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Kürzliche Beiträge
19. Mai 2008, 16.38 Uhr:

Jules Dassin

von Diedrich Diederichsen

Vorgestern gab es wieder “Rififi". Zu Ehren des kürzlich verstorbenen Regisseurs Jules Dassin. Und wegen der 20 Minuten währenden dialoglosen Einbruchsszene. Ideal männlicher Kooperation. Cooler als nach dem Skalpell am Operationstisch verlangen. Dassins wichtigerer Beitrag zur Geschichte des 20. Jahrhunderts war aber, das wird gerade in den letzten Jahren immer klarer, “The Naked City". Ein naturalistischer Film über Verbrechen in New York, der aussieht, als wäre die lange Nacht des Noir mit diesem Film endgültig vorbei gewesen. Nicht, um in eine strahlende Sonnigkeit umzuschalten, sondern in das milde häßliche Licht der Schneeschmelze-Monate: so nahe wie die USA dem Neorealismus je nahe gekommen waren, ohne dessen Poesie, die geht in den USA nur im Dunkeln des Noir, aber genauso offen … Heute heißen ja tausend Sachen “The Naked City", von Ausstellungsprojekten bis zu Bands von John Zorn.

Am Anfang und Ende, jedenfalls in meiner Erinnerung, fällt der berühmte Satz: “There are eight million stories in the Naked City, this is only one.” Damit wird ein Programm der Repräsentation formuliert, das allen anderen entgegen gesetzt ist, die bis dahin die Vielen, die Multituide, Hoi Polloi ins Kino bringen wollten: als unübersehbare Masse, als Schwarm, Heer, Gejagte, Angreifer, die gefährlich oder verraten waren und unter denen man sich verlieren konnte. Das neue Programm hieß: Einer nach dem Anderen. Jeder kommt einmal dran. Aber jeder für sich.

Man machte dann daraus eine Fernsehserie, die ich in den 60er Jahren im deutschen Fernsehen gesehen habe. Andy Warhol baute seine “Screen Tests” und andere Projekte nach demselben Modell. Douglas Huebler begann seine Foto-Serie, auf der - nach und nach - alle Menschen der Welt zu sehen sein würden. Die Firma “Jägermeister” beauftragte die Agentur GGK und die erfand, von Huebler angeregt, eine Unikat-Kampagne, bei der auf jedem Motiv ein anderer “witziger Typ” erklärte, warum er Jägermeister trank. Am Bildrand stand eine Ordnungszahl: der Soundsovielte von allen.

Das Abzählen ist das Geschäft der Demokratie. Ihm liegt eine bestimmte Gleichheitsvorstellung zugrunde, die nur vom Verbrechen gestört werden kann. Die Leute sind von Haus aus gleich, vom Begriff her. Das Verbrechen ist die konkrete Nachricht von der strukturellen Ungleichheit. Die Stadt ist das konkrete Gesicht der Möglichkeit, dass ein Verbrechen geschehen kann. Die Stadt ist konkrete Vielfalt: Macht, Körper, Gewalt, Bewegung in den Strukturen - der einzig wahre Hntergrund für das nie ans Ende kommende Abzählen.

Dass Erzählungen von Verbrechen immer Erzählungen von konkreten Städten sein müssen, war auch die Idee hinter dem Tatort, der den vielen ARD-Stationen und dem ORF die Gelegenheit gab, die Städte des jeweiligen Senders in Szene zu setzen: mal als Fremdverkehrsnummer, dann wieder so irre wie neulich bei dem wiederholten Mitt-70er Stuttgart-Tatort, wo die Kamera mit dem Komissar sich gefühlte fünfzehn Minuten durch zähen Verkehr quält. Das alles ist - nach 700 Episoden - so restlos vergessen, wenn man den Dreck sieht, der heute, sprich gestern abend, unter diesem Label produziert wird. Kammerspiele mit witzigen Typen in Leichenschauhäusern und kein einziges Bild von einer Stadt.

