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Kürzliche Beiträge
11. Juli 2013, 19.18 Uhr:

Liebling des Volkes

von Jörn Schulz

Es klingt wie eine Nachricht aus einem Paralleluniversum: „Vom verhasstesten und verspotteten Politiker hat es Außenminister Guido Westerwelle mittlerweile zum Staatsmann und zum neuen Liebling des Volkes gebracht.“ Habe ich irgendetwas verpasst? Hat beispielweise ein bösartiger Hacker Westerwelles kluge Stellungnahme zu Ägypten verschwinden lassen und durch dieses dumme Geschwätz ersetzt? Aber warum hat das dann im Auswärtigen Amt bis heute keiner gemerkt?

Andererseits ist das natürlich eine Frage der Kriterien. Ulf Poschardts sind etwas eigenwillig: „Westerwelle scheiterte an seiner Rolle als Vizekanzler und fand wenig Zugang zum Amt des Außenministers.“ Westerwelle hat also versucht, eine Rolle zu spielen, die es nicht gibt, da das Amt des Vizekanzlers nicht existiert, und seinen Job nicht erledigt. Stellen wir uns im Arbeitszeugnis eines Bäckers den Satz vor: „Er fand keinen Zugang zum Teig.“ Aber bei Politikern liegen die Dinge natürlich anders. „Die wichtigsten Qualitätsanforderungen an einen Politiker in dieser Berliner Republik sind Beharrungsvermögen, was Psychologen als Persistenz beschreiben, und Unerschütterlichkeit, was die Stoiker Ataraxie nennen. Wer an den Anfeindungen aus innerer Stärke nicht zerbricht, qualifiziert sich für ein Comeback – ein wenig wie bei Heidi Klums Modelshow.“ Früher nannte man das Aussitzen, aber Persistenz und Ataraxie klingen anspruchsvoller. Man könnte es allerdings auch Impertinenz und Apathie nennen.

Gänzlich unrecht hat Poschardt allerdings nicht. Beliebter ist Westerwelle tatsächlich geworden. Der Grund dafür dürfte allerdings schwerlich in seinen besonderen Leistungen zu finden sein, vielmehr enthält er sich innenpolitischer Äußerungen und seit dem Debakel bei der Abstimmung über die Libyen-Intervention im UN-Sicherheitsrat verzichtet er auch auf Außenpolitik. Aber er ist immer zutiefst besorgt über das, was da draußen passiert. Das Westerwelle-Mantra lautet: „Eine Lösung kann nur durch Dialog und politischen Kompromiss erreicht werden. Keine gesellschaftliche Gruppe darf ausgeschlossen werden. Gewalt muss als Mittel der politischen Auseinandersetzung ebenso ausgeschlossen sein wie politisch motivierte Verfolgungen und willkürliche Verhaftungen.“ Das galt jetzt Ägypten, aber von A wie Afghanistan bis Z wie Zimbabwe passt das auf fast jedes Land. Und was kann unser Westerwelle dafür, dass diese uneinsichtigen Ausländer nie auf ihn hören?

Man neigt natürlich dazu, Westerwelle für den passenden „Liebling des Volkes“ zu halten, das an jedem Krieg verdienen, aber mit keinem behelligt werden möchte. Andererseits könnte die gestiegene Popularität Westerwelles auch ein Ausdruck politischer Reife sein: Der beste Politiker ist einer, der nichts tut. Denn sollten wir uns wirklich wünschen, dass sich Westerwelle ernsthaft im Syrien-Konflikt engagiert? Westerwelles Comeback ist daher auch eine gute Nachricht für Peer Steinbrück. Wenn er bis September den Mund hält, gewinnt er die Wahl vielleicht doch noch.

10. Juli 2013, 00.15 Uhr:

Waer die Erde doch nur wie Allah sie erschaffen hat

von Thomas von der Osten-Sacken

Was eigentlich sollen glaeubige Muslime im Ramadan machen, die es an die oder noerdlich der Polarkreise verschlagen hat? Einen Monat lang im Sommer fasten und nix trinken und im Winter gar nicht fasten?

Eine echtes Problem. Und es stellt sich heraus, der allwissende Prophet hat es nicht bedacht, obwohl doch die ganze Welt eigentlich Umma ist und eines herrlichen Tages auch muslimisch sein wird:

The Prophet Muhammad, who may not have been aware of the sun not setting above the Arctic Circle and below the Antarctic Circle during their respective summers, has nothing to say on the matter, leaving Islamic scholars to sort it out for themselves.

