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Kürzliche Beiträge
4. Juli 2016, 13.50 Uhr:

Proteste in Isfahan: 'Raus aus Syrien'

von Thomas von der Osten-Sacken

In Isfahan begingen Demonstranten den staatlich verordenten Al Quds Tag in einer Weise, die dem Regime so gar nicht gefallen dürfte.

Sie protestierten nämlich nicht etwa gegen das “zionistische Krebsgeschwür” wie sie sollten, sondern gegen die iranische Truppenpräsenz in Syrien und riefen: “Verlasst Syrien! Denkt an uns Iraner!

Esist nicht das erste Mal, dass ein Al Quda Tag so ganz anders verläuft, als von dem Regime in Teheran geplant. 2009, bei den Massenprotesten im Iran schrien tausende Demonstranten die Parolen des Regimes nieder.

4. Juli 2016, 12.07 Uhr:

Das Ende eines Traums

von Thomas von der Osten-Sacken

Es war Adels Traum, Tänzer zu werden. Und dieser Traum erfüllte sich im April 2016, als er das erste Mal öffentlich in Jordanien auftreten konnte. Männer, die tanzen und Musik lieben, sind Islamisten aller Couleur natürlich ein Dorn im Auge, so wie die ganze Mall in Baghdad, in der sich vorgestern einer der blutigsten Anschläge in der jüngeren irakischen Geschichte ereignete.

Der Ramadan ist zu Ende, die Menschen in Feierlaune und gerade Baghdadis sind bekannt, gerne und viel zu feiern. Also ging man aus, mit der Familie oder mit Freunden, um sich ein wenig des Lebens zu erfreuen. Das alles wussten die, die kamen, um sich in die Luft zu sprengen. Unter den über 200 Toten des barbarischen Anschlages ist auch Adel, üben dessen Traum die BBC erst im April berichtet hatte.

3. Juli 2016, 21.20 Uhr:

Antisemitische Propaganda auf dem Berliner Al-Quds-Tag

von Thomas von der Osten-Sacken

Auch in diesem Jahr sind am sogenannten Al-Quds-Tag 800 Israelfeinde in Berlin auf die Strasse gegangen, um gegen das Existenzrecht Israels zu demonstrieren. Zuvor kündigte die Polizei strengere Auflagen für die Demonstration an. An israelsolidarischen Gegenkundgebungen eines bürgerlichen und eines antifaschistischen Bündnisses beteiligten sich mindestens 600 Menschen.

Gastbeitrag von Frederik Schindler, Audiatur Online

„Die Zionisten kreieren hinter den Kulissen Konflikte und Kriege in den muslimischen Ländern, um ihre Verbrechen gegen die Palästinenser vergessen zu lassen“, behauptete der iranische Staatspräsident Hassan Rouhani vor wenigen Tagen während einer Kabinettssitzung in Teheran. Das Hauptziel der Aufruhre in diesen Ländern sei die „Ablenkung von der zionistischen Besatzung“, so Rouhani in seinem Aufruf zur Teilnahme am diesjährigen Al-Quds-Tag. Dieser wird im Iran seit der Islamischen Revolution 1979 jährlich als Feiertag zur „Befreiung Jerusalems“ begangen, dabei finden staatlich organisierte Demonstrationen gegen Israel statt. Seit mittlerweile 20 Jahren demonstrieren auch in Berlin jährlich Anhänger des iranischen Regimes und der Hisbollah gegen den jüdischen Staat. In den vergangenen Jahren wurde dabei meist offen zur Vernichtung Israels aufgerufen.

