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Kürzliche Beiträge
4. Januar 2013, 17.55 Uhr:

Lost in translation

von Jörn Schulz

„Das Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles hat den linksliberalen Publizisten Jakob Augstein kürzlich auf Platz neun der gefährlichsten Antisemiten weltweit verortet.“ „Die Nominierung von Jakob Augstein auf Platz neun der Liste der zehn schlimmsten Antisemiten ist ein schwerer intellektueller und strategischer Fehler des Simon Wiesenthal Centers (SWC).“

Schaut keiner nach? Ist gerade kein Wörterbuch zur Hand? So schwer ist es doch eigentlich nicht. „SWC’s 2012 Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs: Mainstream Anti-Semitism Threatens World Peace”, danach muss man auf der Homepage des Simon Wiesenthal Center nicht lange suchen. Es handelt sich also um eine Rangliste der Verunglimpfungen oder auch Verleumdungen, in der explizit nicht allein die „schlimmsten“, also die offensten Vernichtungsdrohungen berücksichtigt werden, und nicht um ein Ranking der gefährlichsten Feinde Israels oder der Juden. Ob die plakative Zusammenführung von iranischen Atombombenbastlern, einem brasilianischen Cartoonisten, einem deutschen Publizisten, Muslimbrüdern, einem reaktionären afro-amerikanischen Politiker und europäischen Fußballfans wirklich zur Aufklärung über die Gefahr des „Ich habe doch nichts gegen die Juden, aber…“-Antisemitismus beiträgt, wäre die eigentlich interessante Frage. Für die hat aber vor lauter Empörung gerade niemand Zeit.

2. Januar 2013, 01.15 Uhr:

Der Kardinal spricht

von Thomas von der Osten-Sacken

Kardinal Schönborn beginnt das neue Jahr mit ganz tiefsinnigen Gedanken:

Es wäre schön, wenn der Schutz des ungeborenen Lebens mit ebensolchem Eifer gefördert wurde, wie der Schutz der Vorhaut gefordert wurde

19. Dezember 2012, 18.51 Uhr:

Das Schmetterlingssyndrom

von Jörn Schulz

Es gibt noch eine andere Art, den Massenmord von Newtown zu deuten: die Feministinnen haben schuld. „Die Tatorte sind allesamt Schulen, die Täter allesamt junge Männer. (…) Schule ist für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden. Sie fühlen sich dort unwohl, nicht ernst genommen, schlecht behandelt und schlechter benotet als Mädchen“, schreibt Walter Hollstein im Tagesspiegel.

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18. Dezember 2012, 19.24 Uhr:

Kein Mitleid

von Jörn Schulz

Der Täter war weiß und stammte aus einer wohlhabenden Familie. Deshalb scheint das Massaker von Newtown viele Journalisten zu überfordern. Einer aus unserer Mitte? Da muss sich doch was finden lassen. Ha! Ein paar Leute in Newton haben gemutmaßt, Adam Lanza sei ein Asperger-Autist gewesen. Na also, geht doch: „Eiskalt. Ohne Gefühl. Kein Mitleid. Bild.de erklärt das Asperger-Syndrom.“ Aber auch in seriöseren Publikationen werden Autismus und Persönlichkeitsstörung munter durcheinandergebracht und Klischees verbreitet. Eine aktuelle Medienkritik gibt es im Blog quergedachtes.

So bestätigt sich leider die mehr als vier Jahre alte Vorhersage unserer Autorin Rebecca Maskos: „Der Autismus scheint ein Paradebeispiel dafür zu werden, wie leicht sich eine Behinderung diskursiv konstruieren und mystifizieren lässt.“ In diesem Text geht es unter anderem um unterschiedliche Sichtweisen auf den Autismus und „Autism Pride“, eine Bewegung, die Akzeptanz statt „Heilung“ fordert. Die derzeit gängige Ausgrenzung und Dämonisierung dürfte diesem Anliegen nicht dienlich sein. Und der Verdacht, dass die Mehrheitsgesellschaft ihre für Karriere und Konkurrenzkampf unerlässliche, aber ungern eingestandene Gefühlskälte auf eine Minderheit projiziert, ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen.

8. Dezember 2012, 16.57 Uhr:

Exportweltmeister als Judenschuetzer

von Thomas von der Osten-Sacken

Man kann dem Volker Kauder schon ein wenig dankbar sein, wenn er wenigstens offen zugibt, Ziel des Irans sei es, “die Juden ins Meer zu treiben", also Israel zu vernichten, wenn moeglich nuklear. Oft hoert man es nicht so deutlich aus den Reihen dieser Regierung, die bislang noch alles unternommen hat, damit weder Israel oder die USA den Iran gewaltsam soweit abruesten, dass dieses Ziel in etwas weitere Ferne rueckt.

Stattdessen tingeln regelmaessig deutsche Parlamentsdelegationen zu den Ayatollahs und blueht, trotz Sanktionen, der bilaterale Handel, und zu jeder Gelegenheit wird betont, dass einzig Dialog der Weg sei, um mit dem Iran voranzukommen. Als passendes Hintergrundrauschen entwickeln deutsche Stiftungen dann noch Grundsatzpapiere ueber deutsch-iranische strategische Partnerschaften in Eurasien.

