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Kürzliche Beiträge
12. Juni 2012, 18.54 Uhr:

Geh doch nach drüben!

von Jörn Schulz

Anderswo versteht man unter Liberalen Menschen, die einen jeden nach seiner Fasson selig werden lassen wollen. In Deutschland ist das anders, hier gilt als liberal, was etwa in den USA dem rechtkonservativ-sozialdarwinistischen Milieu der Tea-Party-Bewegung zugerechnet würde: die Idee, die Armut als Mittel zu nutzen, um den neuen Menschen zu formen.

„Nichts hat Berlin in seiner wirtschaftlichen Entwicklung so gebremst wie jene Dumpingmieten, die einfach nur Kollateralschäden eines ökonomisch gescheiterten Bundeslandes waren. Auch wenn die Boheme von billigen Ateliers profitiert hat, ist nahezu jede Form von Gentrifizierung in Berlin ein Schritt in die richtige Richtung. Es fehlt der Druck, sich anzustrengen und zu kämpfen, um zu überleben, wie er in Paris, London oder New York selbstverständlich ist“, schreibt Ulf Poschardt in der Welt.

Warum hassen sie uns? Sie hassen unsere Freiheit. Sie können den Gedanken nicht ertragen, dass Menschen anders leben als sie und dabei womöglich noch glücklich sind. Also müssen diese Menschen ins Elend gestürzt werden. Wenn sie in der Mülltonne nach Nahrung wühlen, können sie Poschardt nicht mehr im Weg stehen: „Zögerlich, autistisch, überfordert von den kleinsten Problemen des Alltags zuckelt der Berliner durch seinen Kiez und reagiert gereizt und aggressiv auf alle, denen Lebens- wie Arbeitszeit kostbar sind.“ Eher scheint es so, als ob ein unter ADHS leidender Publizist gereizt und aggressiv auf seine Mitmenschen reagiert.

„Ihre Buddy-Bären visualisieren Stillstandssehnsüchte. Sie verlangsamen sogar das Flanieren, sind mithin Sinnbild der Verweigerung der Berliner, Verkehr als Mittel zur schnellstmöglichen Überwindung von Distanzen in einer weitläufigen Stadt zu verstehen.“ Nun zeichnet sich das Flanieren eben durch einen Mangel an Eile aus, doch um diese zivilisatorische Errungenschaft zu schätzen, bedarf es einer gewissen persönlichen Reife. Statt zu quengeln wie ein Kleinkind, das nicht schnell genug sein Eis bekommt, kann man aber auch ein Taxi oder die U-Bahn nehmen. Ansonsten: Wer unsere freiheitliche Grundordnung nicht mag, der soll halt nach drüben gehen.

5. Juni 2012, 19.06 Uhr:

Unterirdische U-Boot-Debatte

von Ivo Bozic

Nachdem der „Spiegel“ versucht, mit einer Prosa-Fassung der Grass’schen Tintenkleckserei Auflage zu machen, drohen alle Dämme zu brechen. Obwohl jederzeit bekannt war, dass Deutschland U-Boote an Israel liefert und obwohl immerzu darüber geredet wurde, dass Israel seine Atomraketen, wenn es denn welche hat, selbstverständlich auf U-Booten stationieren würde, obwohl also trotz all der vielen liebevoll recherchierten Details im Grunde rein gar nichts neu an dem vermeintlichen Scoop des „Spiegels“ ist, wird nun ein moralischer Aufstand geprobt, der dem antisemitischen Geschmiere Günter Grass’ in nichts nachsteht. Und es geht erst los.

War sich das Feuilleton bei Grass noch weitgehend einig, es mit Antisemitismus und Wahn zu tun zu haben, wagen sich nun als erste jene aus der Deckung, die schon Grass verteidigt haben. Während das Blatt vom verstorbenen Augstein Senior also in bewährter Manier so tut, als habe es ein Tabu gebrochen, obwohl nie eines bestand, legt Augstein (bzw. Walser) Junior vom „Freitag“ nach: „Wenn es um Israel geht, gilt keine Regel mehr: Politik, Recht, Ökonomie - wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen.Die Juden ziehen nämlich in Wirklichkeit alle Fäden, suggeriert er. “Damit trägt Deutschland Mitschuld an der Aufrüstung im Nahen Osten“, schreibt Augstein. „Damit“! Nicht durch die Waffenexporte an Syrien, Ägypten, Libyen, Bahrain, den Jemen und Saudi-Arabien, sondern nur durch die Waffenexporte an Israel.

