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Kürzliche Beiträge
10. November 2012, 21.49 Uhr:

Brasil Clipping (2) Literarisches Dribbling ohne Abschluss

von Nils Brock

Flupp. Unter diesem flapsigen Label präsentiert sich in Rio de Janeiro derzeit die “Erste internationale literarische Party der polizeilichen Befriedungseinheiten”. Anstatt den üblichen schnarchigen Festivals und Buchmessen organisiert die Stadt diesmal eine fünftägige Lesesause, hoch oben in der Favela Morro dos Prazeres. Also nichts wie rein in den Shuttle Bus, die urbanen Serpentinen rauf und ab zu einem Gespräch mit zwei „gänzlich fußballverrückten Autoren“. Nach Angaben der VeranstalterInnen war deren Kindheit noch dazu von “politisch nachteiligen Konjunkturen” geprägt, sei es die ostdeutsche “Diktatur des Proletariats” oder eben das brasilianische Militärregime. Eine provokante Ankündigung, die im Morro dos Prazeres noch mal an Aktualität gewinnt. Denn Sport und Uniformen - das kennt auch das jüngere Publikum in Rios polizeilich „befriedeten“ Favelas (UPP) aus dem Alltag.

Für die Flupp werben über der Bühne vier überlebensgroße Gesichter, plakative RepresentantInnen der Nachbarschaft. Zwei lachende Jungens, ein freundlicher Opa und eine noch freundlichere UPP-Polizistin mit schwarzem Barett. Darunter bemüht sich der Moderator der Veranstaltung gerade eine improvisierte Breakdance-Einlage im Eingangsbereich aufzulösen. Auch eine spontane „Bestätigung des Territoriums der Favela als öffentliches Gut der Stadt”, wie das Goethe-Institut die Flupp angekündigt hatte - im Programm aber so nicht vorgesehen. „Hilfe! Bitte, alle mal Hinsetzen. Jetzt!“, fordert der Mann auf der Bühne die Jugendlichen deshalb immer wieder auf, die schließlich nachgeben und erwartungsvoll an den in der Mehrzweckhalle verteilten Tischen Platz nehmen. Auf der Bühne sitzen bereits der brasilianische Sozialoge, Fußballforscher und Blogger, Marcos Alvito, und der print- und zelluloiderprobte Thomas Brussig.

Und jetzt? Wie den Bogen schlagen zu Rasen und Repression als Fixpunkte unterschiedlicher Geschichte und Geschichten? Wo anfangen? In der Sonnenallee? Beim geschickten Platzieren der Mauer? Am Elfmeterpunkt? Beim Strafstoß oder beim Schießbefehl?

Alvito probiert es als erster, mit einem Steilpass Richtung Publikum. Als „homo academicus“ sei er vor Jahren in der Favela Jacaré gelandet, als jemand der „nicht mal wusste wie Lachen geht“, mit vielen Klischees im Kopf, nach und nach das Viertel aber als Ort „intensiven kulturellen Lebens und der Poesie“ kennenlernte. Dann schlägt er einen kaum nachvollziehbaren, elliptischen Haken zu Brussig. Satire, Ostdeutschland und Menschlichkeit. Der Teil des Publikums, der sich nicht aus Mitgliedern des deutschen Konsulats oder Kulturschaffenden rekrutiert, schaut etwas irritiert. Doch genau für die hat Alvito nun, zum „Anpfiff der ersten Halbzeit“, wie der Blogger seinen ersten abgelesenen Beitrag nennt, ein besondere Fußball-Story gestrickt und holt ganz weit aus. „Homer war ja der erste Rapper der Geschichte, mit Versen vom Trojanischen Krieg“, einem „Match“ bei dem „die Gedärme nur so flogen und das am Ende keine Sieger kannte.“ Aphrodite wird in seiner Nacherzählung zur Spielerfrau, die die Seiten wechselt und Achill tritt bei Hector noch mal ganz böse nach. „Am Ende der ersten Halbzeit weinen dann alle angesichts ihrer menschlichen Verletzlichkeit“, pfeift ein von sich selbst berauschter Alvito zur Pause. Einige Tischgruppen schauen kurz von ihren Gesprächen auf.

