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Thomas von der Osten-Sacken:Deutscher Iranhandel: Kultursensibles Business trotz Sanktionen
8. Januar 2013, 10.32 Uhr:

Deutscher Iranhandel: Kultursensibles Business trotz Sanktionen

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Stephan Grigat

Die Deutsch-Iranische Handelskammer macht, was sie immer macht: Werbung für Geschäfte mit dem iranischen Regime. Auf dem Seminar „Iran-Sanktionen: Praktische Auswirkungen für deutsche Unternehmen“ wird am 16. Januar in Hamburg insbesondere Vertretern mittelständischer Firmen zum wiederholten Male erklärt, wie sie trotz aller bestehenden Sanktionsbeschlüsse weiterhin prima Business im Land der Ajatollahs und Pasdaran machen können. Weil man auch in Hamburg weiß, dass dafür freundschaftliche Beziehungen zu den Machthabern in Teheran sehr hilfreich sind, denen dadurch die Fortsetzung ihres Nuklearwaffen- und Raketenprogramms ebenso ermöglicht wird wie die Unterdrückung der iranischen Opposition und die Drangsalierung der iranischen Bevölkerung, lässt man sich das Seminar vom Botschafter des iranischen Regimes, „seine Exzellenz“ Alireza Sheikh Attar, eröffnen. Der ist nicht nur Repräsentant der Antisemiten-Diktatur in der Berliner Republik, sondern ein direkter Vertrauter von Ahmadinejad und nach Angaben exil-iranischer Oppositioneller unmittelbar für Verbrechen des Regimes verantwortlich: So war Attar beispielsweise in den 1980er Jahren Gouverneur der Provinz Kurdistan, wo hunderte Aktivisten ermordet wurden. Angesprochen auf den Auftritt von Attar erklärte das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Hamburger Iranhandels-Lobbyisten, Michael Tockuss: „Wir freuen uns darüber.“


Die Deutsch-Iranische Handelskammer ist eine der wichtigsten Lobbyorganisationen für die Aufrechterhaltung der Geschäftsbeziehungen mit dem Holocaustleugner-Regime im Iran. Sie berät nicht nur deutsche, sondern auch österreichische Unternehmen, fordert eine „ideologiefreie Beurteilung der Beziehungen zwischen dem Iran und Deutschland” und jammert über Versuche, „legale Handelsgeschäfte mit politisch motivierten Kampagnen von Außenseitern zu diskreditieren.“  Durch ihre Tätigkeit ist sie maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass deutsche Unternehmen weiterhin Waren im Wert von 2 bis 3 Milliarden Euro pro Jahr direkt in den Iran exportieren. Zudem ist unklar, wie viel von den Milliardenexporten der Vereinigten Arabischen Emirate oder auch aus der Türkei in Wirklichkeit indirekte Exporte deutscher Unternehmen in den Iran sind. Die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer hielt dazu schon 2009 fest: „In den ersten sieben Monaten des Jahres waren die Vereinigten Arabischen Emirate … das wichtigste Lieferland des Iran, gefolgt von Deutschland …. Der Großteil der Lieferungen aus den VAE sind Re-Exporte aus Drittländern, u.a. auch aus Deutschland ….“ Es ist stark anzunehmen, dass sich dieser Trend zu Iran-Geschäften über Drittländer in den letzten Jahren fortgesetzt hat. In jedem Fall ist Deutschland, der Rechtsnachfolger des Dritten Reiches, bis zum heutigen Tag der wichtigste westliche Handelspartner eines Regimes, das Israel stets aufs Neue mit der Vernichtung droht.

Als Schmiermittel fürs Geschäft dient die kulturelle Verständigung, weshalb die Deutsch-Iranische Handelskammer auch Seminare  zum Erlernen von „interkultureller Kompetenz und dem angemessenen Umgang mit den verschiedenen Kulturen” anbietet.

Wem das noch nicht reicht, kann auf den schon 2008 erschienenen Ratgeber „Geschäftserfolg im Iran. Verhandeln, Arbeiten und Führen in der persischen Geschäftskultur“ von Michael Gorges zurückgreifen – ein Handbuch des geschäftstüchtigen Kulturrelativismus, das 2012 unter dem Titel „Business-Knigge Iran. Mit interkultureller Kompetenz zum Erfolg im Iran-Geschäft“ neu aufgelegt wurde und all jene Themen auflistet, die man um des lieben Erfolges willen im Iran wohlweislich vermeiden sollte: „Islam, Menschenrechte und Scharia, Amt des religiösen Führers, Frauen, Palästina und Israel“. Gorges zeichnet mitunter ein realistischeres Bild der iranischen Gesellschaft als deutsche Iran-Lobbyisten, die ähnlich wie die Mullah-Freunde von links die im Iran verbliebenen Juden gerne zur Verharmlosung des antisemitischen Charakters der Diktatur der Ajatollahs missbrauchen, und hält fest: „Die jüdische Minderheit in Iran wird allen offiziellen Verlautbarungen zum Trotz ständig schikaniert. Viele Juden verlassen das Land“. Doch das kann einen „Trainer für interkulturelle Kommunikation mit langjähriger Berufserfahrung in leitender Funktion in einem iranischen Unternehmen“ selbstverständlich nicht davon abhalten „viel Glück beim Geschäft“ zu wünschen. Das ist sicher gewährleistet, wenn seine Grundregel im Umgang mit den iranischen Geschäftsfreunden eingehalten wird: „Das Bekenntnis zum Judentum ist besser zu vermeiden.“

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