Stefan Ripplinger:Pulitzer Prize
24. Juni 2008, 14.14 Uhr:

Pulitzer Prize

von Stefan Ripplinger

Wenn es wieder besonders eng wurde, pflegte ich die Liebste mit den Worten zu beruhigen: Keine Sorge, demnächst hole ich uns den Pulitzer Prize. Worüber wir beide herzlich lachten, nun ja, ich lauter als sie, wie ich zugeben muss. Aber wer hätte gedacht, dass noch ganz andere Chancen winken:

Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) hat einen neuen Journalistenpreis ins Leben gerufen. Prämiert werden Berichte, Reportagen, Dokumentationen und Essays, die sich mit der Private-Equity-Branche sowie ihrer Bedeutung für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft beschäftigen und auf diese Weise einem breiten Publikum ein tieferes Verständnis dieses Themas vermitteln. Unter Private Equity versteht der BVK sowohl die Wagniskapital-Geber ("Venture Capital") als auch Fonds, die Mehrheitsbeteiligungen an etablierten Unternehmen eingehen ("Buy-Out-Fonds").

Das erinnert mich an einen Film von Sam Fuller, in dem ein Journalist sich verrückt stellt, um im Irrenhaus einen Mord aufzuklären und damit berühmt zu werden. Als er glücklich hineingelangt ist, blickt er den Flur mit all den seltsam gestikulierenden Gestalten hinab und spricht: „And this long corridor is the magic highway to the Pulitzer Prize.“ Aber es kommt ganz anders, und nicht, weil er sich in die Private-Equity-Branche verirrt hätte. Der Fuller, diesen Schrecken auszumalen, ist noch nicht geboren.

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