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Kürzliche Beiträge
12. Januar 2015, 18.22 Uhr:

Scharia konkret

von Ivo Bozic

Gastbeitrag von Horst Pankow

Scharia konkret
Von Horst Pankow

Es war die gelassene Zufriedenheit von Leuten, die erledigt hatten, was ihnen notwendig und unaufschiebbar erschien: „Wir haben den Propheten gerächt“, bekannten die Brüder Cherif und Said Kouachi nach ihrem Massaker in den Redaktionsräumen von „Charlie Hebdo“ am 7. Januar. Eine deutliche, aber fast schon überflüssige Ansage. Schließlich wussten die Ungläubigen: Nach koranischem Recht kommt für das Verbrechen der Abbildung des Propheten nur die Todesstrafe in Frage. Spätestens seit dem rechtgläubigen Aufstand gegen blasphemische Zeichnungen in der dänischen Zeitung Jylands Posten Anfang 2006 waren die Ungläubigen gewarnt. Auch hätten ihre zahlreichen Islamexperten und Koranexegetinnen von der unmissverständlichen Klarstellung des 55. Verses der 8. Koran-Sure Mitteilung geben können, worin es heißt: „Siehe, schlimmer als das Vieh sind vor Allah die Ungläubigen, die nicht glauben wollen.“

Jedenfalls hatte sich Amedy Coulibaly, der am 9. Januar in Paris einen jüdischen Supermarkt stürmte und sofort vier dort Anwesende erschoss, weil sie Juden waren, in die Lektüre der 8. Sure, die den beredten Titel „Die Beute“ trägt, vertieft. Bevor zur gottgefälligen Tat schritt, hatte der Gefährte der Kouachi-Brüder ein Video erstellt und als „native child“ der „net-community“ für dessen weltweite Verbreitung gesorgt. Darin erläutert er sein Credo als Kämpfer und sein Motiv für die finale Aktion: „Ihr greift das Kalifat an, wir greifen euch an.“ Woraus dann in den Massenmedien einige die Parteinahme für das nahöstliche IS-Kalifat schlossen, andere eine rein metaphorische Bezugnahme einräumten. Zentral im Coulibaly-Video ist das schriftliche Zitat aus dem 60. Vers der 8. Sure: „So rüstet gegen sie, soviel ihr vermögt an Mann und Pferd, um Allahs Feinde abzuschrecken und eueren Feind und andere außer ihnen, die ihr nicht kennt, Allah aber kennt.“ Seltsam, dass bis jetzt (12. 01) kein deutscher Islam-Auskenner den nachfolgenden 61. Vers zitierte: „Sind sie aber zum Frieden geneigt, so sei auch du ihm geneigt.“

Deutsche aber brauchen kein Quellenstudium für Islam-Apologetik. „Terroranschläge haben nichts mit dem Islam zu tun“, doziert der Innenminister in der Süddeutschen. Am anderen Ende des affirmativen Spektrums sekundiert der Linken-„Innenexperte“: „Der Islam an sich (!) ist keine aggressive Religion.“ (taz) Weniger philosophisch fordert der Innenminister pragmatische Konsequenzen: Die Vorratsdatenspeicherung muss wieder her. Islam ist gut – Kontrolle ist besser!

Die Pariser Massaker zeigen wie jede islamistische Offensive eine groteske Welt aneinander vorbei Agierender: Die Mörder exekutieren die Scharia, verdeutlichen unmittelbar deren Wirkungsmacht. Die heftige Reaktion der Staatsgewalt, dokumentiert durch bizarre TV-Bilder martialisch wie für einen Bürgerkrieg armierter Polizisten lässt die rechtgläubigen Killer und ihre Gemeinde ebenso kalt wie der erwartbare Märtyrer-Tod im Kugelhagel. Ein halluzinierter Kampf für die Pressefreiheit, der mit den rostigen Keulen des Kalten Krieges – als gäbe es auf der „anderen Seite“ einen Souverän, der sich durch abweichende Meinungen oder gar Argumente verunsichern ließe – gefochten wird, ist nur lächerlich.