Vor zwei Jahren war es am Rande der Demonstration beispielsweise zu „Israel vergasen“-Rufen gekommen, Menschen mit Israelfahnen wurden angegriffen, 2015 rief ein Redner „Tod Israel, Tod Amerika“. In diesem Jahr riefen die Veranstalter die Demonstranten in Berlin explizit dazu auf, antisemitische Parolen zu unterlassen, um einen Abbruch der Kundgebung zu verhindern. Dennoch wurde in Sprechchören die jahrhundertealte antisemitische Legende von kindermordenden Juden aufgewärmt. Immer wieder wurde „Kindermörder Israel“ gerufen. Weitere angestimmte Parolen lauteten zum Beispiel „Zionismus ist Faschismus“, „Palästina bis zum Sieg“, „Zionisten sind Rassisten – töten Kinder und Zivilisten“ und „Unsere Stimme bleibt nicht stumm – Israel bringt Menschen um“. Auch auf Plakaten wurden antisemitische Propagandalügen verbreitet. „Alle drei Tage tötet Israel ein Kind in Palästina“ oder „700 palästinensische Kinder sperrt Israel jedes Jahr ins Gefängnis“ hiess es etwa dort. Andere Schilder trugen die Aufschriften „Israelische Produkte – Nein danke“ und „Israel ist die grösste Bedrohung für den Weltfrieden“. Der vordere Block bestand nur aus Männern, im hinteren Block demonstrierten auch Frauen und Kinder. Drei Mitglieder der ultraorthodoxen antizionistischen Sekte „Neturei Karta“ bildeten die erste Reihe. Die Demonstranten trugen vor allem palästinensische Flaggen, auch Iran-Fahnen und trotz Verbot einzelne Hisbollah-Fahnen wurden gezeigt. Immer wieder drückten israelsolidarische Kleingruppen am Rande der Demonstration ihren Protest aus, diese wurden von der Polizei zurückgedrängt. Die Demonstranten trafen auf der Route zudem auf exil-iranische und kurdische Gegendemonstranten. Als sich ein Mann mit den Rufen „Lang lebe Israel“ näherte, wurde er sofort von der Polizei abgedrängt und von der Menge ausgebuht.

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1. Juli 2016, 11.07 Uhr:

Worüber beim britischen Referendum nicht abgestimmt wurde

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

„Wäre ich Parlamentsmitglied für Qom Süd, dann hätte ich das Gefühl, dass es meine patriotische Pflicht sei, mein Land so schnell wie möglich mit der größten, glänzendsten, spitzesten und explosivsten thermonuklearen Waffe auf dem Markt auszurüsten.“ Der so bereits vor zehn Jahren von der iranischen Bombe schwärmte, ist kein Islamist oder rechtsradikaler Spinner, sondern Boris Johnson, Ex-Bürgermeister von London und der prominenteste Führer der Brexit-Kampagne, der auch einschlägige Freunde hat. Seine Bewunderung für Assad und Putin teilt er mit Nigel Farage, dem anderen talking head der Kampagne. Und natürlich mit dem Antiimperialisten George Galloway, der im Interview mit Farage im russischen Staatsfernsehen die Zuschauer enttäuschte, die nur Einigkeit, aber keinen „links-rechts-Schlagabtausch“ sahen.

Den links-rechts Schlagabtausch kann es auch mit dem Noch-Labour-Führer Jeremy Corbyn nicht geben, der eigentlich die Anti-Brexit-Opposition anführen sollte. Bezüglich des Middle East herrscht jedenfalls weitgehend Einigkeit, vielleicht mit der individuellen Note, dass Corbyn im iranischen Staatsfernsehen auch noch Bin Ladens Tod als „Tragödie“ bezeichnete, bevor sich die Islamische Republik als vermeintlicher Kämpfer gegen sunnitischen Djihadismus erfand.

Und auch das Objekt des Streits, das Europäische Parlament, lässt in Bezug auf Sympathien keine Zweifel aufkommen: Dort jubelte man kürzlich dem palästinensischen Präsidenten Abbas zu, nachdem er die antisemitische Lüge verbreitet hatte, israelische Rabbis würden zur Brunnenvergiftung aufrufen. In Deutschland sind die skandalösen Ergebnisse der Iranpolitik Alltagsereignisse.

Was auch immer im Streit um die Brexit-Kampagne ausgetragen wurde – ein Dissens über den Umgang mit Islamismus und Antisemitismus in Europa war es nicht. Diese Auseinandersetzung findet man dagegen z.B. in einem Aufruf aus Frankreich, der zum Widerstand gegen islamistische Zensur aufruft. Diesen haben nicht umsonst viele Intellektuelle unterzeichnet, die islamistischen Terror aus der Erfahrung eigener Verfolgung kennen. In einer zentralen Passage heißt es:

„Es war am 14. Februar 1989, nach der Veröffentlichung von Salman Rushdies Roman ‚Die satanischen Verse‘, als der Frontalangriff gegen die Meinungsfreiheit eine der furchteinflößendsten Wendungen annahm, indem er sich auf die europäische Szenerie verlagerte. Ayatollah Khomeini forderte alle Muslime auf, den der Gotteslästerung beschuldigten britisch-indischen Romancier zu töten. Seitdem besteht die Strategie der Islamisten darin, mit allen Mitteln ihre Gegner zu beseitigen. Es ist in diesem Zusammenhang, in dem man das Todesurteil gegen Taslima Nasreen (1993), den Mord an Theo van Gogh (2004), die Anschlagsversuche gegen den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard (2005) und das Massaker an Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 situieren muss.“

(Erstveröffentlicht auf Mena-Watch)

30. Juni 2016, 17.43 Uhr:

Ein Gesicht geben

von Thomas von der Osten-Sacken

In der Welt gibt Deniz Yücel den Opfern des Terroranschlages auf dem Atatürk Flughafen ein Gesicht.

