Herrschaftskritische Sommeruni
Missy Magazin
Kürzliche Beiträge
5. Juni 2013, 13.11 Uhr:

Judentum als Opium des Volkes

von Thomas von der Osten-Sacken

Dank Herrn Posener ist endlich aufgedeckt, was es mit den Antideutschen so auf sich hat und klargestellt, dass nicht die Religion, sondern das Judentum, von Marx als Opium des Volkes bezeichnet wurde.

Eine äußerst lehrreiche Morgenlektüre:

“Treibendes Motiv der Sekte ist nicht die Solidarität mit Israel oder gar dem Judentum, schon gar nicht der Wunsch nach deutsch-israelischer Freundschaft, sondern der Hass auf die bürgerliche Gesellschaft im allgemeinen und die deutsche im besonderen. Israel ist nur der Knüppel, mit dem die “Antideutschen” ihre vermeintlich unausrottbar antisemitischen Landsleute schlagen wollen. Als kapitalistisches Land wird Israel aber, wenn es zum Armageddon der Antideutschen kommt, zusammen mit dem Judentum als Opium des Volkes so sicher untergehen wie in den Fieberfantasien des Apokalyptikers Hagee.”

10. Mai 2013, 18.01 Uhr:

Allein am Mittagstisch

von Jörn Schulz

„Die Welt ist ein Irrenhaus“, wusste bereits Cicero. Die nach ihm benannte Zeitschrift tritt immer wieder an, dies zu beweisen. „In den Verlagshäusern und Rundfunkanstalten werden derzeit die Alt- und Jung-68er von der Generation Greenpeace abgelöst. Sie ist mit der ständigen Apokalypse aufgewachsen. Der grüne Alarmismus ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. Das ist viel schlimmer als eine Gleichschaltung, wie man sie aus autoritären Staaten kennt:“ Ja, was ist schon ein Umerziehungslager in Nordkorea im Vergleich zu dem gnadenlosen Terror, dem Menschen wie Bok ausgesetzt sind: „Wer in einer Redaktion hingegen als ‚neoliberal’ oder – noch schlimmer – als ‚konservativ’ eingestuft wird, sitzt am Mittagstisch bald alleine.“

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9. Mai 2013, 01.12 Uhr:

Boycott yourself

von Thomas von der Osten-Sacken

Heute machte es Schlagzeilen. Stephen Hawking, schließt sich, scheinbar ist das gerade in Großbritannien mächtig en vogue, der unseligen  Boykott-Kampagne gegen Israel an und nimmt, auch weil palästinensische Kollegen ihm dies dringend geraten hätten, nicht an einer Konferenz in Jerusalem teil.

Die Reaktion von Nitsana Darshan-Leitner, der Direktorin des Shurat HaDin – Israel Law Center:

“His whole computer-based communication system runs on a chip designed by Israel’s Intel team. I suggest that if he truly wants to pull out of Israel, he should also pull out his Intel Core i7 from his tablet.”

8. Mai 2013, 16.34 Uhr:

Freimütige Deppen-Parade

von Jörn Schulz

Wer das Bild des Blutsaugers am gesunden Volkskörper beschwört, also etwa Jürgen Trittin „Graf Dracula für den Mittelstand“ nennt, bewegt, sich, milde ausgedrückt, in gefährlicher Nähe zu antisemitischen Ressentiments. Wenn er ein ernstzunehmender Erwachsener ist. Aber wir sprechen von Rainer Brüderle und seiner Comedy-Truppe. Nun wurde das ohnehin dürftige Niveau der deutschen Comedy hier noch einmal unterboten, aber das Dargebotene muss ja für die Anwesenden verständlich sein. Das Projekt 18 wurde oft fehlinterpretiert, in Wahrheit soll es die Hoffnung der FDP-Mitglieder ausdrücken, dass sie irgendwann doch noch erwachsen werden. Das Kasperletheater war also dem Anlass angemessen.

So gab Philipp Rösler Auskunft über seinen literarischen Horizont und nannte Jürgen Trittin „den bösen Räuber Hotzenplotz für alle in Deutschland“. So, dem bösen, bösen Jürgen haben wir es aber gegeben. Und nun muss der kleine Träumer schnell ins Bett. Weil der Philipp so brav war, liest ihm der Onkel Rainer noch eine Gute-Nacht-Geschichte vor, falls er noch nüchtern genug ist. Aber, lieber Philipp: bis zur Bundestagswahl 2017 lesen wir auch mal was Anspruchsvolleres, nicht wahr? Vielleicht wagen wir uns sogar an ein Buch von Karl May heran? Immer schön fleißig lernen, dann darfst du das Taka-Tuka-Land regieren, wenn du mal groß bist!

