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Kürzliche Beiträge
15. Juni 2016, 23.53 Uhr:

Das Kopftuch als Kommentar

von Thomas von der Osten-Sacken

Diese iranische Frau hat sich für “My Stealthy Freedom” mit einem ganz besonderen Kopftuch ablichten lassen: Es ist mit einem Spruch Aytaollah Khomeneis aus dem Jahr 1979 bedruckt, der besagt, dass es niemals im Iran einen Zwang geben werde, Kopftücher tragen zu müssen.

15. Juni 2016, 15.28 Uhr:

Fastenbrechen mit dem iranischen Außenminister

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Außenminsiter des Iran ist zu Gast in Berlin und man führt nicht nur Dialoge, nein man nähert sich an und feiert gemeinsam das Fastenbrechen im Ramadan, so unter guten Freunden gehört sich das. Und pflegt “Wandel durch Annäherung” bzw. eher Annährung ohne Wandel, denn wenn iranische Gäste Europa besuchen, werden nackte Statuen verhüllt, der Wein verschwindet von der Menükarte und nun feiert man also auch noch Ramadan, besuchen allerdings europäische Delegationen den Iran, dann nur verschleiert und voller Kultursensibilität, schließlich gehört es sich nicht, an den Gastgebern in Teheran irgendwelche Kritik zu üben, das könnte ganz schnell als eurozentristische Islamophobie erscheinen und religiöse Gefühle verletzen.

Ob der Außenminister dann auch berichten darf, wie es mit der Vernichtung Israels vorangeht und wie viele Homsexuelle in den nächsten Wochen im Iran exekutiert werden?

 

Aus Halle dagegen kommt dieser Aufruf und wer immer morgen in Sachsen Anhalt weilt, möge sich doch überlegen, an dieser Kundgebung teil zu nehmen:

No deals with Teheran!

Nur wenige Meter vom erziehungswissenschaftlichen Institut, in dem sich junge Menschen über inklusive Pädagogik und Dekonstruktion von Geschlecht und Sexualität austauschen und sich selbst gerne als besonders weltoffen und aufgeklärt sehen, hat die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT) am 16.06 den iranischen Botschafter Ali Majedi zu einer Veranstaltung mit dem Thema: „ Iran - eine Wirtschaftsmacht zurück auf dem Weltmarkt“ in die Franckeschen Stiftungen eingeladen. Mit dieser Veranstaltung bieten die hallische CDU und Bernd Wiegand, der die Eröffnungsrede hält, dem Vertreter eines Regimes die Bühne, das die Scharia als Gesetzesgrundlage hat.
Mit der Offenheit und Faszination für dieses Terrorregime steht die MIT bei weitem nicht alleine da. Sei es Claudia Roth, die dem vorherigen Botschafter Ali Reza Sheikh Attar bei der Münchner Sicherheitskonferenz in aller Öffentlichkeit ein „High-Five“ gab, die Linkspartei, deren Politprominenz Dauergast beim Mullah-Regime zu sein scheint, oder Sigmar Gabriel, der erst im April diesen Jahres mit einer großen Wirtschaftsdelegation in den Iran reiste. Dies geschah aller Kritik zum Trotz, die auf den nur kurz danach im Iran stattfindenden Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb und einer Ächtung dessen durch Gabriel abzielte. Dieser Wettbewerb steht exemplarisch für die zur Vernichtung strebende antisemitische Staatsräson im Iran. Die Unterstützung diverser Schlächterbanden in
Syrien, dem Irak und im Libanon passt dabei in das Drängen des Irans, eine einflussreiche und damit blutige Hegemonialmacht zu werden, die die “Islamische Revolution” im ganzen Nahen Osten durchzusetzen gedenkt.

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15. Juni 2016, 15.14 Uhr:

Der Westen an islamischer Homophobie schuld?

von Thomas von der Osten-Sacken

Die These, eigentlich sei der Westen wieder einmal schuld, ist keineswegs neu. Nach dem Massaker in Orlando, bei dem Omar Mateen sich erst zum Islamischen Staat bekannte und dann neunundvierzig Menschen in einem Gay Club erschoss und über fünfzig weitere verletzte, wird sie jetzt wieder hervorgekramt. „Warum das Schwulsein schon immer zum Islam gehörte“, erklärt etwa Eva Marie Kogel in der Welt und auch die Tagesschau stellt fest, dass „gleichgeschlechtliche Liebe in islamischen Ländern über viele Jahrhunderte toleriert“ worden sei.

