Kürzliche Beiträge
13. Februar 2015, 10.53 Uhr:

Syrien und die Linke

von Thomas von der Osten-Sacken

Der syrische Oppositionelle  Yassin Al Haj Saleh über Syrien und die westliche Linke:

I am afraid that it is too late for the leftists in the West to express any solidarity with the Syrians in their extremely hard struggle. What I always found astonishing in this regard is that mainstream Western leftists know almost nothing about Syria, its society, its regime, its people, its political economy, its contemporary history. Rarely have I found a useful piece of information or a genuinely creative idea in their analyses. My impression about this curious situation is that they simply do not see us; it is not about us at all. Syria is only an additional occasion for their old anti-imperialist tirades, never the living subject of the debate …

We, rank-and-file Syrians, refugees, women, students, intellectuals, human rights activists, political prisoners … do not exist … But honestly I’ve failed to discern who is right and who is left in the West from a leftist Syrian point of view … Before helping Syrians or showing solidarity with Syrians, the mainstream Western left needs to help themselves. Their views are totally misguided, and the Syrian cause was only a litmus test of their reactionary and decadent perspectives.

http://newpol.org/content/syria-and-left

12. Februar 2015, 22.51 Uhr:

Assad und der Jihadismus; Eine symbiotische Beziehung

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus einem Interview mit Michael Weiss und Hassan Hassan, beides Mitarbeiter der Zeitschrift Now Lebanon, die  gerade ein Buch über ISIS publiziert haben:

Assad’s role in suborning and facilitating Al-Qaeda in Iraq is so well-documented that it beggars belief that anyone in Western policy circles could count him a viable or credible counterterrorist. The travel agency for the so-called “rat-lines” of jihadists the regime dispatched into Iraq for nearly a decade was actually located across the street from the US Embassy in Damascus. (…)

Assad hosted Abu Ghadiyeh, a rat-line organizer who was killed by US Special Forces in 2008 in Al-Bukamal, the border town in Syria through which the jihadists poured into Iraq. If you wanted to join the war against the Americans, you flew to Damascus International Airport, linked up with AQI operatives in the capital, and were then ferried to any number of safe houses in the Jazira. (…)

The regime has used Al-Qaeda for years to try and strike a deal with the West: “We can blow you up with these guys, or we can work with you to get rid of them — take your pick.” Ali Mamlouk more or less said this to State Department officials in 2009 when the newly-installed Obama administration was looking to cut all manner of deals with nasty regimes in the region.

Frankly, at this stage, anyone claiming that Assad hasn’t enjoyed a long and destructive relationship with the forbears of ISIS has no business commenting on the subject.

11. Februar 2015, 21.36 Uhr:

Revolutionsgardisten am Golan

von Thomas von der Osten-Sacken

Stolz präsentiert sich Qassim Soilemani, der berüchtige Chef der Revolutionsgardisten diesmal nicht an der Front im Irak, sondern in Südsyrien , wenige Kilometer von der israelischen Grenze entfernt.

Es heißt, er führe die Großoffensivevon Hizbollah und syrischer Armee - in dieser Reihenfolge - gegen die Rebellen an, die in den vergangenen Wochen einige Geländegewinne verbuchen konnten.

Sollte diese Offensive, die offenbar von langer Hand geplant ist, gelingen, wären nicht nur die letzten nahmhaften Einheiten nichjihadistischer bewaffneter Opposition in Syrien zerschlagen, die Hizbollah und iranische Revolutionsgardisten stünden auch am Golan. Wo sie immer schon hinwollten.

Welche Folgen das haben wird, man braucht es nicht weiter zu auszumalen. Dass der Iran jetzt so offen auch in Syrien mitkämpft - während zeitgleich im Yemen die USA ihre Botschaft schließt - ist nur ein weiterer Zeichen, wie selbsticher und siegesgewiss Teheran inzwischen auftritt.

Sage nun bitte niemand, man habe es nicht kommen sehen, man hätte es nicht verhindern können.

Derweil meldet Al Jazeera, Rebellen hätten ihrerseits eine Offensive in Damaskus gestartet:

Zahran Alloush, the commander of the resistance Liwa al-Islam Brigade, has announced on Al Jazeera Arabic that a massive coordinated attack on Assad regime military and security facilities is underway across Damascus, with over 1,000 rockets and mortars targeting the regime’s security headquarters and military bases.

11. Februar 2015, 11.04 Uhr:

Barbarei als Alltag

von Thomas von der Osten-Sacken

Die von der Opposition gehaltenen Damaszener Vororte wie Douma werden seit Tagen massiv von Assads Luftwaffe bombardiert:

At least 23 people were killed and 50 others were injured Monday in Assad regime airstrikes that targeted Douma, an area 10 km north-east of Damascus, a statement by the Syrian Revolution General Commission said.

Yusuf Bustani, a local activist, also told The Anadolu Agency that houses and commercial buildings were destroyed in the attack.

Getroffen und zerstört wurde auch das einzige noch funktionierende Krankenhaus, in dem man unter anderem jene behandelt, die im August 2013 die Chemiewaffenangriffe des Regimes überlebten.

Derweil erklärt der syrische Diktator in einem BBC, seine Armee setzte keine barrel bombs ein.

4. Februar 2015, 18.25 Uhr:

„Only God tortures by fire“

von Jörn Schulz

So urteilt der saudische Kleriker Salman al-Odah. Wie üblich gibt es Gegenbeispiele aus der islamischen Geschichte und abweichende Meinungen, aber die meisten islamischen Religionsgelehrten teilen Odahs Ansicht. Die Vorwegnahme des Höllenfeuers gilt ihnen als Eingriff in die Rechte Gottes. Es geht also weniger um die Grausamkeit der Hinrichtungsart – einige Geistliche fordern nun die Kreuzigung als Bestrafung für die Täter – als um die religiöse korrekte Art des Tötens.

Jenseits solcher eher befremdlicher Debatten drängt sich aber eine andere Frage auf: Warum bemühen sich die Jihadisten mit zur Schau gestellter Grausamkeit, Staaten und deren Bevölkerung gegen sich aufzubringen, die sich bislang nicht am Kampf gegen den IS beteiligt (Japan) oder eher defensiv (Jordanien) verhalten haben? Warum agiert der IS auch in anderen Bereichen offenkundig ohne jeden Sinn für Strategie?

George Packer schreibt im New Yorker: „The point isn’t to use the right level of violence to achieve limited goals. The violence is the point, and the worse the better. The Islamic State doesn’t leave thousands of corpses in its wake as a means to an end. Slaughter is its goal—slaughter in the name of higher purification. Mass executions are proof of the Islamic State’s profound commitment to its vision. (…) The level of its violence hasn’t discouraged new recruits—the numbers keep growing, because extreme violence is part of what makes ISIS so compelling. (…) ISIS is less like a conventional authoritarian or totalitarian state than like a mass death cult. (…) It joins the death cult to an army and a rudimentary state. (…) One thing we’ve learned from the history of such regimes is that they can be stronger and more enduring than rational analysis would predict. The other thing is that they rarely end in self-destruction. They usually have to be destroyed by others.“

Das stellt auch die innen- und außenpolitische Strategie des Westens in Frage. So bedeutsam die Ideologie für den Bestand der Gruppe ist – für den einzelnen Rekruten zählt vor allem die Möglichkeit, Gewalt ausüben zu können. Man braucht daher eher Profiler als Prediger, um die Gefährlichsten ausmachen zu können – auch im Unterschied zu jenen, die sich im Rahmen einer reaktionären „Erweckung“ anderen islamistischen Gruppen anschließen. Ob jemand als Kind Tiere gequält und andere Indizien für psychopathisches Verhalten gezeigt hat, ist hier bedeutender als die Frage, wer wann welchem Prediger gelauscht hat.

Die nun wieder routinemäßg debattierten neuen Sicherheitsgesetze sind nicht nur bürgerrechtlich fragwürdig, sofern sie Meinungsdelikte oder den Kauf eines Flugtickets betreffen, unpraktikabel, weil Absichten vor Gericht nicht nachgewiesen werden können, und eine Gefahr unter anderem für Unterstützer des Kampfes gegen das syrische Regime, das nun – hoffentlich ungewollt, aber angesichts der andauernden Beziehungen des BND mit den syrischen Schlächtern kann man nicht sicher sein – vor  “schweren staatsgefährdenden Gewalttaten“ beschützt werden soll. Sie sind auch eine Kapitulation vor dem Terror. Mit einem ernsthafteren westlichen Engagement und einer anderen Bündnispolitik, die sich auf die demokratischen und zur Demokratisierung bereiten Kräfte im Syrien und dem Irak stützt, kann der Terror in wenigen Monaten beendet werden. Wer Gesetze beschließen will, die langfristig orientiert die jihadistische Reisetätigkeit unterbinden sollen, hat sich aber bereits damit abgefunden, dass dem IS im Nahen Osten eine Spielwiese überlassen wird.

4. Februar 2015, 08.27 Uhr:

Endlich frei

von Thomas von der Osten-Sacken

Vor vier Jahren schrieb ich:

Nächstes Jahr wäre eine ungewöhnliche Premiere möglich, dann könnte nämlich mit Tunesien erstmals ein arabisches Land von Freedom House als frei eingestuft werden.

Das war ein wenig zu optmistisch, aber die guten Nachrichten aus der Region, die so selten geworden sind, verdienen es, berichtet zu werden.

Dieses Jahr wurde Tunesien von Freedom House von ‘partly free’ auf ‘free’ hochgestuft.

30. Januar 2015, 17.55 Uhr:

Total Mess

von Thomas von der Osten-Sacken

Als ‘total mess’ bezeichnet Andrew Tabler die Syrien-Politik Obamas, die, seit die USA im Kampf gegen den IS den Iran und auch Assad de facto als Alliiierte im ‘War on Terror’ betrachten und behandeln, nur schlimmer geworden ist. Er erklaert, warum mit dem Iran eine Befriedung Syriens oder des Westirak niemals wird gelingen koennen:

Flipping back to support the Assad regime against ISIS will not solve Washington’s problems, however.

Beyond the terrible optics of assisting a president who has used chemical weapons and Scud missiles against his own people, the Assad regime is financially and militarily crippled and therefore unable to retake and hold areas currently controlled by ISIS.

When US bombing raids targeting ISIS unexpectedly expanded in September to include Jabhat al-Nusra in western Idlib province, the latter turned on the Western-backed Free Syrian Army groups in their area, dramatically overrunning the Syrian Revolutionaries Front (SRF) and Harakat Hazm.

The decimated groups had been armed with US TOW missiles and were therefore widely reported to be part of the American covert support program. While some of these forces have since regrouped, the US bombing campaign — combined with President Obama’s November statements that Washington was not actively discussing ways to remove Assad — has nearly collapsed the long-fraying rebel support for the United States. Meanwhile, the jihadist vs. Assad fight has been escalating.

Flipping back to support the Assad regime against ISIS will not solve Washington’s problems, however. (…)

Whatever areas the regime attempts to retake in the coming months will see an influx of increasingly minority-dominated, Iranian-directed forces.

In short, Bashar’s comeback is not a legitimate ruler returning order to his country, but substantially a product of Iran’s foreign legion of substate actors. This fight — part of Tehran’s effort to radically transform the Fertile Crescent — is something that the region’s Sunni powers will continue to oppose, most notably Turkey and the Gulf Arab countries.

Iran’s deep and direct involvement in Assad’s attempt to shoot his way out of the Syria crisis has implicated Tehran in the mass slaughter of Sunnis and set off a sectarian war that has engulfed Iraq and threatens to spread beyond. Iran’s Syria campaign would make more sense if sectarian demographics were not so firmly against it. Syria is 75 percent Sunni Arab, roughly the same percentage as the overall Middle East minus Iran. And the rural areas that ISIS dominates in Syria and Iraq are upwards of 95 percent Sunni Arab.

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