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Kürzliche Beiträge
20. September 2015, 21.10 Uhr:

Loyaler Anhänger der Theokratie

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Der syrische Schriftsteller Sadik al Azm schreibt in der FAZ über einen Friedenspreis für Adonis, welchen al Azm bereits 1980 in der womöglich ersten Fundamentalkritik an Edward Said als umgedrehten Orientalisten bezeichnet hatte, der die säkularen Werte der progressiven arabischen Schriftsteller für den religiösen Antiimperialismus Khomeinis eingetauscht hatte.

Damals war eine solche anti-kulturrelativistische Kritik noch ein valider Beitrag für ein “Journal of revolutionary socialists of the Middle-East“.

Stefan Weidner hatte Adonis im Portal des deutschen Orientalismus dagegen 2011 als Alternative zum “eurozentristischen” Boualem Sansal vorgeschlagen:

“Das Image eines verbohrten Eurozentrismus wird dem Preis daher auch mit dieser Entscheidung bleiben, zumal es mittlerweile etliche Arabisch schreibende Autoren auf Deutsch gibt, die ebenso gut oder schlecht auf den deutschen Buchmarkt vertreten sind wie Sansal: der Ägypter Alaa Al-Aswani, die Palästinenserin Sahar Khalifa, der Libanese Elias Khoury, der Libyer Ibrahim al-Koni, der Syrer Adonis.”

Al Azms Artikel ist auch Lehrstück für die Anhänger aller Couleur des “Säkularismus” Assads:

“In den frühen achtziger Jahren hatte er den säkularen Humanismus, den wir alle in Beirut als Fundament der zeitgenössischen arabischen Kultur propagierten, schon längst verworfen. Für ihn war nun Chomeinis Konzept des „Velayat-e Faqih“ (Herrschaft des Rechtsgelehrten beziehungsweise des Revolutionsführers) der neue Leitstern für Politik, Geschichte, Ideologie und Kultur der muslimischen Welt.”

“Wer einen Blick in seine [Adonis’] Kulturzeitschrift „Mawaqif“ (Standpunkte) wirft, wird in den Ausgaben der neunziger Jahre nichts über Rushdie, die Fatwa oder die „Satanischen Verse“ lesen. Mit geradezu blindem Engagement warb Adonis stattdessen für Chomeinis Konzept der „Herrschaft des Rechtsgelehrten“ und erwies sich als loyaler Anhänger der iranischen Theokratie.”

19. September 2015, 21.27 Uhr:

Nichts Neues im Osten

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von David Kirsch

Michael Gerson reüssiert in der Washington Post die ersten unmittelbaren Konsequenzen des sich abzeichnenden Iran-Deals - der Deal, der bekanntlich den Iran zur Vernunft bringen sollte - und hebt damit die bisher größten Erfolge des “leading from behind” hervor:

Ayatollah Khamenei drohte Israel erneut mit der Vernichtung, Russland stationierte Truppen in Syrien (nachdem Qassem Suleimani gleich zweimal nach Moskau gereist war - übrigens ein Verstoß gegen ein Reiseverbot der UN), das iranische Regime werkelt an den Nuklearanlagen in Parchin herum (und karikiert einmal mehr eine weitere “red line” Obamas), während Irans Nuklearbeauftragter Ali Akbar Salehi den Besitz einer ordentlichen Reserve von Uranium bekannt gab. Multilateralism at its best.

Almost immediately, bulldozers began sanitizing the Parchin nuclear complex, where Iran is suspected to have researched the weaponization of nuclear technology — a final taunt to mark the erasure of the United States’ “red line” demand that Iran account for the “possible military dimensions” of its nuclear program. Iran’s military and Revolutionary Guard Corps leaders still publicly dispute there will be any inspections of military facilities.

Ten days after the deal was announced, Quds Force commander Qasem Soleimani flew to Moscow (in defiance of a U.N. travel ban) to meet with Russian Defense Minister Sergei Shoigu and President Vladimir Putin. In short order, Iranian and Russian military forces began arriving in Syria, apparently to prop up the faltering regime of President Bashar al-Assad. In addition to tanks and drones, the Russians have sent prefabricated housingand mobile air traffic control systems, all the signs of an extended stay.

