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Kürzliche Beiträge
23. September 2009, 17.56 Uhr:

Plüsch am Hindukusch

von Jörn Schulz

Unsere Jungs haben es wirklich nicht leicht. Bild enthüllt den Skandal: „Soldaten müssen 40 Jahre alte Unterwäsche tragen!“ Wenn es kalt wird in Afghanistan, müssen sie in Wirkplüsch-Unterhosen schlüpfen. Die Bundeswehr meint, dass diese Unterhosen sich bereits im Kalten Krieg bewährt haben. Aber kann man so einen Stabilisierungseinsatz gewinnen? Ich finde, Bild sollte dazu aufrufen, den Armen wenigstens willy warmers zu stricken, um das Schlimmste zu verhindern. Manche Kommentare der Leser offenbaren allerdings wenig Mitgefühl: „Wollen die da unten ne Modenschau veranstalten, oder warum ist die Unterwäsche soo wichtig?“

22. September 2009, 18.46 Uhr:

Geh erstmal zum Friseur!

von Jörn Schulz

Nein, Herr bin Laden, so machen Sie mir keine Angst. Dieser Harrach kann vielleicht beim Casting für den zweiten Teil von “Grease” eine Nebenrolle ergattern, aber ein bisschen furchterregender sollte ein Terrorist schon aussehen. 32 Jahre soll er alt sein, aber er müsste am Eingang zur Disco sicher seinen Ausweis vorzeigen. Gewiss, dieses Problem stellt sich bei Ihnen in Waziristan nicht. Aber wenn so einer in Ihr mittleres Management aufsteigt, muss ich vermuten, dass Sie ernste Personalprobleme haben.

By the way: Haargel ist megaout. Dem Guttenberg verzeihen die Deutschen so was, aber der ist ein Aristokrat und hat daher ein Recht auf exzentrisches Outfit. Und überhaupt: „Mich für Allah in die Luft zu sprengen ist mein Wunsch seit 1993“, behauptet Harrach. Dann hat er sich aber doch lieber 16 Jahre lang die Haare gegelt. Lassen Sie den Milchbubi wenigstens einen grimmigen Gesichtsausdruck einstudieren oder setzen Sie ihm beim nächsten Drehtermin eine Klingonenmaske auf.

Der Welt muss ich auch noch entnehmen, Harrach „könnte vielmehr nur als Denker und intellektueller Propagandist fungieren“. Tja, Herr bin Laden, wir sind hier wirklich nicht verwöhnt, was das Niveau des politischen Diskurses betrifft, aber was Ihr Harrach über die Finanzkrise fabuliert, klingt so, als habe es sich Jürgen Elsässer auf einem LSD-Trip zusammengereimt. Was, Sie haben noch nie von diesem Elsässer gehört? Warten Sie nur ab, vielleicht kommt er auf der Flucht vor den Discomiezen bald zu Ihnen in die Berge.

18. September 2009, 08.52 Uhr:

300 Jahre Dr. Johnson

von Stefan Ripplinger

“No man but a blockhead ever wrote, except for money.”
(Samuel Johnson, 18.9. 1709 - 13.12. 1784)

16. September 2009, 18.21 Uhr:

Kapitale Kompetenz

von Jörn Schulz

Haben Sie heute schon eine Finanzkrise verursacht, eine Firma in den Bankrott geführt oder ein paar Milliarden Euro Staatsknete abkassiert? Nein? Dann sollten Sie das schleunigst nachholen, denn die „Top-Entscheider“ sind unzufrieden mit Ihnen. Sie „sprechen der Bevölkerung Wirtschaftskompetenz ab“, stellte das Magazin Capital fest.

Von 658 Spitzenpolitikern, Unternehmenschefs und Behördenleitern sind nur 0,1 Prozent der der Ansicht, die Deutschen „verstünden wirtschaftliche Zusammenhänge ‚sehr gut’, ganze 13 Prozent bewerten den Sachverstand mit ‚gut’. Dagegen halten 68 Prozent der Befragten die ökonomische Kompetenz der Deutschen für ‚weniger gut’, 19 Prozent sogar für ‚gar nicht gut’.“

Wüsste man es nicht besser, könnte man glauben, die deutsche „Elite“ habe wenigstens Humorkompetenz. Diese Leute haben zig Milliarden versemmelt, bis heute nicht begriffen, wie das passieren konnte und jammern nun, dass der Pöbel sie nicht richtig versteht. Dass eine „Elite“ nie einen Anlass für Zweifel an der eigenen Kompetenz sieht, ist allerdings ein aus der Geschichte gut bekanntes Phänomen. Die Art und Weise, wie sich die „Top-Entscheider“ einige Lichtjahre von der Realität entfernt wieder wohlgemut auf alten Pfaden bewegen, erinnert ein wenig an Ludwig XVI. Am Tag des Sturms auf die Bastille trug er in sein Tagebuch ein: „Rien.“ Er hatte auf der Jagd nichts geschossen. Bedauerlich nur, dass den Deutschen vielleicht nicht die Wirtschaftskompetenz, zweifellos aber die Revolutionskompetenz fehlt.

15. September 2009, 15.43 Uhr:

Skandal bei Notlandung!!!

von Ivo Bozic

Nein, Münte! So geht das nicht! Sich als erster aus dem Staub machen, und dann auch noch alle Sicherheitshinweise missachten! Wie haben wir es bei jedem Flug immer wieder eingetrichtert bekommen? Genau: Schuhe aus vor dem Benutzen der Aufblasrutsche. Ein Bild-Leserreporter entlarvte Münte! Und dann sehen wir auf dem nächsten Bild auch noch eine CDU-Staatssäkretärin auf der Notrutsche mit spitzen, hochhackigen Pömps!

Also, liebe Leserinnen und Leser, hier ein Sicherheitshinweis, der nicht auf der Karte vor Ihnen in der Sitzlehne steht: Vermeiden Sie Flüge mit Politikern und wenn das nicht geht, dann versuchen Sie auf jeden Fall, vor ihnen aus dem Flugzeug zu springen. Sonst kanns eng werden. Viel Glück!

11. September 2009, 18.32 Uhr:

Wirb oder stirb

von Jörn Schulz

Na also, der Wahlkampf der FDP kommt doch noch in Schwung, vermutlich sogar ohne Zutun von Westerwelle. Das „Internet-Manifest“ preist den Markt als Lösung im Streit um das Urheberrecht und das sogenannte geistige Eigentum. „Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren.“

Die klassische Terminologie des Wirtschaftsliberalismus: Gute Anpassung, böser Bestandsschutz, nicht zu vergessen der „Mut“, der Appell an die männliche Ehre fehlt nie, wenn man den Leuten nahelegt, sie sollen sich nicht so haben, wenn sie gefeuert werden und gefälligst auch noch ihre Restpersönlichkeit daraufhin überprüfen, ob sie mit den Marktgesetzen harmoniert.

„Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.“ Vielleicht so: Mercedes Bunz unterschreibt das Internet-Manifest, und weil sie für den britischen Guardian arbeitet, vermutlich mit Bestandsschutz, also einem festen Gehalt statt eines Anteils an den Online-Werbeeinnahmen, schreibt sie dort gleich etwas über das Manifest. Der Text ist nicht nur völlig unkritisch, er enthält auch keinen Beleg für die behauptete „mainstream media attention“. Doch nun, da es im Guardian stand, ist die „attention“ da. Ja, „Links lohnen“. „Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus.“ Soziale Vernetzung nennt man das heute, ich halte den guten alten Begriff der Vetternwirtschaft allerdings für passender.

2. September 2009, 19.00 Uhr:

Da muss noch Curry bei die Wurst

von Jörn Schulz

Vera Lengsfeld scheint Dieter Althaus nicht zu mögen, das immerhin spricht für sie. Doch scheint sie, wie viele ehemalige DDR-Bürgerrechtler, Probleme zu haben, sich im real existierenden Kapitalismus zurechtzufinden. Lengsfeld tritt in Kreuzberg an, wo die CDU es schon als Sieg feiern kann, wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde überspringt. Überdies scheint sie erhebliche Integrationsprobleme zu haben.

Auf ihrem Blog wird betont: „Wir halten es uns als Vorzug zugute, dass wir keine professionelle Marketing-Kampagne ausrollen. Das ist alles selbstgemacht, was Ihr hier lest.“ Weil das Plakat so ein Erfolg war, glaubt Lengsfeld vermutlich, ihr Wahlkampf laufe gut. Doch das ist nicht der Fall. Deshalb, Frau Lengsfeld, werde ich Ihnen, ohne ein Honorar zu verlangen, ein paar Tipps geben, damit Sie den Ströbele doch noch schlagen können. Warum? Ich möchte einfach das dumme Gesicht von Ströbele sehen, wenn er die Wahl verloren hat. Und ich erwarte, dass Sie dann, gestärkt durch den für unmöglich gehaltenen Sieg, mal eben nach Thüringen gehen und dem Althaus gehörig in den… Ich hoffe, der Deal steht.

