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Kürzliche Beiträge
28. August 2014, 18.55 Uhr:

Das Erbe der Diktatur

von Jörn Schulz

In der deutschen Debatte wird nun wieder der Eindruck erweckt, als müssten „wir“ für die Amerikaner die Kastanien aus dem Feuer holen, die 2003 dummerweise nicht auf unseren Kanzler hören wollten. „SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hat indirekt die USA für den Vormarsch der Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) im Irak mitverantwortlich gemacht. ‚Was wir im Augenblick erleben, ist zu einem großen Teil zurückzuführen auf den zweiten Irakkrieg.’

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27. August 2014, 01.11 Uhr:

Erste muslimische Heirat eines lesbischen Paars

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein algerischer Iman und Mitglied einer salafitischen Organisation traute in Stockholm zwei iranische Frauen, wie Gaytunisie berichtet:

Deux iraniennes qui se marient, c’est déjà insupportable pour des salafistes algériens. Mais que ce mariage soit célébré par un imam algérien, gay lui-même, cela met dans tous ses états le chef du Mouvement Salafiste de la Sahwa, Abdelfattah Hamaddache qui appelle à le déchoir de sa nationalité algérienne. (…)

Les deux femmes qui se sont connues via les réseaux sociaux il y a neuf ans ont reçu l’onction de l’imam franco-algérien, Ludovic Mohamed Zahed, gay lui-même et qui a lancé, en 2012, la première mosquée ouverte aux homosexuels à Paris. Il a créé l’association « Homosexuels musulmans de France » (HM2F) qui regrouperait plus de 500 membres.

Dies sei, schrieb der Iman, die erste öffentlich zelebrierte Heirat eines lesbischen muslimischen Pärchens:

Sous la photo qu’il a postée sur son compte Facebook, il écrit : « Le premier couple de lesbienne à être marié publiquement devant un imam (moi-même). Qiyaam et moi, étions les premiers musulmans gay à être mariés publiquement par un imam à Paris en 2012. AlhamdouliAllah, nous sommes bénis d’être partie prenante dans un mouvement progressiste de notre histoire humaine ».

27. August 2014, 00.22 Uhr:

Der Westen spricht

von Thomas von der Osten-Sacken

Es gibt ihn noch, den Westen, manchmal spricht er gar mit einer Stimme. Etwa wenn in Tripolis islamistische Milizen nach tagelangen Kämpfen den Flughafen einnehmen und de facto nun die Hauptstadt Libyens kontrollieren.

In so einem Falle nämlich verurteilen in einer gemeinsamen Erklärung the Governments of France, Germany, Italy, the United Kingdom, and the United States strongly (…)  the escalation of fighting and violence in and around Tripoli, Benghazi, and across Libya, especially against residential areas, public facilities, and critical infrastructure, by both land attacks and air strikes.

We reiterate our calls, joining those of the Libyan interim government, the House of Representatives, and the Libyan people, that all parties in Libya accept an immediate ceasefire and engage constructively in the democratic process, abstaining from confrontational initiatives that risk undermining it. We support the efforts of the UN Support Mission in Libya in this regard.

Das wird die Islamisten sicher mächtig beeindrucken, die diese Offensive begannen, nachdem sie die letzten Wahlen haushoch verloren haben, also in jeder Hinsicht unbedingtes Interesse haben, sich konstruktiv in einem demokratischen Prozess zu engagieren  - der islamische Staat (IS) umwirbt gerade die Milizen von Ansar al-Sharia, sich ihm doch anzuschließen.

Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate  waren zuvor, wenn auch erfolglos, offenbar dem Ruf des libyschen Parlaments gefolgt, die um internationale Unterstützung gebeten hatte, und hatten einige Lufteinsätze geflogen, ohne vorher die USA zu informieren.

Die Antwort der westlichen Regierungen lautet, und das ist kein Witz:

We believe outside interference in Libya exacerbates current divisions and undermines Libya’s democratic transition.

Sicher, die Einmischung von Qatar, Al Qaida und anderen internationalen Jihadisten hat sicher nicht zur demokratischen Transformations Libyens beigetragen. Ebensowenig wie die völlige Nichteinmischung der Länder, die - mit Ausnahme Deutschlands - 2011 maßgeblich zum Sturz Gaddafis beigetragen hatten, dann aber Libyen sich selbst und damit den Milizen überließen.

25. August 2014, 13.17 Uhr:

Mit Assad in den War on Terror?

von Thomas von der Osten-Sacken

Drei Jahre lang  hat das Assad Regime auf diesen Moment gewartet; nun kann es sich staatsmännisch als Alliierter im War on Terror dem Westen anzudienen:

Im Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) ist Syrien zu einer Zusammenarbeit mit dem Westen bereit. Bedingung dafür sei, dass die internationale Gemeinschaft die Führung und Unabhängigkeit Syriens respektiere, sagte Außenminister Walid al-Muallem in Damaskus.

Und zwischenzeitlich hat es alles dafür getan, dass Terrororganisationen wie Al Qaida und ISIS auch entsprechend stark geworden sind. Erinnert sich noch wer an die Zeiten, als der irakische Expremier Nouri al-Maliki Assad zu Recht vorwarf, im Irak alle möglichen Terroristen aktiv zu unterstützen?

Prime Minister Nuri al-Maliki said Monday that 90 percent of foreign terrorists who infiltrate Iraq did so via Syria, a charge likely to worsen already fractured relations between the neighbouring states. (…)
“Ninety percent of terrorists from different Arabic nationalities infiltrated Iraq through Syrian territory,” Maliki said during a visit by the Turkish Foreign Minister Ahmet Davutoglu, aimed at cooling the row.

Zu Beginn der Proteste in Syrien amnestierte das Regime pünktlich unzählige in seinen Gefängnissen einsitzende Jihadisten, ließ andere ungehindert ins Land einreisen und unterließ es jahrelang den Islamischen Staat anzugreifen.

Wer jetzt allen Ernstes glaubt, das Assad Regime sei ein Partner im Kampf gegen ISIS ist nicht nur dumm, handelt hochgradig unmoralisch, sondern wird nicht helfen, den Islamischen Staat zu besiegen, sondern Zustände im Nahen Osten herbeizuführen im Vergleich zu denen die Lage heute fast noch rosig ausschaut.

Sollten die USA und Europäer sich mit Assad und damit auch dem Iran und der Hizbollah verbünden, alleine man mag sich die Reaktion der sog. sunnitischen Welt gar nicht ausmalen. Ganz abgesehen von der dann wohl endgültigen Bankrotterklärung des Westens.

24. August 2014, 11.25 Uhr:

Amerli

von Thomas von der Osten-Sacken

Seit Wochen haben die Jihadisten des Islamischen Staates die mehrheitlich von schiitischen Turkmenen bewohnte irakische Kleinstadt Amerli umzingelt, von jeder Versorgung abgeschlossen und es droht, sollte es ihnen gelingen, den Ort einzunehmen, ein weiteres Massaker:

The United Nations has called for a concerted effort to end the siege of Amerli, a town 110 miles north of Baghdad, which is home to 18,000 Shia Turkmen.

The town has been encircled by jihadists from the Islamic State of Iraq and the Levant (Isil) for the past two months. The majority of the residents of Amerli are part of the Turkmen ethnic group, who are descendants of Ottoman Turks and make up roughly four per cent of Iraq’s population. As Shia, they are directly targeted by Isil, who consider them apostates.

Nickolay Mladenov, special representative of the United Nations secretary-general for Iraq, called on the international community to halt “the unspeakable suffering of Amerli’s inhabitants” – who are left with little medicine and dwindling supplies of food, water and electricity.

“The situation of the people in Amerli is desperate and demands immediate action to prevent the possible massacre of its citizens,” he said.

“The town is besieged by Isil and reports confirm that people are surviving in desperate conditions. I urge the Iraqi government to do all it can to relieve the siege and to ensure that the residents receive lifesaving humanitarian assistance or are evacuated in a dignified manner.

23. August 2014, 12.30 Uhr:

Arm Hamas!

von Thomas von der Osten-Sacken

Hamas-Chef Khaled Mashal hat sich mal wieder auf Englisch interviewen lassen. Darin gibt er zuerst zu, dass es in der Tat Hamas-Mitglieder waren, die im Juni drei israelische Schüler in Hebron entführt und ermordet haben. Das hatte die Hamas bislang immer bagestritten. Nur also herrscht Klarheit.

Ganz wohl ist Mashaal  momentan nicht, muss er doch irgendwie Distinktion zum “Islamischen Staat” herstellen, während seine Al-Qassem Brigaden twittern: ALLAH IS OUR GOAL, THE PROPHET IS OUR LEADER, JIHAD IS OUR WAY, AND DEATH FOR ALLAH IS OUR MOST EXALTED WISH:

“We are not a religious, violent group,” Meshaal said, calling ISIL (the Islamist militant group also known as ISIS) a “totally different phenomenon. We are fighting against aggression in our land.”

