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Kürzliche Beiträge
4. Oktober 2009, 22.05 Uhr:

Zypern World: Die Gefahr

von Ivo Bozic

Heute war der erste richtige Recherchetaggroßeinsatz. Und dies sehr erfolgreich. Auch wenn ein paar Kollegen schon wieder mit der Obrigkeit in Konflikt gerieten - und das waren NICHT die Kollegen, die zum angekündigten Straßenkampf gefahren sind, sondern die, die einfach mal zum Knipsen gen Norden fuhren.

Das zu produzierende Blatt nimmt so langsam Gestalt an, in unserem Office hängen schon alle Fahnen aus, die meisten noch sehr weiß. Aber wir wissen schon, so ungefähr, was wo stehen soll, immerhin. Morgen früh müssen fast alle früh raus zu Terminen, und auch da könnte es wieder gefährlich werden.Und dann tischte uns unser Gastgeber eben auch noch ein gefährlich üppiges zyprisches Gelage auf, so dass wir irgendwann beim x-ten Gang Stopp schreien mussten. Von der ständigen Gefahr Sonnenbrand ganz zu schweigen. Sie sehen, wir geben alles für Sie! Yammas!

3. Oktober 2009, 21.10 Uhr:

Zypern World: Der Mythos

von Jörn Schulz

Vermutlich haben Sie sich schon immer gefragt, was wir so treiben auf unseren Auslandsreisen, wenn wir ausnahmsweise einmal nicht für Sie recherchieren, redigieren oder schreiben. Ohne allzu indiskret zu werden, kann ich soviel verraten: Kulinarische Debatten spielen eine wichtige Rolle in der betriebsinternen Kommunikation. Da gibt es beispielsweise einen Redakteur, der die ausgesprochen exzentrische Ansicht vertritt, der Fischverzehr sei eine unzivilisierte Angewohnheit. Doch selbstverständlich beschäftigen uns auch philosophische und theologische Fragen. Wie Sie bereits erfahren haben, sind wir Fans von Aphrodite. Dementsprechend empört waren wir, als wir davon hörten, dass die Göttin zwangsverheiratet wurde. Ähnliches widerfuhr übrigens Athene. Allerdings haben beide einen Weg gefunden, ihre Interessen zu wahren.
Wenn die Mythologie ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse ist, müssen die griechischen Patriarchen auf erhebliche Probleme bei der Durchsetzung ihrer Pläne gestoßen sein. So haben wir uns entschlossen, die griechische Mythologie im Lichte der Gender-Diskurse und selbstverständlich auch des proletarischen Polytheismus näher zu betrachten. Mythos heißt übrigens auch eine der hier erhältlichen Biersorten.

3. Oktober 2009, 18.24 Uhr:

Zypern World: Der Anschlag

von Ivo Bozic

Die ersten Fahnen hängen, sprich: Die esten Seiten sind schon fertig produziert. Aber eigentlich geht es hier erst so langsam richtig los. Heute Mittag kam der Präsident des zyprischen Journalistenverbandes vorbei, um uns offziell zu begrüßen, denn wir sind ja auf seinem Anwesen, also im Feriendorf des Verbandes, untergebracht. Der Präsident ist ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Herr, der von weitem äußerlich locker als David Ben Gurion durchgehen würde.

Dann ist das wohl der Moment, unseren Sponsoren zu danken, heute vor allem der Firma Office-Discount für die wunderbare Luftmatratze. Einige Kolleginnen und Kollegen kommen grad (wir habens hier eine Stunde später als in Deutschland) von der Traumstrand-Recherche, ein anderer Trupp suchte in Limassol die Bundeswehr, stieß dabei auf unerwartete Schwierigkeiten und entging später im Kreisel nur um Haaresbreite einem Anschlag, vermutlich des MAD (so die Spekulationen…) Die Ergebnisse dieser aufregenden Recherche lesen Sie dann am 15. Oktober in der “Jungle World". Das Ergebnis der Traumstrand-Recherche kann ich schon jetzt verkünden: Ja, gibt es, aber mit Antzionisten.

