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Kürzliche Beiträge
19. September 2010, 10.29 Uhr:

Schattenarmee

von Stefan Ripplinger

Jean-Pierre Melvilles dritter Spielfilm über die Résistance, „L’armée des ombres“ (Schattenarmee, 1969), ist kein perfekter Film. Verglichen mit dem makellosen Meisterwerk, das er danach gedreht hat, „Le cercle rouge“ (Der rote Kreis, 1970; mit Alain Delon, Gian Maria Volonté, Yves Montand und Bourvil), fallen bei „L’armée“ einige dramaturgische Schwächen auf.

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16. September 2010, 17.11 Uhr:

Rote Slipper für den Rottweiler

von Jörn Schulz

Nun, da der Papst ihre Insel heimsucht, vermissen viele Briten das scharfe Schwert Heinrichs VIII. Doch sollten wir Benedikt XVI., der von den bösen Briten als “Gottes Rottweiler” geschmäht wurde, auch einmal Gerechtigkeit widerfahren lassen. Mag er auch noch reaktionärer sein als sein Vorgänger, er ist besser angezogen. „Pope Benedict has become the Karl Lagerfeld of the ecclesiastical world”, stellt John Grace im Guardian fest. „The pontiff’s inner dandy attracted wider attention when he wore a pair of jazzy red loafers“. Die bekam er nicht von Jesus, wie der Vatikan behauptete, aber auch nicht von Prada, wie gottlose Neider unterstellten, sondern von Adriano Stefanelli. Der Mode-Papst hat die pelzgesäumte Mozzetta wieder eingeführt, verschließt sich aber auch nicht dem Neuen: „Benedict’s most recent stylistic choice was to spurn his zucchetto for a white baseball cape. Logo and fuss-free, it was bang on trend with fashion’s current obsession with minimalism.”

Den Vergleich mit anderen religiösen Führern unserer Epoche wie Mahmoud Ahmadinejad, Hugo Chávez und Kim Jong-il muss Benedikt nicht scheuen. Kein Wunder, dass man nun Eintrittsgeld („pilgrim’s contribution“) zahlen muss, wenn man ihn auf dem Laufsteg sehen will.

15. September 2010, 18.51 Uhr:

So fern und doch so nah

von Jörn Schulz

„Der Busen war so fern. Wir träumten davon.“ Wird Franz Josef Wagner poetisch? Nein, er erinnert sich an seine unbeschwerte Jugend “in der verklemmten Welt” und beklagt sich über das „Pornoland Deutschland“. Er gelobt: „Ich unterstütze Frau Guttenberg in ihrem Kampf gegen den Porno. Weil er keine Liebe ist.“ Für die Bild-Girls brechen nun wohl schlechte Zeiten an. Und ich warte darauf, dass Josef Ackermann sich über die schlimme Geldgier und Thilo Sarrazin sich über den wachsenden Rassimus beklagt.

Eine kleine Ergänzung: “Bild hat die nackte Frau an dem Tag rausgenommen und nur online gemacht", rechtfertigte Stephanie zu Guttenberg die Wahl des Blattes für die Veröffentlichung der Auszüge aus ihrem Buch. Ein erster Sieg! Allerdings schreibt sie: “Die Mädchen und Jungen von heute wachsen also auf mit Popsängern, die einerseits den Mainstream verkörpern und andererseits so aussehen wie Pornodarsteller". Woher weiß sie eigentlich, wie Pornodarsteller aussehen?

15. September 2010, 16.13 Uhr:

Angriff auf die Meinungsfreiheit!

von Jörn Schulz

„Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) will sich mit seinen umstrittenen Integrations- und Vererbungsthesen nicht von der NPD vereinnahmen lassen und zeigt die Rechtsextremen wegen eines entsprechenden Plakats an.“ Wird dieser unverschämte Terror des politischen Korrekten, der eine unliebsame Meinung verbieten lassen will, nun zu einer Solidarisierung mit den Tabubrechern führen? Man wird ja nochmal fragen dürfen.

