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Kürzliche Beiträge
22. März 2015, 00.04 Uhr:

'Jemen in aller Munde'

von Thomas von der Osten-Sacken

Ulrike Putz im Spiegel 2012:

Auf einmal ist der Jemen in aller Munde. Das Land am Südzipfel der Arabischen Halbinsel, sonst wegen Terroranschlägen oder der Entführung von Ausländern in den Schlagzeilen, wird dieser Tage als Positiv-Beispiel für einen gelingenden Übergangsprozess von jahrzehntelanger Diktatur zu einer zumindest etwas demokratischeren Staatsform angeführt. Westliche Chefdiplomaten beraten schon länger darüber, ob eine sogenannte jemenitische Lösung auch für Syrien denkbar sein könnte.

Die “jemenitische Lösung", nämlich einen faulen Kompromiss mit dem Saleh Regime zu schließen und ansonsten nichts zu tun, außer ein paar Drohnen gegen Al Qaida-Führer einzusetzen, hat inzwischen dazu geführt, dass in der Tat die Lage im Jemen der ins Syrien sich immer mehr angleicht.

Einige aktuelle Meldungen:

Aus der FAZ:

Nach der Gewalteskalation im Jemen ziehen sich die Amerikaner einem Medienbericht zufolge endgültig aus dem arabischen Land zurück. Die letzten verbliebenen 100 amerikanische Sondereinsatzkräfte würden abgezogen, meldete der Sender CNN am Samstag unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Es handle sich um ein Truppenkontingent, das Al Qaida und andere radikal-islamische Gruppen bekämpft habe.

Am Freitag verschärfte sich die Sicherheitslage noch einmal dramatisch. Mindestens 142 Menschen wurden bei Selbstmordanschlägen auf zwei Moscheen in der Hauptstadt Sanaa getötet, mehr als 350 weiter verletzt. Erstmals bekannte sich der sunnitische IS zu Anschlägen im Jemen. Die in Sanaa herrschende schiitische Huthi-Miliz erklärte, die Attentate seien Teil eines „Kriegs gegen das jemenitische Volk“. Die Huthi wurden dagegen von den Dschihadisten als „Ungläubige“ bezeichnet.

Von Al Arabiya:

An Iranian ship unloaded more than 180 tons of weapons and military equipment at a Houthi-controlled port in western Yemen, Al Arabiya News Channel reported on Friday, quoting security sources. The ship had docked at al-Saleef port northwest of the al-Hodeida province on Thursday, the sources said.

Aus dem Daily Sabah:

Yemen, the poorest country in the Middle East, hit by political instability and intermittent violence, is now facing a major humanitarian crisis, with 15.9 million people in the country in dire need of humanitarian assistance, according to the United Nation’s Office for Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) figures. The humanitarian situation has become worse than ever with the long absence of political authority in the country; The Houthi rebels have consolidated their grip on power, anti-coup protests have escalated and the country is being dragged into a perpetual state of turmoil. The incumbent government – which has lost de-facto control - has not been able to deliver humanitarian needs to the people. According to U.N. reports, 13.4 million people have no access to safe water and sanitation and 8.4 million of the population have no access to adequate health care.

Von der Anadolu Agency:

Yemen’s Shiite Houthi group on Saturday declared a state of general mobilization, attributing the move to what it described as “deteriorating security conditions in the country.”

Yemen’s official news agency, which is controlled by the Houthis, quoted the Houthi Supreme Revolutionary Committee – the main decision-making body in the group – as declaring general mobilization.

The committee said the move was taken due to what it called the “war imposed on the Yemeni people on all fronts.”

21. März 2015, 22.15 Uhr:

Kafranbel zu den jüngsten Chloringasangriffen

von Thomas von der Osten-Sacken

Eingebetteter Bild-Link

Und was sonst heute in Syrien passiert ist, darüber berichtet EA Worldview:

At least 100 people were killed across Syria on Friday, with the death toll spiking because of regime airstrikes and a double suicide bombing.

The Local Coordinating Committees reported that 37 people died in Hasakah Province in eastern Syria, 36 in Damascus and its suburbs, and 15 in Idlib Province in the northwest.

Among the dead were 15 people in a mosque in Muntif in Idlib Province, struck during Friday Prayers. Scores were wounded.

State media said, “[Military] units eliminated 20 terrorists in Muntif”.

In Hasakah city, more than 30 people were killed and dozens wounded when two motorcycle bombers detonated their explosives.

Redur Xelil, a spokesman for the Kurdish YPG militia, said the Islamic State was responsible for the attack, killing mostly women and children.

