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Kürzliche Beiträge
14. Mai 2011, 10.01 Uhr:

Ägypten im September pleite?

von Thomas von der Osten-Sacken

Spengler wirft in der Asia Times einen Blick auf die ökomische Lage in Ägypten - und die sieht düster aus:

Egypt is running out of food, and, more gradually, running out of money with which to buy it. The most populous country in the Arab world shows all the symptoms of national bankruptcy - the kind that produced hyperinflation in several Latin American countries during the 1970s and 1980s - with a deadly difference: Egypt imports half its wheat, and the collapse of its external credit means starvation. (…)

Egypt imported $55 billion worth of goods in 2009, but exported only $29 billion of goods. With the jump in food and energy prices, the same volume of imports would cost considerably more. Egypt closed the 2009 trade gap with about $15 billion in tourist revenues, and about $8 billion of remittances from Egyptian workers abroad. But tourism today is running at a fraction of last year’s levels, and remittances are down by around half due to expulsion of Egyptian workers from Libya. Even without capital flight, Egypt is short perhaps $25 billion a year.

13. Mai 2011, 00.25 Uhr:

Muslimbrüder im Wahlkampfrausch

von Thomas von der Osten-Sacken

Abgelegt haben die Muslimbrüder ihre  Fassade von der eigentlich ganz netten und runderneurten Islampartei . Nun geht es um die Schaffung eines  islamischen Staates, die Verschärfung islamischer Gesetze und andere Forderungen, um die es ihnen eigentlich eben schon immer ging. Der Wahlkampf hat begonnen:

On April 14, at a forum in Cairo, the Brotherhood’s deputy supreme guide, Mahmoud Ezzat, said his group wanted to establish an Islamic state when they achieved sufficient support through their Freedom and Justice party. At the same forum, another Brotherhood leader, Saad al-Husseiny, stated that they aimed to apply Islamic law and establish Islamic rule. On April 22, a senior spokesman, Sobhi Saleh, said the Brotherhood wished to apply “Islamic legislation.”

Die Hälfte aller Sitze im Parlament wollen sie gewinnen, und stellen jetzt doch einen Präsidentschaftskandidaten auf. Das klingt alles schrecklich siegessicher und selbstbewusst. Nur führt es auch zu recht deutlichen Reaktionen seitens anderer Parteien und Organisationen. Hatten die Brüder sich kürzlich erst von den linken Gewerkschaften getrennt, haben sie jetzt die anderen Parteien gegen sich aufgebracht, mit denen sie bis vor wenigen Wochen noch zusammen gearbeitet haben:

Political parties rejected a statement by Muslim Brotherhood General Guide Mohamed Badie on Thursday, in which he said the group is like a mother to all political parties, considering it “as condescending as the way deposed President Hosni Mubarak looked at the parties.”

“From now on, we are rivals and not partners as before,” said Nasserist Party President Mohamed Abul Ela.

For his part, Tagammu Party spokesman Nabil Zaki said the group had diverted from the secular framework of the state and established a party that discriminates between the citizens of the same nation.

The Wafd Party and the Democratic Front Party also rejected Badie’s statement.

Ob sich dieses Auftreten sich positiv für sie auf’s Wahlergebnis auswirken wird, bleibt zumindest abzuwarten. Aber immerhin zeigen und sagen sie jetzt, anders als noch vor ein paar Monaten,  deutlich und unüberhörbar, für welche Ziele sie einstehen. Die Zeiten, in denen sie sich als nette, moderate Gruppe verkauften, sind offenbar endgültig vorbei.  Sage also nachher niemand, man habe es nicht wissen können.

Derweil haben sich jetzt  verschiedene linken Parteien in einer Allianz zusammengeschlossen. Denn eines  wird immer deutlicher: die Muslimbrüder werden von dem meisten anderen nichtislamistischen Parteien und Gruppierungen inzwischen als politischer Gegner, keineswegs mehr als Partner angesehen. Damit wenigstens scheint dieses elende Bündnis zwischen Islamisten, Linken und anderen Oppositioniellen, das sich vor einigen Jahren in Gegnerschaft zum Mubarak Regime gebildet hat, auseinanderzubrechen. Und je früher dies geschieht, umso besser.

