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Kürzliche Beiträge
2. April 2008, 19.21 Uhr:

Als ob

von Doris Akrap

These: Hans Vaihinger (1852-1933) hat in seiner “Philosophie des Als ob” die ideologische Grundlage des Internets geliefert. Sowohl seine Erkenntnistheorie als auch die Internetgesellschaft hält objektive Wahrheit für unmöglich.

O-Ton: “Das menschliche Vorstellungsgebilde der Welt ist ein ungeheures Gewebe von Fiktionen voll logischer Widersprüche, d. h. von wissenschaftlichen Erdichtungen zu praktischen Zwecken bzw. von inadäquaten, subjektiven, bildlichen Vorstellungsweisen, deren Zusammentreffen mit der Wirklichkeit von vornherein ausgeschlossen ist.”

Begründung: Gott und Seele werden so behandelt “als ob” sie wahr seien. Dass sie nur Fiktion sind, sagt uns die Vernunft. Sie scheinen aber einen praktischen Wert für den Einzelnen zu haben und deshalb sind sie wahr.

Konklusion: Internet und Blog werden so behandelt, “als ob” sie wahr seien. Dass sie nur Gelaber sind, sagt uns die Vernunft. Sie scheinen aber einen praktischen Wert für den Einzelnen zu haben und deshalb sind sie wahr.

2. April 2008, 17.15 Uhr:

Das Kriegshoroskop 0.8

von Ferdinand Muggenthaler

Der Sturz des Königs war wahrscheinlich. 34 Jahre war er Amt. Und nach einem Computermodell zur Konfliktvorhersage der Georg Mason Universität in Arlington müssen Herrscher, die mehr als 15 Jahre im Amt sind mit gewaltsamen Protesten rechnen. Doch in Bhutan gelten andere Gesetze. Der König übergab sein Amt friedlich seinem Sohn, der jetzt seinen Untertanen die Demokratie verordnete.

In Kamerun hatte das Computerorakel mehr Erfolg. Bereits 2005 hatte es Unruhen prophezeit, die letzten Monat ausgebrochen sind - unter anderem weil Paul Biya das Land seit 1982 regiert. Die Konfliktvorhersage auf den Zusammenhang zwischen Amtsdauer und Umsturzwahrscheinlichkeit zu reduzieren ist natürlich unfair. In die Computeranalyse gehen Daten wie die Anzahl der Ärzte, die Lebenserwartung und das Bruttosozialprodukt ein. Wie der New Scientist schreibt, werden die Methoden immer ausgefeilter.

Zu schade, dass der Quellcode für diese Modelle nicht öffentlich ist. Vieleicht ließe sich so endlich die Frage klären, wann eine Situation reif für die Revolution ist. Oder auch nur, wann die nächste Friedensdemo geplant werden muss. Doch dass erfolgreiche Konfliktvorhersageprogramme geheim bleiben, dafür sorgen schon die Auftraggeber. So beauftragte das Pentagon Lockheed Martin mit der Entwicklung des Integrated Crises Early Warning Systems.

Sicher nichts anfangen können die Simulationen mit dem Bruttoglücksprodukt, das es nach der Staatsphilosophie Bhutans zu steigern gilt. Ob die Anzahl der Fernseher pro Einwohner in die Analyse eingeht ist nicht überliefert. Wenn das Beispiel Bhutans irgendeinen Wert hat, dann lässt sich von der geringen Anzahl von TV-Geräten auf eine friedliche Zukunft schließen. In dem zweitärmsten Staat der Erde wurde Fernsehen erst 1999 eingeführt.

1. April 2008, 15.18 Uhr:

Und nächstes Jahr in ICQ...

von Elke Wittich

Zugegeben, Bloggen halte ich eigentlich für pure Geld- und Zeitverschwendung. Dass ich trotzdem erstaunlich viele Blogs unterhalte, ist einer der Gründe, warum ich gleich JA! gesagt habe, als ich gefragt wurde, ob ich mich auch an der Jungle-Bloggerei beteiligen würde, denn auf einen mehr oder weniger kommt es nun wirklich nicht mehr an.

Neben der Möglichkeit, meine Sicht auf die Zeitung zu schildern, fand ich die Vorstellung schön, dass die aus Jungle-World-Sicht revolutionäre neue Kommunikationsform vielleicht auch endlich ein Ende der traditionellen redaktionellen Technikfeindlichkeit einläuten könnte. Denn während die Welt um uns herum nicht nur per E-Mail und Telefon miteinander kommuniziert, sondern auch diverse Messenger nutzt, sind Skype, ICQ und Co bei uns verboten. Wegen Abhör-, bzw. Mitlesegefahr, die natürlich bei Telefonen und E-Post definitiv nicht besteht…:roll:

Und so dürfen wir das, was Software-Firmen, Agenturen und andere Medienunternehmen schon seit Ewigkeiten tun, nicht: Schnell Nachrichten tippen.

