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Kürzliche Beiträge
Gestern, 13.19 Uhr:

Syrisches Regime setzt weiter Giftgas ein

von Thomas von der Osten-Sacken

Seit Tagen findet in der Provinz Hama in Syrien eine Offensive der Rebellen statt. In kürzester Zeit gelang es ihnen, 90 qkm zu erobern, momentan stehen sie nur wenige Kilometer vor dem Stadtzentrum von Hama und dem für das Regime und seine russischen Verbündeten strategisch enorm wichtigen Flughafens. Auf dem Gelände dieses Flughafens befindet sich auch eine wichtigsten Produktionsstätten für die so gefürchteten barrel bombs. Die Offensive zeigt, dass  der Krieg in Syrien keinesfalls in Kürze beendet sein wird und, wie es in letzter Zeit oft hieß, die Rebellen de facto geschlagen seien.

Das Regime antwortet so, wie es immer antwortet: Mit äußerster Brutalität und Luftangriffen, die sich bevorzugt gegen zivile Einrichtungen und Infrastruktur richten. Unter anderem soll ein Krankenhaus in der von Rebellen kontrollierten Stadt Latamaneh vergangenen Samstag mit barrel bombs und Giftgas angegriffen worden sein:

„Laut Aktivisten und einem örtlichen Beobachter wurden am Samstag ein Arzt und ein Patient getötet als Flugzeuge des Regimes auf ein Spital in Latameh – in der Provinz Hama – Fassbomben abwarfen, die mit Giftgas bestückt waren. ‚Das Spital ist jetzt außer Betrieb‘, wie das Gesundheitamt der Provinz mitteilte, das von Erstickungsanfällen und Mangel an medizinischer Ausrüstung sprach.

Der Angriff erfolgte zu einem Zeitpunkt da Regimetruppen und verbündete Milizen versuchen, einen massiven Vorstoß der Rebellen auf Hama zurückzudrängen. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben die Aufständischen im Zuge ihrer Offensive bis jetzt etwa ein Dutzend Städte und Dörfer erobert und sind bis auf ein paar Kilometer an die Stadt Hama mit ihrem Militärflughafen herangerückt.“

Der Angriff in Latameneh ist lediglich einer von inzwischen unzähligen, in denen das syrische Regime chemische Kampfstoffe zum Einsatz bringt. Längst vergessen, scheint jenes Abkommen aus dem Sommer 2013, in dem sich Assad, nachdem in Ghouta über 1500 Menschen bei einem Sarin-Gas Einsatz zu Tode kamen, verpflichtete, seine Chemiewaffenbestände unter internationaler Aufsicht vernichten zu lassen. Weder hielt er sich an dieses Abkommen,  da sind sich Chemiewaffenexperten inzwischen sicher, noch hinderte es ihn, weiter systematisch Chlorin auch gegen Zivilisten einzusetzen und sogar neue Trägersysteme entwickeln zu lassen:

„Die Truppen des Regimes scheinen auch verbesserte Modelle ihrer illegalen Chemiewaffen entwickelt zu haben. Syrienexperten in London wiesen darauf hin, dass regimenahe Kräfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Fertigkeit besitzen, mit Chloringas gefüllte Sprengköpfe auf Kurzstrecken-Boden-Boden-Raketen zu montieren. Diese Raketen sollen als Ergänzung zu den Giftgaskanistern und -bomben zum Einsatz kommen, die aus Hubschraubern und anderen Fluggeräten abgeworfen werden.

Alleine im Kampf um Aleppo im Dezember 2016 verwendete das Regime mindesten acht Mal Giftgas in nur einer Woche, so viele Einsätze kann zumindest Human Rights Watch sicher dokumentieren.

Zuerst erschienen auf Mena-Watch

24. März 2017, 19.22 Uhr:

Sieben Provinzen im Jemen von akuter Hungersnot bedroht

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Tragödie im Jemen nimmt  - weitgehend unbemerkt - ihren Lauf:

“We are deeply concerned that Yemen is on the brink of famine,” Bettina Luescher, a spokeswoman for the UN’s World Food Programme, told reporters in Geneva.

“Out of the 22 (provinces), seven are in emergency phase four, and that is one level before declaring a famine,” she said.

The WFP is currently providing food to around seven million in Yemen each month, she said, pointing out though that they account for fewer than half the 17 million said to be going hungry.

And even those lucky enough to get aid are not receiving all the nutrients they need, Luescher said, because full rations cannot be afforded.

“Lack of funding, the ongoing conflict, restricted movement of humanitarian aid workers are the major obstacles to get food and other assistance to the people,” she said.

24. März 2017, 13.12 Uhr:

Impressionen aus einer Mädchenschule in Saudi Arabien

von Jungle World

Gastbeitrag von Reem Abdel Razek

Mit zwölf Jahren wurde uns in einer islamischen Mädchenschule in Riad ein Pamphlet überreicht, in dem erklärt wurde, dass enge Turnanzüge weibliche Homosexualität verursachen und die Schule daher im Rahmen der ANTI-FITNA-Kampagne das Tragen sehr viel weiter geschnittener Sporthemden vorschreibe. Wir wurden gezwungen, ‚Dramen’ über die üblen Wirkungen von Musik aufzuführen. Die Hauptfigur war ein Mädchen in einem schlecht sitzenden Fettanzug, die darüber berichtet, wie sie endlich ihren Fehler erkannt habe, wie ihr klar geworden sei, dass sie ihr Fettsein als Vorwand genutzt habe, um beim Turnen satanische ‚Streichmusik’ zu hören. (Der Schule zufolge waren Saiteninstrumente wie Gitarren oder Violinen des Teufels und NUR Trommeln seien rein und halal. Zu Beginn seiner muslimischen Phase sang Cat Stevens/Yusuf Islam nur zu Trommeln.) Jedenfalls wandte die Hauptfigur sich den Trommeln zu und siehe da, sie wurde schlank, hallelujah! (Das ist kein Scherz, Angehörige des Lehrkörpers haben das tatsächlich geschrieben, damit wir es aufführen. Les Mis ist doch nichts dagegen, oder?)

Prediger wie Yusuf Estes kamen, um an unserer Schule Vorträge zu halten, wurden jedoch noch nicht einmal ins Gebäude gelassen! Sie brachten ihn zur Jungenschule und übertrugen den Vortrag im Rahmen der ANTI-FITNA-Kampagne per Lautsprecher in die Mädchenschule. Du möchtest Deine Haare schwarz färben? Du musst wohl insgeheim eine Sympathisantin der Zionisten sein! Du magst Anime? Zionistische Propaganda! Fußball gucken? Haram! Das Betrachten athletischer Männer führt zu Masturbation und Masturbation ist die Wurzel allen Übels. Du schreibst über eine fiktionale weibliche Figur, die mit Jungen spricht? Nun bist Du durch und durch böse und die Schule muss sofort eine INTERVENTION durchführen, um Dir die Unmenge an FITNA, die sich Deiner bemächtigt hat, die Du aber auch selbst hervorrufst, auszutreiben! Außerdem trägst Du zum sittlichen Verfall Saudi-Arabiens bei. Also viel Spaß mit dieser Last auf Deinem Gewissen.

Den ganzen Beitrag lesen (Übersetzung von Mena-Watch)

22. März 2017, 13.23 Uhr:

UN-Menschenrechtsrat: Wo herrscht nun Apartheid?

von Jungle World

Gastbeitrag von Alexander Grube, Mena-Watch

Nachdem die UNO letzte Woche einen diffamierenden Bericht veröffentlichte und wieder zurückzog, der Israel der Apartheid beschuldigte, fand am 20. März die Sitzung des Menschenrechtsratsrats statt, auf dem laut Tagesordnungspunkt 7 wieder einmal über Israel zu Gericht gesessen wurde. Dort wiederholten die PLO, Qatar, Sudan und Syrien sowie Bahrain und Saudi-Arabien die Vorwürfe aus dem eben erst zurückgezogenen UNO-Bericht. Sie klagten Israel des Terrorismus und der Apartheid an, dazu noch der „Judaisierung“ Jerusalems und gar der ethnischen Säuberung.

Hillel Neuer von der Nichtregierungsorganisation UN Watch wies in seiner Replik auf die an Orwell gemahnende Absurdität der vorgebrachten Anschuldigungen hin. Gerade jene Staaten, die selbst notorisch die Menschenrechte missachten, bringen haltlose Vorwürfe gegen Israel vor, in denen sie den jüdischen Staat bezichtigen, Verbrechen gegen die Menschheit zu begehen. Und der UN-Menschenrechtsrat gibt ihnen auch noch die Chance dazu, indem er einen Tagesordnungspunkt auf seiner Agenda hat, der sich allein gegen Israel richtet und die Situation in anderen Ländern völlig ignoriert. Die 1,5 Millionen arabischen Israelis, so führte Neuer aus, besitzen das aktive und passive Wahlrecht, sie praktizieren als Anwälte und Ärzte, sie arbeiten am Obersten Gerichtshof: eine Situation, die in keiner Weise zu vergleichen sei mit der Situation in jenen arabischen Ländern, die die Frauenrechte missachten und die Religions- und Pressefreiheit ebenso unterdrücken wie das Recht auf Versammlung und auf freie Meinungsäußerung.

„Nun möchte ich die Mitglieder der Kommission, die den Bericht beauftragt haben, jene arabischen Staaten wie Ägypten, den Irak und andere möchte ich fragen: Wie viele Juden leben in ihren Ländern? Wie viele Juden lebten in Ägypten, im Irak, in Jordanien, Kuwait und dem Libanon, in Libyen und Marokko?

Irgendwann einmal war der Nahe Osten voll von Juden. In Algerien lebten 140.00 Juden. Algerien, wo sind Deine Juden. In Ägypten lebten 75.000 Juden. Wo sind Deine Juden. In Syrien lebten Zehntausende Juden. Wo sind Deine Juden? Im Irak lebten über 135.000 Juden. Wo sind Deine Juden?”

Den ganzen Beitrag lesen

22. März 2017, 13.07 Uhr:

Folter in Syrien: Früher war alles besser

von Thomas von der Osten-Sacken

Als in Syrien noch alles ruhig war, folterte das Regime täglich lediglich 15 Menschen zu Tode. Das waren die Zeiten, in denen Stabilität herrschte und alles ok war. Dann gingen Menschen gegen das Regime auf die Straße. Seitdem muss es, wie Caesar in diesem Interview erklärt, täglich 50 Menschen zu Tode foltern. Wäre niemand auf die Straße gegangen, wäre wohl alles beim Alten geblieben, also bei jener Stabilität, von der so oft gesprochen wird:


22. März 2017, 11.12 Uhr:

Mit Hakenkreuz gegen den Islamischen Staat

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Irrsinn, im Irak gemeinsam mit schiitischen Milizen – wie der Imam Ali Brigade, die sich nicht nur schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht hat, sondern ihre Befehle auch noch aus dem Iran erhält – gegen den Islamischen Staat vorzugehen in einem Bild ausgedrückt, das ein Team des Fernsehsenders Arte für eine Reportage über den Kampf um Mosul aufgenommen hat:

Deutlich sieht man an diesem aus den USA stammendem Humwee-Jeep das Emblem der Miliz. Manchmal nutzt sie auch ein Bild des Jerusalemer Felsendoms. Denn wie alle vom Iran befehligten Shia-Milizen verfolgt auch sie das Ziel, im Nahen Osten Theokratien nach Teheraner Vorbild zu errichten und Jerusalem zu „befreien“, was nichts anderes heißt als Israel zu vernichten.

Dass einer der Milizionäre sich stolz ein Hakenkreuz auf seine Jacke hat nähen lassen, passt nur zu gut ins Bild. Wie so viele Islamisten im Nahen Osten dürfte er ein großer Verehrer Hitlers und dessen Vernichtungspolitik sein. Im Kampf gegen den Islamischen Staat im Irak sind solche Milizen de facto Verbündete Europas und der USA.

In Syrien dagegen kämpfen sie an der Seite des Assad Regimes zusammen mit russischer Luftwaffe, Hizbollah und iranischen Revolutionsgardisten. So war die Imam Ali Brigade auch maßgeblich an der “Befreiung” Aleppos, wie die Achse des Widerstandes ihren blutigen Eroberungsfeldzu nennt, beteiligt.

Zuerst erschienen auf Mena-Watch

20. März 2017, 19.17 Uhr:

Achse des Widerstandes gegen Israel

von Thomas von der Osten-Sacken

Glaubt man dem syrischen UN-Botschafter, dass darf in Zukunft die Hizbollah unter russischem Schutz Raketen und andere Waffen zur Zerstörung Israels in den Libanon transportieren. Mit allen daraus resultierenden Konsequenzen:

Russia has sent a clear message to Israel that the rules of the game have changed in Syria and its freedom to act in Syrian skies is over, Syria’s ambassador to the United Nations said on Sunday night.

“Putin sent a clear message,” said Bashar Jaafari, speaking on Syrian television. “The fact is that the Israeli ambassador [to Russia] was summoned for a conversation only a day after he submitted his credentials [to the Russian Foreign Ministry last Thursday], and was told categorically that this game is over.”

Syria’s use of anti-aircraft fire against Israel last Thursday night has changed the rules of the game, too, Jaafari said, adding that Syria will not stand idly by in the face of an Israeli threat.


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