6. September 2010, 14.03 Uhr:

Freiwillige Brandstifter

von Stefan Ripplinger

Die SPD stelle ich mir als eine Freiwillige Feuerwehr vor, in die, weil sie edler scheinen wollen als sie sind, ausschließlich* Brandstifter eintreten. Es gibt allerdings auch Feuerwehrleute, die nicht mit Streichhölzern umgehen können, Beispiel Klaus von Dohnanyi:

„Also bitte keine Feigheit mehr vor Worten wie Rasse, Juden, Muslime. Es gibt sie. Man darf über sie nachdenken, man darf sie benutzen. Nicht gedankenfeige sein! Aber nie rassistisch!“

Was gibt es? Die Worte, vielmehr die Wörter? Wie bewiesen. Oder soll es die Rasse, die Juden, die Muslime geben?

„Rasse, Juden, Muslime“ erinnert an das schöne Spiel „Ein Wort gehört nicht in diese Reihe, rate, welches: Feige, Zwetschge, Pflaume.“

Gibt es Rasse? Gibt es Juden? Gibt es Muslime? In dieser unsinnigen Zusammenstellung und bei diesem zitternd zündelnden Feuerwehrmann wird alles höchst unwahrscheinlich, vermutlich gibt es weder das eine noch die anderen, noch die dritten, ja, ich würde die Existenzbehauptungen eines solchen Mannes selbst dann noch bestreiten, wenn sich sämtliche Rassen, Juden und Muslime vor seiner Villa einfänden und wie aus einem Munde riefen: „Wasser marsch!“

„Man darf über sie nachdenken, man darf sie benutzen.“

Über wen oder was darf „man“ nachdenken? Über Wörter, vielmehr Worte? Was oder wen darf „man“ benutzen? Die Rasse, die Juden und die Muslime?

Bei manchen Brandstiftern ist gewissermaßen Feuer und Flamme verloren. Bis gestern dachte ich noch, wenn der Feuerwehrhauptmann Gabriel alle Brandstifter aus dem Verein werfen wollte, stünde bald die Andrea Nahles alleine da, und die kriegt doch jetzt ein Kind, kann nicht auch noch die SPD schaukeln. Seit heute Morgen denke ich, das Problem erledigt sich von selbst, dank Senilität, die verleihen sich demnächst im Spritzenhaus gegenseitig den großen Gustav-Noske-Orden am Bande für treue Mitgliedschaft und verschwinden danach alle in der Mottenkiste.

* Vielleicht übertrieben, weil unsereiner nur ahnen kann, wie es in so einem typischen Ortsverein zugeht. Immerhin 43 Prozent der SPD-Wähler sind für den Ausschluss des Sarrazin, 50 Prozent sind dagegen und wollen, um Deutschland zu retten, einen sozialdemokratischen Lebensborn organisieren - nee, stimmt gar nicht (das mit dem Lebensborn).

3. September 2010, 19.23 Uhr:

Nicht hilfreich

von Jörn Schulz

Die Linke ist derzeit nicht in der Lage, der deutschen Großmachtpolitik in der EU entgegenzutreten. Zum Glück gibt es Thilo Sarrazin. Seit längerer Zeit intrigiert die Bundesregierung, um Axel Weber, den Präsidenten der Bundesbank, zum Leiter der Europäischen Zentralbank (EZB) zu machen. Das würde es erleichtern, anderen EU-Staaten die deutschen Vorstellungen von Wirtschaftspolitik aufzuzwingen. Die Gegner Deutschlands, und das sind in ökonomischen Fragen mittlerweile fast alle anderen europäischen Regierungen, sind dankbar für jedes Argument gegen einen deutschen EZB-Präsidenten. Nun hat Sarrazin den ersten Skandal in der Geschichte der Bundesbank provoziert. In Europa wird man fragen: Kann Weber, der nicht einmal im eigenen Haus Ordnung halten kann, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten einen so verantwortungsvollen Posten übernehmen? Kein Wunder, dass Angela Merkel das Buch Sarrazins „nicht hilfreich“ findet.

