Vorsicht Volk!
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Kürzliche Beiträge
6. März 2013, 17.54 Uhr:

Furor Teutonicus

von Jörn Schulz

„Drei Höllenfurien sah ich dort alsbald,
Die, blutbefleckt, g’rad’ aufgerichtet, stunden,
Und Weibern gleich an Haltung und Gestalt,
Mit grünen Hadern statt des Gurts umbunden,
Mit kleinern Schlangen aber, wie mit Haar,
Und Ottern rings die grausen Schläf’ umwunden.“

So stellt sich Joachim Gauck vermutlich Feministinnen vor, die gerade einen unschuldigen Brüderle verschlungen haben. Die Furien, die Dante in seiner „Göttlichen Komödie“ schildert, werden meist als Rachegöttinnen bezeichnet, treffender wäre jedoch, sie als Schutzgöttinen oder Göttinnen der Gerechtigkeit zu sehen. Denn sie geraten nicht grundlos in Raserei, Orestes etwa wird von ihnen mit Wahnsinn geschlagen, weil er seine Mutter Klytaimnestra ermordet hat. Ihr Furor ist also immer ein Tugendfuror, und auch wenn die in der Antike üblichen, zuweilen recht rabiaten Methoden der Rechtspflege kein Vorbild für die heutige Zeit sein sollten, ist es eigentlich keine Schande, eine Furie zu sein, sich also über Unrecht zu empören und den Übeltätern zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Seit der römischen Zeit ist allerdings auch der Furor Teutonicus bekannt, die Raserei, mit der sich Barbaren in die Schlacht stürzen, um sich die Zumutungen der Zivilisation vom Leib zu halten. Derzeit findet diese Schlacht in den Kommentarspalten statt: „Herr Gauck bleiben Sie bei ihren Aussagen. Seien Sie standhaft gegenüber diesen tugendhaften Furien!“; „Da kriechen die ‚Kampfemanzen’ im schlechtesten Sinne des Wortes aus ihren Löchern“ usw.

Andererseits sollte man fair sein. Gauck hat das Patriarchat gar nicht geleugnet. „Aber eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen“, sagte er. Und das stimmt wohl. Er kapiert es wirklich nicht, nur sagt das allein etwas über Gauck, aber nichts über die Realität aus. Doch was will man von einem Bundespräsidenten erwarten, der glaubt, eine Fehlhaltung könne Flächen bedecken?

28. Februar 2013, 13.41 Uhr:

Ein Islamophobieexperte

von Thomas von der Osten-Sacken

Der tuerkische Premier Erdogan praesentierte sich in Wien als ganz grosser Islamophobieexperte und plauderte gleich auch noch aus, worum es den Apologeten dieses Begriffes eigentlich geht:

“Just like Zionism, anti-Semitism and fascism, it becomes unavoidable that Islamophobia must be regarded as a crime against humanity.”

UN-Watch stellt fest:

“We remind secretary-general Ban Ki-moon that his predecessor Kofi Annan recognized that the UN’s 1975 Zionism-is-racism resolution was an expression of anti-Semitism, and he welcomed its repeal.” […]

“Erdogan’s misuse of this global podium to incite hatred, and his resort to Ahmandinejad-style pronouncements appealing to the lowest common denominator in the Muslim world, will only strengthen the belief that his government is hewing to a confrontational stance, and fundamentally unwilling to end its four-year-old feud with Israel.”

Derweil Erdogan der Islamophobieexperte noch einmal:

Islam means ‘peace.’ We can never accept arguments that a religion of peace, Islam, encourages or approves terrorism.

27. Februar 2013, 16.47 Uhr:

Jihad an der Zapfsäule

von Jörn Schulz

Im deutschen Staatsbürgerschaftsrecht gilt das Optionsverfahren, Deutsche aus migrantischen Familien müssen sich bis zu ihrem 23. Geburtstag für eine Staatsbürgerschaft entscheiden. Es gibt aber auch noch ein inoffizielles Optionsverfahren: echte Deutsche entscheiden, wer ein Deutscher ist, ohne sich von Belanglosigkeiten wie Recht und Gesetz beeindrucken zu lassen. Dieses Verfahren praktiziert Wolgang Röhl auf der „Achse des Guten“. Es geht um einen wegen einer Schießerei an einer Tankstelle gesuchten Verdächtigen, über den das Hamburger Abendblatt berichtete.