Zu fragen wäre vielmehr, was westliche Eliten und ihre bedürftigen Mitläufer zur Verharmlosung des postmodernen und postreligiösen Islam bewegt, welche sowohl das geopolitische Spiel der wechselnden Koalitionen mit verfeindeten innerislamischen Parteiungen (sunnitisch vs. schiitisch) als auch die innenpolitisch integrativ deklarierte Islamophilie motiviert. Wäre ja nicht schlecht, wenn solches Fragen vor dem nächsten Massaker, über dessen Geschehen sich ALLE einig sind, beginnen würde.

11. Januar 2015, 11.02 Uhr:

Deserteure des Kulturalismus

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Die 700 000 Franzosen, die gegen die Islamisten auf die Straße gegangen sind und die zahlreichen Beispiele humaner Solidarität in den Tagen des Terrors sind ermutigend, der Kulturkitsch um die vermeintlich muslimischen Beteiligten ist umso abstoßender.

Es begann mit Ahmed Merabet, dem Polizisten, der vor der Redaktion von Charlie Hebdo von den Attentätern brutal erschossen wurde. Laut FAZ hatte er „algerische Wurzeln“ , laut STERN stammt seine Familie aus Tunesien . Unwichtige Details, denn heute zählt ein ganz anderes Herkunftsmerkmal: Merabat sei Muslim gewesen. Der belgische Publizist Dyab Abou Jahjah machte daraus auf Twitter :

„I am not Charlie, I am Ahmed the dead cop. Charlie ridiculed my faith and culture and I died defending his right to do so. #JesuisAhmed“ - und die frohe Kunde verbreitete sich mehr als 30000 Mal.

An was Merabet denn so glaubte, mag noch irgendjemand bei seiner Familie wirklich recherchiert haben, was er von der Satire von Charlie Hebdo hielt, weiß mit ziemlicher Sicherheit niemand.

Trotzdem sind sich alle sicher: Die Tatsache, dass Merabet seine Arbeit gemacht hat, ist ein lebendiger Beweis dafür, dass Terrorismus und Islam nichts miteinander zu tun haben und „dass es eben genau der falsche Weg ist, nun möglichst viele Mohammed-Karikaturen zu drucken“ (STERN). Das zeige schon die kaltblütige „Hinrichtung eines Glaubensbruders durch jene, die vorgeben, im Namen Allahs zu töten“ (FAZ) - die Merabet sein Muslimsein dann wohl an der Nasenspitze angesehen haben müssen.

Nun hat Lassana Bathily noch mehr als seinen Job gemacht und zahlreiche Menschen in einem jüdischen Supermarkt gerettet. Auch hier ist nicht klar, als was er sich selbst definiert, die Medien wissen aber ganz sicher, dass er ein Moslem aus Mali sei.

Weniger Aufmerksamkeit hat ein Algerier gefunden, der Opfer der Islamisten wurde und der nicht richtig in die Inszenierung passen will. Mustapha Ourrad war Korrektor bei Charlie Hebdo und wurde von den Islamisten zusammen mit seinen elf Kollegen erschossen.

In „La Croix“ steht zu lesen, er habe sich als „Sufi-Atheist“ gesehen, seine Kollegen hätten ihn wegen seiner literarischen Beschlagenheit liebevoll Mustapha Baudelaire genannt. Die antifaschistischen Libertären von Charlie Hebdo sind schon Skandal genug. Ein Algerier, der offensichtlich kein Problem damit hatte, in vermeintlicher Apostasie zu „seinem Glauben und seiner Kultur“ für die Zeitschrift zu arbeiten kann kein Held der Kulturrelativisten werden. Wir sollten ihn genausowenig vergessen, wie die elf anderen.

10. Januar 2015, 10.01 Uhr:

Je suis Charlie, et je suis aussi Juif...