Several weeks after the deal’s announcement, Iran’s nuclear chief, Ali Akbar Salehi, revealed that Iran had found unexpectedly generous domestic reserves of uranium, which may come in handy someday. The Iranian military unveiled a new generation of surface-to-surface ballistic missiles. And Iranian leaders continue to deny the legitimacy of all U.N. Security Council restrictions on the importation of weapons. “We will sell and buy weapons whenever and wherever we deem it necessary,” President Hassan Rouhani has said. “We will not wait for permission from anyone or any resolution.”

Ayatollah Ali Khamenei’s Twitter feed is a stream of provocative trolling, promising the end of Israel, posting an image that appears to be the silhouette of Obama with a gun to his head and threatening that in any military confrontation “the one who will emerge loser will be the aggressive and criminal U.S.”

17. September 2015, 16.22 Uhr:

Last man standing

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von David Kirsch

“I have never seen a hearing that is as divorced from the reality of every outside expert." 
(Senator John McCain lays into General Lloyd Austin after he fails to recommend a no-fly zone in Syria.)

John Mc Cain, der bereits zu Beginn des syrischen Aufstands - und noch lange bevor jedes europäisches Hochglanzmagazin über ISIL, ISIS oder IS zu dichten sich befugt sah - wusste, dass Assad kein Partner im Kampf gegen den Terror und für eine vernünftige Nahost-Politik sein dürfe, trifft mit diesem Satz nicht nur die vollkommen irrsinnige Vorstellung der US-Administration, das iranische oder das baathistische Regime in Syrien könnte irgendein Faktor für Stabilität sein. Es passt auch auf den momentanen europäischen Diskurs, der die Reanimation eines nahöstlichen Despoten betreiben möchte, welcher fleißig mitgewirkt hat, seine jihadistische Kehrseite möglich zu machen, zur einzigen Alternative aufzubauen, in dem man sich auf die Bekämpfung der hilflos ausgelieferten moderaten Rebellengruppierungen fokussierte und gleichzeitig das, was heute unter dem Namen “Islamischer Staat” fungiert, letztlich zum eigentlichen Objekt des medialen Schreckens zu machen: keine Rede mehr von Barrel Bombs, Giftgasmassakern und institutionalisierten Verschleppungen.

Nebenbei freut sich Assad gemeinsam mit seinen iranischen Kumpanen über jeden einzelnen sunnitischen Syrer, über jede einzelne sunnitische Syrerin, die in die Diaspora fliehen müssen oder im mit Stacheldraht überwuchterten europäischen Souveränitätsloch verrecken zu verdammt sind. Wie bereits zu Beginn der syrischen Aufstände sind die, die nun die lange Reise auf sich nehmen - gleichfalls wie die ehemals Zigtausenden Kämpfer und Kämpferinnen der Freien Syrischen Armee - iranischer und russischer Propaganda zufolge lediglich eines: Terroristen.

17. September 2015, 00.41 Uhr:

Vier oder fünf kämpfen schon

von Thomas von der Osten-Sacken

Während russische Transportmaschinen Panzer, Luftabwehrgeschütze und anders militärische Gerät nach Syrien bringen, der Iran mit Milizen, “militärischen Beratern” und Waffen hilft, Assad, der ohne diese Unterstützung sich kaum einen Tag noch an der Macht halten würde, also erstmal gestützt ist, diskutiert man in den USA über’s Programm, nichts gegen Assad, Iran oder Rußland zu unternehmen, sondern “moderate Rebellen” gegen den Islamischen Staat auszubilden.

5000 sollten es werden, vier oder fünf befinden sich nach Angaben des US-Militärs inzwischen auch im Kampf:

In the span of two hours, the cornerstone of the U.S. strategy toward the self-proclaimed Islamic State in Iraq and Syria crumbled—loudly, and in public.

Testifying before the Senate Armed Services Committee, the general in charge of the war effort made clear that the U.S. strategy for arming “moderate” Syrian fighters had failed. Of the thousands of fighters they had hoped to train, just “four or five” are currently in the fight in Syria.

And with that, Army Gen. Lloyd Austin, commander of U.S. Central Command, came under a blistering, bipartisan attack about the strategy in Syria and Iraq.

Wie viel Blutvergießen und Elend wäre den Syrern erspart geblieben, es hätte die “Friends of Syria” mit all ihrem Geheuchel nie gegeben, nie das Gerede aus London, Paris und Washington, Assad müsse gehen, sondern 2011 ein ehrliches Statement, dass auf Hilfe aus dem Westen Syrer nicht bauen könnten, man es sich nicht mit dem Iran oder Putin verscherzen wolle, und wer sich gegen das Assad Regime auflehne, damit rechnen müsse, auf sich alleine gestellt, bzw. bestenfalls unterstützt von irgendwelche Golfstaaten, mit der ganzen terroristischen Härte dieses Regimes konfrontiert zu werden.