Die zweite Halbzeit entwickelt sich zu einer ähnlich barocken Zitatenstafette: Nelson Rodrigues, Platon, Pasolini, dazwischen eine paar historische Jahreszahlen und rhetorische Fragen wie „Welchen Sinn hat Fußball? Keinen sondern viele.“ Schweigen. Franz Beckenbauer hätte die Situation jetzt einfach mit einer Autogrammrunde retten können. In Rio dagegen muss Brussig ran. In einer zunehmend leeren wie unruhigen Halle fordert ihn der Moderator zum „Gegenangriff“ auf. Doch zurecht weißt der Autor erst einmal darauf hin, dass kaum jemand ab der zweiten Tischreihe Übersetzungsgeräte zur Hand hat. Brussig hat allem Anschein nach ehrliches Interesse das lokale Publikum anzusprechen und liest ein paar gewitzte Stellen aus seinem Buch „Schiedsrichter Fertig“ vor. „Jeder Schiedsrichter fängt unten an“, oder, „man muss es sich hart erkämpfen ausgepfiffen zu werden“, heißt es darin unter anderem. Dann schlägt er „mit Rücksicht auf die Zeit“ vor, nun lieber mal ins Gespräch zu kommen.

Der Moderator dankte es ihm mit einer schönen Vorlage. Welche politische Bedeutung Fußball in Ostdeutschland gehabt habe, fragt er. „Wie wir alle wissen, hat die DDR im Fußball ja keine große Rolle gespielt, sondern eher bei den Olympischen Spielen“, beginnt Brussig seine Ausführung. Dennoch sei Fußball als Gemeinschaftserlebnis damals für politische Zwecke missbraucht worden. Dann ergänzt er schnell, dass Politiker sich den Sport natürlich auch heute noch zu nutze machen, als Ort der Inszenierung oder Ablenkungen. „Aber das ist nicht ganz so heikel, denn die haben wir ja selbst gewählt.“

Alvito geht auf dieses Demokratieverständnis nicht weiter ein. Auch unterlässt er es das – nicht unbedingt für alle nachvollziehbare – Gesagte noch einmal aufzubereiten oder gar einen Vergleich mit der brasilianischen Geschichte zu wagen. Vielmehr umläuft er geschmeidig auch direkte Nachfragen in puncto Diktaturerfahrung, verstolpert sich anschließend bei einem allzu eitlen Zuspiel auf Brussig. Die Frage nach der Schwierigkeit, Fußball literarisch zu verarbeiten, gerät zu einem konfusen Gedribbel ohne Abschluss.

Kaum ein Übersetzungsgerät ist jetzt noch zu sehen, die meisten ZuhörerInnen unterhalten sich rücksichtsvoll leise. Andere nutzen die hübsch hergerichtete Halle mit Palmen und kunterbuntem Filzbelag als Catwalk. Teenagerliebe, mit Schaulaufen, Gezwinker und Händchenhalten. Da sich das Geturtel zunehmend nach draußen in den Sonnenuntergang verlagert, verpassen viele so die einzige politische Pointe des späten Nachmittags. Die gelingt Brussig, als er gegen die ästhetische Aufbereitung fußballerischen Archivmaterials als reine Torparade anredet. „Nach den schönsten 50 Toren hat man doch keinen Geschmack mehr im Mund“, findet er. „Tore brauchen Kontext, so wie Maradonas Einlage als Hand Gottes oder sein Sololauf mit Abschuss im selben Spiel. Beide Tore fielen beim ersten Match von Argentinien gegen England nach dem Falklandkrieg. Dieser Kontext geht bei Kompilationen einfach verloren.“

Dann spricht er von der von ihm gegründeten deutschen Autoren-Fußballmannschaft, die am Samstag gegen ein brasilianisches Pendant antreten wird und verspricht, sich nur einzuwechseln „wenn der Gegner auch mal eine Chance braucht“. Auf den Rängen wird es dann sicher voller sein als heute vor der Lesebühne, wo Alvito gerade eine letztes Bonmot auftischt. „Der instrumentelle Aspekt des Fußballspiels ist es zu gewinnen“, sagt er und während er das sagt, sehe ich ihn bereits im Trickot vor mir, wie er nach einem langen Sprint, völlig außer Puste, kurz nach Luft für ein zwei Kommentare ringt, sich dann aber doch besinnt, an den eigenen Elfer zurückspurtet und dort mit einer beherzten Grätsche ein sicheres Tor verhindert. Dann kann er sich dem lokalen Szenenapplaus hier gewiss sein. Heute dagegen klatschte beim Abpfiff auf der Bühne nur das Organisationskomitee und die deutsche Kulturdelegation.

