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Kürzliche Beiträge
12. Juli 2012, 18.44 Uhr:

Werdet Märtyrer!

von Jörn Schulz

„Bedenke wohl, dass die Folgen unseres Hasses schmerzlicher sind als die Handlungen, die ihn ausgelöst haben“, mahnte Augustinus von Hippo. Bedauerlicherweise mangelt es jenen, die sich nun über das einen inkontinenten Papst zeigende Titanic-Titelbild ereifern, an Kenntnissen über das Christentum. „Du bist im Irrtum, wenn du denkst, dass ein Christ ohne Verfolgung leben kann“, lehrte Hieronymus. Man muss sich ja nicht gleich in Öl sieden lassen, um sich der Nachfolge Christi als würdig zu erweisen, aber einen Witz sollte man schon vertragen können. Ein wahrer Chist würde eine solche Herausforderung entweder mit mildem Lächeln übergehen, oder, im Bewusstsein der Unvollkommenheit allen menschlichen und somit auch päpstlichen Handelns, als vielleicht nicht allzu subtile, aber letzlich, wie alles in der Welt, gottgewollte und daher dem Heilsplan dienende Mahnung hinnehmen.

Thomas Goppel, Sprecher der Christsozialen Katholiken, würde dem Titanic-Chefredateur aber gerne persönlich „die Lizenz zum Schreiben entziehen“. Auf den ersten Blick erstaunlich auch, dass fast alle Titanic-Kritiker zwanghaft von Papst- auf Mohammed-Karikaturen kommen. So wie Jan Fleischhauer: „Ich gebe zu, dass ich an dieser Stelle kurz Sympathie für Martin Mosebach empfand, der sich kürzlich in einem Beitrag für die ‚Berliner Zeitung’ wünschte, dass Gotteslästerung wieder etwas gefährlicher werden sollte. Ich bin nicht katholisch genug, um mir wie Mosebach eine strengere Verfolgung der Blasphemie zurückzuwünschen. Aber wenn man als aufmüpfig gelten will, dann sollte man dabei einen Einsatz wagen - da hat er recht, wie ich finde. Wie wäre es also, liebe ‚Titanic’-Redaktion, beim nächsten Mal mit einer ordentlichen Mohammed-Karikatur? Vielleicht zum Anfang ein Bild des Propheten mit verschütteter Cola überm Rauschebart. Dann müsstet ihr in eurem fidelen Studentenbuden-Gejuxe mal ausnahmsweise unter Beweis stellen, dass es euch wirklich ernst ist mit dem Einsatz für den Freiraum der Satire.“

Ähnlich Franz Josef Wagner in der Bild: „Ich frage mich, ob Ihr Humorhelden jemals einen sich besudelnden Propheten Mohammed auf den Titel gebracht hättet. Ihr habt es nicht gemacht, weil Euer Arsch auf Grundeis ging. Scharia, Todesdrohungen. Euer Redaktionsgebäude würde belagert von Demonstranten. Fahnen würden brennen. Ihr tapferen Humorhelden von Titanic. Mit dem Papst könnt Ihr alles machen. Er schickt keine Todesschwadronen. Er setzt kein Kopfgeld auf den Chefredakteur aus. Der Papst klagte gegen seine beschmutzten Bilder. Die Idioten von Titanic jubeln.“

Was für ein Glück, dass die Rechtpopulisten so feige sind. Wagner macht sich schon vor Angst in die Hosen, wenn er an Neukölln nur denkt: „Wenn Sie da jemanden angucken, dann sagt er: Scheiß Deutscher, was du gucken, einen in die Fresse, besser du tot als ich.“ Fleischhauer jammert noch nach Jahrzehnten darüber, dass er als Kind nicht genug verwöhnt wurde.

Es ist schwer, bei solchen Titanic-Kritikern kein insgeheimes Bedauern über das Ausbleiben eines deutschen Breivik zu vermuten. Aber selbst das Kreuz zu nehmen und die Ungläubigen vom Angesicht der Erde zu vertilgen, ist ihnen zu beschwerlich und zu gefährlich, deshalb sollen “die Muslime” alles für sie erledigen. Wenn ihr nicht brav seid, holt euch der Salafist! Rechtpopulisten bewundern den bornierten Stumpfsinn und die virile Härte des Jihadismus, auch wenn sie die Muslime hassen.

