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Kürzliche Beiträge
12. Mai 2010, 18.52 Uhr:

Das perfide Etikett

von Jörn Schulz

Über Denkverbote beklagen sich immer Leute, denen man das Denken wahrlich nicht erst verbieten muss. Nun hat der Soziologieprofessor Walter Hollstein für Welt online wieder mal so ein „gefährliches Denkverbot“ entdeckt. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat nämlich die Studie „Geschlechterkampf von rechts“ von Thomas Gesterkamp veröffentlicht. „Besieht man sich genauer, was Gesterkamp da alles in einen angeblich braunen Sumpf wirft, sind das Autoren, Wissenschaftler und Institutionen, die Vorbehalte gegen den Feminismus geäußert haben. Das aber ist weder ein Sakrileg noch ein Angriff auf das Grundgesetz.“ Jemanden als „rechts“ zu bezeichnen, ist allerdings auch weder ein Sakrileg noch ein Angriff auf das Grundgesetz.

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Dreistigkeit Leute wie Hollstein Behauptungen in die Welt setzen, deren Unrichtigkeit ein jeder Mensch mit Internetzugang binnen zwei Minuten feststellen kann. Denn Gesterkamp wirft keineswegs alles in einen „braunen Sumpf“, er betont vielmehr: „Eine ‚Entlarvung’ männerrechtlicher Akteure nach dem Muster der früher üblichen, viel zu schematischen Rechtsextremismusforschung (‚Guilt by association’) führt zu Trugschlüssen. Nicht jeder, der zu einem Rechtsextremen Kontakt hält oder in einer rechtslastigen Zeitschrift publiziert, ist automatisch selber rechtsextrem.“ Doch Männertümler wie ihn – sein Name taucht im Quellenverzeichnis auf- „mit dem perfiden Etikett ‚rechts; zu versehen“, betrachtet Hollstein als „öffentlichen Aufruf zu einem Denkverbot“.

Perfides Etikett? Warum wollen die Rechten nicht mehr rechts sein? Es liegt nicht daran, dass ihnen der Unfug peinlich ist, den sie vertreten, was man ja verstehen könnte. Vielmehr soll auf diese Weise jede Kritik entlegitimiert werden. Denn außer ihnen gibt es ja nur noch linksextreme Inquisitoren der political correctness, die Denkverbote verhängen. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben, vielleicht hat der Professor nur etwas falsch verstanden. Deshalb, Herr Hollstein, möchte ich Sie an dieser Stelle öffentlich auffordern: Denken Sie! Man kann auch in fortgeschrittenem Alter damit anfangen. Versuchen Sie es wenigstens einmal!

11. Mai 2010, 13.06 Uhr:

Homegrown Terrorists

von Jörn Schulz

In Kalifornien wird im November über die Legalisierung von Marihuana abgestimmt, bereits jetzt darf man dort und in einigen anderen Bundesstaaten kiffen, wenn es der Gesundheit dient. Dazu muss man keine seltene Augenkrankheit haben, Appetitlosigkeit genügt, wenn man einen freundlichen Doc Dope konsultiert. Das passt einigen Hinterwäldlern in Montana nicht, sie verübten einen Brandanschlag auf zwei Verkaufsstellen für medizinisches Marihuana. Immerhin, die wertvolle Ware verbrannte offenbar nicht.

3. Mai 2010, 11.39 Uhr:

Natura naturans

von Stefan Ripplinger

„‚Kurz mal Kultur’ wurde Ihnen präsentiert von der Baumschule Späth.“

29. April 2010, 19.05 Uhr:

Wo ist eigentlich Thilo Sarrazin?

von Jörn Schulz

Während man nun selbst in der Bundesregierung langsam zu begreifen scheint, dass Deutschland gerade im Alleingang die zweite Phase der globalen Finanzkrise auslöst und selbst FDP-Politiker sich etwas vorsichtiger äußern, fällt auf, dass im Chor der Nationalchauvinisten eine Stimme fehlt: Wo ist eigentlich Thilo Sarrazin? Er ist gewiss nicht so dekadent, Urlaub zu machen. Haben ihn seine Vorstandskollegen von der Bundesbank gefesselt und geknebelt? Wie auch immer, Herr Sarrazin, Sie müssen sich jetzt nicht mehr bemühen, ich erledige den Job für Sie.

