Jungle World abonnieren
Jungle World - shop
Kürzliche Beiträge
17. März 2011, 19.03 Uhr:

Malaysian Angst

von Jörn Schulz

Einige wackere Kämpfer für den Atomstandort Deutschland wollen nicht aufgeben. Man kann es allerdings als Indiz für eine gewisse Verzweiflung betrachten, wenn bei Dirk Maxeiner und Michael Miersch nun schon der Irre mit dem Regenschirm für die Relativierung der Folgen des Fallouts herhalten muss: „Mag sein, dass Gaddafi gerade mehr Libyer abschlachtet als Japaner im allerschlimmsten Fall an Strahlenkrankheit sterben.“ Selten fehlt in solchen Texten die Behauptung, dass sich nur die Deutschen Sorgen machen: „Freunde aus dem Ausland rufen an: Was ist bei euch los? Sie wundern sich, dass man 9000 Kilometer von Fukushima entfernt Atomkraftwerke abschaltet und Geigerzähler ausverkauft sind.“

Ich weiß nicht, was das für Freunde sind, aber sie leben offenbar nicht in China (“Those concerns led Chinese across the country to empty supermarkets of iodized salt”), den USA (“Americans fearing radioactive fallout snap up potassium iodide”), dem Osten Russlands (“’People are in a panic,’ said Dmitri Mukhotin, a spokesman for Pharma Premium”), Malaysia (“’People have been reading about the situation in Japan and they are demanding iodine tablets, but most pharmacies don’t stock the tablets’, said Kuala Lumpur pharmacist Paul Ho”), Südkorea (“Anxiety over radiation exposure is growing in this country following the explosion at Japan’s nuclear power plants”) und, nun, vielleicht reicht das erstmal als kleiner Hinweis darauf, dass offenbar auch anderswo Unruhe aufkommt. Jodtabletten zu schlucken, ist übrigens keine gute Idee. Es sollte aber eigentlich auch die M&Ms dieser Welt nachdenklich stimmen, dass die chinesische KP, die bekanntlich keine Landtagswahlen fürchten muss und in deren Politbüro vermutlich niemand „Die Wolke“ gelesen, ihr Atomprogramm vorläufig gestoppt hat.

 

17. März 2011, 14.48 Uhr:

Rot-grüne Sicherheitsphilosophie

von Jörn Schulz

Es soll immer noch Menschen geben, die glauben, Grüne und SPD hätten etwas zur Abschaltung der Atomkraftwerke unternommen. Ein Blick in den Text der Vereinbarung mit den Energiekonzernen („Atomkonsens“) klärt auf:

„Die Bundesregierung wird keine Initiative ergreifen, um diesen Sicherheitsstandard und die diesem zugrunde liegende Sicherheitsphilosophie zu ändern. Bei Einhaltung der atomrechtlichen Anforderungen gewährleistet die Bundesregierung den ungestörten Betrieb der Anlagen. (…) Die Bundesregierung wird keine Initiative ergreifen, mit der die Nutzung der Kernenergie durch einseitige Maßnahmen diskriminiert wird. Dies gilt auch für das Steuerrecht. Allerdings wird die Deckungsvorsorge durch Aufstockung der so genannten zweiten Tranche oder einer gleichwertigen Regelung auf einen Betrag von 5 Milliarden Mark erhöht.“

Unter „Deckungsvorsorge“ wird die gesetzlich beschränkte Haftpflicht bei einem „nuklearen Ereignis“, wie es im Atomgesetzt genannt wird, verstanden. Der Betreiber muss nur für einen Bruchteil des Schadens aufkommen. Besonders brisant: „Die EVUs (Energieversorgungsunternehmen) errichten so zügig wie möglich an den Standorten der KKW oder in deren Nähe Zwischenlager.“ Die Lagerung am Standort vermindert die Zahl unpopulärer Atomtransporte, erhöht aber, wie derzeit in Japan zu sehen ist, die Gefahr im Fall einer Katastrophe.

11. März 2011, 14.02 Uhr:

Do not retreat - instead reload

von Jörn Schulz

Es gibt einen vielversprechenden Bewerber für den Gaddafi-Menschenrechtspreis. Falls Gaddafi noch die Gelegenheit hat, ihn zu verleihen, hätte Horst Seehofer, das Schwert Bayerns, ihn verdient. Seehofer will „bis zur letzten Patrone“ dagegen kämpfen, dass „wir eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsystem bekommen“. Bislang fließen beim politischen Aschermittwoch der CSU nur Ströme von Bier. Die zivilisierte Menschheit sollte aber den Bayern eine Partnerschaft beim demokratischen Wandel anbieten, auch über eine Kontensperrung und Reiseverbote für Funktionäre des Seehofer-Regimes muss nachgedacht werden. Gezielte Luftschläge dürfen nur das letzte Mittel sein, denn es besteht die Gefahr, dass die Stammeskonflikte eskalieren. Die Bayern konnten unter dem bislang herrschenden Einparteienregime ja keine Erfahrungen in demokratischer Regierungsführung sammeln. Das Land könnte in christliche Fürstentümer zerfallen. Und wo bekommen wir dann unseren Hopfen her?

