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Kürzliche Beiträge
28. Oktober 2016, 22.00 Uhr:

Tote Palästinenser

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein weiterer getöteter Palästinenser, nur von Assads Truppen getötet, und deshalb nicht nutzbar für einen Aufschrei über die Brutalität Israels. Khlaed al-Khaldi versuchte nämlich nur, seinen Landsleuten zu helfen, die seit über drei Jahren unter einer Hungeblockade leiden:

Syrian regime troops killed the humanitarian activist Khaled al-Khaldi, one of Palestine Charity Foundation. Al-Khaldi was on his way to bring an amount of bread to the besieged civilians inside Khan Eshieh Camp for Palestinian refugees when regime forces’ heavy machineguns shot him to death.

Khan Eshieh Camp in rural Damascus has being under heavy siege imposed by Assad forces for 3 years amid acute shortage in food, medicine, fuel and basic services. 12,000 civilians including 3,000 children are stuck at the camp under constant aerial and land shelling by both Syrian and Russian regimes which has caused the death and injury of hundreds of civilians in addition to heavy devastation to houses, properties, health facilities and infrastructure.

28. Oktober 2016, 18.39 Uhr:

Wein, Liebe und Alkoholverbote im Irak

von Thomas von der Osten-Sacken

Ho! a cup, and fill it up, and tell me it is wine,
For never will I drink in shade if I can drink in shine.
Curst and poor is every hour that sober I must go,
But rich am I whene’er well drunk I stagger to and fro.
Speak, for shame, the loved one’s name, let vain disguises fall;
Good for naught are pleasures hid behind a curtain-wall.

„Love and Wine“ von Abu Nuwas (756–814)

Mit der Mehrheit der Stimmen schiitischer Parteien verabschiedete das irakische Parlament kürzlich ein Gesetz, das fortan Produktion und Vertrieb alkoholischer Getränke unter Strafe stellen wird. Kein Alkohol mehr im Irak? Das wird natürlich niemals funktionieren, im ganzen Nahen Osten sind Irakis als schwere Trinker bekannt, in den Straßen Bagdads oder Basras habe ich in den frühen 90er Jahren so manche Alkoholleiche auf der Straße schnarchen gesehen und eine klassische irakische Einladung zum Abendessen bestand darin, dass man die ersten vier Stunden auf nüchternen Magen soff und soff und dann gegen Mitternacht erst mengenweise Essen serviert wurde. Irak ohne Alkohol geht nicht. Alkohol und Valium waren auch die wenigen Möglichkeiten, die den Menschen unter Saddam Hussein blieben, der ganzen Malaise wenigstens für ein paar Stunden zu entfliehen.

iraq-alcohol

Kein Wunder also, dass die kurdische Autonomieregion umgehend erklärte, für sie gelte dieses Verbot nicht und das irakische Parlament möge sich doch bitte um dringendere Angelegenheiten kümmern.

Aber geht es wirklich um die Durchsetzung hehrer islamischer Werte ganz nach dem Vorbild der Islamischen Republik Iran, die bei diesem Gesetz ganz sicher Pate gestanden hat? Zeigt das Gesetz nur die weiter voranschreitende Islamisierung der irakischen Gesellschaft? Ein irakischer Parlamentarier jedenfalls meldet da Zweifel an:

An Iraqi MP revealed the reasons behind banning alcohol in Iraq, saying that opium poppy plant is being grown in the southern Iraq and the Shi’ite factions have prohibited alcohol in order to increase trading with the drugs made from the opium poppy.

In a press conference in the Iraqi parliament building on Wednesday, Faiq al-Sheikh Ali, the Iraqi MP and leader of People’s Party, revealed that there are a large number of gambling dens and brothels in Iraq which are run  and protected by the Shi’ite militias. He noted that the militias of the Shi’ite factions earn $2 million daily from this business, using it for purchasing weapons and funding their election campaigns.

Ali claimed that the Islamic Shi’ite factions who are attaining a large amount of money from those illegal and immoral sources are the ones who have created such a choatic situation in Iraq, and now ‚these factions are banning alcohol because they are growing opium poppy in the south of Iraq and importing drugs from Iran.‘

Ganz Unrecht hat der Mann sicher nicht. In kaum einem anderen Land der Welt wird so viel Opium konsumiert wie im Iran, ja die Regierung in Teheran muss inzwischen offen zugeben, dass sie mit einem gewaltigen Drogenproblem zu kämpfen hat. Unzählige Razzien, eine wachsende Zahl von Exekutionen – nichts hilft. Was dem Iraki der Arrak war und ist, um die unerträgliche Lage in seinem Land wenigstens für ein paar Stunden zu vergessen, ist dem Iraner das Opium. Über sechs Millionen Iraner sollen inzwischen schwerst abhängig sein.

