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Kürzliche Beiträge
30. März 2011, 19.22 Uhr:

Falsche Fahne, falscher Stamm

von Jörn Schulz

Spätestens seit dem Beginn der Libyen-Intervention ist bei den „Antiimperialisten“ und Anhängern der Friedensbewegung der Bedarf an Argumenten gegen die Rebellen gestiegen. Bereits ein Dauerbrenner ist die „monarchistische“ Fahne der Rebellion. Tatsächlich handelt es sich um das Symbol des antifaschistischen und antikolonialen Befreiungskampfs. Der schwarze Mittelstreifen mit Halbmond und Stern war die traditionelle Fahne der Sanussiyya, einer politisch-religiösen Bruderschaft aus der Cyrenaica, die eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Achsenmächte spielte: „In a speech in the House of Commons in January 1942, British Foreign Minister Anthony Eden acknowledged and welcomed ‘the contribution which Sayid Idris as Sanusi and his followers have made and are making’ to the Allied war effort.”

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30. März 2011, 15.21 Uhr:

Großer Führer spricht die üblichen Großer-Führer-Worte

von Oliver M. Piecha

Oder nichts Neues unter der sengenden Sonne Syriens. Baschar al-Assad hat mal wieder alle an der Leine im Kreis herumgeführt, die so gerne erzählen, daß Syrien irgendwie “anders” sei, zwar eine Diktatur mit Diktator, Folter und Niedergang, aber doch eben irgendwie anders.Mit einem sympathisch jungen Präsidenten an der Spitze, den nicht nur eine vorzeigbare First Lady, sondern auch der heimliche Drang zur Reform auszeichnet. Jetzt hat es gekracht in Syrien, die Sicherheitskräfte haben ordentlich Menschen erschossen, während der Präsident, um sein edles Antlitz von dem ganzen Blut nicht beflecken zu lassen - sich vornehm in Schweigen hüllte, aber von seiner ebenfalls vorzeigbaren Präsidentenberaterin mit Perlenkette und ohne Kopftuch Reformen über Reformen ankündigen ließ.

Und heute war der Tag der großen Präsidentenrede. Nicht einmal die Notstandsgesetze, seit läppischen 50 Jahren in Kraft, hat Assad wie eigentlich erwartet heute aufgehoben (die Abfassung neuer Antiterrorgesetze ist allerdings schon angekündigt, der dann aufgehobene Ausnahmezustand wird fortan nur anders heißen). Überhaupt war zwar wieder viel von “Reformen” die Rede, da zeichnet sich ein ganzes Reformtrauma bei Assad ab, alleine es blieb nebulös, wo diese Reformen denn nun bloß abgeblieben sind? Denn eigentlich, so Assad, hat er ja schon vor zehn Jahren mit den Reformen angefangen und sie dann nur ein wenig verschieben müssen. Jaja.

Was Assad ansonsten von sich gab, war abgeschmackter Großer-Führer-Trash, man wundert sich immer wieder, daß sich diese Leute dafür nicht irgendwann einmal zu blöd sind; die große Verschwörung war mit dabei, die große Einheit und die große Liebe zum Vaterland; alle sind Brüder und Schwestern in Syrien. Und das gilt auch für die Toten in Deraa.

Was ist also das so “Besondere” an Assad?
Genau: während der genuine Nahostführer schnittig brutal aussieht, (Saddam war da der ewige, so nie wieder erreichbare Idealtypus), oder verschlagen-verschmitzt, sieht der syrische Führer auch im elften Amtsjahr noch aus wie ein ungelenker Laiendarsteller in einem zu engen Anzug. Er wirkt auch immer so unzufrieden und verkniffen (vielleicht, weil ihm diese dummen Reformen andauernd abhanden kommen?). Er ist der ewige Konfirmant im Folterkeller. Der ewige Langweiler im Terrorcamp. Wenn das mal nichts besonderes ist.

29. März 2011, 19.43 Uhr:

"No one wants Mubarak to be put on trial"

von Jörn Schulz

Der ägyptische Blogger Sandmonkey hat sich die EU-Zentrale angeschaut und berichtet über die Lobbyarbeit des ancien régime:  „I believed Brussels was only good for waffles and chocolate, and I was surprised to find it the den of spies and lobbyists. (…) This also affects us, because many of the local players are lobbying here: For example, The Mubarak’s are lobbying here, So are the Gammals for their own business purposes in Europe separately, and even Ahmed Ezz’s family (Ezz ist ein Geschäftsmann und ehemaliger NDP-Politiker, er wurde im Februar verhaftet) is lobbying to ensure he gets ‘a fair trial’ , because he knows in a ‘fair trial’ he can drag many names in the mud with him, and have them tried as well. Especially Mubarak. That’s his card, because he knows no one wants Mubarak to be put on trial. (…) The reason why no one wants Mubarak put on trial is simple: You don’t get to be the leader of a country like Egypt for freaking 30 years without knowing where many bodies are buried. Some of those bodies might prove to be embarrassing to many world powers & could set a dangerous precedent that may fuel more revolutions.”

