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Kürzliche Beiträge
13. März 2013, 17.44 Uhr:

Papstwahl: Was sagt der Experte?

von Jörn Schulz

Alle Welt wartet auf den weißen Rauch. Wir wollten uns nicht mit dem Geschwätz der Gutgläubigen zufrieden geben und fragten deshalb den Geschäftsmann und Vatikanexperten Michael Corleone nach seiner Einschätzung.

Herr Corleone, manche kritisieren Ihre Art, Geschäfte zu machen, einige nennen Sie gar einen Mafi…

Wir haben keine Interessen, keine Investitionen in irgendetwas Illegitimem.

Aber es heißt, es gebe, nun ja, Verbindungen zwischen Ihren Unternehmen und der Vatikanbank, auch seien Sie mit hohen Geistlichen befreundet.

Freundschaft und Geld sind wie Öl und Wasser.

Gerüchten zufolge wird die Papstwahl von mächtigen Interessengruppen manipuliert, auch von Männern, die noch reicher und mächtiger sind als Sie…

Unser wahrer Feind hat sein Gesicht noch nicht gezeigt.

Was haben Sie dem künftigen Papst anzubieten?

Die Corleones sind bereit, 500 Millionen Dollar in der Vatikanbank anzulegen.

Manche glauben, Ihr Favorit sei der mailändische Kardinal Angelo Scola, in dessen Diözese gerade Anti-Mafia-Einheiten der Polizei kirchliche Einrichtungen durchsuchen.

Dieser Papst hat mächtige Feinde.

Aber er ist doch noch gar nicht Papst. Wenn nun jemand anders gewählt wird…

Dann ist niemand sicher. Selbst der Papst ist in Gefahr.

Warum kandidieren Sie eigentlich nicht selbst?

Ich trage zuviel Verantwortung.

Lange kann es nun nicht mehr dauern. Welchen Rat möchten Sie dem zukünftigen Papst mit auf den Weg geben?

Er sollte vorsichtig sein. Es ist gefährlich, ein ehrlicher Mann zu sein.

13. März 2013, 13.09 Uhr:

Vom Paulus zum Paul

von Jörn Schulz

Für Feuilleton-Katholiken sollte es ein Extragebot geben: Du sollst nicht ungebührlich lange am Weihrauchfass schnüffeln! Denn siehe, der Herr liebt nicht jene, die in Seinem Namen allzu groben Unfug reden, weil Er nicht der Lächerlichkeit preisgegeben werden will von dir, oh übereifriger Stümper! Und willst du nicht hören, so wirst du dich dereinst wiederfinden in einem Kessel mit Franz Josef Wagner, und er wird dir seine Kolumnen vorlesen von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Aber sie können’s nicht lassen. Paul Badde fabuliert in der Welt von einem chinesischen Papst: „Im noch ferneren Reich der Mitte aber würden nach der Wahl eines Chinesen viele Dämme brechen. (…) Die Partei würde erzittern wie ein tönerner Koloss. Das Erdbeben würde die Funktionäre erbleichen lassen wie die Sowjets im Kreml bei der Wahl des Polen.“ Dass Johannes Paul II. den Zusammenbruch des Realsozialismus herbeiführte oder dabei zumindest eine entscheidende Rolle spielte, ist eine von Stalinisten wie Katholiken eifrig gepflegte Legende. Tatsächlich tat die polnische Kirche alles, um eine Radikalisierung der Streikbewegung zu verhindern und forderte nach dem Militärputsch Jaruzelskis explizit Unterordnung. Aber zurück zur Baddeschen Vision.

