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Kürzliche Beiträge
14. April 2008, 18.37 Uhr:

In Genussdorf

von Maik Söhler

Nach Mussdorf am vorletzten war am letzten Wochenende Genussdorf dran. Wieder eine ländliche Region, wieder viele Berge, wieder deutscher Bible Belt, aber sonst alles ganz anders. Kein “Muss", viele “Kanns". Wenige Aussagen, kaum Pflichten, vielmehr Fragen über Fragen.

Der Unterschied zwischen evangelischem und katholischem Alltag ist ein Unterschied ums Ganze - im Alltag wohlgemerkt. Wie gläubige Katholiken dem Genuss fröhnen können und wie ansteckend das ist und wie durstig das macht und wie hungrig und wie tief man nach alldem schlafen kann; dass eine Zitter nicht nur Folklore, sondern auch Jazz hervorbringt; dass eine “Stubenmusi” etwas sehr Liebenswertes sein kann, wenn sie Festlegungen und Exklusionen meidet; das alles lehrt einen der oberbayerische Katholizismus an einem verlängerten Wochenende. Nur: Auf Dauer leben möchte man dort dann doch nicht.

http://www.pfeiffer-alm.de/

Nächste Woche: In Flussdorf (nahe der Loreley).

14. April 2008, 08.26 Uhr:

Sorry (3)

von Stefan Ripplinger

In der Folge „The Hardest Word“ der Serie „Waking the Dead“ (BBC) findet sich auf Rücken von Mordopfern ein blutiges „Sorry“, aber nicht spiegelverkehrt, denn die Botschaft ist post mortem graviert und also an Dritte gerichtet. Richtete sie sich an die Opfer selbst, könnte man die Umkehrung einer Parabel Kafkas vermuten und daran denken, dass Strafe und Erinnerung einander nahe verwandt sind, weil sie beide Einkerbungen sind.

13. April 2008, 13.42 Uhr:

Do widzenia, netter Herr!

von Ivo Bozic

„Sein Name stammt aus dem Polnischen (Slomka) und bedeutet auf Deutsch ‚Strohhalm’“ (Wikipedia). Einen solchen wird Schalke jetzt in der Tat brauchen.

12. April 2008, 15.21 Uhr:

Bob kommt!

von Ivo Bozic

Ich sag ja immer: Zukunft ist etwas für Loser, die Angst haben vor der Gegenwart und nichts, worauf sie zurückblicken können. Aber manchmal bringen schöne Aussichten auf das Morgen ja doch auch ein wenig Sonnenschein ins Heute. Und siehe da: I’ve got good news! Bob Mould hat ja bekanntlich eine neue Platte und Anfang Juni ist er damit endlich, endlich mal wieder in Germany. In Frankfurt/Main, Köln, Hamburg und am 7. Juni in Berlin. Hier kann man übrigens reinhören. Und hier das Promovideo.

11. April 2008, 20.56 Uhr:

Telefon

von Stefan Ripplinger

Die Typen am Telefon, die dich energisch begrüßen, in ein Gespräch über das Wetter verwickeln und dich öfter bei deinem Namen nennen, als es deine Amme getan hätte, hättest du eine Amme gehabt, hatten bloß in der Fortbildung zum Verkaufsprofi das Modul “Telefonskript” belegt und können dein doch immer ein wenig zu hohes Vertrauen in die Kommunikation auf ein vernünftiges Mindestmaß absenken. Auch sie solltest du künftig als deine Freunde ansehen.

10. April 2008, 14.28 Uhr:

Der sportliche Blog-Bogen, Vol1: Martin Krauß

von Elke Wittich

In loser Reihenfolge wird das Sportressort der Jungle World hier seine Autoren vorstellen - schließlich sollen die schicken neuen Blogs auch dazu dienen, Dinge zu veröffentlichen, für die sich in der Zeitung kein Platz findet.
Da Autorenvorstellungen a la “lebt und arbeitet in…” allerdings schrecklich langweilig sind, gibt es einen Fragebogen.

Den Anfang macht Martin Krauß.
Von ihm erschien auf der Sportseite der Jungle World zuletzt “Schwarze Witwe und Tsunami“, ein Artikel über die Major League Eating, die amerikanische Profiliga im Wettessen.

Erzähle uns von Deiner schlimmsten Sportstunde…

Von vielen schlimmen Dingen, die ich fast vollständig verdrängt habe, ist mir immer noch das Seil in der Turnhalle in Erinnerung. Gerade mal auf den Knoten bin ich gekommen und dann dort eine gefühlte Doppelstunde sitzen geblieben.

Wie sieht Deine erste sportliche Erinnerung aus?

1. FC Köln gegen Borussia Dortmund 1970 oder 71. Und die Dortmunder sahen aus wie Kartoffeln. Und das habe ich anschließend auch meinem Bruder so erzählt. Und ich habe bis heute meine Meinung nicht geändert. Und das soll jeder erfahren!

Was war Dein erstes Sportgerät?

Ich war Schwimmer, da trug man immer so merkwürdige Dinge wie ein ein Styroporbrett, Paddles und Pullbuoys ins Schwimmbad.

Das Web-Pendant zur berühmten Einsame-Insel-Frage: Durch einen Computerfehler kannst Du nur noch fünf Webseiten täglich besuchen. Welche wären das?