„80 Prozent der Griechen wollen nicht arbeiten“, sagte Thilo Sarrazin, der auf Einladung des Bundes der Kaltduscher in der Sparkasse Deppenhausen referierte. „Die große Zahl von Griechen hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel. Und Oliven mag ich sowieso nicht.“ Transferleistungen würden die Griechen nur dazu ermutigen, mehr Faulenzer in die Welt zu setzen, die den Leistungsträgern noch mehr Geld aus der Tasche ziehen. „Ich muss niemanden anerkennen, der uns unser hart erarbeitetes Geld nehmen will, um sich mehr Fleisch vom Gyros-Spieß abschneiden zu können.“ Angesichts des milden Klimas „braucht da keiner eine Heizung“, erläuterte Sarrazin seine Sparpläne für Griechenland. Auch die Wasserversorgung sei verzichtbar: „Die haben das Meer ja vor der Haustür.“ Die Gerüchte, er arbeite nun an einem Menüplan für Griechen, wies Sarrazin zurück: „Von Menü kann keine Rede sein. Man kann sich auch mit Brot völlig gesund, wertstoffreich und vollständig ernähren.“

28. April 2010, 16.23 Uhr:

Nein, die Wolken werden nicht verschwinden

von Jörn Schulz

Bei Auftritten von Angela Merkel wird immer noch „Angie“ gepielt, so auch in Bocholt. Das habe ich ja schon mal kommentiert. “Where will it lead us from here?” Nun, möglicherweise führt Merkels Griechenland-Politik zu „einer europäischen Version der Lehman-Krise“.

Ich habe aber auch den passenden Song für Papandreou, nämlich “19th Nervous Breakdown”: “Oh, who’s to blame, that girl’s just insane. / Well nothing I do don’t seem to work, / It only seems to make matters worse.” Vielleicht bald auch “Dead Flowers”: “Well when you’re sitting there in your silk upholstered chair / Talkin’ to some rich folk that you know / Well I hope you won’t see me in my ragged company”. Er könnte es auch nochmal mit “Emotional Rescue” versuchen: “Is there nothing I can say / Nothing I can do / To change your mind”. Aber letztlich: “You’ll never break, never break, never break, never break / This heart of stone”.

Den anderen Griechen empfehle ich “Beast of Burden”: “I’m not too blind to see / I’ll never be your beast of burden”. Und natürlich: “Ev’rywhere I hear the sound of marching, charging feet / ‘Cause summer’s here and the time is right for fighting in the street”.

27. April 2010, 19.00 Uhr:

Wir haben hier Spiele

von Jörn Schulz

Wir sollten uns lieber nicht um den Kontakt mit Aliens bemühen, meint Stephen Hawking, weil es uns sonst so ergehen könnte wie den Leuten, an deren Strand einstmals eine Horde halb verhungerter Spanier angespült wurde. Es ist erfreulich, dass Hawking interstellare Reisen nun offenbar für möglich hält. Ich habe selbst schon darauf hingewiesen, dass man nicht genau wissen kann, ob Aliens nette Leute sind, aber auch darauf, dass die Debatte über Außerirdische eher irdische Befindlichkeiten wiedergibt. Schließlich haben wir ja keine Ahnung, was da draußen los ist. Nun ist mal wieder Krise, die Erdlinge gehen aufeinander los, einer gönnt dem anderen nicht den Dreck unter den Fingernägeln, und schon heißt es: Die Aliens wollen unser – ja, was eigentlich?

Das ist nämlich der Haken. Die Konquistadoren wussten, was sie wollten: Gold, Gold, Gold und außerdem noch Gold. Aber reist man wirklich zwischen den Sternen, um Fort Knox zu knacken? Und selbst wenn, sollen sie das Zeug doch mitnehmen. Vielleicht kaufen sie uns bei der Gelegenheit ja ein paar Finanzderivate ab. Aber seien wir einmal ehrlich: Dieser heruntergekommene Planet hat kaum etwas zu bieten. Wie auch immer die Aliens hierher kommen, einen Dieselantrieb haben sie gewiss nicht. Unser Öl können wir also behalten.

