Schlüppis
Kürzliche Beiträge
Gestern, 18.42 Uhr:

Internationale Angelegenheit

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Islamische Staat ist in der Tat eine ganz internationale Angelegenheit der Umma, fast möchte man schon von einem Einwanderungsland sprechen. Sie strömen und strömen ins Kalifat, die Kämpfer, aus allen Himmelsrichtungen und  können sich dort dann auch noch auf die guten und verdienten Dienste ehemaliger baathistischer Offiziere und Geheimdienstler verlassen:

“The rate of travel into Syria [by foreign fighters] is greater than we saw into Afghanistan prior to 9/11,” Randy Blake, a senior strategic advisor in the U.S. Office of Director of National Intelligence, said Tuesday during a panel at the annual International Association of Chiefs of Police (IACP) conference in Orlando, Florida. “It’s greater than anything we’ve seen into Afghanistan, into Yemen, into Somalia, into Iraq, or anything that we’ve seen in the last 10-year period.” ‘

Blake said the number of Westerners heading to Syria to fight has risen so rapidly in recent weeks that a new law enforcement video shown at the four-day event is already out of date.

“The video said there are somewhere around 12,000 foreign fighters in Syria. We would update that number to about 16,000 foreign fighters who have traveled to Syria from over 80 countries,” Blake said, adding that roughly 2,000 of those fighters hail from Western countries – including “at least 500 from the U.K, 700 from France, 400 from Germany, and more than 100 Americans [who] have traveled, or tried to travel into Syria.”’

Vorgestern, 00.02 Uhr:

Islamisten Wahlverlierer

von Thomas von der Osten-Sacken

Über die Wahlen in Tunesien:

Tunisia’s Ennahda party, the first Islamist movement to secure power after the 2011 Arab spring revolts, has conceded defeat in elections that are expected to make its main secular rival the strongest force in parliament.

Official results from Sunday’s elections – the second parliamentary vote since Tunisians set off uprisings across much of the Arab world by overthrowing autocrat Zine al-Abidine Ben Ali – are still to be announced.

But a senior official at Ennahda, which ruled in a coalition until it was forced to make way for a caretaker government during a political crisis at the start of this year, acknowledged defeat by the secular Nidaa Tounes party.

“We have accepted this result and congratulate the winner,” Lotfi Zitoun, an Ennahda party official, told Reuters.

Zitoun said the party reiterated its call for a unity government, including Ennahda, in the interest of the country.

Earlier, an Ennahda source said preliminary tallies showed Nidaa Tounes had won 80 seats in the 217-member assembly, ahead of 67 secured by Ennahda. The Nidaa Tounes leader, Beji Caid Essebsi, had already said on Sunday night that there were “positive indications” his party was ahead.

Defeat is a huge setback for the Islamists of Ennahda, who headed a coalition government with two non-religious partners for more than two years after winning the election for the constituent assembly (the precursor to the new parliament) in October 2011.

28. Oktober 2014, 15.52 Uhr:

Seite an Seite mit den Al Quds Brigaden

von Thomas von der Osten-Sacken

Dass der Iran längst wohlgelittener Teil der anti-IS Koalition ist, man es bislang nur nicht so laut sagt, auch damit ist jetzt Schluss. Das Mullah Regime in Teheran wird gerade nämlich förmlich umarmt und Australien erklärt nun ganz öffentlich, auch keine Probleme zu haben, Seite an Seite mit den Al Quds Brigaden im Irak zu kämpfen - jenen Brigaden, deren Name alleine Programm ist, ist ihr Ziel doch die “Befreiung” Jerusalems von zionistischer Besatzung und die Vernichtung Israels. Auch sonst gibt es kaum eine terroristische Aktivität im Nahen Osten, in die sie nicht direkt oder indirekt in den letzten zwanzig Jahren verwickelt wären, ihr Chef Quasim Suleimani ist sozusagen ein Mastermind des Nahosterrors:

Australian commandos could work alongside soldiers from the feared Iranian Quds forces in the battle against the Islamic State group in Iraq, Defence Minister David Johnston has said.