The Kurdish site Rudaw put the death toll at 35, with at least 150 wounded. It said the bombs targeted New Year celebrations outside the offices of the Kurdish groups TEV-DEM and the Kurdistan Democratic Party of Syria.

20. März 2015, 11.40 Uhr:

Gratulationen zur Wahl ...

von Thomas von der Osten-Sacken

… Benjamin Netanyahus:

Various Syrian rebel group leaders have sent congratulatory messages to newly re-elected Prime Minister Benjamin Netanyahu, according to an Israeli Druse who has acted as a go-between with Israel.

“We extend to you and the great leadership of the Israeli people our warmest congratulations and blessings in the democratic wedding witnessed by the State of Israel,” wrote one opposition political activist, Musa Al-Nabhan, in a letter sent to Mendi Safadi and shared with The Jerusalem Post. (…)

Another letter from The Revolutionary Assembly for the Future of Syria, addressed Netanyahu, saying, “We received with great hope and joy the news of your victory…and hope that you will continue, along with advisor Mr. Mendi Safadi, to support the Syrian revolution.”

Safadi said that the rebels thanked Israel for its humanitarian support.

“If the West implemented a strategy with the Free Syrian Army in all parts of Syria similar to that which was implemented in aid and military support to the Kurds in Kobani, Islamic State and al-Qaida’s Nusra Front would be swiftly removed from the battlefield,” argued Safadi.

18. März 2015, 16.57 Uhr:

Tunesien: Bis zu 19 Todesopfer bei Terroranschlag im Museum Bardo, Tunis.

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Hannah Magin

Heute, Mittwoch den 18 März, drangen zwei Terroristen in das Museum Bardo ein, nahmen die Besucher als Geiseln und töteten mindestens 17 europäische Touristen. Das Museum liegt direkt neben dem tunesischen Parlament und gilt als streng bewacht. Die Terroristen trugen Militärkleidung und nahmen die ersten Geiseln in einem Bus vor dem Museum, wo sie bereits einige Touristen erschossen. Vom Bus aus gelangten sie ins Museum selbst, wo sie weitere Geiseln nahmen. Die tunesische Antiterroreinheit BAT stürmte das Museum  und beendete nach etwa zwei Stunden nach die Geiselnahme, wobei zwei Terroristen erschossen wurden. Bei der Operation kam ein Polizist ums Leben. Getötet wurden nach Angaben des Premierministers Habib Essid 17 ausländische Touristen und zwei Tunesier. Unter den Opfern befinden sich mindestens ein Deutscher, Pole, Spanier und Italiener. Der Premierminister gab bekannt, dass mindestens 22 Verletzte in ein nahegelegenes Krankenhaus eingeliefert worden, einige mit lebensbedrohlichen Verletzungen. Man befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer noch weiter steigen wird. Die Situation ist weiterhin nicht vollständig aufgeklärt: Es wird nach mehreren Individuen gefahndet, die angeblich ebenfalls bei dem Anschlag mitgewirkt haben, so das Britische Nachrichtenportal der Guardian.

Das Museum Bardo zeigt die weltweit größte Sammlung an Mosaike aus der Zeit der Phönizier und Römer. Es ist ein bekanntes Muster von islamistischen Terroristen, die Kulturschätze aus vor-islamischer Zeit zu zerstören. Eventuell war aber auch das ursprüngliche Ziel der Dschihadisten die benachbarte Assemblée National, das tunesische Parlament, suggeriert ein Mitglied der Ennahdha Partei auf BBC.

Der Französische Präsident Hollande hat seinem tunesischen Amtskollegen Beji Caid Essebsi sein Mitgefühl ausgesprochen. Essebsi selbst wird heute Abend eine Ansprache halten. Auf Twitter wird zu Demonstrationen gegen Islamismus in Tunis aufgerufen. Die Nachwirkungen des Anschlags sind noch nicht abzusehen, denn das Land ist finanziell stark vom Tourismus und ausländischen Investitionen abhängig.

Zum ersten Mal wurden Zivilisten in Tunesien direkt von Terroristen angegriffen. Bisher verliefen alle Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und Terroristen berichtete das Mitglied des Parlaments Sayida Ounissi.   Auf Twitter bekannte sich ISIS zu dem Anschlag und auch Federica Mogherini, Vertreterin der EU für auswärtige Angelegenheiten, macht den Islamischen Staat für den Anschlag verantwortlich. Ein offizielles Statement gibt es jedoch noch nicht. Es wird angenommen, dass etwa 4.000 Tunesier als Dschihadisten in Syrien und im Irak kämpfen. Abou Iyadh, ehem. al Qaeda, heute ISIS und bekanntester tunesischer Dschihadist, hatte die Tunesischen Kämpfer zuletzt angewiesen, nach Tunesien zurückzukehren und den Dschihad dort fortzusetzen.

