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Kürzliche Beiträge
18. September 2009, 08.52 Uhr:

300 Jahre Dr. Johnson

von Stefan Ripplinger

“No man but a blockhead ever wrote, except for money.”
(Samuel Johnson, 18.9. 1709 - 13.12. 1784)

16. September 2009, 18.21 Uhr:

Kapitale Kompetenz

von Jörn Schulz

Haben Sie heute schon eine Finanzkrise verursacht, eine Firma in den Bankrott geführt oder ein paar Milliarden Euro Staatsknete abkassiert? Nein? Dann sollten Sie das schleunigst nachholen, denn die „Top-Entscheider“ sind unzufrieden mit Ihnen. Sie „sprechen der Bevölkerung Wirtschaftskompetenz ab“, stellte das Magazin Capital fest.

Von 658 Spitzenpolitikern, Unternehmenschefs und Behördenleitern sind nur 0,1 Prozent der der Ansicht, die Deutschen „verstünden wirtschaftliche Zusammenhänge ‚sehr gut’, ganze 13 Prozent bewerten den Sachverstand mit ‚gut’. Dagegen halten 68 Prozent der Befragten die ökonomische Kompetenz der Deutschen für ‚weniger gut’, 19 Prozent sogar für ‚gar nicht gut’.“

Wüsste man es nicht besser, könnte man glauben, die deutsche „Elite“ habe wenigstens Humorkompetenz. Diese Leute haben zig Milliarden versemmelt, bis heute nicht begriffen, wie das passieren konnte und jammern nun, dass der Pöbel sie nicht richtig versteht. Dass eine „Elite“ nie einen Anlass für Zweifel an der eigenen Kompetenz sieht, ist allerdings ein aus der Geschichte gut bekanntes Phänomen. Die Art und Weise, wie sich die „Top-Entscheider“ einige Lichtjahre von der Realität entfernt wieder wohlgemut auf alten Pfaden bewegen, erinnert ein wenig an Ludwig XVI. Am Tag des Sturms auf die Bastille trug er in sein Tagebuch ein: „Rien.“ Er hatte auf der Jagd nichts geschossen. Bedauerlich nur, dass den Deutschen vielleicht nicht die Wirtschaftskompetenz, zweifellos aber die Revolutionskompetenz fehlt.

15. September 2009, 15.43 Uhr:

Skandal bei Notlandung!!!

von Ivo Bozic

Nein, Münte! So geht das nicht! Sich als erster aus dem Staub machen, und dann auch noch alle Sicherheitshinweise missachten! Wie haben wir es bei jedem Flug immer wieder eingetrichtert bekommen? Genau: Schuhe aus vor dem Benutzen der Aufblasrutsche. Ein Bild-Leserreporter entlarvte Münte! Und dann sehen wir auf dem nächsten Bild auch noch eine CDU-Staatssäkretärin auf der Notrutsche mit spitzen, hochhackigen Pömps!

Also, liebe Leserinnen und Leser, hier ein Sicherheitshinweis, der nicht auf der Karte vor Ihnen in der Sitzlehne steht: Vermeiden Sie Flüge mit Politikern und wenn das nicht geht, dann versuchen Sie auf jeden Fall, vor ihnen aus dem Flugzeug zu springen. Sonst kanns eng werden. Viel Glück!

11. September 2009, 18.32 Uhr:

Wirb oder stirb

von Jörn Schulz

Na also, der Wahlkampf der FDP kommt doch noch in Schwung, vermutlich sogar ohne Zutun von Westerwelle. Das „Internet-Manifest“ preist den Markt als Lösung im Streit um das Urheberrecht und das sogenannte geistige Eigentum. „Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren.“

Die klassische Terminologie des Wirtschaftsliberalismus: Gute Anpassung, böser Bestandsschutz, nicht zu vergessen der „Mut“, der Appell an die männliche Ehre fehlt nie, wenn man den Leuten nahelegt, sie sollen sich nicht so haben, wenn sie gefeuert werden und gefälligst auch noch ihre Restpersönlichkeit daraufhin überprüfen, ob sie mit den Marktgesetzen harmoniert.

„Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.“ Vielleicht so: Mercedes Bunz unterschreibt das Internet-Manifest, und weil sie für den britischen Guardian arbeitet, vermutlich mit Bestandsschutz, also einem festen Gehalt statt eines Anteils an den Online-Werbeeinnahmen, schreibt sie dort gleich etwas über das Manifest. Der Text ist nicht nur völlig unkritisch, er enthält auch keinen Beleg für die behauptete „mainstream media attention“. Doch nun, da es im Guardian stand, ist die „attention“ da. Ja, „Links lohnen“. „Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus.“ Soziale Vernetzung nennt man das heute, ich halte den guten alten Begriff der Vetternwirtschaft allerdings für passender.

2. September 2009, 19.00 Uhr:

Da muss noch Curry bei die Wurst

von Jörn Schulz

Vera Lengsfeld scheint Dieter Althaus nicht zu mögen, das immerhin spricht für sie. Doch scheint sie, wie viele ehemalige DDR-Bürgerrechtler, Probleme zu haben, sich im real existierenden Kapitalismus zurechtzufinden. Lengsfeld tritt in Kreuzberg an, wo die CDU es schon als Sieg feiern kann, wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde überspringt. Überdies scheint sie erhebliche Integrationsprobleme zu haben.

Auf ihrem Blog wird betont: „Wir halten es uns als Vorzug zugute, dass wir keine professionelle Marketing-Kampagne ausrollen. Das ist alles selbstgemacht, was Ihr hier lest.“ Weil das Plakat so ein Erfolg war, glaubt Lengsfeld vermutlich, ihr Wahlkampf laufe gut. Doch das ist nicht der Fall. Deshalb, Frau Lengsfeld, werde ich Ihnen, ohne ein Honorar zu verlangen, ein paar Tipps geben, damit Sie den Ströbele doch noch schlagen können. Warum? Ich möchte einfach das dumme Gesicht von Ströbele sehen, wenn er die Wahl verloren hat. Und ich erwarte, dass Sie dann, gestärkt durch den für unmöglich gehaltenen Sieg, mal eben nach Thüringen gehen und dem Althaus gehörig in den… Ich hoffe, der Deal steht.

Mein erster Rat: Informieren Sie sich besser über die Berliner Stammestraditionen. Damit es nicht mehr zu solchen Ausrutschern kommt: „Oder wie der Berliner sagt: ‚Butter bei die Fische!’“ Der Berliner? Die Redensart stammt aus Norddeutschland. „Curry bei die Wurst“ ginge schon eher. Die Berliner wissen ja kaum, wie ein Fisch aussieht. Damit wären wir beim zweiten Rat: Widmen Sie sich als erste Berliner Politikerin dem Kampf gegen die Versorgungsnöte. Das Problem dürfte Ihnen ja aus der DDR noch bekannt sein. Dass es unter einer rot-roten Regierung wieder auftaucht, wird Sie nicht überraschen. Neben dem Mangel an frischem, aber erschwinglichem Seefisch ist es vor allem der Mangel an schmackhaften Backwaren, der den Berliner bewegt. Da wird er staunen, der Ströbele, wenn Sie ihm mal nicht mit der üblichen Predigt kommen, sondern ihn fragen, warum unter seiner Herrschaft so viele vertrocknete Mandelhörnchen verkauft werden.

Mein dritter Rat: Denken Sie daran, dass Sie in Berlin kandidieren. Auf Ihrem Blog musste ich lesen: „Die Eliten von heute sind Leistungseliten, die keine gesellschaftlichen Privilegien genießen und sich am Markt durchsetzen müssen. Die kulturelle Intelligenz dagegen hätte nach wie vor gerne lieber staatliche Gelder als Gewinne auf dem Markt. Deshalb findet man in dieser Gruppe die aktivsten Kämpfer für einen alles bestimmenden Staat. (…) Dabei wird eine schamlose Ausbeutung der Leistungsträger anstandslos in Kauf genommen.“ Mal abgesehen davon, dass Frau Merkel Sie sicher gern darüber informieren wird, dass es ohne gewaltige Mengen Staatsknete keinen Markt mehr gäbe, auf dem sich Leistungsträger tummeln können, sollten Sie sich eines vor Augen halten: Ohne schamlose Ausbeutung des Staates gäbe es diese Stadt gar nicht. Zwei aufgeblähte und privilegierte Hauptstädte wurden 1990 zu einer verschmolzen, die, rein marktwirtschaftlich betrachtet, zu schätzungsweise 90 Prozent überflüssig ist. Deshalb ist in Berlin auch soviel von Kultur die Rede, irgendwie muss man ja versuchen, der Stadt eine Existenzberechtigung zu geben. Keiner in der Stadt gibt das zu, aber alle wissen es, deshalb wird hier nur jemand Erfolg haben, von dem man erwarten kann, dass er mit allen Mitteln um Staatsknete kämpft.