Aber der Schein truegt ja nur: in Wahrheit naemlich geht Deutschland einen ganz eigenen Weg, um die bedrohte  Existenz Israels vor nuklearer Ausloeschung zu bewahren. Es liefert naemlich fuer Milliarden Panzer an Saudi Arabien. Und Kauder erklaert auch warum:

„Es ist eine bittere Ironie: Die Saudis mögen selbst judenfeindlich sein, aber sie sorgen auch dafür, dass der Iran die Juden nicht ins Meer treiben kann“, sagte Kauder weiter.

Man verdient an den einen Antisemiten, Frauenunterdrueckern und Handabhackern sich eine goldene Nase und legitimiert den schmutzigen Deal auch noch als gute Tat.  In Deutschland naemlich gilt, anders als im angloamerikanischen Kapitalismus, dass Geldverdienen alleine kein Wert ist, sondern immer auch die Gesinnung stimmen muss.

Wie die Saudis mit deutschen Panzern den iranischen Atombombenbau aufhalten sollten, waere dabei eine ganz andere Frage. Dass dem Iran recht leicht ganz anders das Handwerk zu legen waere, nur verdiente der Exportweltmeister Deutschland daran eben nichts, sondern muesste gar noch Verluste hinnehmen, die Idee kommt dem selbsternannten Judenfreund Kauder gar nicht.

 

5. Dezember 2012, 17.50 Uhr:

Gefahr aus dem All

von Jörn Schulz

Würden Sie 30 Millionen Dollar dafür ausgeben, dass jemand irgendwo herunterhüpft? Vermutlich nicht, dennoch sind bislang wenig Zweifel daran geäußert worden, dass der Red-Bull-Agent Felix Baumgartner einfach nur so aus 39 Kilometer Höhe gesprungen ist. Wer so naiv ist, das zu glauben, glaubt wahrscheinlich auch, dass al-Qaida für 9/11 verantwortlich war. Aber schauen Sie sich die Fotos und Videos nochmal an: Man sieht nur nach unten. Was aber ist über Baumgartner? Was hat Red Bull wirklich in den Weltraum geschossen? Vom Verbleib des angeblichen Ballons hat mein seither ja nichts mehr gehört…

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29. November 2012, 12.59 Uhr:

Extremismus à la russe

von Ute Weinmann

Wer sich gerne noch einmal auf YouTube den Videoclip von der Aktion der Punk-Aktionskünstlerinnen von Pussy Riot im Februar 2012 in der Moskauer Erlöserkathedrale ansehen möchte, sollte sich beeilen. Heute stufte ein Moskauer Gericht den Clip als „extremistisch“ ein und veranlasste die Blockierung praktisch aller bisher im Internet veröffentlichten Videoaufnahmen der Perfomances von Pussy Riot.

Bemerkenswert sind die Schlussfolgerungen aus den vorgelegten Gutachten. Da ist die Rede von „versteckten Aufrufen zu solchen Handlungen, wie die Organisierung von Massenunruhen auf Plätzen, wie Occupy Wall Street oder in arabischen Ländern“. Das Russische Institut für Kulturwissenschaft will in besagtem Videoclip gar den „Aufruf zur Arbeit mit den Strafverfolgungsbehörden mit dem Ziel, einen Teil dessen Angehöriger auf die eigene Seite zu ziehen“ bemerkt haben. Dass der Punk-Auftritt in der Kirche die Gefühle Gläubiger verletzt habe, ist ja bereits hinreichend bekannt. Für die sorgfältige und von Fachkenntnis geprägte Überprüfung der skandalträchtigen Videos sorgte Alexander Starowojtow, Dumaabgeordneter der Zhirinowskij-Partei LDPR mit einem Antrag an die Staatsanwaltschaft.

Zwei der drei im August wegen der gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichteten Performance vor Gericht gestellten Frauen von Pussy Riot, Nadezhda Tolokonnikowa und Maria Aljochina, verbüßen derzeit ihre zweijährigen Haftstrafen in russischen Strafkolonien. Deren Ruhm macht den Gefängnisleitungen jedoch zu schaffen. Nach Drohungen, Beleidigungen und Angriffen seitens ihrer Mithäftlinge sah sich Maria gezwungen, die Leitung um Schutz zu bitten. Dieser Schritt ist äußerst riskant, denn jegliche Ermittlungsmassnahmen zur Klärung des Sachverhalts wirken sich in der „Zone“, wie die Kolonien auch genannt werden, in der Regel am Ende gegen die Hilfesuchenden aus. Vorerst kann sich Maria Aljochina nur in Begleitung des Gefängnispersonals auf dem Gelände der Strafkolonie bewegen. Allerdings gilt die im Permer Gebiet gelegene Zone als vorbildliche „rote Kolonie“, in der der gesamte Ablauf im Unterschied zu vielen anderen komplett durch die Gefängnisleitung bestimmt wird. Sprich, es ist anzunehmen, dass diese die Angriffe auf ihre berühmteste Insassin selbst initiiert hat, um Maria dazu zu bewegen, einen Antrag auf Verlegung in eine andere Strafkolonie zu stellen.

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