Die tunesischen Sicherheitskräfte decken in der letzten Zeit nahezu täglich Waffenlager und Terrorzellen auf, zuletzt wurden heute angebliche Terroristen in einem nördlichen Stadtteil der Hauptstadt festgenommen und Waffen beschlagnahmt, berichtete Mosaique FM. Kämpfe zwischen tunesischen Streitkräften und Dschihadisten halten seit nunmehr drei Jahren an der algerischen Grenze, im Gebiet der Berges Chaambi, an. Außerdem ist die sicherheitspolitische Lage an der Grenze zu Libyen brenzlig, wo der Islamische Staat (ISIS) mittlerweile eine starke Basis aufgebaut hat. Es wird vermutet, dass sich die tunesisch-libysche Grenze, die sich größtenteils durch unbewohntes Wüstengebiet erstreckt, zum Infiltrationsraum für Terroristen und Waffen entwickelt hat.

 

 

18. März 2015, 01.22 Uhr:

Atomverhandlungen mit dem Iran - Was will Obama?

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Detlef zum Winkel

Am 3. März schaltete sich US-Präsident Obama persönlich in die laufenden Verhandlungen mit dem Iran ein. Er forderte ein (mindestens) zehnjähriges Einfrieren des Teheraner Atomprogramms: “Erst wenn Iran zustimmt, sein Programm für eine zweistellige Jahreszahl auf dem heutigen Stand zu belassen und sogar noch zurückzufahren, erst dann können wir sicher sein, dass sie keine nuklearen Waffen haben.”

Der Iran stimmt nicht zu. Postwendend antwortete Außenminister Javad Zarif, Obama habe seine Haltung „in einer unakzeptablen und bedrohlichen Weise“ geäußert. Der Iran werde sich „überzogenen und unlogischen Forderungen“ nicht beugen. Dabei war die Freeze-Idee von Zarif im letzten Sommer selber eingebracht worden, freilich nur für einen Zeitraum von drei bis höchstens sieben Jahren.

Die Schnelligkeit der Antwort sowie Zarifs blumige Redeweise geben einige Rätsel auf. Verdient der Vorschlag eines US-Präsidenten, der dem Iran weit entgegenkommt, keine eingehende Prüfung und Beratung der Teheraner Regierung? Ist es für iranische Politiker, die sich rühmen, gewiefte Unterhändler zu sein, unlogisch, wenn einer ihrer eigenen Vorschläge mit einer anderen Zeitvorstellung zurückgespiegelt wird? Welche Drohung liegt in diesem scheinbar unspektakulären Vorgang?

Kurz darauf setzte sich Netanyahu in seiner Rede vor dem US-Kongress ausführlich mit dem Freeze-Vorschlag auseinander. Er hält ihn für gefährlich, weil der Iran nach Ablauf der Frist seine nukleare Infrastruktur nach Belieben erweitern könne. Ein solcher Vorschlag mache nur Sinn, wenn man damit rechnet, dass sich das iranische Regime in den nächsten zehn Jahren grundlegend ändern werde. Aus der Sicht Israels ist das reines Wunschdenken.

Ähnlich sieht es die New York Times. Der US-Politik werde nichts anderes übrig bleiben, als zehn Jahre zu hoffen und zu beten, dass sich im Iran etwas tut. Das ist nicht gerade eine verheißungsvolle Perspektive. Obama wird im Allgemeinen nachgesagt, er wolle seine Amtszeit mit der friedlichen Lösung des Konflikts mit dem Iran krönen und sei daher zu erheblichen Zugeständnissen bereit. Auch die iranische Elite geht selbstbewusst davon aus, die amerikanische Seite sei an einem Abkommen mehr interessiert als sie selbst.

Zehn Jahre Hoffen und Beten ist eher untypisch für die US-Administration. Die Frage ist also, worauf Obama spekuliert. Think again, dann wird es einfach. Nicht zufällig hat Zarif als erster die kleine Gemeinheit verstanden. Es geht um das Staatsoberhaupt der Islamischen Republik. Unter den Ayatollahs ist Ali Khamenei mit seinen 75 Jahren ein relativ junger Mann. Doch er ist gesundheitlich angeschlagen, und seine Position erlaubt es ihm nicht, eine Spitzenklinik der Ungläubigen aufzusuchen. Er selbst sieht seine Situation kritisch; bevor er sich letztes Jahr einer Operation unterzog, berief er den Expertenrat ein, das Gremium, das den Führer wählt, um ihn auf das volle Programm der islamischen Revolution einzuschwören.

