Linke Buchtage vom 3. bis 5. Juni 2016
Missy Magazin
Kürzliche Beiträge
18. Mai 2016, 22.38 Uhr:

Russische Jihadisten

von Thomas von der Osten-Sacken

Laut Reuters hat die russische Regierung fleissig mitgeholfen, dass in Syrien auch möglichst viele ausländische Jihadisten kämpfen:

“I was in hiding, I was part of an illegal armed group, I was armed,” said Sharapudinov during an interview in a country outside Russia. Yet he says the authorities cut him a deal. “They said: ‘We want you to leave.’”

Sharapudinov agreed to go. A few months later, he was given a new passport in a new name, and a one-way plane ticket to Istanbul. Shortly after arriving in Turkey, he crossed into Syria and joined an Islamist group that would later pledge allegiance to radical Sunni group Islamic State.

Reuters has identified five other Russian radicals who, relatives and local officials say, also left Russia with direct or indirect help from the authorities and ended up in Syria. The departures followed a pattern, said Sharapudinov, relatives of the Islamists and former and acting officials: Moscow wanted to eradicate the risk of domestic terror attacks, so intelligence and police officials turned a blind eye to Islamic militants leaving the country. Some sources say officials even encouraged militants to leave. (…)

“I was in hiding, I was part of an illegal armed group, I was armed,” said Sharapudinov during an interview in a country outside Russia. Yet he says the authorities cut him a deal. “They said: ‘We want you to leave.’”

Sharapudinov agreed to go. A few months later, he was given a new passport in a new name, and a one-way plane ticket to Istanbul. Shortly after arriving in Turkey, he crossed into Syria and joined an Islamist group that would later pledge allegiance to radical Sunni group Islamic State.

Reuters has identified five other Russian radicals who, relatives and local officials say, also left Russia with direct or indirect help from the authorities and ended up in Syria. The departures followed a pattern, said Sharapudinov, relatives of the Islamists and former and acting officials: Moscow wanted to eradicate the risk of domestic terror attacks, so intelligence and police officials turned a blind eye to Islamic militants leaving the country. Some sources say officials even encouraged militants to leave.

18. Mai 2016, 22.36 Uhr:

Aleppo eingeschlossen

von Thomas von der Osten-Sacken

In Wien wird verhandelt, in Aleppo dagegen werden Fakten geschaffen:

Eine Koalition aus Assad-Truppen, iranischen Spezialeinheiten, der russischen Luftwaffe und der kurdischen „Volksverteidigungseinheit“ YPG bombardieren seit Montag den letzten Zugang Aleppos so stark, dass dieser nicht mehr passierbar ist. Gleichzeitig versuchen Assads Milizen auch die Landverbindung zwischen Aleppo und seinem Umland zu besetzen. (…)

Nach Angaben von Doktor Abdulaziz sei die Stadt nun komplett abgeschlossen. Jeder, der seit gestern versucht habe zu fliehen, sei getötet oder verletzt worden. „Die letzte Straße war so wichtig für so viele Menschen,“ sagte Doktor Abdulaziz. Nun kommen weder Benzin noch humanitäre Hilfsgüter mehr in die Stadt.

17. Mai 2016, 12.03 Uhr:

Sykes-Picot-Komplex

von Thomas von der Osten-Sacken

100 Jahre Sykes-Picot und deshalb unzählige Artikel, warum Franzosen und Briten eigentlich die Hauptschuldigen an der ganzen Misere im Nahen Osten seien.

Warum es nicht ganz so einfach ist, erklärt Daniel Gerlach:

Die Grenzen des Nahen Ostens „wie wir ihn kennen“ sind eben nicht allein das Resultat von Sykes-Picot. Man könnte sogar lang darüber diskutieren, wie nachhaltig Letzteres die politische Geografie der Region überhaupt prägte. Weil das Osmanische Reich nach dem Ersten Weltkrieg unterging, haben viele vergessen, wie sehr osmanische Verwaltung und Bevölkerungspolitik den Nahen Osten gestaltete. Die Wilayate und Sandschaks, wie die Provinzen und Distrikte der Osmanen hießen, gibt es zwar heute nicht mehr, aber auch sie haben regionale und historische Identitäten geprägt. Viel schwerwiegender ist allemal das Erbe des Konfessionalismus, den die europäischen Kolonialmächte gewiss nicht erfunden haben, auch wenn sie ihn manchmal machtpolitisch für sich nutzten. Dieser Konfessionalismus verband sich einerseits mit der islamischen Herrschaftsideologie der Osmanen, diente aber auch verwaltungsökonomischen Interessen. Seine Spuren sind ohne Zweifel tiefer als die von Sykes-Picot. (…)

Was der Wille der Bevölkerung, was „nationale Selbstbestimmung“ ist, ließ sich im frühen 20. Jahrhundert wohl noch weniger klar bestimmen als in heutiger Zeit. Und man muss kein Apologet des Kolonialismus oder Revisionist sein, um festzustellen, dass die Begriffe von Souveränität und Selbstbestimmung – insbesondere in der Nahost-Region – heute so schal und abgestanden sind, weil sie vor allem despotischen Regimen als Legitimationsmaschinen dienen.