Die skurrile Veranstaltung lässt nicht nur Sorge aufkommen, ob für die FDP-Abgeordneten genug Kita-Plätze vorhanden sind, falls sie im Bundestag nicht mehr unterkommen. Man fragt sich auch, wie die FDP und ihr Spitzenpersonal in die Welt der Märchen, Mysterien und Schauergeschichten einzuordnen wären. Brüderle erinnert mich ja ein wenig an den Froschkönig, obwohl ich bezweifle, dass er sich in einen Prinzen verwandelt, wenn man ihn an die Wand wirft. Aber als der „garstige Frosch“ aufdringlich wurde, fürchtete sich die Königstochter „vor dem kalten Frosch, sie getraute sich nicht ihn anzurühren und nun sollte er bei ihr in ihrem Bett liegen, sie fing an zu weinen und wollte durchaus nicht“. Das erinnert doch irgendwie an eine im Stern beschriebene Episode aus dem Leben Brüderles. Das Märchen endet übrigens mit einer Zwangsheirat auf Befehl des Königs. Da haben Sie nochmal Glück gehabt, Frau Himmelreich, dass Deutschland keine Monarchie mehr ist!

Wendet man sich der Welt der modernen Märchen zu, könnte man die FDP als Jar Jar Binks betrachten: sie stolpert von Panne zu Panne und redet nur wirres Zeug, aber am Ende sitzt sie dennoch im Parlament und entscheidet sogar, welche Vollmachten der Kanzler hat. Da die Partei aber ohne Zweifel der dunklen Seite der Macht verfallen ist, sollte man Parallelen wohl eher in der Welt der Untoten suchen. Man könnte die FDP als Zombie betrachtet: Niemand kennt den Grund ihrer Existenz, niemand weiß, warum sie den Menschen das Hirn aussaugen will, aber ihre Grauen erregende Präsenz ist nicht zu leugnen, und sie ist einfach nicht totzukriegen.

6. Mai 2013, 12.43 Uhr:

Des einen Freud, des anderen Leid

von Jörn Schulz

Endlich sagt es mal einer. Es ist ja keine ganz neue Nachricht, dass es einen Zusammenhang zwischen reaktionärem Geschwätz und Sexualneurosen gibt, aber es ist doch schön, dass man sich bei der „Achse des Guten“ nun endlich zur Kastrationsangst bekennt.

4. Mai 2013, 12.30 Uhr:

"Gib Gas" im Herzen Europas

von Thomas von der Osten-Sacken

“Ungarn - Das Land im Herzen Europas” - so wirbt ein Reiseveranstalter. Aus diesem Herzen  berichtet Pusztaranger:

Die ursprünglich per Dekret von Viktor Orbán verbotene “antizionistische” Jobbik-Gegendemo zur Jahresversammlung des Jüdischen Weltkongresses in Budapest darf morgen doch stattfinden. Das Hauptstädtische Verwaltungs- und Arbeitsgericht hat das Verbot der Polizei außer Kraft gesetzt. Der Demo wollen sich auch die Jobbik-nahen “National gesinnten Biker” anschließen, deren Motorradkorso “Gib Gas!” zur Holocaust-Gedenkveranstaltung “Marsch des Lebens” ebenfalls per Dekret von Viktor Orbán verboten wurde. (…)

Tatsächlich hat allem Anschein nach der noch funktionierende ungarische Rechtsstaat (?) aktuell dafür gesorgt, dass rassistische und antisemitische Parolen im öffentlichen Raum ungehindert verbreitet werden können:

Die ursprünglich verbotene “antizionistische” Jobbik-Gegendemo zur Jahresversammlung des Jüdischen Weltkongresses in Budapest darf morgen doch stattfinden. Das Hauptstädtische Verwaltungs- und Arbeitsgericht hat das auf Veranlassung von Viktor Orbán erfolgte Verbot der Polizei heute außer Kraft gesetzt. (atv) Der Ministerpräsident hat sich deswegen an den Innenminister und an das Oberste Gericht gewandt. (Magyar Hirlap)

 

3. Mai 2013, 17.36 Uhr:

Breaking News: Die Wahrheit über die S-Bahn-Anschläge

von Jörn Schulz

Folgendes Abhörprotokoll, aufgenommen offenbar in den vergangenen Tagen in der Vorstandsetage der Deutschen Bahn AG, wurde der Redaktion zugespielt. Zu erkennen sind die Stimmen von Rüdiger Grube, dem Vorstandsvorsitzenden, und Volker Kefer, Vorstand für Technik, Systemverbund und Dienstleistungen.

