Schlüppis
Kürzliche Beiträge
18. Oktober 2014, 00.48 Uhr:

IS vertrieben

von Thomas von der Osten-Sacken

Das wird aus Kobani gemeldet:

Islamist militants have been pushed out of Kobane and fighters of the Peoples Protection Units (YPG) are now in control of the town, a Kurdish official in Kobane told Rudaw.

“There is no ISIS in Kobane now,” said Omar Alush, co-chair of the TEV-DEM movement in Kobane.

Alush said that following the recent air strikes on positions of the Islamic State (IS) militants in Kobane, the YPG managed to drive the rest of the jihadis out of town and that they are now in control.

“YPG fighters are now searching the homes for bombs and explosives that the Islamist militants might have left behind,” said Alush.

(Fotos: Boris Niehaus)

++ GASTBEITRAG: Interview von Boris Niehaus und Jesse-Björn Buckler mit Redur Xelil, dem Sprecher der YPG. ++

Redur Xelil ist Kommandeur und Sprecher der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG in der nordsyrischen Region Rojava, die gemeinsam mit den Frauenverteidigungseinheiten der YPJ gegen den IS und andere Jihadisten kämpfen. Mit der „Jungle World“ sprach er in Qamishli.

Interview: Boris Niehaus und Jesse-Björn Buckler

Wie ist derzeit die Situation in Kobanê und was bedeutet dieser Kampf für die Region Rojava?

In den vergangenen 24 Stunden haben wir Da´esh (dem Islamischen Staat, IS, Anm. d. Red.) erneut große Verluste zufügen können. Sie sehen nun, dass sie nicht mehr weiter kommen und versuchen jetzt, mit chemischen Waffen anzugreifen. Sie haben das schon einmal, vor vier Monaten an anderer Stelle gemacht. “Human Rights Watch” war vor Ort und konnte Hautproben von den Gefallenen nehmen. Es wurde diagnostiziert, dass Chemiewaffen eingesetzt wurden. Jetzt macht Da´esh es wieder in Kobanê. Sie hat zwölf Raketen in die Stadt geschossen und wir gehen davon aus, dass diese Raketen chemische Kampfstoffe beinhaltet haben. Das erkennt man an den Verletzungen der gefallenen YPG-Kämpfer.

Daneben versuchen sie, mit Sprengstoff beladenen Autos, Pickups oder LKW vorzurücken. Entweder werden die Fahrzeuge mit Minen beladen und per Fernzündung gesprengt oder von Selbstmordattentätern gefahren. Mache Autos sind mit vier, fünf Tonnen TNT beladen. Die Explosion hat dann einen Durchmesser von 100 Metern.

Gibt es eine Koordination mit den Luftschlägen, die von der Anti-IS-Koalition geflogen werden?

Es gibt keine direkte Absprachen. Das Ganze läuft jedoch über Freunde der YPG. Wir kommunizieren mit ihnen und die mit den anderen.

Man hört hier immer wieder Gerüchte, etwa dass türkische Soldaten desertiert seien und sich der YPG in Kobanê angeschlossen hätten…

Das sind nur Medienberichte. Ich habe keine offizielle Bestätigung davon.

Warum hat Kobanê sowohl für Da´esh als auch für die YPG einen sehr großen Symbolwert bekommen?

Kobanê gilt derzeit als Symbol für die Existenz von Da´esh, also dafür, ob sie weiter existieren wird oder nicht. Wenn Da´esh dort siegt, heißt es, dass sie stärker wird. Wenn sie die dort verliert ist es das Zeichen, dass sie bald untergehen wird.

Für uns ist das anders. Wir haben der ganzen Welt bewiesen, dass wir uns verteidigen können. Wenn Kobanê fällt, heißt das nicht, dass auch ganz Rojava fällt.

Wenn man sich die Karte anschaut, ist Kobanê ein Bisschen abgeschnitten. Wieso erfolgt kein Entlastungsangriff von hier aus?

Kobanê ist von allen vier Seiten umzingelt. Viele Möglichkeiten haben wir nicht. Von Serê Kaniyê nach Kobanê sind es 180 Kilometer. Alle Dörfer und Städte auf dem Weg sind arabisch und die unterstützen meist alle Da´esh. Mit den Waffen, die wir haben, ist es schwierig, einen Korridor dadurch frei zu bekommen.

Was sollen die internationale Staatengemeinschaft und die Menschen in Europa und anderswo für die Kurdinnen und Kurden tun?

Das ist eine ethische Frage. Menschen mit Ethik und Gewissen werden etwas tun. Sich in Bewegung setzen. Was Staaten angeht: Wenn sie ihren Profit hier sehen, werden sie auch eingreifen. Die Anti-IS-Koalition sagt, der IS sei eine Gefahr für die gesamte Welt, aber dann muss sie auch wissen, dass wir hier seit drei Jahren gegen diese Gefahr kämpfen. Also kann sie sich denken, wen sie unterstützen muss.

Hier in Rojava leben alle Religionsgemeinschaften und ethnischen Gruppen in Frieden zusammen. Europa sollte sehen, dass das die einzige Region in Syrien ist, in der so etwas möglich ist. Als Da´esh die Yeziden auf den Shingal-Bergen vernichten wollte, ist die YPG dahin, um die Yeziden zu schützen. Sie haben Zehntausende nach Rojava retten können. Das hat die ganze Welt doch gesehen. Europa und vor allem Deutschland haben Südkurdistan (die Kurdische Autonomieregion im Nordirak, Anm. d. Red.) mit Waffen beliefert. Das ist ohne Zweifel eine gute Sache. Aber wir kämpfen hier in Rojava auch sehr intensiv gegen Da´esh.

Hat die YPG eigentlich die Genfer Konvention unterschrieben?

Wir haben die Punkte zum Verzicht auf Minen, Kindersoldaten und zum Schutz von Frauen unterschrieben. Demnächst treffen sich unsere Delegierten um Weiteres zu klären.

Da´esh hat einen großen Zulauf, auch von Europäern. Gibt es auch bei der YPG Zulauf?

Die YPG ist in letzter Zeit ziemlich bekannt geworden und deswegen gibt es auch viele Nichtkurden, die sich ihr anschließen. Hier leben alle möglichen Religionsgemeinschaften und Kulturen: Tschetschenen, Aramäer, Armenier, Araber und weitere. Es gibt auch viele Revolutionäre, die sich uns angeschlossen haben. Und letztens auch einige Amerikaner. Aber es ist nicht unser Ziel, dass die Menschen aus der ganzen Welt jetzt hierhin kommen und sich unserem Kampf anschließen. Das wichtigste für uns sind die Waffen, schwere Waffen. Dass Rojava mit schweren Waffen beliefert wird und unterstützt wird.

16. Oktober 2014, 00.24 Uhr:

'Acting in concert with international coalition forces'

von Thomas von der Osten-Sacken

In einem Interview mit der türkischen Zeitung Radikal erklärt der Sprecher der YPG-Milizen in Kobani, dass sie eng mit der anti-IS Koalition und deren Luftwaffe zusammenarbeiten:

You mentioned the coalition’s being late. What sort of relationship does the YPG have with the US and other countries in the coalition? Can you elaborate on this?

Long before the Kobane resistance, we had relations with many countries including the USA. When Kobane was attacked, our relationship became more substantial and our exchange of ideas was realized in practice. In a way, urgent situation on the ground expedited some things. True partnership comes to realization when the situation is difficult and parties support each other.

Can we say there is an official relation between the YPG and the coalition?

Yes, we are acting in concert with international coalition forces. We are in direct contact with them, in terms of intelligence, on a military level, and in terms of air strikes.

I guess the coordinates for the airstrikes are coming from you then?

Yes. One of our special units in Kobane gives us coordinates, and the YPG transmits these coordinates to coalition forces, and then air strikes are directly realized. I would also like to mention that we also benefitted from the assistance of certain Kurdish factions, and this assistance is ongoing.

Some media outlets reported that these airstrikes are carried out through peshmergas?

No. We have a direct relation with the coalition without any intermediaries. YPG representative is physically ready in the joint operation command center and transmits the coordinates. Indeed, no airstrikes would be possible militarily without YPG taking part in the process because the clashes are ongoing  and the situation on the ground changes rapidly.

But, I would like to acknowledge efforts of some Kurdish parties and individuals in regard, and their assistance for the YPG is still onging.

15. Oktober 2014, 23.55 Uhr:

Kein Geld für Flüchtlinge

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Winter steht vor der Tür, die Hilfe wird zusammengestrichen:

Die Vereinten Nationen haben damit begonnen, ihre Lebensmittelhilfe für die notleidende Bevölkerung in Syrien zu reduzieren. Als Begründung für diesen Schritt nannten die UN Geldmangel. Die Hilfsleistungen würden diesen Monat um 40 Prozent gesenkt, sagte die Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP), Elisabeth Rasmusson.

Demnach wird die UN-Organisation zwar wie bisher Lebensmittel an 4,3 Millionen Menschen in Syrien verteilen, doch werde sie die individuelle Menge stark reduzieren. Auch die Bürgerkriegsflüchtlinge außerhalb des Landes seien von November an von den Kürzungen betroffen.

Laut Rasmusson wird auch im Libanon die Hilfe für die Flüchtlinge gesenkt und zwar um 20 bis 30 Prozent. In der Türkei werde das Welternährungsprogramm sogar gar keine Hilfen mehr verteilen.

15. Oktober 2014, 15.03 Uhr:

Koalitionskriege

von Thomas von der Osten-Sacken

Fraglich, ob sie beim Islamischen Staat das Bonmot von Napoleon kennen, er bevorzuge es gegen statt in einer Koalition zu kämpfen.

Obamas anti-IS Koalition jedenfalls ist so ein Bündnis, auf das Napoleons Festellung mehr als zutrifft, weshalb bis heute, über zwei Monate nach Beginn der Luftangriffe auf den IS, man sich bislang weder auf eine gemeinsame Strategie noch auf ein Kriegsziel hat festelegen können:

The question is whether such a diverse coalition, whose members have differing objectives, can be herded into agreement on a coherent strategy.

“The coalition partners have very different conceptions about the regional order and don’t even agree on what the primary threat is,” he said. “You have all these different actors who want different things and in some cases also strongly dislike each other.”

Richard Fontaine, president of the Center for a New American Security, a think tank in Washington, said the Obama administration has successfully built the coalition based on the singular goal of defeating the Islamic State. But he said unity is likely to fray once other questions arise, such as whether to extend the fight to the Syrian government or other jihadist groups in the region.

Combating the Islamic State is “the unifying mission that all these coalition partners agree on,” he said. “Where it gets tricky is when you have to make other decisions.”

15. Oktober 2014, 13.30 Uhr:

'Hill of Shame'

von Thomas von der Osten-Sacken

Sherine Tadros schreibt über jenen Hügel in Suruc, auf der türkischen Seite der Grenze, von dem aus  Journalisten die Kämpfe in Kobani verfolgen:

The town is also falling into IS hands in full view of the world’s media.

From a hilltop around three miles from Kobani, the media can point to “what we think are possible airstrikes” and talk about “what we think is the sound of heavy artillery” from a safe distance.

The militants have conveniently put up their black flag within camera zoom distance.

The location has been dubbed by journalists as the “hill of shame” - but the shame isn’t that we can’t get any closer to the action, but the reality that if Kobani was a further 25 miles away, we would likely not have paid it this much attention. In the week before extremists encircled Kobani, they took over 65 villages on the way.