„Die Entscheidung in der Sixtinischen Kapelle würde die Gewichte der Erde mit einem Glockenschlag neu verteilen und justieren. Millionen Chinesen würden der Kirche die Türe einrennen, schon am ersten Tag nach der Wahl – wie nach der Konstantinischen Wende in Rom im Jahr 313 oder in der rasend schnellen Bekehrung der Azteken Mexikos im Jahr 1531.“ Tatsächlich hat weder 313 noch 1531 auch nur ein einziger Chinese eine Kirchentür eingerannt, und man justiert nicht das Gewicht, sondern die Waage. Hach, der Glaubenseifer – es muss ein schönes Gefühl sein, wenn der letzte Rest Verstand sich langsam verflüchtigt. Die Chinesen aber sind nun gewarnt, denn es ist bekannt, wie die Azteken bei der „rasend schnellen Bekehrung“ mit der christlichen Barmherzigkeit bekannt gemacht wurden.

8. März 2013, 19.19 Uhr:

Sozialismus der dummen Kerls

von Jörn Schulz

Auch Oskar Lafontaine konnte sich am Vorabend des Frauentages eine Beitrags zur Sexismusdebatte nicht enthalten: „Angela Merkel ist die Kurtisane der Reichen Europas.“ Aber als alternder Callboy des Linkspopulismus muss man sich wohl immer wieder was einfallen lassen, wenn einen keiner mehr haben will. Was auf den Antisemitismus bezogen verharmlosend ist, scheint mir für den Lafontainismus passend: Sozialismus der dummen Kerls.

7. März 2013, 17.03 Uhr:

He'll be back

von Jörn Schulz

Es kommt vor, dass Jürgen Elsässer richtig liegt. Seine „Vier Thesen zur bleibenden Bedeutung von Hugo Chavez“ fassen treffend zusammen, was den venezolanischen Staatschef auszeichnete. In der Bewertung muss man Elsässer ja nicht folgen.

„Gläubiger Christ und überzeugter Marxist – das war für ihn kein Widerspruch.“ Tatsächlich hat Chávez bewiesen, dass jemand, der ostentativer frömmelte und sich häufiger auf Gott berief als George W. Bush, für einen Linken gehalten werden kann.

„Er versöhnte Volkseigentum und Privatbesitz.“ Selbst im Ölsektor blieb die Verstaatlichung hinter dem Niveau Saudi-Arabiens, das gemeinhin nicht als linker Staat gilt, zurück, und die Rechten von Fox News ließen sich nicht täuschen: „In fact, the private sector still controls two-thirds of Venezuela’s economy — the same as when Chavez was elected in 1998, according to estimates by the Central Bank.“ Nur viele Linke glauben an den “Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, versöhnt hat Chávez also einen beachtlichen Teil der Linken mit dem Kapitalismus.

Reform? Revolution? Chávez kann es besser: „Mit dem Militär im Rücken zum Präsidenten gewählt werden, und alle weitere Schritte der Umgestaltung über Volksentscheide durchsetzen und absichern.“ Wer geglaubt hatte, mit dem Zusammenbruch des Realsozialismus sei klar geworden, dass linke Politik immer etwa mit Basisdemokratie, Selbstverwaltung und gesellschaftlicher Emanzipation zu tun haben müsse, wurde durch Chávez und seine Fans belehrt: Stillgestanden! Das Denken einstellen! Zur Urne vorwärts marsch!

Und nicht zuletzt: „Er versöhnte die antiimperialistische Linke mit der islamischen Revolution.“ Man kann darüber streiten, ob das wirklich noch nötig war. Aber Chávez leistete weit mehr als profane Versöhnungarbeit, er veränderte die Heilsgeschichte. Das flüsterte offenbar Gott dem iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad zu: „Although Hugo Chavez, is no longer among us today, I am sure that his innocent spirit has ascended to the heavens and will one day return to us with Jesus Christ and will once again help humankind establish peace, justice and kindness.”

