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Kürzliche Beiträge
18. Februar 2011, 18.16 Uhr:

Alles wird Gutt

von Jörn Schulz

Es ist wirklich nicht fair, dass alle nun über unseren Verteidigungsminister herfallen. Man muss doch auch mal das Positive sehen. Karl-Theodor zu Guttenberg hat Online-Kompetenz bewiesen. Edmund Stoiber hätte das nicht geschafft, der denkt, Copy and Paste sei ein italienisches Nudelgericht. Guttenberg ist der Jugend ein Vorbild, in einer Zeit, da Schwänzen als Verbrechen gelten soll, bedarf es eines role models, das zeigt: Seht doch, wie weit man es bringen kann, wenn man nur dreist genug bescheißt. Er hat dem deutschen Statusdenken ein wenig Aufklärung entgegengesetzt und bewiesen, dass Respekt vor den Trägern akademischer Titel unangebracht ist. Sonst wird immer von Uni-Ranking und Exzellenz-Clustern geschwatzt, jetzt heißt es „Scheiß auf den Doktor“ (Bild) oder „Die meisten Doktorarbeiten bestehen zu 90 Prozent aus Abgeschriebenem und Wiedergekäutem“ (Welt). So radikal sind die Parolen bei den Studi-Protesten nicht.

16. Februar 2011, 18.43 Uhr:

„Weniger Demokratie wagen“

von Jörn Schulz

Das könnte der Titel der Autobiographie Hosni Mubaraks sein. Ist es aber nicht, das im April erscheinende Buch schrieb Laszlo Trankovits, Büroleiter und Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur, es erscheint beim Faz-Institut. Es „untersucht den destabilisierenden, lähmenden Einfluss der ‚Stimme des Volkes’, des Medienbetriebs, des anarchischen Web 2.0 und des alles anzweifelnden, emanzipatorischen Zeitgeists. Und wagt gleichzeitig auch den Versuch, einfache, aber umsetzbare Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Wirtschaft und Politik wieder handlungsfähig werden.“ Aber für Mubarak kommen die Tipps zu spät.

16. Februar 2011, 17.53 Uhr:

Held der Arbeit

von Jörn Schulz

Man hat es ja geahnt, aber nun gibt Thilo Sarrazin es selbst zu: „Als Bundesbanker war die Arbeit der Woche nach eineinhalb Tagen dienstagmittags getan“, erzählt das ehemals für Informationstechnologie und Risiko-Controlling zuständige Vorstandsmitglied. Denn Computer hatten sie dort schon, und ein Risiko, dass die Arbeitsleistung kontrolliert wird, gab es nicht. „Am Montag gibt man Anweisungen und bereitet sich ein bisschen vor, am Dienstagvormittag diskutiert man intelligent in der Vorstandssitzung mit und am Dienstagnachmittag fragt man sich, was man den Rest der Woche tun soll.“ Für die Art, wie Ronald Schill, sein Vorgänger als Tabubrecher, die Langeweile bekämpfte, ist Sarrazin wohl zu spießig. Also schrieb er ein Buch, obwohl angesichts der Enthüllungen über Karl-Theodor zu Guttenberg Zweifel aufkommen könnten. Vielleicht sollte sich auch mal jemand Sarrazins Dissertation anschauen.

11. Februar 2011, 19.20 Uhr:

Jetzt wird gefeiert

von Jörn Schulz

Mubarak hat sich nun endlich doch zum Rücktritt entschlossen, oder, was wahrscheinlicher ist, wurde gegen seinen Willen vom Militär hinauskomplimentiert. Was natürlich ohne die entschlossenen Protesten von Millionen Ägyptern nicht geschehen wäre, die vor allem nach den gestern enttäuschten Erwartungen noch einmal sehr deutlich gezeigt haben, dass sie sich nicht mit faulen Kompromissen abspeisen lassen.  “The world’s biggest street party has really kicked off here", hören wir vom Tahrir-Platz.  Wenigstens einmal in 30 Jahren hat Mubarak den Ägyptern wirklich eine Freude gemacht. Der Job der Demokratiebewegung  ist noch lange nicht beendet, aber jetzt wird erstmal gefeiert.

10. Februar 2011, 23.14 Uhr:

Die Party wird verschoben

von Jörn Schulz

Mubarak will sich also doch noch nicht veabschieden. Das war seine “Ich liebe euch doch alle"-Rede. Es ist nicht einmal klar, welche Befugnisse er an seinen Vizepräsidenten Omar Suleiman abgeben wird, der ohnehin genauso unbeliebt ist wie er. Wichtiger ist jetzt aber die Frage, warum im Laufe des Tages so hohe Erwartungen geweckt wurden, vom Militär und von NDP-Leuten, obwohl nicht einmal Mubarak selbst geglaubt haben kann, dass seine Rede die Bewegung zufriedenstellt, und die Stimmung auf dem Tahrir-Platz nun mit “sehr wütend” noch milde beschrieben ist. Ich würde gern glauben, dass Mubarak die Generäle hereingelegt, seinen Rücktritt versprochen und dann im Fernsehen etwas ganz anderes erzählt hat. Aber so naiv scheinen mir die ägyptischen Generäle nicht zu sein, da hat sich sicher jemand die aufgezeichnete Rede vor der Ausstrahlung angeschaut. Ich hoffe sehr, dass war keine Provokation, die ein Massaker im Stil “Platz des Himmlischen Friedens” vorbereiten soll. Vielleicht wird ja auch nur hilflos improvisiert, vielleicht ist das Regime gespalten. Jedenfalls, wenn es sich das Militär nicht noch schnell anders überlegt, gibt es ein sehr heißes Wochenende, und es ist jetzt endgültig klar, dass es um “al-nizam", das System, geht. Wie es nach der Rede auf dem Tahrir-Platz zu hören war: “thaura, thaura hata annasr” - Revolution, Revolution bis zum Sieg.

10. Februar 2011, 19.22 Uhr:

Und tschüss!

von Jörn Schulz

Muss Mubarak heute zurücktreten? Auf dem Tahrir-Platz werden die Parolen radikaler, nun heißt es „Revolution, Revolution bis zum Sieg“, und heute Abend beginnt das islamische Wochenende. Das bereitet auch der Militärführung Sorge, deren Statement noch recht kryptisch klingt: „The Higher Council of the Armed Forces convened today, Thursday, 10 February 2011, to deliberate on the latest developments of the situation and decided to remain in continuous session to discuss what measures and arrangements could be taken to safeguard the homeland and its achievements, and the aspirations of the great Egyptian people.”

Aber man beriet ohne Mubarak, und nicht nur CIA-Direktor Leon Panetta glaubt, dass der Präsident abtritt. Dann können wir nun wohl bald der größten Party der Welt auf dem Tahrir-Platz zuschauen.

10. Februar 2011, 18.50 Uhr:

Keep up with this change!

von Jörn Schulz

Man wird den Eindruck nicht los, dass im antiimperalistischen Lager Verwirrung herrscht. So heißt es zum Beispiel in dem antiimperialistischen Lager, wo man bislang jeden jihadistischen Halsabschneider bejubelt hat: „Die gegenwärtigen Aufstände scheinen auch in gewisser Weise einen Ansatz zur Überwindung der Schwächen des islamischen Kulturalismus zu bieten, weil sie eine überkulturell verständliche, nicht spezifisch islamische Sprache sprechen“. Es muss wirklich abwärts gehen mit dem Islamismus, wenn den treuesten Fans Zweifel kommen.

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