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Kürzliche Beiträge
3. Mai 2012, 18.40 Uhr:

Ein gespaltenes Verhältnis zum Wald

von Thomas von der Osten-Sacken

Liest man in Osama bin Ladens Briefen, die er an Brüder und andere Mujahedin aus seinem letzten Refugium in Abbottbad verschickte, bevor die Navy Seals dem Briefeschreiber ein gewaltsames Ende bereiteten,  ist bemerkenswert,welch unkonventionelle Lösungen dem Scheikh so vorschwebten. Lösungen, die allerdings das Herz so manchen Ökos höher schlagen lassen dürften:

I want the brothers in Islamic Maghreb to know that Planting trees helps al-Mujahidin and gives them cover. Planting trees is not expensive and it should be done immediately after rain. They should ask people to keep animals and livestock away from them. Trees would give al-Mujahidin the freedom to move around especially if the enemy sends spying aircrafts to the area.

Super. Vier Jahre nachdem der al-Mujahedin sein Bäumchen in der Wüste gepflanzt hat, kann er sich dann auch darunter bzw. dahinter verstecken. Und wir wissen ja: der Islamist hat Zeit, er  plant langfristig.

Wer jetzt allerdings denkt, Al Qaida wäre eigentlich so etwas wie der jihadistische Arm von Greenpeace, sollte sich auf eine Enttäschung gefasst machen. Liebe zu Bäumen, auch eine rein instrumentelle,  ist regional strikt eingeschränkt auf aride bzw. semiaride Regionen und  auf das Haus des Islam.

Im Dar al Harb dagegen ist man als guter Gotteskrieger aufgerufen, im Wald rumzuzündeln, was das Zeug hält:

Der jemenitische Al-Qaida-Ableger (…) hat am Mittwoch gleich zwei neue Ausgaben ihres englischsprachigen Propaganda-Magazins “Inspire” im Internet veröffentlicht. Darin ruft das Terrornetzwerk westliche Muslime auf, gezielt Waldbrände in den “Ländern der Ungläubigen” zu legen, um der Wirtschaft der westlichen Staaten zu schaden. Als Beispiele für die Zerstörungskraft solcher Feuer nennt al-Qaida Buschbrände in Australien und Waldbrände in den USA aus den vergangenen Jahren.

Sollte damit einer im deutschen Wald allerdings ernst machen, eines ist sicher, mit dem einfühlenden Verständnis, dass Al Qaida seit dem 11. September 2011 in Deutschland, und vor allem im ökologisch linken Milieu entgegengebracht wurde, wär’s schlagartig vorbei. Beim Wald hört jeder Spaß auf. Ob es allerdings so weit kommen wird, ist fraglich.

Denn insgesamt scheint es um das Netzwerk nicht allzu gut bestellt zu sein. Es mangelt offenbar an qualifiziertem Personal. Der BND jedenfalls meint: “Al-Qaida muss inzwischen aus der dritten und vierten Liga rekrutieren“.

Aber auch das kommt einem ja nur äußerst bekannt vor: welchen politisch aktiven Organisationen geht es dieser Tage anders?  Der Islamismus, er ist doch immer wieder nur die Speerspitze der weltweiten Regression.


28. April 2012, 22.22 Uhr:

Endlich angekommen

von Thomas von der Osten-Sacken

Sie sind endlich angekommen, es war ein langer Weg. Gruppenbild mit iranischem Praesidenten (Siehe auch: Warum ich in dieser Situation in den Iran reise)

Mehr ueber den Besuch hier: Braune Zirkustruppe in Persien

24. April 2012, 11.45 Uhr:

Lehren aus der Vergangenheit: Ein APB gegen Genozid

von Thomas von der Osten-Sacken

Pünktlich zum Holocaust Remeberance Day, an dem er einmal mehr in den üblichen Floskeln, die nur das Gegenteil des Gesagten beweisen, die geladene Audienz und den Rest der Welt aufforderte, man müsse aus der Vergangenheit lernen, stellte Präsident Barack Obama eine neue Initiative gegen „Kriegsverbrechen, Genozid und Massenmord“ vor, deren bürokratische Sprache denen der Lagerverwalter kaum nachsteht.

Fortan werden die Bürokraten in Washington in einem APD der PSD-10 folgen. Die vielbeschworenen Lehren aus der Vergangenheit sind endlich und für alle Zeiten gezogen: Sie heißen „anti-atrocity capabilities“ (AACs) und werden ganz sicher künftig in Workshops, Seminaren und per Power-Point Präsentation vermittelt.

