von Jörn Schulz
„Die Wissenschaftler hatten insgesamt 229 Manager zu einer Reihe spielerischer Experimente aufgefordert. Spieleinsatz waren die für Manager wohl kostbarsten Güter: Aktien. Jeweils ein Manager musste nun entscheiden, wie er eine festgelegte Menge von Aktien mit einem anderen - nicht anwesenden - Manager teilte. Sie bekamen zum Beispiel die Wahl, zwei Aktien für sich zu behalten und dem anderen Manager keine abzugeben oder die beiden Aktien eins zu eins untereinander zu teilen.“
Es ist nicht schwer zu erraten, wie das Experiment ausgehen würde. Ersetzen Sie „Manager“ durch „Kinder“ und „Aktien“ durch „Schokolinsen“, so ergibt es die Versuchsanordnung, die Spiegel online unter der Überschrift „Egoistische Vorschüler“ präsentiert. Erst mit fünf Jahren entwickeln Kinder Gerechtigkeitssinn, überdies werden sie im Kindergarten und in der Schule ermutigt, auch mal eine Schokolinse abzugeben. „Der Wunsch, Ungleichbehandlungen zu verhindern, unterscheide uns von anderen Tieren und auch von unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen, schreiben die Forscher.“ Irgendetwas geht da wohl schief in Erziehung und Sozialisation, wenn wenn so viele Erwachsene in das Sozialverhalten von Schimpansen zurückfallen. Und die lausen sich wenigstens gegenseitig, ein Verhalten, das beim Homo sapiens im Spätkapitalismus noch nicht beobachtet wurde.
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