Wie üblich gibt die Science Fiction die interesantesten Antworten. Die Suche nach exotischen Leckereien könnte tatsächlich ein Grund sein, die weite Reise zu unternehmen. Es wäre Pech, wenn wir die begehrte Leckerei sind. Aber vermutlich gäben sich die Aliens mit einer Hähnchenkeule und ein paar Burgern zufrieden. Originell ist auch die Lösung bei „Predator“ (der zweite Teil mit Danny Glover ist übrigens viel besser als der erste mit Arnie), die Aliens kommen zur Großwildjagd. Das Großwild sind Menschen, aber die Predators sind Sportsmänner (ich vermute mal, es sind Männer, die Gender-Frage ist allerdings nicht wirklich geklärt), sie jagen nur Bewaffnete. Friedliche Zeitgenossen wie Sie und ich haben also nichts zu befürchten. Nebenbei bemerkt, falls das hier jemand aus Hollywood liest: wäre doch eine gute Idee, einen Predator gegen die Taliban antreten zu lassen („Predator III – Hunting in Kandahar“). Ich hoffe, das war jetzt nicht zu islamophob.

Aber zurück zum Thema. Bei aller Liebe zu “Stargate” (der Serie natürlich, der Film taugt nichts), wir werden gewiss nicht als Sklaven der Goa’uld enden. Die Lohnarbeit ist der Sklaverei überlegen, das weiß sogar Guido Westerwelle, und soviel Verstand wie dem können wir einem Alien schon zutrauen. Wenn wir für sie arbeiten sollen, werden sie uns auch bezahlen, und für die meisten von uns dürfte selbst der intergalaktische Mindestlohn eine Verbesserung bedeuten. Wenn sie uns als Gastarbeiter mitnähmen, bekäme die Formel vom “Aufstieg” endlich mal eine konkrete Bedeutung.

Sehr gelungen finde ich die Variante von Deep Space Nine, wo die ersten Besucher aus dem Delta-Quadranten sagen: „Wir haben gehört, Sie haben hier Spiele.“ Die Aliens reisen 70000 Lichtjahre, um im „Quark’s“ zu zocken. Ich glaube, diese Version kommt der Wahrheit am nächsten. Es geht den Aliens nicht um neue Erkenntnisse, und falls doch, werden sie ziemlich enttäuscht sein, wenn sie hier landen. Aber die ewige Suche des Aliens nach Entertainment könnte ein Grund sein, hier mal vorbeizuschauen. Deshalb rate ich auch den Leuten, die irgendetwas in den Weltraum hinaussenden: Versucht gar nicht erst, den fälschlichen Eindruck zu erwecken, dieser Planet werde von verständigen Lebewesen bewohnt. Sendet lieber: “Wir haben hier Spiele! Schrille Filme! Coole Musik!” Dann klappt’s vielleicht irgendwann mit den kosmischen Nachbarn.

26. April 2010, 18.45 Uhr:

Busenbeben

von Lieselotte Kreuz

“In the name of science, I offer my boobs” kündigt Jen McCreight an, und wenn wir uns beeilen, können auch wir noch ein bisschen mitmachen beim heute stattfindenden ersten internationalen Boobquake. Es ist ganz einfach: Schrank auf, Flittchenklamotten raus, anziehen und abwarten, ob’s ein Erdbeben gibt. Ein großes. Das sollte es nämlich, folgert die Bloggerin aus Indiana, zumindest, wenn an der Mitteilung des iranischen Geistlichen Hojatoleslam Kazem Sedighi was dran ist, die vielen Erdbeben im Iran würden ausgelöst durch, na, ratet ihr’s? Genau: Durch Frauen, die sich unanständig anziehen! Weil das doch zu mehr Ehebruch führt und dann wird Gott böse. Also los, wir gucken mal, ob’s nicht doch viel einfacher ist als gedacht, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen, höhöhö. Männer müssen natürlich leider draußen bleiben, weil die ja offenbar selbst mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel und Rocksaum in Steißbeinhöhe nicht das allerkleinste Erdbeben zustande kriegen.
Vor Erkältungen braucht sich übrigens keine zu fürchten, wir können einfach schön in unseren warmen Zimmern sitzen bleiben, nachdem wir die dünnen kleinen Stoffrestchen an unseren Körpern befestigt haben. Gott sieht schließlich alles.

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