Was heute Staaten im Nahen Osten sind (und was keine), wird sich in Zukunft nicht daran entscheiden, welche Grenzen auf den Landkarten gezogen werden, sondern daran, was Regierende bereit sind, für ihre „Staatsbürger“ zu tun. Die Idee eines souveränen Staates hat nur dann einen Wert, wenn sie mit Inhalten gefüllt wird und nicht bloß in Widerstandsrhetorik schwelgt. Und wenn ein Staat sich das Recht herausnehmen will, einer zu sein, soll er zeigen, dass er dessen würdig ist.

16. Mai 2016, 15.56 Uhr:

Flüchtlingslager: Nährboden für Radikalisierung

von Thomas von der Osten-Sacken

Über 18 Millionen Menschen sind seit 2010 im Nahen Osten zu Flüchtlingen und Binnevertriebenen geworden. Eine Katastrophe, wie die Welt sie seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht gesehen hat. Ihr Leben ist nicht nur perspektivlos und entbehrungsreich, die Geschichte hat auch gezeigt: Kaum ein Ort ist so ein fruchtbarer Boden für Radikalisierungen wie Flüchtlingslager.

Anfang Mai veröffentlichte das Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) eine neue, erschreckende Studie, der zufolge inzwischen im Nahen Osten 12,5 Millionen Menschen internally disclaced (IDPs) seien. Rechnet man diese Binnenvertriebenen zu den fast fünf Millionen von der UN  registrierten Flüchtlingen hinzu, so sind in der Region inzwischen fast 18 Millionen Menschen geflüchtet, von denen die überwältigende Mehrheit schlecht versorgt in Lagern lebt oder bei Verwandten untergekommen ist. Und diese Zahlen beziehen sich lediglich auf die Jahre nach 2010. Nicht einbezogen sind also all jene, die in den Jahren und Jahrzenten zuvor zu Flüchtlingen wurden und etwa wie die Millionen Palästinenser auf diesen Status festgeschrieben wurden, sodass sie heute, teils schon in vierter Generation, als von den Vereinten Nationen (UNRWA) betreute Flüchtlinge im Libanon, in Syrien, Jordanien oder der Westbank und dem Gazastreifen leben.

Inzwischen spricht Amnesty International angesichts der Katastrophen in Syrien und dem Irak von der größten Flüchtlingskatastrophe seit den 1940er Jahren: Noch nie in der jüngeren Geschichte waren so viele Menschen auf der Flucht, während zugleich immer weniger Gelder zu ihrer Versorgung zur Verfügung stehen, und sich die EU systematisch beginnt abzuschotten, auch wenn nur ein Bruchteil aller Geflüchteten überhaupt nach Europa kommt. In der Region wachsen derweil die Lager, alleine mehrere hunderttausend Menschen leben im Zaatari Camp in Jordanien, das längst zu einem Symbol der syrischen Tragödie geworden ist.

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14. Mai 2016, 11.25 Uhr:

Iranbusiness – Einspruch der Banken

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Während Obamas Redenschreiber die härtesten Anwürfe politischer Gegner bestätigt hat, die ganze Mittelostpolitik der US-Administration drehe sich nur darum, der Islamischen Republik entgegenzukommen, hat John Kerry nach persönlichen Beschwerden des religiösen Führers die Aufgabe übernommen, zögernde europäische Banken vom Iran-Business zu überzeugen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat dieselbe Aufgabe für Deutschland übernommen.

Stuart Levey, Ex-Antiterrorismusexperte des US-Finanzministeriums und jetziger Rechtsberater der britischen HSBC-Bank, zeigt sich dagegen zutiefst befremdet über die seiner Meinung nach geschäftsschädigenden Ratschläge westlicher Regierungen:

“No one has claimed that Iran has ceased to engage in much of the same conduct for which it was sanctioned, including actively supporting terrorism and building and testing ballistic missiles. But now Washington is pushing non-U.S. banks to do what it is still illegal for American banks to do.

This is a very odd position for the U.S. government to be taking.

On the one hand, Washington is continuing to prohibit American banks and companies from doing Iran-related business. In February, FATF reaffirmed its prior concerns about the “serious threat” Iran poses to the international financial system, urging countries to apply effective countermeasures. The U.S. Treasury Department’s designation of Iran, including its central bank and financial institutions, as a primary money-laundering concern also still stands. As part of that designation, Treasury determined that “the international financial system [is] increasingly vulnerable to the risk that otherwise responsible financial institutions will unwittingly participate in Iran’s illicit activities.”

