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Kürzliche Beiträge
7. März 2012, 17.04 Uhr:

No "no off day" in Singapore

von Ivo Bozic

Gute Nachricht aus Singapur! Die Zeiten, in denen dort Hausmädchen in Kleinanzeigen mit dem Versprechen »No off day!« angeboten werden, scheinen bald vorbei zu sein. Die rund 206.000 Hausangestellten sollen ab Januar 2013 tatsächlich einen freien Tag pro Woche erhalten. Das hat Arbeitsminister Tan Chuan-Jin angekündigt. Das Parlament muss noch zustimmen.

Bisher haben die Maids in Singapur, von einem vierwöchigen Urlaub pro Jahr abgesehen, gar kein Recht auf Freizeit. Nur zwölf Prozent von ihnen hat bisher tatsächlich einen freien Tag in der Woche. Das bedeutet, dass die meisten Hausangestellten in der Regel sieben Tage die Woche, 14 Stunden täglich für ihre „Arbeitgeber“ im Einsatz sind. Da sie im Haushalt mitwohnen, meist in winzig kleinen Kammern, kann also auch in der Zeit, in der sie nicht arbeiten, kaum von echter Freizeit die Rede sein.

Die zur Uno gehörende Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hatte im Juni 2011 eine Konvention verabschiedet, in der Mindestlöhne, feste Arbeitszeiten und Ferienregelungen für die weltweit rund 100 Millionen vorwiegend weiblichen Hausangestellten gefordert wurden.

6. März 2012, 17.29 Uhr:

Ausgezapft is

von Jörn Schulz

Soll Christian Wulff nun seinen Großen Zapfenstreich bekommen oder nicht? Im Geiste der Versöhnung möchte ich für einen Kompromiss plädieren. Er bekommt seinen Zapfenstreich, ich suche die Musik aus. Als erstes möge das Stabsmusikkorps „Once in a Lifetime“ von den Talking Heads spielen, die haben nämlich schon vor mehr als 30 Jahren die Causa Wulff kommentiert: „And you may find yourself behind the wheel of a large automobile / And you may find yourself in a beautiful house, with a beautiful wife / And you may ask yourself-Well…How did I get here? (…) And you may ask yourself / Am I right? Am I wrong? / And you may tell yourself / My God! What have I done?” Sodann werde “With a Little Help from My Friends” von Joe Cocker gespielt, und in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden wie Wulff dann mit der Steve Miller Band: „Take the Money and Run“

6. März 2012, 15.10 Uhr:

Aufrunden und Deutschland helfen

von Ivo Bozic

Auf Plakatwänden und in Kino- und Radiospots werden wir seit dem 1. März aufgefordert, an Supermarktkassen „Bitte aufrunden!“ zu sagen. Dann wird die Gesamtsumme maximal auf zehn Cent aufgerundet. Wofür? Für Deutschland! Natürlich. Im Werbespot zur Kampagne „Deutschland rundet auf“ heißt es: „Ein einzelner Cent, was kann man damit schon machen? Alleine nicht viel. Aber stellen Sie sich vor, jeder von uns würde bei seinem Einkauf nur ein paar Cents spenden, schnell würden daraus ein paar Millionen. Millionen, die Deutschland helfen und verändern können. Millionen, die nicht nur einigen wenigen helfen, sondern uns allen…“ Ja, uns allen! Wer immer das mal wieder ist. Jedenfalls können wir uns also selber helfen, und das ist natürlich besser, als anderen zu helfen, etwa den Griechen.

Die Idee ist auch sonst bestechend. Sagen Sie ab jetzt zu Ihrem Chef „Aufrunden bitte!“, wenn er Ihnen am Monatsanfang wieder dieses allzu klägliche Salär auf Ihr Konto überweist. Und wenn trotz Einsatz eines vollen Tageseinkommens die Einkaufstüte beim Penny wieder nur halb voll ist, zeigen Sie auf die Tüte und sagen der freundlichen Kassiererin: “Aufrunden bitte!” Ich hoffe nur, dass jetzt nicht den armen Bedienungen in Restaurants und Cafés ihr Trinkgeld “für Deutschland” weggenommen wird, wenn ei  n Kunde aus Versehen „Aufrunden bitte!“ sagt.

