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Kürzliche Beiträge
1. Oktober 2015, 18.58 Uhr:

Zum Begriff des Westens in Idlib und Hama

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von David Kirsch

In den letzten Tagen wurden viele interessante Essays und Papers darüber verfasst, was denn nun eigentlich die Ziele der jüngst von Putin eingeleiteten syrischen Offensive seien. Eine durch russische Luftunterstützung angeführte (Boden-)offensive, die - quelle surprise - nicht wie zu anfänglich behauptet, den Islamischen Staat als primäres Ziel hat, sondern vor allem syrische Oppositionsgruppen, die allesamt einzig und alleine das Ziel des Sturzes Assads eint.
Syrische Aktivisten berichteten vor allem von gezielten Luftangriffen auf Stützpunkte der Freien Syrischen Armee, im Zuge derer mehrere Kommandanten aus dem Leben schieden.

Es ist nun alles so gekommen, wie viele bereits vor dem Ausbruch der syrischen Proteste prophezeit haben:
Die Lücke, die der westliche Hegemon durch Appeasement gegenüber seinen Feinden und dem unbedingten Drang nach multilateralem Vorgehen in Syrien hinterlässt, werden andere füllen.
In Syrien sind das vor allem: Putin, Khamenei und Assad.

“It did not have to happen!” sagte John Mc Cain gestern in einer Ansprache, die direkt an den Westen der Obama-Administration gerichtet war. Diese ist es, welche momentan alles daran setzt, die alten Begrifflichkeiten des “Westens” in Frage zu stellen - ist er doch im Jahre 2015 nicht einmal mehr in der Lage seine Bündnispartner zu verteidigen, vielmehr ist er in einer Permanenz der Kapitulation gefangen - was sowohl die Iraner 2009, als auch die Syrer am eigenen Leibe erfahren mussten. Und in Deutschland, wo man vom neuen amerikanischen Multilateralismus begeistert ist und man überparteilich applaudiert, dass Putin endlich die Bodentruppen entsendet, die Obama immer vermeiden wollte, bringt die FAZ das neue Selbstverständnis des Westens und die eigentlichen Ziele der Achse Moskau-Teheran-Damaskus ungewollt auf den Punkt:

Zu den Zielen der russischen Angriffe vom Mittwoch soll mindestens eine Rebellengruppe gehören, die von dem amerikanischen Geheimdienst CIA ausgebildet wurde, berichtete die „New York Times“ in der Nacht auf Donnerstag unter Berufung auf Regierungsvertreter in WashingtonDie Gegend werde vorwiegend von Oppositionellen mit Verbindung zu den Amerikanern kontrolliert, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise.

Angesichts der Verärgerung der Amerikaner über Russlands Angriffe sollen Militärvertreter beider Seiten schnellstmöglich zu einem Gespräch zusammenkommen. „Wir haben uns über die Notwendigkeit verständigt, so bald wie möglich - vielleicht sogar schon morgen, jedenfalls so schnell wie möglich - ein Gespräch auf militärischer Ebene zur Entschärfung des Konflikts zu führen“, sagte der amerikanische Außenminister John Kerry, als er in New York mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow gemeinsam vor die Presse trat.

30. September 2015, 19.21 Uhr:

Russland bombardiert in Syrien .... nicht den IS

von Thomas von der Osten-Sacken

Heute hat die russische Luftwaffe ihre ersten Luftangriffe in Syrien geflogen. Und natürlich ging es nicht etwa gegen den Islamischen Staat, sondern gegen  syrische Rebellen. Dazu schreibt Adopt a Revolution:

Verdammt! Russland behauptet, in Syrien gegen ISIS vorzugehen. Doch heute morgen wurde ?Talbasieh bombardiert, wo unser Projektpartner aktiv ist. ISIS wurde in der Stadt bislang noch nie gesehen - dafür wir sie vom Assad-Regime belagert.

