Schlüppis
Neues Deutschland-Banner
Kürzliche Beiträge
17. Oktober 2011, 10.10 Uhr:

Nicht links und nicht rechts. Aber unheimlich wütend

von Thomas von der Osten-Sacken

Wenn Heribert Prantl gegen den zügellosen Kapitalismus losschreibt und eine gewaltige Lanze für eine Bewegung bricht, die kürzlich im Handelsblatt als “Finanzmarktkritiker” bezeichnet wurde, also für Leute, die in bester antikapitalistischer Tradition gegen das Finanzkapital mobilisieren, dann spätestens sollte klar sein, um was es sich da handelt:

David gegen Goliath, 1 versus 99 Prozent, die Menschen gegen das Finanzsystem: Der weltweite Protest ist nicht typisch links oder rechts - es bildet sich eine europäische Öffentlichkeit, die ihren Zorn auf das System nicht einfach runterschlucken wird. Anstatt den Hindukusch zu verteidigen, gilt jetzt auch in Deutschland: die Demokratie gegen die Gier der Märkte zu verteidigen. (…)

Die Davids der Welt wollen nicht mehr dabei zusehen, wie mit den Millionen und Milliarden der Steuerzahler die Banken saniert und die Löcher in den Autobahnen des Finanzkapitalismus nur zur weiteren Raserei geflickt werden: Die Davids rufen daher nach neuen Verkehrsregeln, nach Geschwindigkeitsbeschränkungen, nach Zulassungsvoraussetzungen und nach einem TÜV für die Vehikel, die auf diesen internationalen Autobahnen verkehren.

Die letzte deutsch-europäische Erweckungsbewegung, die weder links noch rechts, dafür aber unheimlich wütend war, das nur zur Erinnerung, hatten die Herren Habermas und Derrida im Früjahr 2003 ausgemacht. Damals ging es gegen den Irakkrieg. Deshalb muss Prantl auch den Hindukusch ins Spiel bringen, den zwar niemand zu verteidigen braucht, den gibt es nämlich schon ein paar Millionen Jahre länger als den  globalen Kapitalismus, aber sei’s drum, es klingt gut und noch jede deutsche Massenbewegung muss, will sie zumindest partiell erfolgreich sein, ihren Antikapitalismus mit Friedenssehnsucht zu synthestisieren verstehen.

Am Ende wollen sie immer nur den starken Souverän, weshalb ihnen ein Wolfgang Schäuble auch gleich seine Sympathien bekundet und die Kollegen in den USA, von denen man das ganze Spektakel nur abgekupfert hat, eigene Ideen pflegen deutsche Erweckungsbewegungen in der Regel nämlich nicht zu entwickeln, haben zudem ein, gelinde gesagt, virulentes Antisemitismusproblem, wie Seth Weiss schon vor einiger Zeit in einem Artikel für die Marxist-Humanist Initiative bemerkte, eine Bobachtung, deren Richtigkeit von dieser Dame leider eindrucksvoll bestätigt wird:

(Und hier hat dankenswerterweise der Betreiber des Blogs “Reflexion” sich der Mühe unterzogen, einen etwas genaueren Blick auf die Demonstrationen und Demonstranten der letzten Tage zu werfen.)

10. Oktober 2011, 13.21 Uhr:

Spaßbremse Kapitalismus

von Thomas von der Osten-Sacken

Man muß den  Kommunitarismus deshalb jetzt nicht plötzlich mögen, aber dieser Satz von Amitai Etzioni verdient, unbedingt in die Sammlung erinnerungswürdiger Zitate aufgenommen zu werden:

Keiner hat mehr Spaß am Kapitalismus, ausgenommen China.

8. Oktober 2011, 20.59 Uhr:

Transparenz neu erfunden

von Holger Hegmanns

Der fränkische Webhoster Hetzner Online gab am Donnerstag massive Sicherheitsprobleme bei seinen Systemen bekannt. Betroffen davon waren unter anderem der so genannte Registration Robot. Über dieses Fontend ist es möglich, neben der Registrierung von Domain Namen und der Verwaltung von DNS-Informationen auch andere administrative Aufgaben an der angemieteten Hardware vorzunehmen.

Die Jungle World, als Kundin von Hetzner Online und Nutzerin des Registration Robots, hat unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Vorfalls eigene Untersuchungen angestellt. Zu den möglichen Angriffsszenarien im Falle einer Kompromittierung des Robot-Kennworts gehört der Neustart des verwalteten Root-Servers und die Manipulation des zu Backup Zwecken bereitgestellten FTP-Servers. Sensible Informationen Dritter sind im Registration Robot nicht hinterlegt.