Senator Johnston said the crisis created by the Islamic State’s brutal capture of vast tracts of territory was sufficiently acute that differences should be put aside in the common interest of stopping their reign of terror.

His remarks came as the government revealed that Australians were continuing to join extremist groups such as the Islamic State either as fighters or supporters, with the total now reaching about 185.

Senator Johnston, when asked whether Australia’s commandos, who will advise and assist Iraqi forces, would work alongside Iranians, told Sky News: “They may be. I don’t see a problem in that, given the nature of the threat.”

Was diese Liebschaft mit dem Iran konkret im Kampf gegen den Islamischen Staat bringen soll, außer den Iran weiter regional zu stärken, das bleibt das große Geheimnis, denn je stärker der Iran involviert wird, je geringer werden die Chancen den IS zu besiegen, wie Oliver M. Piecha in der letzten Ausgabe der Jungle World erklärt:

Das ziellose Eingreifen der USA und ihrer Verbündeten nützt vor allem dem »Islamischen Staat« selbst. Seine Klientel sind die Sunniten, und je deutlicher sich abzeichnet, dass die Anti-IS-Koalition iranischen Interessen dient, desto einfacher hat es der IS, die eigenen Reihen geschlossen zu halten. Für die Bevölkerung des sogenannten sunnitischen Dreiecks im Irak sind die vom Iran gesteuerten schiitischen Milizen noch weniger eine Alternative zum IS, als es die als Besatzungsarmee empfundene irakische Armee war. Den geordneten Ausbau des »Islamischen Staats« mag das Bombardement stören, doch eine Situation, in der die teuersten und modernsten Flugzeuge der Welt Jagd auf einzelne Jeeps oder von Jihadisten bemannte Motorräder machen müssen, kann sich für den IS nur vorteilhaft entwickeln.


24. Oktober 2014, 00.25 Uhr:

Säureterror in Isfahan

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

In Isfahan verbreiten Säureattentate auf ’schlecht verschleierte’ Frauen Angst und Wut. Christoph Hörstel, ein Irankenner aus der Liga von Jürgen Elsässer, Udo Steinbach und Sheikh Attar vermutet das Werk ausländischer Geheimdienste, die “dem Iran schaden” wollten. Hörstel war allerdings das letzte Mal im Land, als “der erfolgreiche Teheraner Bürgermeister Ahmadinedschad … soeben zum Präsidenten gewählt worden” war.

Während neun Jahre später in Isfahan der Abschaum des Regimes Tugendterror verbreitet, hatten sich in den letzten Tagen ausgerechnet dort prominentere Gäste aus Deutschland gezeigt. So der Bürgermeister von Freiburg, der nicht zu spät Geschäftsbeziehungen knüpfen will, sollte der “Durchbruch bei den Atomverhandlungen zur Nutzung der Kernkraft im Iran” gelingen, gegen die er als Grüner sonst anscheinend nichts einzuwenden hat. Ausserdem der deutsche Botschafter, der laut IRIB das Verhalten der deutschen Presse gegenüber dem iranischen Regime wesentlich positiver beurteilt, als der selbsternannte “Verschwörungsfreak” Hörstel: “Michael Baron von Ungern-Sternberg sagte: Die deutschen Medien haben mittlerweile eine gute Grundlage geschaffen, um Vorurteile gegenüber dem Iran zu überwinden. Heute haben die Deutschen vom Iran keine falschen Vorstellungen mehr".

18. Oktober 2014, 00.48 Uhr:

IS vertrieben

von Thomas von der Osten-Sacken

Das wird aus Kobani gemeldet:

Islamist militants have been pushed out of Kobane and fighters of the Peoples Protection Units (YPG) are now in control of the town, a Kurdish official in Kobane told Rudaw.

“There is no ISIS in Kobane now,” said Omar Alush, co-chair of the TEV-DEM movement in Kobane.