Kobani should instead be seen as a symbol of the hypocrisy of the West’s policy towards Syria and media bias.

The coalition attacking IS includes the UAE and Saudi Arabia, which US intelligence has reportedly identified as key funders of the group they are now trying to destroy.

During just two weeks in August, Saudi beheaded more people than all the IS videos combined. (…)

The Assad regime continues to barrel bomb rebel held areas killing civilians. They have used chemical weapons to murder thousands of women and children in the most horrific, painful way.

The Prime Minister called IS “pure evil” that must be destroyed, but why did Assad not generate this kind of language? For many Syrians, this is exactly what his regime represents.

The idea is not to compare IS to Assad. But increasingly, we seem to be forgetting the atrocities being committed in the shadows by the Syrian regime, because we have a new and more exciting bogeyman who knows how to play to the media, right in front of us.

14. Oktober 2014, 14.56 Uhr:

Deutsche Werbung für Teheran

von Thomas von der Osten-Sacken

Fast scheint es, als gäbe es in der deutschen Außenpolitik unter Frank-Walter Steinmeier eine einfache Regel: man muss lediglich verfolgen, was der Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik Volker Perthes so vorschlägt.

Und der erklärte kürzlich in einem Interview , bei künftige Strategien im Kampf gegen den Islamischen Staat  sei “der Iran (…) unverzichtbar für politische Lösungen, sowohl im Irak als auch in Syrien. Und im Irak hat diese Koordination tatsächlich funktioniert. Als alle beteiligten Kräfte gesehen haben, dass der ehemalige Premierminister Maliki in vielfacher Hinsicht versagt hat, dass es unter seiner Führung nicht möglich sein wird, den irakischen Staat zusammenzubauen und die arabischen Sunniten zurück in den Staat zu bekommen, hat es diese Einigung gegeben zwischen Iranern und Amerikanern, und die Saudis hat man auch mit ins Boot geholt.”

Nur Minuten nachdem der Deutschlandfunk dieses Interview ausgestrahlt hatte veröffentlichte die FAZ einen Artikel, in dem es hieß:

Alle Anstrengungen, einen Keil zwischen die bewaffneten Islamisten und ihre sunnitischen Unterstützer zu treiben, sind bislang fehlgeschlagen. (…) Zu groß ist der Verdacht unter den sunnitischen Stämmen, dass die amerikanische Luftwaffe hinter den Kulissen ein stillschweigendes Bündnis mit Iran eingegangen ist, deren Ziel nicht die Stärkung, sondern die Schwächung der sunnitischen Kräfte ist.

Steinmeier aber reist dessenungeachtet  durch die Gegend und wirbt ganz offensiv für eine stärkere Einbindung des Iran in die anti-IS Koalition, ganz so als sei dieser nicht schon im Irak und Syrien militärisch und als Finanzier aktiv. Ganz offen gibt Teheran inzwischen zu, Soldaten und Ausbilder in beide Länder entsendet zu haben, in Syrien dürfte das Assad Regime ohne iranische Hilfe längst Geschichte sein. Im Irak kämpfen Einheiten der Al Quds Brigaden nicht nur zusammen mit schiitischen Milizionären, sondern auch Seite an Seite mit der Patriotischen Union Kurdistans (PUK).

Man mag von irakischen Sunniten halten, was man will, für sie jedenfalls stellt die Lage sich vor Ort jedenfalls recht einfach dar: Die USA und der Westen haben sich deshalb in Lesart der überwältigen Mehrheit der Bevölkerung in Anbar und Niniweh mit dem verhassten Iran verbündet; lieber lebt man also unter der sunnitischen Knute des Islamischen Staates, als sich von schiitischen Milizionären, einer weiterhin schiitisch dominierten irakischen Regierung oder gleich iranischen Truppen terrorisieren zu lassen.

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