„Der 25 Zeilen lange Bericht erwähnt drei Mal, es handele sich bei dem Gesuchten um einen Deutschen. Typisch deutsch sieht er auf dem abgedruckten Fahndungsfoto der Polizei nicht direkt aus, und sein Name (Nikbakht Shasavand) klingt auch etwas ungewöhnlich. Aber egal. Seine Staatsbürgerschaft ist mutmaßlich eine deutsche, und somit war das Abendblatt aus dem Schneider. Foto und Name gedruckt, wie von der Polizeipressestelle gewünscht, und dennoch keine fiese braune Hetze gegen Migranten abgeliefert – vorbildlich gelöst.“

Vermutlich geht es um den Artikel „Versuchtes Tötungsdelikt am Rothenbaum“, zumindest hat er, zählt man Überschrift und Vorspann mit, 25 Zeilen, und sonst findet sich im Internet nur noch eine Kurzmeldung des Abendblatts über Shasavand. Allerdings wird nur zweimal, einmal im Vorspann und einmal im Artikel, erwähnt, dass Shasavand Deutscher ist. Aber ein echter Deutscher muss nicht bis drei zählen können, um zu wissen, wer kein echter Deutscher ist.

Doch warum verschweigt Röhl den Skandal, dass sogar die deutsche Polizei in ihrem Fahndungsaufruf Shasavand dreist als Deutschen bezeichnet? Werden Polizisten nicht mehr in Rassenkunde unterrichtet? Wenn das der Führer wüsste! Auch fragt man sich, welche Meldung Röhl gerne gelesen hätte. Vielleicht: „Untermenschen immer dreister: Kanakenterror an der Tankstelle“? Hmmm, etwas old school. Besser wohl: „Jihad an der Zapfsäule: Heute zielen sie auf unsere Autos. Morgen greifen sie unsere Atomkraftwerke an.“ Ja, ich glaube, so müsste eine unaufgeregte und ausgewogene Berichterstattung aussehen, die sich nicht dem Gutmenschen-Multikulti-Rechtsstaats-Terror beugt.

26. Februar 2013, 20.08 Uhr:

Vorschlag zu einer EU-Reform

von Thomas von der Osten-Sacken

Nachdem sowohl die Wall Street (der Kapitalismus wird auch immer seltsamer), als auch das deutsche politische Establishment ganz auf den Sieg eines ehemaligen Kommunisten in Italien gesetzt haben, der nur leider nicht von den Italienern, um deren “Zukunftsfestigkeit” (Die Welt) es eben schlecht bestellt ist, so gewaehlt wurde, dass er eine Mehrheit in beiden Kammern erhielt, ein Vorschlag:

Fortan laesst man einfach die Deutschen die Regierungen suedeuropaeischer Krisenlaender waehlen. Denn anders als die Italiener, die sich mal wieder ganz national borniert und “realitaetsfremd” (Die Welt) gezeigt haben, treibt den Deutschen bekanntermassen auschliesslich das Wohl Europas um.

Und schon wuerde die “europaeische Idee", die ja nun als eigentlicher Wahlverlierer ausgemacht wurde, glanzvoll und ganz demokratisch von Sieg zu Sieg schreiten und die Aktienkurse an der Wall Street nicht ob der Nachricht nach unten gehen, dass ein, nun sozialdemokratischer, ehemaliger Kommunist, in einem europaeischen Land nicht das Rennen gemacht hat.

15. Februar 2013, 10.31 Uhr:

Love Commandos

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus Indien berichtet die Global Post über “Love Commandos”:

Started in 2010, the Love Commandos rescue and shelter young couples who face threats from their families because they’ve chosen to defy barriers of caste and religion for the sake of love.

Operating a help line, secret shelters, and a kind of underground railroad for India’s Romeos and Juliets, the Love Commandos rescue and protect couples from their parents, the police and, all too often, the courts — as filing false cases of kidnapping and abduction and even rape is one of the angry parents’ first responses to forbidden love.

Fielding an average of 300 calls a day, so far, the group has helped as many as 30,000 couples to marry.

“It is a war against fundamentalists,” said Sachdeva. “It is a war against orthodox people — whether they are Hindus, Muslims, Sikhs, Christians or of any other religion. No religion preaches to hate love.”

7. Februar 2013, 17.33 Uhr:

Jenseits des Dirndls

von Jörn Schulz

Was tut man, wenn man sich wieder ins Gespräch bringen will, ohne das Gespräch auf das Gespräch zu bringen, über das man auf keinen Fall sprechen will? Man macht einen Vorschlag, der sehr bedeutsam klingt. Zum Beispiel: „Rainer Brüderle fordert europäische Mars-Mission“, „Rainer Brüderle fordert Verfassungsänderung“ oder „Rainer Brüderle fordert Syrien-Intervention der Nato“. Da das Thema Syrien zu heikel und der Mars zu fern ist, hat Brüderle sich für die Verfassungsänderung entschieden: „Geldwertstabilität muss im Grundgesetz verankert werden“, fordert die von ihm geführte FDP-Fraktion.