Wie also kann es kommen, dass nach „mehr als 1.000 Jahren Toleranz“ (Queerpride.de) heute in vielen Ländern der islamischen Welt auf Homosexualität die Todesstrafe steht, Staats- und Regierungschefs wie besessen vor Homosexualisierung warnen, wie erst jüngst der iranische Revolutionsführer Ayatollah Ali al-Khamenei, und islamische Kleriker regelmäßig zum Mord an Schwulen aufrufen?

Import aus dem Westen?

Wenn wirklich Homosexualität in islamisch dominierten Ländern so lange weitestgehend toleriert wurde, dann müsse der völlige Wandel in der Wahrnehmung wohl an äußeren Einflüssen liegen: Mit Kolonialismus und Imperialismus habe sich im Orient erst die prüde europäische Sexualmoral des 19. Jahrhunderts verbreitet. „Der Westen war zu dieser Zeit industriell und politisch mächtig genug geworden, um die eigenen Sexualitätsdiskurse in die islamische Welt und den Nahen Osten zu exportieren“, erklärt Eva Marie Kogel und kommt zu dem Schluss: „An der Geschichte der nahöstlichen Homophobie hat der Westen also kräftig mitgeschrieben – und zwar so lange, bis vielen Muslimen die eigene Geschichte unangenehm wurde.“

Eine Fülle von Fakten scheinen Kogels These sogar zu stützen. Schließlich war ausgerechnet das Osmanische Reich das erste Land, das weltweit im 19. Jahrhundert homosexuelle Handlungen entkriminalisierte, in dieser Zeit blühte auch in Istanbul der Handel mit homoerotischen Miniaturen. Passend dazu zitiert Shereen El Feki in ihrer Untersuchung „Sex und die Zitadelle“ über Sexualität in der arabischen Welt einen ägyptischen Diplomaten, der im Auftrag des ägyptischen Vizekönigs Muhammad Alis nach Europa reist und die dortige prüde Sexualmoral lobt, die zu beeindruckendem wirtschaftlichem Aufschwung und Disziplin führe, während in Ägypten Päderastie und Laster den Fortschritt verhinderten.

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15. Juni 2016, 11.03 Uhr:

Mit leeren Händen auf der Strasse

von Thomas von der Osten-Sacken

Nachdem die türkische Armee die Altstadt von Diyabakir (Sur) in monatelangen Kämpfen mit kurdischen Milizionären de facto in einen Schutthaufen verwandelt hat, vertreibt die Regierung nun gezielt die verbliebenen kurdischen Bewohner aus Sur::

Diyarbakir’s Sur district has been practically bulldozed to the ground except for the historic mosque and the churches. The assassination of Tahir Elçi, the late head of Diyarbakir’s Bar Association, was the opening act in the mass deportation process. My intelligence source told me why Sur has a different significance among Kurds.

“Most poor people that found refuge in these small houses in Sur had come from the villages that were burnt during the 1990s military and security operations in the mountains. They began living there under very difficult conditions but it was at least a shelter. Now two decades later, they have to leave their homes in the heart of the city once again.”

According to local sources, if you do not have a phone or electricity bill under your name in Sur, the government automatically declares the right to take over your house. No explanation needed. Just like that, you will be out on the street with nothing.

14. Juni 2016, 23.42 Uhr:

Afghans in Solidarity with the LGBT Community

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus den vielen Erklärungen muslimischer Organisationen und Einzelpersonen, die das Massaker von Orlando verurteilen, ob die #NotinMyName? Kampagne oder das Orlandostatement sticht die der in San Franciso ansässigen “Afghan Coalition” besonders hervor, erklärt sie sich doch explizit mit der LGBT Community solidarisch:

The Afghan Coalition stands in solidarity with the LGBTQI+ community and will continue to provide support to those in need. The Afghan community is a diverse community and it is safe to say that the action of one man does not define the community and we hope the greater community does not promote a stigma against any community. As more details come to light, we want to ensure that all people are respected and we unite as one voice against intolerance.

14. Juni 2016, 16.31 Uhr:

Lowest moment in lowest speech

von Thomas von der Osten-Sacken

Isaac Chotiner in Slate über Trumps Reaktionen auf das Massaker von Orlando:

Trump’s response to the Orlando attack is a frightening window into how he might govern if elected. And his speech on Monday afternoon was the most terrifying of the campaign.

The lowest moment of the lowest speech in this very low campaign came near the end, when Trump, noting that Muslims must talk to authorities about their neighbors, said, “The Muslim community, so importantly, they have to work with us. They have to cooperate with law enforcement and turn in the people who they know are bad. And they know it. And they have to do it forthwith.” It was all there: the “us” that doesn’t include Muslim-Americans, the not-so-vague menace behind the warning, the claim about what “they” know.

In the prepared version of the speech, Trump specifically mentioned prison time for people who refused to cooperate. But in the actual speech, he said this instead: “These people have to have consequences. Big consequences.” This last-minute edit is the essence of Trumpism. Demagogues often leave things to the imaginations of both followers and victims. Therein lies both part of their appeal and their power to frighten.

13. Juni 2016, 16.02 Uhr:

Warum der Anschlag in Orlando nicht gegen uns gerichtet war

von Thomas von der Osten-Sacken

War der Mörder von Orlando „Schwulenhasser oder ISIS-Terrorist“ fragt man sich unisono in Tagesschau, Bild-Zeitung, RBB und unzähligen anderen Medien, ganz so, als gäbe es da einen Widerspruch. Nun müssen Schwulenhasser sicher keine Islamisten sein, aber wohl jeder Islamist ist ein Schwulenhasser. Eine Einstellung, die er mit dutzenden von Regierungen im Nahen Osten teilt.

Erst jüngst etwa erklärte der oberste Revolutionsführer im Iran, einem Land, in dem Homosexuelle mit dem Tode bestraft werden „that there is n oworst form of moral degeneration than [homosexuality].” Und was für die islamische Republik gilt, gilt für das Kalifat des Islamischen Staates genauso: Zwischen Raqqa und Mosul richtet man Männer, die wegen Homosexualität verurteilt wurden hin, indem man sie vor Zuschauern von Hochhäusern stößt.

Imame und Ayatollahs in der ganzen islamischen Welt sind obsessiv vom Kampf gegen Homosexualität besessen. Erst jüngst forderte ein islamischer Prediger ausgerechnet in Orlando in einer Moschee – nur wenige Kilometer von dem Nachtklub „Pulse“, in dem Omar Mateen am Samstag über 50 Menschen ermordete und weitere 53 verletzte – that killing gays according to Islamic law should be done “out of compassion".

Richtig wäre also die Feststellung, Mateen sei ein schwulenhassender Islamist, der, außerdem Juden, unverschleierte Frauen, Demokratie und alles andere auch hasst, was Islamisten eben so zu hassen pflegen. Oder, wie es ein ehemaliger Kollege des Attentäters ausdrückte: “He had bad things to say about everybody—blacks, Jews, gays, a lot of politicians, our soldiers. He had a lot of hate in him.”

War er denn wenigstens Einzeltäter?

Eine Frage, die sich nicht mehr stellt, seit sich der Jihadismus transformiert hat. Heute geht es nicht mehr um jahrelange Planung einer kleinen Elite, die dann, wie am 11. September 2001, spektakulär zuschlägt, sondern jeder, der nur will, kann zum Märtyrer werden. Ein Küchenmesser oder der Besitz einer Schusswaffe reicht aus. Egal ob der Täter vorher im Kontakt etwa mit dem „Islamischen Staat“ (IS) oder nicht stand, bei erfolgreichem Abschluss des Massakers kann er sich sicher sein, dass der IS sich dazu bekennen und er in den einschlägigen Kreisen als Märtyrer gefeiert wird. Denn das Versprechen lautet: Durch die Tat wird die Vereinzelung überwunden und man geht als Märtyrer im Kollektiv auf.

Der „lonewolf“ verwandelt sich so in einen Soldaten des Jihad, ob in Tel Aviv oder Jerusalem nur mit einem Messer bewaffnet oder eben in Orlando mit einem Sturmgewehr. Dies übrigens besaß Mateen als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma ganz legal und hätte es auch besessen, wären die Waffengesetze in den USA andere, weshalb in diesem Fall das ganze Gerede, angefangen bei Präsident Obamas Statement bis hin zu den einschlägigen Kommentaren in Deutschland, in diesem Falle nichts als dummes Geschwätz sind.