Weiterlesen.

26. Oktober 2016, 20.59 Uhr:

Lehren aus der Geschichte

von Thomas von der Osten-Sacken

Einmal mehr bringt es Julian Reichelt in Bild.de auf den Punkt, den ja, was die Deutschen, die heute so gerne das Gegenteil behaupten, der Welt zwischen 1939 und 1945 gezeigt haben, ist, dass es in der Tat Schlimmeres gibt als den Krieg und Krieg manchmal der einzige Weg ist dieses Schlimmere zu beenden. Und anderswo liest man heutzutage so etwas ja in der Regel nicht, außer eben im vom Springerkonzern herausgegebenen Medien:

Der derzeit beliebteste und erfolgreichste Satz der staatlich russischen Propaganda lautet: „Es gibt nicht gute und böse Bomben.“ Gemeint ist damit, dass die Bomben der US-geführten Koalition auf die ISIS-Hochburg Mossul kein bisschen besser sind als die russischen Bomben, die seit Monaten auf Aleppo regnen.

Verbreitet wird der Satz nicht nur von den Propaganda-Organen Sputnik und Russia Today, sondern auch von Journalisten, die in Deutschland in unterschiedlichen Kreisen hohes Ansehen genießen: Publizist Jürgen Todenhöfer, Verlegererbe Jakob Augstein, „Handelsblatt“-Chef Gabor Steingart.

Das ändert allerdings nichts daran, dass dieser Satz dumm, falsch, zynisch und gefährlich ist. In Deutschland verfängt dieser Satz besonders gut, weil er alle Kriege, die schlimmsten und die ehrenwertesten, gleichsetzt und scheinbar moralische Entlastung schafft für jene, die den schlimmsten Krieg der Weltgeschichte angezettelt haben. In Deutschland gibt es viele, die den Luftangriff auf Dresden gern gleichsetzen mit deutschen Kriegsverbrechen. Genau auf diese Klientel zielt dieser Satz ab. Man kann ihm – wie allen übel-brillanten Propaganda-Machwerken – nicht klar und entschieden genug entgegentreten.

Quelle: http://www.bild.de/politik/ausland/mossul/es-gibt-gute-und-boese-bomben-48465954.bild.html

24. Oktober 2016, 21.07 Uhr:

Nach Mosul

von Thomas von der Osten-Sacken

Der Kampf um Mosul ist in vollem Gange. Trotz aller Warnungen, eine Offesnive so kurz vor Winteranfang könne zu einer humanitären Katastrophe mit bis zu einer Million Flüchtlingen führen, gaben US-Administration und irakische Regierung grünes Licht für die Offensive.

Und während kurdische Peshmerga Einheiten die ihnen zugewiesenen Gebiete westlich von der nordirakischen Stadt schon erobert haben, verteidigt sich der Islamische Staat erbittert gegen die irakische Armee. Dutzende Selbstmordbomber sptengen sich täglich in die Luft, die Verluste sind hoch. Und dann ist da noch die Türkei und der Iran und die schiitischen Milizen, die für ihn kämpfen. Denn außer Obama glaubt wohl niemand, dass es wirklich nur darum ginge, das Terrorregime des IS im Irak zu beenden. Längst bereiten sich alle Seiten also auf die absehbar folgenden Kämpfe und Konflikte vor.

Denn in Mosul, da wollen sie alle etwas zu sagen haben und keiner wird bereit sein, auf seine Ansprüche zu verzichten. Das richtige Hauen und Stechen also wird erst noch beginnen, wenn nach langen und blutigen Gefechten der IS besiegt sein wird. Außer es geht schon vorher los. Und es kann jeden Tag losgehen.

Dazu schreibt der Guardian:

The risk that military operations to expel Islamic State terrorists from Mosul in northern Iraq could morph into a new frontline in the wider conflict between the Sunni and Shia branches of Islam has intensified with Turkey’s disputed entry into the fray.