Grube: „So geht das nicht weiter. In Berlin ist schon wieder alles zusammengebrochen bei der S-Bahn. Mit dem Schneefall können wir uns diesmal nicht herausreden. Und mit der Hitze auch nicht. Was sollen wir tun?“
Kefer: „Vielleicht sollten wir doch die Züge hin und wieder warten. Sie wissen schon: ‚an efficient service provider of local and regional transport in and around Berlin…’”
Grube: „Für blöde Witz ist die Lage zu ernst. Aber wenn wir den Wowi mit zwei Flaschen Champagner abfüllen, vielleicht übernimmt er dann die Verantwortung. Dem kann doch jetzt eh alles egal sein…“
Kefer: „Selbst wenn, dem glaubt doch keiner mehr was, noch nicht einmal, dass er an irgendwas die Schuld hat.“
Grube: „Hmm. Also was anderes. Starker Pollenflug verstopfte die…nee, ist wohl nicht so gut. Ist nicht wenigstens in Island ein Vulkan ausgebrochen? Aus Sicherheitsgründen musste nach dem Ausbruch des Römpömpömpöm der Bahnverkehr eingestellt werden, weil… weil…“
Kefer: „Wir geben den Chaoten die Schuld!“
Grube: „Also wissen Sie, so redet man doch wirklich nicht über seine Vorstandskollegen.“
Kefer: „Nein, nein, ich meine doch die Linken. Wir schreiben sofort einen Bekennerbrief. Wir fangen an mit Mexiko!“
Grube: „Mexiko?“
Kefer: „Ja, Mexiko: ‚Der Tag, der Tag war, wurde Nacht, und die Nacht wird der Tag sein, der Tag sein wird.’”
Grube: „Hää?“
Kefer: „Die Erde dreht sich.“
Grube: „Ach so.“
Kefer: „Kryptischer Anfang. Das ist wichtig. Wirkt geistreich. Und dann weiter: ‚Wir unterbrechen mit unserer Aktion den Fluss der Mobilität und der Telekommunikation und damit den für Kapitalverwertung und Profitmaximierung notwendigen dynamischen Zustand, der die Menschen als Material mit Konsumenten- und Produzenteneigenschaften notwendigerweise eingewoben hält im beschissenen Gesamtzusammenhang.’“
Grube: „Aus dieser Perspektive habe ich unsere Arbeit noch nie betrachtet. Hmm. Da könnte was dran sein. Aber sollten wir das so offen sagen? Ich glaube, an der Börse kommt das nicht gut an.“
Kefer: „Herrrr Grrube, wir unterschreiben das doch nicht selbst!“
Grube: „Ach ja, richtig. Aber wer unterschreibt dann?“
Kefer: „Na, ein isländischer Vulkan natürlich!“
Grube: „Häää?“
Kefer: „Hab ich doch gesagt: Kryptisch muss es sein, damit die Leute es nicht kapieren und glauben, es sei geistreich. So wie in: ‚Der Einklang der drei Dimensionen Ökonomie, Soziales und Ökologie findet sich nun auch im Leitbild wieder.’ Kein Mensch weiß, warum Ökonomie, Soziales und Ökologie auf einmal Dimensionen sein sollen und was man sich unter so einem Einklang der Dimensionen vorzustellen hat, aber es klingt harmonisch und die Leute glauben, wir hätten uns was dabei gedacht.“
Grube: „OK, kommt das auch in diesen Bekennerbrief?“
Kefer: „Besser nicht, das steht schon auf unserer Homepage. Also, Vulkan Grimsvötn, es muss ja diesmal ein anderer sein…“
Grube: „Was, Sie haben das schon mal gemacht? Ohne Absprache?“
Kefer: „Dafür war keine Zeit, aber hören Sie doch mal: ‚Es liegen Mehrfachsicherungen vor. Bei technischen Störungen werden alle Signale auf rot gestellt. Zudem ist das Signal als solches auch bei Stromausfall erkennbar, z.B. als Tafel. Für solch einen Fall sind klare Regeln vorgeschrieben. Ohne Erlaubnis vom zuständigen Fahrdienstleiter darf nicht weiter gefahren werden. Den LokführerInnen stehen zur Sicherheit zwei Kommunikationswege zu ihrer Verfügung (Funk und Diensthandy). Fallen beide aus, weil es einen Totalausfall der internen Kommunikation gibt, darf kein Zug mehr weiterfahren. Der hintere Anschnitt wird automatisch gesperrt. Züge können nicht aufeinander auffahren. Ohne Erlaubnis wird nicht mehr gefahren.’“
Grube: „Das hätte ich nicht schöner formulieren können.“
Kefer: „Ja, aber wer hätte Ihnen das geglaubt? So etwas nennt man Guerilla-Marketing.“
Grube: „Das könnte unser neuer Werbeslogan werden: Ob Krieg, ob Sturm, ob gar Vulkan - immer sicher in der Bahn.“
Kefer: „Es sei denn, sie fährt ausnahmsweise.“
Grube: „Noch so ein blöder Witz, und Sie werden zu Berlin Brandenburg Airport versetzt!“

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