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Kürzliche Beiträge
10. Juni 2011, 00.00 Uhr:

Ratschläge aus Berlin

von Thomas von der Osten-Sacken

Deutsche Nahostexperten geben den Mächtigen dieser Welt mit besonderer Vorliebe gute Ratschläge, wie es besser zu machen sei. So auch Andrea Nüsse im Tagesspiegel:

Vielleicht wäre es an der Zeit, dass die Alliierten und die Rebellen in Bengasi noch einmal darüber nachdenken, ob sie von ihrer Maximalforderung abrücken und einen Waffenstillstand suchen.

Nicht etwa Gaddafi. Dem gibt Nüsse natürlich keine Ratschläge, auf die Idee käme sie gar nicht. Mit dem sucht man vielmehr den Waffenstillstand.

Dem derart gesuchten Waffenstillstand solle sich dann eine “politische Lösung ohne Mitwirkung des Gaddafi-Clans” folgen.

Wie das gehen soll? Darüber schweigt sie sich selbstredend aus, denn die Idee ist in etwa so praktikabel, wie im März Guido Westerwelles Vorschlag, als die Panzer des Obersten schon in den Vororten Bengasis standen, doch die Sanktionen voll auszuschöpfen.

Aber eigentlich geht es Frau Nüsse um noch um etwas anderes:

(Es) verfestigt sich ganz allmählich die Zweiteilung des Landes. Der Osten baut seine eigenen Strukturen auf, organisiert Ölexporte und will irgendwann vom Rest des Landes nichts mehr wissen.

Zweiteilung? Die Stadt Misrata liegt im Zentrum des Landes, der Fezzan im Südwesten. Beide werden von Oppositionskräften kontrolliert und verfügen über keine Landverbindung mit Bengasi. Sollen diese Gebiete also per Waffenstillstandsverhandlungen (unter Schirmherrschaft von Hugo Chavez?)  an Gaddafi übergeben werden?

Mit ihren guten Ratschlägen schafft es die Autorin immerhin ein Psychogramm deutscher Libyenpolitik abzuliefern. Man hat nichts zu sagen, keine Ideen, aber statt wenigstens den Mund zu halten, drängt man sich überall mit irgendwelchen Vorschlägen auf, die allesamt weder in Realität umsetzbar wären, noch von politischer Klugheit zeugen, geschweige denn moralisch richtig wären.

9. Juni 2011, 03.41 Uhr:

Große Führer schreiben ihr Nachwort

von Oliver M. Piecha

Blut, Tränen, Mord. Mehr bleibt nicht. Jahrzehnte des Unheils. Und wir wollen es nie vergessen: Jahrzehnte der Kollaboration. Auf allen Ebenen. Gadaffi war im Westen zuletzt sehr wohlgelitten, über Assad wurden sowieso Wohlgerüche der Reformwilligkeit wie blöde eingesogen.

Und jetzt schreiben sie sich alle am Ende noch einmal ein in das Höllenbuch der Geschichte: Die verbeamteten Schergen des Assad-Sprößlings, feixend über den erledigten Toten, als hätte es nie ein Internet und weltweite Zuseher gegeben, man mag dabei ahnen, wie es ausgesehen hätte, wenn solche Visagen schon im 20.Jahrhundert über Mobiltelefone mit Fotofunktion verfügt hätten. Und Gaddafi, der bunte Hund der Bluthunde, läßt an seine Meute Viagra austeilen:

“In some areas we had a number of 100 people raped. The issue for us was, can we attribute these rapes to Gaddafi himself, or is it something that happened in the barracks,” he explained.

Mr Moreno-Ocampo also said some witnesses had confirmed that the Libyan government was buying containers of Viagra-type drugs to carry out the policy, and to “enhance the possibility to rape".
(BBC)

8. Juni 2011, 23.46 Uhr:

Seltsame arabische Straße III

von Thomas von der Osten-Sacken

Frauen in Benghazi:

 

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8. Juni 2011, 17.46 Uhr:

