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Kürzliche Beiträge
10. Mai 2012, 17.27 Uhr:

Jihad made in Germany

von Jörn Schulz

Werden die ostdeutschen Neonazis jetzt abgeschoben? „Jeder, der in Deutschland eingebürgert worden sei, habe sich mit einer Loyalitätserklärung zu den Werten des Grundgesetzes bekannt. ‚Für wen diese Erklärung nur ein Lippenbekenntnis war, der verwirkt sein Recht, Deutscher zu sein’“, meint Serkan Tören, der integrationspolitische Sprecher der FDP.

Aber er meint natürlich Salafisten, die eingebürgert wurden. „Volksdeutsche“ müssen sich ja nicht integrieren. Es muss sich also niemand wundern, dass viele zögern, ihre bisherige Staatsbürgerschaft für die Einbürgerung aufzugeben, wenn Repräsentanten gemeinhin als demokratisch geltender Parteien bei jedem halbwegs passenden Anlass verkünden, man könne sie jederzeit wieder rausschmeißen.

Warum es die Verantwortung anderer Länder ist, sich mit dem Extremismus in Deutschland sozialisierter Salafisten auseinanderzusetzen, muss dem deutschen Publikum offenbar nicht erkärt werden. Fast unbemerkt hat Deutschland beim Export islamistischer Gewalttäter bereits jetzt einen Spitzenplatz eingenommen. Mit schätzungsweise 150 Kämpfern stellt Deutschland weit mehr Rekruten für den globalen Jihad von al-Qaida als die 200 Millionen Muslime des subsaharischen Afrika zusammengenommen.

Diese Problematik wird konsequent ausgefremdelt, indem man so tut, als hätte man nichts mit diesen Leuten zu tun, weil sie ja Muslime sind. Doch mit „dem Islam“ kamen außer Efes-Bier und der Sitte, bei Hochzeits- und Fußballsiegkonvois ausgiebig zu hupen, eben auch ein paar extremistische Prediger. Dass in einem Staat, in dem 26 Prozent der Bevölkerung der Aussage „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“ zustimmen, auch unter den sieben Millionen „Ausländern“ bzw. den 15 Millionen Menschen „mit Migrationshintergrund“ Rechtsextremisten zu finden sind, müsste eigentlich als Zeichen gelungener Integration gelten. Verglichen mit den Folgen des europäischen, speziell des deutschen Ideologieexports in den Nahen Osten, der unter anderem den Ba’athismus Saddam Husseins und den Klerikalfaschismus der libanesischen Phalange inspirierte, können ein paar Tausend Salafisten in Deutschland überdies als ein relativ kleines Problem betrachtet werden.

9. Mai 2012, 16.50 Uhr:

Widerspruch ist Verrat

von Jörn Schulz

Man hätte meinen können, die Zeiten, in denen Rechte forderten „Brandt an die Wand“, seien endgültig vorbei. Doch wenn die Sozis erneut die Volksgemeinschaft in der Stunde der Not im Stich lassen, werden die alten Reflexe wieder wach. Bei Springer scheint man zum 100. Geburtstag Axels beweisen zu wollen, dass man die oberflächlichen Bekenntnisse zu Demokratie und Zivilisation, die hin und wieder in Presseerzeugnissen des Verlags zu finden waren, nicht zu ernst nehmen sollte.

„Sollten sich die Sozialdemokraten vor den Karren der Reformverweigerer in den Krisenländern spannen lassen, grenzte dies an Vaterlandsverrat“, schreibt Dorothea Siems in der Welt. Denn „die SPD dringt auf eine europäische Wachstumspolitik und droht damit die deutsche Verhandlungsposition just in diesen schwierigen Zeiten brutal zu schwächen“. Das ist ein Dolchstoß in den Rücken Merkels, und Kritik brauchen wir jetzt gerade nicht, “die sogenannte demokratische Freiheit des Auslebens der Meinungen und der Instinkte führte nicht zu einer Entwicklung oder auch nur zur Freimachung besonderer Werte oder Kräfte, sondern nur zu ihrer sinnlosen Vergeudung und endlich zur Lähmung jeder noch vorhandenen wirklich schöpferischen Persönlichkeit". Nein, das stand nicht in der Welt.

8. Mai 2012, 23.00 Uhr:

Neues zur Judenfrage: Die Verräumlichung von Identifizierungen

von Thomas von der Osten-Sacken

Es gibt Fragen, die kann ernsthaft nur stellen, wer mindestens fuenf Jahre an deutschen Universitaeten sein Hirn hat zu Matsch werden lassen: “Wie wirkt sich der urbane Kontext auf die Verräumlichung von Identifizierungen aus?”

