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Kürzliche Beiträge
21. Juli 2010, 13.45 Uhr:

The Comedy of Errors

von Jörn Schulz

Wir haben unseren Guido Westerwelle, die Amerikaner haben ihre Sarah Palin. Wer von beiden hat den höheren Unterhaltungswert? Wer von beiden spricht besser Englisch? Nun, zumindest ist Sarah Palin kreativer. And perhaps we misunderestimate her.

“Ground Zero Mosque supporters: doesn’t it stab you in the heart, as it does ours throughout the heartland? Peaceful Muslims, pls refudiate", twitterte sie. Refute? Repudiate? Fans und Feinde rätselten, was Palin gemeint hat. Sie antwortete: „English is a living language. Shakespeare liked to coin new words too. Got to celebrate it!” Was die friedlichen Muslime tun sollen, erklärte sie allerdings nicht.

Tatsächlich sind viele Begriffe bei Shakespeare zum ersten Mal schriftlich nachweisbar. Dass er sie erfunden hat, ist unwahrscheinlich, denn das Theater wurde damals von Angehörigen aller Klassen besucht. Er musste sich einer Sprache bedienen, die einem Adligen ebenso geläufig war wie einem Sattlergesellen, und niemand war damals der Ansicht, dass Texte oder Theaterstücke nur dann als tiefsinnig erachtet werden können, wenn man sie nicht versteht. Bekannter als für Wortneuschöpfungen ist Shakespeare daher für prägnante Aphorismen wie diesen: “A hollow pot makes the most noise.“

19. Juli 2010, 13.55 Uhr:

Cave poetam (3)

von Stefan Ripplinger

Die interessierte Leserin, den interessierten Leser des Aufsatzes über John Berryman und Jack Spicer weise ich auf ziemlich großartige Film- und Tonaufzeichnungen der beiden Dichter hin.

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5. Juli 2010, 12.54 Uhr:

"Tucho"

von Stefan Ripplinger

Weil sich der Selbstmord Carl Einsteins, eines der wenigen Europäer – denn ein Deutscher war er ja nicht –, die im letzten Jahrhundert interessant über Kunst geschrieben haben, zum 70. Male jährt, erlaubt sich die Frankfurter Rundschau ein wenig Ironie:

„Bei Kurt Tucholsky fand sich eine freche Bemerkung. 1931 zitierte er aus einer Rezension Einsteins - offenbar zu Gedichten Gottfried Benns - einen peinlich pompösen Satz. Dessen einziger Sinn, so Tucholsky, bestehe offenbar darin, auszuloten, was einer Redaktion alles zuzumuten sei. Tucholskys Methode ist fies, aber leider funktioniert sie stets, wie die Blattkritik täglich beweist. In diesem Fall kann man daraus aber einen versöhnlichen Schluss ziehen: Ein Schriftsteller muss kein guter Journalist sein und eine Zeitungskolumne keine Literatur.“

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2. Juli 2010, 18.19 Uhr:

Holland wird Weltmeister

von Ivo Bozic

So lautete ein Jungle World Titel vor der WM 2006. Damals hat es am Ende nicht ganz geklappt, aber wir haben ja auch nicht gesagt, WANN Holland Weltmeister wird, nur dass! Vielleicht bewahrheitet sich unsere Prognose ja bald schon.

Aus aktuellem Anlass verweisen wir noch einmal auf das damalige Heft

Darin u.a. eine Hommage von Alex Feuerherdt an einen Traum in Orange
und ein Interview mit Willi “Ente” Lippens, indem er unter anderem erzählte:

“Mein Vater hatte den Krieg erlebt und schlechte Erfahrungen mit den Deutschen gemacht. Er wollte nicht, dass ich Deutscher werde. ‘Dann brauchst du nicht mehr nach Hause zu kommen’, hat er mir gesagt. Auch Mama hat geweint. Dann bin ich halt Holländer geblieben.”

1. Juli 2010, 14.50 Uhr:

Nur der Glaube zählt

von Jörn Schulz

Fahnen schwenken kann jeder. Echten Patriotismus aber beweisen die Russen, jedenfalls die acht Prozent unter ihnen, die glauben, dass die russische Nationalmannschaft die WM gewinnen wird, obwohl sie gar nicht mitspielt.