Und ausserdem ist in the Koran, the earth(…) flat with the sun setting in a sea of mud, therefore a reasonably lengthy night was always to be expected.

Da ist guter Rat teuer, denn

Some scholars have suggested “fasting by the clock instead of by the sun, using the sunrise and sunset times of the holy city of Mecca as opposed to local time.” I am not sure Allah would agree with this solution, as He is clear in His Koran on what is night and what is day, and when you can eat and when you can have sex.

Allah ist sich zwar da sicher, damals wie heute,  nuer bloederweise die Erde eben nicht flach, wie Allah sie geschaffen hat.

Deshalb

To avoid finding fault with Allah’s reasoning, other scholars have suggested that “those who live close to the Arctic Circle, where they have continual night or continual day for several months, should look to the closest city to them where night and day are distinct.”

That last suggestion, in Canada, would still make for more than twenty-three hours without food, and perhaps no time for sex, if the closest city is Inuvik, Yellowknife or Whitehorse.

Und nur weil die Erde eben so ist, wie sie ist, bleibt dann nach 23 Stunden Fasten nicht einmal Zeit zum Sex.

9. Juli 2013, 13.54 Uhr:

Von der Ostfront

von Thomas von der Osten-Sacken

Damals an der Ostfront, ja da gab es sie die Truppeneinheiten aus spanischen Freiwilligen und regulaeren italienischen Truppen. Ok, mit den Griechen hatte man nicht so gute Erfahrungen gemacht, die anderen Suedlaender kaempften auch nicht wie deutsche Landser aber sie integrierten recht ordentlich an der Front.

An diese Zeit im Schuetzengraben offenbar scheint der EX-Bundeskanzler sich zu erinnern, wenn er dieser Tage wie ein NPD-Funktionaer daherschwadroniert:

Muslime seien Angehörige einer fremden Kultur und damit nicht zu vereinbaren mit der europäischen Kultur. Mit Griechen, Italienern oder Spaniern gebe es keinerlei Probleme in Deutschland. Denn jene integrieren sich mit der Zeit in die Gesellschaft oder kehren in ihre Heimatländer zurück.

„Es gibt keine großen Unterschiede zwischen den italienischen, französischen und deutschen Zivilisationen“, so Schmidt im Gespräch mit Radio Télévision Suisse. Die türkische Kultur sei komplett anders. Die syrische oder die ägyptischen Kulturen seien sich ebenfalls ähnlich. Doch es sei „gefährlich“, wenn eine Mischung mit fremden Kulturen oder Zivilisationen stattfindet.

 

13. Juni 2013, 16.41 Uhr:

Open for business

von Jörn Schulz

Das Wetter in Fermanagh ist so schlecht wie die Aussicht auf eine Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber nach Angaben des britischen Premierministers David Cameron war das nicht der Grund dafür, dass der G8-Gipfel diesmal in der nordirischen Provinz abgehalten wird: “Northern Ireland’s prospects have been transformed by the peace process in the last 20 years, and I think we’ll be able to show the world this is a modern and dynamic part of the United Kingdom.” Leider ist nun herausgekommen, dass es nur eine temporäre Dynamik in einer Branche, dem Malereigewerbe, gibt. „More than 100 properties within range of the sumptuous Lough Erne resort which hosts the world’s wealthiest leaders, have been tidied up, painted or power-hosed.” Ein neuer Anstrich mag noch im Rahmen des Üblichen liegen, doch „Flanagan’s – a former butcher’s and vegetable shop in the neat village – was cleaned and repainted with bespoke images of a thriving business placed in the windows. (…) The butcher’s business has been replaced by a picture of a butcher’s business. Across the road is a similar tale. A small business premises has been made to look like an office supplies store. It used to be a pharmacy, now relocated on the village main street.”

Die Cameronschen Dörfern sind ein schönes Sinnbild für den Stand der Dinge im globalen Kapitalismus. Aber man soll auch die Phantasie und Gerissenheit des Klassenfeindes nicht unterschätzen. Vielleicht handelt es sich um ein Manöver, um den black bloc zu täuschen. Da denken die jungen Leute, sie zünden ein Luxusgeschäft an, während sie in Wahrheit der klammen Kommunalverwaltung Abbruchkosten ersparen.

