Schlüppis
Missy-Magazin
Kürzliche Beiträge
6. März 2012, 22.34 Uhr:

Hamas Sprecher erklärt Neutralität im Fall eines israelisch-iranischen Krieges

von Thomas von der Osten-Sacken

Eine bemerkenswerte Entwicklung: Ein hochrangiger Sprecher der Hamas in Gaza, die lange Zeit noch engere Beziehungen zum Iran unterhalten hat, als die, inzwischen aus Damaskus abgezogene Exilführung, erklärt, im Kriegsfall würde seine Organisation sich nicht einmischen:

Hamas will stay out of a possible military conflict between Israel and Iran over Tehran’s contentious nuclear program, a senior Hamas official said on Tuesday, adding that the Palestinian organization was not part of regional alliances.

The comment by Salah Bardawil a member of Hamas’ political leadership in Gaza, and following estimations that Iran-back militant groups in the regions, such as Hamas and Hezbollah, would aid Tehran in case of war with Israel. (…)

The sentiment was echoed by another Hamas official speaking the U.K. newspaper, who said that the military group “would not get involved” in a war between Israel and Iran

Interessant, dass  Sprecher der Hamas ausgerechnet jetzt, da die Obama-Administration sich durchgerungen hat, wesentlich härtere Töne gegenüber dem Iran anzuschlagen, mit solchen Aussagen an die Öffentlichkeit treten.  Denn de facto heißt das, dem Iran bricht seine “Südfront” weg. Bislang konnte Teheran immer drohen, dass, sollte die IDF sein Nuklearprogramm angreifen, sowohl die Hizbollah von Norden, als auch die Hamas von Süden, Raketen auf  Israel regnen lassen werden würden.

Und dann hat ja auch kürzlich erst ein hochrangiger Muslimbruder in Ägypten de facto zum Regime Change im Iran aufgerufen. Das alles wird man in Teheran so gar nicht gerne vernehmen.

Update: Wie in zentralen Fragen dieser tage so üblich (etwa der, ob man denn nun die syrische Opposition unterstützt oder nicht), kommt denn auch nur Tage später aus dem Munde eines anderen hochrangigen Hamasmitgliedes ein Dementi: ‘Hamas denies it would stay out of Israel-Iran war’. Und ganz sicher kommt das Dementi des Dementis in wenigen Tagen auch.

5. März 2012, 20.55 Uhr:

Legalize it

von Thomas von der Osten-Sacken

Kürzlich fand in Tunis eine “Legalize it!” Demonstration statt. Businessweek berichtete und stellte dieses schöne Bild ins Netz:

5. März 2012, 13.41 Uhr:

Der deutschen Friedensforschung ihr Sicherheitsinteresse

von Thomas von der Osten-Sacken

Mit dem Begriff des „Sicherheitsinteresses“ ist es so eine Sache. Bei einer Vergewaltigung etwa haben beide Beteiligten ein je ganz eigenes: Der Vergewaltiger möchte weder bei der Tat vom Opfer verletzt, noch von Dritten erwischt werden. Es liegt also durchaus in seinem Sicherheitsinteresse, wenn das Opfer unbewaffnet, der Ort menschenleer ist. Schwierig wird es nur, beginnt man sich darüber Gedanken zu machen, wie denn nun die jeweils durchaus nachvollziehbaren, „Sicherheitsinteressen“ miteinander zu vereinbaren wären. Dann landet man bei so etwas wie deutscher Friedensforschung:

Da gibt es vielerlei Interessen zu berücksichtigen, vor allem aber Sicherheitsinteressen Irans und Israels. Iran sieht sich zunehmend von den USA bedroht und sucht möglicherweise sein Heil in klassischer atomarer Abschreckung als Überlebensgarantie. Wenn die eigenen Waffen nicht bis in die USA reichen, könnte Israel als Geisel dienen. Israel sieht sich im möglichen Schatten iranischer Atomraketen bedroht, möchte aber auf die eigenen vermutlich 200 Atomsprengköpfe, die auch Iran bedrohen können, nicht verzichten.