29. Juni 2010, 18.28 Uhr:

Bei sonnigem Wetter ist das Leben in Bayern recht angenehm

von Jörn Schulz

Es ist ein Jammer, dass unsere Politiker immer falsch verstanden werden. Nehmen wir Christine Haderthauer, die bayerische CSU-Sozialministerin. Sie sprach von einer „Familienpolitik à la Pinochet“, und nun glauben alle, das sei ein Vorwurf gewesen. Doch Franz Josef Strauß, der geliebte Führer, die Sonne Bayerns, urteilte 1973 über den Militärputsch in Chile: „Angesichts des Chaos, das in Chile geherrscht hat, erhält das Wort Ordnung für die Chilenen plötzlich wieder einen süßen Klang.“ Sein Wort ist für ein anständiges CSU-Mitglied Gesetz, also hat Haderthauer gewiss gemeint: Wie schön, dass es jetzt Ordnung und süße Klänge für die lieben Kleinen geben wird. Frieden in der Koalitioon wollte sie stiften, aber die Kryptokommunisten in den Medien sehen Diktatur, wo es nur Ordnung gab, und machen wieder alles kaputt.

29. Juni 2010, 10.23 Uhr:

Ziegen und Hunde

von Stefan Ripplinger

Ein Stündchen trotteten wir auf dem „Transgenialen CSD“ mit, bis mir das Transparent „Free Gaza“ direkt neben mir, auch die Friedrichshainer Sprüche aus dem ersten Wagen auffielen. Ich stöhnte, und G. meinte, meine schlechte Laune könnte den andern ihre gute verderben. Die Szene besteht hier und da aus ganz netten Leuten, glaube ich, kenne sie nur vom Sehen, aber ist doch intellektuell ein Elend. Das gilt allerdings auch für den großen CSD, den wir eine Woche zuvor besucht hatten. Die Kostüme waren phantastisch, aber doch nur Entr’actes in einer langen Prozession von Staatshomosexualität, erst der Wagen der Homos in der SPD, dann der Wagen der Homos in der CDU, dann der Wagen der Homos bei den Grünen, die hatten technische Probleme, vielleicht Solarstrom, dann der Wagen der Homos in der FDP, die trauen sich ja was, dachte ich, dann der Wagen der Homos bei der Linkspartei, trotz Nebenwiderspruch, man ist dabei. Für die Abfolge kann ich mich nicht verbürgen, aber der der SPD kam zuerst, das weiß ich noch, und der der CDU war mit Deutschlandflaggen geschmückt, wie übrigens einige weitere Wagen, das ist heute nicht mehr bös gemeint, habe ich mir sagen lassen.

Muss einer oder eine sich nun entscheiden, für den einen oder den anderen CSD? Lieber nicht. Der Kommentator der Taz immerhin hat sich entschieden, für beherzte Lobbyarbeit, also den ganz großen Umzug nach oben, aber kann sich wiederum nicht entscheiden, ob er Linke für Ziegen oder Hunde halten soll, denn entweder meckern sie oder sie bellen.

(Judith) Butler nobilitierte mit ihrer Preisverweigerung den neolinken Weg einer religiös anmutenden Praxis: Man hat so seine Gebete, die “Forderungen” genannt werden – dass sie auch erhört werden, ist freilich so offen wie alles, was meckernd einer höheren Macht entgegengebellt wird.

Das ist übrigens ganz so wie bei den Splittergruppen: Irgendeiner oder irgendeine singt immer schief und muss feierlich aus dem Chor ausgeschlossen werden, ja muss fortan als unmusikalisch gelten, ihm oder ihr eilt dann der Ruf voraus, für das Singen im Chor ungeeignet, im Grunde, da das chorische Singen ja eine menschliche Fähigkeit ist, auch kein Mensch zu sein, keiner wie du, ich oder Jan Feddersen jedenfalls. Ich weiß auch nicht, das nimmt mich gegen diese ganze verdammte Chorsingerei ein, obwohl ich sie ganz gern höre, wenn es der Rundfunkchor oder der Choeur de la Chapelle Royale ist, aber der Staat ist ja auch kein Chor, sondern die konzertierte Aktion der Normalen.

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