nd-App
www.flight13.com
Kürzliche Beiträge
5. Mai 2011, 19.05 Uhr:

Wer braucht solche Freunde?

von Jörn Schulz

Jede Regierung hat die Freunde, die sie verdient. Nach Muammar al-Gaddafi hat nun auch der Donau-Taliban Viktor Orbán, dessen Regierung rechtsextreme Schlägertrupps gewähren lässt und die Pressefreiheit einschränkte, Deutschland gelobt. In unangemessener Weise mische sich die EU in ungarische Angelegenheiten ein, doch „’von der deutschen Seite habe ich keine Regung vernehmen können, die wir als Eingriff hätten interpretieren müssen’, sagte er. Eine entsprechende Stellungnahme ‚hätte mich auch überrascht’.“ Mich auch.

5. Mai 2011, 18.53 Uhr:

Selektive Sensibilität

von Jörn Schulz

Der Offizier muss von der Anwesenheit dutzender Zivilisten gewusst haben, befahl aber den sofortigen Angriff, obwohl er falsche Angaben machen musste, um eine Genehmigung für diese gegen die Einsatzregeln verstoßende Bombardierung zu erhalten. Die Vorschläge der Piloten, die Zivilisten durch einen Überflug in geringer Höhe zu warnen oder wenigstens kleinere Bomben zu benutzen, lehnte er ab. Die zuständige Staatsanwaltschaft ignorierte alle belastenden Beweise, sodass es nicht einmal zu einem Prozess kam.

Nun die Preisfragen:

Welcher Schurkenstaat hatte die Bombardierung zu verantworten?

Aus welchem Land kamen die zögerlichen Piloten?

Warum unterstellte kein Journalist aus dem Schurkenstaat dem Täter als Motiv alttestamentarische Rachegelüste?

Antworten auf die ersten beiden Fragen finden Sie hier und hier.

 


 

 

 

 

20. April 2011, 16.15 Uhr:

Wir haben dir was mitgebracht

von Jörn Schulz

Einerseits soll man ja nicht schadenfroh sein. Andererseits aber: „Als es auf der Lipschitzallee kurzzeitig zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten kam, sprühte ein Bereitschaftspolizist unvermittelt einem vermeintlichen Autonomen Pfefferspray ins Gesicht und wollte ihn festnehmen. Erst durch Hinweise von Journalisten, bemerkte der Polizist, dass es sich bei dem Mann um den in zivil gekleideten Chef der Berliner Versammlungsbehörde, Joachim Haß, handelte.“ Da kann es doch wohl nur eine Konsequenz geben. Haß sollte Versammlungen gewaltbereiter Polizisten verbieten.

25. März 2011, 16.35 Uhr:

Catch me if you can

von Jörn Schulz

„Wenn das Land, dessen Kernkraftwerke zu den sichersten der Welt gehören und dessen Ingenieurskunst in der ganzen Welt bewundert und geachtet wird, überhastet ausstiege, würde dies die Welt sogar gefährlicher machen“, glaubt Helmut Kohl. Mit dem Land ist natürlich Deutschland gemeint, tatsächlich aber stehen die modernsten Atomkraftwerke der Welt in China. „Rosatom says a reactor it completed in 2007 in Tianwan, China, is the first in the world with what the Russians call a core-catcher built in.” Ob der Core Catcher, ein Werk russischer Ingeniuerskunst, im Fall einer Kernschmelze wirklich hält, ist allerdings unklar. Auch eine deutsche Firma stellt Core Catcher her, doch hat keines der 17 deutschen Atomkraftwerke eine solche Vorrichtung.

Weiterlesen.

23. März 2011, 18.50 Uhr:

Galaktische Weisheit

von Jörn Schulz

Der Kapitalismus ist ein Alien. Das hat der venezolanische Präsident Hugo Chávez beim Studium der Geschichte des Sonnensystems festgestellt: “I have always said, heard, that it would not be strange that there had been civilization on Mars, but maybe capitalism arrived there, imperialism arrived and finished off the planet.” Das möchte man nun aber etwas genauer wissen. Waren es die Ferengis oder die Cardassianer?