Das ist schon unter normalen Umständen nervig, und manchmal, wenn man nur eine kurze Mitteilung loswerden will, im Feuilleton oder in der Innenpolitik aber dauerbesetzt ist und GMX mal wieder hakt, dann ist man angesichts von soviel technikverweigernder Sturheit locker einen halben Nachmittag zusätzlich sehr, sehr verzweifelt.

Dabei könnte alles so einfach sein: Entsprechende Tastaturbelegung vorausgesetzt, könnte sich zum Beispiel das Leben unseres jeweiligen CvD schlagartig verbessern. Statt zum Hörer zu greifen und die chronisch vergessliche Sportredakteurin Woche für Woche nach dem Austausch höflicher Begrüßungsfloskeln und kurzem Smalltalk endlich zu fragen: „Na, welches Thema ist denn auf der Sportseite für die nächste Ausgabe geplant?“, müsste er einfach nur deren Nick im Messenger aufrufen, sagen wir: F5 drücken und könnte dann gemütlich die Antwort abwarten, während er seinen Job tut.

Die Sportredakteurin – die übrigens mit den meisten ihrer Autoren schon seit Jahren per ICQ kommuniziert - würde dagegen viel kostbare Arbeitszeit einsparen, wenn sie angesichts der Woche für Woche vollkommen überraschend aufgeworfenen telefonischen Planungs-Frage nicht länger ziellos herumstottern müsste, sondern einfach nur, sagen wir: F6 drücken könnte: „Ich habe keine Ahnung, aber ich kümmer mich drum, melde mich gleich wieder.“

31. März 2008, 22.03 Uhr:

Gran Turismo 5 Prologue

von Maik Söhler

Brum, bruuuum, brm, brm, quieeetsch, schepper, bruuuuuum, brm, brm, bruuum, knack, bruuuum, quietsch, zosch. 5000 Credits. Neues Auto. Neue Strecke.

Bruum, bruuuum, knack, schepper, bruuum, bruuuuum, brm, brm, zadong. Scheiß Kiesbett. Bruuum, bruuuuuum, brm, brm, endlich im Ziel.

Neues Auto, Lancia Delta Intergrale, Bj. 1991. 1989 selbst mal gefahren, in der Ausbildungszeit, so genannte Kundenüberführungsfahrt von Siegen nach Köln. Kam mir damals vor wie ein Rennwagen. Und jetzt? Wie langsam, wie enttäuschend, schnell wieder verkaufen, taugt nicht für die Eiger Nordwand, nur für Daytona. Lieber einen Z4. Aber warum ist der so billig?

Egal, weiter, nur weiter. Brum, bruuuum, brm, brm, quieeetsch, schepper, bruuuuuum, brm, brm, bruuum, knack, bruuuum, quietsch, zosch. Nächstes Level, weiter, schneller, besser als Bloggen, mache jetzt Schluss, muss noch meinen Ferrari kriegen.

Gran Turismo 5 Prologue (SCEE/Sony, März 2008, rund 40 Euro) wurde von uns auf der Playstation 3 gespielt.

http://www.granturismoworld.com/de-de/index.htm

31. März 2008, 13.12 Uhr:

Sorry

von Stefan Ripplinger

Das Wissen darum, dass nicht die Zeit uns ein Leid antut, indem sie vergeht, sondern wir ihr, indem wir sie verstreichen lassen, teilen im Cartoon Gut und Böse. Sowohl Spongebob als auch Plankton rufen beim Abreißen des Kalenderblatts: „Sorry about this, calendar.“

31. März 2008, 00.01 Uhr:

Gender Mainstreaming für Arme

von Ivo Bozic

Vorweg, damit kein Zweifel aufkommt: Ich bin ein Freund basisdemokratischer Mitbestimmung bei lokalpolitischen Themen und es liegt mir fern, Gender Mainstreaming dissen zu wollen. Doch was ich in der letzten Ausgabe unseres Lokalblättchens „FriedrichsHain“ las, hat denn doch ein paar Fragen aufgeworfen. (Alle Zitate aus „FriedrichsHain“ 1/2008, S. 4)

Ausgangslage ist, dass ein kleiner Trampelpfad zwischen zwei Straßen (Scharnweber- und Dossestr.), eine Abkürzung, die sich die Bürger selbst ertrampelt haben, als „öffentliche Wegeverbindung hergerichtet“ werden soll, also als „öffentliche Fläche“. Denn dass die Anwohner einfach so einen Weg mit den Füßen anlegen, ohne dass alles geordnet, asphaltiert und von oben abgesegnet ist, das kann ja wohl nicht sein, zumindest genießt es nicht das Sigel der Öffentlichkeit.

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