Sarrazins Fans empören sich aufrichtig darüber, dass ihr Idol als Vorstandsmitglied der Bundesbank nicht pöbeln darf wie ein Gangster-Rapper. Auch die Behauptung, er sei ein Opfer politischer Verfolgung, scheint nicht nur ein taktisches Kalkül zu sein, um Kritik zu entlegitimieren. Man wird den Eindruck nicht los, sie glauben das wirklich. Dass Sarrazin dem „nationalen Interesse“ geschadet hat, haben sie nicht einmal bemerkt. Mit ihren wirren Parolen, ihrer Feigheit und ihrer Unfähigkeit zu strategischem Denken sind diese Leute eine geringere Gefahr als jene Kritiker Sarrazins, die nun ihr „Sparpaket“ durchsetzen. Vermögenden das Elterngeld zu belassen, es Hartz-IV-Empfängern aber zu streichen, ist eine Maßnahme eben jener Bevölkerungspolitik, die Sarrazin propagiert.

29. August 2010, 09.07 Uhr:

Schnäuzer-Parlando

von Stefan Ripplinger

Sonntagmorgen, ich wärme mir die Pfannkuchen auf, im Deutschlandfunk ein besonders lässiger Reaktionär, parlando, leicht bayrisch im Ton, aber preußisch im Gemüt, früher haben die Deutschen sich gegenseitig selbst erzogen, die Schule der Nation ist die Schule, abgesehen von der Schule der Armee, wo ist das pädagogische Bemühen, noch die 68er haben sich ja strebend bemüht, in den USA wird vorm Unterricht die Nationalhymne abgesungen, da gibt es dann keine Italo- oder Spanischamerikaner mehr, nur mehr Amerikaner, so soll es in Deutschland sein, nur mehr Deutsche, kein Heckmeck, und wenn die Migrantenkinder in der Literatur vorkommen wollen, sollen sie sich halt einen Roman schreiben, wir mussten ja auch erst auf Tellkamp warten, usw. usw.

Wer sind wir und wenn ja, warum? Ein Interview über die nationale Identität der Deutschen mit dem Kulturmanager Christoph Stölzl

Ah, Stölzl, denke ich, redet, als ob er einen Schnäuzer trüge. Aber er trägt gar keinen. Es ist so eine Art Schnäuzer-Parlando. Der Oberschnäuzer dann wieder ab 11 im Programm, viel Spaß, den habe ich schon letzte Woche im Spiegel gelesen. Bei einem seiner hugenottischen Dreisätze brach ich die Lektüre ab: 1. In den USA gibt es keine Geschenke, da sind die Migranten lustig. 2. In Deutschland gibt es Geschenke, da sind die Migranten verdrossen. 3. Es darf keine Geschenke mehr geben.

Und werden die Migranten dann lustig? Nein, aber dann gibt es keine Geschenke mehr.

Und warum soll es keine Geschenke geben? Ja, das ist eben unsere Leitkultur, es gibt keine Geschenke, keine Großzügigkeit, wir leben karg, denken karg, geben nichts, nicht einmal uns selbst etwas, und Kultur ist im Wesentlichen die Abwehr des Zivilisierten, der Gastfreundschaft, des Interesses am Andern und des Geschmacks am Neuen. Alles welsches Zeug! Da darf nichts einreißen, dann wird wieder kalt geduscht, die Armen leben von trockenem Brot und altem Magerquark, alle arbeiten hart und erziehen sich gegenseitig. So wie es früher einmal war, als man noch nicht den Schimmer einer Ahnung von Pfannkuchen mit Ahornsirup hatte.

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