Alush said that following the recent air strikes on positions of the Islamic State (IS) militants in Kobane, the YPG managed to drive the rest of the jihadis out of town and that they are now in control.

“YPG fighters are now searching the homes for bombs and explosives that the Islamist militants might have left behind,” said Alush.

(Fotos: Boris Niehaus)

++ GASTBEITRAG: Interview von Boris Niehaus und Jesse-Björn Buckler mit Redur Xelil, dem Sprecher der YPG. ++

Redur Xelil ist Kommandeur und Sprecher der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG in der nordsyrischen Region Rojava, die gemeinsam mit den Frauenverteidigungseinheiten der YPJ gegen den IS und andere Jihadisten kämpfen. Mit der „Jungle World“ sprach er in Qamishli.

Interview: Boris Niehaus und Jesse-Björn Buckler

Wie ist derzeit die Situation in Kobanê und was bedeutet dieser Kampf für die Region Rojava?

In den vergangenen 24 Stunden haben wir Da´esh (dem Islamischen Staat, IS, Anm. d. Red.) erneut große Verluste zufügen können. Sie sehen nun, dass sie nicht mehr weiter kommen und versuchen jetzt, mit chemischen Waffen anzugreifen. Sie haben das schon einmal, vor vier Monaten an anderer Stelle gemacht. “Human Rights Watch” war vor Ort und konnte Hautproben von den Gefallenen nehmen. Es wurde diagnostiziert, dass Chemiewaffen eingesetzt wurden. Jetzt macht Da´esh es wieder in Kobanê. Sie hat zwölf Raketen in die Stadt geschossen und wir gehen davon aus, dass diese Raketen chemische Kampfstoffe beinhaltet haben. Das erkennt man an den Verletzungen der gefallenen YPG-Kämpfer.

Daneben versuchen sie, mit Sprengstoff beladenen Autos, Pickups oder LKW vorzurücken. Entweder werden die Fahrzeuge mit Minen beladen und per Fernzündung gesprengt oder von Selbstmordattentätern gefahren. Mache Autos sind mit vier, fünf Tonnen TNT beladen. Die Explosion hat dann einen Durchmesser von 100 Metern.

Gibt es eine Koordination mit den Luftschlägen, die von der Anti-IS-Koalition geflogen werden?

Es gibt keine direkte Absprachen. Das Ganze läuft jedoch über Freunde der YPG. Wir kommunizieren mit ihnen und die mit den anderen.

Man hört hier immer wieder Gerüchte, etwa dass türkische Soldaten desertiert seien und sich der YPG in Kobanê angeschlossen hätten…

Das sind nur Medienberichte. Ich habe keine offizielle Bestätigung davon.

Warum hat Kobanê sowohl für Da´esh als auch für die YPG einen sehr großen Symbolwert bekommen?

Kobanê gilt derzeit als Symbol für die Existenz von Da´esh, also dafür, ob sie weiter existieren wird oder nicht. Wenn Da´esh dort siegt, heißt es, dass sie stärker wird. Wenn sie die dort verliert ist es das Zeichen, dass sie bald untergehen wird.

Für uns ist das anders. Wir haben der ganzen Welt bewiesen, dass wir uns verteidigen können. Wenn Kobanê fällt, heißt das nicht, dass auch ganz Rojava fällt.

Wenn man sich die Karte anschaut, ist Kobanê ein Bisschen abgeschnitten. Wieso erfolgt kein Entlastungsangriff von hier aus?

Kobanê ist von allen vier Seiten umzingelt. Viele Möglichkeiten haben wir nicht. Von Serê Kaniyê nach Kobanê sind es 180 Kilometer. Alle Dörfer und Städte auf dem Weg sind arabisch und die unterstützen meist alle Da´esh. Mit den Waffen, die wir haben, ist es schwierig, einen Korridor dadurch frei zu bekommen.

Was sollen die internationale Staatengemeinschaft und die Menschen in Europa und anderswo für die Kurdinnen und Kurden tun?