Google. Und von da geht’s eigentlich immer weiter. Wenn das nicht geht:
1. mein Blog, um zu gucken, welche Kommentare ich diesmal ablehnen darf
2. New York Times, weil so viel drin steht (weiß ja nicht, wie lange der Computerfehler noch besteht)
3. damaschke.de, weil’s ein kluger Blog ist
4. edgeofsports.com, weil’s auch sehr klug ist
5. sportblog.blogsport.de, auch, man ahnt es vielleicht schon, weil’s klug ist

Welche sportliche Leistung in der Geschichte hältst Du für die unterschätzteste?

Der Sieg Joe Fraziers über Muhammad Ali am 8.3.1971. Außerdem die Leistung Joe Fraziers im Thrilla in Manila am 30.9.1975, auch gegen Ali. Nicht zu vergessen der Tour-de-France-Sieg Marco Pantanis 1998.

Welchen Sportler hältst Du für den überschätztesten?

Dr. Reiner Klimke, Henry Maske und, im Vergleich zu Joe Frazier: Muhammad Ali.

Bei welcher Sportveranstaltung wärst Du gern dabei gewesen?

Beim Sieg Joe Fraziers über Muhammad Ali am 8.3.1971. Außerdem beim Thrilla in Manila am 30.9.1975, Frazier vs. Ali.

Welche Sportarten hast Du in Deinem Leben bislang betrieben, welche kommt für Dich niemals in Frage?

A: Eigentlich nur Schwimmen und Bergsteigen
B: Turmspringen und Stabhochsprung

Dein Lieblings-Sportbuch?

Zuletzt: Béla Guttmann. Weltgeschichte des Fußballs in einer Person von Detlev Claussen.
Zeitlos natürlich: Schmeling. Die Karriere eines Jahrhundertdeutschen.

Wie lautet die Überschrift im Jungle-World-Sportteil, die Du eines Tages dort zu lesen hoffst?

Martin Krauß dreht den Scheinwerfer, Folge 783

Welche Frage aus dem FAZ-Fragebogen würdest Du gern beantworten?
Zwei Fragen: Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? Karl Marx.
Wer oder was hätten Sie sein mögen? Friedrich Engels.

9. April 2008, 17.11 Uhr:

Faschismus, das große Rätsel

von Ivo Bozic

Wenn sich eine Antifa-Gruppe “ARAB” nennt (für „Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin“), drängt sich natürlich zunächst die Frage auf, ob die entsprechende Assoziation bewusst hervorgerufen oder bewusst in Kauf genommen wird. Aber egal, don’t judge a book by its cover!

Judge the flyer: “Faschismus Analyse” nennt sich die “interessante Veranstaltung mit einem – hoffentlich – hohen theoretischen Nährwert", die jene Gruppe am kommenden Samstag in Berlin anbietet. Denn: “Die Analyse und die theoretische Bildung bleiben das Fundament für das praktische Engagement", schreiben die Antifas. Das klingt allerdings ein wenig wie eine Drohung, wenn man sich die theoretische Basis anschaut, die dort verhandelt werden soll.

Da beschäftigt sich zum Beispiel ein Genosse des Gegenstandpunkts mit der offenbar im Raum stehenden Frage, ob der demokratische Rechtsstaat und der Faschismus “Gegensatz oder Zwillingspaar” sind. Konkret: “Ist der Faschismus ein unerklärlicher und grundloser Absturz aus den Gefilden seriöser Politik und ein Verbrechen gegen die deutsche Nation? Oder ist er eine alternative Variante, Staat zu machen, die im kapitalistischen Staat und dem von ihm diktierten Leben der Nation immer wieder ihre Basis und Gründe findet?”

Mensch, verdammt gute Frage. Also, für Ersteres spricht natürlich, dass er tatsächlich der “deutschen Nation” (1945 alles total kaputt!) und ihrem Ansehen in der Welt nachhaltig geschadet hat. Von “seriöser Politik” kann angesichts der albernen Uniformen und eines Führers, der sich einen Charlie-Chaplin-Schnauzbart wachsen lässt, wohl kaum die Rede sein, womöglich war dieses Auftreten sogar ein echtes “Verbrechen", ja. Aber “unerklärlich und grundlos"? Nein. Vermutlich ist Faschismus dann wohl doch Letzteres: ein Alternativ-Staat, also “eine alternative Variante, Staat zu machen", die in irgendwelchen Dingen, die mit Kapitalismus und dem “Leben der Nation” zu tun haben, “immer wieder ihre Basis und Gründe findet". Klingt doch plausibel.

Wer sich zwischen diesen beiden Möglichkeiten nicht entscheiden kann, möchte sich vielleicht lieber den Vortrag des “Ex-Proletarischen Komitees Berlin” (Ex-Proletarier? Haben die inzwischen ihr Studium beendet?) anhören. Dort geht es u.a. um folgende Frage (Fehler im Original): “Wie kann das Vakuum, dass die bügerlicehn Parteien hinterlassen gefüllt werden?”

Tja, wie kann es gefüllt werden, dieses Vakuum? Vielleicht mit einer alternativen Variante, Staat zu machen? Aber seriös gemacht müsste es schon sein!

Übrigens: Auch die Phase 2 wird sich am Samstag um die Bildung der Berliner Nachwuchs-Antifa bemühen. Da kann man wohl nur viel Erfolg wünschen!

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