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Kürzliche Beiträge
14. Juli 2016, 09.52 Uhr:

Bombenstimmung in London, Aleppo und Teheran

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Während eine Koalition aus iranischen Revolutionsgarden, Schiitenmilizien und russischen Bombern gerade den Belagerungsring um Aleppo schließt, hat die neue britische Premierministerin May mit Boris Johnson einen Apologeten der iranischen Bombe zum Außenminister gemacht. Die Positionen des Brexit-Architekten unterscheiden sich in punkto Mittlerer Osten von seinen Widersachern Corbyn und EU und der restlichen westlichen „Realpolitik“ jedoch nur im Grad ihrer Radikalität. Bereits 2006 schrieb Johnson:

If I were the member for Qom South, I would feel that it was my patriotic duty to equip my country, as fast as possible, with the biggest, shiniest, pointiest and most explosive thermonuclear device on the market. …

I think I might genuinely and not unreasonably believe that the possession of a nuclear bomb, and the ability to deliver it over some distance, was the only sure-fire means of protecting my country, and my poor huddled constituents in Qom South, from the possibility of an attack by America. …

Perhaps it is time to end the sense of terror, and suspicion, and escalating menace. Perhaps the Americans could actually assist with the technology, as they assist the United Kingdom, in return for certain conditions: that the Iranian leadership stops raving about attacking Israel, for instance, and that progress is made towards democracy, and so on. …

It is true that the Iranian regime is scary; but there have been movements towards pluralism. … I should stress that this is not a policy … but simply an idea I am running up the flagpole, and I suggest it only because we seem to be short of anything better.

Und auch für Putin und Assad kann sich der neue britische Außenminister durchaus erwärmen und forderte im Dezember 2015 to “work with Vladimir Putin and Bashar al-Assad in Syria.”


12. Juli 2016, 14.02 Uhr:

ZDF-„heuteplus“ und Nurit Peled-Elhanan: Anti-Israel-Experten unter sich

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein boshaft-polemischer ZDF-Beitrag gegen Israel sorgt in Deutschland und Israel für Aufsehen.

Gastbeitrag von Stefan Frank, Mena-Watch

Die Nachrichtensendung heuteplus brachte am 5. Juli eine zweiminütige Dokumentation mit dem Titel „Erzogen zum Hass. Wie israelische und palästinensische Kinder dazu gebracht werden sollen, sich gegenseitig zu verachten – und zu töten.“ Erst nachdem es massive Kritik von Zuschauern gehagelt hatte, entfernte die heuteplus-Redaktion auf Facebook die letzten drei Wörter und setzte ein Fragezeichen hinter „Erzogen zum Hass“ – ohne aber sonst irgendetwas zu ändern oder zurückzunehmen.

In dem Beitrag ist zunächst zu sehen, wie arabisch-palästinensische Kinder mit Messern und Nachbildungen von Kriegswaffen in ihren Händen dazu erzogen werden, Juden zu ermorden. Dies ist übrigens nicht nur Propaganda und Gehirnwäsche, sondern – und das verschweigt das ZDF – richtiger militärischer Drill, denn die Hamas sieht in den Kindern die Dschihadisten von morgen.

Dann zeigt der heuteplus-Film unvermittelt eine Straßenkreuzung in Tel Aviv. „Israelische Seite“, wird auf gelbem Grund eingeblendet. Geschäfte, ein Zebrastreifen, ein Bus, Bauhausarchitektur und ein Skateboardfahrer: So also sieht sie aus, die „israelische Seite“.

 

Keine Belege, aber ein Kamel

Welche Belege hat das ZDF-Team für die Behauptung gefunden, in Israel würden Kinder ebenfalls zum Hass erzogen (vom „Töten“ ganz zu schweigen)? Keine. Doch dieses Ergebnis traute es sich wohl nicht nach Mainz zu übermitteln. Also interviewte es die Gründerin des „Russell-Tribunals Palästina“, Nurit Peled-Elhanan, die auch Linguistikprofessorin an der Hebräischen Universität Jerusalem ist. Zu einer Aufnahme der zusammen mit ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht in ihrem Wohnzimmer sitzenden Nurit Peled werden die folgenden Sätze gesprochen:

„In Israel seien die Kinder der antipalästinensischen Propaganda vor allem über das Schulsystem ausgesetzt, erklärt uns Nurit Peled-Elhanan, die lange zu dem Thema geforscht hat. ‚Die Palästinenser werden in Schulbüchern nicht gezeigt, aber als Problem beschrieben. Und wenn sie gezeigt werden, dann nur als Stereotype. Als Bedrohung und Problem. Also z. B. Terroristen, Flüchtlinge oder primitive Bauern. Oder es sind rassistische Cartoons, also so ein Ali Baba auf einem Kamel.’ Egal ob in der Schule, in den Nachrichten oder im Gespräch auf der Straße, erklärt sie weiter, israelische Kinder lernen, dass Palästinenser keine Menschen sind, mit denen man in Frieden leben oder gar befreundet sein kann“.

Dort, wo von den „rassistischen Cartoons“ die Rede ist, zeigt das ZDF ein Buch mit einer Zeichnung eines Mannes auf einem Kamel. Damit jeder Zuschauer versteht, was das bedeuten soll, blendet es an dieser Stelle die Worte „anti-palästinensische Propaganda“ ein – dabei hatte das ZDF selbst noch Ende Dezember eine Sendung mit dem Titel: „Wüstenschiffe: Von Kamelen und Menschen“ ausgestrahlt. „Kamele tragen zu Recht den Namen ‚Wüstenschiffe’“, hieß es darin: „Seit etwa 5.000 Jahren durchquert der Mensch mit seinem ‚Geschenk Allahs’ die kargsten und trockensten Gebiete der Welt.“ Wenn Kamele nach des ZDF eigener Darstellung so wertvoll und ehrwürdig sind – und das sind sie zweifellos –, wie kann die Zeichnung eines Kamels oder eines Kamelreiters dann rassistisch sein?

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8. Juli 2016, 11.46 Uhr:

Befristete Waffenruhe Assad Style

von Thomas von der Osten-Sacken

Das melden deutschen Zeitungen:

Die syrische Armee hat einen zeitweiligen Waffenstillstand für das gesamte Land angekündigt. Er soll bereits am Mittwoch beginnen, hieß es aus Damaskus.

Syriens Führung hat für drei Tage eine einseitige Waffenruhe für das gesamte Land ausgerufen. Diese beginne am Mittwoch und ende am Freitagabend um Mitternacht, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

Das ist die Realität einseitiger Waffenruhen in Syrien:

Pro-Assad forces are threatening to finally cut off the opposition in Aleppo, following an advance north of Syria’s largest city on Thursday.

Both pro-regime and pro-opposition accounts acknowledged that the Syrian military, enabled by Russian bombing and accompanied by Iraqi and Palestinian militias, moved into the southern part of the al-Mallah Farms. They closed on the al-Castello Road, the last main route into opposition-held parts of Aleppo.

The latest offensive by pro-Assad forces began last Friday. The regime, Russia, and foreign forces have been trying to cut off the route for months, with a series of failed offensives against the area near Handarat village and al-Mallah. (…)

A rebel fighter said that Russia and the Assad regime were “unleashing hell”, with “parachutes” — Russian bombs and possibly cluster munitions — “raining” on the al-Castello Road:

7. Juli 2016, 11.39 Uhr:

Massenvernichtungswaffen im Irak

von Thomas von der Osten-Sacken

Nach Veröffentlichung des Chilcot Reports, der sich äußerst kritisch über die britischen Rolle im Irakkrieg 2003 äußerst, erklärt Hayder al-Khoei, warum die ganze Debatte um den Sturz von Saddam Husseins an der Sache vorbeigeht:

As a British-Iraqi, I look forward to reading more of the Chilcot report to learn about why my country invaded my country. As a Brit, I can understand the frustration with a government that launched a war based on “facts” that turned out to be no such thing. However, as an Iraqi, I think much of this debate is irrelevant.

For Iraqis, there is no debate to be had over WMDs. Iraqis know very well how WMDs work because they have been on the receiving end of them. It is not merely a political, legal or academic discussion but rather a brutal reality they faced. Also, whether or not Saddam Hussein actually had WMDs in his possession by 2003 is irrelevant because, for most Iraqis, Saddam was the WMD.

There is a lot of anger about the postwar descent into chaos, but much of that anger in Iraq is being directed towards the corrupt Iraqi political class who killed our dreams and aspirations, not the clueless, sometimes well-intentioned, foreign invaders. Here in Britain, there seems to be nostalgia for pre-2003 Iraq. People either do not know or have too quickly forgotten the horrors of the Ba’athist regime.

Saddam’s endless wars with Iraq’s neighbours and his genocidal campaigns against his own people are bizarrely seen by many in the west as part of an era of “stability” and “security” for Iraqis. Stability imposed with chemical weapons and security achieved with mass graves. We would need to stretch the definition of those words beyond reason and meaning before we could ever apply them to pre-2003 Iraq.