Da inzwischen auch die Judenfrage voll im akademischen Betrieb assimiliert ist, moechte das Institut für Europäische Ethnologie der HU Berlin in Zusammenarbeit mit der  Hans-Böckler-Stiftung nicht nur etwas ueber “Verräumlichung von Identifizierungen” erfahren, sonder auch, welche Rolle Raum in der Erforschung jüdischer Erfahrung spielt.

Dafuer machen sie im November eine Tagung. Im “Call for Papers” geht es dann so weiter:

Die konzeptionelle Ausgangsüberlegung der Tagung ist, dass jüdische Räume immer erst in Beziehung zu nicht-jüdischen Raumkonstruktionen entstehen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Räume entstehen, wenn jüdische und nicht-jüdische Identifikationen in einer urbanen Umgebung aufeinander treffen. Wie wird Differenz markiert, ausgehandelt und verräumlicht? Wo und wie entstehen Räume des Kontakts sowie Räume des Konflikts? In welchem Verhältnis stehen sie zueinander und mit Hilfe welcher Symbolik werden sie von welchen Akteuren und Gruppen konstruiert und mit Sinn belegt (oder nicht belegt)?

Wer so etwas, Satz fuer Satz, Wort fuer Wort zu Papier bringt, veroeffentlicht und sich danach nicht umgehend einweisen laesst, dem ist, fuerchte ich, nicht mehr zu helfen. Gegen Polemik oder gar Kritik jedenfalls ist dieses Soziologengestammel voellig immunisiert. Und ob die Autoren ueberhaupt wissen, was sie da geschrieben haben, es wird wohl ihr grosses Geheimnis bleiben.

6. Mai 2012, 17.46 Uhr:

Allah Akbar, Klassenziel erreicht

von Thomas von der Osten-Sacken

Allah Akbar! Klassenziel erreicht. Scharia statt Freedom of Speech:

Jäger will künftig das Zeigen der umstrittenen Karikatur des dänischen Zeichners Kurt Westergaard unterbinden. Man müsse die Beamten vor den gewalttätigen Angriffen der radikalislamischen Salafisten schützen.”

Da kann es eigentlich nur eine Reaktion geben: Zeigt, eins, zwei drei … ganz viele Mohammed Karikaturen, auf das der Salafit schaeumt wie leckerer ganz ganz Haram-Champagner.

Nachtrag. Wunderbare Aequidistanz demonstriert auch Frau Hannelore Kraft:

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte der “Bild"-Zeitung: “Wir werden diese Angriffe auf den Rechtsstaat und unsere Polizisten nicht dulden und den Druck sowohl gegen Pro NRW als auch gegen die Salafisten maximal erhöhen” (…) Die Landesregierung werde das tun, was rechtlich möglich sei, sagte Kraft weiter. “Dazu gehören Platzverbote für Salafisten, die als gewalttätig aufgefallen sind ebenso wie die Auflage an Pro NRW, islamkritische Karikaturen nicht mehr zu zeigen.”  

 

3. Mai 2012, 18.40 Uhr:

Ein gespaltenes Verhältnis zum Wald

von Thomas von der Osten-Sacken

Liest man in Osama bin Ladens Briefen, die er an Brüder und andere Mujahedin aus seinem letzten Refugium in Abbottbad verschickte, bevor die Navy Seals dem Briefeschreiber ein gewaltsames Ende bereiteten,  ist bemerkenswert,welch unkonventionelle Lösungen dem Scheikh so vorschwebten. Lösungen, die allerdings das Herz so manchen Ökos höher schlagen lassen dürften:

I want the brothers in Islamic Maghreb to know that Planting trees helps al-Mujahidin and gives them cover. Planting trees is not expensive and it should be done immediately after rain. They should ask people to keep animals and livestock away from them. Trees would give al-Mujahidin the freedom to move around especially if the enemy sends spying aircrafts to the area.

Super. Vier Jahre nachdem der al-Mujahedin sein Bäumchen in der Wüste gepflanzt hat, kann er sich dann auch darunter bzw. dahinter verstecken. Und wir wissen ja: der Islamist hat Zeit, er  plant langfristig.

Wer jetzt allerdings denkt, Al Qaida wäre eigentlich so etwas wie der jihadistische Arm von Greenpeace, sollte sich auf eine Enttäschung gefasst machen. Liebe zu Bäumen, auch eine rein instrumentelle,  ist regional strikt eingeschränkt auf aride bzw. semiaride Regionen und  auf das Haus des Islam.

