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Kürzliche Beiträge
14. August 2009, 20.54 Uhr:

Bye Bye Blues

von Lieselotte Kreuz

14. August 2009, 18.52 Uhr:

Friede den Putschisten

von Jörn Schulz

Wolfgang Schäuble sollte sich schon mal nach einem sicheren Fluchtweg umschauen. Denn auch ihm kann man vorhalten, „durch seinen provokanten, respektlosen Umgang mit den Institutionen des Rechtstaates seines eigenen Landes, die er immer wieder verhöhnt und mit Füssen getreten hat“, eine Verfassungskrise heraufbeschworen zu haben. Schließlich gibt es kaum ein deutsches Gesetz, das nicht vom Verfassungsgericht kassiert oder wenigstens korrigiert wird. Ein solches Verhalten aber kann nach Ansicht der Friedrich-Naumannn-Stiftung (FNS) einen regime change rechtfertigen, jedenfalls in Honduras.

„Die Legende vom Militärputsch“ kritisierte bereits einen Tag nach der Machtübernahme des Militärs Christian Lüth, der FNS-Repräsentant in Honduras. Da konnte man noch hoffen, dass die FDP-Führung den Diktatorenfreund feuern oder wenigstens zum Schweigen verpflichten würde. Doch die FDP entfaltet eine beharrliche Lobbyarbeit für ihre rechtsextremen Kumpels in Honduras und lädt sie auch in den Bundestag ein.

Wolfgang Gerhardt ist allerdings der Ansicht, die Putschisten hätten etwas konsequenter sein sollen: „Das normale Verfahren wäre gewesen, ihn (Präsident Zelaya) seines Amtes zu entheben und ihn in Honduras vor Gericht zu stellen.“ Und er vertraut auf Gottes Wort: „Er (Zelaya) hat nicht diese moralische Autorität. Das hat im Übrigen der Kardinal der katholischen Kirche auch gesagt. Das ist ja bestimmt kein uninformierter Mensch in der Hauptstadt von Honduras, sondern er hat klar erklärt, dass Zelaya jede moralische und politische Autorität verloren hat.“

Aus dieser Parteinahme zu schließen, dass die FDP nun zu ihren nationalsozialistischen Wurzeln zurückkehrt, wäre wohl verfrüht. Eine Überwachung durch den Verfassungsschutz wäre aber ratsam, insbesondere Kontakte zu Bundeswehroffizieren sollten überprüft werden.

13. August 2009, 19.03 Uhr:

I wish to buy this parrot

von Jörn Schulz

Wenn sie Geld übrig haben sollten, gehen Sie nicht zum Anlageberater. Kaufen Sie sich einen Papageien. Ein Kanarienvogel tut’s wahrscheinlich auch, einen Schnabel sollte das Tier aber haben. Bei einem virtuellen Investmentspiel mit 12 Teilnehmern in Südkorea, so berichtet der Börseninformationsdienst Paxnet, belegte der Papagei Ddalgi den dritten Platz. Er pickte sich die richtigen Aktien heraus und erzielte einen Gewinn von 13,7 Prozent. Die anderen Broker, die überwiegend Verluste einfuhren, waren Menschen, jene Leute, die Ihnen in den Medien meist als „Analysten“ oder „Ökonomen“ vorgestellt werden. „Das Ergebnis ist erstaunlich“, meint Chung Yeon, der Chef von Paxnet. Das finde ich nun nicht. Ich frage mich vielmehr, warum Ddalgi noch kein Job in einem Aufsichtsrat angeboten wurde. Wenigstens einen Bonus von 100 Millionen Nüssen hätte der Vogel verdient.

13. August 2009, 15.23 Uhr:

M wie Mutti

von Jörn Schulz

Wird nun Hans-Christian Ströbele sein bestes Stück vorzeigen? Vermutlich nicht, er gewinnt ja sowieso, obwohl seine Gegenkandidatin Vera Lengsfeld mit ihrem Wahlplakat nun auch international für Aufsehen sorgt. Erstaunlicherweise denken viele Menschen, es gehe um Sex, wenn behauptet wird: „Wir haben mehr zu bieten.“ Lengsfeld aber hat recht, wenn sie sagt: „Sexismus? Das ist lächerlich.“ Denn nicht dem Liebhaber, dem Säugling im Wähler wird hier die Brust dargeboten, die Mutterbrust nämlich. Nicht ein erotisches Abenteuer wird versprochen, sondern die sorglose Geborgenheit des friedlichen, gedankenlosen Nuckelns, das sättigt und schläfrig macht. Sehr aufschlussreich in diesem Kontext ist die Ode des Bild-Poeten Franz-Josef Wagner an Merkel als „Mama Deutschland“, aber auch die Merkel gewidmete Webseite „Mutter der Nation“ mit der aufmunterndern Parole: „Mama schafft das.“ Das Erfolgsrezept stammt übrigens von McDonald’s. Ja, schauen Sie sich das „M“ nochmal genau an. Weil Geborgenheit in unsicheren Zeiten besonders wichtig ist, konnte McDonald’s von der Krise sogar profitieren. Selbst in Kreuzberg gibt es nun eine Filiale.

