Kürzliche Beiträge
20. Januar 2015, 16.37 Uhr:

High Five in Teheran

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Noch ist nicht bekannt, wer für den gewaltsamen Tod des argentinischen Staatsanwalts Alberto Nisman verantwortlich ist, der das Land erschüttert. Wem er gefährlich war, weiß man jetzt schon: 1994 wurden bei einem Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires 85 Menschen getötet. Nisman hatte als Chefplaner des antisemitischen Massakers Mohsen Rabbani, den damaligen iranischen Kulturattaché in Argentinien, identifiziert. Auftraggeber seien ranghohe Vertreter des iranischen Regimes gewesen, so der vermeintlich moderate Ali Akbar Rafsandschani und Ali Akbar Velayati, der heutige Chefberater von Khamenei. Beide wurden bereits als Drahtzieher des Mykonos-Mordanschlags in Berlin 1992 benannt.

Laut Nisman war das Motiv des AMIA-Anschlags eine Bestrafung für die damalige Weigerung Argentiniens zur Kooperation im iranischen Nuklearprogramm. Nisman hatte auch der argentinischen Regierung vorgeworfen, die iranische Urheberschaft des Attentats zugunsten lukrativer Ölgeschäfte vertuschen zu wollen. Und er hatte antisemitische Terroranschläge als typische außenpolitische Waffe der Islamischen Republik bezeichnet: „When they choose to act against a country, the attack is commonly on the Jewish community,“ he said. „It’s the first target.“

Pikant für die deutsche Politik ist, dass der Terrorpate Velayati erst im Dezember letzten Jahres den SPD-Außenpolitiker Niels Annen in Teheran traf. Annen durfte dort den Statisten spielen für Velayatis Ausführungen darüber, welche Art von nuklearer „Kooperation“ man zwanzig Jahre nach AMIA von der Welt erwarte: ein Atomprogramm mit einer begrenzten Anzahl von Zentrifugen sei nutzlos für den Iran und komme nicht in Frage.

Für den morgigen Mittwoch hat sich eine weitere Bundestagsdelegation im Iran angekündigt: Zwei Jahre nach ihrer High-Five-Blamage mit dem iranischen Botschafter ist Claudia Roth wieder dabei, zusammen mit Claudia Wöhrl (CSU) und Stefan Rebmann (SPD). Auf der Suche nach repräsentativen Gesprächspartnern sind sie auf Vize-Staatspräsidentin Massoumeh Ebtekar und Parlamentspräsident Ali Larijani gestoßen. Ebtekar war 1979 Geiselnehmerin an der US-Botschaft in Teheran und erklärte dort, den Geiseln bei Bedarf ohne Zögern in den Kopf schießen zu wollen. Und Ali Larijani verteidigt auch in Deutschland die Holocaustleugnung des iranischen Regimes.

Claudia Roth und der Botschafter

Die Reise der Grünen soll  “soll vor allem dem Austausch über die außenpolitische Bedeutung und Rolle des Iran für die Sicherheit und die Linderung der humanitären Katastrophe in der Region (…) dienen” - es geht also um die Rolle Teherans als Partner im Kampf gegen den Islamischen Staat.

Laut US-State Department ist der Iran “a major state sponsor of terrorism“, der nicht nur schiitische Milizen wie die Hizbollah unterstützt, sondern  “the movement of Al Qaeda members across the Middle East” erleichtert. Wenn eine solche Erkenntnis schon die Obama-Administration nicht davon abhält, de facto mit dem Iran gegen den IS zu kooperieren, warum sollten dann die deutschen Parlamentarier nicht die Gunst der Stunde nutzen und mit den Masterminds of Terror über den Kampf gegen den Terror parlieren?

Vielleicht bleibt ja auch noch Zeit für ein gemeinsames Treffen mit einer gerade in Teheran weilenden russischen Delegation, die gerade ein umfassendes Militärkooperationsabkommen unterzeichnet hat?:

Iran and Russia have signed a military cooperation pact, the official TASS Russian news agency reported on Tuesday.

The agreement to intensify military and technological cooperation was made during a Tehran meeting between Iranian Defense Minister Hossein Deghan and visiting Russian Defense Minister Sergey Shoigu, Russian media reported.

Shoigu, who arrived in Tehran on Sunday, was quoted by sputniknews.com as saying: “We are in favor of long-term and multi-level cooperation with Iran and welcome the Iranian leadership’s attempts to expanding its ties with Russia, including in military defense. We have common challenges and threats in the region that we can oppose only if we communicate.”

19. Januar 2015, 22.21 Uhr:

Gedenkfeier für Yoav Hattab in Tunis

von Thomas von der Osten-Sacken

Heute wurde in Tunesien des in einem koscheren Supermarkt in Paris ermordeten Yoav Hattab gedacht:

Jews and Muslims alike congregated on Saturday night in front of the Great Synagogue in Tunis for a vigil in remembrance of Yoav Hattab, a Tunisian-born victim of the terror attack on the kosher supermarket in Paris less than two weeks ago.

The event also served as a show of support by local residents for the young man’s father, who is a rabbi at the Jewish school in the North African country’s capital city.

Some 1500 people participated in the memorial event, which made the front page of Tunisian daily Le Temps. The crowd lit candles and placed pictures of Hattab by the building’s entrance alongside posters and Tunisian flags.

The participants held placards with slogans, such as one declaring, “Long live multi-cultural Tunisia". One of those present was Besima Boughneya, who said, “I am here as a citizen, because he was a Tunisian and this has broken my heart.”

19. Januar 2015, 22.02 Uhr:

Die Ayatollahs und der tote Staatsanwalt

von Thomas von der Osten-Sacken

Bemerkenswert deutliche Worte in der FAZ:

Schon jetzt aber kann man voraussagen, dass der rätselhafte Tod von Alberto Nisman Argentinien noch lange beschäftigen wird – gewiss im Wahljahr 2015 und vermutlich noch weit darüber hinaus. Der Staatsanwalt und Sonderermittler Nisman war seit mehr als zehn Jahren mit der Aufklärung des Bombenanschlags auf das jüdische Kulturzentrum und Gemeindehaus (Amia) in Buenos Aires vom 18. Juli 1994 beschäftigt. (…)

Die Ermittlungen zu den beiden Anschlägen von Buenos Aires, bei denen von Beginn an immer auch der israelische Geheimdienst Mossad und die amerikanische Bundespolizei FBI mitgemischt haben, sind die größte Justizfarce Argentiniens der vergangenen Jahrzehnte. Und sie sind ein geopolitisches Lehrstück darüber, wie es den in Iran herrschenden schiitischen Mullahs immer wieder gelingt, ihre Verstrickung in den internationalen islamistischen Terrorismus zu vertuschen. (…)

Die Einigung Argentiniens und Irans auf die Einsetzung einer internationalen „Wahrheitskommission“ zur Aufklärung des Verbrechens von Anfang 2013 ist ein weiterer Höhepunkt dieses Justizskandals: An die Stelle juristischer Aufklärer sollten politische Nebelwerfer treten. In der vergangenen Woche erhob Nisman schwere Vorwürfe gegen die jetzige Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner.

19. Januar 2015, 21.32 Uhr:

Osmanisches Reich 2.0

von Thomas von der Osten-Sacken

Ob beim Osmanischen Reich es sich um eine Tragödie gehandelt hat, sei einmal dahingestellt, was die AKP und ihr Präsident da gerade inszenieren, mag dagegen selbst als Farce kaum durchgehen. Aber sie meinen es ganz ernst, nein Spass kennen sie bekanntlich keinen, sie wollen das Osmanische Reich wieder - und dass dieses verloren ging, weil es an Palästina festhielt, rundet den ganzen Irrsinn nur ab:

On Thursday, AK Party deputy Tülay Babusçu had written on Twitter that the “Ottoman Empire has resumed after a 90-year break.” Her comment was a reference to a much-talked-about addition to President Recep Tayyip Erdogan’s welcome ceremonies - 16 soldiers dressed up in ceremonial clothes representing each of the 16 states established by Turkic people throughout the history.

A photo of Erdogan posing at the bottom of his palace staircase, with the 16 soldiers arrayed behind him in a range of historical costumes, complete with ornate helmets, swords and spears, as he welcomes Palestinian leader Mahmoud Abbas, has gone viral on social media. Users came up with their own Photoshopped images of the scene, in which the soldiers were depicted as superheroes from movies such as the “Lord of the Rings” or popular shows like “Game of Thrones.”

Sharing the original photo of Erdogan shaking hands with Abbas with the 16 soldiers behind them, Babusçu said: “This picture is one that should be commented on. The Ottoman Empire that was demolished on the pretext that it refused to give up Palestinian land and the background image of our president and the Palestinian president… this is magnificently intelligent. Of course, this intelligence belongs to our president [Erdogan]. The 90-year commercial break of the 600-year-old Ottoman Empire has come to an end.”

19. Januar 2015, 00.54 Uhr:

#Fuat Avni

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein Artikel, über  Fuat Avni, einer mysteriösen Person, offenbar aus dem inneren Zirkel der türkischen Regierung, dessen Tweets sich bisher als äußerst akkurat erwiesen haben und Erdogan und die seinen in ziemliche Schwierigkeiten brachte und bringt.

Nun meldet Avni, der türkische Geheimdienst plane Terroranschläge in der Türkei und habe außerdem den Islamischen Staat mit Waffen beliefert:

An anonymous whistleblower is captivating Turkey by tweeting revelations from the upper echelons of Turkish politics. The latest claims are the most explosive yet: The whistleblower says Turkish President Recep Tayyip Erdogan plotted terrorist-style attacks on Turkish civilians to frame his opponents.

The whistleblower, who operates on Twitter as Fuat Avni (@FuatAnvi, or @FuatAvniEng for tweets in English), claims he’s male, works alone, and is part of Erdogan’s inner circle. In Turkey, a country that ranks 154th out of 180 in the press freedom compiled by Reporters without Borders, Fuat Avni has shattered the tightly controlled political discourse and enthralled Turks.

“Fuat Avni’s consistent credibility has established him as a reliable source of information,” Greg Barton, an expert on Turkish politics at Monash University, told VICE News. “The tweets are taken seriously because they have substance behind them; they predict something breaking that is then confirmed to be true.”

In the latest series of tweets, posted January 9, he claims Erdogan and the head of Turkey’s National Intelligence Organization, Hakan Fidan, are planning “a terror act that would kill dozens of innocent people in a large city,” while framing the Gülenists — a splinter faction of Erdogan’s government and his main opposition — for the attack.

18. Januar 2015, 21.42 Uhr:

'Wir alle sind ISIS'

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein Kommentar aus dem Libanon, der so wohl kaum in einer deutschen Zeitung erschienen wäre. Wegen Verbreitung von Islamophobie:

These killers are us. They are our religion at its most extreme. They are our true Islam taken to its furthest extent and they are not beyond the scripture. If the West says in one united voice “we are Charlie” we should say “we are ISIS.”(…)

It was very telling that straight after the announcement of the Charlie Hebdo massacre people’s thoughts turned to Islamist extremists, despite the fact that the French magazine’s satire spared not Judaism, Christianity nor the French political establishment. This is because Islam’s relationship with the present is in crisis, and any group going through such a crisis is always the first suspect. In fact, Islam as a whole stands accused in advance, and not only its extremist fringe. The original texts that form an inseparable part of true Islam and inspire the ongoing crimes committed in its name are also guilty. This will be true as long as there is no central authority to reorganize the relationship between the Islamic text, as a piece of history, and the necessities of the present day, in the same way the Qur’anic text itself acclimatized as the ayahs were gradually sent down, with some new rulings replacing older ones.

The truth is that what the killers did in Paris has only reinforced the images drawn by the artists of Charlie Hebdo. The only difference between the actions of the artists and the killers is that the number of people who follow caricatures is far less than those who followed the international drama caused by the massacre. Nothing can insult Islam and Muslims as much as such crimes, and yet we still make do with saying that they do not represent true Islam, without providing a clear description of what true Islam is, beginning with our religious schools, some of which are factories for crime, to our constitutions which are rigged with the mines of Islamic jurisprudence and Sharia law.

Nothing insults Islam more than the Charlie Hebdo massacre, which says, from the belly of true Islam itself: Those of us who love the Prophet most are our greatest criminals.

15. Januar 2015, 10.55 Uhr:

Je suis Cumhuriyet

von Thomas von der Osten-Sacken

Die türkische Zeitung Cumhuriyet druckte gestern die neueste Ausgabe von Charlie Hebdo auf türkisch nach. Und das geschah:

Police raided the printing press of Turkish daily Cumhuriyet on Jan. 14, as it prepared to distribute a four-page selection of Charlie Hebdo’s new issue in an act of solidarity with the French satirical magazine targeted last week in a deadly attack.

http://www.hurriyetdailynews.com/explained-police-raid-over-charlie-hebdos-turkish-version.aspx?pageID=238&nID=76969&NewsCatID=339

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