Für Khamenei stellt sich die Auseinandersetzung um ein temporäres Einfrieren des Nuklearprogramms so dar, als ob in Genf um den Zeitpunkt seines Ablebens gefeilscht wird – mit seinem eigenen Außenminister. Und als ob es schon abgemacht sei, dass danach alles anders werde.

Zarif hat sicher frühzeitig bemerkt, welche Eigendynamik in seiner ursprünlichen Idee steckt. Deshalb fand er Obamas Vorstoß bedrohlich, nicht zuletzt für sich selbst, und wollte der erste sein, der ihn zurückweist. Gewollt oder ungewollt hat ihn Obama in eine peinliche Situation gebracht.

Die Reaktion des Revolutionsführers ließ nicht lange auf sich warten. Gereizt beschwerte sich Khamenei über Tricksereien, Täuschungen, Undurchsichtigkeit, Falschheit, List und Hinterhältigkeit der USA. Seinen Außenminister schonte er einstweilen; er und sein Verhandlungsteam seien „zuverlässige und akzeptable“ Leute. Aber: „trotz der Anwesenheit dieser guten Brüder mache ich mir Sorgen, denn die Gegenseite ist listig und es ist ihre Art, List anzuwenden und hinterrücks anzugreifen.“ Worin die Heimtücke der USA besteht, verrät Khamenei leider nicht, obwohl uns das aufrichtig interessieren würde. Seine Anhänger fragen gar nicht: USA, Zionismus, Hinterhalt, das versteht sich von selbst, und doch können sie es nicht oft genug hören.

Obamas lässig verpackte Botschaft ist also angekommen. Er hat die Diskussion über die Ära nach Khamenei angefeuert und damit einen empfindlichen Nerv getroffen. Da es im Iran selber ein lebhaftes Interesse an diesem Thema gibt, wird es Khamenei schwer fallen, die Debatte zu unterdrücken.

Freilich kann auch das Weiße Haus nicht so naiv sein zu glauben, mit dem Abtritt Khameneis von der religiös-politischen Bühne werde sich Alles zum Besseren wenden. Eine Änderung des Regimes kann nur durch politische und gesellschaftliche Kräfte im Iran selbst bewirkt werden. Dafür kommen nach Lage der Dinge nur die sogenannten gemäßigten Reformkräfte um Präsident Rohani und seinen Außenminister Zarif in Frage. Auf ihnen ruhen also Obamas Hoffnungen. Er bringt sie gegen die iranischen Hardliner in Stellung, was von Khamenei natürlich durchschaut und als hinterhältiges Manöver zurückgeweisen wird.

Das Rohani-Lager steht damit unter multiplem Druck. Diese Situation sind die Reformer gewohnt. Sie begegnen ihr mit orientalischer Mehrdeutigkeit. Dem Westen präsentieren sie ein Gesicht, das Mäßigung, Öffnung und Vertrauen verspricht. Dem Mullah-Regime präsentieren sie sich als die besten, weil klügsten Vertreter der islamischen Revolution. Ihre Loyalität beweisen sie durch gnadenlose innenpolitische Repression. Die Flexibilität ist eine der Stärken des Iran. Andererseits ist sie auch der Grund dafür, weshalb der Fortschritt in einer Diktatur so mühsam ist. Auf eine Änderung des Regimes wird das iranische Volk noch lange warten müssen.

17. März 2015, 09.54 Uhr:

Halabja Tag 2015

von Thomas von der Osten-Sacken

Zum Halabja Tag schreibt Danyal auf Cosmoproletarian Solidarity:

(Und auch das Assad Regime beging den Tag standesgemäß, indem es erneut Gas zum Einsatz brachte.)

Halabja Tag 2015; Kundgebung in Ghouta Syrien

Wie der „Islamische Staat“ den Eziden die Entscheidung aufzwang: Konversion zum Islam oder Tod und Versklavung, sprach das Ba?th-Regime in den dunklen Tagen der Militäroperation „al-Anfal (1986-89), benannt nach der Koransure: „Die Beute“, ein letztes Ultimatum an die „Abtrünnigen“ in Irakisch-Kurdistan aus. Entweder fügen sie sich der irakischen Nation, mit der Konsequenz einer Zwangskasernierung unter der totalitären Kontrolle des ba?thistischen Militärs, oder sie würden aus der irakischen Nation herausfallen und als Deserteure gelten.