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag  von Tobias  Ebbrecht-Hartmann

Es sind sechzehn Menschen ermordet worden (und bitte nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich hier die drei Attentäter/Terroristen nicht mitzähle). Einer davon war Moslem. Er hat sein Leben verloren, weil er sich für das Recht und die Freiheit anderer eingesetzt hat. Er wurde ermordet, weil er sich als Muslim mit dem sogenannten Westen gemein macht.

Der Satz “Je suis Charlie” heißt nicht: “Wir sind alle Menschen", das wäre überflüssig zu betonen. Er bedeutet, dass man sich trotz eventuell anderer Meinungen mit der Position der Redaktion von “Charlie Hebdo” identifiziert, dass man seine Bewunderung dafür ausdrückt, dass sie Haltung gezeigt haben (auch wenn man diese Haltung nicht teilt), und dass man für die Freiheit eintritt, diese Meinungen zu schreiben, gerade weil sie ein reales Problem betreffen.

Warum aber geht kein Aufschrei durch die Welt, sich endlich mit allen zur Verfügung stehend Mitteln von persönlicher Ächtung über das Strafrecht bis zu möglichen Boykotten oder militärischen Maßnahmen gegen die totalitäre Ideologie des Islamismus zu stellen, egal wo auf der Welt?

Das wäre tatsächlich Solidarität mit den Opfern und dass wäre auch im Sinne der Millionen, die tagtäglich vor den Islamisten aller Formen fliehen und an den Grenzen Europas abgehalten bzw. getötet werden, weil sie nach Freiheit streben.

Die europäischen Nazis haben nicht Angst vor dem Islam! Sie haben Angst vor diesen Flüchtlingen, die selber Opfer des politischen Islams sind. Die Nazis wollen selber starke autoritäre Strukturen und Führer genauso wie die jungen Deutschen, Franzosen und Österreicher, die heute bereit dazu sind, in den Dschihad zu ziehen.

Wo es aber gegen die Freiheit und die Komplexität der modernen, globalisierten Welt geht, da wird nach etwas gesucht, was diese personifiziert. Und das waren und sind immer noch die Juden. Den Juden wird alles vorgeworfen, die unbegrenzte Freiheit, Satire und den Unglauben zu personifizieren genauso wie den partikularen Nationalismus und religiösen Fanatismus. Darum wurden letztlich in Frankreich nicht “die Menschen” angegriffen (denn diese wären aus Sicht der islamistischen Ideologen herzlichen eingeladen, sich dem Projekt eines “islamischen Staates” anzuschließen), sondern wenn man überhaupt so will, dann die realen und metaphorischen Juden.

Als dann tatsächlich und zielstrebig Juden als Geiseln genommen und schließlich hingerichtet wurden, blieb die Empörung auf einer sehr viel niedrigeren Stufe. Es fällt offensichtlich einem Europäer schwer “Ich bin Jude” zu sagen, weil dies scheinbar immer noch einen negativen Anstrich hat, oder weil man vielleicht denkt, dass “die Juden” wegen “der Politik Israel” vielleicht wirklich was dafür können. Dagegen auch noch “Ich bin Palästinenser” zu setzen ist nicht nur geschmacklos, denn diese Haltung ist der Mainstream weltweit [Die Facebook-Debatte, auf die sich der Text bezieht entzündete sich an der Frage “Je suis Juif, irgendjemand?” als Reaktion auf die Geiselnahme in dem koscheren Supermarkt. Daraufhin postete ein anderer User: “Je suis Palestinien?"].

Hunderte junge Türken in Deutschland würden jede Minute im Jahr diese Zuschreibung unterschreiben. Die heute angesichts von feigen Mordtaten um Neutralität ringenden Medien berichten aus Israel täglich als wären sie Palästinenser. Sie zeigen Israelis nur als Aggressoren und Palästinenser nur als Opfer. Darum braucht man sich tatsächlich nicht wundern, dass Jugendliche in Berlin “Juden ins Gas” skandieren ohne, dass sich jemand aufregt. Aber stattdessen wird fast ausschließlich vor dem Hass gegen Muslime gewarnt. Dabei sprechen die Zahlen eine andere Sprache. 40 Prozent der rassistischen Gewalttaten in Frankreich richten sich gegen Juden, die 1 Prozent der Bevölkerung ausmachen (noch). Prozentual ist das überproportional gegenüber aller Islamfeindschaft. Und egal welche Statistiken wir herausholen.

