Das Kein-Schmarrn-Abo
Prager Frühling Banner
Kürzliche Beiträge
28. Mai 2012, 18.36 Uhr:

Neue Tiere 2011

von Ivo Bozic


Der Burmesische Stumpfnasenaffe (Rhinopithecus strykeri) ist ein bedauernswertes Geschöpf. Immer wenn es regnet, muss er niesen, weil ihm Wasser in die nach oben geöffnete Nase läuft. Das Tier ist vom Aussterben bedroht. Wen wundert’s?! Das wäre eine komische Evolution, bei der sich solch ein Wesen durchsetzen könnte - zumal im südostasiatischen Regenwald, wo es oft und mächtig schüttet! Es ist trotzdem immer tragisch, wenn eine Säugetierart ausstirbt, in diesem Fall ganz besonders: Denn das in Nord-Myanmar lebende Tierchen wurde gerade erst entdeckt.

Kaum entdeckt, schon ausgestorben. Das ist gar nicht so absurd, wie es auf den ersten Blick erscheint. Genaugenommen ist es sogar so, dass die meisten Tierarten, die aussterben, überhaupt niemals entdeckt worden sind. Wenn wie im Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt behauptet wird, dass täglich 130 Tier- und Pflanzenarten aussterben würden, so sind das bloße Spekulationen, bzw. Hochrechnungen von Hypothesen. Man hat schließlich nicht die geringste Ahnung, wie viele Tier- und Pflanzenarten überhaupt auf der Erde existieren. Sind es fünf oder 30 Millionen? Man schätzt, irgendwas dazwischen.

Das einzige, was man verlässlich weiß, ist die Zahl der Arten, die offiziell neu entdeckt werden. Das waren in Jahr 2011 rund 18.000 Arten, darunter der oben erwähnte Affe. Dass Wirbeltiere oder gar Primaten entdeckt werden, ist natürlich die Ausnahme. Zumeist handelt es sich um Insekten oder Gewürm, wie dem ebenfalls im vorigen Jahr entdeckten Teufelswurm (Halicephalobus mephisto), der in einer südafrikanischen Goldmine 1,3 Kilometer tief unter der Erde lebt, und nur einen halben Millimeter lang ist. Das mag wenig erscheinen, in dieser Tiefe ist er damit aber der Größte – und das einzige mehrzellige Tier.

So sagen jedenfalls die Forscher, man darf jedoch davon ausgehen, dass das nicht stimmt. Da unten gibt es sicher noch unzählige andere Würmchen, nur buddelt der Mensch eben selten da herum, so dass er sie wohl nie entdecken wird. Zahlen haben daher beim Artenschutz kaum Aussagekraft, was man auch daran sieht, dass allein die Epidendroideae, eine Unterfamilie der Familie der Orchideen in etwa 18.000 Arten existiert. Man mag sich auch vor Augen führen, dass bereits über 99,9 Prozent aller Tierarten ausgestorben sind. Seit es Leben auf der Erde gibt. Nämlich 500 Millionen Tierarten. Und nicht zuletzt sterben Arten auch im bürokratischen Akt auf dem Papier aus. Wann eine Tier- oder Pflanzenausprägung als Art klassizifiert wird, ist ja eine nicht zuletzt eine Definitionsfrage. Und seitdem die Gentechnik in der Biologie verwendet wird, sind viele Arten dazugekommen, und andere gestrichen worden.

Aber nicht immer geht es nur streng wissenschaftlich zu: Die karibische Oh-Boy-Qualle (Tamoya ohboya), die ebenfalls 2011 entdeckt wurde, verdankt angeblich ihren Namen dem schmerzhaften Aufschrei der Menschen, die schon einmal mit ihren brennenden gelb-orangenen Nesselfäden in Kontakt gekommen sind. „Oh boy“, sollen sie gerufen haben.

23. Mai 2012, 17.01 Uhr:

Thilos Thesen - das Frühwerk

von Jörn Schulz

„Ansonsten aber ist die Idee verbindlicher Defizit-Obergrenzen mit der Tatsache nicht vereinbar, dass es sich bei den Mitgliedern der Währungsunion nach wie vor um souveräne Staaten handelt.“ Nein, das hat weder Alexis Tsipras noch Francois Hollande gesagt. Das war Thilo Sarrazin, und zwar 1997 in seinem Buch: „Der Euro. Chance oder Abenteuer?“

Anhand von Statistiken und einer Modellrechnung am Beispiel Italien beweist Sarrazin unwiderlegbar, dass hohe Schulden eines Staates keine bedeutenden Auswirkungen auf das Zinsniveau anderer Staatsanleihen haben. Ohnehin seien die Staatsschulden nicht so wichtig. „Die beiden finanziellen Konvergenzkriterien – öffentliches Defizit und öffentlicher Schuldenstand – werden aus heutiger Sicht von den meisten Teilnehmern nicht eingehalten werden können. (…) Geldpolitisch sind beide Kriterien angesichts des ansonsten erreichten Konvergenzgrades sowieso ohne rechte Relevanz.“

