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Kürzliche Beiträge
30. Januar 2011, 16.05 Uhr:

Jasmin und Tränengas, 30. Januar

von Bernd Beier und Thomas von der Osten-Sacken

Live aus Tunis: Bikinis gegen Bärte?

Heute ist der Führer der islamistischen Nadha Partei aus seinem Londoner Exil
nach Tunis zurückgekehrt. Ein Chomenei-Empfang war das wahrhaft nicht. Seine Anhänger haben offenbar eimerweise Kreide gefressen: Supporters crowding the arrivals area of the airport held up banners reading: »No to extremism, yes to
moderate Islam!« and »No fear of Islam!«

Viele Frauen hatten auf Facebook angekündigt, ihn im Bikini empfangen zu wollen: Le leader pourrait d’ailleurs bien être accueilli à l’aéroport par un groupe de Tunisiennes en bikini et en mini-jupes. L’idée circule depuis plusieurs jours sur les réseaux sociaux. Sur Facebook, un groupe est même intitulé »Toutes les Tunisiennes en bikini pour accueillir Ghannouchi à l’aéroport«.

Ob sie das wirklich getan haben, ist zur Zeit noch unklar, leider haben wir es nicht geschafft an den Flughafen zu fahren.

AFP meldet gerade, dass dort sowohl seine Anhänger wie Gegendemonstraten ihn erwartet haben: »Un peu en retrait, plusieurs dizaines de défenseurs de la laïcité brandissaient de leur côté des pancartes contre le fondamentalisme.«

30. Januar 2011, 04.18 Uhr:

Jasmin und Tränengas, 29. Januar

von Bernd Beier und Thomas von der Osten-Sacken

Heute war der Tag der ersten großen Demonstrationen für die Gleichheit von Frauen und Männern in Tunesien seit dem unfreiwilligen Abflug des ehemaligen Regierungschefs Ben Ali.

 

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29. Januar 2011, 17.26 Uhr:

Jasmin und Tränengas, 28. Januar, Teil II

von Bernd Beier und Thomas von der Osten-Sacken

Heute gab es in Tunis zum ersten Mal seit Ausbruch der Unruhen eine von Islamisten organisierte Kundgebung. Insgesamt nahmen laut Reuters 200 Leute daran teil. Hier eine kleine Gruppe auf dem Weg zur Kundgebung.

Zeitgleich wurden an der Metrostation Republique nur wenige Meter neben den Bärtigen Aufrufe für eine andere Demo verteilt. Verschiedene Frauenorganisation wollen morgen ab drei Uhr für eine säkulare neue Republik Tunesien auf die Straße gehen. Umstehende machten hauptsächlich abfällige Bemerkungen über die Islamisten. Insgesamt sollen heute über 5000 Menschen an verschiedenen Orten in Tunis gegen die Übergangsregierung demonstriert haben.

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28. Januar 2011, 17.43 Uhr:

Jasmin und Tränengas, 28. Januar

von Jörn Schulz

Heute meldete sich unser Team Tunis per Telefon:

Die Casbah in Tunis, wo sich die Teilnehmer der “Karawane der Freiheit” und andere Protestierende aufhielten, wurde gegen 16 Uhr von der Polizei geräumt, mit Tränengas, Knüppeln und deutschen Schäferhunden. “Das Militär schützt die Revolution", heißt es in Tunis oft. Die Soldaten hatten sich zurückgezogen, es war das erste Mal, dass sie der Polizei freie Hand ließen. Die Polizisten zerstörten Zelte und alles, was auf dem Platz zurückgeblieben war. Gefunden wurden ein paar Blättchen, angeblicher Drogenkonsum könnte als Rechtfertigung dienen. Es ist unklar, wer den Räumungsbefehl gegeben hat, klarer ist, dass sich die Übergangsregierung auf diese Weise keine Freunde in der Demokratiebewegung macht. Mittlerweile sind die Soldaten zurückgekehrt und drängen die Polizisten zurück. Rund um die Avenue Habib Bourguiba, das zweite Zentrum der Proteste in der Hauptstadt, gibt es noch Scharmützel mit der Polizei.