On the other hand, Mr. Kerry wants non-U.S. banks to do business with Iran without a U.S. repudiation of its prior statements about the associated financial-crime risks. There are no assurances as to how such activity would subsequently be viewed by U.S. regulatory and law-enforcement authorities, which might seek to take enforcement action against banks that enter the Iranian market and run afoul of complicated U.S. restrictions. The State Department neither controls nor plays any meaningful role in the enforcement decisions of these authorities.

Washington has warned repeatedly that the Islamic Revolutionary Guard Corps controls broad swaths of the Iranian economy. The IRGC remains sanctioned by both the U.S. and the EU because of the central role it plays in Iran’s illicit conduct. When the U.S., EU, and U.N. removed sanctions from several hundred Iranian banks and companies, there were no assurances that the conduct of those banks and companies had changed.

This will present a challenge for European banks. HSBC is endeavoring to implement consistent and high standards across its global operations, designed to combat financial crime and prevent abuse by illicit actors. We have more work to do, but achieving that objective is one of our highest priorities. This approach is rightly expected by our regulators, including in the U.K. and the U.S.

Our decisions will be driven by the financial-crime risks and the underlying conduct. For these reasons, HSBC has no intention of doing any new business involving Iran. Governments can lift sanctions, but the private sector is still responsible for managing its own risk and no doubt will be held accountable if it falls short.”

13. Mai 2016, 23.42 Uhr:

Mehr Kinderehen

von Thomas von der Osten-Sacken

Folgen des Flüchtlingselends:

Immer mehr Kinder werden in Flüchtlingsunterkünften zwangsverheiratet. Vor allem bei minderjährigen Mädchen aus Syrien stieg die Anzahl der Kinderehen stark an, teilte die Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit mit.

Vor dem Krieg in Syrien seien bei 13 Prozent aller Hochzeiten einer oder beide Ehepartner jünger als 18 Jahre gewesen. Nun seien es über 51 Prozent. Vor allen in Flüchtlingscamps in Jordanien, im Libanon, im Irak und der Türkei habe sich die Zahl der Zwangsehen erhöht.

Dabei handelten die Eltern oft im besten Glauben, sagt Alia Al-Dalli, die Leiterin der SOS-Kinderdörfer im Nahen Osten: “Eine Ehe soll ihren Töchtern in der unsicheren und instabilen Fluchtsituation helfen, sie finanziell, aber auch körperlich abzusichern und ihre Ehre zu bewahren. Häufig wird auch eine Mitgift an die Eltern gezahlt, um eine Heiratserlaubnis zu erhalten. Deshalb ist Armut leider ein häufiger Beweggrund für syrische Eltern, ihre Töchter zu verheiraten.”

12. Mai 2016, 23.49 Uhr:

Antisemitismus in syrischen Schulbüchern

von Thomas von der Osten-Sacken

Ruben Gischler über syrische Schulbücher:

Kurz zusammengefasst, ist der Zionismus den syrischen Schulbüchern zufolge noch schlimmer als der Nationalsozialismus, weil die Juden den Holocaust übertrieben, zugleich die Methoden Hitlers in Palästina perfektionierten. Zudem hätten die Nazis ja einen Grund gehabt, weil die Juden in Deutschland nicht loyal gewesen seien. Das freilich könne nicht verwundern, denn darunter habe auch der Prophet Mohammed gelitten. Solches lernt die syrische Jugend aus Lehrbüchern der Baath-Ideologie mit Titeln wie al-tarbija al-qawmiyya ishtirakiyya, was wörtlich »natio- nalsozialistische Erziehung« bedeutet.

Ein großer Teil des Judenhasses wird im obligatorischen Islamunterricht vermittelt. Darin steckt indes die ganze Schizophrenie des dem Namen nach säkularen Baath-Regimes. Der fanatische arabische Nationalismus der Baath-Partei diente der Familie Assad und der alawitischen Minderheit vor allem als Vehikel zum Machterhalt. Der Preis dafür war hoch: Genau wie Riad Sattouf in seinem Dorf mussten Assad und seine alawitische Gemeinschaft zeigen, dass sie islamischer als islamisch sind. (…)

Der Kampf gegen Juden und Israel ist gemäß der Lehrbücher Dschihad – und damit eine heilige Pflicht für alle Syrer und Muslime. In Arbeitsaufgaben sollen Kinder die Übereinkünfte zwischen den jüdischen Feinden des Propheten Mohammed und den Zionisten benennen. In der vierten Klasse des weiterführenden Unterrichts lernen sie im Islamunterricht: »Das Recht wird erst siegen, wenn die kriminellen Absichten der Juden gegen sie selbst gerichtet und sie eliminiert werden.«

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