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Kürzliche Beiträge
1. März 2012, 15.49 Uhr:

Sogenannter Ehrensold

von Ivo Bozic

Zum Thema “Ehrensold” haben alle schon alles gesagt, sogar der, um den es geht. Enthalten wir uns also jeder Neiddebatte und lassen einfach den damals frisch gewählten Bundespräsidenten selbst zu Wort kommen:

25. Januar 2012, 17.13 Uhr:

Welchen Planeten hätten Sie denn gerne?

von Jörn Schulz

Die Mormonen gelten als etwas wunderlich und als ziemlich konservativ. Doch in einer Hinsicht sind sie erstaunlich liberal, wie Forrest Wickman in Slate berichtet. Es kommt nämlich kaum jemand in die Hölle. Wenn Sie nicht bereits vor der Erschaffung der Welt mit Satan kooperiert haben, ist Ihre Chance auf einen Platz im Himmel groß, auch wenn Sie jetzt noch ein Gottloser sind. Nach Ihrem Tod dürfen Sie sich noch einmal entscheiden, ob Sie nicht doch an Jesus glauben wollen. Wenn Sie angesichts der neuen Beweislage einsichtig sind, wartet das „terrestrial kingdom“ auf Sie. Wenn Sie halsstarrig bleiben und viel gesündigt haben, müssen Sie erstmal in eine Art Fegefeuer, aber dann geht’s raus aus dem Kochtopf und ab ins „telestial kingdom“, das ist so etwas wie das Souterrain des Himmels, aber immer noch der Himmel. Ich finde, ein solcher Sinn für Fairness ist lobenswert.

Wenn Sie einen Platz im obersten Stockwerk, im „celestial kingdom“, ergattern wollen, ist es allerdings höchste Zeit, Mormone zu werden und die Hierarchie zu durchlaufen. Dann haben Sie sogar die Chance, selbst ein Gott zu werden. Die Engel gehorchen Ihnen, und vielleicht bekommen Sie sogar Ihren eigenen Planeten. Ja, ein eigener Planet, ganz für Sie allein!

Die Mormonen legen allerdings Wert darauf, die Geschichte mit dem Planeten ein wenig zu relativieren: „We believe that through Christ all men and women can be made perfect as God and his son Jesus Christ are perfect. Nowhere in scripture does it explicitly say we will rule our own planets. Truth is, we don’t know exactly what will happen in heaven (…) We will just have to wait until after this life is over.”

Aber nehmen wir einmal an, es gibt sie, die Planetenverteilung. Das würde vieles erklären. Naheliegend ist es ja. Stellen Sie sich einmal vor, Sie seien Gott. Da gibt es zig Milliarden Planeten, und überall sind Propheten zu ernennen, Goldtafeln zu präsentieren, Gebet zu erhören… Ja, verdammt viel Stress. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Warum nicht ein wenig outsourcen? Und die Bibel informiert darüber, dass Gott nach der Schöpfung dieses und jenes reute. Wäre es möglich, dass Er auch bei der Personalpolitik nicht immer eine glückliche Hand hatte? Dass Er womöglich einem überaus frommen, aber in Verwaltungsangelegenheiten mangelhaft qualifizierten Alien-Mormonen die Erde übergeben hat, einem Space-Schettino, der wahnsinnig stolz darauf ist, dass er jetzt etwas wirklich Großes kommandieren darf, der aber alles verpatzt, wenn ernsthafte Probleme auftreten?

 

 

19. Januar 2012, 14.55 Uhr:

Lasst 100 Barsche anbeißen!