16. Mai 2008, 13.12 Uhr:

Augenhöhe um Augenhöhe...

von Ivo Bozic

Wenn im Uno-Menschenrechtsrat ein „Dialog auf Augenhöhe“ über Menschenrechte geführt wird, kommt dann schon mal so was dabei heraus:

„Der Gesandte des Irans (…) drückte zuerst seine Befriedigung darüber aus, dass die Schweiz in ihre neue Verfassung den Zusatz aufgenommen habe, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich seien. Dann äußerte er aber seine starke Besorgnis über die ‚Vorfälle rassistischer Intoleranz’ und die ‚anhaltenden feindseligen Einstellungen gegenüber Schwarzen und Muslimen’, die ‚wir in den jüngsten Jahren beobachtet haben’. Angesichts der Fälle von ‚Misshandlung und Folter’ in ‚Polizeigewahrsam’ und bei ‚Verhören’ müsse man festhalten, dass die Kantone bei ihrer Aufgabe, die Polizei zu kontrollieren, versagt hätten. Und auch der Frauenhandel, die Prostitution, die sexuelle Ausbeutung und die Gewalt, welche Migrantinnen in der Schweiz riskierten, erfüllten ihn mit Sorge. Aber niemand sei perfekt, munterte der Mann aus dem Gottesstaat, wo mutmaßliche Ehebrecherinnen in einen Leinensack gesteckt, in eine Grube gestellt und mit gezielten Steinwürfen an den Kopf getötet werden, die Schweiz auf. Der Weg zur Verbesserung sei der ‚genuine und konstruktive Dialog’. Ein Dialog, wie ‚er bereits existiert’ zwischen der Islamischen Republik Iran und der Schweiz. Beide Partner ‚versuchen einander zu helfen’, um die Menschenrechtssituation in ihren Ländern zu optimieren.“

Die verschleierte Vertreterin Mauretaniens, wo immerhin vor neun Monaten die Sklaverei verboten wurden, billigte der Schweiz aber zu, „im ‚Gender-Bereich’ Fortschritte gemacht zu haben“.

Hier der ganze Artikel, gefunden hier

15. Mai 2008, 12.34 Uhr:

Jungle-PR-Aktion voller Erfolg!

von Ivo Bozic

Da hatten wir gerade noch einen Schwerpunkt zu Bücherverbrennungen - und dann das: Jungle brennt! Und ganz Berlin hats gesehen. Eine kilometerhohe Rauchwolke stand gestern Abend über der Stadt. Das Jungle-Fußball-Team trainierte gerade weit entfernt in der Nähe der Siegessäule, als es plötzlich Jungles vom Himmel schneite. Die größte Streuung, die unsere Wochenzeitung jemals erreicht hat! Schade nur, dass die alten Ausgaben aus dem Altpapierlager in der Köpenicker Straße nur als Asche-Flocken unten ankamen und defintiv nicht mehr zu entziffern waren. Sachdienliche Hinweise bitte hier melden.

15. Mai 2008, 10.40 Uhr:

Good bye my love, good bye

von Stefan Ripplinger

Zu komisch, dass Judith Butler unter dem neuerlichen Anti-Israel-Pamphlet neben vielen anderen mit Demis Roussos zusammensteht. Das ist der Fluch der Unterschriftenliste, sie straft zuerst die Unterzeichner. Aber welch merkwürdige Verbindung auch! Sie lässt mich an einen liebenswerten älteren Herrn zurückdenken, den ich während meines Zivildienstes zu versorgen hatte. Er hauste mit seiner Frau zusammen, trug ausschließlich Frauenkleidung und erinnerte ein wenig an Catweazle. Eines Tages bedeutete er mir, er habe mir einen großen Schatz zu zeigen. Er kramte aus einer Ecke mit Trödel einen Plastikplattenspieler, wühlte unter drunter und drüber liegenden Singles, bis er endlich die gesuchte in Händen hatte, wischte den Staub mit seinem Rocksaum ab und legte sie auf. Knisternd, aber doch strahlend erklang Demis Roussos: Good bye my looooooooove, good bye!

Good bye, auf Wiedersehn.

13. Mai 2008, 21.36 Uhr:

Grand Theft Auto 4

von Maik Söhler

Dass man in Grand Theft Auto 4 alles totfahren kann, was sich bewegt, alles totschießen, auch wenn es sich nicht bewegt, alles verprügeln, was belebt ist, von allem verprügelt werden kann, was sich regt - geschenkt. So ist das eben.

Dass man aber beim ersten Date sogar die Umworbene umhauen kann und dass die Software sich auch darauf vorbereitet zeigt ("Michelle ist sehr enttäuscht"), gibt dann doch zu denken.

13. Mai 2008, 16.22 Uhr:

Als Walter Benjamin noch Jünger war...

von Ivo Bozic

… da sammelte er auch Schmetterlinge.

12. Mai 2008, 00.36 Uhr:

Hilft sofort

von Stefan Ripplinger

Heute Abend auf Super RTL, Mediziner erforschen, wo genau Jesus Nägel eingehämmert worden sind und wieviele, welche Beschwerden er wo hatte, bis er endlich - Werbeunterbrechung, Bewegungsschmerzen?, Voltaren hilft sofort. „Religion can hardly expect to flourish in an industrial society.“ (John Crowe Ransom)

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