Schlüppis
Missy-Magazin
Jörn Schulz:Niemand braucht Baby Leader
14. April 2011, 17.29 Uhr:

Niemand braucht Baby Leader

von Jörn Schulz

Bei Versammlungen lässt der südafrikanische Präsident Jakob Zuma gerne das Kampflied „Bring‘ mir mein Maschinengewehr“ singen. Vielleicht hat er es bei seinem Besuch in Libyen gemeinsam mit Muammar al-Gaddafi intoniert, jedenfalls sprach er vom bedrängten libyschen Diktator respektvoll als „brother leader“. Dementsprechend fiel der „Friedensplan“ der Afrikanischen Union (AU) aus. Wie bei allen derartigen Initiativen, ob von Hugo Chávez oder der deutschen Friedensbewegung, bleibt unklar, wie die „politische Lösung“ aussehen soll. Nur noch halb soviele Hinrichtungen und eine zivilgesellschaftliche Debatte über die Reform der Foltermethoden?

Auch der AU-Plan kommt nicht über eine vage „’inclusive transitional period’ and political reforms which ‘meet the aspirations of the Libyan people’. Die “aspirations” der Libyer sehen nun aber ein Ende der Herrschaft des Gaddafi-Clans vor. Auch die dynastische Lösung, die Übergabe der Macht an Gaddafis Sohn Saif al-Islam, den man nach dem Vorbild der Erbfolge im haitianischen Duvalier-Clan dann wohl mit Baby Leader ansprechen sollte, will in der libyschen Opposition niemand.

Ähnlich dem Don einer Mafiafamilie hat Gaddafi die Jobs unter seinen Söhnen verteilt, wobei er offenbar das Problem hat, dass einige, etwa Hannibal, zu gar nichts zu gebrauchen sind. Der Mann fürs Grobe ist Khamis, der Milizenführer. Einen Consigliere braucht Gaddafi nicht, er berät sich selbst. Er hat jedoch erkannt, dass es sinnvoll ist, zum obersten Dissidenten ein Familienmitglied zu ernennen. Für diesen Job kam wohl nur Saif in Frage, da er, soweit bekannt, selbst noch niemanden umgebracht hat. Im Westen wirbt unter anderem der Politologe Benjamin Barber für Saif: „I still believe that among the conflicting voices that vie for Saif’s tortured soul there is the voice of a genuine democrat and a Libyan patriot.”

Ihm antwortet Alaa al-Ameri in einem offenen Brief an Saif: “I’m no psychiatrist, but I’m almost certain that being raised by a man for whom murder was part of daily business does not qualify as a healthy upbringing. (…) Your advocates appear keen to find ways of absolving you and blaming your victims for the bloodshed you promised us as an alternative to obedience. I struggle to imagine how they stretch the word ‘democrat’ to encompass a person who kills those who won’t bow to him.”

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