Und aus dem Guardian:

A Hama local, who identified himself as Muhannad, 25, said on Wednesday night: “The airstrikes aren’t stopping. We have lost count of them. I can tell it is the Russians. They are faster and the sound of the bombs are different from those of the regime. They have bombed Talbeesa, Al Mukarama, Reef Homs al-shamali. All of these areas are mainly under FSA control. We don’t have here any Isis but we have a small number of al-Nusra. We expected this to happen but there is no place to flee to.” (http://www.theguardian.com/world/2015/sep/30/celebrations-and-fear-in-syria-russian-airstrikes-begin)

Soviel zu dem ganzen Geschwätz, die Russen brauche man als Partner im Kampf gegen den IS. Es kommt, wie vorausgesagt. Verwunderlich nur, dass Russland sich nicht Erdogan und dessen Kampf gegen den Terror zum Vorbild genommen hat und zumindest pro forma erst einen Luftangriff gegen den IS geflogen hat, um dann diejenigen anzugreifen, die in seinem Augen die wirklichen Terroristen sind.

Und dann hat Russland auch gleich noch die USA aufgefordert, “to leave the Syrian airspace immediately, a US official told Fox News on Wednesday. The official said that Russian diplomats sent an official message to the US ordering American planes out of Syria, adding that Russian fighter jets were now flying over Syrian territory, according to the report.”

(http://m.jpost.com/Middle-East/Report-Russia-demands-that-American-planes-stay-out-of-Syrian-skies-419487#article=6021QzdCRjMzNEI4REFFREQzMzZBMTk3NjkyRTU5MDI1Q0I=)

26. September 2015, 20.48 Uhr:

Iran Deal; Herdentrieb und Konjunktur

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Detlef zum Winkel

Das Iran-Abkommen vom 14. Juli 2015 hat den US-Kongress passiert. Trotz aller vorheriger Aufregung verlief die parlamentarische Entscheidung am Ende profan. Zwar stimmten beide Häuser mit ihren republikanischen Mehrheiten gegen die Wiener Vereinbarung. Doch das Ergebnis im Senat – 58 : 42 Stimmen – reichte nicht, um den Präsidenten zu einem Veto zu nötigen. So stellen es die Nachrichtenagenturen und die repräsentativen Medien dar: dazu wären 60 SenatorInnen erforderlich gewesen, berichten sie. Warum eigentlich, fragt sich der/die unbedarfte Leser/in, insgeheim die eigenen Rechenfähigkeiten überprüfend. Warum braucht man in einem Gremium von hundert Personen sechzig Stimmen für eine Mehrheit? Die braucht man natürlich nicht. Vielmehr wandte die demokratische Senatsminderheit die Taktik des Filibusterns an, d.h. der Beschlussverhinderung durch eine Endlosdebatte. Zum Abbruch der Debatte wären laut Geschäftsordnung des Senats 60 Stimmen erforderlich gewesen; es fanden sich aber nur 58.

Eher schlicht dürften am Ende auch die Briefings gewesen sein, mit denen das Weiße Haus die eigenen Truppen auf die Abstimmungen vorbereitete. Ist jemand unter den Anwesenden, der Donald Trump unterstützen möchte? - Nein? Dann können wir ja das Buffet eröffnen. So waren es nur vier demokratische Senatoren, die es wagten aus der Phalanx auszuscheren. Der Herdentrieb setzt sich durch. Das politische Überleben der Demokraten und ihres derzeitigen Präsidenten wiegt dann doch schwerer als die Sorge um die Zukunft des Nahen und Mittleren Ostens.

Trotzdem ist dieses unrühmliche Schauspiel immer noch besser als das politische Prozedere in den am Iran-Abkommen beteiligten europäischen Demokratien. In Frankreich, Deutschland, England und der EU denkt bisher buchstäblich kein/e Politiker/in daran, den JCPOA zum Gegenstand parlamentarischer Arbeit zu machen. Debatten? Abstimmungen? Anfragen? Oh nein. Andererseits ließen sich Hollande, Merkel und Cameron nicht zweimal bitten, um sich rechtzeitig in die Debatte des US-Kongresses einzuschalten. In der Washington Post (10.9.) plädierten sie pathetisch für eine Annahme des Deals. Denn die Vereinbarung versperre Teheran die Wege zu einer iranischen Atomwaffe (http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Namensbeitrag/2015/09/2015-09-10-atomprogramm-iran.html).

