Ivo Bozic:Faschismus, das große Rätsel
9. April 2008, 17.11 Uhr:

Faschismus, das große Rätsel

von Ivo Bozic

Wenn sich eine Antifa-Gruppe “ARAB” nennt (für »Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin«), drängt sich natürlich zunächst die Frage auf, ob die entsprechende Assoziation bewusst hervorgerufen oder bewusst in Kauf genommen wird. Aber egal, don’t judge a book by its cover!

Judge the flyer: “Faschismus Analyse” nennt sich die “interessante Veranstaltung mit einem – hoffentlich – hohen theoretischen Nährwert", die jene Gruppe am kommenden Samstag in Berlin anbietet. Denn: “Die Analyse und die theoretische Bildung bleiben das Fundament für das praktische Engagement", schreiben die Antifas. Das klingt allerdings ein wenig wie eine Drohung, wenn man sich die theoretische Basis anschaut, die dort verhandelt werden soll.

Da beschäftigt sich zum Beispiel ein Genosse des Gegenstandpunkts mit der offenbar im Raum stehenden Frage, ob der demokratische Rechtsstaat und der Faschismus “Gegensatz oder Zwillingspaar” sind. Konkret: “Ist der Faschismus ein unerklärlicher und grundloser Absturz aus den Gefilden seriöser Politik und ein Verbrechen gegen die deutsche Nation? Oder ist er eine alternative Variante, Staat zu machen, die im kapitalistischen Staat und dem von ihm diktierten Leben der Nation immer wieder ihre Basis und Gründe findet?”

Mensch, verdammt gute Frage. Also, für Ersteres spricht natürlich, dass er tatsächlich der “deutschen Nation” (1945 alles total kaputt!) und ihrem Ansehen in der Welt nachhaltig geschadet hat. Von “seriöser Politik” kann angesichts der albernen Uniformen und eines Führers, der sich einen Charlie-Chaplin-Schnauzbart wachsen lässt, wohl kaum die Rede sein, womöglich war dieses Auftreten sogar ein echtes “Verbrechen", ja. Aber “unerklärlich und grundlos"? Nein. Vermutlich ist Faschismus dann wohl doch Letzteres: ein Alternativ-Staat, also “eine alternative Variante, Staat zu machen", die in irgendwelchen Dingen, die mit Kapitalismus und dem “Leben der Nation” zu tun haben, “immer wieder ihre Basis und Gründe findet". Klingt doch plausibel.

Wer sich zwischen diesen beiden Möglichkeiten nicht entscheiden kann, möchte sich vielleicht lieber den Vortrag des “Ex-Proletarischen Komitees Berlin” (Ex-Proletarier? Haben die inzwischen ihr Studium beendet?) anhören. Dort geht es u.a. um folgende Frage (Fehler im Original): “Wie kann das Vakuum, dass die bügerlicehn Parteien hinterlassen gefüllt werden?”

Tja, wie kann es gefüllt werden, dieses Vakuum? Vielleicht mit einer alternativen Variante, Staat zu machen? Aber seriös gemacht müsste es schon sein!

Übrigens: Auch die Phase 2 wird sich am Samstag um die Bildung der Berliner Nachwuchs-Antifa bemühen. Da kann man wohl nur viel Erfolg wünschen!

Kommentare

Für die gewollte Assoziation beim Namen "ARAB" spricht zumindest eines ihrer Transparente, auf dem ein in den Pali-Lappen gemummelter, bewaffneter Terrorist den internationalen Kampf um "Befreiung" fordert. "Stoppt den Krieg in Kurdistan" heißt es dazu und gemeint ist der Wunsch nach freier Bahn für Zivilisten mordende National-Seperatisten.

...und die Ex-Proletarier sind wahrscheinlich mittlerweile einfach arbeitslos, pardon!, arbeitssuchend. Denn was gibt es schöneres, als sich nach getaner Schweißarbeit in den revolutionären Klassenkampf zu stürzen?

ist die frage, was der faschismus im bezug auf den demokratischer rechtsstaat sei, nicht ziemlich offensichtlich eine suggestivfrage? ;) das am ende nicht rauskommt: "das ist ein unerklärlicher absturz", sollte ja wohl klar sein. die frage, die behandelt werden wird, wird doch eher sein, in WELCHEM bezug bürgerliche demokratie und faschismus stehen. das der titel dann etwas unglücklich ist, ok, aber sich das denken zu können, ist nicht gerade DIE hürde, hm?

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