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Kürzliche Beiträge
20. Juni 2011, 11.04 Uhr:

Ein Muslimbruder für Camp David?

von Thomas von der Osten-Sacken

Die New York Times stellt einen Kandiaten für die ägyptischen Präsidentschaftswahlen vor, Abdel Moneim Abou el-Fotouh, Muslimbruder, und der vertritt ein estaunliches Programm:

Dr. Abou el-Fotouh cites verses of the Koran to support the right of Muslim women to reject the veil, the freedom of Muslims or Christians to ignore Islam’s prohibition on alcohol, the right of a woman or non-Muslim to hold the office of Egypt’s president, the separation of the Brotherhood’s religious mission from politics, and his own opposition to the Brotherhood’s recent proposal to require Muslims to pay 2.5 percent of their income to a state-sponsored charity in fulfillment of the Islamic charitable duty known as zakat.

“Allah told our Prophet, ‘You cannot control or strongly influence people, you can only advise them,’ ” Dr. Abou el-Fotouh said. “ ‘If I obligate you to take some religion — to take some behavior — I shall charge you as a hypocrite.’ ”

He added, “People must have a free will.”

While he criticized the United States for its support of Arab dictators like Mr. Mubarak, he said he admired “the American people” and considered himself “very close to Western values.” His campaign aides say he supports the 1978 Camp David accords, which ended decades of conflict between Egypt and Israel; a two-state solution to the Israeli-Palestinian conflict; and a future of harmonious relations between Muslims and Jews in the region.

18. Juni 2011, 01.13 Uhr:

Wer mit dem imperialistischen Wolf tanzt

von Thomas von der Osten-Sacken

Ein ganz bißchen kompliziert ist es dieser Tage, die Welt zu erklären, aber das schreckt die Genossen von der Jungen Welt nicht ab:

Es soll erst dann »freie Wahlen« geben, wenn es von den zwei Hauptlagern in der libyschen Gesellschaft eines nicht mehr gibt. Es ist das antiimperialistische Lager, das der Imperialismus und seine einheimischen Kostgänger auszumerzen gedenken. Daß Ghaddafi durch seinen Tanz mit dem imperialistischen Wolf den Stellenwert Libyens als unabhängiger, gegen die westliche Vorherrschaft positionierter Staat selbst herabgesetzt hatte und er das mit einem Verlust an Massenunterstützung bezahlen mußte, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Weil also der Bruder Führer mit dem imperialistischen Wolf tanzte, wandten einige der Massen sich ab und traten prompt dem zweiten, also imperialistischen Hauptlager der libyschen Gesellschaft bei. Dumme Massen. Die eh nur von den USA bevormundet werden:

Die Frage, wer in aller Welt die USA dazu ermächtigt hat, den von Ghaddafis Sohn Saif Al-Islam gemachten Vorschlag zur Durchführung von international überwachten Wahlen in Libyen, zurückzuweisen, wird von den Meinungsmachern erst gar nicht gestellt. So selbstverständlich erscheint ihnen das von Washington beanspruchte Machtmonopol. Genau in diesem Geist entfaltet sich der Bombenterror über Libyen.

Die Frage, was  in aller Welt Saif al-Islam und seinen Vater in den letzten Jahrzehnten denn davon abgehalten haben, freie und international überwachte Wahlen abhalten zu lassen, stellen wir lieber nicht, sondern hören uns besser an, was die Junge Welt Kollegen von der Kommunistischen Partei Syriens (die mit der Ba’th alliierten natürlich, nicht die verbotene) zur Lage im Land zu sagen haben:

Die syrischen Kommunisten sehen in den Auseinandersetzungen in erster Linie eine »Intervention des französischen und US-Imperialismus, des Zionismus und der arabischen reaktionären Regime« gegen Damaskus. Wie der parteinahe Rundfunksender »Stimme des Volkes« berichtete, demonstrierten auch Anhänger der KP in den vergangenen Tagen gegen die ausländische Einmischung und warfen speziell Frankreich vor, das Land wieder wie bis 1946 seiner Kolonialherrschaft unterwerfen zu wollen.

18. Juni 2011, 00.06 Uhr:

Vor der Unabhängigkeit

von Thomas von der Osten-Sacken

Wenige Wochen vor der Unabhängigkeit des Südsudans:

Bodies in the street, workers digging graves and gunmen hunting down members of the Nuba ethnic group – the horror still chills those who managed to escape the violence rocking Sudan’s embattled border state.

“We were just coming back from church, when many soldiers started shouting ‘go, go, go’,” said Yusuf, a 40-year old resident of Kadugli, the state capital of South Kordofan.

“At first they were shooting in the air, but then there was firing with artillery,” he added, providing one of the first eyewitness accounts from the fighting there.

“After that was when the killing began.”