Wie leichthin diese fundamentale Behauptung aufgestellt wird, zeigt sich wenige Sätze später, wo es heißt, der JCPOA „verbaut den Weg zu einer Plutoniumwaffe durch Veränderungen am Reaktor in Arak, nach denen dort kein waffenfähiges Plutonium hergestellt werden kann“. Das ist, mit Verlaub, Stuss. Drei Staatschefs von Ländern, die jeweils ein umfangreiches Atomprogramm unterhalten und reichliche Erfahrungen mit dem Reaktortyp besitzen, der in Arak errichtet wird, demonstrieren ihre Ahnungslosigkeit in Nukleartechnologie. Schlimm ist, dass niemand sie daran hindert, kein Experte, kein Professor, kein pensionierter Atomwissenschaftler.

Es ist leicht vorauszusagen, dass der Iran in Arak Waffenplutonium produzieren wird: das ist der Daseinszweck von Schwerwasserreaktoren. Deshalb unterliegt das Thema peinlicher Geheimhaltung. Wir erfahren nichts über die sensationelle Weltneuheit eines Reaktors, in dem kein Waffenplutonium hergestellt werden kann. Wir erfahren nichts über die Umbaupläne, die in Wien verhandelt wurden, nichts über die Zerstörung des alten Reaktordruckbehälters, die unter Aufsicht der IAEA stattfinden soll, nichts über die Tätigkeit von „Experten des Forschungsreaktors in Garching bei München“, die das Auswärtige Amt zu diesem Thema nach Wien bestellte (Süddeutsche Zeitung vom 20.3.2015). Wir erfahren nichts über die Brennelemente, die der Iran für diesen Reaktor bereits in Isfahan produziert und die, wie auf Fotos zu erkennen ist, so konstruiert sind, dass sie während des laufenden Betriebs ausgetauscht werden können. Das bedeutet, dass man ihren Plutoniumgehalt optimieren kann. Ein Mantel des Schweigens bedeckt auch die Tatsache, dass iranische und sükoreanische Nuklearexperten das Strömungsverhalten dieser Brennelemente bereits detailliert untersucht und darüber im deutschen Zentralorgan für Kernenergie „atw“ berichtet haben (http://www.kernenergie.de/kernenergie/service/fachzeitschrift-atw/hefte-themen/2012/aug-sep/03_rechnerische_analyse_fuer_ein_stabbuendel.php)1.

Welches Interesse hat denn „atw“ am Reaktor in Arak?? Schließlich erfahren wir natürlich auch nichts darüber, ob es vielleicht gerade Deutschland, Frankreich und England sind, die dem Iran bei der Fertigstellung seines Schwerwasserreaktors gern helfen würden.
Auch in anderer Hinsicht lehnen sich Merkel, Hollande und Cameron in ihrem Beitrag weit aus dem Fenster: „Darüber hinaus wird durch die Vereinbarung sichergestellt, dass die IAEO verbesserten Zugang nicht nur zu den Nuklearanlagen Irans und dem gesamten Brennstoffkreislauf erhält, sondern auch zu etwaigen nicht gemeldeten Anlagen“.  In beschwörendem Ton folgt ein von Obamas Rhetorik abgeschriebener Absatz:
„Der ‚Gemeinsame Umfassende Aktionsplan’ beruht nicht auf Vertrauen oder einer Vermutung, wie Iran in zehn oder fünfzehn Jahren aussehen könnte. Er beruht vielmehr auf detaillierten und strengen Kontrollen, die überprüfbar und auf Dauer angelegt sind. Iran hat starke Anreize, nicht falsch zu spielen – ertappt zu werden wäre nahezu unausweichlich, und Iran wäre dann der Verlierer.“

Eine schnöde Wirklichkeit hat die feierlichen Versprechen längst eingeholt. Bekanntermaßen gibt es eine nicht gemeldete Anlage, zu der die Internationale Atomenergieagentur IAEA seit Jahren Zugang begehrt, um Aufschluss über mögliche militärische Aspekte („Possible Military Dimensions“) des iranischen Atomprogramms zu erhalten. Es handelt sich um das südlich von Teheran gelegene Rüstungszentrum Parchin. Dort soll es Experimente mit Schockwellen und Neutronengeneratoren gegeben haben, die für die Zündtechnik von Atombomben bedeutsam sind, mit anderen Worten: Arbeiten an einem Atomwaffendesign (siehe z.B. https://www.iaea.org/sites/default/files/gov2011-65.pdf). Eine Klärung des Sachverhalts ist im JCPOA vereinbart; die IAEA soll noch in diesem Jahr einen abschließenden Bericht darüber vorlegen.

Irans „Supreme Leader“ Ayatollah Khamenei hat jedoch nicht nur einen „verbesserten“, sondern überhaupt jeden Zugang ausländischer Inspektoren zu Parchin kategorisch ausgeschlossen. Hinter der IAEA stecke der Große Satan und dessen Spione lasse man nicht die eigenen Militäranlagen ausspähen. Hier stößt die siegreiche Diplomatie Kerrys und Steinmeiers an ihre Grenzen - Ende der Fahnenstange, Punkt. Um das Abkommen nicht an diesem eklatanten Verstoß scheitern zu lassen, hat man eine diskrete Absprache zwischen der IAEA und dem Nationalen Sicherheitsrat des Irans lanciert, nach der die Iraner gewissermaßen im Auftrag der IAEA Parchin selber „inspizieren“ sollen. So sieht also der Präzedenzfall für die detaillierten, strengen, überprüfbaren und nachhaltigen Kontrollen des iranischen Atomprogramms aus. Der Iran kann falsch spielen und dabei ertappt werden, ohne Schaden befürchten zu müssen – ein starker Anreiz, genau so weiter zu machen, genau so wie übrigens schon in den letzten 20 Jahren, und dabei mitnichten als Verlierer dazustehen.

Haben die Kanzlerin, der Präsident und der Premierminister die Öffentlichkeit und den Kongress der USA falsch unterrichtet? Es spielt keine Rolle, dass die Unwahrheiten die gleichen sind, die auch vom Weißen Haus verbreitet werden. Hier werden falsche Tatsachen vorgespiegelt: mal ist die Rede von wasserdichten Kontrollen der IAEA – mal werden Schein-Inspektionen vereinbart, an denen die IAEA gar nicht beteiligt ist. Von solcher Diplomatie werden keine Konflikte bewältigt; sie werden konserviert und verschärft. Einem Magazin ist es gelungen, die Motive der europäischen Politik auf den Punkt zu bringen: die Meldungen über den Iran Deal erscheinen unter der Rubrik „Konjunktur“ (FOCUS – MONEY Online, 18.9.).

20. September 2015, 21.10 Uhr:

Loyaler Anhänger der Theokratie

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Der syrische Schriftsteller Sadik al Azm schreibt in der FAZ über einen Friedenspreis für Adonis, welchen al Azm bereits 1980 in der womöglich ersten Fundamentalkritik an Edward Said als umgedrehten Orientalisten bezeichnet hatte, der die säkularen Werte der progressiven arabischen Schriftsteller für den religiösen Antiimperialismus Khomeinis eingetauscht hatte.

Damals war eine solche anti-kulturrelativistische Kritik noch ein valider Beitrag für ein “Journal of revolutionary socialists of the Middle-East“.

Stefan Weidner hatte Adonis im Portal des deutschen Orientalismus dagegen 2011 als Alternative zum “eurozentristischen” Boualem Sansal vorgeschlagen:

“Das Image eines verbohrten Eurozentrismus wird dem Preis daher auch mit dieser Entscheidung bleiben, zumal es mittlerweile etliche Arabisch schreibende Autoren auf Deutsch gibt, die ebenso gut oder schlecht auf den deutschen Buchmarkt vertreten sind wie Sansal: der Ägypter Alaa Al-Aswani, die Palästinenserin Sahar Khalifa, der Libanese Elias Khoury, der Libyer Ibrahim al-Koni, der Syrer Adonis.”

Al Azms Artikel ist auch Lehrstück für die Anhänger aller Couleur des “Säkularismus” Assads:

“In den frühen achtziger Jahren hatte er den säkularen Humanismus, den wir alle in Beirut als Fundament der zeitgenössischen arabischen Kultur propagierten, schon längst verworfen. Für ihn war nun Chomeinis Konzept des „Velayat-e Faqih“ (Herrschaft des Rechtsgelehrten beziehungsweise des Revolutionsführers) der neue Leitstern für Politik, Geschichte, Ideologie und Kultur der muslimischen Welt.”