Damit kommen wir zum vierten Rat: Sagen Sie nicht im falschen Moment die Wahrheit. „Aus aller Welt strömen die ‚Kreativen’ nach Berlin. Hier ist es im Vergleich mit anderen Großstädten billig.“ Das stimmt natürlich, aber so verärgern Sie gleich zwei Wählergruppen, die Lokalpatrioten, denen Sie die Illusion nehmen, die Anziehungskraft Berlins beruhe auf der Schönheit der Stadt oder dem tollen Nachtleben, und die „Kreativen“, die natürlich nie zugeben würden, dass sie nur hier sind, weil sie sich die Miete in Paris nicht leisten können.

Womit wir beim letzten und wichtigsten Rat wären: Verärgern Sie nicht die Leute, die Sie wählen sollen. Sie mögen die „Kreativen“ nicht, das ist verständlich. Doch wenn Sie erzählen sollen, was Sie für diese Leute tun wollen, nörgeln Sie über „Besetzer“ im Bethanien, die längst Mietverträge haben und über Leute, die auf der Admiralitätsbrücke Lärm machen. Dem Moderator, der Sie dann unterbrach, sollten Sie noch heute einen Dankesbrief schreiben, denn vermutlich wollten Sie nochmal den 1. Mai Revue passieren lassen. Doch in Kreuzberg gilt nicht der Polizist als Leistungsträger, der die meisten Demonstranten verprügelt, sondern der „Kreative“.

Wenn in dieser Stadt außerhalb des Staatsapparats noch jemand arbeitet, dann ist es ein „Kreativer“. Und diese Leute sammeln sich in Kreuzberg. Ja, in Ihrem Wahlkreis. Wenn Sie mir das nicht glauben, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung werden Sie doch wohl noch vertrauen. Also: Spalten Sie die „Kreativen“! Sprühen Sie ein Graffito ans Bethanien und lassen Sie sich dabei erwischen! Versprechen Sie, bei Merkel ein Rettungspaket für Kreative anzumahnen! Schwatzen Sie von kultureller Vielfalt, versprechen Sie Change! Stellen Sie dabei Ströbele als den Kim Jong-il von Kreuzberg da, dessen altmodische Politik den kreativen Fortschritt bremst! Wenn Sie diese Ratschläge beherzigen, ist der Sieg sicher. Aber vergessen Sie unseren Deal in Sachen Althaus nicht.

26. August 2009, 19.20 Uhr:

Autonome im Kanzleramt

von Jörn Schulz

Wieviel Wein muss man trinken, um einen Abend mit Kai Diekmann ertragen zu können? Ist eine Tischrede von Angela Merkel einschläfernder als die Konversation von Jürgen Hambrecht (BASF)? Was hat der Vegetarier Frank Elstner mit seinem Schnitzel gemacht? Mit welcher Ausrede hat Merkels Ehemann sich gedrückt? Statt die wirklich wichtigen Fragen zu stellen, beschäftigen sich Presse und Öffentlichkeit einmal mehr mit Nebensächlichkeiten. Eines aber sollte jedem klar sein: Ein Spaß war Ackermanns Geburtstagsfeier im Kanzleramt sicher nicht. Es gibt keinen Grund, an den Angaben Klaus-Dieter Lehmanns, des Präsidenten des Goethe-Instituts, zu zweifeln, der sagt, dass Merkel ein „ertragreiches Gespräch über gesellschaftspolitische Positionen zustande gebracht“ hat.