Für einen möglichen, nicht von uns initiierten Neustart des Jungle-World-Servers, gab eine sorgfältige Prüfung keine Anhaltspunkte. Denkbar wäre hierbei, mit einem Rettungssystem zu starten und damit vollständige Kontrolle über die angemietete Maschine zu erlangen.

Der Backup-FTP-Server kann über das Frontend des Robots nur eingeschränkt manipuliert werden. Das Ausspähen der Zugangspassworts ist nicht möglich, nur das Überschreiben selbigens. Auch hier deutet nichts auf eine Anomalie hin; Der Account ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt integer. Nicht ausgeschlossen werden kann eine Kompromittierung der Account-Daten durch Schwachstellen anderer Systeme bei Hetzner, die nicht unter unserer Kontrolle stehen. Die auf dem FTP-Server gespeicherten Backup-Daten der Jungle World liegen aber nach dem OpenPGP-Standard verschlüsselt vor. Ein eventueller Einbruch ermöglichte nur eine quantitative Analyse der Daten, keine qualitative.

Mehr Informationen zum Thema und neueste Entwicklungen finden Sie unter www.hetzner-status.de/

23. September 2011, 10.51 Uhr:

Relativitätstheorie falsch?

von Thomas von der Osten-Sacken

Jetzt auch noch das:

Wissenschafter am Europäischen Kernforschungsinstitut Cern haben nach eigenen Angaben subatomare Teilchen registriert, die sich schneller als Licht bewegen. Sollte dies zutreffen, würde es einen der wichtigsten Grundpfeiler der Physik zum Einsturz bringen. (…)

Sollte sich das Ergebnis tatsächlich bestätigen, würde das die in wissenschaftlichen Kreisen weithin akzeptierte Einsteinsche Relativitätstheorie in ihren Grundfesten erschüttern.

Immerhin können sich die Apologeten der freien Marktwirtschaft dieser Tage einmal ein ganz wenig freuen: nicht nur ihr Theoriegebäude droht dieser Tage final einzustürzen.

22. September 2011, 17.05 Uhr:

Lichtschwerter zu Taschenlampen!

von Jörn Schulz

„Religionsführer im Bundestag“ titelte die Taz zu einem Bild Yodas, worüber sich der CSU-Politiker Thomas Goppel („Hetzkampagne“) pflichtgemäß empörte. Widersprechen muss man aber auch Reiner Metzger, dem stellvertretenden Chefredakteur der Taz, der glaubt, dass „Meister Yoda als der geistige Vater des wohlmeinenden Jedi-Ordens“ gelten sollte. In Wahrheit muss man die Jedi den verfassungsfeindlichen Organisationen zurechnen und ein Aussteigerprogramm anbieten.

Der Geheimorden, der seinen Mitgliedern eine zölibatäre Existenz aufzwingt, ist sogar noch reformunfähiger als die katholische Kirche. Anakin Skywalker darf zwar unzählige Humanoide und Androiden mit dem Laserschwert zerstückeln, aber seine Padmé lieben darf er nicht – kein Wunder, dass er der dunklen Seite der Macht verfällt. Der vollständig integrationsunwillige Orden ignoriert das staatliche Gewaltmonopol, rekrutiert Kinder aufgrund biologistischer Kriterien und gibt ihnen früher Waffen in die Hand als Sarah Palin den ihren – andere Leute sitzen wegen solcher Vergehen in einer Zelle in Den Haag. Für Kriegsverbrechen wie das Massaker an den Tusken amnestieren die Jedi sich selbst, 500 Jahre später gibt’s dann vielleicht eine halbherzige Entschuldigung wegen der Ausrottung der Indigenen auf Tatooine.

Wie der Papst mischt Yoda sich ohne demokratische Legitimation in die Angelegenheiten der Republik ein. Es sei auch daran erinnert, dass Jedi und Sith Anhänger einer Religion sind, die sie nur verschieden interpretieren. Multi-Kulti-Gutaliens behaupten dann, die Anbetung der Macht sei an sich eine völlig harmlose Angelegenheit, die nur von einigen Extremisten missbraucht wird. Doch statt sich wenigsten nach 30 Jahren zu so etwas wie dem Westfälischen Frieden durchzuringen, zerstückeln die Anbeter der Macht einander munter weiter.

Betrachtet man die Überlieferung, muss man überdies sagen, dass Darth Vaders Lehren denen des Papstes näher kommen. Denn „Ich bin euer Vater“ und „Ich finde euren Mangel an Glauben beklagenswert“ dürften die Kernaussagen Benedikt XVI. bei seinem Deutschland-Besuch sein. Yoda hingegen, der in 900 Jahren nur wenig über Satzbau gelernt hat, könnte Pressesprecher der Berliner CDU werden.