17. März 2011, 19.03 Uhr:

Malaysian Angst

von Jörn Schulz

Einige wackere Kämpfer für den Atomstandort Deutschland wollen nicht aufgeben. Man kann es allerdings als Indiz für eine gewisse Verzweiflung betrachten, wenn bei Dirk Maxeiner und Michael Miersch nun schon der Irre mit dem Regenschirm für die Relativierung der Folgen des Fallouts herhalten muss: „Mag sein, dass Gaddafi gerade mehr Libyer abschlachtet als Japaner im allerschlimmsten Fall an Strahlenkrankheit sterben.“ Selten fehlt in solchen Texten die Behauptung, dass sich nur die Deutschen Sorgen machen: „Freunde aus dem Ausland rufen an: Was ist bei euch los? Sie wundern sich, dass man 9000 Kilometer von Fukushima entfernt Atomkraftwerke abschaltet und Geigerzähler ausverkauft sind.“

Ich weiß nicht, was das für Freunde sind, aber sie leben offenbar nicht in China (“Those concerns led Chinese across the country to empty supermarkets of iodized salt”), den USA (“Americans fearing radioactive fallout snap up potassium iodide”), dem Osten Russlands (“’People are in a panic,’ said Dmitri Mukhotin, a spokesman for Pharma Premium”), Malaysia (“’People have been reading about the situation in Japan and they are demanding iodine tablets, but most pharmacies don’t stock the tablets’, said Kuala Lumpur pharmacist Paul Ho”), Südkorea (“Anxiety over radiation exposure is growing in this country following the explosion at Japan’s nuclear power plants”) und, nun, vielleicht reicht das erstmal als kleiner Hinweis darauf, dass offenbar auch anderswo Unruhe aufkommt. Jodtabletten zu schlucken, ist übrigens keine gute Idee. Es sollte aber eigentlich auch die M&Ms dieser Welt nachdenklich stimmen, dass die chinesische KP, die bekanntlich keine Landtagswahlen fürchten muss und in deren Politbüro vermutlich niemand „Die Wolke“ gelesen, ihr Atomprogramm vorläufig gestoppt hat.

 

17. März 2011, 14.48 Uhr:

Rot-grüne Sicherheitsphilosophie

von Jörn Schulz

Es soll immer noch Menschen geben, die glauben, Grüne und SPD hätten etwas zur Abschaltung der Atomkraftwerke unternommen. Ein Blick in den Text der Vereinbarung mit den Energiekonzernen („Atomkonsens“) klärt auf:

„Die Bundesregierung wird keine Initiative ergreifen, um diesen Sicherheitsstandard und die diesem zugrunde liegende Sicherheitsphilosophie zu ändern. Bei Einhaltung der atomrechtlichen Anforderungen gewährleistet die Bundesregierung den ungestörten Betrieb der Anlagen. (…) Die Bundesregierung wird keine Initiative ergreifen, mit der die Nutzung der Kernenergie durch einseitige Maßnahmen diskriminiert wird. Dies gilt auch für das Steuerrecht. Allerdings wird die Deckungsvorsorge durch Aufstockung der so genannten zweiten Tranche oder einer gleichwertigen Regelung auf einen Betrag von 5 Milliarden Mark erhöht.“

Unter „Deckungsvorsorge“ wird die gesetzlich beschränkte Haftpflicht bei einem „nuklearen Ereignis“, wie es im Atomgesetzt genannt wird, verstanden. Der Betreiber muss nur für einen Bruchteil des Schadens aufkommen. Besonders brisant: „Die EVUs (Energieversorgungsunternehmen) errichten so zügig wie möglich an den Standorten der KKW oder in deren Nähe Zwischenlager.“ Die Lagerung am Standort vermindert die Zahl unpopulärer Atomtransporte, erhöht aber, wie derzeit in Japan zu sehen ist, die Gefahr im Fall einer Katastrophe.

Schmeicheln Sie uns!

Falls Sie Ihre Wertschätzung für unsere Website ausdrücken möchten, können Sie dies mithilfe des Mikro-Bezahlsystems Flattr tun. Benutzen Sie einfach den folgenden Button:

Mehr Informationen auf flattr.com

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …