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Kürzliche Beiträge
22. Januar 2015, 13.38 Uhr:

PYD contra Assad, FSA pro Israel

von Thomas von der Osten-Sacken

Das alte Stillhalteabkommen zwischen den Truppen Assads und der syrisch-kurdischen PYD scheint vorerst Geschichte. Seit einigen Tagen gibt es in Syrisch-Kurdistan heftige Gefechte zwischen beiden Seiten, erstmalig setzte die syrische Luftwaffe auch ihre gefürchteten barrel bombs gegen kurdische Orte ein:

The People’s Protection Units (YPG) announced that 18 people were killed, including fighters and civilians, in the recent clashes with the Syrian regime forces and allied militias in the city of Hasakah, in northeastern Syria.

The Media Center of the YPG issued a statement (of which ARA News received a copy) saying: “During our resistance against fascism, four of our fighters, four civilians and eight members of the Assayish forces (security arm of the Democratic Union Party “PYD”) have joined the martyrs’ convoy.”

“On January 16, 2015, the Baath fascist forces (in reference to pro-Assad militias) attacked YPG and YPJ’s (Women Protection Units) bases and bombed the Kurdish neighborhoods of Hasakah with heavy weapons such as mortars and guns,” the statement said. “Our units repelled the offensive after clashes with forces of the (Assad) regime.”

Zeitgleich sollen sich im Süden Hassakehs IS-Milizen massieren, es könnte also in Kürze zu einem Zweifrontenkrieg kommen. Über die Gründe, warum sich nun PYD/YPG und die syrische Armee bekämpfen, schreibt Metin Gurcan:

How do parties explain the eruption of clashes at Hasakah? After a prolonged cease-fire with the YPG, suddenly Assad’s forces stepped up the brutality by killing many civilians in Hasakah, particularly by airdropped barrel bombs. Pro-Assad forces that made a deal with IS in northern Syria want to bring Hasakah under their joint control with IS, then move toward Qamishli and split the Kurdish Jazeera canton. To achieve that goal, the Assad regime was even using illegal cluster bombs, the YPG reported.

Assad forces alleged that the PYD cooperated with coalition forces and has long sold out the Assad regime. On the political front, the PYD has succeeded in having itself invited, despite opposition by Jabhat al-Nusra and the Damascus regime, to the Syrian Forces Conference planned to be held in Russia. In short, the PYD has betrayed Damascus by violating their agreement.

Derweil warnt ein Kommandeur der Free Syrian Army, dass Iran und Hizbollah ihre Präsenz an der israelischen Grenze verstärken und wirbt für eine engere Zusammenarbeit zwischen syrischer Opposition und Israel:

The rebel commander opined that the Shiite forces indeed intended to engage Israel more significantly than in the past, making Israeli cooperation with moderate opposition forces on the Syrian Golan more urgent than ever before.

“You have a historic opportunity to win the Syrian people, which has been disillusioned by the entire world,” he said, addressing the Israeli public. “We want to fight alongside you. The Shiites will not stop in Syria; they have a much larger project that endangers you as well as us.”

The Syrian commander also implored Israel to establish a system for transferring into Israel Syrian opposition fighters injured in battle.

“At the moment the entry of patients is sporadic and dependent on individuals. We want it to be public and established, so that the Syrian public knows that Israel is the only state that receives Syrian patients unconditionally.”

21. Januar 2015, 15.15 Uhr:

Good Morning Palestine

von Thomas von der Osten-Sacken

Einen schönen guten Morgen wünscht die “Palestine Press Agency” ihren fast eine Million Freunden und Followern auf Facebook nachdem in Tel Aviv ein Palästinenser 13 Menschen bei einer Messerattacke in einem Bus schwer verletzt hat.

Und zwar mit dieser Karikatur:

 

 

20. Januar 2015, 23.54 Uhr:

Die vierte arabische Hauptstadt unter Irans Kontrolle

von Thomas von der Osten-Sacken

Teheran kann einen weiteren Sieg feiern, nun übten die Ayatollahs nicht nur, wie kürzlich ein enger Vertrauter Khameneis prahlte, in vier arabischen Hauptstädten, sondern auch noch im Präsidentenpalast im Jemen die Kontrolle aus, den heute schiitische Houthi-Milizen erstürmt haben:

Der Triumph war absehbar. Bereits seit Monaten kontrollierten die Huthis weite Teile der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Immer weiter waren sie zuletzt auch in das Regierungsviertel eingedrungen, am Dienstag stürmten sie den Regierungssitz. Der Eroberung waren heftige Gefechte mit den Regierungstruppen vorausgegangen. Verschiedene Medien berichten von Explosionen rund um den Regierungspalast. Wo sich der regierende Präsident Rabbo Mansur Hadi befindet, ist derzeit unklar. Kurz vor dem Sturm hatte er noch vor einem Zusammenbruch des jemenitischen Staates gewarnt.

Dieser könnte nun unmittelbar bevorstehen. Denn der Sturm der Huthis wird nicht ohne Antwort bleiben. Sollten die regierungstreuen Truppen es nicht schaffen, den Präsidentenpalast wieder zurückzuerobern, könnten dem Land schwerste Unruhen bevorstehen.

Ein nächster und wichtiger Erfolg auch im Krieg des Iran gegen Saudi Arabien, der Erfolg in Sanaa und die “control of Yemen could allow Iran to leverage the Houthis’ gains to step up its effort to subvert the kingdom, with the Shia in the oil-rich areas of eastern Saudi Arabia as its target audience".

Aber nicht nur das: der Iran zielt ja keineswegs auf Stabilität, sondern braucht und fördert das Chaos in failed states.So passt es wunderbar, dass im Südjemen Al Qaida zunehmend erstarkt. Einmal mehr kann Teheran so einerseits bestehende Staaten in der Region zerstören und sich gleichzeitig international als Stabilitätsfaktor und Verbündeter im Krieg gegen den Terror profilieren. Und der Westen spielt mit. Ob in Syrien, im Irak oder im Libanon, den drei anderen arabischen Staaten, die Iran nun sich rühmt unter seiner Kontrolle zu haben.

Im Irak allerdings meldet sich dieser Tage einer der engen Verbündeten Teherans zu Wort, der offenbar die Entwicklung mit Sorge betrachtet. Denn längst hat die Regierung in Bagdad keine Kontrolle mehr über die unzähligen schiitischen Milizen, die de facto als Obamas Bodentruppen gegen den Islamischen Staat kämpfen und sich vor allem durch ihre Grausamkeit gegenüber Sunniten hervortun. Ausgerechnet Muqtada al Sadr nämlich forderte jüngst ein Ende des unseligen Milizwesens:

Speaking at a joint press conference with Iraq’s Minister of Defense Khaled Al-Obaidi at his home in Najaf, Sadr said: “The army remains strong and we will work together in order to return its prestige and unity—as well as that of Iraq as a whole—until it is once again able to be in control of the situation in the country.”

Sadr—whose movement also has its own military wing originally known as the Mahdi Army—maintained that in order to achieve this it would be necessary to “eject all militias and other groups” in order to form “a single, unified national force to take their place.”

As well as calling for curbs on militia forces, the Shi’ite cleric announced that he was placing his followers at the disposal of the Iraqi military.

Der Iran hat allen Grund seine Siege zu feiern, wie lange diese allerdings anhalten und ob sich Teheran mit seiner expansiven und destruktiven Politik nicht langfristig doch übernimmt, das wiederum ist eine ganz andere Frage. Ernstznehmende Gegner jedenfalls hat es - sieht man von Israel und den fallenden Ölpreisen einmal ab - im Augenblick keine.

20. Januar 2015, 16.37 Uhr:

High Five in Teheran

von Thomas von der Osten-Sacken

Gastbeitrag von Andreas Benl

Noch ist nicht bekannt, wer für den gewaltsamen Tod des argentinischen Staatsanwalts Alberto Nisman verantwortlich ist, der das Land erschüttert. Wem er gefährlich war, weiß man jetzt schon: 1994 wurden bei einem Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires 85 Menschen getötet. Nisman hatte als Chefplaner des antisemitischen Massakers Mohsen Rabbani, den damaligen iranischen Kulturattaché in Argentinien, identifiziert. Auftraggeber seien ranghohe Vertreter des iranischen Regimes gewesen, so der vermeintlich moderate Ali Akbar Rafsandschani und Ali Akbar Velayati, der heutige Chefberater von Khamenei. Beide wurden bereits als Drahtzieher des Mykonos-Mordanschlags in Berlin 1992 benannt.

Laut Nisman war das Motiv des AMIA-Anschlags eine Bestrafung für die damalige Weigerung Argentiniens zur Kooperation im iranischen Nuklearprogramm. Nisman hatte auch der argentinischen Regierung vorgeworfen, die iranische Urheberschaft des Attentats zugunsten lukrativer Ölgeschäfte vertuschen zu wollen. Und er hatte antisemitische Terroranschläge als typische außenpolitische Waffe der Islamischen Republik bezeichnet: „When they choose to act against a country, the attack is commonly on the Jewish community,“ he said. „It’s the first target.“

Pikant für die deutsche Politik ist, dass der Terrorpate Velayati erst im Dezember letzten Jahres den SPD-Außenpolitiker Niels Annen in Teheran traf. Annen durfte dort den Statisten spielen für Velayatis Ausführungen darüber, welche Art von nuklearer „Kooperation“ man zwanzig Jahre nach AMIA von der Welt erwarte: ein Atomprogramm mit einer begrenzten Anzahl von Zentrifugen sei nutzlos für den Iran und komme nicht in Frage.

Für den morgigen Mittwoch hat sich eine weitere Bundestagsdelegation im Iran angekündigt: Zwei Jahre nach ihrer High-Five-Blamage mit dem iranischen Botschafter ist Claudia Roth wieder dabei, zusammen mit Claudia Wöhrl (CSU) und Stefan Rebmann (SPD). Auf der Suche nach repräsentativen Gesprächspartnern sind sie auf Vize-Staatspräsidentin Massoumeh Ebtekar und Parlamentspräsident Ali Larijani gestoßen. Ebtekar war 1979 Geiselnehmerin an der US-Botschaft in Teheran und erklärte dort, den Geiseln bei Bedarf ohne Zögern in den Kopf schießen zu wollen. Und Ali Larijani verteidigt auch in Deutschland die Holocaustleugnung des iranischen Regimes.

Claudia Roth und der Botschafter

Die Reise der Grünen soll  “soll vor allem dem Austausch über die außenpolitische Bedeutung und Rolle des Iran für die Sicherheit und die Linderung der humanitären Katastrophe in der Region (…) dienen” - es geht also um die Rolle Teherans als Partner im Kampf gegen den Islamischen Staat.

Laut US-State Department ist der Iran “a major state sponsor of terrorism“, der nicht nur schiitische Milizen wie die Hizbollah unterstützt, sondern  “the movement of Al Qaeda members across the Middle East” erleichtert. Wenn eine solche Erkenntnis schon die Obama-Administration nicht davon abhält, de facto mit dem Iran gegen den IS zu kooperieren, warum sollten dann die deutschen Parlamentarier nicht die Gunst der Stunde nutzen und mit den Masterminds of Terror über den Kampf gegen den Terror parlieren?

Vielleicht bleibt ja auch noch Zeit für ein gemeinsames Treffen mit einer gerade in Teheran weilenden russischen Delegation, die gerade ein umfassendes Militärkooperationsabkommen unterzeichnet hat?:

Iran and Russia have signed a military cooperation pact, the official TASS Russian news agency reported on Tuesday.

The agreement to intensify military and technological cooperation was made during a Tehran meeting between Iranian Defense Minister Hossein Deghan and visiting Russian Defense Minister Sergey Shoigu, Russian media reported.

Shoigu, who arrived in Tehran on Sunday, was quoted by sputniknews.com as saying: “We are in favor of long-term and multi-level cooperation with Iran and welcome the Iranian leadership’s attempts to expanding its ties with Russia, including in military defense. We have common challenges and threats in the region that we can oppose only if we communicate.”

19. Januar 2015, 22.21 Uhr:

Gedenkfeier für Yoav Hattab in Tunis

von Thomas von der Osten-Sacken

Heute wurde in Tunesien des in einem koscheren Supermarkt in Paris ermordeten Yoav Hattab gedacht:

Jews and Muslims alike congregated on Saturday night in front of the Great Synagogue in Tunis for a vigil in remembrance of Yoav Hattab, a Tunisian-born victim of the terror attack on the kosher supermarket in Paris less than two weeks ago.

The event also served as a show of support by local residents for the young man’s father, who is a rabbi at the Jewish school in the North African country’s capital city.

Some 1500 people participated in the memorial event, which made the front page of Tunisian daily Le Temps. The crowd lit candles and placed pictures of Hattab by the building’s entrance alongside posters and Tunisian flags.

The participants held placards with slogans, such as one declaring, “Long live multi-cultural Tunisia". One of those present was Besima Boughneya, who said, “I am here as a citizen, because he was a Tunisian and this has broken my heart.”

19. Januar 2015, 22.02 Uhr:

Die Ayatollahs und der tote Staatsanwalt

von Thomas von der Osten-Sacken

Bemerkenswert deutliche Worte in der FAZ:

Schon jetzt aber kann man voraussagen, dass der rätselhafte Tod von Alberto Nisman Argentinien noch lange beschäftigen wird – gewiss im Wahljahr 2015 und vermutlich noch weit darüber hinaus. Der Staatsanwalt und Sonderermittler Nisman war seit mehr als zehn Jahren mit der Aufklärung des Bombenanschlags auf das jüdische Kulturzentrum und Gemeindehaus (Amia) in Buenos Aires vom 18. Juli 1994 beschäftigt. (…)

Die Ermittlungen zu den beiden Anschlägen von Buenos Aires, bei denen von Beginn an immer auch der israelische Geheimdienst Mossad und die amerikanische Bundespolizei FBI mitgemischt haben, sind die größte Justizfarce Argentiniens der vergangenen Jahrzehnte. Und sie sind ein geopolitisches Lehrstück darüber, wie es den in Iran herrschenden schiitischen Mullahs immer wieder gelingt, ihre Verstrickung in den internationalen islamistischen Terrorismus zu vertuschen. (…)

Die Einigung Argentiniens und Irans auf die Einsetzung einer internationalen „Wahrheitskommission“ zur Aufklärung des Verbrechens von Anfang 2013 ist ein weiterer Höhepunkt dieses Justizskandals: An die Stelle juristischer Aufklärer sollten politische Nebelwerfer treten. In der vergangenen Woche erhob Nisman schwere Vorwürfe gegen die jetzige Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner.

19. Januar 2015, 21.32 Uhr:

Osmanisches Reich 2.0

von Thomas von der Osten-Sacken

Ob beim Osmanischen Reich es sich um eine Tragödie gehandelt hat, sei einmal dahingestellt, was die AKP und ihr Präsident da gerade inszenieren, mag dagegen selbst als Farce kaum durchgehen. Aber sie meinen es ganz ernst, nein Spass kennen sie bekanntlich keinen, sie wollen das Osmanische Reich wieder - und dass dieses verloren ging, weil es an Palästina festhielt, rundet den ganzen Irrsinn nur ab:

On Thursday, AK Party deputy Tülay Babusçu had written on Twitter that the “Ottoman Empire has resumed after a 90-year break.” Her comment was a reference to a much-talked-about addition to President Recep Tayyip Erdogan’s welcome ceremonies - 16 soldiers dressed up in ceremonial clothes representing each of the 16 states established by Turkic people throughout the history.

A photo of Erdogan posing at the bottom of his palace staircase, with the 16 soldiers arrayed behind him in a range of historical costumes, complete with ornate helmets, swords and spears, as he welcomes Palestinian leader Mahmoud Abbas, has gone viral on social media. Users came up with their own Photoshopped images of the scene, in which the soldiers were depicted as superheroes from movies such as the “Lord of the Rings” or popular shows like “Game of Thrones.”

Sharing the original photo of Erdogan shaking hands with Abbas with the 16 soldiers behind them, Babusçu said: “This picture is one that should be commented on. The Ottoman Empire that was demolished on the pretext that it refused to give up Palestinian land and the background image of our president and the Palestinian president… this is magnificently intelligent. Of course, this intelligence belongs to our president [Erdogan]. The 90-year commercial break of the 600-year-old Ottoman Empire has come to an end.”

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