Bislang galt für den Erlöser: Es kann nur einen geben! Doch erinnern wir uns des tiefsinnigen theologischen Gesprächs zwischen Chávez und Ahmadinejad im Jahr 2009:
„Chávez: Du hast mir das sehr gut erklärt. Der Imam Nummer… acht!
Ahmadinejad: Zwölf.
Chavez: Zwölf! Ich habe mich nochmal geirrt!
Ahmadinejad: Der achte Imam ist in der Stadt Mashad, da wo wir waren.
Chavez: Ah, da wo wir waren. Danke. Ich denke, ich werde weiterstudieren, sie sehen schon. Gut, der Imam Nummer zwölf, genannt…
Ahmadinejad: Mahdi
Chavez: Mahdi, Mahdi - Mahdi und Christus werden zurückkehren - zusammen, sich an den Händen haltend… Sie werden wiederkommen.“

Da soll noch einer sagen, der Dialog der Kulturen trage keine Früchte. Warum sich mit einem Erlöser begnügen, wenn man auch zwei haben kann? Oder drei, vielleicht sogar…vier? Denn wenn Jesus mit Chávez herniederfährt, braucht ja auch der Mahdi einen Kompagnon. Ein Job für Mahmoud?

Die wahren Propheten finden sich aber natürlich anderswo, nämlich in unseren Redaktionsräumen. In der Jungle World stand schon 2007: “Chávez hingegen ließ sich die Vollmacht erteilen, per Dekret zu regieren, und will über die von der Verfassung vorgesehene Zeit hinaus Präsident bleiben. Wahrscheinlich bis er, wie Lenin, einbalsamiert wird.” Und sehet, oh Ungläubige, diese Prophezeiung erfüllt sich nun.

6. März 2013, 17.54 Uhr:

Furor Teutonicus

von Jörn Schulz

„Drei Höllenfurien sah ich dort alsbald,
Die, blutbefleckt, g’rad’ aufgerichtet, stunden,
Und Weibern gleich an Haltung und Gestalt,
Mit grünen Hadern statt des Gurts umbunden,
Mit kleinern Schlangen aber, wie mit Haar,
Und Ottern rings die grausen Schläf’ umwunden.“

So stellt sich Joachim Gauck vermutlich Feministinnen vor, die gerade einen unschuldigen Brüderle verschlungen haben. Die Furien, die Dante in seiner „Göttlichen Komödie“ schildert, werden meist als Rachegöttinnen bezeichnet, treffender wäre jedoch, sie als Schutzgöttinen oder Göttinnen der Gerechtigkeit zu sehen. Denn sie geraten nicht grundlos in Raserei, Orestes etwa wird von ihnen mit Wahnsinn geschlagen, weil er seine Mutter Klytaimnestra ermordet hat. Ihr Furor ist also immer ein Tugendfuror, und auch wenn die in der Antike üblichen, zuweilen recht rabiaten Methoden der Rechtspflege kein Vorbild für die heutige Zeit sein sollten, ist es eigentlich keine Schande, eine Furie zu sein, sich also über Unrecht zu empören und den Übeltätern zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Seit der römischen Zeit ist allerdings auch der Furor Teutonicus bekannt, die Raserei, mit der sich Barbaren in die Schlacht stürzen, um sich die Zumutungen der Zivilisation vom Leib zu halten. Derzeit findet diese Schlacht in den Kommentarspalten statt: „Herr Gauck bleiben Sie bei ihren Aussagen. Seien Sie standhaft gegenüber diesen tugendhaften Furien!“; „Da kriechen die ‚Kampfemanzen’ im schlechtesten Sinne des Wortes aus ihren Löchern“ usw.

Andererseits sollte man fair sein. Gauck hat das Patriarchat gar nicht geleugnet. „Aber eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen“, sagte er. Und das stimmt wohl. Er kapiert es wirklich nicht, nur sagt das allein etwas über Gauck, aber nichts über die Realität aus. Doch was will man von einem Bundespräsidenten erwarten, der glaubt, eine Fehlhaltung könne Flächen bedecken?

