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Kürzliche Beiträge
17. Januar 2013, 14.56 Uhr:

Brücke aus Bamoko

von Thomas von der Osten-Sacken

Bridges from Bamoko ist ein sehr lesenswertes und empfehlenswertes Blog über die Lage in Mali. Der Autor, Bruce Whitehouse, schreibt über die Hintergründe des Konfliktes, warum es nur sekundär und anders als von deutschen Linken behauptet, um Rohstoffe geht und vieles mehr. Unter anderem auch, dass gerade in mali sich radikale Islamisten nicht gerade besonderer Unterstützung erfreuen und die französische Intervention von der Merheit der Bevölkerung begrüßt wird:

At least 9 out of 10 Malians are Muslim, they are grateful for the French intervention, and they want no part of the intolerant, totalitarian project reserved for them by the coalition of Islamist groups now controlling Mali’s north. At its core, the conflict in Mali is not between Muslims and non-Muslims; it’s between Muslims with different visions of Islam, and religion is by no means the most important issue at stake. One of the reasons the French government was so hesitant to get involved, and now insists that it’s fighting “terrorists, not Islamists”, is that it doesn’t want to play into the hands of those who portray what’s happening in Mali as “Islam vs. the West.”

15. Januar 2013, 21.59 Uhr:

Kein Blut für Gold!

von Thomas von der Osten-Sacken

Wenn die französische Armee in Mali eingreift und, wie es aussieht, in letzter Minute einen koordinierten Angriff jihadistischer Truppen auf die Hauptstadt Bamoko stoppt, hat natürlich die Stunde der deutschen Friedensbewegung und Linken geschlagen.

Es geht, wer hätte es gedacht, mal wieder recht eigentlich nur um Rohstoffe. Nun ist’s beim Franzosen, wir wissen es aus langer und leidvoller Erfahrung, nicht nur wie beim Ami, ein unstillbarer Öldurst, nein der leichtlebige Welsche hat’s mit ja dem Glitzerkram, weshalb die malischen Goldminen in der materialistischen Analyse nicht fehlen dürfen:

Der Norden Malis birgt weitere Uranvorkommen, ist aber auch reich an Bodenschätzen wie Öl, Gold und Phosphat.

Und einmal mehr fordert die Linke Entwicklungshilfe statt eines Militäreinsatzes. Sucht man auf ihren Seiten allerdings nach Hintergrundartikeln zu Mali, fündig wird man vor dem September 2012 nicht. Da nämlich begann die Diskussion um einen Militärseinsatz gegen die islamistischen Mordbanden im Norden des Landes. Wie ähneln sie doch Bundesaußenminister Westerwelle, der, als die libyschen Panzer gerade in die Vororte Benghazis einrollten, forderte, man müsse den Sanktionen mehr Zeit lassen. Auch er nahm’s den Franzosen damals übel, dass ihre Miragebomber den Vormarsch stoppten, nicht sein Geschwätz.

Aber die Linke wäre nicht die Linke ohne Hinweis auf Flüchtlingsströme. Man sei gegen diesen Krieg, erklärt Frau Buchholz, weil es “zu einem weiteren Anwachsen von Flüchtlingsströmen kommen” werde. Als in Timbuktu Hände abgehackt wurden nach der Machtübernahme der Djihadisten und Tausende vor der Barbarei flohen, kümmerte das die Linke bekanntlich einen feuchten Kehricht. Jedenfalls ist nicht bekannt, dass Forderungen laut wurden, diese Menschen in Deutschland aufzunehmen.

Ohne den Einsatz der französische Armee kontrollierten jetzt wohl Jihadisten auch Bamoko. Und unisone riefen Westerwelle flankiert von der Linken und dem Rest der friedensbewegten Nation, die vom gesamtideellen Großpapa gelernt hat, dass Krieg schlimm sei, weil dabei so schöne Städte wie Dresden draufgingen, zum Dialog und wären sicher auch bereit, ihrem Entsetzen, ja ihrer Betroffenheit Ausdruck zu verleihen über die von Islamisten begangenen Grausamkeiten. Und Obama hätte sich ihnen aus dem fernen Washington angeschlossen.