Mein erster Rat: Informieren Sie sich besser über die Berliner Stammestraditionen. Damit es nicht mehr zu solchen Ausrutschern kommt: „Oder wie der Berliner sagt: ‚Butter bei die Fische!’“ Der Berliner? Die Redensart stammt aus Norddeutschland. „Curry bei die Wurst“ ginge schon eher. Die Berliner wissen ja kaum, wie ein Fisch aussieht. Damit wären wir beim zweiten Rat: Widmen Sie sich als erste Berliner Politikerin dem Kampf gegen die Versorgungsnöte. Das Problem dürfte Ihnen ja aus der DDR noch bekannt sein. Dass es unter einer rot-roten Regierung wieder auftaucht, wird Sie nicht überraschen. Neben dem Mangel an frischem, aber erschwinglichem Seefisch ist es vor allem der Mangel an schmackhaften Backwaren, der den Berliner bewegt. Da wird er staunen, der Ströbele, wenn Sie ihm mal nicht mit der üblichen Predigt kommen, sondern ihn fragen, warum unter seiner Herrschaft so viele vertrocknete Mandelhörnchen verkauft werden.

Mein dritter Rat: Denken Sie daran, dass Sie in Berlin kandidieren. Auf Ihrem Blog musste ich lesen: „Die Eliten von heute sind Leistungseliten, die keine gesellschaftlichen Privilegien genießen und sich am Markt durchsetzen müssen. Die kulturelle Intelligenz dagegen hätte nach wie vor gerne lieber staatliche Gelder als Gewinne auf dem Markt. Deshalb findet man in dieser Gruppe die aktivsten Kämpfer für einen alles bestimmenden Staat. (…) Dabei wird eine schamlose Ausbeutung der Leistungsträger anstandslos in Kauf genommen.“ Mal abgesehen davon, dass Frau Merkel Sie sicher gern darüber informieren wird, dass es ohne gewaltige Mengen Staatsknete keinen Markt mehr gäbe, auf dem sich Leistungsträger tummeln können, sollten Sie sich eines vor Augen halten: Ohne schamlose Ausbeutung des Staates gäbe es diese Stadt gar nicht. Zwei aufgeblähte und privilegierte Hauptstädte wurden 1990 zu einer verschmolzen, die, rein marktwirtschaftlich betrachtet, zu schätzungsweise 90 Prozent überflüssig ist. Deshalb ist in Berlin auch soviel von Kultur die Rede, irgendwie muss man ja versuchen, der Stadt eine Existenzberechtigung zu geben. Keiner in der Stadt gibt das zu, aber alle wissen es, deshalb wird hier nur jemand Erfolg haben, von dem man erwarten kann, dass er mit allen Mitteln um Staatsknete kämpft.

Damit kommen wir zum vierten Rat: Sagen Sie nicht im falschen Moment die Wahrheit. „Aus aller Welt strömen die ‚Kreativen’ nach Berlin. Hier ist es im Vergleich mit anderen Großstädten billig.“ Das stimmt natürlich, aber so verärgern Sie gleich zwei Wählergruppen, die Lokalpatrioten, denen Sie die Illusion nehmen, die Anziehungskraft Berlins beruhe auf der Schönheit der Stadt oder dem tollen Nachtleben, und die „Kreativen“, die natürlich nie zugeben würden, dass sie nur hier sind, weil sie sich die Miete in Paris nicht leisten können.

Womit wir beim letzten und wichtigsten Rat wären: Verärgern Sie nicht die Leute, die Sie wählen sollen. Sie mögen die „Kreativen“ nicht, das ist verständlich. Doch wenn Sie erzählen sollen, was Sie für diese Leute tun wollen, nörgeln Sie über „Besetzer“ im Bethanien, die längst Mietverträge haben und über Leute, die auf der Admiralitätsbrücke Lärm machen. Dem Moderator, der Sie dann unterbrach, sollten Sie noch heute einen Dankesbrief schreiben, denn vermutlich wollten Sie nochmal den 1. Mai Revue passieren lassen. Doch in Kreuzberg gilt nicht der Polizist als Leistungsträger, der die meisten Demonstranten verprügelt, sondern der „Kreative“.

Wenn in dieser Stadt außerhalb des Staatsapparats noch jemand arbeitet, dann ist es ein „Kreativer“. Und diese Leute sammeln sich in Kreuzberg. Ja, in Ihrem Wahlkreis. Wenn Sie mir das nicht glauben, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung werden Sie doch wohl noch vertrauen. Also: Spalten Sie die „Kreativen“! Sprühen Sie ein Graffito ans Bethanien und lassen Sie sich dabei erwischen! Versprechen Sie, bei Merkel ein Rettungspaket für Kreative anzumahnen! Schwatzen Sie von kultureller Vielfalt, versprechen Sie Change! Stellen Sie dabei Ströbele als den Kim Jong-il von Kreuzberg da, dessen altmodische Politik den kreativen Fortschritt bremst! Wenn Sie diese Ratschläge beherzigen, ist der Sieg sicher. Aber vergessen Sie unseren Deal in Sachen Althaus nicht.

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