Elke Wittich:Und nächstes Jahr in ICQ...
1. April 2008, 15.18 Uhr:

Und nächstes Jahr in ICQ...

von Elke Wittich

Zugegeben, Bloggen halte ich eigentlich für pure Geld- und Zeitverschwendung. Dass ich trotzdem erstaunlich viele Blogs unterhalte, ist einer der Gründe, warum ich gleich JA! gesagt habe, als ich gefragt wurde, ob ich mich auch an der Jungle-Bloggerei beteiligen würde, denn auf einen mehr oder weniger kommt es nun wirklich nicht mehr an.

Neben der Möglichkeit, meine Sicht auf die Zeitung zu schildern, fand ich die Vorstellung schön, dass die aus Jungle-World-Sicht revolutionäre neue Kommunikationsform vielleicht auch endlich ein Ende der traditionellen redaktionellen Technikfeindlichkeit einläuten könnte. Denn während die Welt um uns herum nicht nur per E-Mail und Telefon miteinander kommuniziert, sondern auch diverse Messenger nutzt, sind Skype, ICQ und Co bei uns verboten. Wegen Abhör-, bzw. Mitlesegefahr, die natürlich bei Telefonen und E-Post definitiv nicht besteht…:roll:

Und so dürfen wir das, was Software-Firmen, Agenturen und andere Medienunternehmen schon seit Ewigkeiten tun, nicht: Schnell Nachrichten tippen.

Das ist schon unter normalen Umständen nervig, und manchmal, wenn man nur eine kurze Mitteilung loswerden will, im Feuilleton oder in der Innenpolitik aber dauerbesetzt ist und GMX mal wieder hakt, dann ist man angesichts von soviel technikverweigernder Sturheit locker einen halben Nachmittag zusätzlich sehr, sehr verzweifelt.

Dabei könnte alles so einfach sein: Entsprechende Tastaturbelegung vorausgesetzt, könnte sich zum Beispiel das Leben unseres jeweiligen CvD schlagartig verbessern. Statt zum Hörer zu greifen und die chronisch vergessliche Sportredakteurin Woche für Woche nach dem Austausch höflicher Begrüßungsfloskeln und kurzem Smalltalk endlich zu fragen: »Na, welches Thema ist denn auf der Sportseite für die nächste Ausgabe geplant?«, müsste er einfach nur deren Nick im Messenger aufrufen, sagen wir: F5 drücken und könnte dann gemütlich die Antwort abwarten, während er seinen Job tut.

Die Sportredakteurin – die übrigens mit den meisten ihrer Autoren schon seit Jahren per ICQ kommuniziert - würde dagegen viel kostbare Arbeitszeit einsparen, wenn sie angesichts der Woche für Woche vollkommen überraschend aufgeworfenen telefonischen Planungs-Frage nicht länger ziellos herumstottern müsste, sondern einfach nur, sagen wir: F6 drücken könnte: »Ich habe keine Ahnung, aber ich kümmer mich drum, melde mich gleich wieder.«

Kommentare

"die aus Jungle-World-Sicht revolutionäre neue Kommunikationsform"

Tihi.

Noch revolutionärer (oder ist das schon zu revolutionär?): "blockquote" in den Kommentaren erlauben!

Aber ich freue mich darauf, von meinem übertechnisierten Arbeitsplatz aus mehr über euren untertechnisierten Arbeitsplatz zu lesen.

Mäh!

Kommentare jetzt auch mit blockquotes ...

Cool, ist ja wie "Wünsch dir was". Könnte dann auch noch der Link auf mein Blog nicht wie eine Werbeeinblendung aussehen?

So ganz erchließt sich mir das mit den Heute-, Gestern- und Morgenblogs noch nicht. Aber immerhin liefert der neue Webauftritt so schockierende Einblicke wie diesen. Von meinem nicht besonders technisierten "Arbeitsplatz" Bett (Bett+Laptop, incl. Messangerprogramme) hatte ich sogar einen kurzen Anflug von Mitleid. Vielleicht ändert sich ja durch die mit dem Bloggen einhergehende Selbstoffenbarung auch das ein oder andere Ohr für Kritik.

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