Ansonsten kann man in den Cafés, die einen Fernseher haben, beobachten, dass die Tunesier sehr erfreut sind über die Proteste in Ägypten.

28. Januar 2011, 12.32 Uhr:

Jasmin und Tränengas, 27. Januar

von Bernd Beier und Thomas von der Osten-Sacken

Auf den Treppen des Stadttheaters in der Avenue Habib Bourguiba ist die Hölle los. Einige Hundert Jugendliche quetschen sich dort zusammen, recken die Fäuste, singen, feuern mit Parolen gegen die Übergangsregierung die Zuschauer und Passanten an. Überall auf dem breiten Mittelstreifen der im Kolonialstil gehaltenen Prachtstraße, dem modernen Zentrum von Tunis, stehen Gruppen von 30 bis 50 Frauen und Männern, die lautstark diskutieren – alle hundert Meter eine Speakers corner. Weiter unten, vor dem mit Stacheldraht abgeriegelten Innenministerium, stehen Panzer, Schützenpanzer, Militär-LKWs (Humwees aus den USA, Schützenpanzer und LKWs aus Deutschland). Vor allem von einem Panzer, dessen Kanonenrohr über den Stacheldraht ragt, sind viele angetan. Man posiert unter dem Kanonenrohr, eingewickelt in die tunesische Flagge oder mit dem Victory-Zeichen, und lässt sich fotografieren.

 

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27. Januar 2011, 15.58 Uhr:

Es gibt kein Recht auf Faulheit!

von Jörn Schulz

Diese arbeitsscheuen 68er sind wirklich eine Belastung für unser Land. Leistungsbereitschaft? Rente mit 67? Nicht mit uns! „Ich hatte es mir schon lange vorgenommen“, sagt die 59jährige Ursula Sarrazin über ihre „Beurlaubung“, die fließend in die Pensionierung übergehen wird.

„Rebellion ist gerechtfertigt“, lernte sie als Teenie, das ist natürlich hängengeblieben. Dann trat sie den Marsch durch die Institutionen an. Aber zu anstrengend soll es auch nicht sein. Gesundheitliche Gründe für die „Beurlaubung“ gibt es nicht. Aber klar, schuld hat immer der Arbeitgeber, wenn im Job was schief läuft: „Die Schulaufsicht hat trotz mehrfacher mündlicher und schriftlicher Beschwerden meinerseits bisher nichts dagegen unternommen“, klagt Sarrazin.

Ja, wenn der Chef nicht macht, was man will, dann schmeißt man den Kram eben hin. Nicht ohne zuvor mit der typischen 68er-Paranoia zu behaupten, man werde von den dunklen Mächten des Establishments verfolgt. Der Gatte hat’s ja vorgemacht. Die Sarrazin-Spaßguerilla hat nun ihr Ziel erreicht. Da kann man nur mit dem renommierten 68er-Kritiker Freddy Quinn sagen: „Wer kann eure sinnlose Faulheit nicht fassen? WIR! WIR! WIR! Wer hat den Mut, für euch sich zu schämen? WIR! Wer lässt sich unsere Zukunft nicht nehmen? WIR!”

27. Januar 2011, 13.58 Uhr:

Jasmin und Tränengas, 26. Januar

von Bernd Beier und Thomas von der Osten-Sacken

Landeanflug auf Tunis. Nachmittagssonne, Meer, keine Panzer auf der Landebahn. Alles erstmal bestens soweit. Die Zöllner im Flughafen haben keinen Bock auf Stress und winken uns einfach durch. Einchecken im Hotel, kurzer Blick ins Netz, ab auf die Straßen der Innenstadt.

Die Casbah ist unser Ziel, dort, wo vor einigen Tagen die »Karawane der Freiheit« ankam, um dort zu campieren, bis die Übergangsregierung unter Ghanouchi gestürzt ist. Aber vorher geht’s durch die Avenuen der Innenstadt. Einige Geschäfte haben geschlossen, aber es sind viele Menschen unterwegs. Das Kopftuch ist weniger verbreitet als in Kreuzberg oder Neukölln.

 

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