Aber jetzt mal ernsthaft: Wenn „uns alle“ alle sein sollen, und wenn also jedem etwas davon zugute kommen soll, dann wäre es doch am einfachsten, wenn jeder jeden Tag einen Cent an einen anderen spendet, so dass jeder jeden Tag auch einen Cent bekommt. Das wäre gerecht und würde auch nicht die Nationalökonomie belasten. Und es wäre ganz sicher im Interesse der Aufrundungs-Kampagne.

2. März 2012, 16.10 Uhr:

Wir sind nicht alle. Aber wer ist wir?

von Ivo Bozic

Aha! Eine Neuregelung in Sachen Organspende soll kommen, demnach sollen alle zwei Jahre alle einen Brief bekommen und entscheiden, ob sie Organspender sein wollen oder nicht. Alle? Oder nur “alle Deutschen“, wie die Bild-Zeitung behauptet, oder “jeder Bürger“, wie Spiegel Online meint? Oder doch “alle Erwachsenen“, wie es z.B. bei Reuters lautet? Oder sind es am Ende alle „Bürger ab 16 Jahren“, wie die Tagesschau mitteilt, oder doch nur „Versicherte ab 16 Jahren“, wie es bei der Süddeutschen Zeitung heißt.

Wie auch immer: Ich als Nichtdeutscher, dem wesentliche Bürgerrechte wie das Wahlrecht versagt sind, und der deswegen auch nicht fälschlicherweise „Bürger“ oder mitleidigerweise „Mitbürger“ genannt werden möchte, wäre das, wie für andere 6,7 Ausländer auch, interessant zu wissen. Aber mit der deutschen Sprache haben es die Deutschen ja nicht so… Jedenfalls nicht die über 18, die für Zeitungen schreiben…

1. März 2012, 15.49 Uhr:

Sogenannter Ehrensold

von Ivo Bozic

Zum Thema “Ehrensold” haben alle schon alles gesagt, sogar der, um den es geht. Enthalten wir uns also jeder Neiddebatte und lassen einfach den damals frisch gewählten Bundespräsidenten selbst zu Wort kommen:

25. Januar 2012, 17.13 Uhr:

Welchen Planeten hätten Sie denn gerne?

von Jörn Schulz

Die Mormonen gelten als etwas wunderlich und als ziemlich konservativ. Doch in einer Hinsicht sind sie erstaunlich liberal, wie Forrest Wickman in Slate berichtet. Es kommt nämlich kaum jemand in die Hölle. Wenn Sie nicht bereits vor der Erschaffung der Welt mit Satan kooperiert haben, ist Ihre Chance auf einen Platz im Himmel groß, auch wenn Sie jetzt noch ein Gottloser sind. Nach Ihrem Tod dürfen Sie sich noch einmal entscheiden, ob Sie nicht doch an Jesus glauben wollen. Wenn Sie angesichts der neuen Beweislage einsichtig sind, wartet das „terrestrial kingdom“ auf Sie. Wenn Sie halsstarrig bleiben und viel gesündigt haben, müssen Sie erstmal in eine Art Fegefeuer, aber dann geht’s raus aus dem Kochtopf und ab ins „telestial kingdom“, das ist so etwas wie das Souterrain des Himmels, aber immer noch der Himmel. Ich finde, ein solcher Sinn für Fairness ist lobenswert.

Wenn Sie einen Platz im obersten Stockwerk, im „celestial kingdom“, ergattern wollen, ist es allerdings höchste Zeit, Mormone zu werden und die Hierarchie zu durchlaufen. Dann haben Sie sogar die Chance, selbst ein Gott zu werden. Die Engel gehorchen Ihnen, und vielleicht bekommen Sie sogar Ihren eigenen Planeten. Ja, ein eigener Planet, ganz für Sie allein!