Dann wäre der Aufstand gegen das Regime von Anfang an, wenn überhaupt, ganz anders organisiert worden, denn er richtete sich immer auch an eine sog. “Internationale Staatengemeinschaft", die wenn denn je, jedenfalls 2012 nicht mehr existierte, nur leider hatten die demonstrierenden Syrer das noch nicht mitbekommen, sondern müssen es jetzt auf ganz blutige und tragische Weise lernen.

Während sie nämlich noch erklärten, Assad müsse gehen, war in Europa klar, dass man nichts tun würde, während in Washington irgendwelche Experten, die sich für ganz große Realpolitiker halten, an einer neuen Doktrin eines Äqui­li­b­ri­ums herumbastelten, die darauf abzielt irgendwie ein Gleichgewicht zwischen den abgehalfterten Halsbaschneiderregimes Saudi Arabiens und des Iran herzustellen, ein Plan, der nicht nur vom ersten Augenblick zum Scheitern verurteilt war, sondern dem die auch noch völlig sinnlos die Syrer zum Opfer fielen.

Eines immerhin ist für die nächsten zwanzig Jahre, wenn nicht länger, klar: Wer immer gegen Diktaturen oder Tyrannen, die mit dem Iran oder Rußland im Bunde stehen, aufbegehrt, wird wissen, dass er auf irgend eine Unterstützung aus dem, was einmal der Westen war, nicht wird bauen können, sondern ganz auf sich alleine gestellt sein wird.

 


16. September 2015, 19.40 Uhr:

Über Friedensnobelpreisträger

von Thomas von der Osten-Sacken

Bilder von der ungarisch-serbischen Grenze, wo die Polizei Tränengas gegen Flüchtlinge einsetzt, die den Grenzzaun zu überwinden versuchen:

Letzte Meldung: Dutzende Flüchtlinge drängen Polizei zurück und überwinden Grenze zu Ungarn

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis an den Außengrenzen des Friedensbobelpreisträgers EU scharf geschossen wird auf Menschen, als wären sie Verbrecher, wobei ihr einziges Verbrechen darin besteht, vor einem Verbrecher-Regime zu fliehen, nachdem sie jahrelang zwei Friedensnobelpreisträger angefleht hatten, sie vor diesem Vebrecher-Regime zu schützen.

16. September 2015, 13.34 Uhr:

Eingekeilt zwischen Saudi Arabien und Somalia

von Thomas von der Osten-Sacken

Wären die Jemeniten nicht zwischen Saudi Arabien und Somalia eingekeilt, d. h. hätten sie irgend eine Möglichkeit woandershin, als nur in ihrem bettelarmen Land hin- und her zu fliehen, kurzum kämen ein paar von ihnen an Europas Außengrenzen an, ja es gäbe ein paar mehr Artikel über das unsägliche Elend, das der saudisch-iranische Stellvertreterkrieg da anrichtet.

Four out of five Yemenis are in urgent need of humanitarian assistance, including 10 million children in the war-torn country, a top United Nations humanitarian official said. More than 1.3 million people have been forced to flee their homes.

“The scale of human suffering in Yemen is nearly incomprehensible,” Stephen O’Brien told the Security Council Wednesday, adding that he was “shocked” by what he saw in Yemen.

Es sollen ungefähr 1,5 Millionen sein, die als Internal Displaced Persons im Jemen ihr Schicksal fristen. Aber auch sie werden ein Weg finden und dann kommen auch die Artikel und die große Debatte, wie man denn wegsehen konnte und so weiter und so fort….

“Nun setzt ein Strom in die entgegengesetzte Richtung ein, vom Jemen an das Horn von Afrika. Von dort versuchen sich manche weiter in den Norden, etwa nach Ägypten, durchzuschlagen: Es ist eine Frage der Zeit, bis Jemeniten sich auch in die Flüchtlingsströme nach Europa mischen.”

16. September 2015, 01.09 Uhr:

'Solidarität mit Assad; Gegen syrische Asylanten'

von Thomas von der Osten-Sacken

Auch deutsche Nazis halten dem Assad die Stange:

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