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Kürzliche Beiträge
7. Oktober 2014, 17.06 Uhr:

'This seems real'

von Thomas von der Osten-Sacken

Heute immerhin hat die Anti-IS Koalition schon acht Lufangriffe gegen IS-Kämpfern in der umkämpften Stadt Kobane geflohen, gestern waren es in ganz Syrien und dem Irak nur drei. Dazu Paul Adams von der BBC:

And another. That’s 3 airstrikes in the space of 30 mins and 8 today. This seems real.

Und: Meysa Abdo, a top commander in Kobane tells me (BBC): “Since last night, we have seen the most effective air strikes around Kobane ever.”

Ob es noch hilft, ist die andere Frage.

7. Oktober 2014, 16.36 Uhr:

Derweil im Jemen

von Thomas von der Osten-Sacken

Weitgehend von der sog. westlichen Öffentlichkeit unbemerkt übernehmen im Jemen  die vom Iran unterstützten Houthi Rebellen die Macht in Sanaa und demonstrieren, indem sie zuerst überall Plakate “Tod Amerika, Tod Israel” verkleben, wie es so bestellt ist mit denjenigen, die unter dem Schutz des Iran agieren, der gerade als Verbündeter im Kampf gegen den Islamischen Staat von den USA und den Europäern als das angeblich kleinere Übel umworben wird:

Anti-American Shiite rebels known as Houthis man checkpoints and roam the streets in pickups mounted with anti-aircraft guns after they overran Sanaa, the capital of Yemen, two weeks ago. Rebel fighters have plastered the city with fliers proclaiming their slogan - “Death to America, death to Israel, a curse on the Jews and victory to Islam.”
The Houthis, who are backed by Shiite-led Iran, are poised to become Yemen’s version of the Shiite Hizbullah in Lebanon - top powerbrokers dominating the government. After the fall of Sanaa, Houthis staged a massive victory rally in the city, flying Hizbullah flags and portraits of Iran’s late supreme leader Ayatollah Ruhollah Khomeini.

6. Oktober 2014, 19.55 Uhr:

In den Nachthimmel starren, auf die Flugzeuge warten

von Thomas von der Osten-Sacken

Die ersten schwarzen Fahnen der ISIS sind am Ortseingang der seit Wochen umzingelten kurdischen Stadt Kobane gehisst worden, die meisten Zivilisten über die Grenze evakuiert, es scheint dem IS gelingt es in diesen Stunden ins Stadtzentrum vorzudringen.

Harald Doorbos, ein holländischer Journalist, verfolgt die Entwicklung von der Grenze.

Ein Tweet von ihm, der vieles über die Lage aussagt:

Kurds here close to border staring at night sky, hoping very much for airstrikes. But seems too little too late, ISIS already inside Kobane.

Sie hoffen auf massive Luftangriffe.

Dabei flog die anti-Isis Koalition heute genau drei Anriffe:

U.S. and partner nations’ military forces continued to attack ISIL terrorists in Syria Sunday and today using fighter and remotely piloted aircraft to conduct three airstrikes.

One strike destroyed an ISIL tank near Taqba Airfield west of Ar Raqqah. One strike destroyed two ISIL fighting positions south of Kobani. One strike southeast of Dayr az Zawr destroyed an ISIL tank.

Man starrt also so vergebends in Kobane in den nächtlichen Himmel, wie im Sinjar auch.

Drei Angriffe, das fliegt die angeschlagene syrische Luftwaffe, die gerade hilft, Aleppo ganz einzuschließen, pro Tag locker gegen nur eine Stellung der Opposition, um dort ihre todbringenden barrel bombs abzuwerfen.

Und sie kann das ganz ungestört auch heute tun, denn Assad ist ja nicht der Feind der Koalition, die er, kämpft sie so weiter, allerdings wohl nicht einmal fürchten müsste, änderte sie ihre Strategie und richtete sich auch gegen das Regime in Damaskus.