5. August 2009, 19.06 Uhr:

Panthersprung ins Zombienest

von Jörn Schulz

Kaum weht unseren Jungs am Hindukusch etwas Pulverdampf um die Nase, glauben manche Journalisten, nun sei wieder ein etwas schneidigerer Tonfall angebracht. Zum Beispiel Ansgar Graw, Politikredakteur der Welt. „Zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber!“ OK, das war Conan der Barbar. Graw hingegen will „den Feind jagen und stellen – nicht nur auf hoher See, sondern auch in seinen Nestern an der Küste.“

Der Feind, das sind die somalischen Piraten, die sich eines besonders verwerflichen Vergehens schuldig gemacht haben, einer „Kriegserklärung an den freien Handel“. Als sich herausstellte, dass Siemens so frei war, mit 4283 illegalen Zahlungen den Handel zugunsten des eigenen Unternehmens umzuleiten, sprach seltsamerweise niemand von einer „Kriegserklärung an den freien Handel“. Niemand wollte den Feind verfolgen, vernichten und sich am Geschrei der Aktionäre erfreuen. Niemand schrieb Sätze wie: „Das Risiko für die Verbrecher muss dramatisch steigen, ihre Aussicht auf Profit gewaltig sinken.“

Dass die somalischen Piraten etwas gegen den Welthandel haben, ist im Übrigen natürlich Unfug, denn ohne Welthandel gäbe es auch keine Beute. Warum das Geschäft noch immer läuft, verrät Graw nebenbei auch. Den „Reedern wird zwar Konvoischutz angeboten, doch die Mitfahrt darin scheitert häufig am internationalen Termindruck, an der unterschiedlichen Geschwindigkeit der Schiffe und vielfältigen Zielhäfen.“ Statt ihre Schiffe ein oder zwei Tage mit halber Kraft laufen zu lassen, weil im Konvoi auch mal ein langsamerer Frachter mitfährt, setzen die Reeder die Besatzungen, überwiegend miserabel bezahlte asiatische Matrosen, lieber erheblichen Gefahren aus.

Dass ausschließlich Lohnabhängige Opfer der Piraten werden, ist tatsächlich ein Grund, auf die von Graw beklagte „Robin-Hood-Romantik“ zu verzichten. Eine gewisse Bewunderung könnte man den Seeräubern ansonsten nicht versagen, die in zehn Meter langen Pirogen, ausgerüstet nur mit rostigen Kalaschnikows und verbeulten Raketenwerfern, von den modernsten Kriegsschiffen der Welt gejagt werden. Erinnert sich noch jemand an das Versprechen, dass die von der deutschen Marine gefangen genommenen Verdächtigen einen fairen Prozess in Kenia bekommen sollten? Wozu auch, jetzt sind „kühne Schritte“ gefragt. Es „müssen Küstenregionen vor ‚failed states’, ohnmächtigen Zombiestaaten, in die Administration gesunder Staaten übergeben werden – auch wenn ein solches Signal internationaler Verantwortung prompt als Neokolonialismus denunziert würde.“

31. Juli 2009, 16.36 Uhr:

Indigene Würstchen

von Jörn Schulz

Es war wohl ein Fehler, dass die UN-Generalversammlung eine Deklaration über die Rechte indigener Völker verabschiedet hat, ohne zu berücksichtigen, wie leicht solche Regelungen missbraucht werden können. Nun melden sich die Nachwuchshäuptlinge diverser Stämme mit obskuren Stellungnahmen zu Wort, zum Beispiel die Junge Union Thüringen mit ihrer Kampagne „Stoppt Ramelow“.

Bodo Ramelow, der für „Die Linke“ antritt, wird auf einem Flyer neben einer Bratwurst („echte Thüringer“) als „falscher Thüringer“ präsentiert, „keiner von uns – keiner für uns“ ist die Parole. Warum ist Ramelow keiner von denen? Weil er, anders als der CDU-Kandidat Dieter Althaus, noch keine Ausländerin getötet hat? Nein, weil er kein Eingeborener ist. Während die meisten Indigenas wenigstens eine Sprache, farbigen Federschmuck, Folkloretänze und dergleichen vorweisen können, ist dem Thüringer eine erbärmliche Wurst der Beweis seiner ethnischen Identität. Ich möchte die UN-Generalversammlung daher dringend auffordern, klarzustellen, dass die Präsentation einer anständigen Mahlzeit, die anderswo nicht zu haben ist, die Mindestbedingung für die Aufnahme in den Kreis der Indigenas ist. Den thüringischen Nachwuchshäuptlingen möchte ich eine alte Indigena-Weisheit ans Herz legen: „Erst wenn die letzte Wurst gegessen, der letzte intelligente Mensch ausgewandert, die letzte Blockflöte verstummt ist, werden die Thüringer feststellen, dass ihrem Landstrich ein wenig Zuwanderung gar nicht geschadet hätte.“

30. Juli 2009, 17.39 Uhr:

I wish to complain about this parrot

von Jörn Schulz

Im Jahr 2004 wurde der “Dead Parrot"-Sketch von Monty Python zum “best alternative comedy sketch” erkoren. Doch zukünftige Comedy-Preise müssen wohl an Gordon Browns Flying Circus vergeben werden. Unter den neuesten Streichen der britischen Tugendwächter, die Henry Porter für den Guardian dokumentierte, gefällt mir die Geschichte über den antisozialen Papagei am besten. Zu dem Songrepertoire des Papageis Rio gehört “The Sash", eine Ballade, die einen Sieg König Williams III. Ende des 17. Jahrhunderts feiert, und “Follow Follow", die Hymne der Glasgow Rangers. Ein Nachbar beklagte sich, daraufhin rückten Repräsentanten des Vermieters und Stadtangestellte an, um zu prüfen, ob Rio sich antisozialen oder sektiererischen Verhaltens schuldig gemacht hatte. Der Papagei und seine Besitzerin hätten dann mit einer Zwangsräumung rechnen müssen, doch wurde der Vogel freigesprochen.

Zweifellos sketchtauglich war auch die Szene in einem Supermarkt in Sussex, wo Mark Brown der Erwerb einer Flasche Wein verweigert wurde, weil seine 15jährige Tochter ihn beim Einkauf begleitete. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Labour-Regierung auch offiziell ein Ministry of Silly Laws einrichtet.

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