von Jörn Schulz

Hoch lebe Si Hong Ri, Held der Demokratischen Volksrepublik Korea. Standhaft widersetzte sich der Botschafter allen Versuchen, ihn am Angeln in der Havel zu hindern. Auch die wüsten Drohungen der imperialistischen Kriegsmarine („Wasserschutzpolizei“) beeindruckten ihn nicht. Lächelnd bot er der bewaffneten Übermacht die Stirn. „Fischwilderei“ nennen es die Sprachrohre der reaktionären Kriegstreiber, doch die revolutionären Volksmassen brauchen keinen Angelschein. Si Hong Ri handelte im Geiste des geliebten Führeres Kim Jong-il, dieser „gab sich zu seinen Lebzeiten bei seiner ständigen Vor-Ort-Anleitung der Fischereibasen am Ost- und Westmeer und der Handels- und Dienstleistungsbasen sowie der dafür zuständigen Einheiten große Mühe, um die Bevölkerung mit frischen Fischen zu versorgen“, er „wies persönlich auf deren Zubereitungsmethode hin und freute sich über alle Maßen darüber, als er die Nachricht erhielt, dass die Bevölkerung daran große Freude empfand. (…) Dem hoch verehrten Genossen Kim Jong Un tat es zwar wegen der urplötzlichen nationalen Staatstrauer wie kein anderer sehr weh ums Herz, aber er beherzigte tief die Hinweise Kim Jong Ils, der das Volk so sehr liebte, sagte, dass trotz der Trauerzeit die Liebe Kim Jong Ils der Bevölkerung so schnell wie möglich weitergeleitet werden sollte, traf Sondertransportmaßnahmen und sorgte dafür, dass die Funktionäre der zentralen Gremien und der betreffenden Regionen vor Ort die Fischverteilung direkt verantwortungsbewusst anleiten sollten. Jeder sagte wie aus einem Munde, man hätte in diesem Zeitpunkt, in dem man den Vater der Nation verloren hatte, auch im Traum nie mit einer solchen Fürsorge gerechnet, und war davon tief gerührt, und die Tränen wollten nicht zu fließen aufhören.“

-Ob Taedong oder Havel – der Fisch gehört den revolutionären Volksmassen und nicht der Bourgeoisie und ihren Lakaien!

-Solidarität mit Si Hong Ri! Weg mit dem imperialistischen Angelschein!

-Heringe aller Gewässer und unterdrückte Barsche, beißt an! Ihr habt nichts zu verlieren als eure Schuppen!

 

 

 

 

 

 

6. Januar 2012, 19.08 Uhr:

Trost für die Griechen

von Jörn Schulz

Soll Wulff nun zurücktreten oder nicht? Man kann sich natürlich zurücklehnen, sich die Posse anschauen und sagen: Möge er das Ansehen Deutschlands weiter schädigen. Möge er, den gebeutelten Griechen und allen anderen Opfern der deutschen Großmachtpolitik zum Amüsement und als kleiner Trost, beweisen, dass der Deutschen Staatsoberhaupt über seine Verhältnisse gelebt hat und dann nicht einmal ein Haus auf Kredit kaufen kann, ohne eine Staatskrise zu verursachen. Aber wie andere mit ihren Schulden umzugehen und ihren Haushalt zu führen haben, das wissen die Deutschen.

Dennoch gibt es zwei Gründe, die einen Rücktritt zwingend notwendig machen. Bekanntlich wollen die Deutschen von niemandem regiert werden, von dem sie glauben, er sei schlauer als sie. Denn so einer würde einen doch nur übers Ohr hauen. Aber muss wirklich jemand Bundespräsident sein, der sich bei der Vertuschung seiner Missetaten dusseliger anstellt als ein Sechsjähriger? Anderswo, etwa in Frankreich, hat sich die Bevölkerung, die nur Intellektuelle oder zumindest halbwegs intelligente Menschen mit einem gewissen Glamour an der Staatsspitze duldet, das Recht erkämpft, mit Stil und Niveau belogen zu werden. Das ist in Deutschland nicht drin, aber der Bundespräsident sollte in dieser Hinsicht wenigstens das Talent eines durchschnittlichen Gebrauchtwagenhändlers zeigen. Der Unterhaltungswert der Politik darf nicht noch weiter sinken, wenigstens das Skandalniveau von Bill „Ich hatte nie Sex mit dieser Frau“ Clinton sollte erreicht werden. Darauf müssen gerade wir Journalisten bestehen, die wir uns das alles ja schon aus beruflichen Gründen anschauen müssen.