 

(Aufgenommen in Benghazi im Mai 2011)

Dass es hätte anders laufen können, man wusste es seit Jahren, gekümmert hat es aber keinen. Der Ruf nach Entwicklungshilfe hätte vor ein paarJahren durchaus Sinn gemacht (ich gestatte mir, auf einen Artikel im Tagesspiegel zu verweisen, den ich zu genau diesem Thema 2007 veröffentlicht habe), wenn nur noch Mirage oder F 16 Flugzeuge das Schlimmste verhindern können, wird er er zur perfiden Lüge.

Erstmals seit Jahrzehnten kämpft die französische Armee in Afrika nicht auf Seiten der übelsten Regimes und Bewegungen, sondern gegen sie, und zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Jahren hissen in afrikanischen Städten Menschen die Trikolore, um damit ihrer Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen.

Aber anstatt die Marsellaise zu summen und Viva Maria in den Videorekorder zu legen, nimmt die deutsche Linke übel und würde am liebsten einmal mehr mit den Islamisten offen paktieren, so wie die Kolleginnen und Kollegen der Frau Bucholz es auf der Mavi Marmara taten.

 

 

9. Januar 2013, 19.04 Uhr:

Der Mensch lebt nicht vom Broder allein

von Jörn Schulz

Bei Journalisten, Bloggern und Internet-Kommentatoren sind allerdings Ausnahmen möglich. Tatsächlich gibt es viele gute Gründe, Broder zu kritisieren: seine dumpfe Polemik gegen Umweltschützer und alleinerziehende Mütter, die Transferleistungen erhalten, seine reaktionäre „Islamkritik“, die sich der Invasionsmetapher bedient und diese auch noch sexualisiert, in der Gesamtschau vor allem seinen immer wieder hervortretenden Altherren-Sexismus und die hartnäckige Weigerung, sich mit Themen, über die er schreibt, zuvor ernsthaft zu befassen.

Zur Dünnbrettbohrerei bekennt er sich, anders als viele Kollegen, immerhin offen, und Altherren-Sexismus ist unter Journalisten so ungewöhnlich nicht. Daher muss man annehmen, dass die besondere Feindschaft, die Broder entgegengebracht wird, doch etwas mit der Frage zu tun hat „Ja darf denn der Jude das?“ Exemplarisch für den kaum verhüllten Bestrafungswunsch ist Christian Bommarius: „Es spricht für den deutschen Rechtsstaat, dass Henryk M. Broder bis heute frei herumläuft.“

Das No-Broder-Camp konzentriert sich auf dessen Kritik am Antisemitismus, den so ziemlich einzigen Punkt, bei dem Broder mit dem was er schreibt richtig liegt, mag er auch hin und wieder etwas dick auftragen. Allerdings übergeht Broder die offensichtlichsten antisemitischen Äußerungen, wenn sie von einem Kumpel kommen, etwa wenn Thilo Sarrazin über jüdische Gene schwatzt. Anders das Simon Wiesenthal Center, das Sarrazin 2010 auf Platz 5 setzte.

Insofern bestätigt die deutsche Debatte, dass das SWC grundsätzlich richtig liegt, wenn es nicht nur die üblichen Verdächtigen anführt, obwohl man über Details und PR-Methoden streiten kann. Sowohl in Israel als auch in jüdischen Organisationen außerhalb des Landes wird seit längerem die Bedeutung der Entlegitimierungskampagnen („Israelkritik“) debattiert. “This attack possesses strategic significance, and may develop into a comprehensive existential threat within a few years”, urteilte etwa das Reut Institute.

Betont wird auch, dass vielen Beteiligten ihre Rolle möglicherweise nicht bewusst ist. Das lässt Abraham Cooper vom SWC auch für Augstein gelten: „Sprechen wir von antisemitischen Äußerungen, bei denen sich die Person vielleicht gar nicht bewusst war, eine Grenze zu überschreiten? Oder geht es um jemanden mit einem Antisemitismus-Problem - der sich dieses Problems bisher gar nicht bewusst war -, oder sprechen wir von einem Antisemiten?“

Das bedeutet nicht, dass das SWC nun auf einmal „differenziert“, wie Tagesspiegel, Taz und andere behaupten, vielmehr erläutert Cooper noch einmal, worum es bei der Liste eigentlich geht. Er nannte auch noch einmal die 3D-Definition (Delegitimierung, Doppelstandards, Dämonisierung), mit der Antisemitismus von der Kritik an der israelischen Politik unterschieden wird.

4. Januar 2013, 17.55 Uhr:

Lost in translation

von Jörn Schulz

„Das Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles hat den linksliberalen Publizisten Jakob Augstein kürzlich auf Platz neun der gefährlichsten Antisemiten weltweit verortet.“ „Die Nominierung von Jakob Augstein auf Platz neun der Liste der zehn schlimmsten Antisemiten ist ein schwerer intellektueller und strategischer Fehler des Simon Wiesenthal Centers (SWC).“

Schaut keiner nach? Ist gerade kein Wörterbuch zur Hand? So schwer ist es doch eigentlich nicht. „SWC’s 2012 Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs: Mainstream Anti-Semitism Threatens World Peace”, danach muss man auf der Homepage des Simon Wiesenthal Center nicht lange suchen. Es handelt sich also um eine Rangliste der Verunglimpfungen oder auch Verleumdungen, in der explizit nicht allein die „schlimmsten“, also die offensten Vernichtungsdrohungen berücksichtigt werden, und nicht um ein Ranking der gefährlichsten Feinde Israels oder der Juden. Ob die plakative Zusammenführung von iranischen Atombombenbastlern, einem brasilianischen Cartoonisten, einem deutschen Publizisten, Muslimbrüdern, einem reaktionären afro-amerikanischen Politiker und europäischen Fußballfans wirklich zur Aufklärung über die Gefahr des „Ich habe doch nichts gegen die Juden, aber…“-Antisemitismus beiträgt, wäre die eigentlich interessante Frage. Für die hat aber vor lauter Empörung gerade niemand Zeit.

2. Januar 2013, 01.15 Uhr:

Der Kardinal spricht

von Thomas von der Osten-Sacken

Kardinal Schönborn beginnt das neue Jahr mit ganz tiefsinnigen Gedanken:

Es wäre schön, wenn der Schutz des ungeborenen Lebens mit ebensolchem Eifer gefördert wurde, wie der Schutz der Vorhaut gefordert wurde

19. Dezember 2012, 18.51 Uhr:

Das Schmetterlingssyndrom

von Jörn Schulz

Es gibt noch eine andere Art, den Massenmord von Newtown zu deuten: die Feministinnen haben schuld. „Die Tatorte sind allesamt Schulen, die Täter allesamt junge Männer. (…) Schule ist für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden. Sie fühlen sich dort unwohl, nicht ernst genommen, schlecht behandelt und schlechter benotet als Mädchen“, schreibt Walter Hollstein im Tagesspiegel.

Weiterlesen.

18. Dezember 2012, 19.24 Uhr:

Kein Mitleid

von Jörn Schulz

Der Täter war weiß und stammte aus einer wohlhabenden Familie. Deshalb scheint das Massaker von Newtown viele Journalisten zu überfordern. Einer aus unserer Mitte? Da muss sich doch was finden lassen. Ha! Ein paar Leute in Newton haben gemutmaßt, Adam Lanza sei ein Asperger-Autist gewesen. Na also, geht doch: „Eiskalt. Ohne Gefühl. Kein Mitleid. Bild.de erklärt das Asperger-Syndrom.“ Aber auch in seriöseren Publikationen werden Autismus und Persönlichkeitsstörung munter durcheinandergebracht und Klischees verbreitet. Eine aktuelle Medienkritik gibt es im Blog quergedachtes.

So bestätigt sich leider die mehr als vier Jahre alte Vorhersage unserer Autorin Rebecca Maskos: „Der Autismus scheint ein Paradebeispiel dafür zu werden, wie leicht sich eine Behinderung diskursiv konstruieren und mystifizieren lässt.“ In diesem Text geht es unter anderem um unterschiedliche Sichtweisen auf den Autismus und „Autism Pride“, eine Bewegung, die Akzeptanz statt „Heilung“ fordert. Die derzeit gängige Ausgrenzung und Dämonisierung dürfte diesem Anliegen nicht dienlich sein. Und der Verdacht, dass die Mehrheitsgesellschaft ihre für Karriere und Konkurrenzkampf unerlässliche, aber ungern eingestandene Gefühlskälte auf eine Minderheit projiziert, ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen.

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