2. Oktober 2009, 17.44 Uhr:

Zypern World Tag 1

von Ivo Bozic

Eigentlich Tag 2, doch Tag 1 verbrachten wir komplett mit Zugfahren, Fliegen und Linksverkehr. Und fanden unsere Unterkunft im „Journalist Village“ erst mitten in der Nacht. Unser Korrespondent aus Griechenland reiste erst am Morgen an. Jetzt sind wir also endlich angekommen auf der Insel der Liebe. Und wollen nicht klagen. Unsere Bungalows haben Meerblick, für den Produktionsraum haben wir ein eigenes Büro eingerichtet, mit Internet und allem Pipapo, und direkt über dem Restaurant, das wir von hier aus durch eine Glaswand überwachen können. Wenn wir nicht zur anderen Seite raus auf die Sonnenterrasse treten. Oder gleich ans Meer, nur ein paar Schritte von hier. Manche finden es zwar etwas zu warm, das Wasser, der Strand ist okay, aber Idylle sieht anders aus. Aber wer will schon Idylle?

Heute Morgen kam der Präsident des zyprischen Journalistenverbandes hier vorbei, um uns offiziell zu begrüßen, aber da schliefen wir noch. Er will es morgen noch mal versuchen. Sagte man uns. Das hoffen wir doch! Die Technik funktioniert, Internet steht, W-Lan, Z-Lan und andere Netze, um halb Sieben soll die erste Sitzung sein, gleichzeitig wird gekocht, griechisch (haben wir etwa schon Präferenzen im Zypernkonflikt?). Und der Ausflug in die Altstadt von Larnaca? Hmmm.

Zwischen unseren Bungalows wachsen Granatäpfel und Zitronen. In Griechenland läuft die letzte Phase des Wahlkampfs, das interessiert die Menschen hier. Wo soll die Sitzung stattfinden? Auf einer Bungalowterrasse? Im Tempel der Aphrodite neben dem plätschernden Springbrunnen? Im Restaurant? Vorm Restaurant? Im Konferenzsaal? Im Büro? Am Strand? Nein, das wohl nicht. Wir werden sehn. Bis dahin erstmal: Yammas!

24. September 2009, 19.53 Uhr:

Sie wollen rein, ich will raus

von Jörn Schulz

Pirat ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder kann behaupten, er sei Pirat. Ich aber, als Nachfahre des berühmten Gödeke Michels, der die Hamburger Pfeffersäcke vor Schreck erzittern ließ, sage euch: Piraten wollt ihr sein? Da lacht ja der Klabautermann. Süßwassermatrosen seid ihr!

Dass der Kurs nach Steuerbord geht, hat meine Kollegin Elke Wittich schon erläutert. Aber zum Glück sind die Süßwassermatrosen liebe, brave Jungs, die konstruktiv für den Standort arbeiten. „Den 11. Tag der offenen Tür der Bundesregierung am 22. und 23. August hatten Piraten genutzt, sich über die Struktur der einzelnen Ministerien zu informieren. Bei dieser Untersuchung ist aufgefallen, dass es bereits viele Referate in verschiedenen Ministerien gibt, in denen die Piratenpartei Kompetenzen vorweisen kann“, sodass einer Koalition mit wem auch immer nichts im Wege steht. Da war selbst Gerhard Schröder noch radikaler, als er im Suff am Gitter des Kanzleramts rüttelte und brüllte „Ich will da rein.“

Doch halt, etwas mehr Ehrgeiz haben die Süßwassermatrosen schon, wenigstens einer soll Maat werden. Deshalb „wurde der Entwurf von einem ‚Ministerium für die Wissens- und Informationsgesellschaft’ ins Piraten-Wiki gestellt“. Darf es vielleicht auch noch Handyministerium sein? Auch der Posten eines Staatssekretärs für Twitter-Angelegenheiten könnte noch vergeben werden. „Im Referat ‚Intelligente öffentliche Infrastruktur’ sollen stärker die Interessen der Gesellschaft bei der Versorgung berücksichtigen werden, ohne dass dabei bereits privatisierte Versorgungsnetze verstaatlicht werden.“ Wo kämen wir sonst auch hin, wir sind ja hier nicht bei der Stasi. Nebenbei bemerkt: Ich brauche eigentlich keine intelligenten Abwasserrohre.

Aber ich will ehrlich sein. Ich habe auch schon mal an sowas gedacht. Ein Ministerium fehlt nämlich wirklich: Das Weltraumministerium, geführt von einem Experten mit galaktischen Fähigkeiten und universaler Weisheit. Geführt also von mir.