Es ist mehr als deutlich, dass sich Muslime oder Ex-Muslime viel, viel expliziter gegen den Islamismus und auch gegen einen reaktionär verstandenen Islam aussprechen. In der Türkei, in Kurdisch-Irak, in den USA, überall haben sich Muslime mit “Charlie Hebdo” solidarisiert und zwar nicht nur mit den ermordeten Menschen, sondern auch und vor allem mit deren Kritik.

Warum können wir diese Muslime oder Ex-Muslime nicht zum Vorbild nehmen? Mit einem Humanismus, der die Besonderheiten nicht mehr sieht, der nicht sehen will, dass diese Täter gezielt und überlegt, aus Überzeugung und nicht aufgrund einer traumarisierten Kindheit gemordet haben, verraten wir diejenigen Millionen Muslime die tagtäglich Opfer der Islamisten und des reaktionären Islam werden, verraten wir die Muslime, die sich dem Islamismus in Wort und Tat entgegenstellen, verraten wir die Ermordeten von “Charlie Hebdo", die ihre Kritik am Islamismus und anderen Formen eines reaktionären Autoritarismus äußerten, verraten wir diejenigen Muslime und Nichtmuslime die versucht haben, diese Freiheit zu schützen und verraten wir diejenigen Menschen, die als Juden sinnlos hingemordet wurden. “Je suis Juif” heißt darum heute: “Ich bin ein Mensch, der aufsteht gegen die Barbarei"!

9. Januar 2015, 11.39 Uhr:

Nichts mit dem Islam zu tun

von Thomas von der Osten-Sacken

Seit nunmehr zwei Tagen bewirbt die deutsche Seite von Yahoo prominent den Artikel “Das hat nichts mit dem Islam zu tun“, in dem Dunja Ramadan noch einmal die ganze, allzu bekannte Mantra ausbreitet, dass Blutbäder wie das in der Redaktion von Charlie Hebdo nichts, aber auch gar nichts mit dem Islam zu tun hätten, ja ihm eigentlich diametral widersprächen. Wir kennen diese Äueßerungen, die allerdings heute weit weniger populär sind, als noch vor ein paar Jahren, von unzähligen Politikern, Akademikern und Journalisten. Das erste Opfer einer Terrorattacke seien nicht etwa die Toten, sondern der Islam selbst:

Auch wenn viele Muslime weder über Mohamed-Karikaturen noch über Jesus-Karikaturen erfreut sind, so hätte keine Karikatur der Welt meiner Religion mehr Schaden zufügen können als es das Massaker getan hat.

Den Tätern nämlich gehe es “nicht um Religion, sondern einzig und allein um Macht und Hass. Solche Menschen wissen nicht, was ihren Glauben überhaupt erst ausmacht, denn sie haben jegliche Menschlichkeit verloren. Im Koran gibt es ein universell gültiges Tötungsverbot das besagt, dass die Ermordung eines Unschuldigen der Ermordung der ganzen Menschheit gleichkäme. Als die Attentäter die Redaktionsräume stürmten, sollen sie “Wir rächen den Propheten” gerufen haben. Dabei können sie den Propheten nicht „rächen“, weil dieser es nie von ihnen verlangt hat.

Ein Tötungsvebot, dass für Unschuldige gilt. Und wer bestimmt, wer schuldig ist und wer nicht? Das nächste Schariagericht? Oder Gott? Oder Frau Ramadan? Und was ist mit den Schuldigen?

Gibt es es auch ein universelles Verbot für Auspeitschungen? Ist beispielsweise Raif Badawi unschuldig, auch wenn er nach allen Regeln der Scharia für schuldig befunden wurde? Wissen die Richter, die ihn zu 1000 Hieben verurteilt haben etwa auch nicht, was eigentlich ihren Glauben ausmacht?

