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Kürzliche Beiträge
7. August 2014, 13.57 Uhr:

Liebe EU, danke für die warmen Worte und das Nichtstun

von Thomas von der Osten-Sacken

Vertreter der irakischen Kurden, die gerade an mehreren Fronten, ohne Luftwaffe und mit veralteten Waffen, gegen die Massenmörder vom Islamischen Staat (IS) kämpfen erleben am eigenen Leib EU Außenpolitik, bzw. eine weitere Brankrotterklärung der Europäer, die, wenn es drauf ankommt, nicht Flugzeuge schicken oder eine humanitäre Luftbrücke zur Rettung sterbender Flüchtlinge einrichten, sondern warme Worte liefern und, während sie selbst ihre Grenzen abschotten, andere bitten, doch großzüg weitere Flüchtlinge aufzunehmen.

Auf die einfache Frage: Wollt Ihr sie vor aller Augen verrecken lassen? lautet die Antwort aus Brüssel bislang: Ja. Die USA tun zwar auch viel zu wenig, aber immerhin liefern sie jetzt, viel zu spät und viel zu wenig.

Dellawar Ajgeiy, the KRG representative in Brussels, responded to the statement by calling for action. “We do not need words but actions,” he told Rudaw. “So many women and children are surrounded in Shingal that we must act now,” he added.

.A human catastrophe has been unfolding in Shingal, where a Rudaw reporter on the scene said that the death toll on Shingal Mountain was rising by the minute, with bodies scattered among the rocks, especially of children and the elderly who have been perishing from starvation, thirst and exhaustion.

Despite more than 60 reported dead on the mountain on Wednesday – most children and the elderly – the families cannot risk descending because their Yezidi faith has made them a target of the religious zealots. There have been reports of arrests and executions by the militants in Shingal, including of women taken as hostages or war booty.

Ajgeiy said the EU should firstly come up with a plan to provide military support to the KRG. “The EU has a responsibility to fight terrorism and ensure collective security and support us against militant extremism,” he said. He also disclosed that the United States has sent military advisers to the KRG. Feryal Xelef, a Yezidi living in Germany who has many family members in Shingal, also said the time for words alone is long past. “People are dying of thirst, we must act now. What difference does it make to condemn ISIS if you do not do something about it” she asked, urging for European military support for the Peshmerga.

Hier ein Interview von Rudaw mit ihrem Reporter vor Ort, bei dem der Moderator  und Berichtersatter angesichts des Elends förmlich zusammenbrechen:



6. August 2014, 10.42 Uhr:

Lässt man sie jetzt einfach verhungern?

von Thomas von der Osten-Sacken

Nachdem am Sonntag Kämpfer des Islamischen Staates die Sinjar Region im Nordirak erobert haben, flohen zehntausende der dort lebenden Yesiden in die nahen Berge. Denn Yezide zu sein bedeutet für sie das sichere Todesurteil, gekten sie den Gotteskriegern der IS doch als Unggläubige und “Teufelsanbeter". Seitdem harren sie bei 40 Grad Hitze, umzingelt von der IS auf den Bergen aus. Und haben weder Wasser noch Nahrung:

An eyewitness told Rudaw that 40 Yezidi children and elderly have died of hunger and thirst on Shingal Mountain on Monday. “The children and the elderly cannot stand the lack of food and water and the aid doesn’t reach all the families who have taken refugee on the mountain,” the witness told Rudaw by telephone. Around 50,000 civilian Yezidis, most of them residents of Shingal, have spent three days on a dry mountain in the outskirts of town after fleeing the advance of Islamic militants on Sunday.


Dringend müsste eine Luftbrücke eingerichtet werden und außerdem all jenen kurdischen Milizen geholfen werden, die sich den IS-Kriegern in den Weg stellen. Dazu schreibt Ayub Nuri:

The plight of the Yezidis today is a test for the world conscience. It is understandable if the West isn’t interested in getting involved in the Shiite-Sunni war, but they shouldn’t be silent to the suffering of this noble people.

If the world is sincere about religious diversity, heritage sites, ancient cultures and ethnic minorities, then here is a case for them.