12. Juni 2013, 17.58 Uhr:

Der Rolf im Schafspelz

von Jörn Schulz

Nun soll also Rolf Kleine einige Monate lang Peer Steinbrück von Fettnapf zu Fettnapf begleiten. Kleine war bei der Bild-Zeitung und ist Cheflobbyist der Immobilienfirma Deutsche Annington – den Job will er ruhen lassen –, es handelt sich also um einen Mann mit Prinzipien: Titten, Wohnungen, Steinbrück, dann wieder Wohnungen – ist doch egal, was man verkauft. Das beweist Wirtschaftskompetenz, doch Kleine steht nun vor seiner schwersten Aufgabe. Denn die Nachfrage nach Titten und Wohnungen ist groß. Bei Steinbrück hingegen wird immer nur nachgefragt, wie die SPD so blöd sein konnte, den zum Kanzlerkandidaten zu machen.

Gerade hat die CDU eine sozialdemokratische Mietenpolitik für ihr Wahlprogramm beschlossen. Was liegt da näher, als einen Vermieterlobbyisten zum Pressesprecher des sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten zu machen? Kleine hat im Januar einen Facebook-Eintrag zu Rösler verfasst, der offenkundig auf dessen Geburt in Vietnam anspielte. Nachdem schon fast in Vergessenheit geriet, dass Sarrazin in der SPD bleiben durfte, ist es angebracht, den eingebürgerten Migrantinnen und Migranten, die ja glauben könnten, die SPD erkenne sie als gleichberechtigt an, klar und deutlich zu sagen, dass sie nie dazugehören werden.

Immer noch gibt es Menschen, die erwarten, die SPD werde die Euro-Krise auf andere Weise als Merkel bewältigen wollen. Es ist an der Zeit, dass Klartext geredet wird. „Deutsches Steuergeld für die Pleite-Griechen?“ fragte Kleine. „Dafür sollte uns JEDER EURO zu schade sein.“ Mangelt es den verweichlichten Deutschen nicht ein wenig an soldatischen Tugenden? Stiiillgestanden zum Appell! „Mit jedem Toten wird der Ruf nach einem Rückzug lauter werden. Doch genau das wäre Verrat!”

So, nun wissen Sie auch, wie man es schafft, „in Berlin als gut vernetzter, angesehener Journalist“ zu gelten.

6. Juni 2013, 16.25 Uhr:

Ministerium incognitum

von Jörn Schulz

Man kann ja verstehen, dass Angela Merkel einen Minister, der vergleichsweise selten durch Peinlichkeiten auffällt, so kurz vor der Wahl nicht verlieren möchte. Dann sollte sie Thomas de Maizière aber wenigstens einen Schnellkurs im Ausredenerfinden spendieren. „Ich wurde unzureichend eingebunden“ ist jedenfalls eine Rechtfertigung, die einem Sorgen bereiten sollte. Immerhin sprechen wir hier vom Verteidigunsgministerium. Dort sitzen knapp 3300 Leute, ausgestattet mit einem jährlichen Budget von mehr als 30 Milliarden Euro, und entscheiden über Entwicklung, Beschaffung und Einsatz von Waffen. Zur Erinnerung: Waffen, das sind so Dinger, mit denen man viel Schaden anrichten und auch Menschen umbringen kann. Der Chef weiß nicht, was sich in seinem Laden so tut. Weiß es sonst jemand? Sollte vielleicht jemand mal nachschauen gehen?

5. Juni 2013, 13.11 Uhr:

Judentum als Opium des Volkes

von Thomas von der Osten-Sacken

Dank Herrn Posener ist endlich aufgedeckt, was es mit den Antideutschen so auf sich hat und klargestellt, dass nicht die Religion, sondern das Judentum, von Marx als Opium des Volkes bezeichnet wurde.

Eine äußerst lehrreiche Morgenlektüre:

“Treibendes Motiv der Sekte ist nicht die Solidarität mit Israel oder gar dem Judentum, schon gar nicht der Wunsch nach deutsch-israelischer Freundschaft, sondern der Hass auf die bürgerliche Gesellschaft im allgemeinen und die deutsche im besonderen. Israel ist nur der Knüppel, mit dem die “Antideutschen” ihre vermeintlich unausrottbar antisemitischen Landsleute schlagen wollen. Als kapitalistisches Land wird Israel aber, wenn es zum Armageddon der Antideutschen kommt, zusammen mit dem Judentum als Opium des Volkes so sicher untergehen wie in den Fieberfantasien des Apokalyptikers Hagee.”

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