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Kürzliche Beiträge
17. April 2008, 15.33 Uhr:

Der Countdown läuft

von Jörn Schulz

Am 25. Mai ist es soweit. Die Phoenix-Sonde landet auf dem Mars, in der Polregion, unter deren Oberfläche es Wassereis gibt. Wenn es auf dem Mars Leben gab oder womöglich sogar noch gibt, dann wohl in diesem Gebiet. Skeptiker wie Harald Lesch haben bedauerlicherweise gute Argumente für die These, dass dort nichts zu finden ist. Andererseits wissen wir aus den „Sterntagebüchern“, dass eigentlich auch auf der Erde gar kein Leben hätte entstehen können. Lassen wir uns also überraschen. Den Countdown können Sie bei der Nasa verfolgen.

17. April 2008, 15.07 Uhr:

This machine kills zombies

von Ivo Bozic

Um Acht sollte es losgehen. Um halb Zehn sah der Konzertraum noch so aus wie auf dem Foto hier.

Um Zehn oder so stand er plötzlich vor der Bühne, mit einer Gitarre in der Hand: Austin Lucas gab für eine Hand voll Leute, die sich dann doch noch einfanden, im Kastanienkeller in Berlin ein kleines Konzert. Who the fuck is Austin Lucas? Das haben wir uns vorher auch gefragt.

Im Web erfahren wir: „Austin Lucas aus Bloomington, Indiana, ist der Sohn des Folk- und Bluegrass-Musikers Robert Lucas. Er lernte das Singen schon auf den Sommertouren der Familie durch die Festivals traditioneller Musik. Nach klassischer Chor- und Opern-Erfahrung landete er mit zwölf in der lokalen Punk- und Hardcore-Szene. Heute lebt er in Prag.”

Und Austin Lucas ist ein Phänomen. Dieser kleine, pummelige Singer/Songwriter hat eine fantastische Stimme, unglaublich Bock, seinen Kram zu machen und eine Gitarre, die er bestens beherrscht, mit der Aufschrift “This machine kills zombies“. Sicher eine Hommage an Woody Guthrie, womöglich auch an Bob Dylan, Billy Bragg und Anti-Flag. Eine Reihe, in die Austin Lucas sicherlich gehört; gehören wird, wenn er denn eines Tages, was ihm zu wünschen ist, ein größeres Publikum findet.

Hier kann man reinhören

17. April 2008, 14.45 Uhr:

Aufregung über Obama

von Jörn Schulz

Viele Gegner Barack Obamas glauben, es sei der Fehler, auf den sie so lange gewartet haben. „Es überrascht nicht, dass sie verbittert werden, sich an Waffen oder die Religion klammern, an die Antipathie gegen Leute, die anders sind als sie, an Ressentiments gegen Migranten oder den Freihandel“, kommentierte Obama die Folgen der Entindustrialisierung in Pennsylvania. Dort hält sich die Aufregung in Grenzen, stellte USA Today fest: „Selbst konservative Republikaner konnten nicht die Empörung über Obamas Bemerkungen aufbringen, die Clintons Unterstützer ausdrückten.“ Überdies dokumentierte die Huffington Post
Bemerkungen Hillary Clintons aus dem Jahr 1995 über die weißen Arbeiter in den Südstaaten, denen ihr Gatte Bill „nichts schulde“, weil sie ihn ohnehin nicht wählen würden: „Screw ’em“ – was sowohl „Fick sie“ als auch „Bescheiße sie“ bedeuten kann.
Dennoch könnte die Bemerkung Obama schaden, denn sie verstößt gegen gleich drei Tabus des Establishments. Sie kommt einer Charakterisierung der USA als einer Klassengesellschaft gefährlich nahe. Sie stellt die Religiösität in einen soziologischen Kontext. Verbittert zu sein gilt überdies als, nun ja, früher hätte man wohl „unamerikanisch“ gesagt. Denn ein Amerikaner ist immer optimistisch. „Wir in Amerika geben nie auf“, sagte Clinton. Außer vielleicht im Irak.

17. April 2008, 14.35 Uhr:

Der sportliche Blog-Bogen, Vol2: Lukas Wieselberg

von Elke Wittich

Von Lukas Wieselberg erschien auf der Sportseite der Jungle World zuletzt “Mit Soviet Charme beim Hunderennen” , eine Reportage aus London über, angesichts des Titels wenig erstaunlich, die dortige Hunderennen-Wettszene.

Wie sieht Deine erste sportliche Erinnerung aus?

Olympische Spiele 1976 in Innsbruck. Franz Klammer bügelt am Patscherkofel alle Kanadier, Schweizer und sonstwas. Und Brigitte Habersatter sieht einfach nur umwerfend aus in ihrem knallgrünen Rennanzug.

Erzähle uns von Deiner schlimmsten Sportstunde

Brasilien gegen Italien 1982 bei der WM in Spanien. Die bis dahin einzig vor sich dahintölpelnden Apenniner besiegen die unglaublichen Fußballgötter Socrates, Zico, Falcao etc. mit 3:2. Eine Verdichtung der Ungerechtigkeit der Welt. The first cut is the deepest.