Binali Yild?rim, Turkey’s prime minister, confirmed reports that Turkish troops based in the contested Bashiqa area outside Mosul were firing on Isis positions with artillery, tanks and howitzers. Y?ld?r?m said the bombardment followed a request from Kurdish peshmerga forces. (…)

According to Hasan Koni, a regional analyst speaking to the newspaper Hurriyet, Ankara wants to increase its leverage as it contemplates the regional endgame, once Isis is vanquished and the struggle to depose Syria’s Alawite president, Bashar al-Assad, is resolved, one way or the other.

“There is a perception that the Middle East is being redesigned and that Iraq and Syria’s territorial integrity and unity will be compromised. With Russia supporting Syria and Iran having become so involved in Iraq, there is a feeling of ‘how can we benefit from the situation. Can we get a share?’” Koni said

16. Oktober 2016, 10.50 Uhr:

Apokalypse bleibt vorerst aus

von Thomas von der Osten-Sacken

Dabiq! Ein magischer Ort für den islamischen Staat. So nannte er auch sein Hochglanzmagazin, dass in vielen Sprachen erscheint. In Dabiq, da sollte sich das Schicksal der Welt entscheiden.

Denn, so erklärt selbst Wikepedia:

Dabiq ist auch der Name einer nordsyrischen Stadt. Nach der islamischen Eschatologie ist dies der Ort, wo die muslimischen Armeen am Ende der Zeit auf ihre Feinde treffen werden. In verschiedenen Ausgaben wird vorhergesagt, dass die Armeen des IS die der „Kreuzzügler“ bei Dabiq bekämpfen werden.

Gestern begannen syrische Rebellen mit türkischer Luftuntersützung - nicht etwa Truppen Assads oder der Russen oder andere große Terrorbekämpfer, die in Wirklichkeit lieber Krankenhäuser in Aleppo in Schutt und Asche legen - ihre Offensive aus Dabiq. Ein paar rebellen der FSA wohlgemerkt, kein moderners Kreuzzüglerheer!

Und etwas erwartungsvoll titelte dann auch Oe24: ISIS: “Apokalyptische Schlacht” um Dabiq beginnt

Die Apokalypse dauerte ein paar Stunden, Dabiq ist inzwischen befreit, Photos wie dieses machen die Runde:

Schön, dass die Apokalypse also vorerst ausgeblieben ist. Und nein, wir googeln jetzt nicht nach Artikeln aus dem Jahren 2014 und 2015, wie unschlagbar stark der IS doch sei, eigentlich unaufhaltsam und nein, wir machen uns jetzt auch nicht über deutsche Friedensbewegte lustig, die zu Diskussionveranstaltungen luden, in denen die These vorgestellt wurde, dass nur Gespräche und Verhandlungen mit dem IS etwas bringen, Gewalt keine Lösung sei.

Stattddessen hoffen wird, dass dieser Alptraum der sich IS nennt, bald ein Ende hat und im Nahen Osten nicht vom nächsten Alptraum abgelöst wird und dass der IS Dabiq nicht noch einmal zurückerobert.

Apropos: Das neue Magazin des IS heißt jetzt Rumiyah (Rom). Einfach die Ansprüche hochsetzen.

14. Oktober 2016, 12.10 Uhr:

Iran: Drohende Exekution

von Thomas von der Osten-Sacken

Aus der Islamischen Republik:

Human rights activists say a 22-year-old woman whose execution was delayed while she was pregnant could be hanged within days in Iran.

Zeinab Sekaanvand was convicted of killing her husband, whom she says beat her for months.

Her execution was postponed after she remarried in prison and conceived a child.

Last month she gave birth to a stillborn baby, putting her at risk of death by hanging as soon as 13 October.

Doctors said the young woman’s baby died in her womb two days before she gave birth as a result of the shock she suffered after her friend and cellmate was executed.

13. Oktober 2016, 13.31 Uhr:

Keine religiöse Zugehörigkeit mehr

von Thomas von der Osten-Sacken

Eine erfreuliche Nachricht aus Ägypten:

Students and both academic and administrative staff at Cairo University, one of Egypt’s top universities, will no longer be required to disclose their religious identity on any paperwork.

According to Cairo University’s President Gaber Nassar, the move is aimed at eliminating any potential discrimination arising from the disclosure of religious identity.

Speaking to Al-Nahar Al-Youm, an Egyptian television channel, Nassar said that there was no university law that required disclosure of religion and therefore the decision was made to abolish the practice in all departments at Cairo University.

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