Und Augstein sagt, was sich Grass nur verblümt zu reimen traute: Der Iran ist das Opfer, Israel der Aggressor. „Jede israelische Bombe, jedes deutsche U-Boot, das Atomwaffen abschießen kann, erhöht den Druck auf Iran und die arabischen Nachbarstaaten, selbst zum Mittel der nuklearen Aufrüstung zu greifen. Die iranische Atompolitik ist die Antwort auf die israelische Bombe.“ Der Iran kann also, Augstein zufolge, gar nicht anders, als auf die israelische Bedrohung zu reagieren. Er, Augstein, so können wir nunmehr gewiss sein, würde das auch machen, wenn er ein Nachbar Israels wäre, da würde er sich auch nach einer Atombombe umschauen, logisch.

Und dass Deutschland das Geschäft auch noch subventioniere, sei der größte Skandal. Man muss die Aufregung verstehen: Da hat man eine ganze Schar von diesen Juden überleben lassen, und nun sollen die für ihre Sicherheit auch noch ausgerechnet aus deutschen Steuermitteln Unterstützung erhalten? Dabei kosten uns die Afghanen doch schon so viel! Ja ,wenn man wenigstens wie bei Waffenlieferungen an Öl-Diktaturen ordentlich daran verdienen würde, dann hätte Augstein vielleicht keine Kolumne verfasst. Aber so, so sind die Juden nun sogar am Elend der Schlecker-Frauen schuld: „Pech für die Schlecker-Frauen: Mit Putzmitteln und Körperpflegeprodukten lässt sich kein Krieg führen. Würde der Staat Israel für die Durchsetzung seiner machtpolitischen Interessen auf Zahnpastatuben setzen und nicht auf Atomraketen, die berufliche Zukunft von rund 13.000 Drogistinnen wäre sicher.“ Das sind die Lehren, die Augstein aus der Geschichte zieht. Die Juden haben eine andere Lehre gezogen, nämlich niemandem mehr zu glauben, der ihnen Körperpflege ans Herz legt, und ihnen sagt, dass er’s gut mit ihnen meint.

4. Juni 2012, 22.56 Uhr:

Micha Brumlik und die Adorno Preisträgerin

von Thomas von der Osten-Sacken

Es gibt so Momente, da weiß man partout nicht: soll man sich freuen oder stattdessen an der Welt verzweifeln. Da schrieb ich Samstag Nacht erbost und müde einen kleinen Eintrag in diesem Blog über die Entscheidung der Stadt Frankfurt, den diesjährigen Adorno Preis an Judith Butler  zu verleihen  und lese heute aus der Feder von Micha Brumlik in der taz:

Einzelne, dem Staat Israel verbundene Publizisten und Gruppen monieren, dass ausgerechnet Butler einen Preis erhält, der auf den Namen eines der bedeutendsten Kritiker des Antisemitismus ausgelobt ist.

Warum nur schreibt Brumlik nicht ganz einfach, dass er auf einen Blogeintrag von mir in der Jungle World reagiert? Denn andere Texte gibt es bislang zu dem Thema nicht. Sicher, ich bin für einen prominenten Frankfurter Professor kein angemessener Gegner. Aber hat er es wirklich nötig, auf den plattesten Trick der sog. Israelkritiker zurückzugreifen und aus wenigen, ja meist völlig isolierten, Einzelpersonen irgendwelche Kollektive zu zusammenzuphantasieren, denen man am besten dann noch Macht und Einfluss andichtet, um selbst, auch wenn man ganz sicher keine Minderheitenposition vertritt, sich dann als mutiger Einzelkämpfer gegen viele zu gerieren?

Aber nicht genug der leicht durchschaubaren Tricks. Er schreibt weiter:

Nun, da zum ersten Mal eine Frau den Preis erhalten soll, regen sich Protest und Kritik.

