Schlüppis
Kürzliche Beiträge
18. Dezember 2012, 19.24 Uhr:

Kein Mitleid

von Jörn Schulz

Der Täter war weiß und stammte aus einer wohlhabenden Familie. Deshalb scheint das Massaker von Newtown viele Journalisten zu überfordern. Einer aus unserer Mitte? Da muss sich doch was finden lassen. Ha! Ein paar Leute in Newton haben gemutmaßt, Adam Lanza sei ein Asperger-Autist gewesen. Na also, geht doch: „Eiskalt. Ohne Gefühl. Kein Mitleid. Bild.de erklärt das Asperger-Syndrom.“ Aber auch in seriöseren Publikationen werden Autismus und Persönlichkeitsstörung munter durcheinandergebracht und Klischees verbreitet. Eine aktuelle Medienkritik gibt es im Blog quergedachtes.

So bestätigt sich leider die mehr als vier Jahre alte Vorhersage unserer Autorin Rebecca Maskos: „Der Autismus scheint ein Paradebeispiel dafür zu werden, wie leicht sich eine Behinderung diskursiv konstruieren und mystifizieren lässt.“ In diesem Text geht es unter anderem um unterschiedliche Sichtweisen auf den Autismus und „Autism Pride“, eine Bewegung, die Akzeptanz statt „Heilung“ fordert. Die derzeit gängige Ausgrenzung und Dämonisierung dürfte diesem Anliegen nicht dienlich sein. Und der Verdacht, dass die Mehrheitsgesellschaft ihre für Karriere und Konkurrenzkampf unerlässliche, aber ungern eingestandene Gefühlskälte auf eine Minderheit projiziert, ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen.

8. Dezember 2012, 16.57 Uhr:

Exportweltmeister als Judenschuetzer

von Thomas von der Osten-Sacken

Man kann dem Volker Kauder schon ein wenig dankbar sein, wenn er wenigstens offen zugibt, Ziel des Irans sei es, “die Juden ins Meer zu treiben", also Israel zu vernichten, wenn moeglich nuklear. Oft hoert man es nicht so deutlich aus den Reihen dieser Regierung, die bislang noch alles unternommen hat, damit weder Israel oder die USA den Iran gewaltsam soweit abruesten, dass dieses Ziel in etwas weitere Ferne rueckt.

Stattdessen tingeln regelmaessig deutsche Parlamentsdelegationen zu den Ayatollahs und blueht, trotz Sanktionen, der bilaterale Handel, und zu jeder Gelegenheit wird betont, dass einzig Dialog der Weg sei, um mit dem Iran voranzukommen. Als passendes Hintergrundrauschen entwickeln deutsche Stiftungen dann noch Grundsatzpapiere ueber deutsch-iranische strategische Partnerschaften in Eurasien.

Aber der Schein truegt ja nur: in Wahrheit naemlich geht Deutschland einen ganz eigenen Weg, um die bedrohte  Existenz Israels vor nuklearer Ausloeschung zu bewahren. Es liefert naemlich fuer Milliarden Panzer an Saudi Arabien. Und Kauder erklaert auch warum:

„Es ist eine bittere Ironie: Die Saudis mögen selbst judenfeindlich sein, aber sie sorgen auch dafür, dass der Iran die Juden nicht ins Meer treiben kann“, sagte Kauder weiter.

Man verdient an den einen Antisemiten, Frauenunterdrueckern und Handabhackern sich eine goldene Nase und legitimiert den schmutzigen Deal auch noch als gute Tat.  In Deutschland naemlich gilt, anders als im angloamerikanischen Kapitalismus, dass Geldverdienen alleine kein Wert ist, sondern immer auch die Gesinnung stimmen muss.

Wie die Saudis mit deutschen Panzern den iranischen Atombombenbau aufhalten sollten, waere dabei eine ganz andere Frage. Dass dem Iran recht leicht ganz anders das Handwerk zu legen waere, nur verdiente der Exportweltmeister Deutschland daran eben nichts, sondern muesste gar noch Verluste hinnehmen, die Idee kommt dem selbsternannten Judenfreund Kauder gar nicht.