Bereits vor Jahren habe ich erläutert, dass die Bourgeoisie zu ihren puritanischen Wurzeln zurückkehrt, und natürlich folgt ihr das politische Personal auf diesem Weg wie auf jedem anderen. Sorgen sollte uns deshalb nicht die Tatsache bereiten, dass Merkel Steuergelder verprasst hat. Das ist ihr Job, und für den Preis einer Hypo Real Estate ließen sich Millionen Ackermänner bewirten. Doch ist offenbar der Irrglaube sehr weit verbreitet, wenn Merkel Ackermann eine Rechnung geschickt hätte, wäre dies ein Zeichen für eine von den Interessen der Deutschen Bank unabhängige Regierungspolitik.

Sorgen sollte uns vielmehr die Tatsache bereiten, dass die Herrschenden nicht mehr zu Feiern verstehen. Denn eine herrschende Klasse, die sich zu amüsieren versteht, ist weit eher bereit, auch dem Pöbel etwas Amüsement zuzugestehen, wenn sie sich denn überhaupt für dessen Treiben interessiert. Die gehässige und bürokratische Pedanterie, mit der Hartz-IV-Empfänger schikaniert werden, ist ein Ausdruck der gleichen Haltung, mit der SPD und „Die Linke“ nun über Ackermanns Schnitzel quengeln. Es ist wie bei den US-Evangelikalen, die besessen sind von dem Gedanken, jemand anders könnte gerade den Sex haben, den sie selbst sich verbieten. Weil sie selbst sich nicht amüsieren können, ertragen sie nicht, wenn jemand anders es ihrer Ansicht nach tut. Noch dazu ohne sie.

Amerika ist da leider kein Vorbild mehr. Früher war das anders. Bei der Feier zur Erstellung der US-Verfassung wurden für 55 Männer 55 Flaschen Madeira, 60 Flaschen Bordeaux, 22 Flaschen Port, acht Flaschen Whiskey, sieben Bottiche Punsch sowie Bier und Cider gereicht. Die schöne Idee mit dem „pursuit of happiness“ hatten die Amerikaner schon elf Jahre vorher. Wer käme heute noch auf so eine Idee? Obama vielleicht, aber den Kongress würde das Glücksversprechen sicher nicht passieren. Die US-Bourgeoisie ist nun sogar führend in Sachen Puritanismus.

Es geht nicht mehr um Genuss, sondern um Status. Das gilt auch für die Boni der Banker. Die Empfänger wollen sich nicht etwas besonders Schönes kaufen und benötigen dafür das Geld. Der Bonus belegt den Status, seine Höhe zeigt, welchen Rang man in der Oligarchie einnimmt. Deshalb kämpfen die Banker so erbittert für die Sonderzahlungen wie einst barocke Fürsten über die Sitzordnung bei einem Hofbankett stritten.

Auch bei den Einladungen ins Kanzleramt geht es um den Status. Die Eingeladenen kämen auch, wenn trockene Brotkanten gereicht würden. Hauptsache, man gehört dazu. Das wäre eine harmlose Schrulle, wenn die Betreffenden nicht tatsächlich glauben würden, es sei „eine erstaunlich gute Mischung aus Wirtschaft, Politik und Kultur“ (Lehmann), wenn sie sich treffen. Es ist ähnlich wie in der linken Szene. Auch da treffen sich die immer gleichen Leute zu ertragreichen Gesprächen über gesellschaftspolitische Positionen, versichern einander ihre Wichtigkeit, intrigieren, kämpfen erbittert um ihren Status und den ihrer Combo, schimpfen über die Ignoranten da draußen und verwechseln dann irgendwann ihre eigene kleine Welt mit dem wirklichen Leben. So wird dann etwa die Kleider- und Fahnenordnung bei Demonstrationen zum Brennpunkt leidenschaftlicher Debatten.

Die autonome Szene im Kanzleramt kann erheblich mehr Schaden anrichten. Ich wüsste gern, wann zum ersten Mal „die Wirtschaft“ als Synonym für Manager und Unternehmer benutzt wurde. Kaum jemand käme auf die Idee, jeden Junkie zum Drogenexperten zu ernennen, während die Tatsache, dass jemand viel Geld verdient, ihn umgehend zum Ökonomen bzw. „der Wirtschaft“ höchstpersönlich macht. So verbreitet sich dann die Einschätzung, die Wirtschaftskrise sei überstanden. Da alle in der kleinen Welt der Merkels und Ackermänner das glauben oder wenigstens behaupten, muss es ja so sein.