Der 16. März 1988 ?steht wie kein anderes Datum für die genozidale Aggression des Ba?th-Regimes. 3.200 Tote konnten namentlich identifiziert werden; weitere unzählige Menschen starben in den Folgejahren an den Nachwirkungen der Gasattacke auf Helepçe. Die ba?thistische Todesschwadrone hatte Sarin, Tabun – Produkte aus den Laboratorien der deutschen I.G. Farben in den 1930ern – und andere Gase über die Frontstadt der irakisch-iranischen Menschenschlacht abgeworfen. Über einen süßlichen Apfelgeruch, der über der ganzen Stadt lag, berichteten die Überlebenden.

Etwa 50.000 „Abtrünnige“ wurden in Folge von „al-Anfal“ hingerichtet, unzählige Weitere verschleppt. „Al-Anfal“ war keine Aufstandsbekämpfung, die an der eigenen Brutalität erblindete, sie wurde vom Ba?th-Regime als Überlebensschlacht der „arabischen Nation“ gegen die realen und halluzinierten „Abtrünnigen“ inszeniert. In der genozidalen Ermächtigung trieb das Ba?th-Regime, das sich andauernd als Objekt einer Verschwörung wähnte, die „nationale Erniedrigung“ aus. Während der achtjährigen Menschenschlacht mit dem Iran der Ayatollahs beschwor das Ba?th-Regime die irakisch-iranische Front als die „heilige arabische Ostflanke gegen die Zionisten“ (während Ayatollah Khomeini, der zumindest die geografischen Gegebenheiten hinter sich wusste, propagierte, der Pfad nach al-Quds führe über Baghdad).
Das Regime der Ba?thisten fundierte auf einer systematischen Produktion der Angst, die erzeugt wurde, um jede Illoyalität und Dissidenz niederzudrücken. So praktizierte es Amputationen und Brandmarkungen von „Kriminellen“ als Drohung an alle anderen. Im Jahr 1994 veröffentliche das Regime eine mit der 109 nummerierte Anordnung, welcher zufolge Diebe und Deserteure ein X auf die Stirn eingebrannt werden sollte. In der mit der 117 nummerierten Anordnung wurden Ärzten, die an einer kosmetischen Korrektur eines vom Regime Verstümmelten teilhaben, mit Abtrennung der Hände gedroht.

Der „Islamische Staat“ ist kein Alien im Irak, Da?esh ist die konsequente Kontinuation der ba?thistischen Despotie, die sich dem panarabistischen Schleier entledigt hat.

Weiterlesen.

16. März 2015, 23.51 Uhr:

War on Terror

von Thomas von der Osten-Sacken

Auch so kann man Terroristen bekämpfen: man streicht sie von der Terrorliste. Und schon sind sie keine Terroristen mehr.

An annual report delivered recently to the US Senate by James Clapper, the director of National Intelligence, removed Iran and Hezbollah from its list of terrorism threats, after years in which they featured in similar reports.

The unclassified version of the Worldwide Threat Assessment of the US Intelligence Communities, dated February 26, 2015 (PDF), noted Iran’s efforts to combat Sunni extremists, including those of the ultra-radical Islamic State group, who were perceived to constitute the preeminent terrorist threat to American interests worldwide.

In describing Iran’s regional role, the report noted the Islamic Republic’s “intentions to dampen sectarianism, build responsive partners, and deescalate tensions with Saudi Arabia,” but cautioned that “Iranian leaders—particularly within the security services—are pursuing policies with negative secondary consequences for regional stability and potentially for Iran.

Derweil glaubt Hussain Abdul-Hussain zu wissen, was die Obama Administration sich von ihrem “Grand Deal” mit dem Iran verspricht:

President Obama believes that any deal with Iran benefits America. If Iran becomes a US friend and ally, then its nuclear program will become a non-issue. If a deal gives Iran dominance over the region, then that would be even better. If Iran turns out to be a friend, then it will do America’s bidding. If Iran remains hostile, then expending resources to control restless Arab areas will take a toll on Iran’s power. Either way, whether Iran is friend or foe, it will fight ISIS and groups that America want to see vanquished, or so goes Obama’s thinking.

Whatever transpires from the US-Iran talks, the Assad that was the independent and powerful ruler of Syria is no more. If he stays, he will be Iran’s man. And anyway, he will be presiding over a country recued to rubble that will take many decades to stabilize and rebuild, to say nothing of projecting power in the region like it did prior to 2011.

 

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