Auch der 32-jährige Yusuf Haznedaroglu arbeitete – so wie insgesamt neun der Todesopfer – für die Bodenpersonalfirma Turkish Ground Services. In zehn Tagen wollte er heiraten.

Der 51-jährige Mustafa Biyikli ist einer von fünf Taxifahrern, die dem Anschlag zum Opfer fielen. Er stand mit seinem Auto in der Warteschlange, als sich einer der drei Selbstmordattentäter vor der Tür in die Luft sprengte. Biyikli erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Aus beruflichen Gründen am Flughafen war auch der Übersetzer Ertan An, der eine Gruppe ausländischer Touristen vom Flughafen abholen wollte. Er stammte aus dem kurdisch-alevitischen Tunceli und hinterlässt ein Kind und eine schwangere Ehefrau.

30. Juni 2016, 17.09 Uhr:

Fatah gratuliert Terroristen

von Thomas von der Osten-Sacken

Vor wenigen Tagen gab es im Europaparlament noch stehende Ovationen für  den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas, der zugleich auch Vorsitzenden der Fatah ist.

Gestern nacht wurde bei Hebron ein 13 Jähriges jüdisches Mädchen im Schlaf erstochen.

Dem Täter gratulierte keineswegs nur die Hamas:

Fatah’s official Facebook page immediately posted his picture, declaring him a Martyr - “Shahid,” the highest honor achievable in Islam according to the Palestinian Authority.

WAFA, the official PA news agency, likewise honored the terrorist, referring to him as a Martyr - “Shahid.”

According to Palestinian Authority law, the family of today’s murderer will immediately start receiving a monthly PA stipend that the PA pays to the families of all the “Martyrs.”

The mother of the terrorist told a local Hebron news network that her son was “a hero” who made her “proud”:

Mother of terrorist Muhammad Taraireh: “My son is a hero. He made me proud. My son died as a Martyr defending Jerusalem and the Al-Aqsa Mosque. Praise be to Allah, Lord of the Worlds, he [my son] has joined the Martyrs before him, and he is not better than them. Allah willing, all of them will follow this path, all the youth of Palestine. Allah be praised.”

28. Juni 2016, 00.22 Uhr:

Applaus für antisemitische Hetze im EU-Parlament

von Thomas von der Osten-Sacken

Von Florian Markl, Mena Watch

In seiner gestrigen Rede vor dem EU-Parlament verbreitete Mahmud Abbas, der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde, die alte Hass-Propagandalüge vom Brunnen vergiftenden Juden. Die Abgeordneten hatten daran offenbar nichts auszusetzen: 71 Jahre nach dem Ende des Holocaust erhielt antisemitische Hetze in Europas höchstem demokratischen Gremium Applaus und Zuspruch, während die Medien hierzulande die judenfeindliche Hetze konsequent verschweigen.

Der 23. Juni 2016 wird zweifelsohne in die Geschichtsbücher eingehen als der Tag, an dem eine Mehrheit der britischen Bevölkerung für den Ausstieg aus der EU stimmte. Er sollte aber auch noch aus einem anderen Grund in Erinnerung bleiben: als der Tag, an dem die EU-Parlamentarier einen offen antisemitischen Hetzer bejubelten.

Abbas - EU-Parlament

Lächerliche Propaganda

Selbst ohne die judenfeindlichen Aussagen wäre der äußerst freundliche Empfang, der Mahmud Abbas in Brüssel bereitet wurde, mehr als fragwürdig gewesen. So behauptete Abbas etwa: „Wenn die Besatzung endet, wird der Terrorismus verschwinden, es wird keinen Terrorismus im Nahen Osten und nirgends mehr sonst auf der Welt geben.“ Buchstäblich nichts an diesem Satz ist wahr: Würde Israel sich heute aus dem Westjordanland zurückziehen, würden Abbas & Co. aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur binnen weniger Wochen von der Hamas weggeputscht werden, sondern die Westbank würde sich in Windeseile in genau so eine Terrorhochburg verwandeln, wie der Südlibanon nach dem israelischen Rückzug im Jahr 2000 oder der Gazastreifen nach dem israelischen Abzug 2005.

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