“We believe that our popularity is bigger than that”

von Jörn Schulz

Die derzeit beliebteste Frage im Nahost-Quiz ist: Wieviel Prozent bekommt die ägyptische Muslimbruderschaft bei den Wahlen? Wenn die Umfrage von Abu Dhabi Gallup wirklich repräsentativ ist, werden die Islamisten enttäuscht sein. Sie könnten nur mit 15 Prozent rechnen. “We believe that our popularity is bigger than that”, kommentierte Mahmoud Hussein, Generalsekretär der Muslimbruderschaft. Das glaubt auch Mohamed Shams, der die Jugend der Bruderschaft führt. „The 23-year-old electric engineer puts the Muslim Brotherhood’s popularity at no less than 30 percent”, er sagt aber auch: “This does not mean they can get the same percentage of seats in parliamentary elections.” Denn bei den Wahlen wären “family and tribal ties” entscheidend, er rechnet mit 15 bis 20 Prozent der Stimmen „in a fair poll”.

Weiterlesen.

8. Juni 2011, 17.33 Uhr:

Syrien - Reform auf Panzerketten

von Oliver M. Piecha

Ist das der Beginn eines bewaffneten Aufstandes in Syrien? Panzer der berüchtigten Elitedivison unter Führung des Bruders des Präsidenten rücken auf die Stadt Jisr al-Shughour an der türkischen Grenze vor; jenseits der Grenze befinden sich bereits hunderte syrischer Flüchtlinge, Schwerverletzte werden in türkischen Krankenhäusern behandelt. Jisr al-Shughour, wo sich am Wochenende möglicherweise Angehörige der “Sicherheitskräfte” massenweise gegenseitig erschossen haben, soll in weiten Teilen eine Geisterstadt sein, verbliebene Einwohner haben Straßenbarrikaden errichtet. Frankreich und England machen derweil im UN-Sicherheitsrat Werbung für eine Resolution gegen das Assad-Regime, die üblichen Verdächtigen zieren sich, Westerwelle dreht sowieso Däumchen. Der vorgebliche Rücktritt der syrischen Botschafterin in Frankreich bei einem Radioliveinterview war wohl leider nur ein gelungener Agitpropscherz. Immerhin greifen jetzt auch die Rächer der Enterbten ein:

We are warning you, Mr. Assad, to stop terrorizing the Syrian people, to stop censoring the internet, and to open up the country to the international media. If you do not do so then we are going to dismantle the Syrian government’s online network.

Your fate is in your hands at the moment – one more wrong move and it’s in ours. This is not a joke. This is real.

Hoffentlich! Dann sind wir ja mal gespannt, Mr. Anonymous

7. Juni 2011, 17.42 Uhr:

Souvenirs vom Einsatz

von Thomas von der Osten-Sacken

Robert Mackey berichtet über kleine Videos, gefilmt von syrischen Sicherheitskräften im Einsatz, um sich später dann in aller Ruhe an ihren Taten goutieren zu können:

In several clips that seem to have been filmed as souvenirs by men taking part in military operations against protesters, and later obtained by opposition activists, there is a relaxed, almost casual attitude among the government forces.

One clip, posted online in April, showed members of the security forces playing to the camera as they beat, kicked and stepped on protesters forced to lie face down on the street in the town of Bayda. Another, shared on a Syrian activist Facebook page on Monday, is said to have been originally produced by one of the shabiha, a militia loyal to President Bashar al-Assad. This video features heroic music over images of heavily armed men in uniforms smiling and laughing as they chat near the bloody corpses of two men in civilian clothes.

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6. Juni 2011, 20.29 Uhr:

Naksa - Der Tag danach

von Thomas von der Osten-Sacken

Sollte diese Meldung stimmen, würde es doch ein etwas seltsames Licht auf den gestrigen Naksa-Tag werfen:

Sources have told Al Jazeera that families of Palestinian refugees who were killed along the border with Israel yesterday on the Golan Heights, have attacked the headquarters of the PFLP-General command, while two senior members were there and burnt it.

Families accuse the Ahmad Jibril group of encouraging their sons and manipulating their nationalist feelings to serve the Syrian government.

Zuvor hatte die Reform Party of Syria schon gemeldet, dass die syrische Regierung den Demonstranten je 1000 Dollar für den Marsch auf Israel gezahlt habe:

Demonstrators along the Syria-Israel border were paid thousands of dollars by President Bashar Assad’s regime to take part in Sunday’s riots, Syrian opposition activists charge.

Israeli officials later reinforced the claims, accusing the Syrian regime of encouraging protests along the northern border.


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