Dass die Raketen aus dem Gazastreifen alle möglichen zivilen Ziele träfen, sei auch gar nicht beabsichtigt, erklärt er weiter, man verfüge aber leider nicht über die entsprechenden Waffen:

“We do not target civilians, and we try most of the time to aim at military targets and Israeli bases,” Meshaal said. “But we admit that we have a problem. We do not have sophisticated weapons. We do not have the weapons available to our enemy … so aiming is difficult. We do promise you, though, that we will try in the future and we will warn people … We have given warnings to Israeli civilians. We promise that if we get more precise weapons, we will only target military targets.”

Die Lösung also ist eine ganz einfache: Statt mit dem Beschuss israelischer Ziele aufzuhören, benötigt die Hamas einfach bessere und zielgenauere Waffen.

23. August 2014, 00.26 Uhr:

US-iranische Partnerschaft

von Thomas von der Osten-Sacken

Auch wenn die Obama Administration gegen ihren erklärten Willen sich wieder militärisch im Irak engagieren muss, so hält sie  offenbar strikt an einem Grundsatz fest: Nichts zu unternehmen, dass den Iran oder seine Verbündeten in der Region verägern könnte.

Im Gegenteil, spätestens seit 2009 als die USA die iranischen Demonstranten haben hängen lassen, hält Obama an einer außenpolitischen Strategie fest, die im Iran einen strategischen Partner, keineswegs einen feindlichen Staat, sieht. (Sollten, wie sie es indirekt angekündigt haben, die USA sich dazu durchringen, auch  in Syrien den “Islamischen Staat” aus der Luft anzugreifen, so dürfte dies deshalb auch nicht mit einer nachhaltigen Unterstützung der Rebellen einhergehen. Schließlich hat der Iran deutlich gemacht, dass das Überleben des Assad Regimes in seinem existientiellen Interesse liegt.)

Derweil hat sich, seitdem man sich auch nach dem Giftgaseinsatz vor einem Jahr entscheid, in Syrien nicht zu tun, die Zahl der Toten verdoppelt: The number of dead in Syria’s civil war more than doubled in the past year to at least 191,000, the United Nations human rights office said Friday.

Die USA sehen kurzum nicht nur tatenlos zu, wie der Iran seine Macht in der Region ausbaut, sie helfen ihm auch noch dabei.

Dazu schreibt Tony Badaran:

Obama’s comfort in partnering with Iran is predicated on his idea, laid out in a New Yorker profile of the president in January, of working “with functioning states to prevent extremists from emerging.” As such, Obama’s policy proceeds from the acknowledgment of Iran as the principal stakeholder in Iraq. The policy then seeks to bolster the pro-Iranian order in Iraq by reintroducing a measure of Sunni participation in it – but most importantly, by keeping the Kurds tethered to it.

On this last point, the US and Iran are in perfect alignment. Hence, as unnamed US officials told The Wall Street Journal last week, American military support to the Kurds “is a trickle, and any expanded program will be done in coordination with Baghdad.” President Obama emphasized this conditionality on Monday: “Iraqi and Kurdish forces are capable of working together and taking the fight to ISIL. If they continue to do so, they will have the strong support of the United States of America.” Put differently, US support for the Kurds – and potentially to Sunnis who take up arms against the IS – is predicated on their continued backing of the political order in Baghdad, where Iran is the kingmaker. In effect, this also means that Iran would exercise decisive influence on what and how much support goes to the Kurds and, potentially, to anti-IS Sunnis.

We can draw some conclusions from Obama’s template in Iraq regarding his Syria policy. In many respects, Obama’s recent statements reinforce the ideas that have formed the basis of his approach to Syria over the last three years.

As in Iraq, Obama’s priority in Syria is an accommodation with Iran, and his preference is to work with Iran-backed “state institutions.” The White House’s desire to see a national unity government in Syria, which would then combat the IS and other jihadist groups, formed the basis of the now-moribund Geneva Conference for Syria. And as in Iraq, the administration’s impulse was to try and bring the Iranians to the Syrian table as principal stakeholders. It could be that the White House is entertaining the notion that it could get Tehran to pull the plug on Bashar al-Assad personally, as it did with Maliki, while choosing an alternative and preserving the Iranian-backed regime structures in Syria. If this is indeed the thinking, then it is based on a fantasy that misunderstands the nature of the regime in Syria. In any case, such an approach is premised on the continuity of Iranian primacy in Syria.

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