9. Januar 2015, 04.18 Uhr:

Charlie Hebdo – wer mitgeschossen hat

von Oliver M. Piecha

Vor ziemlich genau zwei Jahren hat „Charlie Hebdo“ einen Mohammed-Comic veröffentlicht. Ein Zitat dazu aus der deutschen Presse, 2. Januar 2013:

„Verkaufen ist alles
Zuletzt machte ‚Charlie Hebdo‘ im September mit Mohammed-Zeichnungen auf sich aufmerksam. Nun setzt das französische Satireblatt schon wieder auf Provokation - mit einem Comic-Sonderheft über das Leben des Propheten.
Der Zeitpunkt für einen neuen Mohammed-Jux erschien nach dem Heft vom vergangenen September zum gleichen Thema selbst den Zeichnern der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo etwas zu früh. Die Reaktionen von islamischer Seite sind bisher so gut wie inexistent. Es ist, als wären die Frommen diesmal schlauer als die Frechen. Sollte das auch in den nächsten Tagen so bleiben, werden die in die Jahre gekommenen, ewig halbwüchsigen Spaßmacher von Charlie Hebdo mit ihren Ladenhütern von Sex und Blasphemie eine neue Zielgruppe suchen müssen, um die Verkaufszahlen ihres Blättchens zu steigern.“

Zusammengefasst:
- „Verkaufen ist alles“
- „Provokation“
- „Mohammed-Jux“
- „Die Frommen“ schlauer als „die Frechen“
- „Ewig halbwüchsigen Spaßmacher“
- „Ladenhütern von Sex und Blasphemie“
- „Verkaufszahlen ihres Blättchens zu steigern“

Soviel Provokation nur „um zu verkaufen“. Da könnte man sich ja fast schon was dabei denken. Dasselbe Blatt schreibt nun – deutlich vorsichtiger – in einer Reaktion auf den Terroranschlag gegen “Charlie Hebdo“ über die Arbeit des französischen Satireblattes:

Besonders große Aufmerksamkeit brachten zuletzt Provokationen, die islamischen Bürgern Toleranz abverlangten: Nachdem das Blatt zunächst die Mohammed-Karikaturen des dänischen Jyllands Posten nachgedruckt und seine Verkaufszahlen damit verdreifacht hatte, kam im November 2011 eine Sondernummer mit dem Titel ‚Charia Hebdo‘. Am Vorabend der Auslieferung wurde der Redaktionssitz Ziel eines Brandanschlags, was Charlie Hebdo nicht daran hinderte, ein Jahr später eine neue Karikaturenserie über Mohammed anzukündigen. Die französische Politik reagierte mittelgenervt, schloss vorsorglich die Botschaften in 20 Ländern und stellte Polizeischutz für den Redaktionssitz in Paris.

Zusammengefasst:
- „Provokationen, die islamischen Bürgern Toleranz abverlangten“
- „Verkaufszahlen damit verdreifacht“
- „neue Karikaturenserie über Mohammed anzukündigen“
- „französische Politik reagierte mittelgenervt“

Ganz klar, eine nervige Zumutung an die „deutsche Politik“ wird die Berichterstattung der „Süddeutschen“ nie darstellen, jedenfalls nicht, wenn es um Toleranz gegenüber dem Islamismus geht.

Ostern 1968 hieß in Deutschland die Demonstrationsparole anlässlich des Attentats auf Rudi Dutschke: „BILD hat mitgeschossen.“ Die Idee dahinter war, dass die Berichterstattung dieser Zeitung ein gesellschaftliches Klima gezeitigt hatte, dass dieses Attentat ermöglichte.

Die Mörder von „Charlie Hebdo“ haben sicherlich nicht Blätter wie die „Süddeutsche“ gelesen, um sich bestätigt zu fühlen – aber sie haben zielsicher auf einen gesellschaftlichen Diskurs reagiert, der ihnen signalisiert hat, dass Werte wie Meinungsfreiheit, Aufklärung oder Universalismus „im Westen“ mittlerweile gerne als neckisch herabgewürdigter „Menschenrechtsfundamentalismus” zur Disposition gestellt werden.