Es ist ja eigentlich nicht recht ersichtlich, warum Satire eine Mutprobe sein soll und warum eine Papst-Karikatur mit einer Mohammed-Karikatur einhergehen muss. Doch wie bereits erwähnt, die deutschen Rechten wollen wieder Blut sehen. Natürlich das der anderen. Wenn aber die Blasphemie wieder gefährlicher werden soll, warum nicht auch der Glauben? Keine atheistischen Todeschwadronen verfolgen den Papst, obwohl dieser den Atheismus für die „Schrecknisse der Konzentrationslager“ und die „Verwahrlosung des Menschen“ verantwortlich macht. Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie die Friesen, die im Jahr 716 den Missionar Bonifatius erschlugen. Der jammerte übrigens nicht: „Lasst uns in dieser Zeit der Härten und Anfechtungen für den Herrn kämpfen. Wenn es der Wille Gottes ist, lasst uns für die heiligen Gesetze unserer Väter sterben, damit wir gemeinsam mit ihnen das ewige Erbe antreten können.“ Zweifellos wird heutzutage nur deshalb so ungehemmt gegen des Atheismus gehetzt, weil es ungefährlich ist.

Bemerkenswert auch ein weiteres Phänomen: die Bushidoisierung des Journalismus. Respekt fordern am lautesten jene, die am wenigsten bereit sind, ihn anderen entgegenzubringen. „Idioten“ nennt Wagner die Titanic-Redakteure. Also, Herr Wagner: Wir sind alle Kinder Gottes. „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“, sagte Jesus. Fast könnte man glauben, der Mann habe Sie und Ihre Bild-Kollegen persönlich gekannt: „Ihr Heuchler, die ihr gleich seid wie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totengebeine und alles Unflats! Also auch ihr: von außen scheint ihr den Menschen fromm, aber in wendig seid ihr voller Heuchelei und Untugend.“ Beim Jüngsten Gericht wird es ohnehin einen Stau geben, wenn Ihnen Ihre Sünden vorgehalten werden, Sie sollten den Betrieb nicht unnötig aufhalten und Ihr Gewissen ein wenig erleichtern. Schreiben Sie also der Titanic noch heute einen Entschuldigungsbrief!

11. Juli 2012, 15.04 Uhr:

Vernunft und Vorhaut

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Beschneidungsdebatte, wie sie inzwischen heißt, lässt einen nicht zur Ruhe kommen. Erst heute wieder sah ich mich gezwungen über das Thema zu sprechen mit einem Menschen, der ganz fortschrittlich ist und sich äußert empört über das Urteil zeigte, so empört, dass er meinte, nein, so etwas hätten selbst die Nazis nicht getan.

Da konnte ich nur antworten, dass dem Urteil immerhin die Idee der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz zugrunde liege, eine höchst verteidigenswerte republikanische Idee, die von den Nazis bis aufs Messer bekämpft wurde und die sie deshalb spätestens 1935 mit den Nünberger Rassegesetzen auch abgeschafften, die Nazis also ein solches Urteil natürlich niemals gefällt hätten, sondern ganz im Gegenteil, wo immer sie konnten, jede Art  rechtlicher Sonderbehandlung von Juden befürworteten, ja forcierten. Es wäre also weit mehr im Sinen der Nazis gewesen, allen, laut Nürnberger Gesetzen als Juden definierten Menschen, einen Beschneidungszwang aufzulegen.

Wer also dieser Tage sich abfällig über den angeblichen Rechtspositivismus der Kölner Richter mokiert, sollte wissen, dass die Nazijuristen, allen voran Carl Schmitt, die so genannte rechtspositivistische Schule um Hans Kelsen ebenso wie den Staatsrechtler Hermann Heller (die beide auch noch Juden waren) wie die Pest hassten und bekämpften.