Waren es früher noch in Betroffenheit machende Sozialarbeiter, die meinten, gerade nach Auschwitz müsste möglichst viel engagierte Poesie produziert oder interkulturell getöpfert werden, hat  diese Form der Vergangenheitsbewältigung es inzwischen zur Leitlinie des Weißen Hauses gebracht. Der einzige Unterschied: auf die Idee, Akronyme zu verwenden, wenn es um die angebliche Verhinderung von Völkermorden geht, wären selbst die findigsten deutschen Sozialarbeiter nicht gekommen.

Die verwaltete Welt kommt endgültig zu sich selbst. In Teheran planen sie einen zweiten Holocaust, von den Massakern und Massenmorden, die andernorts stattfinden, ganz zu schweigen und in Washington trainiert man sich AACs an:

President Obama also recognizes that in order to counter atrocities more effectively, the U.S. government must prioritize this effort, strengthen and expand the tools available to us, and establish a level of organization that matches our commitment. In 2010, he created the first-ever White House position dedicated to preventing and addressing war crimes and atrocities. And in August 2011, he issued Presidential Study Directive 10 (PSD-10), declaring the prevention of mass atrocities and genocide to be a “core national security interest and core moral responsibility” of the United States, ordering the creation of a whole-of-government Atrocities Prevention Board (APB), and directing the National Security Advisor to lead a comprehensive review to assess the U.S. government’s anti-atrocity capabilities, and recommend reforms that would fill identified gaps in these capabilities.

President Obama announced today that he has approved the recommendations generated by the review, and he has directed his Administration to take a range of steps to strengthen the U.S. government’s ability to foresee, prevent, and respond to genocide and mass atrocities.

20. April 2012, 13.59 Uhr:

Grass, Bauchredner der Nation

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Ergebnisse einer Online-Umfrage der Financial Times:

Die Israel-Thesen von Günter Grass sind …

Antwort 1: irrsinnig             7%
Antwort 2: gefährlich          4%
Antwort 3: antisemitisch    4%
Antwort 4: diskutabel        27%
Antwort 5: richtig               57%

21841 Stimmen

19. April 2012, 15.45 Uhr:

Antisemitismus in Europa

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein neue Studie, die einmal mehr zu Ergebnissen kommt, die leider all zu bekannt sind, denn sie bestätigen sich Jahr für Jahr in solchen Studien. Deutschland liegt auf der europäischen Antisemitismusskala auf Platz vier:

The report, entitled “Intolerance, Prejudice and Discrimination,” was published Wednesday by the German-based Friedrich Ebert Foundation, and focuses on European attitudes toward minority groups including migrants, black people, Jews, Muslims, women and homosexuals. The report found the highest rates of anti-Semitism in Poland and Hungary. In Portugal, followed closely by Germany, anti-Semitism is significantly more prominent than in the other Western European countries. In Italy and France, anti-Semitic attitudes as a whole are less widespread than the European average, while anti-Semitism is least prevalent in Great Britain and the Netherlands.

About half the respondents in Portugal, Poland and Hungary said their anti-Semitic sentiments were boosted by Israel’s political activities, while around 40% of respondents in most participating countries affirm the drastic assessment that “the Israeli state is conducting a war of extermination against the Palestinians.” In Poland, 63% of respondents hold that view.

According to the report, about one-third of respondents believe there is a natural hierarchy of ethnicity. Half or more condemn Islam as “a religion of intolerance.” A majority in Europe also subscribe to sexist attitudes rooted in traditional gender roles and demand that “women should take their role as wives and mothers more seriously.” (…)

According to the report, almost half of Poles and 69% of Hungarian respondents believe that Jews in their countries have too much influence, while only 14% in Great Britain and 6% in the Netherlands are of this opinion. In Poland and Hungary, a similar majority of respondents believe that Jews try to take advantage of having been victims during the Nazi era. More than half of Portuguese respondents also agree with these statements – and the least agreement is in the Netherlands and Great Britain, where about one-fifth believe Jews are profit-seeking and self-interested. In all the countries surveyed, a majority agree that Jews enrich their culture.

According to the report, about half of all European respondents agree that there are too many immigrants in their respective countries. Similarly, about half of all European respondents believe that jobs should be given to locals first when work is scarce. The report showed a correlation between anti-immigrant attitudes and anti-Semitism. For many respondents, prejudice against immigrants goes hand in hand with prejudice against Jews.
(…)

Anti-Semitic criticism of Israel comes close to majority support in all European countries. “If this observation is any measure of Europeans’ attitudes to Israel, then we must conclude that perceptions of Israel are colored by anti-Semitism,” the report concludes. “In that context we also need to discuss whether secondary anti-Semitism – refusal to acknowledge the crimes of the Holocaust – has taken the place of traditional anti-Semitism.”