 

5. Dezember 2012, 17.50 Uhr:

Gefahr aus dem All

von Jörn Schulz

Würden Sie 30 Millionen Dollar dafür ausgeben, dass jemand irgendwo herunterhüpft? Vermutlich nicht, dennoch sind bislang wenig Zweifel daran geäußert worden, dass der Red-Bull-Agent Felix Baumgartner einfach nur so aus 39 Kilometer Höhe gesprungen ist. Wer so naiv ist, das zu glauben, glaubt wahrscheinlich auch, dass al-Qaida für 9/11 verantwortlich war. Aber schauen Sie sich die Fotos und Videos nochmal an: Man sieht nur nach unten. Was aber ist über Baumgartner? Was hat Red Bull wirklich in den Weltraum geschossen? Vom Verbleib des angeblichen Ballons hat mein seither ja nichts mehr gehört…

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29. November 2012, 12.59 Uhr:

Extremismus à la russe

von Ute Weinmann

Wer sich gerne noch einmal auf YouTube den Videoclip von der Aktion der Punk-Aktionskünstlerinnen von Pussy Riot im Februar 2012 in der Moskauer Erlöserkathedrale ansehen möchte, sollte sich beeilen. Heute stufte ein Moskauer Gericht den Clip als „extremistisch“ ein und veranlasste die Blockierung praktisch aller bisher im Internet veröffentlichten Videoaufnahmen der Perfomances von Pussy Riot.

Bemerkenswert sind die Schlussfolgerungen aus den vorgelegten Gutachten. Da ist die Rede von „versteckten Aufrufen zu solchen Handlungen, wie die Organisierung von Massenunruhen auf Plätzen, wie Occupy Wall Street oder in arabischen Ländern“. Das Russische Institut für Kulturwissenschaft will in besagtem Videoclip gar den „Aufruf zur Arbeit mit den Strafverfolgungsbehörden mit dem Ziel, einen Teil dessen Angehöriger auf die eigene Seite zu ziehen“ bemerkt haben. Dass der Punk-Auftritt in der Kirche die Gefühle Gläubiger verletzt habe, ist ja bereits hinreichend bekannt. Für die sorgfältige und von Fachkenntnis geprägte Überprüfung der skandalträchtigen Videos sorgte Alexander Starowojtow, Dumaabgeordneter der Zhirinowskij-Partei LDPR mit einem Antrag an die Staatsanwaltschaft.

Zwei der drei im August wegen der gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichteten Performance vor Gericht gestellten Frauen von Pussy Riot, Nadezhda Tolokonnikowa und Maria Aljochina, verbüßen derzeit ihre zweijährigen Haftstrafen in russischen Strafkolonien. Deren Ruhm macht den Gefängnisleitungen jedoch zu schaffen. Nach Drohungen, Beleidigungen und Angriffen seitens ihrer Mithäftlinge sah sich Maria gezwungen, die Leitung um Schutz zu bitten. Dieser Schritt ist äußerst riskant, denn jegliche Ermittlungsmassnahmen zur Klärung des Sachverhalts wirken sich in der „Zone“, wie die Kolonien auch genannt werden, in der Regel am Ende gegen die Hilfesuchenden aus. Vorerst kann sich Maria Aljochina nur in Begleitung des Gefängnispersonals auf dem Gelände der Strafkolonie bewegen. Allerdings gilt die im Permer Gebiet gelegene Zone als vorbildliche „rote Kolonie“, in der der gesamte Ablauf im Unterschied zu vielen anderen komplett durch die Gefängnisleitung bestimmt wird. Sprich, es ist anzunehmen, dass diese die Angriffe auf ihre berühmteste Insassin selbst initiiert hat, um Maria dazu zu bewegen, einen Antrag auf Verlegung in eine andere Strafkolonie zu stellen.

21. November 2012, 03.01 Uhr:

Brasil Clipping (3) Drama Kings unter sich

von Nils Brock

Die Idee der Homo-Ehe gefährdet die menschliche Evolution”, zitierte die brasilianische Presse in der vergangenen Woche die Katholische Kirche. Was für eine Meldung! Ein ebenso später wie spektakulärer Schulterschluss zwischen Darwin und den Stadthaltern Christi, diese Nachricht ist eigentlich nicht zu toppen. Im verbissenen Kampf für die Hetero-Ehe die Schöpfungsgeschichte zu relativieren, noch dazu ohne Rücksicht auf die zu erwartende Kritik an der zölibatären Verweigerung am Arterhalt – das ist politisches Bekenntnis und Beichte zugleich.