Was tust Du als Erstes, wenn Du nach Hause kommst?

Schlüssel ins Schlüsselloch, umdrehen, eintreten, die Katze kraulen.

Das Web-Pendant zur berühmten einsame Insel-Frage: Durch einenm Computerfehler kannst Du nur noch fünf Webseiten täglich besuchen. Welche wären das?

google.com mitsamt Cache, das reicht.

Welche sportliche Leistung in der Geschichte hältst Du für die
unterschätzteste?

Weiß nicht.

Welchen Sportler hältst Du für den überschätztesten?

Keine Ahnung. Die anderen sagen vermutlich Michael Schumacher.

Bei welcher Sportveranstaltung wärst Du gern dabei gewesen?

Bei so einem Urfußballspiel im Mittelalter zwischen irgendwelchen englischen Dörfern.

Welche Sportarten hast Du in Deinem Leben bislang betrieben, welche kommt für Dich niemals in Frage?

Schwimmen, Radfahren, Laufen. Dennoch niemals Triathlon.

Was war Dein erstes Sportgerät?

Rodel

Dein Lieblings-Sportbuch?

Ein Sportstück, Elfriede Jelinek

Wie lautet die Überschrift im Jungle-Sportteil, die Du eines Tages dort zu lesen hoffst?

“Wieder nur Weltmeister der Herzen”


Welche Frage(n) aus dem FAZ-Fragebogen wolltest Du immer schon einmal beantworten?

“Ihr Name?” und “Ihre Lieblingsnamen?”

16. April 2008, 08.24 Uhr:

Telefon (2)

von Stefan Ripplinger

Of course, we must die.
How else will the world be rid of
the old telephone numbers
we cannot forget?

The numbers
it would be foolish –
utterly useless –
to call.

Charles (Ezechiel) Reznikoff, „Inscriptions: 1944–1956“, 41

15. April 2008, 17.22 Uhr:

Vernagelt

von Jörn Schulz

Wenn ein ehemaliger Polizist Innensenator wird, muss man wohl mit so etwas rechnen. „Nicht jeder Schulschwänzer wird kriminell, aber alle Kriminellen haben irgendwann einmal die Schule geschwänzt“, sagte Udo Nagel, Innensenator von Hamburg. Ebenso gut hätte er sagen können: „Nicht jeder, der Windeln getragen hat, wird kriminell, aber alle Kriminelle haben irgendwann einmal Windeln getragen.“ Doch Nagel und seine Kollegen in der Innenministerkonferenz wollen nicht die Windeln verbieten, vielmehr sollen die Kaufhäuser erst um 15 Uhr ihre Spielkonsolen einschalten, damit es weniger „Anreize“ zum Schwänzen gibt. Im Vertrauen gesagt, Herr Nagel: Als ich die Schule geschwänzt habe, war das einzige elektronische Spiel Ping Pong, im Kaufhaus gab es keine Konsolen, dennoch hat es an Anreizen nicht gefehlt. Wenn mich im übrigen Polizisten beim Schwänzen erwischt und in der Schule abgeliefert hätten, wie Sie und Ihre Kollegen es vorschlagen, hätte ich zwar über den Bullenstaat geschimpft, wäre aber insgeheim froh gewesen, auf Staatkosten meinen Ruf als Rebell stärken zu können. Übrigens ist es gute Hamburger Tradition, ein bisschen kriminell zu sein. Da Sie in Bayern aufgewachsen sind, können Sie das nicht wissen, aber vielleicht singt Ihnen einer Ihrer Senatskollegen das Lied (hier aus dem Plattdeutschen übersetzt) mal vor: „Ja, ja, ja klauen, klauen, Äpfel woll’n wir klauen / Ruck Zuck über’n Zaun / Ein jeder aber kann das nicht / Denn er muss aus Hamburg sein.“

15. April 2008, 17.16 Uhr:

Die Sorben kommen!

von Ivo Bozic

Und einer von ihnen wird nun gar Ministerpräsident in Sachsen. Es handelt sich um Stanislaw Tillich, dem die FTD in einem Portrait attestiert: „1987 schloss sich Tillich der Christlich Demokratischen Union (CDU) an, einer der vier Blockparteien im sozialistischen Regime, die weitgehend den Vorgaben der SED folgten, ohne wirklichen Einfluss zu besitzen. Tillich betätigte sich aktiv erst mit Beginn der politischen Wende in der DDR.“
Da sind wir aber beruhigt, dass er völlig unpolitisch war, als er in der Bockpartei Mitglied wurde, und dass diese Blockpartei keinen „wirklichen Einfluss“ besaß. Derart von jeder Vergangenheit befreit, freuen sich nun also alle über den neuen CDU-Shootingstar, noch dazu weil er Vertreter einer so genannten Minderheit ist. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber ein schöner Anlass, noch mal an meinen Kommentar zum Thema Sorben-Quatsch vom September 2005 zu erinnern.

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