“Wer einen Blick in seine [Adonis’] Kulturzeitschrift „Mawaqif“ (Standpunkte) wirft, wird in den Ausgaben der neunziger Jahre nichts über Rushdie, die Fatwa oder die „Satanischen Verse“ lesen. Mit geradezu blindem Engagement warb Adonis stattdessen für Chomeinis Konzept der „Herrschaft des Rechtsgelehrten“ und erwies sich als loyaler Anhänger der iranischen Theokratie.”

19. September 2015, 21.27 Uhr:

Nichts Neues im Osten

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von David Kirsch

Michael Gerson reüssiert in der Washington Post die ersten unmittelbaren Konsequenzen des sich abzeichnenden Iran-Deals - der Deal, der bekanntlich den Iran zur Vernunft bringen sollte - und hebt damit die bisher größten Erfolge des “leading from behind” hervor:

Ayatollah Khamenei drohte Israel erneut mit der Vernichtung, Russland stationierte Truppen in Syrien (nachdem Qassem Suleimani gleich zweimal nach Moskau gereist war - übrigens ein Verstoß gegen ein Reiseverbot der UN), das iranische Regime werkelt an den Nuklearanlagen in Parchin herum (und karikiert einmal mehr eine weitere “red line” Obamas), während Irans Nuklearbeauftragter Ali Akbar Salehi den Besitz einer ordentlichen Reserve von Uranium bekannt gab. Multilateralism at its best.

Almost immediately, bulldozers began sanitizing the Parchin nuclear complex, where Iran is suspected to have researched the weaponization of nuclear technology — a final taunt to mark the erasure of the United States’ “red line” demand that Iran account for the “possible military dimensions” of its nuclear program. Iran’s military and Revolutionary Guard Corps leaders still publicly dispute there will be any inspections of military facilities.

Ten days after the deal was announced, Quds Force commander Qasem Soleimani flew to Moscow (in defiance of a U.N. travel ban) to meet with Russian Defense Minister Sergei Shoigu and President Vladimir Putin. In short order, Iranian and Russian military forces began arriving in Syria, apparently to prop up the faltering regime of President Bashar al-Assad. In addition to tanks and drones, the Russians have sent prefabricated housingand mobile air traffic control systems, all the signs of an extended stay.

Several weeks after the deal’s announcement, Iran’s nuclear chief, Ali Akbar Salehi, revealed that Iran had found unexpectedly generous domestic reserves of uranium, which may come in handy someday. The Iranian military unveiled a new generation of surface-to-surface ballistic missiles. And Iranian leaders continue to deny the legitimacy of all U.N. Security Council restrictions on the importation of weapons. “We will sell and buy weapons whenever and wherever we deem it necessary,” President Hassan Rouhani has said. “We will not wait for permission from anyone or any resolution.”

Ayatollah Ali Khamenei’s Twitter feed is a stream of provocative trolling, promising the end of Israel, posting an image that appears to be the silhouette of Obama with a gun to his head and threatening that in any military confrontation “the one who will emerge loser will be the aggressive and criminal U.S.”

17. September 2015, 16.22 Uhr:

Last man standing

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von David Kirsch

“I have never seen a hearing that is as divorced from the reality of every outside expert." 
(Senator John McCain lays into General Lloyd Austin after he fails to recommend a no-fly zone in Syria.)

John Mc Cain, der bereits zu Beginn des syrischen Aufstands - und noch lange bevor jedes europäisches Hochglanzmagazin über ISIL, ISIS oder IS zu dichten sich befugt sah - wusste, dass Assad kein Partner im Kampf gegen den Terror und für eine vernünftige Nahost-Politik sein dürfe, trifft mit diesem Satz nicht nur die vollkommen irrsinnige Vorstellung der US-Administration, das iranische oder das baathistische Regime in Syrien könnte irgendein Faktor für Stabilität sein. Es passt auch auf den momentanen europäischen Diskurs, der die Reanimation eines nahöstlichen Despoten betreiben möchte, welcher fleißig mitgewirkt hat, seine jihadistische Kehrseite möglich zu machen, zur einzigen Alternative aufzubauen, in dem man sich auf die Bekämpfung der hilflos ausgelieferten moderaten Rebellengruppierungen fokussierte und gleichzeitig das, was heute unter dem Namen “Islamischer Staat” fungiert, letztlich zum eigentlichen Objekt des medialen Schreckens zu machen: keine Rede mehr von Barrel Bombs, Giftgasmassakern und institutionalisierten Verschleppungen.