Kurzum: Wenn der Vergewaltiger sich durch die Polizei bedroht fühlt, könnte er das Opfer auch ermorden, das  seine Waffe deshalb besser auch zu Hause lassen sollte. Dann ist aller Sicherheitsinteresse gedient.

Diese guten Vorschläge kommen übrigens aus Aachen. Einer Stadt mit einer ganz eigenen politischen Szene, über die das Blog Pax Diaboli regelmäßig berichtet.

5. März 2012, 12.54 Uhr:

Friedensbewegung gegen friedliche Maßnahmen

von Ivo Bozic

Wer nicht will, dass es zu einem militärischen Konflikt mit dem Iran kommt, die und der ist ja sicher für friedliche Maßnahmen gegen Irans Atomprogramm, Wirtschaftssanktionen zum Beispiel. Sollte man meinen, ist aber nicht so. In einer Erklärung aus der Friedensbewegung werden mal wieder gerade solche friedlichen Mittel kritisiert: „Der Konflikt mit Iran spitzt sich gefährlich zu. Das vom Westen geplante Ölembargo und der Boykott der iranischen Zentralbank sind gefährliche Interventionen.“ Gegen diesen unsäglich einfältigen Aufruf „Sanktionen und Kriegsdrohungen sofort beenden“, den die Professoren Altvater, Birckenbach, Dürr, Fetscher, Grottian, Krippendorff, Narr und Negt sowie Bahman Nirumand und viele weitere unterzeichnet haben, gibt es nun einen Offenen Brief von Ralf R. Schumann, Matthias Küntzel und Nikoline Hansen von SPME: „Wir bedauern, dass Sie mit der Autorität Ihres Namens einer Erklärung zum Irankonflikt Gewicht verleihen, die das iranische Regime von jeglicher Verantwortung für die Zuspitzung der Lage freispricht.“ Weiterlesen hier

4. März 2012, 20.36 Uhr:

Heiße Kartoffel

von Thomas von der Osten-Sacken

Der so genannte arabische Frühling, der ihnen in Folge unerwartete Wahlsiege brachte, stellt die Muslimbrüder und andere Islamisten vor ganz neue Herausforderungen. Denn bislang lehnten alle Vordenker des politischen Islam sowohl das Konzept der Volkssouveränität ab, wie die Idee, Parlamente hätten die Hoheit über den Gesetzgebungsprozess, von einer irgendwie gearteten Trennung von Staat und Kirche ganz zu schweigen. Der für die Muslimbrüder und ihre Ideologie extrem einflussreiche indische Islamist Abul Ala Maududi hat schon vor Jahrzehnten niedergelegt, was der grundlegende Unterschied zwischen „westlicher“ und „islamischer“ Demokratie sei: In letzterer sei Gott der einzige Souverän, die Scharia das einzige Gesetz und gewählte Volksvertreter hätten einzig eine beratende Funktion.

Seit sie, zumindest verbal und auf Druck der Straße, sich zu Demokratie und Volkssouveränität bekennen, stoßen überall in der Region die Islamisten auf ganz unangenehme Widersprüche. Denn wie lassen beide Konzepte sich vereinbaren? Der Bruder des Gründers der Muslimbruderschaft, Gamal al Banna, hat es ihnen vor einem Jahr schon gesagt: Gar nicht. Entweder es gibt den islamischen Staat, der wie Banna richtig bemerkt, bislang nirgends auch nur in Ansätzen funktioniert hat, oder einen, wie er es nennt, zivilen Staat.

Rashid al-Ghanouschi, Chef der tunesischen Ennadha Partei, und in der Wolle gewaschener Muslimbruder, spürt stärker noch als seine Kollegen in anderen Ländern, wie nötig es ist, ihre islamistische Weltanschauung  irgendwie an die veränderten Realitäten anzupassen, die mit den Umbrüchen in der arabischen Welt geschaffen wurden. Und er, der frührer sogar öffentlich seiner Hochachtung für Khomenei Ausdruck verlieh, was ihm inzwischen nachweislich peinlich ist, beginnt sogar jetzt eine ganz heiße Kartoffel anzufassen: den Säkularismus. Man dürfe Säkularismus keineswegs mit Atheismus gleichsetzen (das aber hatten sie in ihren Hetzreden bislang allerdings alle getan):

“At first glance, it seems that secularism is a philosophy that came to fight religious views. However, this is not the case,” he stated.

 

Und dann bricht er gar eine  Lanze für etwas, das er „partial secularism“:

Governments that either force their people to adhere to religious practices or restrict the religious freedom of citizens are dangerous and unnatural, according to Ghannouchi.

He gave an anecdote of his visit to an Islamic country that forces women to wear the veil. “When I got on the plane to leave, all of the women were covering their hair, but once in the air, most of the women removed their headscarves. This shows religion is a personal conviction that can not be forced or imposed on others.”

Moderate Islam and “partial secularism” both guarantee the same principles in Ghannouchi’s view. “Freedom is a fundamental principle in Islam, religion can not be forced on believers,” he added. ”Religion is not meant to give us guidance in all areas of industrial management, agricultural innovation, and governance, those subjects require human reason. Religion, however, gives us a code of values and principles,” he explained.

Nun ist es relativ egal, warum sie so reden. Ob es äußerem Druck oder Appeseament gegenüber der säkularen Opposition geschuldet ist, oder wirklich Ausdruck eines Umdenkens, spielt eine nur untergeordnete Rolle. Es sind die Umstände, die sie zwingen, sich mit den Grundlagen ihrer eigenen Ideologie auseinander zu setzen. Und das wird in jedem Falle Konsequenzen haben. Der Ball ist in ihrem Feld und so richtig glücklich wirken sie damit nicht. Denn wenn sie so weitermachen, kommen sie bald in ziemliche Erklärungsnöte. Denn Gamal al-Banna, und der muss es nun wirklich wissen, hat eben Recht: Es gibt kein Mittelweg zwischen islamischem und zivilen Staat.

3. März 2012, 17.47 Uhr:

Homs Blitz

von Thomas von der Osten-Sacken

Human Rights Watch meldet:

Syrian forces killed some 700 people and wounded thousands in a 27-day bombardment of Homs, with shells sometimes falling at the rate of 100 an hour, Human Rights Watch said.

Und auf von HRW veröffentlichten Satelittenbildern kann man sich die ganze Verwüstung auch noch ansehen, bzw. im dazugehörigen Text sich die Augenzeugenberichte durchlesen:

A wounded civilian from Baba Amr who escaped on February 24 described the intensity of the shelling:

On February 23 I was in my house when the whole building shook as if an earthquake had happened. I looked outside the building and saw that a rocket went through the building adjacent to mine, completely demolishing the roof. Seconds later, another rocket hit the same building destroying the second floor, and a few seconds later, a third rocket destroyed the first and ground floor. In three to four minutes the building had fully collapsed. I directly went outside to see if anyone survived. I pulled one woman but she had no legs. Her legs were cut off. As I was trying to remove another wounded person, the building on the other side of the street was hit by a rocket. The rocket’s shrapnel injured my legs and neck. I was transferred to the field hospital but they couldn’t remove the shrapnel from my neck. So they transferred me to Lebanon.

A wounded member of the armed opposition told Human Rights Watch: “The shelling generated so much damage that everyone we found inside the buildings that had been hit came out in pieces. I found a mother in Insha’at [a neighborhood north of Baba Amr] cut in half with her head missing. Her two daughters were in a similar state.”

Human Rights Watch
previously documented the use by the Syrian army of Russian-made 240mm mortar systems against Homs. These systems fire the world’s largest high-explosive mortar bomb, designed to “demolish fortifications and fieldworks,” according to a Russian arms merchandizing catalogue.

2. März 2012, 14.26 Uhr:

"God bless America"

von Thomas von der Osten-Sacken

Vermutlich meint dieser Iraner, wenn er mit einem solchen T-Shirt an die Urnen geht, nicht, dass die Appeasement Politik der Obama Administration zu lobpreisen sei, sondern hat etwas ganz anderes im Sinne (mehr über Toby Keith hier):

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