12. Mai 2011, 03.58 Uhr:

Nahostdiktaturen - auch eine Genderfrage?

von Oliver M. Piecha

Wie häßlich ist das doch alles, diese Realität, ohne das bezaubernde Beiwerk. Erträgt man das denn dann überhaupt noch? Zum Beispiel Syrien! Und das Hübsche schwindet so schnell dahin, ja, es wird brutal abgerobbt, der Charme, die Schönheit, die … “Rose der Wüste", wie Asma al-Assad, die Frau von Baschar, dem Schlächter, noch jüngst (im Februar!) von der Modezeitschrift Vogue genannt wurde; ach, nun ist sie angeblich außer Landes, das Gemetzel ihres Gemahls und der Großfamilie hat sie mutmaßlich verstört, auch der schöne Vogue-Beitrag wurde nun im Netz gesperrt (der, das darf man der syrischen Propaganda eher als der Vogue zu Gute halten, bereits im Dezember produziert wurde…), vielleicht geht es ihr ja auch nur darum, einen neuen Kindergartenplatz für das Exil anzumelden. Weltgeschichte ist halt das Weltgericht, und alles ist plötzlich so häßlich, so böse; Bilder der “Rose", wie sie fotogen den Schal vor dem Panorama von Damaskus um sich schlingt (jeder Besucher der Stadt stand auf diesem Berg und hat die Aussicht gepriesen!), wer wollte das kontrastieren mit den Youtube-Aufnahmen von toten Demonstranten, im Hintergrund das seltsam trockene klack-klack-klack der Kalaschnikows.
Gezielte Kopfschüsse.
Ach, glückliche Zeiten damals, vor 2011, als sie noch in kontemplativer Stille ihren Tee nehmen konnte (sie ist wohlbehütet in England aufgewachsen). Und keine Schüsse, kein Gejammer drangen an ihr Ohr. Folter war etwas jahrzehntelang sehr Untergründiges in diesem Lande. Untergründig, aber bodenständig.

Warum hat sie bloß den künftigen Herrn Syriens geheiratet (Assad Junior war damals Augenarzt in England, bei ihren ersten Treffen)? Sie kann sich nicht herausreden, sie hätte keine andere Möglichkeit gehabt. Sie ist genau genommen eine Engländerin. Fieseste moralische Verkommenheit bei nettestem Aussehen? Ein eingekauftes demonstratives Zivilisationsobjekt mit nun angehängtem Leichengeruch?
Erklären uns das Genderforscher und Genderforscherinnen? Welche Rolle haben eigentlich Frauen in diesen ganzen wahnsinnigen Nahostdiktaturen – an der Spitze – bisher gespielt? Ein seltsam offenes Feld.

Gibt es zum Beispiel eine einzige bisher biographisch konkret ausdeutbare Frauenfigur in Saddam Husseins Leben? Seine irren Söhne kennen wir – hat jemand einmal weitergefragt? Wo sind die Frauen der Diktatoren? Haben die wirklich alles alleine gemacht? Da ist eine Susanne Mubarak, es gibt auch eine Leila Ben Ali,
aber sie sind bisher geschichtsoffiziell bloß Anhängsel ihrer verdorben Diktatorenbrut.

Ist das wirklich alles? Schmückendes Beiwerk? Die Ganierung eines Leichenberges? Nur eine Frage.

12. Mai 2011, 00.33 Uhr:

Bewegung an der Front

von Thomas von der Osten-Sacken

Nachdem fast einen Monat lang eigentlich nichts an den Frontlinien in Libyen passiert ist, keine Seite irgendwelche strategischen Gewinne machen konnte, melden die Rebellen heute, ganz Misrata und auch den Flughafen unter Kontrolle zu haben:

Libyan rebels in the besieged western city of Misurata captured the city’s airport on Wednesday, marking another advance against forces loyal to long-time leader Muammar Gaddafi days after oppositon fighters broke through their lines to the west. (…)

Rebels have fought Gaddafi loyalists street by street for weeks, and the taking of the airport represents a significant territorial gain. The advance comes two days after rebels broke through the government’s lines west of Misurata, reportedly pushing as far as Qaryat az Zurayq, around 20km away.

11. Mai 2011, 23.20 Uhr:

Islamophobe Integrationsprobleme

von Oliver M. Piecha

„Islamische Republik Iran“ alias Lotterland. So geht das wirklich nicht weiter. Nachdem endlich gegen die Exorzisten- und Zaubererbande Ahmedinejads vorgegangen worden ist, sind jetzt wieder einmal die Konterrevolutionäre dran, die wie „Models“ aussehen und gerne auch mal einen Drink nehmen. Seltsam nur, daß sich nach 30 Jahren großer islamischer Revolution dort draußen immer noch subversive Elemente herumtreiben, die ihr Kopftuch einfach nicht ordentlich tragen mögen. Irgendwie islamophob, oder? Vermutlich ist da die Integration in die „Islamische Republik“ nicht wirklich gelungen. Schade eigentlich, daß die „Islamische Republik Iran“ noch nicht auf solche deutschen Spezialisten wie Sabine Schiffer oder Patrick Bahners zurückgegriffen hat, die hätten den Iranern schnell erklärt, was sich kulturell und religiös geziemt. Dann müßten die armen beamteten Sittenwächter auch nicht im Sommer Überstunden schieben und sich die Handgelenke bis zur Sehnenscheidenentzündung heiß prügeln.

Iranian authorities have announced that “morality police” will hit city streets in greater numbers this summer to confront violations of the Islamic dress code and other public transgressions.

Commander Ahmad Rouzbehani, the head of “morality police forces,” announced that 70,000 officers would be deployed to enforce public morality regulations as the summer starts and there is greater movement of people during vacations.

“The police will take legal action against those who appear in public like models,” Rouzbehani announced.

“In some instances, some people have been seen to take off their head covering in their vehicles,” Rouzbehani said. Rejecting the explanation that the car is one’s personal space he added: “Such vehicles will be stopped and their passengers will be referred to the judiciary.”

Commander Rouzbehani also listed “installation of satellite dishes and sale of alcoholic drinks” as violations.

The head of Iranian police forces recently announced that walking dogs in public is against regulations and people caught walking their pets in public will be fined.

(Radio Zamaneh)

Salafisten oder Provokateure, die von Anhängern des alten Regimes bezahlt wurden? In Ägypten kursieren verschiedene Versionen über die Verantwortlichen für die Angriffe auf koptische Christen, bei denen 15 Menschen starben. Der Blogger Sandmonkey war am Ort des Geschehens: “The locals were busy trying to put out the fire, getting people out of the church and the adjacent building, cheering on and helping the Fire Fighters as they were putting out the fire and getting victims out. For about two hours I watched the population as they expressed their anger and frustration at those who burned the church”.

Weiterlesen.

11. Mai 2011, 17.17 Uhr:

Die Reaktion entfaltet das Königsbanner

von Oliver M. Piecha

Der Kampf der abgehalfterten Präsidialdiktatoren gegen den “Arabischen Frühling” ist die eine Front der nahöstlichen Reaktion - und sie ist gerade sehr intensiv mit dem Überleben und Niederkartätschen in den eigenen Ländern beschäftigt; der Klub der arabischen Monarchen ist mehr als einen Schritt weiter. Unter Führung Saudi Arabiens ist man unter dem Label des “Golf- Kooperationsrates” nicht nur in Bahrain zum koordinierten Gegenangriff übergegangen, nun gründet man offensichtlich so etwas wie die “Reaktionäre Front der Nahöstlichen Monarchen” (RFdNM). Marokko und Jordanien werden Mitglieder des Golf-Kooperationsrates, gleichwohl sie so gar nicht am Golf liegen. Damit sind aber alle arabischen Monarchen in einem Klub versammelt. Eine direkt anschließende Frage wäre, was nun mit der faktisch gelähmten Arabischen Liga wird, der jetzt ein regional ähnlich gestricktes, aber von gleichen Interessen geleitetes und potentiell handlungsfähiges Bündnis entgegensteht. Und wie wird Ägypten reagieren, der große “demokratische” Unruheherd, gegen den sich das Bündnis der Monarchen ebenfalls deutlich richtet?

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