7. November 2012, 17.59 Uhr:

Die wahren Kinder Gottes

von Jörn Schulz

Es kann um den Punk so schlecht nicht stehen, wenn er immer noch so viel Empörung hervorruft. Kaum war der Plan bekannt geworden, Pussy Riot den Preis „Das unerschrockene Wort“ der „Lutherstädte“ zu verleihen, meldeten sich zahlreiche Nörgler zu Wort.

Die Frage, ob Pussy Riot den Preis verdient haben, muss natürlich gestellt werden, aber zunächst einmal doch wohl aus der Sicht der Band. Die hat sich noch nicht geäußert, doch sollte nicht von vorneherein als sicher gelten, dass die Punkerinnen die nach einem sexistischen und intoleranten Ex-Mönch benannte Auszeichnung überhaupt haben wollen.

Andererseits sollte Luther fairerweise im Kontext des 16. Jahrhunderts beurteilt werden, und ohne Zweifel war er zumindest anfangs ein Punk. „There ain’t no future and there ain’t no past / There’s just a graveyard and it’s coming fast” – diese Erkenntnis kam ihm während eines schweren Gewitters, das ihm seine irdische Nichtigkeit vor Augen führte und ihn ängstigte.

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5. November 2012, 21.23 Uhr:

Zu Gast als Sklave

von Ute Weinmann

Am 4. November, dem „Tag der Volkseinheit“ marschierten über 5000 Rechtsradikale und Neonazis durch die Moskauer Innenstadt. In Sprechchören huldigten die Teilnehmenden den wegen vielfachen Mordes verurteilten norwegischen Rechtsextremisten Anders Breivik und forderten die „Reinhaltung der weißen Rasse“. Auch die vermeintliche Gastfreundschaft gegenüber Zugereisten aus Zentralasien war Thema. „Das tolerante Moskwabad freut sich über jeden Gast“ war auf einem Transparent zu lesen. Was man sich darunter in der Praxis vorzustellen hat, illustriert der Umgang mit Arbeitskräften insbesondere aus Zentralasien.

Dass die Tätigkeit einer durchschnittlichen Verkäuferin miserabel bezahlt wird, ist wohl nicht nur in der russischen Hauptstadt üblich. In dem gut frequentierten kleinen Lebensmittelladen im Erdgeschoss eines Wohnblocks im Osten Moskaus allerdings erhielten die Mitarbeitenden gar keine Entlohnung. Die Ladenbetreiber, ein Pärchen aus Kasachstan, lockten Arbeitssuchende aus Zentralasien mit regelmässiger Bezahlung, stattdessen behielten sie die Ausweise ihrer Angestellten ein und hielten sie wie Sklaven. Über Jahre. Eine Frau befand sich ganze zehn Jahre in den Händen ihrer Peiniger. Sie und andere berichteten von Vergewaltigungen und schweren Prügelstrafen bei kleinsten Vergehen, wenn beispielsweise ein Produkt, dessen Haltbarkeitsdatum bereits abgelaufen war, nicht an einen Käufer zu bringen war. Mehrere Kinder wurden in Gefangenschaft geboren, ein völlig unterentwickelter fünfjähriger Junge verbrachte drei Jahre in einem Kellerraum. Telefonanrufe bei den Verwandten waren nur unter Aufsicht gestattet. Fluchtversuche endeten regelmässig mit der Rückgabe der Geflohenen an die kasachischen Ladenbetreiber durch die Polizei, die ganz offensichtlich sehr genau von dem sklavenartigen Arbeitsverhältnis in dem ansonsten unauffälligen Geschäft informiert war. Ebenso Anwohner und Dauerkundschaft. Auch die von den Müttern einiger in Moskau festsitzenden Frauen um Hilfe angefragten Botschaftsvertretungen blieben untätig.

Erst nach dem der Kontakt zu Journalisten hergestellt war, gelang es einer Gruppe freiwilliger Helfer in der vergangenen Woche fünf Frauen, vier Männer und drei Kinder aus Kasachstan und Usbekistan zu befreien. Der Aufenthaltsort einer weiteren Frau und zweier Kinder ist unbekannt. Die Polizei wurde sicherheitshalber erst post factum von der Befreiungsaktion informiert.