29. März 2011, 12.08 Uhr:

Irre Verfassungen I

von Thomas von der Osten-Sacken

Oh ja, die ganze Region des Nahen Ostens braucht ganz dringend neue Verfassungen. Alleine ein Blick in die Präambel der syrischen spricht Bände:

The Arab masses did not regard independence as their goal and the end of their sacrifices, but as a means to consolidate their struggle, and as an advanced phase in their continuing battle against the forces of imperialism, Zionism, and exploitation under the leadership of their patriotic and progressive forces in order to achieve the Arab nation’s goals of unity, freedom, and socialism. (…)

The Socialist Arab Ba’ath Party is the first movement in the Arab homeland which gives Arab unity its sound revolutionary meaning, connects the nationalist with the socialist struggle, and represents the Arab nation’s will and aspirations for a future that will bind the Arab nation with its glorious past and will enable it to carry out its role in achieving victory for the cause of freedom of all the peoples
.

Könnt man eigentlich auch übersetzen, Rainer Rupp oder Karin Leukefeld drunter schreiben und morgen als Artikel in der Jungen Welt veröffentlichen.

 

 

28. März 2011, 09.26 Uhr:

Gaddafis Geister

von Thomas von der Osten-Sacken

Gut sieht es nicht aus für Brother Leader. Die Rebellen stehen vor (bzw. laut anderen Agenturmeldungen schon in) seiner Geburtsstadt Siirte, in Ostlibyen hat er alle Kontrolle verloren, es heißt seine Truppen befänden sich mehr oder minder in Auflösung nach 9 Tagen Beschuss durch die Luftwaffe der Koalition.

Und Entsatz ist nicht in Sicht. Oder doch? Glaubt man diesem Gast des Staatsfernsehen, eilen dem bedrängten Führer nun allerlei Geister und Dämonen zur Seite:

“Also, the Saliheen (very religious people who have died) are fighting for you, and there is no room for doubt about this. There are the “people of the unseen” who are fighting for your cause. (…)

O Americans. Leave before the quick slow death raids you. Retreat and make up what you missed, and if you come forward with stubbornness, we will extend to cause more chaos in the world. And you know very well who is the “tied Libyan”. The Sultan HeemShaas (another Jinn/Djinn): the land of the Turks cracks from an earthquake caused by the selling of religion in exchange for this world. The Sultan Ashawis (another Jinn/Djinn): The land of the English, its Qatari followers and blind following Emirates, a yellow wind will carry the dust of death, and the anger of nature will cleanse the human impurities. Leave oh Sons of Adam. These cities are death warners, coming with nothing able to stop it. Your leaders left you no choice. You will die tomorrow by the day.”

27. März 2011, 21.37 Uhr:

Brüderliche Hilfe?

von Thomas von der Osten-Sacken

Eine Meldung aus der Jpost, entsprechende Vorwürfe kursieren schon seit Tagen in Kreisen der syrischen und iranischen Opposition:

Israel has raised concerns that Iran and Hezbollah are participating in the suppression of demonstrations in Syria, reported Army Radio on Sunday.The report states that according to a Foreign Ministry official in Jerusalem, local protesters have said that some of the security guards that are dispersing the protests have been speaking in Farsi, and this fact proves the close ties between Damascus and Tehran. (…)

Israel estimated that in the coming days it will be possible to see Iranian involvement in dispersing the protests in Syria.

“Syria is an Iranian acquisition, and it is clear that Iran is afraid that its investments will go down the drain.  So it has allowed for greater involvement than in other Arab countries,” Army Radio reported Foreign Ministry officials as saying.

Eher ideele Unterstützung kommt dagegen vom großen Sozialisten des 21. jahrhunderts:

AP reports that Venezuela’s Chavez offered support to the Syrian leader and blamed the US for unrest in the country.

27. März 2011, 20.16 Uhr:

Zwei Muslimbrüderparteien

von Thomas von der Osten-Sacken

Auch wenn sie es gerne anders hätten, bei den Muslimbrüdern in Ägypten herrscht alles andere als Einigkeit. Nachdem vor einigen Tagen die Jugendorganisation der Organisation die Führungsriege scharf kritisiert hatte, erklärt nun Abdel Moneim Abouel Fotouh, er wolle eine eigene Partei gründen:

In a defiant move attesting to growing rifts between dovish and hawkish camps, prominent Muslim Brotherhood reformist Abdel Moneim Abouel Fotouh has decided to form a new political party that will compete with the Freedom and Justice Party, which was itself recently launched by the Brotherhood.

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