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Kürzliche Beiträge
22. Juli 2010, 13.51 Uhr:

Der Hase ist kein Hasenfuß

von Jörn Schulz

Der juristische Streit um die Hasenphobie einer deutschen Lehrerin beschäftigt nun auch die internationale Presse. Viele Menschen fragen sich, wie jemand ausgerechnet vor Hasen Angst haben kann, sind doch so niedlich, die lieben kleinen Viecher. Von wegen. Die Leporidae werden oft unterschätzt, obwohl bereits die Geschichte des Rabbit of Caerbannog ihre Gefährlichkeit bewiesen hat. Auch aus jüngerer Zeit wird von Kampfhasen berichtet. Wer bedenkt, dass das carnivore Monster aus der Sicht des Hasen größer ist als der Tyrannosaurus Rex aus der Sicht eines Menschen, wird das Wort „Hasenfuß“ nicht mehr leichtfertig verwenden.

Liberale Amerikaner haben mehr Verständnis für die Leporiphobia, denn Präsident Jimmy Carter entging im Jahr 1979 nur knapp dem Anschlag eines „killer rabbit“. Ein zähnefletschender „swamp rabbit“ attackierte unprovoziert das Ruderboot des friedlich angelnden Präsidenten und versuchte es zu entern. „How to react in case of amphibic rabbit assault“ – ein solches Kapitel fehlt im Lehrbuch des Secret Service. Der Präsident war auf sich allein gestellt, er wehrte sich mit einem Paddel. Carter blieb unverletzt, doch der Attentäter entkam.

21. Juli 2010, 14.48 Uhr:

Garantiert ausgerastet

von Jörn Schulz

Mario Damolin beteiligte sich als Journalist an der “Hilfsflotte” für Gaza, und nun erzählt er unter anderem dem Freitag, was an Bord geschah. Eigentlich will er natürlich Israel diskreditieren, doch ganz nebenbei kommt heraus, dass sich hinter der angeblichen Solidarität rassistische Ressentiments verbergen: „Es wird diskutiert, wie sich alle, also auch die Presseleute, zu verhalten haben, sollte das Schiff von israelischen Marines geentert werden. Man ist sich schnell einig: gewaltloser Widerstand, keine Aggressionen. In den Diskussionen werden von Einzelnen immer wieder Szenarien entwickelt, was passieren könnte. Ein Szenario sieht so aus: Sollten die Israelis ein Schiff mit 500 oder mehr gläubigen Muslimen entern, also die ‚Mavi Marmara’, dann wird es ein Gemetzel geben. Warum? ‚Das lassen die sich bestimmt nicht gefallen’ oder: ‚Garantiert sind da welche an Bord, die dann ausrasten.’“

Selbstbeherrschung ist ihm fremd, dem Muslim, die Zurückhaltung eines zivilisierten Mitteleuropäers kann man von diesen Wilden nicht erwarten. Der Muslim neigt nun mal zur Gewalttätigkeit. „Eine Gruppe willkürlich zusammen gewürfelter Menschen ist sich ziemlich einig über mögliche Konsequenzen einer Kaperung der ‚Marmara’. Sind dagegen den Spezialisten aus den Planungsstäben des israelischen Militärs solche Gedanken fremd?“ Ja, man kann wohl tatsächlich davon ausgehen, dass israelische Militärs nicht so rassistisch denken wie Berufspalästinenser.

21. Juli 2010, 13.45 Uhr:

The Comedy of Errors

von Jörn Schulz

Wir haben unseren Guido Westerwelle, die Amerikaner haben ihre Sarah Palin. Wer von beiden hat den höheren Unterhaltungswert? Wer von beiden spricht besser Englisch? Nun, zumindest ist Sarah Palin kreativer. And perhaps we misunderestimate her.

“Ground Zero Mosque supporters: doesn’t it stab you in the heart, as it does ours throughout the heartland? Peaceful Muslims, pls refudiate", twitterte sie. Refute? Repudiate? Fans und Feinde rätselten, was Palin gemeint hat. Sie antwortete: „English is a living language. Shakespeare liked to coin new words too. Got to celebrate it!” Was die friedlichen Muslime tun sollen, erklärte sie allerdings nicht.

Tatsächlich sind viele Begriffe bei Shakespeare zum ersten Mal schriftlich nachweisbar. Dass er sie erfunden hat, ist unwahrscheinlich, denn das Theater wurde damals von Angehörigen aller Klassen besucht. Er musste sich einer Sprache bedienen, die einem Adligen ebenso geläufig war wie einem Sattlergesellen, und niemand war damals der Ansicht, dass Texte oder Theaterstücke nur dann als tiefsinnig erachtet werden können, wenn man sie nicht versteht. Bekannter als für Wortneuschöpfungen ist Shakespeare daher für prägnante Aphorismen wie diesen: “A hollow pot makes the most noise.“

19. Juli 2010, 13.55 Uhr:

Cave poetam (3)

von Stefan Ripplinger

Die interessierte Leserin, den interessierten Leser des Aufsatzes über John Berryman und Jack Spicer weise ich auf ziemlich großartige Film- und Tonaufzeichnungen der beiden Dichter hin.

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5. Juli 2010, 12.54 Uhr:

"Tucho"

von Stefan Ripplinger

Weil sich der Selbstmord Carl Einsteins, eines der wenigen Europäer – denn ein Deutscher war er ja nicht –, die im letzten Jahrhundert interessant über Kunst geschrieben haben, zum 70. Male jährt, erlaubt sich die Frankfurter Rundschau ein wenig Ironie:

„Bei Kurt Tucholsky fand sich eine freche Bemerkung. 1931 zitierte er aus einer Rezension Einsteins - offenbar zu Gedichten Gottfried Benns - einen peinlich pompösen Satz. Dessen einziger Sinn, so Tucholsky, bestehe offenbar darin, auszuloten, was einer Redaktion alles zuzumuten sei. Tucholskys Methode ist fies, aber leider funktioniert sie stets, wie die Blattkritik täglich beweist. In diesem Fall kann man daraus aber einen versöhnlichen Schluss ziehen: Ein Schriftsteller muss kein guter Journalist sein und eine Zeitungskolumne keine Literatur.“

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2. Juli 2010, 18.19 Uhr:

Holland wird Weltmeister

von Ivo Bozic

So lautete ein Jungle World Titel vor der WM 2006. Damals hat es am Ende nicht ganz geklappt, aber wir haben ja auch nicht gesagt, WANN Holland Weltmeister wird, nur dass! Vielleicht bewahrheitet sich unsere Prognose ja bald schon.

Aus aktuellem Anlass verweisen wir noch einmal auf das damalige Heft

Darin u.a. eine Hommage von Alex Feuerherdt an einen Traum in Orange
und ein Interview mit Willi “Ente” Lippens, indem er unter anderem erzählte:

“Mein Vater hatte den Krieg erlebt und schlechte Erfahrungen mit den Deutschen gemacht. Er wollte nicht, dass ich Deutscher werde. ‘Dann brauchst du nicht mehr nach Hause zu kommen’, hat er mir gesagt. Auch Mama hat geweint. Dann bin ich halt Holländer geblieben.”

1. Juli 2010, 14.50 Uhr:

Nur der Glaube zählt

von Jörn Schulz

Fahnen schwenken kann jeder. Echten Patriotismus aber beweisen die Russen, jedenfalls die acht Prozent unter ihnen, die glauben, dass die russische Nationalmannschaft die WM gewinnen wird, obwohl sie gar nicht mitspielt.

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