28. Februar 2013, 13.41 Uhr:

Ein Islamophobieexperte

von Thomas von der Osten-Sacken

Der tuerkische Premier Erdogan praesentierte sich in Wien als ganz grosser Islamophobieexperte und plauderte gleich auch noch aus, worum es den Apologeten dieses Begriffes eigentlich geht:

“Just like Zionism, anti-Semitism and fascism, it becomes unavoidable that Islamophobia must be regarded as a crime against humanity.”

UN-Watch stellt fest:

“We remind secretary-general Ban Ki-moon that his predecessor Kofi Annan recognized that the UN’s 1975 Zionism-is-racism resolution was an expression of anti-Semitism, and he welcomed its repeal.” […]

“Erdogan’s misuse of this global podium to incite hatred, and his resort to Ahmandinejad-style pronouncements appealing to the lowest common denominator in the Muslim world, will only strengthen the belief that his government is hewing to a confrontational stance, and fundamentally unwilling to end its four-year-old feud with Israel.”

Derweil Erdogan der Islamophobieexperte noch einmal:

Islam means ‘peace.’ We can never accept arguments that a religion of peace, Islam, encourages or approves terrorism.

27. Februar 2013, 16.47 Uhr:

Jihad an der Zapfsäule

von Jörn Schulz

Im deutschen Staatsbürgerschaftsrecht gilt das Optionsverfahren, Deutsche aus migrantischen Familien müssen sich bis zu ihrem 23. Geburtstag für eine Staatsbürgerschaft entscheiden. Es gibt aber auch noch ein inoffizielles Optionsverfahren: echte Deutsche entscheiden, wer ein Deutscher ist, ohne sich von Belanglosigkeiten wie Recht und Gesetz beeindrucken zu lassen. Dieses Verfahren praktiziert Wolgang Röhl auf der „Achse des Guten“. Es geht um einen wegen einer Schießerei an einer Tankstelle gesuchten Verdächtigen, über den das Hamburger Abendblatt berichtete.

„Der 25 Zeilen lange Bericht erwähnt drei Mal, es handele sich bei dem Gesuchten um einen Deutschen. Typisch deutsch sieht er auf dem abgedruckten Fahndungsfoto der Polizei nicht direkt aus, und sein Name (Nikbakht Shasavand) klingt auch etwas ungewöhnlich. Aber egal. Seine Staatsbürgerschaft ist mutmaßlich eine deutsche, und somit war das Abendblatt aus dem Schneider. Foto und Name gedruckt, wie von der Polizeipressestelle gewünscht, und dennoch keine fiese braune Hetze gegen Migranten abgeliefert – vorbildlich gelöst.“

Vermutlich geht es um den Artikel „Versuchtes Tötungsdelikt am Rothenbaum“, zumindest hat er, zählt man Überschrift und Vorspann mit, 25 Zeilen, und sonst findet sich im Internet nur noch eine Kurzmeldung des Abendblatts über Shasavand. Allerdings wird nur zweimal, einmal im Vorspann und einmal im Artikel, erwähnt, dass Shasavand Deutscher ist. Aber ein echter Deutscher muss nicht bis drei zählen können, um zu wissen, wer kein echter Deutscher ist.

Doch warum verschweigt Röhl den Skandal, dass sogar die deutsche Polizei in ihrem Fahndungsaufruf Shasavand dreist als Deutschen bezeichnet? Werden Polizisten nicht mehr in Rassenkunde unterrichtet? Wenn das der Führer wüsste! Auch fragt man sich, welche Meldung Röhl gerne gelesen hätte. Vielleicht: „Untermenschen immer dreister: Kanakenterror an der Tankstelle“? Hmmm, etwas old school. Besser wohl: „Jihad an der Zapfsäule: Heute zielen sie auf unsere Autos. Morgen greifen sie unsere Atomkraftwerke an.“ Ja, ich glaube, so müsste eine unaufgeregte und ausgewogene Berichterstattung aussehen, die sich nicht dem Gutmenschen-Multikulti-Rechtsstaats-Terror beugt.

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