10. April 2012, 11.32 Uhr:

Ausreiseverbot für Grass!

von Ivo Bozic

Dass Israel ein Einreiseverbot für Grass verhängen will, ist überfällig. Erstens gilt in Israel ohnehin ein Einreiseverbot für alte NS-Schergen. Sollte dies bisher für SS-Günni nicht gegolten haben, wäre dies der Skandal. Zweitens sollte jeder, der nur ein wenig Anstand besitzt, für jede Räumlichkeit über die er irgendwie verfügen kann - ob Staat, Kneipe oder Wohnzimmer - ein Einreiseverbot für Grass verfügen. Am besten wäre eh, man erteilte ihm ein Ausreiseverbot aus seiner kleinen Welt, in der die Täter die Opfer sind und Umgekehrt.

9. April 2012, 17.18 Uhr:

Kleine Anleitung zur notorischen Israelkritik

von Ivo Bozic

Sie würden auch gerne mal voll Grass abgehen? Das ist gar kein Problem! Unser Kollege Michail Pivnik hat einen kleinen rhetorischen Ratgeber verfasst.

 

Zehn Gebote des zwanghaften Israelkritikers

Von Michail Pivnik

Es gelten folgende rhetorischen Grundsätze, die der »Israelkritik« erst so richtig Nachdruck verleihen.

1. Die Geste des moralischen Leidens an den Umständen:

»Ich muss das jetzt einfach loswerden!«

Grass: »Das allgemeine Verschweigen […], dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich als belastende Lüge und Zwang«; »mit letzter Tinte« sage ich…

2. Das Behaupten eines angeblichen Tabus:

»Man muss das doch mal sagen dürfen!«

Bei Grass implizit: »Was gesagt werden muss“

3. Die Behauptung, es handele sich bloß um Kritik an israelischer Politik (unter großzügigem Ausklammern der Geschichte Israels, des Antisemitismus und des Judentums; und vor allem der kausalen Zusammenhänge des Nahost-Konflikts):

»Man muss doch wohl DEN STAAT Israel kritisieren dürfen!«

Bei Grass: das »Land Israel«, die »Atommacht Israel«.

4. Die Behauptung der besten Absichten:

»Aber ich meine es doch nur gut; ich bin doch ein Freund!«

Will heißen: »Ich werde Euch helfen!«

Grass: »Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will«

Die Punkte 5.-7. umfassen drei beliebte rhetorische Varianten:

5. Das Verstecken hinter angeblichen Fragen (in welche die eigene, ach so nachdenkliche Botschaft eingekleidet wird):

»Aber ich stelle doch nur Fragen!«

Grass: »Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden?« [sic!]

6. Das Verstecken hinter »wissenschaftlichen« Statistiken (die gern einseitig selektiv, verzerrend oder falsch zitiert werden, gern auch ohne nachvollziehbare Quellen):

»Hier steht es doch, also ist es empirisch bewiesen!«

7. Das Verstecken hinter anderen »Israelkritikern«, die »das dürfen, weil sie ja selbst Juden/Israelis sind«.

»Die Tochter von Heinz Galinski hat das aber auch gesagt!«; »Ilan Pappe sieht das aber genauso!«

Die abschließenden Punkte werden teilweise vorweggenommen und direkt mit antizipiert, teilweise kommen sie aber erst als Reaktion auf negative Kommentare ins Spiel:

8a. Die pathetische Stilisierung als Opfer:

»Man verbietet mir den Mund, aber ich kann nicht schweigen, also HÖRT MIR ZU!«

8b. Hinter allen negativen Reaktionen steckt die Verschwörung einer Machtclique, die eine »Gleichschaltung« und »Kampagne« (Zitate Grass) gegen den Wahr-Sprecher ausgeheckt hat.

»Sie [wahlweise: die Medien] haben sich gegen mich verschworen!«

9. Das Insistieren, in Besitz der einzig wahren, objektiven, richtigen Wahrheit zu sein:

»Aber so ist es doch, genau so…!«

Zitat Grass (Achtung, Tautologie): Ich kann/will mir nicht länger verbieten, »diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit dem Land Israel […] zuzumuten«.

10. Schließlich folgt die Einbettung in das Kollektiv oder den Volkskörper:

»Ich spreche doch nur aus, was ALLE denken und wissen!«

Zitat Grass: »Es mögen sich viele vom Schweigen befreien«!

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