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Kürzliche Beiträge
23. September 2010, 14.33 Uhr:

Bei Ostwind regnet es Wachteln

von Jörn Schulz

Hat die Bibel doch recht? Moses könnte seine Leute tatsächlich trockenen Fußes durch das Meer geführt haben, meinen Forscher des National Centre for Atmospheric Research der University of Colorado. An einem mittlerweile ausgetrockneten Nilarm nahe Port Said hätte starker und anhaltender Ostwind im Meer eine Furt schaffen können, die sich schnell wieder mit Wasser füllt, wenn das Wetter sich ändert. Die Computersimulationen „entsprechen ziemlich genau der Erzählung“ im 2. Buch Mose. Erklärungsbedürftig bleiben allerdings noch die Feuersäule, die Moses den Weg zeigte, die überraschend auftauchenden Wachteln und Brote, mit denen er seine ständig nörgelnden Anhänger beköstigte, und einige weitere Ungereimtheiten.

Das Schöne an solchen Erklärungsversuchen ist, dass sich Gläubige und Ungläubige gleichermaßen an ihnen erfreuen können. Dem Gläubigen bestätigen sie, dass in der Bibel die Wahrheit steht, und für Gott bleibt ja noch genug Platz, da irgendjemand Moses über das korrekte Timing informiert haben muss. Der Ungläubige hingegen kann glauben, dass es für die Erzählungen der Bibel eine „natürliche“ Erklärung gibt. Die Menschen in der Antike hingegen waren nicht so naiv, alles wörtlich zu nehmen. Ihre Geschichtsschreibung war immer symbolisch. Gerade in den älteren Teilen der Bibel sind die Widersprüche offensichtlich. Kain etwa ist der erste Sohn von Adam und Eva, er wird Bauer. „Siehe, du treibst mich heute aus dem Lande, und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen und muss unstet und flüchtig sein auf Erden. So wird mir’s gehen, dass mich totschlage, wer mich findet“, klagt er in seinem Plädoyer vor Gott, nachdem er seinen Bruder Abel, den Hirten und vierten Menschen auf Erden, erschlagen hat. Vor wem aber hat er auf der schließlich noch menschenleeren Erde Angst? Mit wem gründet er die erste Stadt? Den Menschen der Antike war klar, dass hier der Konflikt zwischen Hirtennomaden und sesshaften Bauern reflektiert wird, zumal im Anschluss noch die Stammväter der Musiker und Schmiede genannt werden.

Manchmal ist die Symbolik leicht zu entschlüsseln, schwerer zu deuten ist etwa die in Predigten ungern erwähnte (und in der Bibel nicht kommentierte) inzestuöse Beziehung der Töchter Lots: „Ist kein Mann mehr auf Erden der zu uns eingehen möge nach aller Welt Weise; so komm, lass uns unserm Vater Wein zu trinken geben und bei ihm schlafen, dass wir Samen von unserm Vater erhalten.“ Möglicherweise sollte den Moabitern und Ammonitern, die aus dieser Beziehung hervorgingen und mit denen die Juden diverse Kriege ausfochten, eine unkoschere Herkunft angedichtet werden. Es wäre jedenfalls nicht hilfreich, wenn jetzt jemand nach dem Moabiter-Gen sucht, um die Erzählung zu verifizieren.

21. September 2010, 08.16 Uhr:

150 Jahre Schopenhauer

von Stefan Ripplinger

19. September 2010, 10.29 Uhr:

Schattenarmee

von Stefan Ripplinger

Jean-Pierre Melvilles dritter Spielfilm über die Résistance, „L’armée des ombres“ (Schattenarmee, 1969), ist kein perfekter Film. Verglichen mit dem makellosen Meisterwerk, das er danach gedreht hat, „Le cercle rouge“ (Der rote Kreis, 1970; mit Alain Delon, Gian Maria Volonté, Yves Montand und Bourvil), fallen bei „L’armée“ einige dramaturgische Schwächen auf.

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16. September 2010, 17.11 Uhr:

Rote Slipper für den Rottweiler

von Jörn Schulz

Nun, da der Papst ihre Insel heimsucht, vermissen viele Briten das scharfe Schwert Heinrichs VIII. Doch sollten wir Benedikt XVI., der von den bösen Briten als “Gottes Rottweiler” geschmäht wurde, auch einmal Gerechtigkeit widerfahren lassen. Mag er auch noch reaktionärer sein als sein Vorgänger, er ist besser angezogen. „Pope Benedict has become the Karl Lagerfeld of the ecclesiastical world”, stellt John Grace im Guardian fest. „The pontiff’s inner dandy attracted wider attention when he wore a pair of jazzy red loafers“. Die bekam er nicht von Jesus, wie der Vatikan behauptete, aber auch nicht von Prada, wie gottlose Neider unterstellten, sondern von Adriano Stefanelli. Der Mode-Papst hat die pelzgesäumte Mozzetta wieder eingeführt, verschließt sich aber auch nicht dem Neuen: „Benedict’s most recent stylistic choice was to spurn his zucchetto for a white baseball cape. Logo and fuss-free, it was bang on trend with fashion’s current obsession with minimalism.”