The people of Leningrad withstood a siege by Hitler’s forces that lasted almost three years until they saw their enemy defeated. The Yezidi Kurds will also see the backs of their enemies and will sooner or later return to rebuild their homes and shrines. But why to sit and watch them die? Young men from every corner of Kurdistan have taken up arms and are now fighting for Shingal. The whole world should do the same.

So einfach ist die Frage gerade: Sollen diese Flüchtlinge, deren einziges Verbrechen in den Augen ihrer Mörder darin besteht, dass sie keine Muslime sind, vor den Augen aller einfach verhungern und verdursten? Sollen die Kurden und alle anderen, die IS bekämpfen dies weiter auf sich alleine gestellt tun. Ja oder Nein?

Von der Antwort hängt einiges ab. Nicht nur und an erster Stelle natürlich das Leben und Überleben der Menschen in Sinjar. Nein es geht um so ganz banale Dinge wie Moral und Werte. Auch wenn die grad nicht hoch im Kurs stehen.

5. August 2014, 23.20 Uhr:

Die Hamas, Raketenwerfer und Unterstützer

von Thomas von der Osten-Sacken

France 24 berichtet aus Gaza:

Der indische Sender NDTV

Derweil fordert, wem entsprechendes Expertentum kaum abzusprechen ist und passenderweise auch noch in Teheran, dass Israel wegen Kriegsverbrechen vor den Internationalen Strafgerichtshof gestellt werden müsse:

Israeli leaders must be put on trial for crimes against humanity in Gaza, an emergency meeting of foreign ministers from Non-Aligned Movement member states was told Monday – by a representative of Syria’s Assad regime.

The world must face its responsibility in the face of the “heinous crimes” committed during Israel’s military operation against Hamas, Syrian Deputy Foreign Minister Faisal al-Miqdad told the meeting in Tehran.

5. August 2014, 01.46 Uhr:

US-Unterstützung für die Kurden

von Thomas von der Osten-Sacken

Rudaw meldet, dass die USA sich endlich durchzuringen scheinen, den Kurden etwas mehr Hilfe als “sharing informations” im Kampf gegen den Islamischen Staat zukommen zu lassen:

Rudaw has learned from a high-level American official that the United States has offered the Kurds air support in their fight against the Islamic State of Iraq and Syria (ISIS). The official source who didn’t want to be named said that the US would also provide the Kurdish Peshmerga with arms and military expertise. The American offer is said to include humanitarian aid to be transported by air to the people of Shangal and Zumar who have been displaced as a result of fighting in their areas.

4. August 2014, 16.26 Uhr:

Bundesregierung: Keine Waffen an die Kurden

von Thomas von der Osten-Sacken

Die Regierung des drittgrößten Waffenexporteurs der Welt, nämlich Deutschlands, befindet angesichts der dramatischen Lage im Nordirak:

Keine Waffen für die Kurden oder andere Gegner des Islamischen Staates (IS)!

Auch nach dem jüngsten Vormarsch der militanten Islamisten ist die Bundesregierung gegen eine militärische Unterstützung ihrer Gegner. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes räumte zwar ein, mit der Eroberung weiterer Gebiete durch die Terroristen habe sich die Lage am vergangenen Wochenende weiter dramatisiert. Eine dagegen gerichtete Aufrüstung kurdischer Truppen wäre aber die falsche Antwort auf diese Entwicklung, sagte sie. Vielmehr müssten sich die Parteien in Bagdad auf die Bildung einer Regierung unter Beteiligung aller ethnischen und religiösen Gruppen verständigen.

Saddam, den konnte man (ebenso wie seinen Diktatoren-Kollegen Gaddafi) mit dem Know How ausrüsten, um jenes Giftgas zu produzieren, das benötigt wurde, um Zehntausende von Kurden zu massakrieren. Auch Assad war immer ein gerne gesehener Handelspartner. Von Panzerdeals mit Saudi Arabien und anderen Autokratien braucht man schon gar nicht mehr zu reden, besondere Beliebtheit erfreuen sich dieses Jahr die Hamas-Unterstützer  der katarischen Regierung:

Qatar, in second place, was approved to get €673 million in German-made military goods including tank parts, a flight simulator and radar systems.

Aber die Kurden, die verzweifelt angesichts der Schlächter von ISIS den Westen um moderne Waffen anflehen, denen rät man zur diplomatischen Lösung.

In Kurdistan gibt es den Spruch man hätte keine anderen Freunde als die Berge. Und nach 2003 gab es die Hoffnung, die habe sich geändert. Gerade hat ihnen die Obama Regierung  die kalte Schulter gezeigt. Und nun, wer hätte anderes erwartet, hören sie aus Berlin diese guten Ratschläge.

Man erwarte aber bitte nicht, dass aus Berlin ein konstruktiver Vorschlag käme, wie mit den Massenmördern von IS zu verfahren sei. Außer sie haben sich schon auf die Suche nach dem moderaten Flügel des Islamischen Staates gemacht.

So bleibt nur zu hoffen, dass es Kurden und anderen anti-IS Kräften alleine gelingt, diese Islamisten zurückzuschlagen.

Einige, weniger düstere Nachrichten werden inzwischen bekannt:

Iraqi military planes have started to shell Sinjar neighborhoods in an effort to rid the town of Islamic State (IS) insurgents. Peshmerga forces now control 70% of the Yazidi-majority town.

According to the BasNews correspondent in Sinjar, Iraqi military planes have started to bombard the south side of Sinjar after Peshmerga forces re-took the north of the town.

The Iraqi airstrikes come after the spokesperson of the General Commander of the Armed Forces, Qasim Atta said that Iraqi Prime Minister Nouri al-Maliki ordered the Iraqi army to assist Peshmerga forces in their fight against IS militants.

4. August 2014, 01.19 Uhr:

US-Reaktionen auf ISIS Vormarsch: Wir erleichtern die Koordination

von Thomas von der Osten-Sacken

Seit Monaten flehen die irakischen Kurden die USA an, sie doch bitte mit besseren Waffen im Kampf gegen die Terroristen des Irakischen Staates zu beliefern. Sie reihen sich damit in den Chor der syrischen Opposition ein, sei es die Free Syrian Army oder die kurdische YPG. Nichts geschieht. Auch fliegt keine Drohne über dem Irak, ungestört breitet sich das Kalifat der IS aus und seine Kämpfer haben heute den Sinjar überrant, eine von Yeziden  - abtrünnige Teufelsanbeter in den Augen der Jiahdisten, die nichts als den Tod verdienen - bewohnte Gegend nördlich von Mosul. Jetzt kontrollieren sie auch noch den Mosul-Staudamm und könnten großen Teilen des Irak entweder das Wasser abstellen oder sie fluten.

Und was hat die US-Administration zu sagen? Liefert sie endlich Waffen, fliegt sie Luftangriffe, vor denen IS-Jihadisten panische Angst haben und die das Blatt ziemlich schnell wenden könnten?

Nicht ganz. Nur fast.

In einer Press Release des State Department heisst es zwar:

The United States is supporting the Iraqi Security Forces and Peshmerga Forces working to defend these areas against ISIL.

Diese “support” allerdings sieht so aus:

Our Joint Operations Centers in Erbil and in Baghdad are sharing information with ISF and Peshmerga commanders. (…) We will continue to facilitate coordination between authorities in Baghdad and Erbil and provide direct assistance wherever possible.

Die Kurden rufen nach Waffen und Luftunterstützung …. sie bekommen “information” und “coordination facilitation“.

Derweil breitet der islamische Staat sich weiter aus, fliehen erneut Hunderdtausende, die es nicht schaffen, werden massakriert.

Das ist der Sound von Peace in our Times.

2. August 2014, 23.19 Uhr:

'Solidarität mit den Christ*innen im Irak – nieder mit ISIS!'

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von der Gruppe Perspektive Kurdistan

Heute fanden Demonstrationen zur Solidarität mit den Opfern von ISIS in verschiedenen deutschen Städten statt. Mehr als ein paar hundert Leute fanden sich an keinem der Orte ein, meist handelte es sich bei den Teilnehmer*innen um Christen aus dem Nahen Osten.

Von einer breiter Solidarität mit den Opfern des islamistischen Terrors konnte dagegen keine Rede sein.

Hier ein Redebeitrag, den die Gruppe Perspektive Kurdistan heute in Wiesbaden und Mainz gehalten hat:

Heute haben sich in Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, und in vielen weiteren Städten Deutschlands und der ganzen Welt assyrisch-aramäische Christen, Kurdinnen und Kurden, Armenier, Jeziden und viele andere versammelt, um gemeinsam ihre Solidarität auszudrücken mit den Christinnen und Christen im Irak. Für uns ist es eine Ehre, unseren kleinen Beitrag zum Gelingen dieses wichtigen Protesttages leisten zu dürfen!

Im Vorfeld erfuhren wir, dass sich neben vielen anderen auch zwei ausgewiesene Rassisten und Faschisten des PI-Spektrums zur heutigen Kundgebung angekündigt haben. Erfreulicherweise blieben sie weg. Wären sie gekommen, so hätten wir ihnen gesagt: “Ihr seid hier weder erwünscht noch geduldet! Zieht Leine und kommt nie wieder!” Was wir und die Christ*innen im Irak am heutigen Tag am Wenigsten brauchen können, sind rassistische Moslemhasser, die unsere gemeinsamen Proteste für ihre Hetze missbrauchen wollen.

Wenn wir schauen, wer im Mittleren Osten gegen die religiösen Fanatiker des “Islamischen Staates” kämpft, dann sind das ganz sicher keine dummdeutschen Rassisten und Rechtspopulisten. Es sind vielmehr unsere kurdischen Genossinnen und Genossen von der YPG. Es sind kurdische Peshmerga, Araber, Syrer und Armenier, es sind Sunniten und Schiiten, Christen, Jeziden und Agnostiker. Die sind es, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um dem fanatischen Wahn der Dschihadisten Einhalt zu gebieten, während die Weltöffentlichkeit wegschaut. Dafür danken wir ihnen von ganzem Herzen. Und den Religiösen unter ihnen wünschen wir: Möge Gott, möge Allah bei ihnen sein!

Deutlich wird auch, dass es hier nicht um einen religiösen Kampf der Kulturen geht, dass es nicht um Moslems gegen Christen geht, sondern um fanatische Gotteskrieger gegen die gesamte Humanität! Angesichts der Gräueltaten gehen weltweit immer mehr Schiiten und Sunniten auf Distanz zu ISIS und stellen sich auf die Seite der verfolgten Christen und aller Verfolgten.

So sagte die schiitische Fernsehmoderatorin Dima Sadeq im libanesischen Fernsehen: “Von Mossul bis nach Beirut – wir alle sind Christen!“.

Oder bereits zuvor ihre sunnitische Kollegin Dalia Al-Aquidi, die sich gar im irakischen Fernsehen zu sagen traute: “Die Christen sind indigene Bewohner dieses Landes und wir können nicht einfach so weiter machen, wenn sie nicht mehr da sind.” Und: “Unsere Religion ist eine Religion der Toleranz, und dieser politische, islamische Faschismus bringt selbst moderate Muslime wie mich selbst dazu, sich für ihren Glauben und ihre Gemeinschaft zu schämen.”

Unser Respekt für diese mutigen, klaren Worte! Mögen sie den Widerstandskämpfer*innen gegen ISIS den Rücken stärken!

Wir schließen unseren Beitrag mit den Worten eines kleinen irakischen Mädchens:

Iraq should be a home for everyone: Moslems, Christians or Sabeans

No one should try to change the identity of the other!

We don’t want the strong to swallow the weak!

We are human beings!

We are all responsible for this destruction in Iraq

Because until now we don’t have the culture of respecting the opinions and the beliefs of the others.

The Christians must come back to their homes, and the moslems who left too,

The Christians must come back, because they are the roots of Iraq

There is a foreign saying: If we’d compare the past with present, we will lose the future.

If we don’t learn to live together in love and respect we’ll lose the future!

Internationale Solidarität mit allen Verfolgten im Irak und in Syrien! Nieder mit ISIS!

Anti-ISIS Protest in Frankfurt am Main

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