Der Verweis aufs Geschlecht der Preisträgerin, auch wenn er, nebenbei gesagt, so gar nicht in ihr Konzept von Sex and Gender passt, mag im Milieu der Butler Anhängerschaft ankommen und soll es wohl auch, mit dem Sachverhalt selbst  hat er dagegen herzlich wenig zu tun. Oder stehe ich, (bzw. die Gruppen und Publizisten, um die es sich ja laut Brumlik handelt) als weißer heterosexueller nichtfarbiger Nichtjude irgendwie im Verdacht, doch eine ganz andere, in Wirklichkeit nämlich sexistische Agenda zu verfolgen?

Über Brumliks Intervention zugunsten von Judit Butler wäre damit eigentlich schon alles gesagt. Denn solche Tricks nutzt eigentlich nur, wer inhaltlich nicht stringent zu argumentieren vermag.

Weiterlesen.

3. Juni 2012, 00.51 Uhr:

Adorno Preis für Hamas Fan

von Thomas von der Osten-Sacken

Für den diesjährigen Theodor W. Adorno Preis hat das Kuratorium der Stadt Frankfurt sich Judith Butler ausgewählt. Wenn Butler gerade nicht diskurstheoretisiert (zu seinem Glück blieb die Lektüre ihres Werkes Adorno erspart), dann wirbt sie  gerne etwa für die Eingemeindung diverser islamistischer Antisemitentrupps in die globale Linke:

Yes, understanding Hamas, Hezbollah as social movements that are progressive, that are on the Left, that are part of a global Left, is extremely important.

Und außerdem engagiert sie sich  bei der unseligen “Boykottiert Israel (BDS) Kampagne”, von der selbst Noam Chomsky sich inzwischen distanziert, und ist gerne gesehener Gast bei “Israeli Apartheid Weeks”, auf denen sie  dann vehement einen kulturellen und akademischen Boykott Israels fordert.

Judith Butler und der Theodor W. Adorno Preis! Stünde es nicht schwarz auf weiß auf den Seiten der Stadt Frankfurt, man würde es für einen ganz ganz schlechten Witz halten:

Das Kuratorium des Adorno-Preises begründet seine Entscheidung für Judith Butler wie folgt: „Mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis des Jahres 2012 wird eine der maßgeblichen Denkerinnen unserer Zeit geehrt. Für Fragen über Identität und Körper sind ihre Schriften maßgeblich und werden weltweit rezipiert. Als Vordenkerin eines neuen Verständnisses von Kategorien wie Geschlecht und Subjekt, aber auch der Moral, ist sie immer dem Paradigma der kritischen Autonomie verpflichtet. Spurenelemente von Butlers Theoriegebäude finden sich in Werken der zeitgenössischen Literatur, dem Film, dem Theater und der Bildenden Kunst.“

Dem Kuratorium des Theodor-W.-Adorno-Preises 2012 gehören neben den ständigen Mitgliedern in diesem Jahr die Soziologin Martina Löw, die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz, der Philosoph Rainer Forst und der Kritiker Jürgen Kaube an.

Über das Verhältnis von kritischer Theorie und Israel hat Stephan Grigat vor einigen Jahren ein Essay geschrieben. Was Adorno, in dessen Namen man der Judith Butler nun diesen Preis verleiht, von ihren Umtrieben gehalten hätte bedarf deshalb keiner weiteren Ausführungen.

Wenn ernsthaft der Adorno Preis an Judith Butler verliehen wird , dann sollte konsequenterweise Martin Heidegger posthum noch die Martin Buber Medaille bekommen, Hans Grimm vielleicht einen Benjamin Orden erhalten und Henning Mankell ein Else-Lasker Schüler Stipendium für seine Teilnahme auf der Mavi Marmara.


31. Mai 2012, 18.51 Uhr:

Intergration durch Freude

von Jörn Schulz

Man kann nicht bestreiten, dass Bundespräsident Joachim Gauck einen Beitrag zur Aufklärung leisten. Den Israelis erläuterte er, was es mit der besonderen deutschen Verantwortung für Israel auf sich hat: „Es ist ein moralischer Appell an uns selber, bei dem ich sehr besorgt bin, ob wir die Größe dieses Anspruchs an uns selbst in politisches Handeln umzusetzen vermögen.“ Frei übersetzt: „Ich liebe euch doch alle. Aber wenn die iranischen Raketen starten, müsst ihr selber sehen, wie ihr klarkommt.“ Man darf allerdings vermuten, dass die meisten Israelis – die den Besuch übrigens weit weniger wichtig nahmen als die Deutschen – das schon vorher wussten.