Im kleinen wiederholte dieses argumentative Kunststück nur vier Tage später Brasiliens Justizminister José Eduardo Cardoso. „Im Grund meines Herzens würde ich es vorziehen zu sterben, als für lange Zeit in einem brasilianischen Gefängnis einsitzen zu müssen“, offenbarte sich Cardoso auf einem Unternehmertreffen. „Mittelalterlich“ und „erniedrigend“ seien die Haftbedingungen. Kämpferischer als seine Kollegen im Vatikan jedoch, verteidigte der oberste Hüter der Knäste außerdem die angeblich nicht zu leugnende Erfolgsgeschichte der Resozialisierung, denn problematisch sei ja lediglich der Umstand, dass die Gefängnisse des Landes noch nicht „würdevoll“ genug seien. Und auch das Bekenntnis zum Suizid ist bei Cardoso weniger kategorisch angelegt als die Enthaltsamkeit katholischer Würdenträger. Vielmehr sei diese Einstellung situativ bedingt und dem Umstand geschuldet, dass „wir in den Behörden manchmal eben kleiner sind, als die Aufgaben, die uns zugedacht werden.“ 

Was sich auf den ersten Blick wie ein Rücktrittsgesuch liest, ist es jedoch gerade nicht. Denn indem Cardoso das soziale Problem der Knäste im zwanzigsten Jahr der Gefängnisrevolte von Carandiru, bei deren Niederschlagung seinerzeit 111 Häftlinge starben, zu einer rein quantitativen Frage umformuliert, bleibt er letztendlich jeder Verantwortung erhaben. Damals wie heute wird die Überbelegung der Gefängnisse als Grund ihrer desolaten Lage angeführt. Mussten sich in Carandiru “nur” doppelt so viel Gefangene wie vorgesehen die Zellen teilen, sind es heute im “Provisorischen Haftzentrum” (CDP) in Sao Paulo mit 6.000 Gefangenen gleich drei mal mehr. Dabei hat das Justizministerium zwischen 2005 und 2011 eifrig in den Neu- und Ausbau ihrer Verwahranstalten investiert und diese um 75% erweitert. Und dennoch fehlen laut einer aktuellen Statistik noch immer 300.000 Plätze. Cardoso verspricht deshalb, wie alle Amtsinhaber vor ihm auch, eine weitere Vergrößerung der Infrastruktur und kann zugleich jetzt schon verkünden, dass der eingeplante Etat von einer halben Milliarde Euro nicht ausreichen wird.

Doch zurück zur den eigentlichen Statements der beiden Drama Kings. Noch paranoider als die Vorstellung, dass jeglicher Spaß außerhalb eines geschlechtsbessenen Fortpflanzungsschemas den Fortbestand der stetig wachsenden Weltbevölkerung gefährde, ist die fixe Idee des Justizministers, aus dem Fenster springen zu müssen, nur um sich zum Schlafen nicht in einer überfüllten Zelle an den Gittern festketten zu müssen. Denn statistisch betrachtet ist der Durchschnittshäftling eher kein weißer Kravattenträger, sondern ein 29-jähriger Analphabet der wegen unbewaffneter Diebstahlsdelikte oder Drogenhandel einsitzen muss und dessen Schuldhaftigkeit sich in 76% aller Fälle allein auf die Aussage eines Militärpolizisten stützt. Auch einige jüngst wegen Korruption zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilte PolitikerInnen der brasilianischen Arbeiterpartei (PT) werden da quantitativ nur wenig ins Gewicht fallen. Darauf angesprochen, was er den Parteikollegen nun empfehle, verweigerte Cardoso die Aussage. Vielleicht auch deshalb, um nicht über sein Amt hinauszuwachsen und sich am Ende noch wegen Sterbehilfe verantworten zu müssen…

 

18. November 2012, 00.07 Uhr:

Wenn der Islamist vor Neid erblasst

von Thomas von der Osten-Sacken

Massen  demonstrierten heute

in France against plans to legalise same-sex marriage and allow gay couples to adopt.

Police said at least 70,000 took to the streets in Paris; there were other demonstrations in the cities of Lyon, Toulouse and Marseille.

Da werden die Muslimbrüder und Salafiten in Ägypten aber neidisch sein. Soviele Leute bekommen die gerade wegen keinem einzigen heißen Thema auf die Straße.

12. November 2012, 18.13 Uhr:

Friedliches Restjahrhundert

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Dominanz der Opec-Staaten an den internationalen Energiemärkten neigt sich dem Ende entgegen. Fatih Birol, der Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA) schätzt, dass im Jahr 2017 die USA an Saudi-Arabien als weltgrößtem Ölproduzenten der Erde vorbeiziehen werden.

Die Meldung müsste von der deutschen Friedensbewegung mit  Jubel aufgenommen worden sein, denn nun, da keine Kriege der Yankees um Öl mehr drohen, erwartet uns dann ja ein ganz friedliches und konfliktfreies Restjahrhundert.

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