Den Vergleich mit anderen religiösen Führern unserer Epoche wie Mahmoud Ahmadinejad, Hugo Chávez und Kim Jong-il muss Benedikt nicht scheuen. Kein Wunder, dass man nun Eintrittsgeld („pilgrim’s contribution“) zahlen muss, wenn man ihn auf dem Laufsteg sehen will.

15. September 2010, 18.51 Uhr:

So fern und doch so nah

von Jörn Schulz

„Der Busen war so fern. Wir träumten davon.“ Wird Franz Josef Wagner poetisch? Nein, er erinnert sich an seine unbeschwerte Jugend “in der verklemmten Welt” und beklagt sich über das „Pornoland Deutschland“. Er gelobt: „Ich unterstütze Frau Guttenberg in ihrem Kampf gegen den Porno. Weil er keine Liebe ist.“ Für die Bild-Girls brechen nun wohl schlechte Zeiten an. Und ich warte darauf, dass Josef Ackermann sich über die schlimme Geldgier und Thilo Sarrazin sich über den wachsenden Rassimus beklagt.

Eine kleine Ergänzung: “Bild hat die nackte Frau an dem Tag rausgenommen und nur online gemacht", rechtfertigte Stephanie zu Guttenberg die Wahl des Blattes für die Veröffentlichung der Auszüge aus ihrem Buch. Ein erster Sieg! Allerdings schreibt sie: “Die Mädchen und Jungen von heute wachsen also auf mit Popsängern, die einerseits den Mainstream verkörpern und andererseits so aussehen wie Pornodarsteller". Woher weiß sie eigentlich, wie Pornodarsteller aussehen?

15. September 2010, 16.13 Uhr:

Angriff auf die Meinungsfreiheit!

von Jörn Schulz

„Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) will sich mit seinen umstrittenen Integrations- und Vererbungsthesen nicht von der NPD vereinnahmen lassen und zeigt die Rechtsextremen wegen eines entsprechenden Plakats an.“ Wird dieser unverschämte Terror des politischen Korrekten, der eine unliebsame Meinung verbieten lassen will, nun zu einer Solidarisierung mit den Tabubrechern führen? Man wird ja nochmal fragen dürfen.

6. September 2010, 14.03 Uhr:

Freiwillige Brandstifter

von Stefan Ripplinger

Die SPD stelle ich mir als eine Freiwillige Feuerwehr vor, in die, weil sie edler scheinen wollen als sie sind, ausschließlich* Brandstifter eintreten. Es gibt allerdings auch Feuerwehrleute, die nicht mit Streichhölzern umgehen können, Beispiel Klaus von Dohnanyi:

„Also bitte keine Feigheit mehr vor Worten wie Rasse, Juden, Muslime. Es gibt sie. Man darf über sie nachdenken, man darf sie benutzen. Nicht gedankenfeige sein! Aber nie rassistisch!“

Was gibt es? Die Worte, vielmehr die Wörter? Wie bewiesen. Oder soll es die Rasse, die Juden, die Muslime geben?

„Rasse, Juden, Muslime“ erinnert an das schöne Spiel „Ein Wort gehört nicht in diese Reihe, rate, welches: Feige, Zwetschge, Pflaume.“

Gibt es Rasse? Gibt es Juden? Gibt es Muslime? In dieser unsinnigen Zusammenstellung und bei diesem zitternd zündelnden Feuerwehrmann wird alles höchst unwahrscheinlich, vermutlich gibt es weder das eine noch die anderen, noch die dritten, ja, ich würde die Existenzbehauptungen eines solchen Mannes selbst dann noch bestreiten, wenn sich sämtliche Rassen, Juden und Muslime vor seiner Villa einfänden und wie aus einem Munde riefen: „Wasser marsch!“

„Man darf über sie nachdenken, man darf sie benutzen.“

Über wen oder was darf „man“ nachdenken? Über Wörter, vielmehr Worte? Was oder wen darf „man“ benutzen? Die Rasse, die Juden und die Muslime?

Bei manchen Brandstiftern ist gewissermaßen Feuer und Flamme verloren. Bis gestern dachte ich noch, wenn der Feuerwehrhauptmann Gabriel alle Brandstifter aus dem Verein werfen wollte, stünde bald die Andrea Nahles alleine da, und die kriegt doch jetzt ein Kind, kann nicht auch noch die SPD schaukeln. Seit heute Morgen denke ich, das Problem erledigt sich von selbst, dank Senilität, die verleihen sich demnächst im Spritzenhaus gegenseitig den großen Gustav-Noske-Orden am Bande für treue Mitgliedschaft und verschwinden danach alle in der Mottenkiste.

* Vielleicht übertrieben, weil unsereiner nur ahnen kann, wie es in so einem typischen Ortsverein zugeht. Immerhin 43 Prozent der SPD-Wähler sind für den Ausschluss des Sarrazin, 50 Prozent sind dagegen und wollen, um Deutschland zu retten, einen sozialdemokratischen Lebensborn organisieren - nee, stimmt gar nicht (das mit dem Lebensborn).

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