Um es auf den Punkt zu bringen:

NEIN, DIE SIND NICHT CHARLIE.
Die sind bloß das Gegenteil.

8. Januar 2015, 16.08 Uhr:

'Je suis Charlie' - Nein, bist Du nicht

von Thomas von der Osten-Sacken

Matt Welch über die “Je suis Charlie"-Kamapgne:

One of the spontaneous social-media reactions to the Charlie Hebdo massacre today was the Twitter hashtag #JeSuisCharlie ("I am Charlie"). It’s an admirable sentiment, resonant with the classic post-9/11 Le Monde cover “Nous sommes tous Americains.” It’s also totally inaccurate.

If we—all of us, any of us—were Charlie Hebdo, here are some of the things that we might do:

* Not just print original satirical cartoons taking the piss out of Islamic-terrorist sensibilities, but do so six days after you were firebombed for taking the piss out of Islamic-terrorist sensibilities (pictured), and do so in such a way that’s genuinely funny (IMO) and even touching, with the message “Love is stronger than hate.”

* Not just print original cartoons of the Prophet Muhammad—a historical figure, lest we forget—but then defending and winning the right to do so after being charged with offensive speech.

* Not just survive such crucibles, but stubbornly resist letting them consume your very being, either by becoming an anti-Islamist obsessive, or a semi-apologetic convert (remember: even the unfathomably brave Salman Rushdie converted to Islam for a while there), or disappearing yourself in the witness protection program, a la the Seattle alt-weekly cartoonist Molly Norris. Charlie Hebdo kept being what it has always been—a satirical, juvenile, and funny check on power and authority and pomposity of all stripes. Do a Google Image search on “Charlie Hebdo” and “Jesus,” and then ask yourself which media entity in this Culture-War-scarred country, with its stronger free-speech protections, would have the courage and latitude to blaspheme both major religions. (…)

The cartoonists who were killed today—Wolinski, Cabu, Tignous, Charb—were some of the most beloved figures in modern French life. Contra some of the nonsense being mouthed today by fools on Twitter, these weren’t some kind of Andrew Dice Clay acts looking for ever-more vulnerable minorities to kick; Cabu, for instance, is most famous for creating the provincial, typical-French character Mon Beauf, who he mocks for being crude and bigoted toward minorities. My French father-in-law, whose Gaullist-flavored politics were certainly satirized by Cabu over the years, said that today felt like being stabbed in the heart.

So no, we’re all not Charlie—few of us are that good, and none of us are that brave. If more of us were brave, and refused to yield to the bomber’s veto, and maybe reacted to these eternally recurring moments not by, say, deleting all your previously published Muhammad images, as the Associated Press is reportedly doing today, but rather by routinely posting newsworthy images in service both to readers and the commitment to a diverse and diffuse marketplace of speech, then just maybe Charlie Hebdo wouldn’t have stuck out so much like a sore thumb. It’s harder, and ultimately less rewarding to the fanatical mind, to hit a thousand small targets than one large one.

7. Januar 2015, 12.52 Uhr:

Mindestens elf Tote in der Redaktion von Charlie Hebdo

von Thomas von der Osten-Sacken

Sincères Condoléances et Solidarité

In Paris hat es heute einen Anschlag gegen die Redaktion des Charlie Hebdo gegeben, bei dem mindestens elf Menschen erschossen wurden.

At least 10 people were killed in a shooting at the Paris offices of Charlie Hebdo, a satirical newspaper firebombed in the past after publishing cartoons in 2011 joking about Muslim leaders, French TV channel iTELE reported. News agencies reported that 11 were dead and 10 wounded, five of them critically.

Satirical newspaper Charlie Hebdo has on several occasions depicted Islam’s prophet in an effort to defend free speech and defy the anger of Muslims who believe depicting Mohammad is sacrilegious.

“About a half an hour ago two black-hooded men entered the building with Kalashnikovs (guns),” Benoit Bringer told the station. “A few minutes later we heard lots of shots,” he said, adding that the men were then seen fleeing the building.


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