Schlüppis
Jörn Schulz:Eine Fatwa genügt nicht
17. Februar 2011, 18.37 Uhr:

Eine Fatwa genügt nicht

von Jörn Schulz

 

Zweifellos gab es „Women’s empowerment in the Egyptian revolution”, aber es wird auch noch viele harte Kämpfe zur Durchsetzung der Frauenrechte geben. “Genitalverstümmelung ist im ganzen Land verbreitet, nur in wenigen Landesteilen liegt die Prävalenzrate unter 90%.“ Immerhin wurde seit der Veröffentlichung der Unicef Untersuchung im Jahr 2005 eine rückläufige Tendenz festgestellt. „’The Demographic Health Survey of 2008 [published in 2009] showed that 72 percent of girls aged 15-30 were circumcised, compared to 96 percent of the same age group in the Demographic Health Survey of 1995,’ said Azza Shalaby, gender adviser at Plan Egypt, a children’s development NGO.”

FGM wird auch von der koptischen Minderheit praktiziert und von Christen wie Muslimen religiös legitimiert, obwohl sich der koptische Patriarch Shenouda gegen diese Praxis ausgesprochen hat die Führung der al-Azhar Geistlichkeit eine entsprechende Fatwa erließ. Seit 2008 „gilt ein Strafgesetz, das FGM mit einer Strafe von 3 Monaten bis 2 Jahren Gefängnis und 900 US-$ ahndet. Ein rechtliches Schlupfloch blieb jedoch bestehen: bei ‚medizinischer Notwendigkeit’ soll FGM auch weiterhin zulässig sein“. Einige damals noch im Parlament vertretene Muslimbrüder stimmten gegen das Gesetz, die Organisation betont aber, sie lehne FGM ab, räumt allerdings selbst ein, dass es in dieser Frage keine Einigkeit gibt: „There were those who were against the complete banning of FGM without exceptions, explaining this to be problematic since there are cases when there is a medical need for it. (…) Very few, however, mentioned ‘preserving women virtue’ as part of their argument, which is totally rejected by committed Muslims and the vast majority of MB members.

Bewirkt hat das Gesetz wenig, denn das Interesse an der Durchsetzung ist gering. Obwohl es im Kampf gegen FGM sinnvoll sein kann, sich mit Leuten zu verbünden, mit denen man ansonsten nicht an einem Tisch sitzen möchte, kommt es letztlich auf die gesellschaftlichen Veränderungen an:  „Indem man anfängt, die Ursachen zu bekämpfen, nicht die Symptome. In den muslimischen Ländern muss das Dogma der Jungfräulichkeit abgeschafft werden“, so Hirsi Ali, die statt der hundertsten Anti-FGM-Konferenz für eine „Konferenz über die sexuelle Unabhängigkeit von Mädchen“ plädiert.“

Die Demokratisierung schafft, wie sich im Nordirak gezeigt hat, bessere Möglichkeiten für den Kampf gegen FGM und für Debatten über Sexualität: „Wenn man vor zehn Jahren mit Angehörigen der Mittelschicht in Suleymaniah darüber sprach, dass der Nahe Osten dringend eine sexuelle Revolution brauche, schüttelten sie nur den Kopf und meinten, so was wäre hier nicht möglich. Heute dagegen gehört die Forderung nach einem völlig neuen Umgang mit Sexualität schon fast zu ihrem Standardrepertoire.“

 

 

 

 

Kommentare

Bisher keine Rückmeldungen.

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um Blogbeiträge kommentieren zu können. Falls Sie noch kein Passwort für jungle-world.com haben, müssen Sie sich zuerst registrieren, bevor Sie sich anmelden können.

Golem-AnzeigeRM16

Werden Sie ein Fan!

Jungle World
auf Facebook

Sie müssen sich nicht für Facebook registrieren, um unsere Seite zu betrachten. Na gut, dann …