Aber Vorhaut und Vernunft, sie gehen eben nur bedingt zusammen. Glücklicherweise braucht man den Erwartungen ja nicht zu entsprechen und selbst eine Meinung zu dem Urteil zu haben. Genug haben ihre schon geäußert und hätten es besser bleiben lassen sollen. Eine erfreuliche Ausnahme stellt Alan Posener dar, der heute in der Welt schreibt:

Die rührende Gemeinsamkeit der ansonsten verfeindeten monotheistischen Religionen, wenn es darum geht, kleinen Jungen am Penis wehtun zu dürfen, weist allerdings auf ein grundsätzliches Problem hin: auf die frühkindliche Indoktrination, vermittels derer sich die Religionen fortpflanzen. “Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten", sagte Jean-Jacques Rousseau. Und die schlimmsten Ketten sind die psychischen, die in der Kindheit geschmiedet werden. Die Religionen mögen ihre Meriten haben; die Freiheit ist wichtiger. Und so lange Menschenkinder zu Juden, Muslimen, Christen usw. gemacht werden, ob nun mit oder ohne Vorhaut und Kopftuch, wird die Religionsfreiheit, auf die sich die Vorhautfeinde und Burkafreunde berufen, mit Füßen getreten.

27. Juni 2012, 16.10 Uhr:

Hasta la vista, baby

von Jörn Schulz

Dreht Angela Merkel jetzt völlig durch? Sie scheint vom Gaddafi-Syndrom befallen zu sein. „Ich werde als Märtyrer sterben“, kündigte der “Revolutionsführer” im Februar vergangenen Jahres an. Merkel sagte, „eine ‚gesamtschuldnerische Haftung’, also auch Euro-Bonds, werde es nicht geben ‚solange ich lebe’. Einige liberale Abgeordnete riefen spontan in den Fraktionssaal: ‚Wir wünschen Ihnen ein langes Leben!’“

Nicht überall dürfte dieser Wunsch geteilt werden. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass Merkel von wütenden Griechen in einem Abflussrohr gestellt wird. Überdies ist der christliche Heiligenkalender schon voll, für eine Heilige Angela, Schutzherrin der Schuldenbremse, ist kein Platz mehr. Doch gerade weil es sich wohl um eine spontane Äußerung handelte, lässt sie um so tiefer blicken. Denn für gewöhnlich stellen Diktatoren und ihr Führungspersonal wie etwa auch Kronprinz Salman bin Abdulaziz al-Saud mit derartigen Formulierungen klar, dass man sie umbringen muss, wenn man in Freiheit leben will.

„Solange ich Kanzlerin bin“ wäre schon überheblich genug gewesen, da es ja – theoretisch jedenfalls – um eine gesamteuropäische Entscheidung geht. Doch in ihrem Größenwahn scheint Merkel entfallen zu sein, dass sie nicht Kaiserin Euopas auf Lebenszeit ist. Deshalb ist es ausgesprochen unfair, dass das britische Magazin New Statesman sie sie auf der Titelseite als Terminator abbildet. Gewiss, die Charakterisierung von Kyle Reese („Man kann mit ihm nicht verhandeln. Man kann mit ihm nicht argumentieren. Er fühlt kein Mitleid, kein Bedauern.“) ist erstaunlich zutreffend. Doch dem Terminator ist Größenwahn fremd, er erledigt in stiller Bescheidenheit seinen Job und richtet dabei nicht mehr Schaden an als nötig. Er kennt, das vergaß Reese zu erwähnen, auch keinen nationalen Chauvinismus. Vor allem aber hat der Terminator einen erfolgversprechenden Plan. All das kann man von Angela Merkel nicht behaupten.

22. Juni 2012, 15.25 Uhr:

Prioritäten setzen

von Jörn Schulz

„Nein, Frau Merkel, zu dieser Uhrzeit kann ich Sie nicht empfangen. Da läuft meine Lieblingsserie im Fernsehen.“ Man kann sich die Reaktion vorstellen, wenn der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras so etwas sagen würde. Dass der Vierer-Gipfel in Rom um einige Stunden vorverlegt wurde, damit Merkel rechtzeitig nach Danzig zum Spiel Deutschland-Griechenland fliegen kann, gilt hingegen als selbstverständliche Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der ungekrönten Königin Europas.