Muss man dann auch noch lesen „Merkel schätzt die Bildung Ackermanns“, und befürchten, dass es stimmt, so wird deutlich, dass „die Wirtschaft“ auch für gesellschaftpolitisch kompetent gehalten wird. Ein beträchtlicher Teil der eingeladenen „Wirtschaft“ (u.a. BASF, Roland Berger, Trumpf) engagiert sich in der „Wissenfabrik“, die u.a. unschuldige Kinder mit betriebswirtschaftlichem Unfug quälen will. Dort ist auch Hochtief Mitglied, ein Unternehmen, das führend bei der Privatisierung des Schulbetriebs ist. Da bekommt der Begriff des ertragreichen Gesprächs gleich einen ganz anderen Klang.

20. August 2009, 19.19 Uhr:

Lieber untot als tot

von Jörn Schulz

Manchmal bedaure ich, dass ich kein Wissenschaftler geworden bin. Es war sicher ein Riesenspaß, die Studie zum Thema “If there was to be a battle between zombies and the living, who would win?” zu erstellen. Doch ist der an die Lebenden gerichtete Ratschlag „hit them hard and hit them often” wirklich klug und realistisch? Weitblickendere humanoide Strategen geben unter anderem zu bedenken, dass die EU zweifellos zunächst Zombie-Ausschüsse bilden und es an Kritikern des „war on zombies“ nicht mangeln würde.

Ich vermute, das recht schnell PETZ (People for the Ethical Treatment of Zombies) entstehen und die Kritik an den Ernährungsgewohnheiten der Untoten als ein anthropozentrisches Ressentiment geißeln würde. Die postmoderne Kritik würde den Begriff des Zombietums als soziale Konstruktion entlarven. “Zombies sind wie wir", sagt George A. Romero, und der muss es ja wissen. Während sich Friedrich-Ebert- und Heinrich-Böll-Stiftung um den Dialog mit den Untoten bemühen, auch wenn der eine oder andere Referent verspeist wird, warnt die Friedensbewegung, dass die Zombophobie und der „war on zombies“ zu einem Flächenbrand und einem neuen Wettrüsten führen werden, und Jürgen Elsässer veröffentlicht “Terrorziel Mensch. Das gefährliche Doppelspiel der Geheimdienste” mit unzähligen Beweisen für die Steuerung der Zombiebewegung durch CIA und Mossad.

Zu wenig Interesse wurde bislang den potenziellen Entwicklungen unter der Untoten zuteil. Tatsächlich wird der aufgeklärte Zombie an einem Dialog interessiert sein. Zombies werden gewöhnlich den bildungsfernen Schichten zugerechnet. Erst wenn der letzte Mensch verspeist worden ist, wird der Zombie merken, dass er nun nichts mehr zu Beißen hat, glaubte man früher. Die neuere Zombieforschung führte jedoch zu der Erkenntnis, dass Zombies recht intelligent sind. Daher werden sie erkennen, dass es nicht in ihrem Interesse ist, alle Menschen zu fressen. Es wird eine Bewegung der Öko-Zombies entstehen, die für den Erhalt der natürlichen Ressource Mensch kämpft. Wer weiß, vielleicht entsteht auch ZETH (Zombies for the Ethical Treatment of Humans) und präsentiert Rezepte für zehn leckere Gerichte ohne Menschenhirn.

Aus emanzipatorischer Sicht muss ohnehin betont werden, dass die community der Zombies dem Spätkapitalistismus in vielerlei Hinsicht voraus ist. Es scheint sich um eine egalitäre Gesellschaft zu handeln, die Zombieforschung fand noch keine Hinweise auf Hierarchien. Kapital und Arbeit sind den Zombies ebenso unbekannt wie Armut und Krankheit. Ihre Jagdmethode beruht offenbar auf der freien Assoziation der Individuen. In Anlehnung an Adorno könnte man also sagen: “Es gibt eh kein richtiges Leben, da kann man sich auch gleich den Untoten anschließen.”

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