Im Dar al Harb dagegen ist man als guter Gotteskrieger aufgerufen, im Wald rumzuzündeln, was das Zeug hält:

Der jemenitische Al-Qaida-Ableger (…) hat am Mittwoch gleich zwei neue Ausgaben ihres englischsprachigen Propaganda-Magazins “Inspire” im Internet veröffentlicht. Darin ruft das Terrornetzwerk westliche Muslime auf, gezielt Waldbrände in den “Ländern der Ungläubigen” zu legen, um der Wirtschaft der westlichen Staaten zu schaden. Als Beispiele für die Zerstörungskraft solcher Feuer nennt al-Qaida Buschbrände in Australien und Waldbrände in den USA aus den vergangenen Jahren.

Sollte damit einer im deutschen Wald allerdings ernst machen, eines ist sicher, mit dem einfühlenden Verständnis, dass Al Qaida seit dem 11. September 2011 in Deutschland, und vor allem im ökologisch linken Milieu entgegengebracht wurde, wär’s schlagartig vorbei. Beim Wald hört jeder Spaß auf. Ob es allerdings so weit kommen wird, ist fraglich.

Denn insgesamt scheint es um das Netzwerk nicht allzu gut bestellt zu sein. Es mangelt offenbar an qualifiziertem Personal. Der BND jedenfalls meint: “Al-Qaida muss inzwischen aus der dritten und vierten Liga rekrutieren“.

Aber auch das kommt einem ja nur äußerst bekannt vor: welchen politisch aktiven Organisationen geht es dieser Tage anders?  Der Islamismus, er ist doch immer wieder nur die Speerspitze der weltweiten Regression.


28. April 2012, 22.22 Uhr:

Endlich angekommen

von Thomas von der Osten-Sacken

Sie sind endlich angekommen, es war ein langer Weg. Gruppenbild mit iranischem Praesidenten (Siehe auch: Warum ich in dieser Situation in den Iran reise)

Mehr ueber den Besuch hier: Braune Zirkustruppe in Persien

24. April 2012, 11.45 Uhr:

Lehren aus der Vergangenheit: Ein APB gegen Genozid

von Thomas von der Osten-Sacken

Pünktlich zum Holocaust Remeberance Day, an dem er einmal mehr in den üblichen Floskeln, die nur das Gegenteil des Gesagten beweisen, die geladene Audienz und den Rest der Welt aufforderte, man müsse aus der Vergangenheit lernen, stellte Präsident Barack Obama eine neue Initiative gegen „Kriegsverbrechen, Genozid und Massenmord“ vor, deren bürokratische Sprache denen der Lagerverwalter kaum nachsteht.

Fortan werden die Bürokraten in Washington in einem APD der PSD-10 folgen. Die vielbeschworenen Lehren aus der Vergangenheit sind endlich und für alle Zeiten gezogen: Sie heißen „anti-atrocity capabilities“ (AACs) und werden ganz sicher künftig in Workshops, Seminaren und per Power-Point Präsentation vermittelt.

Waren es früher noch in Betroffenheit machende Sozialarbeiter, die meinten, gerade nach Auschwitz müsste möglichst viel engagierte Poesie produziert oder interkulturell getöpfert werden, hat  diese Form der Vergangenheitsbewältigung es inzwischen zur Leitlinie des Weißen Hauses gebracht. Der einzige Unterschied: auf die Idee, Akronyme zu verwenden, wenn es um die angebliche Verhinderung von Völkermorden geht, wären selbst die findigsten deutschen Sozialarbeiter nicht gekommen.

Die verwaltete Welt kommt endgültig zu sich selbst. In Teheran planen sie einen zweiten Holocaust, von den Massakern und Massenmorden, die andernorts stattfinden, ganz zu schweigen und in Washington trainiert man sich AACs an:

President Obama also recognizes that in order to counter atrocities more effectively, the U.S. government must prioritize this effort, strengthen and expand the tools available to us, and establish a level of organization that matches our commitment. In 2010, he created the first-ever White House position dedicated to preventing and addressing war crimes and atrocities. And in August 2011, he issued Presidential Study Directive 10 (PSD-10), declaring the prevention of mass atrocities and genocide to be a “core national security interest and core moral responsibility” of the United States, ordering the creation of a whole-of-government Atrocities Prevention Board (APB), and directing the National Security Advisor to lead a comprehensive review to assess the U.S. government’s anti-atrocity capabilities, and recommend reforms that would fill identified gaps in these capabilities.

President Obama announced today that he has approved the recommendations generated by the review, and he has directed his Administration to take a range of steps to strengthen the U.S. government’s ability to foresee, prevent, and respond to genocide and mass atrocities.

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