Nebenbei freut sich Assad gemeinsam mit seinen iranischen Kumpanen über jeden einzelnen sunnitischen Syrer, über jede einzelne sunnitische Syrerin, die in die Diaspora fliehen müssen oder im mit Stacheldraht überwuchterten europäischen Souveränitätsloch verrecken zu verdammt sind. Wie bereits zu Beginn der syrischen Aufstände sind die, die nun die lange Reise auf sich nehmen - gleichfalls wie die ehemals Zigtausenden Kämpfer und Kämpferinnen der Freien Syrischen Armee - iranischer und russischer Propaganda zufolge lediglich eines: Terroristen.

17. September 2015, 00.41 Uhr:

Vier oder fünf kämpfen schon

von Thomas von der Osten-Sacken

Während russische Transportmaschinen Panzer, Luftabwehrgeschütze und anders militärische Gerät nach Syrien bringen, der Iran mit Milizen, “militärischen Beratern” und Waffen hilft, Assad, der ohne diese Unterstützung sich kaum einen Tag noch an der Macht halten würde, also erstmal gestützt ist, diskutiert man in den USA über’s Programm, nichts gegen Assad, Iran oder Rußland zu unternehmen, sondern “moderate Rebellen” gegen den Islamischen Staat auszubilden.

5000 sollten es werden, vier oder fünf befinden sich nach Angaben des US-Militärs inzwischen auch im Kampf:

In the span of two hours, the cornerstone of the U.S. strategy toward the self-proclaimed Islamic State in Iraq and Syria crumbled—loudly, and in public.

Testifying before the Senate Armed Services Committee, the general in charge of the war effort made clear that the U.S. strategy for arming “moderate” Syrian fighters had failed. Of the thousands of fighters they had hoped to train, just “four or five” are currently in the fight in Syria.

And with that, Army Gen. Lloyd Austin, commander of U.S. Central Command, came under a blistering, bipartisan attack about the strategy in Syria and Iraq.

Wie viel Blutvergießen und Elend wäre den Syrern erspart geblieben, es hätte die “Friends of Syria” mit all ihrem Geheuchel nie gegeben, nie das Gerede aus London, Paris und Washington, Assad müsse gehen, sondern 2011 ein ehrliches Statement, dass auf Hilfe aus dem Westen Syrer nicht bauen könnten, man es sich nicht mit dem Iran oder Putin verscherzen wolle, und wer sich gegen das Assad Regime auflehne, damit rechnen müsse, auf sich alleine gestellt, bzw. bestenfalls unterstützt von irgendwelche Golfstaaten, mit der ganzen terroristischen Härte dieses Regimes konfrontiert zu werden.

Dann wäre der Aufstand gegen das Regime von Anfang an, wenn überhaupt, ganz anders organisiert worden, denn er richtete sich immer auch an eine sog. “Internationale Staatengemeinschaft", die wenn denn je, jedenfalls 2012 nicht mehr existierte, nur leider hatten die demonstrierenden Syrer das noch nicht mitbekommen, sondern müssen es jetzt auf ganz blutige und tragische Weise lernen.

Während sie nämlich noch erklärten, Assad müsse gehen, war in Europa klar, dass man nichts tun würde, während in Washington irgendwelche Experten, die sich für ganz große Realpolitiker halten, an einer neuen Doktrin eines Äqui­li­b­ri­ums herumbastelten, die darauf abzielt irgendwie ein Gleichgewicht zwischen den abgehalfterten Halsbaschneiderregimes Saudi Arabiens und des Iran herzustellen, ein Plan, der nicht nur vom ersten Augenblick zum Scheitern verurteilt war, sondern dem die auch noch völlig sinnlos die Syrer zum Opfer fielen.

Eines immerhin ist für die nächsten zwanzig Jahre, wenn nicht länger, klar: Wer immer gegen Diktaturen oder Tyrannen, die mit dem Iran oder Rußland im Bunde stehen, aufbegehrt, wird wissen, dass er auf irgend eine Unterstützung aus dem, was einmal der Westen war, nicht wird bauen können, sondern ganz auf sich alleine gestellt sein wird.

 


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