„Das Risiko einer Verfehlung der finanziellen Konvergenzkriterien im jetzt absehbaren Umfang liegt nicht in irgendwelchen negativen Folgen für die tatsächliche Stabilität der gemeinsamen Währung. Sondern in ihrer durch die öffentliche Diskussion hochgeschaukelten Bedeutung. (…) Da sich niemand mehr mit einer Politik des leichten Geldes selbst entschulden kann – sei es durch niedrige Zinsen, sei es durch Inflation – wird die Tendenz zur Haushaltsdisziplin im einheitlichen Währungsraum eher wachsen. (…) In der Summe ist der Übergang zur einheitlichen europäischen Währung nach Meinung des Verfassers eher Chance als Risiko.“

Sehr schön von einem nunmehr früheren Vorstandsmitglied der Bundesbank auch der Satz: „Mit der Unabhängigkeit des Pensionärs, der die Last öffentlicher Ämter abgeschüttelt hat, schreibt der frühere Chef-Volkswirt der Deutschen Bundesbank“ Schlesinger.

Und ein Zitat von Helmut Schmidt klärt darüber auf, was es mit der angeblichen Buße für den Holocaust wirklich auf sich hat: „Es liegt im zentralen strategischen Interesse Deutschlands, eine Rückkehr zu einer Lage zu vermeiden, in der sich unsere vielen Nachbarn gegen eine vermeintliche oder tatsächlich bedrohliche Stärke Deutschlands miteinander verbünden, um uns Deutsche in Schach zu halten.“

22. Mai 2012, 11.25 Uhr:

In einem Satz

von Thomas von der Osten-Sacken

Normalerweise sollte man nicht viel geben auf sogenannte Talkbacks unter Online-Artikeln, aber hier hat es jemand geschafft, kongenial in einem einzigen Satz zu formulieren, wie er aussähe, der neue Faschismus in Europa:

Es wird eine Zeit kommen indem die Völker Europas mit den Politiker, Bänkern und den Migranten abrechnen werden.

10. Mai 2012, 17.27 Uhr:

Jihad made in Germany

von Jörn Schulz

Werden die ostdeutschen Neonazis jetzt abgeschoben? „Jeder, der in Deutschland eingebürgert worden sei, habe sich mit einer Loyalitätserklärung zu den Werten des Grundgesetzes bekannt. ‚Für wen diese Erklärung nur ein Lippenbekenntnis war, der verwirkt sein Recht, Deutscher zu sein’“, meint Serkan Tören, der integrationspolitische Sprecher der FDP.

Aber er meint natürlich Salafisten, die eingebürgert wurden. „Volksdeutsche“ müssen sich ja nicht integrieren. Es muss sich also niemand wundern, dass viele zögern, ihre bisherige Staatsbürgerschaft für die Einbürgerung aufzugeben, wenn Repräsentanten gemeinhin als demokratisch geltender Parteien bei jedem halbwegs passenden Anlass verkünden, man könne sie jederzeit wieder rausschmeißen.

Warum es die Verantwortung anderer Länder ist, sich mit dem Extremismus in Deutschland sozialisierter Salafisten auseinanderzusetzen, muss dem deutschen Publikum offenbar nicht erkärt werden. Fast unbemerkt hat Deutschland beim Export islamistischer Gewalttäter bereits jetzt einen Spitzenplatz eingenommen. Mit schätzungsweise 150 Kämpfern stellt Deutschland weit mehr Rekruten für den globalen Jihad von al-Qaida als die 200 Millionen Muslime des subsaharischen Afrika zusammengenommen.

Diese Problematik wird konsequent ausgefremdelt, indem man so tut, als hätte man nichts mit diesen Leuten zu tun, weil sie ja Muslime sind. Doch mit „dem Islam“ kamen außer Efes-Bier und der Sitte, bei Hochzeits- und Fußballsiegkonvois ausgiebig zu hupen, eben auch ein paar extremistische Prediger. Dass in einem Staat, in dem 26 Prozent der Bevölkerung der Aussage „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“ zustimmen, auch unter den sieben Millionen „Ausländern“ bzw. den 15 Millionen Menschen „mit Migrationshintergrund“ Rechtsextremisten zu finden sind, müsste eigentlich als Zeichen gelungener Integration gelten. Verglichen mit den Folgen des europäischen, speziell des deutschen Ideologieexports in den Nahen Osten, der unter anderem den Ba’athismus Saddam Husseins und den Klerikalfaschismus der libanesischen Phalange inspirierte, können ein paar Tausend Salafisten in Deutschland überdies als ein relativ kleines Problem betrachtet werden.