5. November 2012, 16.11 Uhr:

FGM: Legalize it

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein Mohamed Kandeel hat kürzlich einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er versucht, nachzuweisen, dass weibliche Genitalverstümmelung  überhaupt keine negativen Folgen habe und deshalb zumindest die in der sunnitisch-islamischen Welt praktizierte “Sunnat"-Form, dieses Eingriffs legalisiert werden sollte.  Ausdrücklich nimmt er dabei auf die männliche Beschneidung Bezug.

Und bevor mir jetzt wieder vorgeworfen wird, ich vergliche ganz unlauter FGM und Beschneidung bei Jungen, lasse ich lieber Herrn Kandeel direkt zu Wort kommen, der keineswegs irgend ein randständiger Spinner, sondern ägyptischer Professor of Obstetrics and Gynecology an der  Menofyia University und honorables Mitglied der Geneva Foundation for Medical Education and Research ist:

In Islam and Judaism, male circumcision is a must while female is not. (Das stimmt zwar so nicht, hängt vielmehr von den jeweiligen islamischen Rechtsschulen ab, aber sei’s drum. Anm. d. Verf) In Islam, if female circumcision is desired by parents, it should not go beyond type I FGC (Ia is removal of the prepuce and Ib is removal of the prepuce and clitoris) according to hadith “Sunna type of circumcision”. This type of female genital surgery is equated with male genital surgery. In support of hadith, many studies showed that women with clitoridectomy “type I cutting” are less likely to develop gynecologic or obstetric complications compared to infibulated women “type III”. Considering that the number of Moslems in the world ranks second, it seems logical to reconsider the legal attitude towards female circumcision and probably avoids the ban directed towards Sunna circumcision.

The ban against FGC seems to be gender based, especially because no similar act was taken against male circumcision. If male circumcision is considered safe by anti FGC groups, they should advise how to render FGC as safe as male circumcision instead of enforcing the ban against it.

It therefore seems that the prohibition of FGC for those who strongly believe in circumcision in the absence of solid scientific evidence does not respect their traditions and cultural beliefs. Women in societies which practice FGC and the practicing immigrant minorities living in the west consider that strength and identity partly come from the pain and difficulty which FGC causes, making them ‘strong’ and ‘desirable’ women

Die in islamischen Ländern praktizierte Form von FGM solle also nicht verboten werden, ja ein Verbot stelle sogar eine Diskrimierung des weiblichen Geschlechts dar.

Deshalb richtet Kandeel folgerichtig auch einen Aufruf an die Parlamentarier dieser Welt. Ob er wohl vom Bundestag erhört wird? Der Bundesrat hat schließlich schon der Legalisierung “religiöser Beschneidung” seinen Segen gegeben und erst gestern legte Bilkay Öney (SPD), baden-württembergische Ministerin für Integration, “ein klares Bekenntnis für das Recht auf Beschneidung im Rahmen der Ausübung religiöser Bräuche (…) ab.

To conclude, law makers all around the globe are invited to review the legal situation of female circumcision. Parents, especially immigrants to the western world from the practicing societies, should be properly counselled for the possible complications, but should also be informed that these data were not derived from randomized controlled trials. Those who insist on circumcising their daughters should be allowed to do so, but advised not to exceed type I cutting; otherwise, they will go for it secretly and illegally by inexperienced personnel in a poorly hygienic environment with the possibility of complications.

4. November 2012, 02.05 Uhr:

Brasil Clipping (1) – Zwangsentzug

von Nils Brock

Als „Beginn der totalen Besetzung” feiert die brasilianische Tageszeitung O Globo die fortschreitende und dauerhafte Stationierung von Sicherheitskräften in den Favelas Rio de Janeiros. Die anfängliche Skepsis, gegenüber den sogenannten “polizeilichen Befriedungseinheiten” (Upp), sei auch in den neuerlich okkupierten Vierteln Manguinhos und Jacarezinho längst in allgemeine Begeisterung umgeschlagen. „Die Luft ist leichter, ich fühle mich wie in einer sicheren gated community”, werden BewohnerInnen in der Presse zitiert. Ihre Kinder sollen derweil begeistert auf den Pferden der Militärpolizei mitreiten oder im Mannschaftswagen auf die Hupe drücken dürfen. Ein ganz wichtiger Kontakt sei das, lässt sich ein Einsatzleiter zitieren, der zugleich die hohe BürgerInnenbeteiligung beim Denunzieren von mutmaßlichen „Banditen” und „Süchtigen” in der Nachbarschaft lobt. Über Eintausend anonyme Anrufe wertet die Polizei Rios derzeit noch aus. Doch der Erfolg der Besetzung sei bereits jetzt offensichtlich, resümiert Sicherheitssekretär José Mariano Beltrame begeistert. „Das ist das Ende unseres Gazastreifens und ein neuer Anfang für die Bevölkerung.”