Das ist eine ethische Frage. Menschen mit Ethik und Gewissen werden etwas tun. Sich in Bewegung setzen. Was Staaten angeht: Wenn sie ihren Profit hier sehen, werden sie auch eingreifen. Die Anti-IS-Koalition sagt, der IS sei eine Gefahr für die gesamte Welt, aber dann muss sie auch wissen, dass wir hier seit drei Jahren gegen diese Gefahr kämpfen. Also kann sie sich denken, wen sie unterstützen muss.

Hier in Rojava leben alle Religionsgemeinschaften und ethnischen Gruppen in Frieden zusammen. Europa sollte sehen, dass das die einzige Region in Syrien ist, in der so etwas möglich ist. Als Da´esh die Yeziden auf den Shingal-Bergen vernichten wollte, ist die YPG dahin, um die Yeziden zu schützen. Sie haben Zehntausende nach Rojava retten können. Das hat die ganze Welt doch gesehen. Europa und vor allem Deutschland haben Südkurdistan (die Kurdische Autonomieregion im Nordirak, Anm. d. Red.) mit Waffen beliefert. Das ist ohne Zweifel eine gute Sache. Aber wir kämpfen hier in Rojava auch sehr intensiv gegen Da´esh.

Hat die YPG eigentlich die Genfer Konvention unterschrieben?

Wir haben die Punkte zum Verzicht auf Minen, Kindersoldaten und zum Schutz von Frauen unterschrieben. Demnächst treffen sich unsere Delegierten um Weiteres zu klären.

Da´esh hat einen großen Zulauf, auch von Europäern. Gibt es auch bei der YPG Zulauf?

Die YPG ist in letzter Zeit ziemlich bekannt geworden und deswegen gibt es auch viele Nichtkurden, die sich ihr anschließen. Hier leben alle möglichen Religionsgemeinschaften und Kulturen: Tschetschenen, Aramäer, Armenier, Araber und weitere. Es gibt auch viele Revolutionäre, die sich uns angeschlossen haben. Und letztens auch einige Amerikaner. Aber es ist nicht unser Ziel, dass die Menschen aus der ganzen Welt jetzt hierhin kommen und sich unserem Kampf anschließen. Das wichtigste für uns sind die Waffen, schwere Waffen. Dass Rojava mit schweren Waffen beliefert wird und unterstützt wird.

16. Oktober 2014, 00.24 Uhr:

'Acting in concert with international coalition forces'

von Thomas von der Osten-Sacken

In einem Interview mit der türkischen Zeitung Radikal erklärt der Sprecher der YPG-Milizen in Kobani, dass sie eng mit der anti-IS Koalition und deren Luftwaffe zusammenarbeiten:

You mentioned the coalition’s being late. What sort of relationship does the YPG have with the US and other countries in the coalition? Can you elaborate on this?

Long before the Kobane resistance, we had relations with many countries including the USA. When Kobane was attacked, our relationship became more substantial and our exchange of ideas was realized in practice. In a way, urgent situation on the ground expedited some things. True partnership comes to realization when the situation is difficult and parties support each other.

Can we say there is an official relation between the YPG and the coalition?

Yes, we are acting in concert with international coalition forces. We are in direct contact with them, in terms of intelligence, on a military level, and in terms of air strikes.

I guess the coordinates for the airstrikes are coming from you then?

Yes. One of our special units in Kobane gives us coordinates, and the YPG transmits these coordinates to coalition forces, and then air strikes are directly realized. I would also like to mention that we also benefitted from the assistance of certain Kurdish factions, and this assistance is ongoing.

Some media outlets reported that these airstrikes are carried out through peshmergas?

No. We have a direct relation with the coalition without any intermediaries. YPG representative is physically ready in the joint operation command center and transmits the coordinates. Indeed, no airstrikes would be possible militarily without YPG taking part in the process because the clashes are ongoing  and the situation on the ground changes rapidly.

But, I would like to acknowledge efforts of some Kurdish parties and individuals in regard, and their assistance for the YPG is still onging.

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