9. Mai 2012, 16.50 Uhr:

Widerspruch ist Verrat

von Jörn Schulz

Man hätte meinen können, die Zeiten, in denen Rechte forderten „Brandt an die Wand“, seien endgültig vorbei. Doch wenn die Sozis erneut die Volksgemeinschaft in der Stunde der Not im Stich lassen, werden die alten Reflexe wieder wach. Bei Springer scheint man zum 100. Geburtstag Axels beweisen zu wollen, dass man die oberflächlichen Bekenntnisse zu Demokratie und Zivilisation, die hin und wieder in Presseerzeugnissen des Verlags zu finden waren, nicht zu ernst nehmen sollte.

„Sollten sich die Sozialdemokraten vor den Karren der Reformverweigerer in den Krisenländern spannen lassen, grenzte dies an Vaterlandsverrat“, schreibt Dorothea Siems in der Welt. Denn „die SPD dringt auf eine europäische Wachstumspolitik und droht damit die deutsche Verhandlungsposition just in diesen schwierigen Zeiten brutal zu schwächen“. Das ist ein Dolchstoß in den Rücken Merkels, und Kritik brauchen wir jetzt gerade nicht, “die sogenannte demokratische Freiheit des Auslebens der Meinungen und der Instinkte führte nicht zu einer Entwicklung oder auch nur zur Freimachung besonderer Werte oder Kräfte, sondern nur zu ihrer sinnlosen Vergeudung und endlich zur Lähmung jeder noch vorhandenen wirklich schöpferischen Persönlichkeit". Nein, das stand nicht in der Welt.

8. Mai 2012, 23.00 Uhr:

Neues zur Judenfrage: Die Verräumlichung von Identifizierungen

von Thomas von der Osten-Sacken

Es gibt Fragen, die kann ernsthaft nur stellen, wer mindestens fuenf Jahre an deutschen Universitaeten sein Hirn hat zu Matsch werden lassen: “Wie wirkt sich der urbane Kontext auf die Verräumlichung von Identifizierungen aus?”

Da inzwischen auch die Judenfrage voll im akademischen Betrieb assimiliert ist, moechte das Institut für Europäische Ethnologie der HU Berlin in Zusammenarbeit mit der  Hans-Böckler-Stiftung nicht nur etwas ueber “Verräumlichung von Identifizierungen” erfahren, sonder auch, welche Rolle Raum in der Erforschung jüdischer Erfahrung spielt.

Dafuer machen sie im November eine Tagung. Im “Call for Papers” geht es dann so weiter:

Die konzeptionelle Ausgangsüberlegung der Tagung ist, dass jüdische Räume immer erst in Beziehung zu nicht-jüdischen Raumkonstruktionen entstehen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Räume entstehen, wenn jüdische und nicht-jüdische Identifikationen in einer urbanen Umgebung aufeinander treffen. Wie wird Differenz markiert, ausgehandelt und verräumlicht? Wo und wie entstehen Räume des Kontakts sowie Räume des Konflikts? In welchem Verhältnis stehen sie zueinander und mit Hilfe welcher Symbolik werden sie von welchen Akteuren und Gruppen konstruiert und mit Sinn belegt (oder nicht belegt)?

Wer so etwas, Satz fuer Satz, Wort fuer Wort zu Papier bringt, veroeffentlicht und sich danach nicht umgehend einweisen laesst, dem ist, fuerchte ich, nicht mehr zu helfen. Gegen Polemik oder gar Kritik jedenfalls ist dieses Soziologengestammel voellig immunisiert. Und ob die Autoren ueberhaupt wissen, was sie da geschrieben haben, es wird wohl ihr grosses Geheimnis bleiben.

6. Mai 2012, 17.46 Uhr:

Allah Akbar, Klassenziel erreicht

von Thomas von der Osten-Sacken

Allah Akbar! Klassenziel erreicht. Scharia statt Freedom of Speech:

Jäger will künftig das Zeigen der umstrittenen Karikatur des dänischen Zeichners Kurt Westergaard unterbinden. Man müsse die Beamten vor den gewalttätigen Angriffen der radikalislamischen Salafisten schützen.”

Da kann es eigentlich nur eine Reaktion geben: Zeigt, eins, zwei drei … ganz viele Mohammed Karikaturen, auf das der Salafit schaeumt wie leckerer ganz ganz Haram-Champagner.

Nachtrag. Wunderbare Aequidistanz demonstriert auch Frau Hannelore Kraft:

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte der “Bild"-Zeitung: “Wir werden diese Angriffe auf den Rechtsstaat und unsere Polizisten nicht dulden und den Druck sowohl gegen Pro NRW als auch gegen die Salafisten maximal erhöhen” (…) Die Landesregierung werde das tun, was rechtlich möglich sei, sagte Kraft weiter. “Dazu gehören Platzverbote für Salafisten, die als gewalttätig aufgefallen sind ebenso wie die Auflage an Pro NRW, islamkritische Karikaturen nicht mehr zu zeigen.”  

 

Schmeicheln Sie uns!

Falls Sie Ihre Wertschätzung für unsere Website ausdrücken möchten, können Sie dies mithilfe des Mikro-Bezahlsystems Flattr tun. Benutzen Sie einfach den folgenden Button:

Mehr Informationen auf flattr.com

RM16

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …