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Kürzliche Beiträge
14. Juni 2016, 23.42 Uhr:

Afghans in Solidarity with the LGBT Community

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus den vielen Erklärungen muslimischer Organisationen und Einzelpersonen, die das Massaker von Orlando verurteilen, ob die #NotinMyName? Kampagne oder das Orlandostatement sticht die der in San Franciso ansässigen “Afghan Coalition” besonders hervor, erklärt sie sich doch explizit mit der LGBT Community solidarisch:

The Afghan Coalition stands in solidarity with the LGBTQI+ community and will continue to provide support to those in need. The Afghan community is a diverse community and it is safe to say that the action of one man does not define the community and we hope the greater community does not promote a stigma against any community. As more details come to light, we want to ensure that all people are respected and we unite as one voice against intolerance.

14. Juni 2016, 16.31 Uhr:

Lowest moment in lowest speech

von Thomas von der Osten-Sacken

Isaac Chotiner in Slate über Trumps Reaktionen auf das Massaker von Orlando:

Trump’s response to the Orlando attack is a frightening window into how he might govern if elected. And his speech on Monday afternoon was the most terrifying of the campaign.

The lowest moment of the lowest speech in this very low campaign came near the end, when Trump, noting that Muslims must talk to authorities about their neighbors, said, “The Muslim community, so importantly, they have to work with us. They have to cooperate with law enforcement and turn in the people who they know are bad. And they know it. And they have to do it forthwith.” It was all there: the “us” that doesn’t include Muslim-Americans, the not-so-vague menace behind the warning, the claim about what “they” know.

In the prepared version of the speech, Trump specifically mentioned prison time for people who refused to cooperate. But in the actual speech, he said this instead: “These people have to have consequences. Big consequences.” This last-minute edit is the essence of Trumpism. Demagogues often leave things to the imaginations of both followers and victims. Therein lies both part of their appeal and their power to frighten.

13. Juni 2016, 16.02 Uhr:

Warum der Anschlag in Orlando nicht gegen uns gerichtet war

von Thomas von der Osten-Sacken

War der Mörder von Orlando „Schwulenhasser oder ISIS-Terrorist“ fragt man sich unisono in Tagesschau, Bild-Zeitung, RBB und unzähligen anderen Medien, ganz so, als gäbe es da einen Widerspruch. Nun müssen Schwulenhasser sicher keine Islamisten sein, aber wohl jeder Islamist ist ein Schwulenhasser. Eine Einstellung, die er mit dutzenden von Regierungen im Nahen Osten teilt.

Erst jüngst etwa erklärte der oberste Revolutionsführer im Iran, einem Land, in dem Homosexuelle mit dem Tode bestraft werden „that there is n oworst form of moral degeneration than [homosexuality].” Und was für die islamische Republik gilt, gilt für das Kalifat des Islamischen Staates genauso: Zwischen Raqqa und Mosul richtet man Männer, die wegen Homosexualität verurteilt wurden hin, indem man sie vor Zuschauern von Hochhäusern stößt.

Imame und Ayatollahs in der ganzen islamischen Welt sind obsessiv vom Kampf gegen Homosexualität besessen. Erst jüngst forderte ein islamischer Prediger ausgerechnet in Orlando in einer Moschee – nur wenige Kilometer von dem Nachtklub „Pulse“, in dem Omar Mateen am Samstag über 50 Menschen ermordete und weitere 53 verletzte – that killing gays according to Islamic law should be done “out of compassion".

Richtig wäre also die Feststellung, Mateen sei ein schwulenhassender Islamist, der, außerdem Juden, unverschleierte Frauen, Demokratie und alles andere auch hasst, was Islamisten eben so zu hassen pflegen. Oder, wie es ein ehemaliger Kollege des Attentäters ausdrückte: “He had bad things to say about everybody—blacks, Jews, gays, a lot of politicians, our soldiers. He had a lot of hate in him.”

War er denn wenigstens Einzeltäter?

Eine Frage, die sich nicht mehr stellt, seit sich der Jihadismus transformiert hat. Heute geht es nicht mehr um jahrelange Planung einer kleinen Elite, die dann, wie am 11. September 2001, spektakulär zuschlägt, sondern jeder, der nur will, kann zum Märtyrer werden. Ein Küchenmesser oder der Besitz einer Schusswaffe reicht aus. Egal ob der Täter vorher im Kontakt etwa mit dem „Islamischen Staat“ (IS) oder nicht stand, bei erfolgreichem Abschluss des Massakers kann er sich sicher sein, dass der IS sich dazu bekennen und er in den einschlägigen Kreisen als Märtyrer gefeiert wird. Denn das Versprechen lautet: Durch die Tat wird die Vereinzelung überwunden und man geht als Märtyrer im Kollektiv auf.

Der „lonewolf“ verwandelt sich so in einen Soldaten des Jihad, ob in Tel Aviv oder Jerusalem nur mit einem Messer bewaffnet oder eben in Orlando mit einem Sturmgewehr. Dies übrigens besaß Mateen als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma ganz legal und hätte es auch besessen, wären die Waffengesetze in den USA andere, weshalb in diesem Fall das ganze Gerede, angefangen bei Präsident Obamas Statement bis hin zu den einschlägigen Kommentaren in Deutschland, in diesem Falle nichts als dummes Geschwätz sind.

Sie hätten ihn gerne, den schwulenhassenden Einzeltäter, der es auf eine Minderheit in den USA abgesehen hat, die ja auch von anderen, nämlich weißen, christlichen Fundamentalisten gehasst wird. Schließlich gab es ja in der Geschichte der USA genügend anti-LGBT hatecrimes, die nicht auf das Konto von Islamisten gingen. Dann könnte man die Tat aus dem Kontext der Anschläge in Paris, Brüssel und unzähligen anderen Orten lösen, dann wäre sie nur ein weiteres Hassverbrechen in den USA, ausgeführt von einem verwirrten und hasserfüllten Einzeltäter.

Schließlich hat es ja diesmal in der Tat eine ganz spezifische Gruppe getroffen, dem Terror fielen nicht völlig wahllos Menschen zum Opfer, die sich, wie in New York, London oder Madrid zum Tatzeitpunkt einfach am falschen Ort aufgehalten hatten. Dass nun ausgerechnet gezielt  „LGBT-People“ ins Visier eines „colored Muslims“ geraten, der doch eigentlich zu den Verdammten dieser Erde gehört, man in den entsprechenden Kreisen also nun, plötzlich mit der blutigen Realität konfrontiert ist, nämlich der in der islamischen Welt vorherrschenden tödliche Homophobie, darf und kann nicht sein.

Die Schuldfrage klären

Entsprechend schnell kamen die Statements, die rechten US-amerikanischen Politikern die Schuld für das Massaker gaben. So erklärte Chad Griffin, der Vorsitzende der Human Rights Campaign, der größten LGBT Organisation in den USA: He wasn’t just hearing these messages from a faraway terrorist organisation. (…) He was hearing it from politicians and from radical anti-LGBT extremists right here in our own country. Every time we see legislation that puts a target on the back of LGBT people. Every time we hear a preacher that spews hate from the pulpit. Every time a county clerk says that acknowledging our relationships violates her ‘religious beliefs’.”

Und Juan Cole fügt hinzu: “If it was about gay marriage, well, there is a lot of political opposition to that on the Republican Right, and violence against gays has been a feature of the American far right.”

Eigentlich seien die Toten im Pulse nämlich Opfer der homophoben amerikanischen Rechten und nun wird auch noch Donald Trump das Massaker für sich instrumentalisieren. Lesben und Schwule müssen als unterdrückte Minderheit im Westen nun vor Vereinnahmung geschützt werden. Es sei nämlich gar kein Anschlag auf den westlichen Lebensstil oder die Freiheit, sondern richte sich ganz im Gegenteil, führt Thorsten Denkler in der SZ aus, “explizit und speziell (gegen) eine bestimmte Lebensweise. Ein Angriff auf die Gemeinschaft der Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen, der LGBT.“

Gemeint sind immer die Anderen

Der Anschlag gegen Charlie Hebdo richtete sich ja auch gegen „Islamkritiker“, und der Angriff auf den Supermarkt in Porte de Vincennes bei Paris galt ja Juden. Nein, „wir“ sind nicht betroffen. Außer, dass „wir“ jetzt dringend gegen Diskriminierung von Homosexuellen aktiv werden müssen – und zwar nicht im Iran, Saudi Arabien oder jenen Magrebstaaten, die die SPD gerade zu sicheren Drittländern erklären möchte, sondern hier: “Dass sich in manchen Gegenden LGBT nur in Lokalen sicher fühlen können, die den Regenbogen-Aufkleber an die Tür geheftet haben, ist alltäglich erlebte Homophobie. Dass LGBT sich in manchen Vierteln nicht trauen, sich öffentlich zu küssen, ist alltäglich erlebte Homophobie. Dass in Deutschland homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren dürfen, ist alltäglich erlebte Homophobie.”

Eigentlich homophob sei nämlich der Westen. In der islamischen Welt, handelt es sich eher um Kultur und auf die ist Rücksicht zu nehmen. Auch bei der nächsten Reise einer Delegation nach Teheran oder Riad. Alles andere wäre nicht nur  geschäftsschädigend, sondern auch rassistisch, wenn nicht gar islamophob.

13. Juni 2016, 11.51 Uhr:

'Solidarity with the LGBT Community'

von Thomas von der Osten-Sacken

Der aus dem Irak stammende Journalist Faisal Saeed Al Mutar schreibt als Reaktion auf das Massaker in Orlando:

#Solidarity with the LGBT community in the United States and around the world specially those who live in sharia law countries that it’s the law to kill gays.

There will be people who will blame the attack on guns only.

These people are stupid and deserve to be called out for their idiocy.

Gays are one of the most prosecuted groups in Muslim countries and some African countries like Uganda and Zimbabwe.

If religions don’t modernize to accept LGBT and women’s rights

Then religions need to die, not people.

13. Juni 2016, 00.22 Uhr:

Ohne Bodentruppen

von Thomas von der Osten-Sacken

Nur keine Bodentruppen. Den Job sollen “lokale Akteure” erledigen, bestenfalls entsendet man ein paar Berater und Special Forces. Und wenn die “lokalen Akteure” morden, foltern, brandschatzen und vergewaltigen, dann interessiert das eh keinen, weil es sind ja keine amerikaniscnen oder israelischen Soldaten, sondern vom Iran angeführte Milizionäre:

Horrific sectarian atrocities are being committed in the final push to “liberate” the ancient city of Fallujah, 43 miles from Baghdad. Iranian-led Shi’ite militias who form the main part of the force fighting to re-capture the city from the Islamic State, also known as Daesh, are systematically arresting Sunni men and women fleeing the besieged city. Many are being tortured and executed.

The Shi’ite militias are financed and led by the Iranian terrorist Qods Force, whose senior commander Gen. Qasem Soleimani is on the EU and U.S. terrorist lists. Soleimani is spearheading the attack on Fallujah. His presence was confirmed in an astonishing statement by Iraq’s Foreign Minister Ibrahim Jafari on Tuesday, when he said: “Qasem Soleimani provides military advice on Iraqi soil and this is with the complete awareness of our government.” (…)

On Tuesday, the UN High Commissioner for Refugees said: “Eyewitnesses have described how armed groups operating in support of the Iraqi security forces are intercepting people fleeing the conflict, separating the men and teenage boys from the women and children, and detaining the males for ’security screening’, which in some cases degenerates into physical violations and other forms of abuse, apparently in order to elicit forced confessions. There are even allegations that some individuals have been summarily executed by these armed groups.”