Und ein Bundespräsident sollte nicht so naiv sein zu glauben, temporäre Liebdienerei der Revolverpresse habe etwas mit Freundschaft zu tun. Man kann versuchen, Kai Dieckmann als Freund zu gewinnen, ebenso wie man versuchen kann, zu einem Krokodil ins Becken zu steigen und es vom Segen des Vegetarismus zu überzeugen. Das Ergebnis wird das gleiche sein. Das Ergebnis der Naivität Wulffs ist nun, dass Bild kurz davor steht, als ernstzunehmende Zeitung zu gelten. Bislang waren Bundespräsidenten allenfalls ein Ärgernis, Wulff ist der erste, der einen echten Schaden angerichtet hat.

4. Januar 2012, 17.40 Uhr:

Distinguished Statesmen

von Jörn Schulz

Also ich finde ja, Christian Wulff hat großes Glück gehabt, wenn er nur zurücktreten muss. Nehmen wir einmal an, ein Abhörer des US-Geheimdiensts NSA vernimmt folgende Aussagen: “Ich bin auf dem Weg zum Emir…Rubikon überschritten…endgültiger Bruch…Krieg führen.“ Es sind schon Leute aus geringerem Anlass in Guantanamo gelandet.

Für Wulffs Verbleib im Amt sieht es allerdings schlecht aus. Denn Horst Seehofer hat ihm das Vertrauen ausgesprochen. Nach bisherigen Erfahrungen hat ein Politiker, dem diese Ehre zuteil wird, seinen Job höchstens noch 14 Tage. Aber in den USA ist ja gerade ein Job als “distinguished statesman” freigeworden. Und bei der Zeit hat Wulff, soweit bekannt, noch nicht angerufen. Mein Vorschlag für den Buchtitel: “Vorläufig nicht kreditwürdig”

8. Dezember 2011, 16.52 Uhr:

Der Reichstrojaner spricht

von Jörn Schulz

Es wird mit jedem Tag irrer. Dass Angela Merkel in Zukunft eine Gläubigerbeteiligung bei europäischen Umschuldungen ausschließen will, also jeder Euro-Staat bis zum letzten Cent für die Schulden aller Euro-Staaten (insgesamt knapp zehn Billionen Euro) haften soll, während sie Euro-Bonds für einige Hundert Milliarden Euro strikt ablehnt, ist nur irrational. Immer deutlicher wird jedoch, dass der ideologische Wahn über die kapitalistische Vernunft triumphiert. Hauptsache, man kann die Ausländer endlich für die erlittenen Demütigungen bestrafen. Was Deutschland für Europa gezahlt hat, entspricht angeblich „zusammengenommen etwa dem, was den Deutschen nach dem ersten Weltkrieg an Reparationszahlungen aufgebürdet wurde. Man mag es ihnen also nachsehen, wenn sie finden, sie hätten ihre finanzielle Bringschuld erbracht“, erläutert Jan Fleischhauer bei Spiegel Online. Was der Führer verpatzt hat, schafft Merkel: Endlich Rache für Versailles!

Die Europäer sollen sich nicht so anstellen, nur weil sie jetzt von Deutschland regiert werden. Denn „wir in Deutschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll souverän gewesen.“ Das erzählte der Reichstrojaner Wolfgang Schäuble vorige Woche beim European Banking Congress. Zur Einstimmung auf den EU-Gipfel könnte man im Kabinett singen: „Wir werden weiter blockieren/Bis alles in Scherben fällt/Heut’ ruinier’n wir die Griechen/Und morgen die ganze Welt.“ Wenigstens hat Schäuble noch einmal klargestellt, dass zuviel deutsche Souveränität dem Rest der Welt schlecht bekommt und Appeasement die falsche Antwort ist.

8. Dezember 2011, 15.52 Uhr:

SoKo Bonus ermittelt

von Jörn Schulz

Hat er Verbindungen zur organisierten Kriminalität? Kam der Täter aus dem Milieu? Oder hat da jemand einfach nur den Begriff „Kursfeuerwerk“ zu ernst genommen? Man wird ja wohl noch fragen dürfen.

 

 

 

 

 

 

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