 

15. September 2011, 02.49 Uhr:

The stars look very different today

von Jörn Schulz

Wenn ein Gruppe von Menschen auf engem Raum zusammenlebt, kann es zu Konflikten kommen. Wie bei der simulierten Mars-Mission. Auf unsere erste extraterrestrische Ausgabe werden Sie wohl noch eine Weile warten müssen, aber auch bei kürzeren Missionen kann es zu Meinungsverschiedenheiten kommen, zum Beispiel wenn es um die Musikauswahl geht. Das führte uns heute zu der Frage: „Was war die erste Platte, die du von deinem eigenen Geld gekauft/aus eigenem Antrieb geklaut hast?” In meinem Fall war es eine Platte von T.Rex, ich weiß nicht mehr genau welche, aber es war „Children of the Revolution” drauf. Ansonsten: Scott Joplin (den kennen Sie auch, er hat „The Entertainer” geschrieben), Madonna („True Blue"), die Fat Boys („The Twist"), Abstürzende Brieftauben („Das Grauen ist in deiner Stadt"), Matchbox („Rockabilly Devil") und Tocotronic („Digital ist besser"), wie ein unvollständige Umfrage ergab. Wie Sie unschwer erkennen können, werden hier Altersunterschiede deutlich („Platte? Was’n das?"), wobei ich hinzufügen möchte, dass der Kollege, der die Scott Joplin-Platte erwarb, kein Zeitgenosse des bereits 1917 verstorbenen Künstlers ist.

An dieser Stelle daher ein Empfehlung an die Nasa und alle anderen, die lange Weltraummissionen planen: Stellen Sie sicher, dass eine ausreichende Auswahl an Musik für jedweden Geschmack an Bord ist. Sonst werden Sie irgendwann hören: “This is Major Tom to Ground Control / I’m stepping through the door / And I’m floating in a most peculiar way / And the stars look very different today.”

14. September 2011, 03.26 Uhr:

Das Leben ist kein Ponyhof

von Jörn Schulz

Abgesehen vom Hund dürfte das Pferd das wichtigste Haustier des Menschen sein. Gewesen sein, müsste man im Fall des Pferdes wohl sagen, denn als Nutztier ist das Pferd kaum noch von Bedeutung, und für die Haltung in der Großstadt ist es nun einmal zu groß. Historisch betrachtet genoss es aber wohl größere Wertschätzung, obwohl es häufiger verspeist wurde. Zumindest taugt es offenbar nicht für eine Beleidigung, man würde niemanden „du Pferd” oder „Pferdesohn” nennen, es ist auch unüblich, von „pferdischem Gehorsam” zu sprechen, obwohl man Pferden erstaunliche Dinge beibringen kann, wie ich heute beobachten konnte.

Mehr Bücher wurden über Pferde wohl auch geschrieben, und ich spreche jetzt nicht von Werken wie „Dick und Dalli und die Ponies". Der vermutlich erste Pferdetheoretiker war Xenophon, über dessen „Peri hippikés” heute noch gestritten wird - mehr als 2350 Jahre nach der Erstveröffentlichung. Die Reitkunst war damals hauptsächlich ein Zweig der Kriegskunst, und diese diente auch dazu, dem Krieger Ruhm und Nachruhm zu verschaffen. Man wollte beim Abschlachten eine gute Figur machen, und dabei half das Pferd: „Wenn man nun das Pferd in die Haltung bringt, in die es sich zur Selbstdarstellung wirft, wenn es sich am meisten in seiner Schönheit zeigen will, so wird man auf diese Weise sein Pferd als eines vorführen, das am Reiten Freude hat, prächtig und gewaltig aussieht und die Blicke auf sich zieht.” Und natürlich auf seinen Reiter, wie man noch heute an vielen entsprechenden Denkmälern erkennen kann.

Interessant ist, dass Xenophon, der den größten Teil seines Lebens mit der Kriegführung verbrachte, beim Umgang mit Pferden zur Gelassenheit riet und Belohnungen statt Strafen befürwortete: „Erziehe dich dazu, in jedem Fall Ruhe zu bewahren und deine Emotionen zu kontrollieren. Gib Zornesausbrüchen keinen Raum.” Erzählen Sie das mal einem Drill Seargant. Einen Menschen kann man schon nach wenigen Tagen Ausbildung in den Krieg schicken, bei einem Pferd geht das nicht. Pferde sind nämlich schwerer zu dressieren als Menschen. Ein Lipizzaner hat eine ebenso lange Ausbildungszeit wie ein Gymnasiast in Deutschland. Das Leben ist eben kein Ponyhof.






Schmeicheln Sie uns!

Falls Sie Ihre Wertschätzung für unsere Website ausdrücken möchten, können Sie dies mithilfe des Mikro-Bezahlsystems Flattr tun. Benutzen Sie einfach den folgenden Button:

Mehr Informationen auf flattr.com

RM16

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …