führung plötzlich ganz viel Sinn, ist eigentlich nur, wie bei großen antiimperialistischen Führern ja immer, nur auf Frieden ausgerichtet:

60 Jahre später besteht ein Kalkül Pjöngjangs darin, mit allen Mitteln darauf hinzuwirken, das Waffenstillstandsabkommen in einen längst überfälligen Friedensvertrag mit eigenen Sicherheitsgarantien zu überführen. Die Zahl 60 ist in der Region symbolträchtig und von größter Bedeutung – die fünf Elemente der daoistischen Philosophie multipliziert mit den zwölf Tierkreiszeichen stehen für einen Lebenszyklus, weshalb der 60. Geburtstag auch als wichtigster gilt.

Die Kameraden von den Rechtsekeltruppe namens “Die Identitären” finden den Antiimperialismus Nordkoreas auch ganz toll, haben es aber bislang vor lauter Moscheenbesetzerei offenbar noch nicht geschafft, eine Einführung in den Daosimus zu lesen und bleiben deshalb bei einer eher bodenständig alteuropäischen Diktion:

(Nordkorea) ist also bündnisfrei und selbstbestimmt, wirtschaftlich unabhängig von globalen Konzernen und militärisch antiimperialistisch und nur der Selbstverteidigung verpflichtet. So verblüfft es nicht, daß insbesondere der Weltenbrandstifter USA und die ihm im Kadavergehorsam folgenden NATO-Staaten die neue Gefahr propagieren. (…)
Die nordkoreanische Planwirtschaft boomt natürlich nicht. Einerseits ist die landwirtschaftlich urbare Fläche schlichtweg zu klein, um das ganze Volk zu ernähren, sodaß Nordkorea vor allem aus China, mit dem es täglichen Flug-, Bahn– und Schiffsverkehr unterhält, vorwiegend Nahrungsmittel importiert.
Andererseits kann sie auch nicht boomen, da sie nicht wie die westlichen Staaten auf dauerhaftem und linear steigendem Wachstum, sondern auf Notwendigkeit und Gleichheit aufgebaut ist.

8. April 2013, 13.56 Uhr:

Irish Teachers, You Suck!

von Thomas von der Osten-Sacken

Es wird sicher keinen großen Unterschied machen, aber trotzdem erkläre ich hiermit, fortan alle irischen Produkte zu boykottieren. Ansonsten hoffe ich, dass die Banken, in denen gewerkschaftlich organisierte irische Lehrer ihre Guthaben liegen haben, möglichst bald bankrott gehen und alles Übel, was man gewerkschaftlich organisierten irischen Lehrern sonst noch an den Hals wünschen kann, sei ihnen hiermit an den Hals gewünscht. Warum? Deshalb:

The Teachers Union of Ireland has voted to boycott all academic collaboration with Israel, including research programmes and exchange of scientists.

It is thought to be the first full academic boycott enforced by a European teaching union.

A motion, calling for all members of the union to end work with Israeli counterparts, was passed unanimously at the TUI annual conference in Galway on Thursday.

The union called on the Irish Congress of Trade Unions to increase its campaign for boycott, divestment and sanctions against “the apartheid state of Israel until it lifts its illegal siege of Gaza and its illegal occupation of the West Bank”.

 

 

13. März 2013, 17.44 Uhr:

Papstwahl: Was sagt der Experte?

von Jörn Schulz

Alle Welt wartet auf den weißen Rauch. Wir wollten uns nicht mit dem Geschwätz der Gutgläubigen zufrieden geben und fragten deshalb den Geschäftsmann und Vatikanexperten Michael Corleone nach seiner Einschätzung.

Herr Corleone, manche kritisieren Ihre Art, Geschäfte zu machen, einige nennen Sie gar einen Mafi…

Wir haben keine Interessen, keine Investitionen in irgendetwas Illegitimem.

Aber es heißt, es gebe, nun ja, Verbindungen zwischen Ihren Unternehmen und der Vatikanbank, auch seien Sie mit hohen Geistlichen befreundet.

Freundschaft und Geld sind wie Öl und Wasser.

Gerüchten zufolge wird die Papstwahl von mächtigen Interessengruppen manipuliert, auch von Männern, die noch reicher und mächtiger sind als Sie…

Unser wahrer Feind hat sein Gesicht noch nicht gezeigt.

Was haben Sie dem künftigen Papst anzubieten?

Die Corleones sind bereit, 500 Millionen Dollar in der Vatikanbank anzulegen.

Manche glauben, Ihr Favorit sei der mailändische Kardinal Angelo Scola, in dessen Diözese gerade Anti-Mafia-Einheiten der Polizei kirchliche Einrichtungen durchsuchen.

Dieser Papst hat mächtige Feinde.

Aber er ist doch noch gar nicht Papst. Wenn nun jemand anders gewählt wird…

Dann ist niemand sicher. Selbst der Papst ist in Gefahr.

Warum kandidieren Sie eigentlich nicht selbst?

Ich trage zuviel Verantwortung.

Lange kann es nun nicht mehr dauern. Welchen Rat möchten Sie dem zukünftigen Papst mit auf den Weg geben?

Er sollte vorsichtig sein. Es ist gefährlich, ein ehrlicher Mann zu sein.

13. März 2013, 13.09 Uhr:

Vom Paulus zum Paul

von Jörn Schulz

Für Feuilleton-Katholiken sollte es ein Extragebot geben: Du sollst nicht ungebührlich lange am Weihrauchfass schnüffeln! Denn siehe, der Herr liebt nicht jene, die in Seinem Namen allzu groben Unfug reden, weil Er nicht der Lächerlichkeit preisgegeben werden will von dir, oh übereifriger Stümper! Und willst du nicht hören, so wirst du dich dereinst wiederfinden in einem Kessel mit Franz Josef Wagner, und er wird dir seine Kolumnen vorlesen von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Aber sie können’s nicht lassen. Paul Badde fabuliert in der Welt von einem chinesischen Papst: „Im noch ferneren Reich der Mitte aber würden nach der Wahl eines Chinesen viele Dämme brechen. (…) Die Partei würde erzittern wie ein tönerner Koloss. Das Erdbeben würde die Funktionäre erbleichen lassen wie die Sowjets im Kreml bei der Wahl des Polen.“ Dass Johannes Paul II. den Zusammenbruch des Realsozialismus herbeiführte oder dabei zumindest eine entscheidende Rolle spielte, ist eine von Stalinisten wie Katholiken eifrig gepflegte Legende. Tatsächlich tat die polnische Kirche alles, um eine Radikalisierung der Streikbewegung zu verhindern und forderte nach dem Militärputsch Jaruzelskis explizit Unterordnung. Aber zurück zur Baddeschen Vision.

„Die Entscheidung in der Sixtinischen Kapelle würde die Gewichte der Erde mit einem Glockenschlag neu verteilen und justieren. Millionen Chinesen würden der Kirche die Türe einrennen, schon am ersten Tag nach der Wahl – wie nach der Konstantinischen Wende in Rom im Jahr 313 oder in der rasend schnellen Bekehrung der Azteken Mexikos im Jahr 1531.“ Tatsächlich hat weder 313 noch 1531 auch nur ein einziger Chinese eine Kirchentür eingerannt, und man justiert nicht das Gewicht, sondern die Waage. Hach, der Glaubenseifer – es muss ein schönes Gefühl sein, wenn der letzte Rest Verstand sich langsam verflüchtigt. Die Chinesen aber sind nun gewarnt, denn es ist bekannt, wie die Azteken bei der „rasend schnellen Bekehrung“ mit der christlichen Barmherzigkeit bekannt gemacht wurden.

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