Ich finde ja auch, dass da noch viel fehlt im Grundgesetz, zum Beispiel: „Jeder Bürger hat das Recht auf mindestens neun Monate Sonnenschein im Jahr.“ Aber die FDP meint es offenbar ernst. „Wir haben auch die Schuldenbremse in das Grundgesetz aufgenommen. Die Geldwertstabilität hat gerade in Deutschland eine besondere Bedeutung“, sagte Brüderle. Der finanzpolitische Sprecher Volker Wissing sekundiert: „Das EZB-Statut verpflichtet die Zentralbank, aber nicht die Politik.“ Seiner Ansicht nach wird in den USA „gezielt mit der Inflation Politik gemacht“. Tatsächlich betrug die Inflationsrate im Januar 2013 in den USA 1,7 Prozent, während sie in Deutschland 1,7 Prozent betrug. Aber so sind halt linke Träumer wie Obama, nicht einmal eine anständige Inflation bringen sie zustande.

Ernst nehmen sollte man den Vorschlag trotzdem, denn er gehört zu den Versuchen, wirtschaftliberalen Doktrinen Verfassungsrang zu geben und sie so unangreifbar zu machen. Einen „Plan zum Schutz vor Inflation“ veröffentlichte Brüderle bereits im Herbst. Dort findet sich der schöne Satz: „Die EZB muss als eine von der Politik unabhängige Zentralbank wieder dazu verpflichtet werden, für Geldwertstabilität zu sorgen.“ Die von der Politik unabhängige Notenbank soll also von der Politik zu einer bestimmten Politik verpflichtet werden. Aber die FDP ist auch innovativ: „Jede Erhöhung von Abgaben steigert die Inflation.“ Während sonst die Erhöhung der Geldmenge zu Preissteigerungen führt, kommt es nun zur Inflation, wenn Geld vom Markt genommen wird. Der Kapitalismus als Wille und Vorstellung. Aber was soll’s, besser „Finanzpolitiker zerpflücken Brüderles Inflations-Idee“ als Schlagzeilen wie „Sexismus-Vorwurf: Brüderle schweigt noch immer“.

3. Februar 2013, 00.08 Uhr:

Scharia Terror und Rettung in letzer Minute

von Thomas von der Osten-Sacken

Lindsey Hilsum berichtet aus Gao über den monatelangen Scharia Terror, dem die Bevölkerung der normalischen Stadt ausgesetzt  war: Amputierte Gliedmaßen, Auspeitschungen, das alles war blutige Tagesordnung:

At least 12 men had hands or feet cut off after MUJAO (Movement for Jihad and Unity), and its allies in AQIM (al-Qaida in the Islamic Maghreb), took control of Gao last April. The exact number is not known because some were amputated in the military base where no non-jihadi was allowed. The mayor’s office, a few yards from the punishment ground, was turned into a sharia court. Outside, the sand has turned black where the enforcers of hesbah, or justice, ground down cigarettes and whipped those found smoking. Inside, the floor is littered with documents, including a ring-binder with details of the women flogged for not wearing the veil. Family members were made to put a thumbprint to show they acknowledged the punishment and would supervise the accused in future.

Offenbar handelte es sich dabei auch um eine recht rassistische Angelegenheit:

According to Gao residents, the victims of sharia punishments were from Mali’s black African ethnic groups, while the jihadis were mostly lighter-skinned Arabs – both Malian and foreign – and Tuaregs. Touré, of the Songhai tribe, was one of the few black Malians to join MUJAO.

“If you are a Tuareg or Arab, or if you look like them, they don’t threaten you,” said Alzouma, the amputee, who is from the Bella, the group traditionally used as slaves by the Tuareg. “Their people smuggle drugs, cigarettes and everything, but they don’t threaten their own families, just black people – the Songhai, the Bella and the Bambara.”

Und im letzten Augenblick für Ali Altini and Mohammed Aklini kamen die französischen Luftangriffe:

(Both) were due to be executed for homosexuality the Friday before last. French air strikes saved their lives, as the jihadis who would have carried out the sentence were killed or fled. The two men, who deny they are gay, were arrested on 12 December, bound, beaten, then interrogated. “They asked me where the brothels are,” said Altini. “I answered that I didn’t know. Then they asked me to show them where people made pornographic movies. I answered again that I didn’t know.”

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