20. Juni 2012, 18.04 Uhr:

Unter falscher Flagge

von Jörn Schulz

Tja, dieser Augstein. Da macht er einmal im Leben etwas Vernünftiges, muss diesen einzigartigen Moment aber sofort durch sein Ressentiment verderben. In einer Fernsehsendung schneuzte er in eine Deutschlandfahne, zur Empörung unzähliger Nationalisten. Freuen kann man sich aber nur, wenn man den Ton abstellt. Denn Augstein fabuliert: „Was würde man mit mir jetzt in Amerika machen? Ich würde in Guantanamo sitzen. Sind wir in Deutschland jetzt auch schon soweit?“

Guantanamo ist ein Gefängnis für enemy combatants, nicht für enemy fools. Also keine Sorge, Herr Augstein, zumal das Oberste Gericht der USA 1990 enstchied: „While flag desecration - like virulent ethnic and religious epithets, vulgar repudiations of the draft, and scurrilous caricatures - is deeply offensive to many, the Government may not prohibit the expression of an idea simply because society finds the idea itself offensive or disagreeable.” Soweit sind wir in Deutschland natürlich noch nicht, Paragraph 90 verbietet die „Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole“. Sollten Sie nicht nach Stammheim wollen – auch das Asylrecht ist in den USA liberaler als in Deutschland.

19. Juni 2012, 18.41 Uhr:

Inspirierender Jihad

von Jörn Schulz

Immer stärker drängt sich mir der Eindruck auf, dass in Deutschland eine Stimmung aufkommt wie um das Jahr 1914. Der rechte Pöbel will Blut sehen, die vielen Friedensjahre waren ja auch arg langweilig. Wer die Feinde und wer die Verbündeten sein sollen, ist noch umstritten. Sind „die Muslime“ Volksschädlinge oder Hilfsvölker? Der rechtskatholische Schriftsteller Martin Mosebach betrachtet sie als Avantgarde im Kampf gegen die Freiheit.

„Entgegen der Forderung nach unbedingter Freiheit, die Künstler gern beanspruchen, ist in der Geschichte der Kunst die Beschränkung dieser Freiheit der Entstehung von Kunst höchst förderlich gewesen. Nicht alles aussprechen zu dürfen, von rigiden Regeln umstellt zu sein, hat auf die Phantasie der Künstler überaus anregend gewirkt und sie zu den kühnsten Lösungen inspiriert. (…) In diesem Zusammenhang will ich nicht verhehlen, dass ich unfähig bin, mich zu empören, wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern – wenn wir sie einmal so nennen wollen – einen gewaltigen Schrecken einjagen. Ich begrüße es, wenn es in unserer Welt wieder Menschen wie Jean Jacques Rousseau gibt, für die Gott anwesend ist. Es wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird.“

Man hat sich daran gewöhnt, dass vom religiösen Terror Bedrohte wie der iranische Rapper Shahin Najafi in Deutschland nicht gerade mit Solidaritätserklärungen überhäuft werden. Dass reaktionäre christliche und muslimische Kleriker gern gemeinsam „Respekt“ von jenen fordern, denen sie selbst keinerlei Respekt entgegenbringen, ist auch keine Neuigkeit mehr. Salafisten und Jihadisten als Volkssturm im eigenen Kreuzzug gegen die Meinungsfreiheit einsetzen zu wollen, entbehrt hingegen nicht einer gewissen Originalität, wirft aber auch eine Frage auf.

Warum so kleinmütig? Gott liebt die Kleinmütigen nicht. Für schnöden Feuilleton-Talibanismus hat noch keiner 72 Jungfrauen bekommen. Und auch in der Bibel steht nirgendwo: „Macht’s euch gemütlich und lasst andere die Drecksarbeit erledigen.“ Vielmehr heißt es: „Ich will das Schwert lassen klingen, dass die Herzen verzagen und viele fallen sollen an allen ihren Toren. Ach, wie glänzt es und haut daher zur Schlacht! Haue drein, zur Rechten und Linken, was vor dir ist! Da will ich dann mit meinen Händen darob frohlocken und meinen Zorn gehen lassen.“ Eine Axt, Herr Mosebach, tut es zur Not auch.

19. Juni 2012, 13.23 Uhr:

Am Samstag ist Johannistag!

von Ivo Bozic

Halleluja! Am kommenden Samstag ist Johannistag. Der jährliche Gedenktag soll an die Geburt Johannes des Täufers erinnern und wird gewöhnlich von den beiden Ordensgemeinschaften der Johanniter und Malteser mit Gottesdiensten und anderen Feierlichkeiten begangen, zuweilen sogar gemeinsam. In diesem Jahr haben die Johanniter doppelt Grund zum Feiern: nicht nur den Geburtstag ihres Namenspatrons, sondern auch den 700. Jahrestag der Begründung ihres Reichtums.

Noch vor dem Ende eines insgesamt sieben Jahre dauernden Prozesses wegen angeblicher Anbetung eines Götzenbildes, Verleugnung Christi, Besudelung des Kreuzes, Homosexualität, Bündelei mit Muslimen, Verschwendung der Ordensgüter und Habgier bei Geschäften wurde vor 700 Jahren, genauer: am 22. März 1312, auf dem Konzil von Vienne, der Templerorden durch Papst Clemens V. aufgelöst. Kurz zuvor war er verboten worden. Die Anklagepunkte, die heute noch irren Verschwörungstheorien Futter geben, waren freilich allesamt konstruiert, in Wirklichkeit wurden die Templer Opfer eines profanen Machtkampfs zwischen dem französischen König Philipp IV. und dem Papst. Über 500 Tempelritter wurden zum Tode oder zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt und 1314 wurde der Großmeister Jacques de Molay in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die sehr zahlreichen Besitztümer, vor allem Ländereien, Gutshöfe und Klöster in ganz Europa, gingen unter anderem an den dem Templerorden sehr ähnlichen Johanniterorden. Heute fahren sie ihre Krankenwagen auf unseren Straßen umher, doch neben dieser modernen Erscheinung pflegen 3.900 »Ritter« unter Vorsitz des »Herrenmeisters« Oskar Prinz von Preußen noch immer ihren geistlichen Orden, gegliedert wie vor hunderten von Jahren in »Balley«, »Kommenden« (Genossenschaften) und Ordensregierung. Der Johanniterorden ist Teil der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Auch der katholische Malteserorden, der sich von dem im 16. Jahrhundert reformierten Johanniterorden abspaltete, ist heute nicht nur eine karitative Hilfsorganisation, sondern auch ein geistlicher Orden mit »Rittern« und »Damen«, die bei ihrer Aufnahme Armut, Keuschheit und Gehorsam geloben und von einem »Großmeister« geleitet werden. Zugleich ist der Malteserorden so etwas wie ein Staat ohne Territorium. Er hat den Status eines »nichtstaatlichen Völkerrechtssubjekts«, verfügt über eine eigene Währung und genießt Beobachterstatus bei der Uno.

Der Deutsche Orden, der dritte während der Kreuzzüge im »Heiligen Land« aktive und nach dem Vorbild der Templer gegründete Ritterorden, konnte nach dem Verbot der Templer ebenfalls weitermachen. Er widmete sich im 13. und 14. Jahrhundert vor allem der blutigen Eroberung und Christianisierung Osteuropas. 300 Kreuzzüge führten die Deutschritter zwischen 1305 und 1409 gegen die Litauer, jeder einzelne ein gnadenloses Gemetzel. Heute gibt es den Deutschen Orden immer noch, oder besser gesagt wieder. Eines seiner Mitglieder ist Laienbruder Edmund Stoiber, der ehemalige Ministerpräsident Bayerns.

An die Templer hingegen erinnern nur noch einige Burgen, Kirchen und Ruinen in Europa und im »Heiligen Land«. Und Straßen- und Ortsnamen wie zum Beispiel Tempelhof. Der heutige Berliner Bezirk gehörte ebenso wie die Ortschaften Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf zu den Besitztümern des Templerordens. Die Siedlungen gingen nach deren Verbot in den Besitz der Johanniter über, die sie 1435 dann an die Stadt Berlin verkauften.

All das wird am Johannistag allerdings nicht thematisiert. So wenig wie die Unfallhelfer mit der Spendenbüchse in der Regel über die mittelalterlichen Strukturen ihres Ordens sprechen wollen. Aber vielleicht wissen sie auch gar nichts davon.

Mehr zur Geschichte der Templer hier.

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