Sie hätten ihn gerne, den schwulenhassenden Einzeltäter, der es auf eine Minderheit in den USA abgesehen hat, die ja auch von anderen, nämlich weißen, christlichen Fundamentalisten gehasst wird. Schließlich gab es ja in der Geschichte der USA genügend anti-LGBT hatecrimes, die nicht auf das Konto von Islamisten gingen. Dann könnte man die Tat aus dem Kontext der Anschläge in Paris, Brüssel und unzähligen anderen Orten lösen, dann wäre sie nur ein weiteres Hassverbrechen in den USA, ausgeführt von einem verwirrten und hasserfüllten Einzeltäter.

Schließlich hat es ja diesmal in der Tat eine ganz spezifische Gruppe getroffen, dem Terror fielen nicht völlig wahllos Menschen zum Opfer, die sich, wie in New York, London oder Madrid zum Tatzeitpunkt einfach am falschen Ort aufgehalten hatten. Dass nun ausgerechnet gezielt  „LGBT-People“ ins Visier eines „colored Muslims“ geraten, der doch eigentlich zu den Verdammten dieser Erde gehört, man in den entsprechenden Kreisen also nun, plötzlich mit der blutigen Realität konfrontiert ist, nämlich der in der islamischen Welt vorherrschenden tödliche Homophobie, darf und kann nicht sein.

Die Schuldfrage klären

Entsprechend schnell kamen die Statements, die rechten US-amerikanischen Politikern die Schuld für das Massaker gaben. So erklärte Chad Griffin, der Vorsitzende der Human Rights Campaign, der größten LGBT Organisation in den USA: He wasn’t just hearing these messages from a faraway terrorist organisation. (…) He was hearing it from politicians and from radical anti-LGBT extremists right here in our own country. Every time we see legislation that puts a target on the back of LGBT people. Every time we hear a preacher that spews hate from the pulpit. Every time a county clerk says that acknowledging our relationships violates her ‘religious beliefs’.”

Und Juan Cole fügt hinzu: “If it was about gay marriage, well, there is a lot of political opposition to that on the Republican Right, and violence against gays has been a feature of the American far right.”

Eigentlich seien die Toten im Pulse nämlich Opfer der homophoben amerikanischen Rechten und nun wird auch noch Donald Trump das Massaker für sich instrumentalisieren. Lesben und Schwule müssen als unterdrückte Minderheit im Westen nun vor Vereinnahmung geschützt werden. Es sei nämlich gar kein Anschlag auf den westlichen Lebensstil oder die Freiheit, sondern richte sich ganz im Gegenteil, führt Thorsten Denkler in der SZ aus, “explizit und speziell (gegen) eine bestimmte Lebensweise. Ein Angriff auf die Gemeinschaft der Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen, der LGBT.“

Gemeint sind immer die Anderen

Der Anschlag gegen Charlie Hebdo richtete sich ja auch gegen „Islamkritiker“, und der Angriff auf den Supermarkt in Porte de Vincennes bei Paris galt ja Juden. Nein, „wir“ sind nicht betroffen. Außer, dass „wir“ jetzt dringend gegen Diskriminierung von Homosexuellen aktiv werden müssen – und zwar nicht im Iran, Saudi Arabien oder jenen Magrebstaaten, die die SPD gerade zu sicheren Drittländern erklären möchte, sondern hier: “Dass sich in manchen Gegenden LGBT nur in Lokalen sicher fühlen können, die den Regenbogen-Aufkleber an die Tür geheftet haben, ist alltäglich erlebte Homophobie. Dass LGBT sich in manchen Vierteln nicht trauen, sich öffentlich zu küssen, ist alltäglich erlebte Homophobie. Dass in Deutschland homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren dürfen, ist alltäglich erlebte Homophobie.”

Eigentlich homophob sei nämlich der Westen. In der islamischen Welt, handelt es sich eher um Kultur und auf die ist Rücksicht zu nehmen. Auch bei der nächsten Reise einer Delegation nach Teheran oder Riad. Alles andere wäre nicht nur  geschäftsschädigend, sondern auch rassistisch, wenn nicht gar islamophob.

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