10. März 2011, 13.50 Uhr:

Rock the Bendlerblock

von Jörn Schulz

Wenn ein Verteidigungsminister verabschiedet wird, hat er einen letzten Wunsch frei. Er darf eine Playlist für den Großen Zapfenstreich vorlegen. Karl-Theodor zu Guttenberg will Deep Purple hören. Aber warum muss es immer „Smoke on the Water” sein, die Hymne der pubertierenden Jungs jeden Alters? Deep Purple haben viel mehr zu bieten. Gewiss, „Listen, Learn, Read On“ hätte Guttenberg früher hören müssen, ich will auch gar nicht so gemein sein, „Flight of the Rat“ („Spread the word around / The rat’s leaving town / The message is a song / The misery is gone”) zu empfehlen, und „A Castle Full Of Rascals” wäre eher was für die nächste Familienfeier, falls Papa Enoch nicht lieber „Problem Child” von AC/DC auflegt. Aber wie wär’s mit „Into the Fire”:  „See the mess your makin’, can’t you see your fakin’.” Angie, die dabei sein will, könnte ein melancholiches „All the dreams we held so close / seemed to all go up in smoke” beisteuern.

3. März 2011, 18.21 Uhr:

Es kann nur einen geben

von Jörn Schulz

Bislang bevorzugte es die Jungfrau Maria, in sonnigen Gegenden zu erscheinen. Nun aber wurde sie in Cornwall fotografiert: „Die Hobbyfotografin ist sich sicher: „Hier sieht man die Jungfrau Maria in einer Felsgrotte!“ Maria wirkt etwas pummelig, aber dafür gibt es eine Erklärung, meint die Fotografin: „It looks like a pregnant woman“. Das wirft interessante theologische Fragen auf, denn eigentlich ist für das Jüngste Gericht keine erneute Schwangerschaft vorgesehen. Müssen wir uns auf die Viereinigkeit einstellen? Ist die Apokalypse des Johannes eine Fälschung, wie bereits frühchristliche Gelehrte vermuteten? Da Maria offenbar bereits hochschwanger ist, sollte der Papst nicht länger trödeln. Doch der Vatikan schweigt.

3. März 2011, 14.59 Uhr:

Eilig heiligen

von Jörn Schulz

Nun gibt es auch eine Facebook-Gruppe “Für die Heiligsprechung von Karl-Theodor zu Guttenberg". Das mag als ein berechtigtes Anliegen erscheinen, doch leider muss ich ernste theologische Bedenken äußern. Eine Heiligsprechung kann erst nach einer Wunderheilung erfolgen. Das dürfte kein allzu großes Problem sein, denn sicherlich können wir schon bald in der Bild-Zeitung lesen: „Gertrude F. (75): ‚Ich betete zu Gutti, jetzt sind meine Krampfadern weg!’“ Schwieriger sind andere Hindernisse zu überwinden. Ein Heiliger muss nämlich tot sein, überdies darf man von ihm größere Standaftigkeit erwarten. Gefordert werden besondere Verdienste um die Verbreitung der Botschaft Gottes oder ein Martyrium in der Nachfolge von Jesus Christus.

Weiterlesen.

2. März 2011, 16.40 Uhr:

Es ist den ihr Fehler!

von Jörn Schulz

Sie lieben ihn doch alle. Fast 370 000 Fans hat die Facebook-Gruppe „Wir wollen Guttenberg zurück“. Er bekommt die Fans, die er verdient: „Bezeichnent ist doch das die Linke sich bei Sarrazin gegen eine gesonderte Intelligenz gestellt hat und im Fall Guttenberg diese wohl doch plötzlich existiert, als sei sie wie Phoenix aus der Asche erstiegen.“ „Wenn er nicht wiederkommt, dann wandere ich aus.“ „außerdem wieso geben denn alle ihm die schuld, denn schließlich müssen die Professoren doch das alles durchschauen und lesen und so…Es ist den ihr fehler nicht der von KT !!!!“ „Wir entscheidet, das Volk!“ „Dieser Mann ist wie wir!“

Schmeicheln Sie uns!

Falls Sie Ihre Wertschätzung für unsere Website ausdrücken möchten, können Sie dies mithilfe des Mikro-Bezahlsystems Flattr tun. Benutzen Sie einfach den folgenden Button:

Mehr Informationen auf flattr.com

Anzeige Transformellae Ikeae

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …