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Kürzliche Beiträge
24. November 2011, 18.18 Uhr:

Von Saddam lernen

von Jörn Schulz

„Saddam Hussein plante vom Anfang seiner Präsidentschaft an einen erneuten Krieg der ‚Arabischen Nation’ gegen Israel. Irak, Syrien und möglicherweise Jordanien würden unter Saddams Führung eine umfassende konventionelle Auseinandersetzung mit dem Staat der Juden beginnen. (…) Um diesen nächsten Krieg gegen das nuklear gerüstete Israel auf durchgängig konventionellem Niveau halten zu können, mussten die Nuklearwaffen Israels neutralisiert werden. Dazu bedürfte es eigener Nuklearwaffen. Da eine Eigenentwicklung zunächst nicht zur Verfügung stehen konnte, glaubte Saddam, dass ‚unsere sowjetischen Freunde’ aushelfen würden.“ Was sie zum Glück nicht taten, die Atomexportpolitik der Sowjetunion war immer restriktiver als die der meisten westlichen Staaten. Den 1981 von israelischen Kampfflugzeugen zerstörten, noch im Bau befindlichen Atomreaktor hatte Frankreich geliefert.

Hans Rühle schreibt in der Welt über die „Begin-Doktrin“ („Wir werden unter keinen Umständen zulassen, dass ein Feind Massenvernichtungswaffen entwickelt, die gegen die israelische Bevölkerung eingesetzt werden könnten.“) und auch den kaum bekannten Versuch Israels, das pakistanische Atomrüstungsprogramm in Kooperation mit Indien zu stoppen. „Anfang 1984 billigte Indiens Ministerpräsidentin Indira Gandhi die israelisch-indische Aktion. In dieser Situation sah die CIA, die durchgehend informiert war, keine andere Möglichkeit mehr, als den pakistanischen Präsidenten Zia Ul Haq zu informieren. Zugleich wurde massiv Druck auf Israel ausgeübt, von diesem Abenteuer Abstand zu nehmen. Schließlich zog Indira Gandhi ihre Zustimmung zurück.“

Was unter anderem zur Folge hatte, dass der pakistanische Atomwissenschaftler Abdul Qadeer Khan diverse Länder, nicht zuletzt den Iran, mit Material und Know-how für nukleare Rüstungsprogramme belieferte. Auch nach der Enthüllung dieser Aktivitäten im Jahr 2004 zeigte die US-Regierung wenig Eifer bei der Aufklärung des Falls. „’Wir haben grundsätzlich Präsident Musharrafs Argument akzeptiert, dass wir keinen Zugang zu A.Q. Khan haben können, weil dies seine Regierung weiter destabilisieren würde’, sagt Jon Wolfsthal vom Center for Strategic and International Studies in Washington.“ Was genau an wen geliefert wurde, ist bis heute nicht bekannt.

Die erst kürzlich enthüllten Pläne Saddam Husseins sind auch deshalb von Interesse, weil sie die Möglichkeit belegen, „dass nukleare Aufrüstung betrieben wird, um einen beabsichtigten konventionellen Krieg führen zu können“. Es geht nicht allein um die Frage, wie ernst die Vernichtungsdrohungen gegen Israel zu nehmen sind und wie viele Anhänger die apokalyptische Doktrin Ayatollah Mesbahe Yazdis, eines „geistlichen Beraters“ des Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad, hat. Bedroht sind auch jene Staaten der Region, denen Ahmadinejad ankündigte, dass „jeder, der aus Naivität, Egoismus oder Hedonismus“ Israel anerkenne, „im Feuer der islamischen Nation verbrennen“ werde.

24. November 2011, 16.31 Uhr:

Islamotopia oder Freiheit versus Tyrannei

von Thomas von der Osten-Sacken

In einem unbedingt lesenswerten Essay begruendet Uriya Shavit, warum es mit Islamisten, die die absolute Merheit gewinnen, keine Demo-, sondern nur Theokratie geben kann. Statt aber auf den “moderaten” Islam zu setzten, wie es dieser Tage in den USA und Europa getan wird, sollten stattdessen all diejenigen Kraefte unterstuetzt werden, die in den vergangenen Monaten so eindrucksvoll gezeigt haben, dass es ihnen eben nicht um Errichtung einer islamischen Theokratie, sondern um Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Pluralismus durchaus nach westlichem Vorbild geht. Der Konflikt in der arabischen Welt ist nicht einer zwischen Religionen oder Kulturen, sondern einer zwischen Freiheit und Tyrannei:

Democracy without the Muslim Brotherhood is impossible, but so is democracy under its leadership. There is no doubt that the Brotherhood enjoys broad support in every Arab country that has undergone democratic revolutions or uprisings in the last year. Elections in which the movement is not allowed to participate will therefore lack popular legitimacy. (…)

The inevitable result of its electoral victory, however, will be the formation of a theocracy. It will not permit the scientific and technological revolution of which Arab societies are in such dire need. Thus, the Muslim Brotherhood must be permitted to run in elections, but not gain power. (…)

How can the West deal with the very tangible threat that Arab societies will be taken over by Islamist movements? If it confronts them, it will only confirm the Brotherhood’s claim that the West conspires to undermine the religious identity of the Muslim world and seize control of it. If, however, the West sits on its hands, the nascent liberal camp will be doomed.

This is the cruel and all-too-familiar Gordian knot of Arab democracy, in which the West is entangled as both liberator and conqueror, the solution and the problem.Yet, however convoluted the knot may be, Western decision makers must not ignore the astonishing truth revealed during the previous year: Forces within Arab society yearn for genuine democracy, and understand that the Western form of government embodies a formula for human success and political stability. For democracy to strike real and lasting roots in the Arab world, the United States and its allies must free themselves of the influence of multi-cultural and post-colonial theories and determine—first for themselves, and then for others—the distinction between truly enlightened regimes and their imitators. It is obvious that the West cannot coerce any electorate to vote against a traditionalist regime based on Islamic law. At the very least, however, it must make plain what it holds to be the essence of democracy, why the political ideas of the Muslim Brotherhood are incompatible with it, and, thus, why it cannot offer economic or diplomatic support to Arab states that follow the path of political Islam. The West needs to explain, to all who are willing to listen, that the conflict is not between the secular and the religious, the West and the East, the Christians and the Muslims. It is, quite simply, a clash between freedom and tyranny.

23. November 2011, 21.32 Uhr:

Pufferzone in Syrien?

von Thomas von der Osten-Sacken

Laut Haaretz gehen israelische Armeekreise davon aus, dass es nicht mehr lange dauern duerfte, bis die tuerkische Armee in Syrien interveniert, um im Norden eine Art Schutzzone einzurichten, aus der heraus die oppositionelle “Free Syrian Army” dann operieren koennte.

According to various reports, there is an area in Idlib where the Syrian army lost control and has the potential to become an independent, rebel-controlled area, such as the Libyan city of Benghazi, which was seized by the rebels early in the revolution and became the temporary base for the opposition movement.

Und AFP meldet:

France will ask its EU partners to consider setting up humanitarian corridors in Syria, French Foreign Minister Alain Juppe said Wednesday after talks with an exiled Syrian opposition leader. (…) There have been reports that Turkey and NATO allies such as France are considering imposing a no-fly zone and a buffer zone on Syrian territory to give the opposition breathing space while it organizes its revolt.

23. November 2011, 09.43 Uhr:

No longer welcomed on Tahrir

von Thomas von der Osten-Sacken

Angesichts der anhaltenden Massenproteste gegen das regierende Militaer in Aegypten sprechen einige schon vom Beginn einer “zweiten Revolution“.

Die Muslimbrueder jedenfalls stehen vor einer unerwarteten Herausforderung, lehnen sie diese Demonstrationen doch eigentlich ab und suchen weiter die Naehe zum Militaer. Waehrend viele Kandidaten der kommenden Parlamentswahl ihre Kampagnen in “Solidaritaet mit Tahrir” eingestellt haben, macht die Freiheit- und Gerechtigkeitspartei der MBs unverdrossen Wahlkampf:

Many candidates running in upcoming parliamentary elections have suspended campaigning in solidarity with Tahrir Square demonstrations. They are protesting the violence used by security services against the demonstrators. Muslim Brotherhood’s candidates, however, have continued to campaign.

“It is unbecoming to campaign while the demonstrators are assaulted,” said Khaled Shaaban, a candidate of the Egyptian Bloc.

Eine Entscheidung, die vor allem bei den Mitgliedern der Jugendorganisation auf Unverstaendnis und Widerspruch stoesst:

Meanwhile, a number of the group’s youths tendered their resignations on Tuesday in protest against the group’s decision to avoid the demonstration.

“The group only seeks its own interests,” wrote youth member Taher Nagaty on his Twitter account.

“My colleagues and I did go down to the square,” said young group member Ali Khafagy. “Our leaders are no longer welcomed there.”

22. November 2011, 11.22 Uhr:

Eine neue Phobie

von Thomas von der Osten-Sacken

Einen neuen Anlauf in der UN soll es geben, um endlich, trotz der Widerstaende aus Russland und China, eine Resolution gegen Syrien durchzubekommen. Und nachdem Europa sowohl von grassiereder  Islamophobie wie Iranophobie befallen ist, folgt nun die …. Syrienphobie:

The UN General Assembly’s human rights committee will vote Tuesday on the resolution, which the Damascus government’s UN envoy - Bashar Jaafari - said was proof that the European nations suffer from “Syria-phobia".

Ein erfreuliches Dokument dagegen ist die vor wenigen Tagen publizierte Primzipienerklaerung des oppositionellen Syrian National Councils, dem bislang nachgesagt wurde von dem Muslimbruedern dominiert zu sein. Es fehlen darin alle Bezuege zur Scharia und sogar zum Islam als Staatsreligion. Stattdessen wird betont, dass das neue Syrien eine parlamentarische Demokratie werden soll und die Souveraenitaet beim Volk, nicht etwa bei Gott liegen solle. Auch von nationalen Rechten der Kurden ist die Rede ebenso wie von Minderheiten, vor allem den syrischen Christen.

20. November 2011, 23.05 Uhr:

Frauen sind einfach duemmer

von Thomas von der Osten-Sacken

Muna Salah, salafitische Kandidatin fuer die Parlamentswahlen in Aegypten, findet dass Frauen schwere Defizite haben und deshalb keine Autoritaetspositionen inne haben sollten. Dafuer findet die Dame aber Handabhacken ein ziemlich gute Sache:

A female salafi candidate for Egyptian Parliament, Muna Salah, said to al-Sharq al-Awsat that women are deficient in intelligence and religion, and it is not permissible for them to be in authority or to occupy the office of the presidency.

She defended her candidacy for the People’s Council, saying that acting as a representative in the Council only partial authority and not complete authority, such as the presidency of the republic. She added that she seeks to apply the Islamic shari’a, including cutting off the hands of thieves, preventing the mingling of men and women, and specifying black clothes for women and white clothes for men. 

Nach der Scharia ruft auch die Coalition of Islamic law graduates, die gerade eine Anzeige gegen die Bloggerin Aliya Magda Elmahdy und ihren Freund eingereicht hat. Peitschenhiebe fordern sie und zeigen einmal mehr, was es so heisst, wenn man die Scharia zur Quelle der Gesetzgebung erklaert:

“The old constitution and the new declarations of the new one says Islamic law is the source of governing, therefore we asked for Islamic law penalties to be executed on the two bloggers,” Ahmed Yehia, coordinator of the coalition told Bikyamasr.com.

“It is an insult to the revolution as these two persons who pretend to be one of the revolutionists and asking for sexual freedoms, they are giving the uprising a bad name,” he continued.

“It is our duty to fight corruption and this is a corruption case, we people who are trying to corrupt society with foregion and unacceptable customs like the sexual freedom they ask for,” continued Yehia.

Amer had been in the spotlight a few years earlier in Egypt, spending time in jail after he was charged with insulting Islam in one of his blog posts.

“The top authority, either the Grand Mufti or the ruling council, should give them the proper sentence they deserve for the crimes they committed,” added Yehia.

Mahdy sparked controversy last weekend when she posed completely nude and posted the photo on her personal blog. She wrote on her website that it was an act of protest, but both liberals and conservatives have condemned the move.

Now, she faces a court case over the image, which has already been viewed over one million times and rising.

“The sentence could be lashes, time in prison or what they see fit,” Yehia continued.

Adultery is punishable in Islam with 80 lashes in public, while insulting Islam could receive the death penalty.

 

19. November 2011, 22.53 Uhr:

Nackt gegen Islamisten

von Thomas von der Osten-Sacken

Ueber Aliaa Magda Elmahdy, die aegyptische Bloggerin, die kuerzliche einige Nackphotos von sich und ihrem Freund ins Netz stellte, ist inzwischen viel geschrieben worden. Es gibt auch auch  eine englische Facebookseite, auf der man sich mit ihr solidarisieren kann.

Auch Maryam Namazie befasst sich mit Aliaa Magda, und sie tut es in wenigen Worten so gur, dass man eigentlich kaum etwas hinzuzufuegen braucht:

Student, atheist and blogger, Aliaa Magda Elmahdy, 20, posted naked pictures of herself on her blog to show her “screams against a society of violence, racism, sexism, sexual harassment and hypocrisy”. Showing her body particularly at a time when Islamists in Egypt are trying to secure power is the ultimate act of rebellion. Don’t forget Islamists despise nothing more than a woman’s body. In case you didn’t know, women are the source of corruption and chaos and must be covered up at all times and not seen and not heard.

The Islamists in Egypt, for example, have replaced the photos of their female candidates with flowers and covered up a statue of mermaids in Alexandria. They have refused to appear face-to-face with female TV hosts, unless the presenter put on a headscarf or a barrier was placed between the two! Soon there will be nappies on donkeys and birds will have to stop singing but that must wait until they have put women in their places.

But we mustn’t let them.

Elmahdy’s blogger boyfriend Kareem Amer (who by the way spent four years in jail for calling Mubarak a symbol of tyranny) posted on Facebook: “I think we should not be afraid of those in power or Islamists, as much as we should be worried of politicians claiming to be liberal. They are ready to sacrifice us to avoid tarnishing their image.”

Hear, hear!

Now do you really need any more reasons for defending Aliaa Magda Elmahdy unconditionally?

Do it now.

Diesem Aufruf kann man sich nur aus ganzem Herzen anschliessen. Anzumerken waere nur, dass es hier keineswegs nur um Islamisten, sondern die Verfasstheit einer ganzen Gesellschaft geht. Wie sehr die Haltung gegenueber Frauen in der Region auch den Blick westlicher Journalisten bestimmt, um  nur ein Beispiel zu nennen, zeigte sich kuerzlich  in einem Interview, dass Elmahdy mit einer amerikanischen Fernsehstation fuehrte. Dort wurde sie gefragt, was denn ihre Familie ueber die Aktion denke. Ihre ebenso lapidar kurze wie wunderbare Antwort: "Mein Koerper gehoert mir und nicht meiner Familie".

Unterstuetzung kommt auch aus Israel:

 

 

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