Dankenswerterweise definierte Gauck auch die zeitgenössischen Bedingungen für die Anwesenheit in Deutschland: „Jeder, der hierhergekommen ist und nicht nur Steuern bezahlt, sondern auch gerne hier ist, auch weil er Recht und Freiheiten hat, die er dort, wo er herkommt, nicht hat, der gehört zu uns, solange er diese Grundregeln nicht negiert.“ Einfach nur schuften und sich an die Gesetze halten genügt nicht. Man muss sich schon auch freuen, dass man das darf.

„Die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.“ Dass man mit der Konversion zum Islam die Staatsbürgerschaft nicht verliert und womöglich gar als Muslim eingebürgert werden kann – nicht vergessen, die gebührende Freude zu zeigen! – muss offenbar vom Staatsoberhaupt eigens betont werden.

Es hat eben Folgen, wenn man einen protestantischen Pfaffen zum Präsidenten macht. Mit großem Eifer setzt er die Tradition fort, die „Integration“ vornehmlich als religiöse Frage zu behandeln. Warum über so banale Dinge wie Jugendarbeitlosigkeit und rassistische Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt reden? Gauck hält „’Ein-Satz-Formulierungen über Zugehörigkeit’ für problematisch, ‚erst recht, wenn es um so heikle Dinge geht wie Religion’. Dies werfe Fragen auf, wo der Islam Europa geprägt, ob er eine Phase der Aufklärung, ‚gar eine Reformation’ durchlaufen habe.

Gar eine Reformation? Offenbar hält Gauck die vom Judenhasser Luther gegründete fundamentalistische Bewegung, die jahrhundertelang auf der wortgetreuen Befolgung biblischer Gebote bestand und intoleranter war als der Katholizismus, bevor sie mühsam den Anschluss an die Zivilisation fand, für wichtiger und fortschrittlicher als die Aufklärung. Warum „der Islam“ am allerwenigsten eine Reformation braucht, habe ich bereits an anderer Stelle erläutert. Gaucks Ansichten sind aber auch beunruhigend für die katholische Minderheit, deren klerikale Führung die Aufklärung bekanntlich nicht sehr schätzte und auch keine Reformation zustande gebracht hat. Gehören Leute, deren Loyalität dem obskurantistische Lehren vertretenden Oberhaupt eines fremden Staates namens Vatikan gilt, wirklich zu Deutschland?

29. Mai 2012, 19.14 Uhr:

Wer braucht schon Antigone?

von Jörn Schulz

Es hätte schlimmer kommen können, etwa wenn Günter Grass auf die Idee gekommen wäre, ein Gedicht über Gaza zu schreiben. Nun also Griechenland, das Land, über dem das Damoklesschwert des Marktes hängt, nachdem Merkel die Büchse der Pandora geöffnet hat. Es kommen auch ein paar gelehrte Anspielungen vor, die nicht zum gebräuchlichen Journalistendeutsch gehören.

Die entscheidende Frage aber ist: Was hat die Sparpolitik mit der antiken Vergangenheit zu tun?

„Verfluchen im Chor, was eigen Dir ist, werden die Götter,
deren Olymp zu enteignen Dein Wille verlangt.
Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land,
dessen Geist Dich, Europa, erdachte.”

Das geistlose Verkümmern funktioniert doch schon jetzt recht gut, wo die Griechen noch dabei sind. Ohnehin ist die Namensgebung für unseren Kontinent ja eine dubiose Angelegenheit. Europa war eine Phönizierin (Libanesin würde man heute sagen), würde also von der Küstenwache aufgegriffen und abgeschoben, sofern sie nicht zuvor im Mittelmeer ertrunken wäre. Und wäre die materielle Verelendung weniger kritikwürdig, wenn sie, sagen wir mal Belgien getroffen hätte? Zur Ehre der Belgier, die auch ziemlich klamm sind, daher schon mal ein Gedicht:

Zur Armut verurteiltes Land, wo der Mensch
erstmals Kartoffenstäbchen
in heißes Fett tunkte.
Verfluchen werden Dich, oh EU,
alle, die gerne Pommes essen,
mit Mayo
oder Ketchup
oder rot-weiß
und sogar die Briten, die Essig drübergießen.