12. Juni 2016, 16.04 Uhr:

Unverschleierte Frauen mal wieder schuld

von Thomas von der Osten-Sacken

Jahrelanges Mismanagement hat im Iran zu chronischem Wassermangel geführt: Der Grundwasserspeiegel sinkt, Flüsse und Seen trocknen aus und selbst iranische Behörden sind inzwischen alarmiert.

Besonders unter Präsident Ahmenijedad wurden die Iraner förmlich aufgefordert, Wasser zu verschwenden und neue Brunnen zu bohren, weil:

„Nachhaltigkeit ist ein aus dem Westen importierter Begriff. Hier ist das von Gott geschenkte unendliche Wasser. Pumpt ab, so viel ihr wollt.“ Nach dieser Rede seien innerhalb weniger Monate zigtausende illegale Brunnen im Land gebaut worden, das Parlament habe alle Bohrungen nachträglich legalisiert.

Nun sehen sie langsam die Folgen, in Ishafan etwa führt der Zayadeh kaum noch Wasser.

Und wer ist daran dann schuld?

Die Juden?

Heute mal nicht, sondern, laut  Freitagsprediger Yosef Tabatabe,  Frauen, die immer öfter sich unverschleiert vor dem Fluss ablichten lassen:

“I have seen many women taking pictures of themselves without hijab by the river and I have heard the social media encourage them to unveil themselves. These unveiled women have caused Zayandeh River to dry in Iran.”

Dazu schreibt die Kampagne “My Stealthy Freedom“:

So apparently, in addition to having been once been the cause of earthquakes in Iran—in reference to the remarks of another cleric, Kazen Sedigi, who once uttered “many women who do not dress modestly spread adultery in society and this gives rise to earthquakes,"—we women are now being blamed for another natural disaster. It seems that the rulers of Iran are intent on blaming their own mismanagement and incompetence on women.

With these beautiful pictures that we have taken, we are actually adding to the beauty of nature; we are not causing natural disasters. Natural disasters are triggered by your own inability to properly manage Iran’s limited resources.


12. Juni 2016, 11.04 Uhr:

Statement aus dem kulturellen Dialog

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Das Kulturstaatsministerium unter Monika Grütters läßt ausrichten, die Preisverleihungen ihres Teheraner Kooperationspartners Majid Mollanoroozi an Holocaustleugner seien zwar unerträglich, eine Ausladung des im Dezember erwarteten Ehrengastes und Direktors des Teheraner Museums of Contemporary Art sei aber nicht geplant. Schließlich habe die Kunst „eine große zivilisatorische Kraft“ zur Verständigung, eben zum Wandel durch Annäherung.

Hier eine Erinnerung daran, wie der iranische Kooperationspartner den Dialog gegenüber seinen westlichen Partnern, vor allem aber gegenüber iranischen Künstlerinnen und Künstlern definiert:

“Alle Künstler sind repräsentativ für die Revolution, die sich unter dem Dach des Ministeriums für Islamische Kultur und Aufklärung der Islamischen Republik umfassend verpflichten. (…) Wir trennen die bildende Kunst nicht von dem islamischen System. Diejenigen, die die islamische Regierung und den Staat nicht akzeptieren, gehören nicht unter uns. Ihnen dürfen keine Hilfe und Möglichkeiten gewährt werden. (…) Anti-religiöse Künstler und Frauen ohne Hijab (Verschleierung) nehmen wir nicht zu der 56. Biennale in Venedig mit. (…) Wir berücksichtigen die bildende Kunst auch in unseren politischen Beziehungen. Das Spektrum der islamischen Kultur und der Politik der Islamischen Republik Iran hat sich heute erfolgreich durchgesetzt. Wir sprechen jetzt von einem islamischen Erwachen in der bildenden Kunst in der Region.“

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