Update: 23:36 Uhr: Özgür Amed, Journalist in Suruc: Anti- IS Koalition hat vier Luftangriffe gegen IS- Stellungen in Kobanê geflogen. Zwei Luftangriffe sollen den Hügel Mishtenur getroffen haben.

Update 2: Coalition active today around . Saw 4th airstrike little while ago hitting same spot as 3rd strike, a building in western Kobane.

6. Oktober 2014, 15.02 Uhr:

Der iranische Revolutionsgardistengeneral an der irakisch-kurdischen Front

von Thomas von der Osten-Sacken

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass es die Patriotische Union Kurdistans (PUK) es vorzieht, statt mit den Amerikanern, lieber mit den Iranern zu kämpfen. De facto ist Irakisch-Kurdistan also wieder zweigeteilt, im Norden werden die Peshmerga-Einheiten der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) von den USA und der so genannten Koalition gegen den IS militärisch unterstützt, im Süden erledigt dies der Iran.

Nun tauchte auch ein Photo auf, das den General der Revolutionsgardisten, Quasim Suleymani, der nicht zu Unrecht als einer der Masstermindes des iranisch gestützten und organisierten Terrorismus in der ganzen Region gilt, an der Front Tuz Kurmato mit Peshmerga der PUK zeigt.

Der Iran ist längst de facto ein wichtiger Verbündeter in der anti-IS Koalition. Mit allen entsprechenden katastrophalen Folgen, die sich in den nächsten Wochen und Monaten erst zeigen werden.

3. Oktober 2014, 15.32 Uhr:

Solidarität mit Kobani! Nur welche?

von Thomas von der Osten-Sacken

Die folgenden Fragen sind an jene adressiert, die dieser Tage zu Solidaritätsdemonstrationen mit dem von Schlächtern des Islamischen Staates tödlich bedrohten Menschen in der syrisch-kurdischen Stadt Kobani mobilisieren.

Mit dem selben Grauen, das einen tagelang nicht schlafen ließ, als die IS-Jihadisten den Sinjar Anfang August überrollten, verfolgt man dieser Tage, wie sie näher und näher aufs Stadtzentrum von Kobani vorrücken und auf dem Weg dorthin die für sie so übliche Spur von Verwüstungen hinterlassen.

Und erneut schaut man ohnmächtig und hilflos zu, würde, wäre das von irgend einem Nutzen, am liebsten sich den dort kämpfenden Verbänden anschliessen oder doch zumindest irgendwie praktisch Hilfe leisten. Wie so oft, bleibt einem wenig anderes, als irgendwelche Appelle zu unterschreiben oder sich Demonstrationen anzuschliessen.

Dass ich dies bislang nicht tat, liegt einfach daran, dass ich momentan nicht in Deutschland bin. Dies hat mich auch daran gehindert, gestern einem Aufruf zu folgen, in Frankfurt vor dem türkischen Generalkonsulat gegen einen möglichen Einmarsch türkischer Truppen in Kobani zu demonstrieren. Mit der Parole “ISIS und Erdogan - Raus aus Kurdistan” hatte eine Solidaritätsgruppe dorthin mobilisiert.

Fast zeitgleich allerdings erklärte der inhaftierte Vorsitzende der PKK, Abdullah Öcalan, laut FAZ, dass sollte die Türkei den Menschen in Kobani nicht auch militärisch zu Hilfe kommen, er den kurdisch-türkischen Friedensprozess für beendet erkläre.

Es ist nicht das erste Mal, dass wer sich für das Überleben der kurdischen Kantone in Nordsyrien einsetzen will, mit äußerst widersprüchlichen, ja sich widersprechenden Forderungen konfrontiert wird, die eine kohärente Positionierung zumindest nachhaltig erschweren.

Vor Wochen noch protestierten Anhänger der PYD/PKK gegen mögliche US-Militärschläge, gemeinsam mit Vertretern der Linkspartei demonstrierte man gegen einen neuen Krieg, forderte lediglich, dass ausser den irakisch-kurdischen Peshmerga auch die YPG mit Waffen beliefert werden solle.

Nur wenige Tage später dann forderte allerdings der Vorsitzende der PYD, Salih Muslim, nicht nur Waffen, sondern rief auch nach internationalen Luftschlägen gegen die IS, eine Forderung die sich gegenüber Journalisten unzählige Kämpfer und auch Kommandeure der YPG vor Ort anschlossen, Berichten von vor Ort flehte man förmlich um mehr Bomben auf die Stellungen der Jihadisten.

Jetzt wird sogar die wohl durchaus berechtigte Kritik an den Amerikanern laut, sie bombardierten bei weitem nicht genügend Ziele in und um Kobani, um den Kämpfern am Boden dringend benötigte Erleichterung zu verschafften.

Während die IS die Aussenbezirke der Stadt erreicht, klagt ein YPG-Milizionär, man sei im Gegenteil alleine gelassen worden und bräuchte, sollte die Stadt nicht fallen, dringend internationale Unterstützung.

Was also wäre künftig genau auf Demonstrationen und in Appellen zu fordern, wie kann Solidarität, so hilflos sie konkret auch sein mag, praktisch aussehen, soll sie sich nicht in leeren Erklärungen erschöpfen? 

Als der Sinjar fiel, war es vergleichsweise einfach zu versuchen, den Forderungen der irakischen Kurden mehr Gehör zu verschaffen, da sie recht einheitlich lauteten: Man benötige dringend moderne und schwere Waffen und internationale Luftunterstützung gegen den IS.

Wie aber lauten in Zukunft die Forderungen zur Unterstützung Kobanis und der anderen Kantone Rojavas?

Soll die von den USA geführte Anti-IS Koalition massiv auf Seiten der YPG/PYD intervenieren? Oder fordert man weiter, wie etwa prominente Vertrter der Linkspartei, lediglich Waffenlieferungen oder gar nur humanitäre Unterstützung?

Ist die Türkei, wie die Organisatoren der Frankfurter Demonstration annehmen, als ein de facto Verbündeter der IS zu behandeln, dem es um Vernichtung kurdischer Selbstverwaltung in Nordsyrien geht, oder ist die türkische Regierung, darauf deutet zumindest die Stellungnahme Öcalans hin, doch potentieller Alliierter im Kampf gegen den IS und als solcher zu adressieren?

Handelt es sich bei dem Kampf in Kobani um einen gegen den IS - und in Lesart von Demonstrationsaufrufen - indirekt auch gegen die Türkei oder ist er vielmehr Teil der Bestrebungen beide, den IS und das Assad-Regime zu besiegen?

Betrachtet sich die PYD/YPG in diesem Krieg als Teil von Obamas äußerst problematischer Koalition gegen den IS (mit den entsprechenden Konsequenzen) oder als Alternative zu einem Nahen Osten, in dem die USA und ihre seltsamen Verbündeten, ob Saudi Arabien und Qatar oder indirekt auch der Iran,  die Regeln bestimmen?

3. Oktober 2014, 00.31 Uhr:

Damaskus ist satisfied

von Thomas von der Osten-Sacken

Das Assad Regime in Damaskus (und damit auch sein Schutzpatron, der Iran) zeigt sich höchst zufrieden mit Obamas Krieg gegen den Terror, zeigt die USA doch bislang nicht die geringste Bereitschaft, irgend etwas gegen es zu unternehmen oder sich auch nur ernsthaft mit der Opposition zu koordinieren.

Dazu schreibt Michael  Weiss:

Indeed, if there is any party in Syria so far happy with the way Obama’s strategy is being implemented, then it is the mass murders and gang-rapists of Damascus. Syrian Foreign Minister Walid Moallem looked a bit nervous there, for a short while, about what was only a theoretical US invasion of Syrian airspace — he’d said a month ago that without the regime’s permission or coordination it’d be an act of aggression. But now he’s seen what an invasion constitutes in practice and he is pleased. In an interview with the Associated Press, Moallem claimed that Washington sent three messages to Damascus a day before the first strikes occurred on September 23. They were all the same: “We [the US] are not after the Syrian army or the Syrian government.” Now, this could be dismissed as the usual sorry propaganda from a man who has been unable to glimpse his own penis in decades but for the fact that… US warplanes have not touched the Syrian army or the Syrian government. Nor, say US officials, are there likely to do so in the near- or medium-term future. And even though Washington’s been incommunicado over that hat trick of reassurances, Moallem is cool. “Until today, we are satisfied. As long as they are aiming at ISIS locations in Syria and in Iraq, we are satisfied.”

I take this to mean that the regime is satisfied.

Quelle: https://now.mmedia.me/lb/en/commentaryanalysis/564172-obamas-syria-report-card

26. September 2014, 19.16 Uhr:

"Now is the time for the US to correct its mistakes"

von Jörn Schulz

„Die Amerikaner haben viele Ziele (Jarabulus, Tal Abyad, Minbic) nahe der Stadt Kobanê bombardiert. Aber die Ziele, die am dringendsten angegriffen werden müssen, wurden aus unerklärlichen Gründen bis jetzt nicht angegriffen“, sagt Polat Can, Kommandeur und Pressesprecher der YPG. „Die Türkei will, dass Kobanê fällt, damit sie anschließend mit ihren Soldaten in Rojava einmarschieren und dort eine Pufferzone errichten. Das ist der Plan der Türkei.“ Sicher ist, dass eine „Pufferzone“ von der türkischen Regierung erwogen wurde, auch wenn es keine offizielle Bestätigung für Einsatzpläne gibt. Die Idee entspricht auch der Mischung aus größenwahnsinniger Machtpolitik und Realitätsferne, die Erdogans Politik auszeichnet. Ein Einmarsch der Türkei mit ihren, vorsichtig ausgedrückt, dubiosen Beziehungen zum IS ließe eine Befreiung Syriens in noch weitere Ferne rücken, zumal keineswegs auszuschließen ist, dass sich Erdogan nach russischem Vorbild „osmanisches“ Territorium aneignen will, falls es zu einem Zerfall Syriens und/oder des Irak kommt.

„Extremism and terrorism were the products of the regime’s crimes“, daran erinnern die Local Coordination Committees. „The Syrians salvation from ISIS should be synchronized with their liberty of the tyrant Assad’s regime and its terrorism against them.“ Soweit aber will Obama offenbar nicht gehen, und wenngleich unwahrscheinlich ist, dass er einen türkischen Einmarsch gutheißt, wird er vermutlich nichts unternehmen, wenn es dazu kommt. Selbst wenn man der „realpolitischen“ Erwägung folgt, zuerst müsste die ökonomische Basis des IS zerstört werden, gibt es am vierten Tag der Luftangriffe auf Syrien keine Ausrede mehr für die ausbleibende Hilfe für Kobane.

Dass die Zusammenarbeit mit Islamisten und ihren Unterstützern, ob Golfmonarchen, Erdogan, Ayatollahs oder pakistanische Generäle, verheerende Folgen hat, sollte in den vergangenen 35 Jahren eigentlich klar geworden sein. Aber auch diesmal läuft es nicht anders. Das kritisiert auch Osamah Golpy:  „The US, however, must not allow Turkey to paralyze—or even endanger—its military campaign in Syria. Considering that Turkey is in negotiations with the PKK, a group officially blacklisted as a terrorist organization in Turkey, the US should be able to work with the YPG to promote a good cause. As a matter of fact, the Kurds in Syria are not only moderate, but have also held off IS for the past two years without losing any major battle—until of course advanced, heavy-made US weaponry fell into the hands of IS fighters when the Iraqi army fled Mosul in June. Thus the United States is at minimum indirectly responsible for the unfolding massacre, or is directly responsible given Obama’s inaction in Syria. Now is the time for the US to correct its mistakes by providing military aid to moderate Kurdish guerrillas in Syria.“

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