7. Juli 2016, 11.33 Uhr:

Palästinensischer Terrorismus und muslimische Heuchelei

von Thomas von der Osten-Sacken

Offener Brief einer Muslima

Von Nadiya Al-Noor, Mena-Watch

Während Millionen von Kindern am Morgen des 30. Juni 2016 aufstanden und gespannt den Sommerferien entgegensahen, tat ein Kind dies nicht. Ein junges israelisches Mädchen, die 13-jährige Hallel Yaffe Ariel, wurde in seinem eigenen Bett von einem 17 Jahre alten palästinensischen Terroristen brutal ermordet. Er war in ihr Haus eingebrochen und hatte sie erstochen. Ein weiteres Leben, das sinnloser Gewalt geopfert wurde. Eine weitere arme Seele, die zu früh von dieser Welt genommen wurde. Es werden jedoch nur wenige Moslems auf dieser Welt ihren Tod betrauern, denn Hallel war eine israelische Jüdin.

Ich bin selbst Muslima und ich weiß, wenn es um den palästinensischen Terrorismus geht, sind viele Moslems Heuchler. Ich habe den beiläufigen, zerstörerischen Antisemitismus, der sich durch alle Schichten der muslimischen Gemeinschaft zieht, aus erster Hand miterlebt. Ich habe ihn aus den Mündern unserer religiösen Führer, unserer Politiker und sogar unserer ansonsten friedlichen, liberalen muslimischen Aktivisten gehört. Ich wurde mit Entsetzen Zeugin, wie Menschen, die ich einst respektiert habe, krampfhaft versuchten, den palästinensischen Terrorismus zu rechtfertigen. Warum? Warum prangern wir alle anderen Arten von Terrorismus an, während wir gleichzeitig mit allen Mitteln versuchen, die Gewalt gegen israelische Juden zu legitimieren?

Wir begründen es mit „Zionismus“. Wir begründen es mit „Besatzung“. Wir begründen es mit „Apartheid“. Wir schlucken die ausgeleierten antisemitischen Lügen, die uns von Al Jazeera aufgetischt werden: „Die Israelis schneiden uns von der Wasserversorgung ab!“, „Die Israelis wollen die Al-Aqsa-Moschee zerstören!“ Wir sind nicht einmal bereit zuzugeben, dass Israel ein Land ist. Wir nennen es „Palästina“. Wir weigern uns, Gewalt gegen Israelis „Terrorismus“ zu nennen und rufen heuchlerisch: „Widerstand ist kein Verbrechen!“

Ich will Ihnen etwas sagen: Schwangere Frauen mit Messerstichen in den Bauch zu attackieren ist kein „Widerstand“. Menschen in einem Café zu erschießen ist kein „Widerstand“. Mit dem Auto in Fußgänger zu rasen ist kein „Widerstand“. Einen Bus in die Luft zu jagen ist kein „Widerstand“. In das Haus einer Frau einzubrechen und sie vor den Augen ihrer Kinder zu ermorden ist kein „Widerstand“.

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4. Juli 2016, 13.50 Uhr:

Proteste in Isfahan: 'Raus aus Syrien'

von Thomas von der Osten-Sacken

In Isfahan begingen Demonstranten den staatlich verordenten Al Quds Tag in einer Weise, die dem Regime so gar nicht gefallen dürfte.

Sie protestierten nämlich nicht etwa gegen das “zionistische Krebsgeschwür” wie sie sollten, sondern gegen die iranische Truppenpräsenz in Syrien und riefen: “Verlasst Syrien! Denkt an uns Iraner!

Esist nicht das erste Mal, dass ein Al Quda Tag so ganz anders verläuft, als von dem Regime in Teheran geplant. 2009, bei den Massenprotesten im Iran schrien tausende Demonstranten die Parolen des Regimes nieder.

4. Juli 2016, 12.07 Uhr:

Das Ende eines Traums

von Thomas von der Osten-Sacken

Es war Adels Traum, Tänzer zu werden. Und dieser Traum erfüllte sich im April 2016, als er das erste Mal öffentlich in Jordanien auftreten konnte. Männer, die tanzen und Musik lieben, sind Islamisten aller Couleur natürlich ein Dorn im Auge, so wie die ganze Mall in Baghdad, in der sich vorgestern einer der blutigsten Anschläge in der jüngeren irakischen Geschichte ereignete.

Der Ramadan ist zu Ende, die Menschen in Feierlaune und gerade Baghdadis sind bekannt, gerne und viel zu feiern. Also ging man aus, mit der Familie oder mit Freunden, um sich ein wenig des Lebens zu erfreuen. Das alles wussten die, die kamen, um sich in die Luft zu sprengen. Unter den über 200 Toten des barbarischen Anschlages ist auch Adel, üben dessen Traum die BBC erst im April berichtet hatte.

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