28. Mai 2012, 18.36 Uhr:

Neue Tiere 2011

von Ivo Bozic


Der Burmesische Stumpfnasenaffe (Rhinopithecus strykeri) ist ein bedauernswertes Geschöpf. Immer wenn es regnet, muss er niesen, weil ihm Wasser in die nach oben geöffnete Nase läuft. Das Tier ist vom Aussterben bedroht. Wen wundert’s?! Das wäre eine komische Evolution, bei der sich solch ein Wesen durchsetzen könnte - zumal im südostasiatischen Regenwald, wo es oft und mächtig schüttet! Es ist trotzdem immer tragisch, wenn eine Säugetierart ausstirbt, in diesem Fall ganz besonders: Denn das in Nord-Myanmar lebende Tierchen wurde gerade erst entdeckt.

Kaum entdeckt, schon ausgestorben. Das ist gar nicht so absurd, wie es auf den ersten Blick erscheint. Genaugenommen ist es sogar so, dass die meisten Tierarten, die aussterben, überhaupt niemals entdeckt worden sind. Wenn wie im Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt behauptet wird, dass täglich 130 Tier- und Pflanzenarten aussterben würden, so sind das bloße Spekulationen, bzw. Hochrechnungen von Hypothesen. Man hat schließlich nicht die geringste Ahnung, wie viele Tier- und Pflanzenarten überhaupt auf der Erde existieren. Sind es fünf oder 30 Millionen? Man schätzt, irgendwas dazwischen.

Das einzige, was man verlässlich weiß, ist die Zahl der Arten, die offiziell neu entdeckt werden. Das waren in Jahr 2011 rund 18.000 Arten, darunter der oben erwähnte Affe. Dass Wirbeltiere oder gar Primaten entdeckt werden, ist natürlich die Ausnahme. Zumeist handelt es sich um Insekten oder Gewürm, wie dem ebenfalls im vorigen Jahr entdeckten Teufelswurm (Halicephalobus mephisto), der in einer südafrikanischen Goldmine 1,3 Kilometer tief unter der Erde lebt, und nur einen halben Millimeter lang ist. Das mag wenig erscheinen, in dieser Tiefe ist er damit aber der Größte – und das einzige mehrzellige Tier.

So sagen jedenfalls die Forscher, man darf jedoch davon ausgehen, dass das nicht stimmt. Da unten gibt es sicher noch unzählige andere Würmchen, nur buddelt der Mensch eben selten da herum, so dass er sie wohl nie entdecken wird. Zahlen haben daher beim Artenschutz kaum Aussagekraft, was man auch daran sieht, dass allein die Epidendroideae, eine Unterfamilie der Familie der Orchideen in etwa 18.000 Arten existiert. Man mag sich auch vor Augen führen, dass bereits über 99,9 Prozent aller Tierarten ausgestorben sind. Seit es Leben auf der Erde gibt. Nämlich 500 Millionen Tierarten. Und nicht zuletzt sterben Arten auch im bürokratischen Akt auf dem Papier aus. Wann eine Tier- oder Pflanzenausprägung als Art klassizifiert wird, ist ja eine nicht zuletzt eine Definitionsfrage. Und seitdem die Gentechnik in der Biologie verwendet wird, sind viele Arten dazugekommen, und andere gestrichen worden.

Aber nicht immer geht es nur streng wissenschaftlich zu: Die karibische Oh-Boy-Qualle (Tamoya ohboya), die ebenfalls 2011 entdeckt wurde, verdankt angeblich ihren Namen dem schmerzhaften Aufschrei der Menschen, die schon einmal mit ihren brennenden gelb-orangenen Nesselfäden in Kontakt gekommen sind. „Oh boy“, sollen sie gerufen haben.

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