von Jörn Schulz
In Hamburg hat der DGB sich diesmal etwas Besonderes einfallen lassen: Einen »gemeinsamen Auftritt« mit den christlichen Kirchen. Dafür gibt es eine »tragfähige Basis«, meint der Hamburger DGB-Vorsitzende Erhard Pumm. Die Pfaffen wie Gewerkschaftbürokraten von Gott im Übermaß verliehene Fähigkeit, einschläfernde Reden zu halten? Nein, »Christ und Gewerkschafter, Gewerkschafterin und Christin, das kann und darf kein Widerspruch sein. Am besten beweisen das die Engagierten, die sowohl in der Kirche als auch in der Gewerkschaft aktive Rollen übernommen haben.«
Noch in den siebziger Jahren war gewerkschaftliches Engagement in kirchlichen Betrieben verboten. Nun herrscht zwar im Himmel mehr Freude über einen reuigen Sünder als über 99 Gerechte, doch die Kirchen sündigen weiter und bereuen nicht. Bis heute halten sie an einem korporativen Gesellschaftsbild fest, demzufolge Lohnabhängige in ihren Betrieben einer »Dienstgemeinschaft« angehören und das gottlose Betriebsverfassungsgesetz nicht angewendet werden darf. Noch immer maßen sie sich das Recht an, über das Privat- und Intimleben ihrer Bediensteten zu gebieten. Ein unchristliches Sexualleben ist ein potenzieller Kündigungsgrund, fast sicher ist die Entlassung bei einem Austritt aus der Kirche, dies gilt überdies als schuldhaftes Verhalten, das eine Sperrfrist bei der Zahlung des Arbeitslosengeldes nach sich zieht.
Es ist leichter, dass eine Heuschrecke durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Kirchenbürokrat im Reich der Meinungsfreiheit ankomme. Die Pharisäer sagen: Siehe, es ist nur ein Gottesdienst, welcher da schnell vorüberzieht, auf dass der Blick frei werde auf Bratwürste und Bier. Ich aber sage euch: Wehe denen, die nicht achten auf die Zeichen. Denn es spricht der Pumm, dass man »in diesem Jahr gemeinsam mit den christlichen Kirchen« auftrete. Wenn er euch im nächsten Jahr die Köpfe gen Mekka senken lässt, wenn ihr im übernächsten Jahr gemeinsam mit dem Dalai Lama die Gebetsmühle geschwungen habt, wenn ihr im folgenden Jahr ein reinigendes Bad in der Elbe nahmt, weil der Ganges zu weit weg ist, dann werdet ihr gewahr, dass ihr zwar allen Göttern gedient, aber immer noch keine Lohnerhöhung erhalten habt.
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