17. Juni 2011, 10.14 Uhr:

Am Ende?

von Thomas von der Osten-Sacken

Wurde Bashar al-Assad am Anfang dieses Jahre noch als Reformer von den Medien gepriesen, die Stabilität Syriens unterstrichen, wo, wie man las, so etwas wie in Tunesien oder Ägypten nicht stattfinden werde, so häufen sich inzwischen die Artikel, die sein nahendes Ende voraussagen. Für Reuters analysiert Samia Nakhoul in einem lesenswerten Artikel die Zukunftsaussichten für Syrien und gibt dem Assad Regime noch maximal sechs Monate. Während die Wirtschaft paralysiert daniederliegt, gelingt es den Elitetruppen des Regimes nicht, im Land die Friedhofsruhe herbei zu schießen, die nötig wäre, um eine Überleben zu sichern. Was droht ist Bürgerkrieg und Zerfall in einen “failed state":

The risks of a slide into sectarian war are significant, most Syria-watchers nonetheless say, believing Assad will fight to the end, and start to regionalize the conflict by inciting violence in Lebanon, Turkey and across the borders with Israel.

“Despite everything they have done over the past few weeks – killing, torture, mass arrests and raids – the protests are continuing,” said one Western diplomat. “This regime will fight to the death, but the only strategy they have is to kill people, and this is accelerating the crisis.”

In its attempt to stamp out protests across the country of 23 million, the government has withdrawn most security forces from the suburbs of the capital, Damascus, diplomats say. Yet each time the authorities go in hard to deal with one center of rebellion, other towns rise up.

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16. Juni 2011, 18.41 Uhr:

Nächste Ausfahrt Riad

von Jörn Schulz

„The revolution will put you in the driver’s seat“, sang Gil Scott-Heron. In Saudi-Arabien ist es umgekehrt, im driver’s seat beginnt die Revolution, zumindest für die Frauen. Morgen beginnen die „Women2Drive“-Proteste, sie sollen weitergehen, “until a royal decree allowing women to drive is issued.” Das hat seine Majestät nämlich schon vor sechs Jahren versprochen. Ähnliche Initiativen gab es bereits zuvor, aber diesmal fällt der Protest in eine Zeit, in der sich viele Saudis fragen, ob sie nicht auch endlich loslegen sollen.

An den bislang angekündigten Protesttagen für Demokratisierung ist nicht allzuviel passiert. Die Reaktion des Regimes auf eine ernste Herausforderung würde wohl ähnlich ausfallen wie in Libyen oder Syrien, und der saudische Einmarsch in Bahrain zur Niederschlagung der dortigen Demokratiebewegung hat die Opposition vermutlich eingeschüchtert. Doch bereits vor sechs Jahren bekundeten zwei Drittel der Saudis, dass sie die Demokratie für die beste Regierungsform halten.

 

“‘Women worked side by side with men during this revolution,’ says Fatma Khafagy, board member of the Alliance for Arab Women. ‘But now the men are telling us ‘thank you, now please go back to your homes and to being good mothers and wives.’” Es gibt sogar Bestrebungen vor allem der Muslimbruderschaft und der Salafisten, die frauenfeindliche Familiengesetzgebung noch zu verschärfen. Die Gesetze, die eine Scheidung auf Initiative der Frau erleichtern, werden als „Suzanne Mubarak laws“ denunziert, weil die Ehefrau des gestürzten Autokraten sich für sie eingesetzt hatte. „In fact, Khafagy points out, most of the battles to pass these laws were fought long and hard by NGOs and women’s groups before the ousted president’s wife hijacked them.”

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16. Juni 2011, 02.09 Uhr:

We are the happy, happy... people. The hap... happy... pe ...

von Oliver M. Piecha

Jetzt mal ganz im Ernst, daß kannst du doch auch nicht mehr hören, diesen öden Dreiklang: Naher Osten, Demonstranten, Freiheit.

Rave on oder so. Der Nahe Osten & die Freiheit, als ob das nicht bloß einen Haufen Probleme bedeutete, als ob EHEC nicht schon bedrohlich genug wäre. Aber hey! Fühl dich gut, es gibt eine Antwort auf Deine Probleme, irgendeine total beschissene, völlig amoralische Werbeagentur hat sich für Geld auch das ausgedacht:

Bahrain’s Summer Festival 3 aims to spread a message of hope, love and optimism in the kingdom, the region and beyond, organisers. The third annual event from July 1 to 31 includes events and activities that aim to bring joy and happiness to residents and tourists. Culture Minister Shaikha Mai bint Mohammed Al Khalifa said this year’s festival would have a different flavour, under the slogan ‘Summer of Joy, Coming Together and Hope’.

Bahrain? Scheiß auf Folter, Feel Happy. Bist Du auch so blöd? Ist überhaupt irgendjemand so blöd?

We are the happy, happy people!

Und wer immer noch nicht total… TOTAL… happy ist, den verdonnert seine Majestät, der Miniherrscher von Bahrain alias Saudikolonistan zu mindestens hundert Jahren Kerker. Also Vorsicht! Es wird ernst! Niemand darf sich zu sicher fühlen….

Niemand. Kann eine Drecksdiktatur Dich verklagen, wenn Du Sie Drecksdiktatur nennst? In England kann sie es zumindest versuchen.

Die Freiheit Arabiens ist auch unsere Freiheit!

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