Nicht alle BewohnerInnen jedoch wollen und können dabei mitspielen. „Die Crackolândia leistet Widerstand“, machte O Globo bereits vor der eigentlichen Besetzung Stimmung. Gemeint waren damit circa 600 Crack-KonsumentInnen, die bisher entlang der Bahnstrecke in Jacarezinho in Behelfsunterkünften lebten. Nach ihrer Vertreibung suchen sie nun täglich nach neuen Schlafplätzen außerhalb ihres alten Viertels, verfolgt von PressefotografInnen und Polizisten, die ihre „schmutzigen, vermüllten Ställe“ dann gewaltsam räumen.

Noch bedrückender als diese entmenschlichenden Darstellung der „mobilen Crackôlandias“ und der damit gerechtfertigten Repression ist jedoch, dass dieser Nebeneffekt der Befriedung weder die Presse noch die Sicherheits- oder Gesundsheitsbehörden überrascht. Der Notstand war vorhersehbar, vielleicht auch einkalkuliert. Denn psychologische und medizinische Betreuung kann das lokale Sozialamt derzeit nur 400 Personen anbieten, und dieses Kontingent war, wie allseits bekannt, bereits vor den Besetzungen ausgeschöpft. Minderjährige Konsumenten werden deshalb nun direkt in psychiatrischen Gewahrsam übergeben, eine Lösung die der frisch wiedergewählte Bürgermeister von Rio, Eduardo Paes, zwangsweise auch für Erwachsene durchsetzen will. Unterstützt wird er dabei von vielen Medien, die Süchtigen pauschal jegliche Zurechnungsfähigkeit absprechen und sich deshalb für einen Entzug gegen ihren Willen aussprechen.

Erst heute, nach zweiwöchigem Schweigen, hat sich das brasilianische Innenministerium nun erstmals zu Wort gemeldet und darauf hingewiesen, dass ein solches Vorgehen verfassungswidrig und illegal sei. Für den 11. Dezember berief die Staatsanwaltschaft zudem eine öffentliche Anhörung zu dem Thema ein. Der ideologische Abschluss der „totalen Besetzung“ scheint vorerst noch einmal abgewendet.

3. November 2012, 10.34 Uhr:

Über Heimat

von Thomas von der Osten-Sacken

Ruth Klüger sagt in einem Interview mit der Taz, was über Heimat zu sagen ist:

Brauchen Menschen eine Heimat?

Nein. Ich glaube nicht. Also ich brauche keine. Wissen Sie, die Welt ist derartig voller Flüchtlinge und Migranten, mehr als je. Wenn alle diese Leute eine Heimat brauchten, dann wären sie noch schlechter dran, als sie sowieso sind. Ich bin kein Baum, ich brauche keine Wurzeln. In diesem übertragenen Sinne, dass die Kindheit Wurzel ist: ja. Aber das ist nicht dasselbe wie ein Boden. Ich habe Füße, keine Wurzeln, ich kann gehen. Sogar Auto fahren.

1. November 2012, 17.38 Uhr:

Die Peer Group der Provinzbanker

von Jörn Schulz

Die gute Nachricht zuerst: Sascha Lobo ist noch zu haben. Ebenso wie Peter Sloterdijk und Sepp Maier. Doch Peer Steinbrück taucht in der Rednerliste der Celebrity Speakers GmbH nicht mehr auf. Er hat nun wohl andere Verpflichtungen. Vergessen wir einmal die Debatte darüber, ob ein Abgeordneter Bundestagssitzungen schwänzen darf, um ein bisschen was nebenbei zu verdienen, und wenden uns der Frage zu, was um alles in der Welt Menschen dazu bewegt, 15.000 Euro dafür zu zahlen, dass sie Steinbrück zuhören dürfen.

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