Mein Programm besteht im Wesentlichen aus zwei Punkten. Zunächst werde ich die Erfindung des Antigravitationsgürtels anordnen, der alle Transportprobleme des Menschen löst. Besoffen in der Kneipe und kein Geld für das Taxi? Kein Problem, werden die Leute dann sagen, ich schwebe per Autopilot heim, es gibt ja den A-Gürtel, den wir unserem genialen Weltraumminister verdanken! Legen Sie noch einen Raumanzug an, dann können Sie mit dem A-Gürtel auch Reisen innerhalb unseres Sonnensystems unternehmen. Ich werde selbstverständlich dafür sorgen, dass es endlich auch Raumanzüge für Raucher gibt.

Sodann werde ich den Warp-Antrieb und das Beamen erfinden lassen. Zweifellos gibt es da draußen bessere Welten. War ein toller Urlaub auf NGX-3489, werden die Leute dann sagen, was für ein Glück, dass unser ansonsten unterbelichteter Planet wenigstens einen brillanten Weltraumminister hat. Die Aliens werden dann ganz von selbst mit uns Kontakt aufnehmen, weil sie hier nun endlich eine würdigen Gesprächspartner vorfinden, nämlich den unvergleichlichen…, nun, Sie wissen wohl, wen ich meine.

Internet war gestern, die Zukunft liegt da draußen, wo noch nie zuvor ein Süßwassermatrose gewesen ist. Da habt ihr Glück gehabt, dass ich diesmal noch nicht antrete. Das Direktmandat für das Sonnensystem wäre mir sicher gewesen.

23. September 2009, 17.56 Uhr:

Plüsch am Hindukusch

von Jörn Schulz

Unsere Jungs haben es wirklich nicht leicht. Bild enthüllt den Skandal: „Soldaten müssen 40 Jahre alte Unterwäsche tragen!“ Wenn es kalt wird in Afghanistan, müssen sie in Wirkplüsch-Unterhosen schlüpfen. Die Bundeswehr meint, dass diese Unterhosen sich bereits im Kalten Krieg bewährt haben. Aber kann man so einen Stabilisierungseinsatz gewinnen? Ich finde, Bild sollte dazu aufrufen, den Armen wenigstens willy warmers zu stricken, um das Schlimmste zu verhindern. Manche Kommentare der Leser offenbaren allerdings wenig Mitgefühl: „Wollen die da unten ne Modenschau veranstalten, oder warum ist die Unterwäsche soo wichtig?“

22. September 2009, 18.46 Uhr:

Geh erstmal zum Friseur!

von Jörn Schulz

Nein, Herr bin Laden, so machen Sie mir keine Angst. Dieser Harrach kann vielleicht beim Casting für den zweiten Teil von “Grease” eine Nebenrolle ergattern, aber ein bisschen furchterregender sollte ein Terrorist schon aussehen. 32 Jahre soll er alt sein, aber er müsste am Eingang zur Disco sicher seinen Ausweis vorzeigen. Gewiss, dieses Problem stellt sich bei Ihnen in Waziristan nicht. Aber wenn so einer in Ihr mittleres Management aufsteigt, muss ich vermuten, dass Sie ernste Personalprobleme haben.

By the way: Haargel ist megaout. Dem Guttenberg verzeihen die Deutschen so was, aber der ist ein Aristokrat und hat daher ein Recht auf exzentrisches Outfit. Und überhaupt: „Mich für Allah in die Luft zu sprengen ist mein Wunsch seit 1993“, behauptet Harrach. Dann hat er sich aber doch lieber 16 Jahre lang die Haare gegelt. Lassen Sie den Milchbubi wenigstens einen grimmigen Gesichtsausdruck einstudieren oder setzen Sie ihm beim nächsten Drehtermin eine Klingonenmaske auf.

Der Welt muss ich auch noch entnehmen, Harrach „könnte vielmehr nur als Denker und intellektueller Propagandist fungieren“. Tja, Herr bin Laden, wir sind hier wirklich nicht verwöhnt, was das Niveau des politischen Diskurses betrifft, aber was Ihr Harrach über die Finanzkrise fabuliert, klingt so, als habe es sich Jürgen Elsässer auf einem LSD-Trip zusammengereimt. Was, Sie haben noch nie von diesem Elsässer gehört? Warten Sie nur ab, vielleicht kommt er auf der Flucht vor den Discomiezen bald zu Ihnen in die Berge.

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