Die Mormonen legen allerdings Wert darauf, die Geschichte mit dem Planeten ein wenig zu relativieren: „We believe that through Christ all men and women can be made perfect as God and his son Jesus Christ are perfect. Nowhere in scripture does it explicitly say we will rule our own planets. Truth is, we don’t know exactly what will happen in heaven (…) We will just have to wait until after this life is over.”

Aber nehmen wir einmal an, es gibt sie, die Planetenverteilung. Das würde vieles erklären. Naheliegend ist es ja. Stellen Sie sich einmal vor, Sie seien Gott. Da gibt es zig Milliarden Planeten, und überall sind Propheten zu ernennen, Goldtafeln zu präsentieren, Gebet zu erhören… Ja, verdammt viel Stress. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Warum nicht ein wenig outsourcen? Und die Bibel informiert darüber, dass Gott nach der Schöpfung dieses und jenes reute. Wäre es möglich, dass Er auch bei der Personalpolitik nicht immer eine glückliche Hand hatte? Dass Er womöglich einem überaus frommen, aber in Verwaltungsangelegenheiten mangelhaft qualifizierten Alien-Mormonen die Erde übergeben hat, einem Space-Schettino, der wahnsinnig stolz darauf ist, dass er jetzt etwas wirklich Großes kommandieren darf, der aber alles verpatzt, wenn ernsthafte Probleme auftreten?

 

 

19. Januar 2012, 14.55 Uhr:

Lasst 100 Barsche anbeißen!

von Jörn Schulz

Hoch lebe Si Hong Ri, Held der Demokratischen Volksrepublik Korea. Standhaft widersetzte sich der Botschafter allen Versuchen, ihn am Angeln in der Havel zu hindern. Auch die wüsten Drohungen der imperialistischen Kriegsmarine („Wasserschutzpolizei“) beeindruckten ihn nicht. Lächelnd bot er der bewaffneten Übermacht die Stirn. „Fischwilderei“ nennen es die Sprachrohre der reaktionären Kriegstreiber, doch die revolutionären Volksmassen brauchen keinen Angelschein. Si Hong Ri handelte im Geiste des geliebten Führeres Kim Jong-il, dieser „gab sich zu seinen Lebzeiten bei seiner ständigen Vor-Ort-Anleitung der Fischereibasen am Ost- und Westmeer und der Handels- und Dienstleistungsbasen sowie der dafür zuständigen Einheiten große Mühe, um die Bevölkerung mit frischen Fischen zu versorgen“, er „wies persönlich auf deren Zubereitungsmethode hin und freute sich über alle Maßen darüber, als er die Nachricht erhielt, dass die Bevölkerung daran große Freude empfand. (…) Dem hoch verehrten Genossen Kim Jong Un tat es zwar wegen der urplötzlichen nationalen Staatstrauer wie kein anderer sehr weh ums Herz, aber er beherzigte tief die Hinweise Kim Jong Ils, der das Volk so sehr liebte, sagte, dass trotz der Trauerzeit die Liebe Kim Jong Ils der Bevölkerung so schnell wie möglich weitergeleitet werden sollte, traf Sondertransportmaßnahmen und sorgte dafür, dass die Funktionäre der zentralen Gremien und der betreffenden Regionen vor Ort die Fischverteilung direkt verantwortungsbewusst anleiten sollten. Jeder sagte wie aus einem Munde, man hätte in diesem Zeitpunkt, in dem man den Vater der Nation verloren hatte, auch im Traum nie mit einer solchen Fürsorge gerechnet, und war davon tief gerührt, und die Tränen wollten nicht zu fließen aufhören.“

-Ob Taedong oder Havel – der Fisch gehört den revolutionären Volksmassen und nicht der Bourgeoisie und ihren Lakaien!

-Solidarität mit Si Hong Ri! Weg mit dem imperialistischen Angelschein!

-Heringe aller Gewässer und unterdrückte Barsche, beißt an! Ihr habt nichts zu verlieren als eure Schuppen!

 

 

 

 

 

 

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